Donnerstag 18. Juni 1003
153. Jahrgang
(Erstes Blatt.
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flbrtfle für Tevefchem «ozetger «irfcnu grnilptrd)anldilu§9h.6L
Nr. 140
Grschet»t tieft* anher Sonntags.
Dem Gtttzrner Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Keffische» tanbrolrt die Siebener Zamiiten« blätter otermal in der Woche beigcUflL
Roianxmebrud u. Verlag der Brühl 'sehen Unwert.-Bach- a.Stei»- bcudectt (tlKÖd) tirbe*)
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Teil. P. Sittloi tüt ,3labt und tianb* und (Aenchtssaaf. Auguft Götz, tüi den *ln- zeigenteil: Hans Beck.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Wach den Wahlen.
Es lagen bis heule mittag nach uns Angegangenen Drahtmeldungen aus Berlin 396 Wahlresultate vor Hiervon sind 213 endgiltig, während 183 Stichwahlen erforderlich sind. Tie 213 gewählten Abgeordneten setzen sich wie folgt zusammen: 31 Konservative, 1 Bd. der Landw., 2 Bauerndündler, 6 Reichsp., 86 Zentr., 5 Natlib., 1 Freis. Bereinig., 1 2lntis., 1 Christl^-Soz, 14 Polen, 1 Däne, 7 Elsässer und 57 Soziald em. — Bei den Stichwahlen sind beteiligt 35 Lons., 13 Bd. d. Landw., 15 Reichsp., 35 Zentr., 66 Natlib., 13 Freis. Bereinig., 24 Freis. Dolksp., 9 deutsche Dolksp., 11 Antis., 2 Christi-So-., 6 Polen, 9 Welfen, 1 Nationalsoz, 4 Elsässer, 120 Sozial- bem., 2 Wilde und 1 Dauerndündler.
Die Ergebnisse der Wahl zeigen eine deutliche Niederlage der extremen Agrarier. Vom Bunde der Landwirte sind drei Führer, Nösicke, Dr. Hahn und Lucke unterlegen. Die Linksliberalen verloren mindestens ein Drittel ihres Besitzstandes. Nicht wiedergewählt sind Lrüger - Wiesbaden, Beckh-Loburg, Schra d er-LandSberg und Fr es e - Bremen.
Die Sozialdemokraten gewannen bisher 12 Sitze, nämlich: 5. Berlin, Reichenbach, Aschersleben, Kiel, Solingen, Löbau, Meißen, Pirna, Mittweida, Annaberg, Plauen, Schwarzburg-Sondershausen, sie verloren Bernburg und Sorau. Die Konservatieen gewannen Zsillichau und Bütow und verloren Erfurt, Löbau und Plauen. Die Nationalliberalen gewannen Sorau und Bernburg, verloren Aschersleben, Herford, Mitt- weida, Annaberg und Sondershausen. Das Zentrum verlor Reichenbach, Straubing und Fraustadt. Die Freisinnige DolkSpartei verlor 5. Berlin, Lüben, Quer» furt, Eisenach, Koburg, Schaumburg und Wiesbaden. Die Freisinnige Vereinigung verlor Lands berg, Züllichau, Bütow, Czarnikau, Schleswig, Kiel und Bremen. Die Deutsche Volks Partei verlor Ansbach, Böblingen und Backnang. Die Reformpartei verlor Gießen, Pirna, Meißen. Der Bund der Landwirte verlor Kaiserslautern, Bretten und Geestemünde. Die Welfen verloren zwei Sitze, die Reichspartei, Wilden und Anti. semiten je einen Sitz.
Im Königreich Sachsen erhielten, wie wir bereits gestern kurz mitteilten, die Sozialdemokaten allein 100,000 Stimmen mehr als alle anderen Parteien zusammengenommen. Von den 23 Wahlkreisen siegten die Sozialdemokraten in 18, während kein einziger bürgerlicher Kandidat gewählt wurde. In den 5 übrigen Kreisen kommen die Sozialdemokraten mit 3 Konservativen, 1 Sintisemit und 1 Nationalliberalen in Stichwahl.
