Ausgabe 
18.6.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Kandidat bet Zentrumspartei Oberpostrat Dr. fför nig 8103, der Nackonalliberale Rechtsanwalt Tr. Pagen­stecher 4968, der Kandidat des Bundes der Landwirte Geo­meter Wolf in Stadecken 677 Stimmen. Es ist mithin eine Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten Dr. David und dem Kandidaten der Zentrumspariei erforderlich. Tie Wahlbeteiligung in der Stadt Mainz war recht rege, in­dem über 65 Prozent der Wähler ihre Stimme abgaben, und zwar stimmten hier für Tr. David 8010, für Dr. König 2742, für Dr. Pagenstecher 2416 und für Wolf 18 Wähler. Gegen die erste Wahl im Jahre 1898 haben die sozial­demokratischen Stimmen im ganzen Wahlkreis einen Zu­wachs von 2136, die Stimmen der Zentrumspartei einen solchen von 726 und die der Nationalliberalen von nur 164 Stimmen erhalten. Bei der Stichwahl im Jahre 1898 erhielt der damalige Zentrumstandidat Tr. Schmidt 12881 Stimmen und der sozialdemokratische Kandidat Dr. Tavid 12004 Stimmen und ersterer blieb somit nur mit der geringen Stimmenzahl von 877 Stimmen Sieger.

Preußen.

In den neun Ortschaften des preußischen Hin ter - laudkreises (Bezirk Rodheim), welche dem Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen zugeteilt sind, wurde die Reichstagswahl auch mit Eifer betrieben. Während bei der vorigen Reichstagswahl in Rodheim der National- liberale Krämer 31 Stimmen erhielt, wurden diesmal 47 für ihn abgegeben. In sämtlichen neun Gemeinden hat er aber diesmal nur einen Zuwachs von 81 Stimmen zu verzeichnen. Dahingegen hat sich durchweg eineStirn- menmehrheit für die Sozialdemokratie gel­tend gemacht. 1898 wählten in Rod heim nur 17 Wahl­männer Beoel, diesmal 42; im ganzen Bezirk erhielt er diesmal 260 Stünmen gegen 146 bei der früheren Wahl, mithin eine Mehrheit von 114 Stimmen.

Preßstimmeu.

Das Organ der Reichsregierung, dieNordd. Allg. Ztg.", macht die Zersplitterung der Parteien in Verbin­dung mit der Lässigkeit der Wähler für die sozialdemo­kratischen Wahlerfolge verantwortlich. Pflicht aller Parteien sei, oei den Stichwahlen jede andere Rücksichtb ei seitezulassen und, wo sozialdemo­kratische Kandidaturen in Frage kommen, geschlossen gegen diese zu stimmen. Die2Soff. Ztg." beantwortet die Frage, weshalb die Sozialdemokratie glänzende Erfolge errungen, dahin:Weil sie die Partei der radikalsten Oppo­sition gegen das herrschende System ist." DasBerl. Tage­blatt" bemerkt u. a.:Die Hoffnung, daß aus diesen Wahlen und den darauf folgenden Stichwahlen ein Reichs­tag mit einheitlicherem Gepräge zustande kommen werde, als es sein Vorgänger gehabt, hat sich schlechterdings nicht verwirklicht. Es wird sich auch im neuen Hause immer nur eine Mehrheit von Fall zu Fall bilden können." Die Kreuzztg." äußert die Hoffnung, daß bei den Konser­vativen die Mandatsverluste sich vielleicht noch durch Ge­winne würden ausgleichen lassen. Tie Befürchtung, daß der neue Reichstag in nationalen Fragen ver­sagen werde, scheine ausgeschlossen, sofern das Zentrum bei der Haltung verbleibt, die es in den letzten Jahren eingenommen hat.

Ausland.

