Ausgabe 
18.5.1903 Zweites Blatt
 
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Polizei griff ein und trennte die Kämpfenden und führte etwa 50 Personen, die an den Ausschreitungen teilgenommen hatten, hinaus. Fünf Personen wurden verhaftet.

Madrid, 17. Mai. Einem Telegramm aus Melilla zufolge griffen die Truppen des Sultans Taz za an und nahmen es im Sturm. Vorher hatten sie die Umgebung des Ortes geplündert und in Brand gesteckt. Zahd reiche Personen büßten ihr Leben ein.

Sofia, 17. Mai. Fürst Ferdinand nahm die Demiffion des Kabinetts Danew an und betraute den General Petrow mit der Neubildung.

Petersburg, 16. Mai. Wahrend der gestrigen Pa- rade sprang ein Mann aus dem Volke her­vor, als der Kaiser auf dem Platz vor dem Winter- palars die Front der Kavallerie-Regimenter ab- ntt* er siel vor dem Kaiser auf die Knie, um eine Bitt- schrrft zu überreichen. Als der Kaiser auf dem Marsfeld die Front der anderen Truppenteile abritt, trat ein anderer Mann an den Wagen der beiden Kaiserinnen heran und überreichte gleichfalls eine Bittschrift, die die Kaiserin Alexandra entgegennahm. Zur Zur Feststellung chrer Per­sönlichkeiten wurden wurderi beide Münner von der Polizei ab geführt.

Uesküb, 17. Mai. Die türkischen Truppen, die ohne Widerstand zu finden Ipek erreicht haben, versprengten die Albanesen von Junik und schossen rhre Blockhäuser zu­sammen. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist noch unbekannt. Auch der Widerstand Djakowas ist gebrachen. Die Bewohner erwarten die Gnade des Sultans.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 16. Mai 1903.

L. U. Der ordentliche Professor Geh. Hofrat Dr. Otto Behaghel wurde zum Mitglied des Gesarnt- vorstandeö des Römisch-germanischen Zentralmuseums er­nannt.

L. U. Der Feinmechaniker Ernst Gotthold Hempel wurde zum Mechaniker und Maschinisten bei der psychiatrischen Klinik ernannt.

Personalnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 13. Mai den Palaisinspektor Daniel Germann mit Wirkung vom 1. Juni 1903 an zum Jagdzeuginspektor zu ernennen. In den Ruhestand wurde versetzt der Zugführer in der Hessisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft Johannes Schwalb zu Groß-Umstadt mit Wirkung vom 1. Juli L Js. ab. Der Großh. Geh. Oberfinanzrat Weigel ist infolge seiner Ver­setzung in den Ruhestand von den Funktionen des Vor­sitzenden der Landeskommission für Steuersachen mit Wirkung vom 1. d. M. an entbunden und der Großh. Oberfinanzrat Glässing zum Vorsitzenden dieser Kommission ernannt worden. Zu Vertretern des Vorsitzenden wurden bestellt der Großh. Oberfinanzrat Dr. Kn eil und der mit Aushilfe­leistung bei der Abteilung für Steuerwesen beauftragte Großb. Steuerkommlssär Frenz.

Das Großherzogl. Regierungsblatt, Beilage Nr. 14, ausgegeben am 15. Mai, enthält: 1. Bekannt­machung, die Landeskommission für Steuerfachen betreffend. 2. Bekanntmachung, den Gehalt des Rabbinen zu Alzey betreffend. 3. Uebersicht der für das Jahr 1903/04 ge­nehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Friedberg. 4. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1903/04 genehmigten Umlagen der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Alsfeld. 5. Berichtigung.

Oktroi 1902/03. Die Einnahmen aus den Ver­brauchsabgaben für das abgelaufene Jahr sind um rund 1500 Mark gegen die des Vorjahres zurück geblieben. Gewiß tragen die hohen Fleischpreise, welche wir im vergangenen Jahre hatten, dazu bei, den Verbrauch und damit den Er­lös aus dem Oktroi zu vermindern, aber auch die schlechte Lage von Handel, Industrie und Gewerbe haben in unserer Stadt im vergangenen Jahre ihr gut Teil Schuld gehabt, daß wir mit einem Fehlbetrag von 8000 Mark am Oktroi rechnen müssen.