Der.Vorwärts* ergeht sich bereits also in den höchsten
Jubeltönen:
Berlin, die Hauptstadt der Sozialdemokratie I Deutschland, das Reich der Sozialdemokratie I Berlin-Deutschland hat das Tischtuch mit der Reaktion aller Farben endgültig zerschnitten, m Berlin herrscht ungeheure Beaetsteruiig, der Zusammenbruch deS Freising ist vollständig, der Besuch der Konservativen, Boden m der Retchs- hauprstadt zu gewinnen, ist kläglich gescheuert. Berlin hat um 68 000 sozialdemokratische Stimmen zugenommen; gewaltig sind auck die Erfolge in den Berlin vorgelagerten Wahlkreisen, und Sieg auf Sieg künden auch die Nachrichten aus der Prcwinz, unsere Hochburgen haben wir behauptet, übaraU mit starkem Stimmenzuwachs. Sachfen ist völlig das rote Königreich geworden seM "eiozia-Stadt ist nah« dem sozialdemokratifchen Stege, eme Siegesnachricht drängt die andere, nur ganz vereinzelt kommen Meldungen, die geringere FortschritUe zeigen Ruck,chrttte nirgends. Auck in rem agrarische Wahlkreise, wie Altenburg sind wir siegreich eingedrungen, im Zentrums türm Kassen btt Risse, Äattoroig, der Ae S'tz der Klerikalen, ist für das Zentrum verloren, tm rhemtsch- westZischen Industriebezirk ist die «ozmldemokratie mächtig gegen das Zentrum vorgedrungen, m Württemberg gegen die Demottmie. Das deutsche Voll hat den gewaltigsten Protest gegen dre herrschend« Reaktion abgegeben, nut Donnerittmme reden di« Zahlen der Stimmen der Brotwucher ist gerichtet und alle», roa» um cho ftch ötanat, die Wahlen sind em zerschmetternder Dchlag für da»ganz« berrickende Snstem - wem, dre Nacht vollendet, was dte Mitter- nacht^begonnen, dann bereitet-sich WAM-e^ dn deutsch« Politik vor. Deutschland wird zum Lande SoztaltSmi^, de» uniiberwindlich vorwärts drängenden, zum Befreier Erich«, der Steg des deutschen Proletariat» ist der Sieg der deuychen Kultur, tmser das Reich, unser die Weit.
Die Stichwahlen werden den Herren Sozialdemokraten ru beweisen haben, daß eS mit der Umwandlung des deutschen Reiches in einen sozialistischen ^dealstaat^ noch gute Wege hat.
Der Fortschritt der Sozialdemokratie mid die starke Niederlage der Agrarier, das sind dte allerdings ins Auge fallenden Ergebnisse d«w Wahlen wie bet uns, so im Reiche. Auch das verwohnte Zentrum bat Schlappen erlitten und muß von seiner non 106 Mitgliedern eine Anzahl Stufen herabstergen. Deutsche Reichspartei hört auf eine ^raktron ru bilden; es reicht nicht mehr dazu, und wenn he in den Stichwahlen selbst noch ^ halbes Dutzend iianby datm durmdrächie. Lon betn g^lch-n Schicksal der Auf. lösens roeroen die Polen betr°n,en. Freisinn, ge Bolksvarter, deutsche Volispartei und srer innige Vereinig, ung sind äu- dem ersten Wichlgcmg Mit einem ein- -iaen Mann hervorgegangem Lon Antisemiten Geschwinden mit Herrn Kohler-Langsdor, alle bis aus vielleicht zwer oder drei Vertreter aus dem Reichstag.
Die Nationalliberalen dagegen wie die Shm- servatioen haben nicht übel abgeschnitten. Bei den Natio- nalliberalen entscheiden freilich wie bei unS, jo in Lauterbach, Friedberg, Offenbach, Worms und ebenso im ganzen Reiche erst die Stichwahlen, doch berechtigt der größere teil der Wahlkreise zu guten Aussichten. (Erne Zeile, die dies bereits in unserm gestrigen Artikel aussprach, ist durch ein-technisches Versehen gestern in Fortfall gekommen.)
Nicht so günstist stehen die Chancen für die Konservativen in der Stichwahl. Andererseits haben sie schon über 30 Mandate hinter sich, während die Nationalliberalen zurzeit kaum ein halbes Dutzend ihr eigen nennen.