DieFrkf. Ztg." meldet aus Brüssel: Die Nachricht von dem Erfolg der deutschen Sozialdemokratie wurde hier in früher Morgenstunde durcb Extraausgaben des sozia­listischen Organs in den Straßen verbreitet. Das sozialistische Bolkshaus zog sofort die rote Fahne aus, der Generalrat uni) die parlamentarische Gruppe der belgischen sozialisti- jcheu Partei sandten Glückwunschdepeschen an die deutschen Genossen. Das sozialistische Organ schreibt den Sieg der Sozialdemokratie teilweise dem deutschen Kaiser zu, erkennt aber seine Loyalität an, mit der er die Beeinflussung bei den Wahlen verhindert habe.

Weitere Wahlergebnisse,

soweit sie allgemeines Interesse haben.

Kassel: Stichwahl zwischen Lattmann (Neformp.) und Thiel (S.).

Mittweida: Goehre (S.) gewählt.

Lublinitz: Graf Bal le st rem (Z.) gewählt.

Parchim: Stichwahl zwischen Pachnicke (Vg.) Große (Soz.).

Dillenburg: Stichwahl zwischen Hofmann (natl.) und Burckhardt (christl.-soz.).

Saarburg.Saarlouis: Roeren (Z.) gewählt.

Montabaur: Dr. Dahlem (Z.) gewählt.

Deutsch.Krone: Stichwahl zwischen Gamp (Rp.) und Bredow (Z.)

Lüneburg.Wins en: Stichwahl zwischen Frhrn. von Wangenheim und Dr. Jaenecke (natl.).

Leobschütz: Klose (ß.) gewählt.

Schwetz: Stichwahl zwischen Holtz (ReichSp.) und Ta- woritz (ß.)

Siegen: Stöcker (christl.-soz) gewählt.

Pilllallen: Graf Komtz (k.) gewählt.

Hersfeld-Rothenburg: Stichwahl zwischen Müller- Fulda (ß.) und Werner (Antis.).

Schwerin-WiSmar: Stichwahl zwischen Büsina (nl.) und Groth (S.).

Varel: Stichwahl zwischen Träger (Volksp.) und Hug (S.).

ArnSwalde -Friedeberg: Stichwahl zwischen Bruhn (Antis.) und Obst (S.).

Guben: Stichwahl zwischen Prinz Schonaich-Carolath (n(.) und Kotzke (S.).

Kreuzberg: Fürst Hohenlohe-Oehringen (k.) gewählt. Salzmedel.Gardelegen: v. Kröchcr (L) gewählt. Ottensen: v. Elm (S.) gewählt.

Strerkfieber.

In Chicago ist eine merkwürdige neue Modeaus- gebrochen". Die Tunten der fcmftcn Gesellschaft veran­stalten Lunch-Partien nach den vornehmsten Hotels und bedienen frort ine Gäste.- Draußen heult die Menge, durch das Fenster stiegen die steine, denn die Ladies fungieren als Streikbrecherinnen! In Chicago sind nämlich die Kellner im Ausstande, mrd der Streit mit den Arbeit­gebern hat die schärfste Form angenommen, da diese unter feinen Umständen nachgeben wollen. Darin offenbart sich schon, daß die Bedeutung des .Kampfes über die komische Seite und das reine totale Interesse weit yinaus- geht. Sic erstreckt sich in ba* grundsätzliche, in bar- livische, ui das soziale Bereich. Der Streck ist zugleich ein Symptom, wirtschaftlich nicht mehr ganz gechmder Zu stände in der Union.