* * A. W. v. Hofmann, bekanntlich ein Schüler Liebigs m Gießen, erzählte gern folgenden von ihn» verübten Stu d enten st reich: Als Liebig mit seinen Entdeckungen auf dem Gebiete der Chemie des Ackerbaues hervortrat, wurde alles, waS aus dem Laboratorium in Gießen kam, als Offen­barung angestaunt und ausgenommen. Hofmann schrieb also an dieDidaLkalia" in Frankfurt, in Gießen hätte man jetzt gefunden, daß man den Ertrag eines Ackers durch Besprengung mit konzentrierter Schwefelsäure unmittelbar nach der Aus­saat um das Zehnfache steigern könne. In Wirklichkeit wäre natürlich die Saat durch die Säure verbrannt und verkohlt. Die ,Didaskalia" brachte, auf den Namen Liebig bauend^ anstandslos die Notiz. Wie groß war aber die Freude in Gießen, als in der nächstfolgenden Nummer der »Dtdaskalia* eine Zuschrift eines süddeutschen Professors zu lesen war, die Besprengung mit Schwefelsäure zur Steigerung des Ertrages der Aecker sei durchaus nichts neues, er hätte dieselbe Beob­achtung schon vor zehn Jahren gemacht.

* Selbstm ord. Man bedauert in unserer Stadt den Selbstmord eines in der Bürgerschaft mit Recht geachteten Herrn, den ein hartnäckiges Herzleiden, zu dem m letzter Zeit eine schwere Gemütserkrankung trat, in den Tod getrieben hat. Man fand die Leiche des Erschaffenen am Samstag vormittag auf dem Trieb.

- Die diesjährige Radrenn - Saison scheint .echt lebhaft zu werden. Die Direktion liegt in sachkundigen Händen. Schon am 7. Juni findet ein größeres Rennen auf der Rennbahn an der Hardt statt, an baß sich ein Volksfest anschließen wird. Zu der am Donnerstag gemeldeten Ver­pachtung der Rennbahn an der Hardt ist zu bemerken, daß der Name des Pächters Gennies (nicht Dennges, wie ein Druckfehler ihn entstellte) heißt.

Lich, 17. Mai. Zu der Gesellenprüfung hatten sich ini Ganzen 20 junge Handwerker gemeldet, dem Gewerbe nach 4 Maurer, 1 Zimmermann, 2 Spengler, 2 Küfer und Schreiner, 8 Sattler, 2 Schmiede und 1 Schneider. Diese haben ihr Gesellenstück in ArbettSprobe in Gegemvart des betr. SchaumeisterS verfertigt. Heute fand die theoretische Prüfung in Gegenwart des Prüfungsausschustes der Meister statt. Sodann hielt der Vorsitzende des GcwerbcvereinS, Glasermeister Scherff, eine Ansprache, und überreichte die Geseüeudiplome, welche alle die Note gut erhielten mit Aus­

nahme von zweien, welche sehr gut hatten. Hierauf ergrif Lehrer Alt das Wort und beleuchtete in einer längeren Rede den Wert und die Vorteile der Gesellen- und Meisterprüfung und schloß mit dem Wunsche, daß der Befähigungsnachweis im Handwerk wieder eingeführt werde. Der Saal im .Holländischen Hof' war bis auf den letzten Platz gefüllt.

t. Steinbach, 16. Mai. Ein junges Mädchen, welches hier im Dienst stand, erkrankte plötzlich und starb heute, nach Feststellung des Arztes, an Typhus. Das Mädchen soll unreines Master getrunfen haben.