Ter Sozialdemokraten bekannte Wortführer ind ohne Ausnahme sofort, und stellenweise mit sehr erheblicher Diehrheit wiedergewählt worden. Ten anderen Parteien, mit Ausnahme des Zentrums, fehlen einstweilen die Häupter. Tie bisherige sozialistische Parteistärke (58) ist fast erreicht, und die 120 Stichwahlbstei- ligungen, hauptsächlich gegen NationallibKale, Freisinnige und Zentrum, werfen vielleicht doch noch einen Gewinn von 20 bis 30 Mandaten für sie ab. In der Reichshaupt- stadt wird der erste Wahlkreis, der einzige der freisinnigen Volkspariei nicht verloren gegangene, nur durch die entschiedenste Unterstützung von konservativer Seite zu retten fein.
Bei den Wahl-Mißerfolgen wird in vielen Wahlkreisen nach den Schuldigen geforscht. Rechts wird der Reichsregierung das Hauptmaß der Verantwortlichkeit bei- gemessen für das Anwachsen der Sozialdemvlratie. Die Regierung habe mit verschränkten Armen der sozialdemokratischen Wahl-Propaganda zugesehen, es sei ihr nicht ein- Je fallen, auch nur den Versuch zu machen, die gröbsten ozialdemokratischen Bebauptungen zu widerlegen. Bis in •ie neueste Zeit sei vielmehr die Sozialdemokratie von der Regierung fast mit Wohlwollen behandelt worden. Links schiebt man die Schuld an dem Rückgang des Liberalismus vielfach auf den Führer der freisinnigen Bollspartei. Seine taktische Haltung beim Zolltarif habe große Massen von Wählern ins Lager der entschiedenen Opposition hinübergetrieben.
Wir erklären uns die sozialdemokratischen Erfolge iux Reiche aus zwei weniger ko.nplizierten Gründen. Wer irgendwie glaubt Grund zu persönlichen Nagen zu haben, der ist von vornherein geneigt, feine Stimme derjenigen Partei zu geben, die der ganzen bestehenden Gesellschaftsordnung den Krieg erklärt. Es kommt hinzu diese oder jene politische Verstimmung, die sich im Laufe der Fahre an gesammelt hat, gewisse Unbegreiflichkeiten ans verschiedenen Gebieten des öffenllichen Lebens, die nicht begreif- licher geworden sind durch offizielle und offiziöse Erklärungen. Wir brauchen an die „Fälle", welche die öffentliche Aufmerksamkeit erregten, nicht im einzelnen zu erinnern. Und gar so klein ist das Häuflein derer nicht, so namentlich unter den allzu jugendlichen, unreifen Wählern, die da aus reinem sträflichen lieber mut sagen: „Wir wollen doch mal sehen, wie s geht, wenn die Sozialdemokraten in der Mehrheit sind!" Endlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß die dem Zentrum von der Regierung immer völliger eingeräumte Machtstellung auch zur Mehrung des Mißbehagens beigetragen hat. Es sind aber ganz gewiß keineswegs alle überzeugte Sozialdemokraten, im Parteisinne, die sozialdemokratisch gewählt haben, ja nicht einmal alle überhaupt Unzufriedene!
Ballestrem.
Der neue Reichstaa wird feinen alten Präsid eilten wieder erhalten: Graf Ballestrem hat sein ob«schlesi- sches Mandat im ersten Wahlgange zurück erobert. Mit der Gegnerschaft der Polen ist eS also nicht so schlimm geworden, wie die polnische Presse glauben machen wollte, oder aber es hat dre Beliebtheit des Grasen Ballestrem bei der Berg- arbeiterbevöllerung des Gleiwitzer Bezirks den Sieg davongetragen über die Wahlmanöver der polnischen Blätter. Die Möglichkeit, daß Gras Ballestrem von einer erneuten Be- tDcnbung um das Reichstagspräsidium Abstand nehmen könne, ist wohl als ausgeschlossen zu betrachten.
Wahlkreis vießen.
Den uns heute vorlregenden l-tachvichten aus unserem Wah l krei se Gi e ß en - Gr ünberg-Nid da zufolge hat sich allenthalben bei uns das Wahlgeschäst sehr ruhig abgespielt. UeberaH sorgten natürlich am frühesten die Sozialdemokraten für Verteilung ihrer Stimmzettel. Zunge SWt* nahmen Hans für Haus vor und gaben meist zwei Stimmzettel ab. Die bürgerlichen Parteien könnten sich das zum Vorbild nehmen.