Der HoteKriea hat sich jetzt bereits nach Newyork übertragen, und droht anm Die anderen großen Städte zu ergreifen. Frederik Bovmann, der Vorsitzende der Chi­cagoer Gruppe, reist zu Organisationszwecken umher. In den Versammlungen spricht er in vier Sprachen, besonders aber in derMemuse", einem aus Englisch und Französisch gemischtem Volapük, bq|cn sich in den ersten Hotels Ober­kellner und Buchhalter bedienen, wenn sie sich über die Ausschreibung der Rechnung für besondersschwere" Gäste verständigen wollen. In Newyork ist es ihm gelungen, 800 Köche der City-Hotels zum Einstellen der Arbeit zu bewegen. Im übrigen kann er unter den 50000 Hotelange­stellten der City aber nur auf die Mitwirkung von etwa 6000 Personen rechnen. Die Arbeitswilligen rekrutieren sich namentlich aus dem Personal der vornehmen Häuser, das mit Gewinnbeteiligung angestellt ist. Seine Anhänger stndet er bei den Bortenders, d. h. den auf eigene Rech­nung arbeitenden Schenkkellner und den Zimmermädchen. Aber auch diese beiden Gruppen haben ihre selbständige Organisation und folgen den Befehlen der internationalen Hotelangestellten-Vereinigung. Treten sie in den Ausstand, so droht sich der Streik auch aus den alten Kontinent zu übertragen. Ter Generalmaneger eines Hotels in St. Louis sagte uns kürzlich, vor der Ausstellungszeit sei ein bis auss Messer zu führender Ausstand zu erwarten. Wie ernst der Kampf jetzt schon zu nehmen ist, geht daraus hervor, daß die Hoteliers sich nicht scheuen, die brennende Negerfrage von neuem zu entfachen, indem sie aus den Süostaaten ganze Züge schwarzer Kellner kommen lassen. Unter diesen Umständen dürfte man bald von Unruhen hören.

Der Kellnerberuf ist noch immer derjenige, dessen Leistungen von der persönlichen Anstrengung des (Änzeluen abhängen, am wenigsten aber von der Maschine. Der deutsche Kellner ist in England, der französische in der Union so geschätzt, weil er sich von diesem Gesichtspunkte leiten läßt. Teshalb ist es bezeichnend, wenn auf dem alten wie dem neuen Kontinent auch in diesem Berufs­zweige der Stampf gegen das freie Arbeitsrecht des Ein­zelnen immer schärfer geführt wird; bezeichnend, daß selbst in dieses Gewerbe und in der Union der Kasten­geist sich regt, die rftcht gelernten Wettbewerber auszu- fchließen, und das aus dem englischen Trade-Unionismus überkommene Bestreben sicb mit wachsender Kraft geltend macht, die persönliche Leistungsfähigkeit des Einzelnen be­hufs Einstellung zahlreicherer Arbeiter zu beschränken. Wo­hin das führt, zeigt der Fall bei den Bauten der Brckisch Westinghouse Co., wo die organisierten englischen Maurer nicht mehr als 800 Steine täglich legen wollten, bis man amerikanische Arbeiter kommen ließ, die den Rekord von 2000 Steinen aufstellten. Der auch in Deutschland be­kannte Lotonwtivenbauer Fovter erklärt:Tiefer Kampf entscheidet über die Zukunft der britischen Rasse". Der amerikanische Unterstaatssekretär Vanderliy, dessen Buch Über das Eindringen Amerikas in das europäische Wckt- schafstgebiet so viel Auffehen machte, ist der Ansicht:Was von dem Geiste solcher Streiks zurückgeblieben ist, bleibt eine Gefahr für die gedeihliche Entwickelung Amerikas". Bostoner Privatberichte melden von einem bedenklichen Anwachsen des Streikfiebers unter den Arbeitern der Eisen- und Kohlenindustrie und von der Unfähigkeck der Arbeit­geber, weitere Zugeständnisse zu machen. Sie sehen hierin den dunklen Punkt der Konjunktur. Die Präsidentschafts- kampagne regt das Fieber an. Die Arbeiter wollen um jeden Preis mehr Einfluß im Parlamente. Hoffentlich schlägt das Streikfieber nicht nach Europa über.

Volitische Tagesschau.

Zentralverband deutscher Zudustrieller und Haudelsvertragsverem.