Darm stadt, 15. Mai. Tie Hessische Landes- Hypothekeu-Bank hat die Darlehensbedingungen, gültig für ihre Zusagen von heute an, bis auf wetteres wie folgt angesetzt: Bei Hypothekar-Darlehen an Private beträgt die einmalige Vergütung für die mit der Geld­beschaffung mit der Bank verbundenen Auslagen iya pCt. Diese Vergütung wird bei Auszahlung des Darlehens ein­behalten. Doch kann sie auch in der Form eines Zusatz- darlehens zur Verrechnung kommen, sofern die Belcch- ungsgrenze der Bank damit nicht überschrttten wird. Diese einmalige Vergütung kann auch dadurch geleistet werden, daß sofort ber der Auszahlung nur 1 pCt. vom Kapital in Abzug kommt und das restliche i/z PCt. im Laufe des ersten Jahres an Stelle des Kcrpitab-Tilgungsbeitrags ent­richtet wird. Bei i/2 Pro^. Tilgungsdarlehen würde die Tilgung sonach erst mit dem zweiten Jahr beginnen.

sd. Darmstadt, 17. Mai. Wie uns soeben aus bester Quelle mitgeteilt wird, beabsichtigen die zahlreichen Freunde unseres leider allzufrüh dahingeschiedenen Landsmannes, des unvergeßlichen Dichters Gottfried Schwab, demselben ein Denkmal zu errichten. In hochherziger Weise hat S. K. Ho- hett der Großherzog an belebter Stelle der Künstler-Kolonie, an der Nordecke des Alexanderweges nächst der ruffischen Kapelle, ein idyllisches Plätzchen zur Verfügung gestellt. Tie Ausführung ist Prof. Ludw. Habich übertragen worden. Der im 70. Lebensjahre stehende Pflegling des Siegen­hauses Niederamstäderstr. 175, Peter Seibert aus Bran- dau L O., hier, hat sich in der vergangenen Nacht aus einem Fenster gestürzt und ist kurze Zett darauf ver­schieden.

Darmstadt, 17. Mai. Se. K. H. der Großherzog empfingen am 16. Mai u. a. den Oberleutnant Soldan vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116, den Professor Dr. Strack, den Privatdozenten Dr. Helm, den Museumskonseroator Kramer, den Landgerichtsrat Schäfer und den Ingenieur Schiele, sämtlich von Gießen.

Nieder-Jngelheim, 16. Mai. Ein Augenzeuge, der sich um die Zett von seinem Wohnhaus auf der Steig zur Arbett begeben wollte, macht demRheinh. Beob.' über den Automobil-Unfall, den wir vorgestern schon gemeldet haben, noch folgende Angaben: Das Automobil kam auf der Chaussee angerast bis an eine quer über die Landstraße ziehende Mulde. An dieser Vertiefung, welche die Fahrer nicht sehen konnten, prallte das Gefährt heftig an, hob sich in die Höhe, über­schlug sich und wurde etwa 50 Meter weit fort in den Chauffeegraben geschleudert. Der Benzinbehäller explodierte nicht, dagegen wurde ber Wagen demoliert. Bei dem An­prall brach die vordere Achse. Die beiden Insassen wurden rechts und links mit furchtbarer Gewalt aus dem Automobil geschleudert, der Besitzer tarn auf den Rücken, der Führer auf das Gesicht zu liegen. Die Bedauernswerten, besonders der Monteur, trugen schreckliche Verletzungen davon. Ingenieur Albert blieb wie leblos liegen, während der Führer unzu­sammenhängende Adressen angab, nach seinem Herrn jammerte und bald darauf ebenfalls bewußtlos wurde. Nachdem der Augenzeuge die stark blutenden Verunglückten mtt seiner Frau etwas abgewaschen hatte, holte er den Arzt Dr. Lambert, der die Ueberführung der Schwerverletzten nach dem Kranken­hause anordnete. Die Verwundeten wurden darauf mit Trag­bahren dorthin gebracht. Es bestand am Nachmtttag wenig Hoffnung, den Besitzer des Automobils am Leben zu erhalten. Der Chauffeur Heinrich Saaler, der als Monteur bei Albert auf der Amöneburg beschäftigt ist, liegt lebensgefährlich ver­letzt darnieder. Wie ferner derRh. Kur." erfährt, ist der Ingenieur Paul Albert gestern abend in Ingelheim seinen schweren Verletzungen erlegen. Nach einer weiteren Mel­dung wollten die beiden Automobilfahrer nach Paris und waren die Nacht vor dem Unglücksfall von Mainz ab» gef hren.