" Auch das Ergebnis des letzten fehlenden Ortes, Röthges, liegt heute vor. Danach erhielten dort Heyligen- staedt 1, Löhler 35 und Krumm 4 Stimmen.
Demnach das endgiltige Schlntzresnttat: Heyligenftaedt 5356, Köhler 5022, Krumm 6034.
1896: Natlib. 2442, Freis. 2129, Antis. 4477, Soz 3351; 1898: Natlib. 4159, Antis. 4718, S03. 4495. Das Zentrum hatte 1898 79, diesmal 91 Stimmen tm ganzen Wahlkreise.
$m Wahlbureau des 3. Wahlbezirks im Turmhaus am Brand fand man auf einem Wahlzelle! folgende .poetische« Bemerkung vor, die allerdings an Blödsinn mchtS zu wünschen übrig läßt:
Heut ist der Tag zur Wahl m ^eusicylands Runde,
Es gehr nmnches Won im Vollesrnunde,
Welcher gewählle Ranuibat wird am bestrebtesten fein, Ter kämpsl für Recht und Gut Und niajt fürs Ausbeutungs-Verein.
Sm nördlichen Teil unseres Wahlkreises war die Wahll tätigteu ziemlich flau; ost erreichte die Zahl der Stim
menden laum die Halste der Stimmberechtigten. Somit wurde gerade der Partei, die alle Mann an ttorb ruft, der „Sieg" leicht gemacht. ES ist ganz zweifellos, daß trotz allem bu Zahl der Gleichgilltgen, Lässigen, Wahlfaulen sich aus den Äiännem der imtucren Rcchtung rekrutierte.
Wenn wir die jetzigen Ergebnisse in den einzelnen Ortschaften mit denen vor fünf Fahren vergleichen, so ergeben ich hier und da überraschende Veränderungen.
Zn Gießen ist die Zahl der Soz. von 1296 auf 1565 gestiegen, die Zahl der liberalen Wähler aber von 1707 auf 2240. In Mbach ist die Zahl der Stimmen für den liberalen Kandidaten von 14 auf 30 angewachfen. In Allendors a. d. L. fiel die Zahl der Stimmen für Herrn Nöhler von 158 auf 96. In Allertshausen ist dte Zahl der Sozialdemokraten von 2 auf 12 gestiegen, in Annerod von 8 auf 31. In Bettenhausen siel t>ie Zahl der Stimmen für Köhler von 68 auf 46 und in Steuern von 73 auf 49, sehr zu Ohinftcu der beiden übrigen Kandidaten. In Burkhardsfelden stieg die Zahl der Sozialdenwkraten von 10 auf 30. In lltttttgshauicn gingen etwa 20 Stimmen von Köhler auf den Sozialdemokraten über. In Göbelnrod stieg die Zahl der lib. Stimmen von 17 auf 41. In Großen-Buseck hat Köhler 36 Stimmen verloren, der Sozialdemokrat 9. In Grünberg stieg die Zahl der üb. Stimmen von 148 auf 205, während die Soz. nur 2 Stimmen mehr erhalten haben. In Grüningen hat Köhler von 71 Wählern nur 32 behalten. In Harbach erhiellen die Lid. stüher 13, diesmal 45 Stimmen. In Hausen ist die Zahl der Soz. von 42 auf 61 gestiegen zu Ungun ft en des Üb. Kandidaten (stüher 23, jetzt 9). Heuchelheim hat nur 3 soziald. Stimmen mehr (268) 271; Köhler dagegen hat dort 20 Stimmen gewonnen. In Kesselbach hat Köhler statt stüher 47 Stimmen jetzt 16 erhallen. In Klein- Lind en ist die Zahl der lib. Wähler von 27 auf 67 gestiegen; die Soziald. haben nur 11 Stimmen mehr (88) 99 erhalten. In Lang-Göns ist die Zahl der Wähler von Köhler von 208 auf 142 gesunken, die der Soziald. ist dagegen von 7 auf 62 gestiegen. In Langsdorf find Kohler die ihm 1698 treu gewesenen 78 Stimmen vollständig erhalten geblieben, aber auch um keine aeftieaen. Leihgestern hat früher 8, jetzt 30 liberale, und stüher 84, jetzt 135 soziald. Stimmen abgegeben. In Lindenstruth sind 10 Wähler von Köhler auf den Soz. übergegangen. Ter Fabrikort Lollar yat 