In der Delegiertenversammlung des ßentraloerbandes deutscher Industrieller vom 17. März d. Js. hatte General­sekretär Bueck seinem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben, daß zahlreiche Müglieder des ßentraloerbandes, namentlich 18 Ausschußmitglieder, dem Handelsoertragsverein beigetreten sind. Hiergegen hatte das Organ des Handelsoertragsvereins polemisiert. Run schreibt Herr Bueck in derDeutschen Juristenztg.* u. a.:

Bei der Unterstützung, die dem Handelsoertragsverein bei seiner Begründung von Mitgliedern des ßentraloerbandes zuteil wurde, handelte es sich durchaus nicht umdas Wanken der eigenen Schlachtreihen*, wie der Handelsoertragsverein zu glauben sich den Anschein giebt. Man nahm vielmehr an, daß auch der neue Verein das vom ßentraloerbanb stets hochgehaltene und erstrebte ßiel, den Abschluß guter Handels­verträge, mit allen seinen Kräften verfolgen werde, und daher glaubte man gut zu tun, auch ihn durch Beitritt zu kräftigen. Hätte man wißen können, daß dieser Handelsoertragsverein sich unter die Leckung der freisinnigen extremen Freihändler stellen würde, die in Gemeinschaft mit den Sozialdemokraten den Abschluß vorteilhafter Handelsverträge nicht weniger ge­fährden wie die extremsten Agrarier, so würde dem Handels­vertragsverein wohl kaum die Unterstützung irgend eines Mitgliedes des ßentraloerbandes zuteil geworden sein. Jetzt, nachdem jener Verein sein wahres Gesicht gezeigt hat, suchen die Mitglieder des ßentraloerbandes sich auch wieder von ihm zu trennen, was ihnen freilich nicht gerade leicht wird, da der Verein alle formalen Hilfsmittel anwendet, um die Beiträge der Mitglieder des ßentraloerbandes noch weiter zu beziehen.*

Präsident Roosevelt über den deutschen Gesang.

Am zweiten Tage des Sängerfestes des nordöstlichen Sängerbundes waren in Baltimore Präsident Roosevelt, der deutsche Gesandte Frhr. Speck v. Sternburg, Minister v. Rheinbaben und die hervorragendsten Staats- und Muni­zipalbeamten zugegen. Tas Marineamt hatte mehrere Trehschiffe zur Verherrlichung des Festes dorthin ent­sendet Bei dem Abendkonzert hieck Präsident Roosevelt vor 15 000 Anw es ende ii ein,1 längere Rede, in der er frie Deutschamerikaner pries, welche seit Mühlenbergs Zeilen alle Kampfe des amerikanischen Volkes mitge- fock)ten hacken, und welche zu den wertvockften Elementen des amerikanischen Volkes gehörten. (Pastor Peter Aiühlen- berg m Pennsylvaicken verließ im Unabhängigkeitskriege die Kan^l und nahm mit einem ans Männern seiner Ge­meinde bestehenden Regiment hervorragenden Anteil am kampie.) Terdeutsche Ges an g erfülle eine Äultur- Mission, seine fernere Ausbreitung fei dringend wüu- h\;:voen. Baron v. Sternburg sprach mit Rücksicht auf den a. wesenden Prä; identen englisch. Er sagte, er freue I*1- OandSleute begrüßen zu lönnen, welche so viel zum Ruhme des herrlichen Landes beigetragen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 18. Juni 1903.

Nachrichten au8 Stadt und Land sind uns stets willkommen und werden angemeffen honoriert!