Frankfurt a. M., 16. Mai. Der Hauptausschuß für den Gesangs-Wettstreit teilt mit: Für den Begrüßungs- abend, wie für das Preissingen sind die Eintrittskarten voll­ständig ausverkauft und auch für die Wettgesänge ist nur noch eine beschränkte Anzahl Karten vorhanden.

Frankfurt a. M., 17. Mai. In der letzten Woche ereignete sich in Neu-Isenburg ein Fall, welcher bei Haus­besitzern wohl selten vorkommt, wohl aber öfters bei Mietern. Es ist nänilich, wie derFr. G. A." mitteiÜ, ein Haus­besitzer zu nachtschlafender Zeitgerückt". In der Bahnhofstraße kaufte ein Mann em Haus im Preise von 24000 Mark. Leider hatte der Hausherr aber mit dem Ver­mieten der Wohnungen Pech, so daß seine Wohnungen längere Zeit leer standen. Es kam die Zett, wo die Kapitalzinsen fällig waren, aber es war kein Geld da. Um Mitternacht fuhr nun ein Möbelwagen vor, der Hausbesitzer packte feine Mobilien in den Wagen und suchte das Weite. Wohin er reiste, ist nicht bekannt.

a. Marburg, 16. Mai. Die 4. Jahresversammlung des Zweigoereins Hessen-Nassau des deutschen Vereins für das höhere Mädchen schulwesen wurde heute in Gegenwart von Vertretern der staatlichen, städtischen und UniversitätSbehörden sowie zahlreicher Gäste (auch Gießen war vertreten) in der festlich geschmückten Aula der hiesigen höheren Mädchenschule eröffnet. Begrüßungsreden hielten Direktor Dr. ^eehaußen, Se. Exz. der Oberpräsident Gras Zedlitz-Trützschler, Landrat von Siegelern, Geheimrat Prof. i.r. Lehmann, Stadtschulrat Dr. Lümmen-Frankfurt, Direktor tr. Aly und Direktor Dr. Knabe. Den Jahresbericht er- Itaticic der Vorsitzende, Oberlehrer Bethge-Frankfurt. Der Verein zählt 158 Mitglieder in 11 Orten, lieber die Kassen- oerhältnisse berichtete Oberlehrer Appel-Hanau. Einer Ein­nahme von 374.02 Mk. steht eine Ausgabe von 167.86 Mk. gegenüber, sodaß cm Kaffenbestand von 206.16 Mk. ver- bleibt. Ten Hauptvorlrag hielt Direktor Horn von der Humboldschule m jranlfurt überDie deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts auf der höheren Mädchenschule". An die sehr interefianten Ausführungen schloß sich eine lebhafte Tis-

kussion. Ferner sprach Frl. Clotilde von Lengerke von hier überSteins Bestrebungen auf dem Gebiete des Er­ziehungswesens". Es wurde beschloffen, die nächste Jahres­versammlung in Frankfurt abzuhalten und von einer Neu­wahl deS Vorstandes bis dahin abzusehen. Um 3*/, Uhr fand im Museum ein Festesten statt, an das sich theatralische und sonstige Aufführungen anschlosten.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Infolge ber Wahl des seitherigen be* soldeten Beigeordneten der Stadt Worms zum Bürgermeister der Stadt Bad-Nauheim ist desten Stelle neu zu be­setzen. Die Wahl erfolgt auf die Tauer von 12 Jahren. Der Anfangsgehalt beträgt 4500 Mk. und steigt innerhalb der Wahlperiode bis 7200 Mk. Geeignetenfalls kann auch ein höherer als der genannte Anfangsgehalt von 4500 Mk. gemährt werden. Die Bewerber müsten die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst oder zum Richteramt nachweisen. In Mainz hat sich ein Hilfskomitee für die unglücklichen Juden in Kischinew gebildet. An Blutvergiftung durch Milzbrand erkrankten in Neuenhain in Oberhesten drei Landwirte, die sich beim Abziehen einer verendeten Kuh an­gesteckt hatten und mußten in die Klinik nach Marburg ge­bracht werden. Da an Milzbrand erkranktes Vieh verbrannt werden muß, wird die Angelegenheit noch em gerichtliches Nachspiel haben. In Frankfurt starb Dr. Ernst Lucius, der 26 Jahre dem Stadtverordnetenkollegium angehört hat. Erst bei den letzten Wahlen trat er freiwillig zurück. Er war nationalliberal. Die Oeffentlichkeit hat in den meisten Fällen nichts von seiner fast unbegrenzten Wohltätigkeit erfahren. Ein Bruder von Dr. Lucius ist der frühere preußische Land­wirtschaftsminister. In Bad-Nauheim ist dieser Tage der Prachtbau desGrand Hotel Metropole", ein Unter­nehmen großen Stiles, in desten Räumen sich alle Vorzüge modernen Komforts mit einer vornehmen Gediegenheit paaren, eröffnet worden.