34 soz. Stimmen mehr (132) 166. In Londorf sind 12 soziald. Stimmen weniger, die zur Hälfte dem Liberalen jugefallen sind. In Stornien- rod ist die Zahl der lib. Wähler von 7 auf 38 gestiegen und die der Antis. von 21 auf 6 gefallen. In Oueckbvrn ist etwa die Hälfte der früheren Wähler diesmal nicht an der Urne erschienen. In Reinhardhain erhielt der liberale Kandidat jetzt 39, früher 16 Stimmen; in Reiskirchen sogar statt 27 55, die sämtlich dem Soz verloren aingen. In Stangenrod stieg die Zahl der Wähler Köhlers ron 18 auf 44. — In Trais-Horloff hat der Soz 27 6t gewonnen, d. h. er stieg von 7 auf 34. Watzenborn wählte statt früher 17 diesmal 36 Liberale und statt 168 Soz diesmal deren 211. In Wieseck ist die Zahl der Soz auch nur um 26 gestiegen. In Bernsfeld hat sich das Ergebnis einfach umgekehrt; statt 40 Lib. sind diesmal 47 bauernbündlerische Stimmen abgegeben worden. In Nieder- Ohmen stieg die Zahl der Soz von 24 auf 51, in Gedern ton 41 auf 72, wahrscheinlich weil noch am letzten Sonntag Krumm mit seinem Stab dort hingeeill war und eifrig agitierte. In Steinberg sind 11 Wähler Herrn Köhler zu Gunsten Krumms untreu geworden. Volkartshain hat diesmal allein 34 lib. Stimmen abgegeben; vor 5 Jahren überhaupt nur 13, und zwar 6 lib., 3 bauembbünbL und, wie auch diesmal, 4 sozialdemoIratische.
Im Kreise Büdingen scheint fast durchweg ein Stimmenzuwachs für Köhler ftattgefun* den zu haben. 3m übrigen ist schon nach diesen flüchtigen Gegenüberstellungen der Rückgang ber bauern- bündlerischen Stimmen, namentlich im nördlichen Teile des Wahlkreises, ganz eklatant. — In Geiß- Nidda stieg die Zahl der liberalen Wähler von 12 auf 45, in Gelnhaar von 17 auf 66. In der Stadt Nidda hat der Liberalismus 54 Stimmen gewonnen.
Großherzogtnm Heffen.
In Laubach herrschte, wie man uns von dort schreibt, eine große Interesselosigkeit an der Wahl, indem nur der dritte Teil der Wsichlberechtigten von seinem Wahlrecht Gebrauch machte. Es wurden 85 Stimmen für Dr. Wallau, 54 für Bindewald abgegeben. In den Orten des Amtsgerichtsbezirks Laubach erhielt Wallau sehr wenig Stimmen. Wie die Stichwahl ausfälll, läßt sich nicht Jagen.
lieber die Wahl rm Streife Offenbach-Dieburg liegen noch nicht aus allen Orten die Ziffern vor, allein es steht annähernd fest, daß Mnch 16485 Stimmen, Dr. Becker 11796 Stimmen und PH. liebel 6313 Stimmen erhalten haben und somit, wie wir schon meldeten, zwischen dem Liberalen Dr. Becker unb dem Svzialijten Ulrich Stichwahl nötig ist. Lehr charakteristisch i|t selbst noch dem ,^nenb. Abendbl.' des Herrn Ulrich das ungemeine Anwachsen der Liberal-Antisemitischen Vereinigung. Dor fünf Jahren brachten es die beiden Kandidaten der Parteien auf 5725 Stimmen, während sie diesmal doppelt so viel Stimmen auf ihren gemeinsamen Kandidaten vereinigten. Dieser Zuchwachs ist zum Teil der vortrefflichen Agitation der vereinigten bürgerlichen Parteien zuzüschreiben, indem sie namentlich für günstige Hand el erkannten.
Aus Mainz wird uns folgendes getrieben: Vorbehaltlich einiger kleiner Abänderungen ist das Gesamt^ wahlresullal im Wahlkreis i'.tainz-Oppenheim: Von 35 823 Wahlberechtigter, l ;cn 2-; 613 —ähler abgestimmt. Davon erhielt der Sozialdemokrat Dr. David 12 890, ber