* Arbeitgeberverband. Gestern Abend fonjiituirte sich der .Verband der Arbeitgeber für das Schneider- Gewerbe m Gießen*, welchem fast sämtliche Firmen und selbständige Meister beitraten. Derselbe schließt sich dem Allg. Deutschen Arbeitgeber-Verband an.

t. Alten-Bus eck, 16. Juni. Heute wurde die Fran des Schneiders G. wegen Diebstahls verhaftet. Sie war verdächtig, schon seit längerer Zeit aus der Ladenkasie des Konsums größere Geldbeträge entwendet zu haben, formte aber wegen Beweismangels nicht überführt werden, bis heute der Besitzer des Konfurns die Fran bei frischer Tat ertappte. Sie wurde sofort durch die Gendarmerie in Untersuchungshaft nach Gießen gebracht.

n. Groß-Felda, 17. Juni. Sonntag den 21. l. M. feiert der weit und breit bekannte hiesige Gastwirt Kaspar Völzing das Fest der goldenen Hochzcitz

4- Aus dem Ohmtale, 17. Juni. Die Preise bei den gegenwärtig stattfindenden Grasversteigerungen von Kommunal- und Domanialwiesen sind entschieden höher, als man nach dem Stande des Heugrases erwarten sollte. Aller­dings ist derselbe m nassen Lagen nicht der beste, aber sonst allgemein doch ein vorzüglicher. Der Zentner Heu stellt sich öfters bei den Versteigerungen höher, als er seither aus der Scheuer gegolten. Rian bezahlte letzthin für altes Heu 2 Mk. bis 2 Mk. 20 Pfg.; auf der Wiese kostete er nicht selten bis zu 2 Mk. 50 Pfg. Großer Mangel herrscht zur Zeit in den Setzpflanzen, insonderheit Dickivurzpflanzen. Die jungen Sämereien sind meist der kalten Frühlingswitterung zum Opfer gefallen; andere schieben ihre Vernichtung der Unzahl von Regenwürmern auf das Kerbholz, die aber doch keine Pflänzchen nach Behauptung der Raturgelehcken fressen können. Einerlei, sie fehlen den meisten Landwirten unserer Ockschaften und müssen oft aus weiten Gegenden herbei­geschafft werden.

-t- 5) a r m ft a b t, 17. Juni. Der gemeinnützig Bau­vereinDaheim" hier hat im Geschäftsjahre 1902 eine größere Tätigkeit wie in den vorangegangenen Jahren ent­faltet. Es konnten 7 Häuser (3 Doppelhäuser und 1 Einzel­haus) erbaut werden. Die Häuser gingen alsbald, zumeist schon vor ihrer Fertigstellung m den Besitz von Mitgliedern über. Es sind bisher im ganzen 22 Häuser erbaut worden im Werte von 157600 Mk.; dieselben sind an minderbe­mittelte Familien verkauft. Die Häuser machen in ihrer äu­ßeren Ansicht einen sehr angenehmen Eindruck, die Fayadcn sind mit billigen Mitteln abwechslungsreich gestaltet, sodaß der Komplex ein villenartiges Gepräge trägt. Das Innere ent­spricht den Bedürfnissen der Bewohner, auch ist jedem Hause ein Gärtchen beigegeben. Die Finanzlage des Vereins ist eine sehr gute; im Jahre 1902 wurde eine Dividende von 3y2 pCt. verteilt und es steht zu hoffen, daß in Zukunft die statutgemäße Höchstdividende von 4 pCt. gezahlt werden kann. Die Reserven betragen 13 917,41 Mk. Im Jahre 1902 wurden wieder 29 Anteilscheine begeben, ein Zeichen dafür, daß die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins m immer wetteren Kreisen Interesse finben.

Universitüts Nachrichten.

Das Heibelderger Universitätsjubiläum. Im Einverständnis mit der städtischen Verwaltung, der groß- Yerzoglichen Regierrmg und dem Karlsruher Hof ist, wie dieFranks. Ztg." meldet, für öic Jubelfeier der Universität folgendes deftnitioe Programm festgesetzt worde-.i: Vorabend: Mittwoch, den 5. August: Empfang der Deputierten beim Prorektor. Allgemeiner Empfang von Festgästen in der Stadthalle. Fackelzug zur Begrüßung des Großherzogs. Erster Tag: Donnerstag, den 6. August, vormittags 9 Uhr: Unioersitätsgottesdienst in der Peterskirche (und Gottes­dienste für die Angehörigen anderer Konsesflonen). Danach Imbiß im Saalbau (Mujeum). Vormittags 11 Uhr: Festaktus in der Aula. Nachmittags 4 Uhr: Festmahl in der Stadlhalle. Abends: Einladung der Stadt in den festlich beleuchteten Schloßhof. Zweiter ^.ag: Freitag, den 7. August, vormittags 11 Uhr: Festrede in der Stadlhalle. Mittags: private Vereinigungen. Abends 8 */, Uhr: Festkommers in der Stadlhalle. Dritter Tag: Samstag, den 8. August: vormittags 11 Uhr: Ehrenpromotionen in der Stadlhalle. Nachmittag und Abend Vorbehalten für die von dem Großherzog in Aussicht gestellte Festlichkeit in Schwetzingen. Sonntag, den 9. August, abends: Schloßbeleuchtung mit nachfolgender Reumon in der Stadthalle, gegeben von der Stadt.

Gerichtschal.

K. v. Darmstadt, 17. Juni. Schwurgericht. Wegen Unterschlagung und V erbreche ns im Amt hatte sich heute der Kreisamtsge Hilfe Emanuel Hohen adel, geb. 26. März 1877 zu Mainz, kaih., zu verantwoneii. Der An­geklagte war auf dem Kreisamt zu Heppenheim beschäftigt und, da dort gerade ein Bedarf war, vom Schreibgehilfen mit 650 Mk. nach bestandenem Examen mit emem Gehalt von 1400 Mk. als Registrator augestellt worden. Er hat aber das in ihn gefetzte Vertrauen in schnödester Weise Mißbraucht. Kaum Halle er den Posten angetreten, so unterschlug er den Betrag von 20 Mk., den für einen armen verunglückten Stemhauer zur Beschaffung eines hölzernen Beines gespendet hatte, und weiter unterschlug er dann in 17 nachgewiesenen Fällen Beträge von 5, 6, 10, 30, 40, 60 Alk. u. f. w. öiiminen, die meist von wohltätigen Gebern für arme notleidende Familien bestimmt waren. Um diese Unterschlagungen zu verdecken, hat er dann die betreffenden Akten­stücke, Urkunden re. vernichtet oder bet Sette geschafft und sich über­haupt des Verbrecheiis un Amt nach 340, 344, 350 re. schuldig gemachk. Tie AnttaAe sühne Staatsanivall v. Psister, die Ver­teidigung Justizrat S ch m e e 1 I. Tie Verhandlung dauerte bis 6 Uhr abends. Tie Gefchivorenen sprachen den Angeklagten der Uitterfchlagung und der vorsätzlichen Beisetteschaffung oder Ver- ohc Un$ DOn llrllmdEu schukstg, verneinten jedoch die Frage der Abfichr einer Beschaffung von Vermögensooi teilen. Ter Staats- anwalt beantragte 3 Jahre Gesängms, das Urteil lautete auf 1

Monate, welch letztere durch die Unlersuchiingshaft oer- ouBt smd.

Kandel uni» Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

- , Limburg a. d. L., 17. Juni. Fruchtmarkt. Turch- K^tspceife pr. Malter. Roter <1 : ,en 14.10 Mk., Weißer Weizen 00.00 Ack., Korn 1L14 Mk., Gerne 9.00 Mk., Vater 6.86 Mk. Erbsen 0.00 Alk^ Kartoffeln o.00 Alk.

, .H iedberg, 17.Ium. Ter heutige Markt verlies ruhu, der fchlechtem Geschäftsgang, da der Schwememarkl wegen be' <^hu>e«epep verboten ist. y