Vermischtes.

* Berlin, 15. Mai. Tie Gewinner des gestern ge» zogenen großen Loses der preu ßischeu Klassen­lotterie sind mehrere in der Nähe von Neuß am Rhein Landansässige, unbemittelte Handwerker und Landleute.

* Schönborn, 17. Mai. Bei der Einfahrt des Per- sonen-Sonderzuges 1504, beseht mit Mitgliedern des Bres­lauer Eiscnbahnvereins, in die Haltestelle Schönborn ent­gleisten infolge vorzeitiger Umstellung der Einfahrtsweiche früh 5% Uhr die letzten fünf Wagen. Zwei Personen wurden schwer und neun leicht verletzt.

* Betrügerischer Bankerott. Wie derFrkf. Ztg." aus Mannheim berichtet wird, sind ber Fahrrad- Händler Hans Edelmann und dessen Bruder, Kaufmann Peter Edelmann, wegen betrügerischen Bankerotrs ver­haftet worden.

* Künstlicher Ersatz für Menscbenhaar. Zu den verschiedenen Anwendungen der künstlichen Seide ist noch eine neue gekommen. vLachdem man sie als Ersatz für Roßhaare mit Erfolg verwendet hat, speziell für Tamen- hüte, ist neuerdings ein Kunstprodukt aus Mtrocellulose und Cellulose als Ersatz des Men scheu Haares patentiert worden. Nun ist trotz der Beimengung von Cellulose das künstliche Seidenhaar noch zu glänzend. Um diesem Uebel- l'tanbc abzuhelfeu, unterwirft R. Freericks in Elberfeld das zu eutglänzende Haar einer Behandlung mit uichttrocknen- dem Oel (z. B Olivenöl) und einem feinen, indifferenten, geschmeidigen Pulver (z. B. Taleum). Bei hellerem Haar wird im allgemeinen etwas weniger, bei dunkleren Farben etwas mehr Pulver angeroenbet. Mit der Mischung der beiden Produkte wird das Haar gut durchgearbeitei und tüchtig gehechelt. Durch diese Behandlung imrb alles über­schüssige Pulver entfernt, sodaß selbst bei schwarzem Haar nichts von dem Pulver sichtbar bleibt.

SnnimiirtfdjafL

[] Marburg, 17. Mai. In ber gestern abgehaltenen Generalversammlung der Herdbuch-Gesellschaft für bas Vogelsberger Rind wurde eine Kommission gewählt, welche das auf der Verbandsausstellung in Gießen aus dem Kreise Marburg auszustellende Vogelsberger Vieh vorher einer ein­gehenden Besichtigung unterziehen soll. Die Transportkosten für die Tiere bezahlt der Kreis.

Würzburg, 16. 'Mai. Zum bayerischen Kanal-Vei> vereiustag sind 250 Teilnehmer von auswärts anwesend. Beim heutigen Empfaugsabeub wies Prinz Lubwig auf bie Bedeutung der Wasserstraßen für die Landwirtschaft hin. Wie bie Landwirte früher gegen bie Erbauung von Bahnen agitierten unb jetzt große Opfer für Lokalbahnen bringen, werbe auch bie Agitation gegen den Bau von Wasserstraßen einmal aufhören.

Gcrichtssiial.

C) Gießen, 16. Mai. Strafkammer. Ein sehr straf- würdiges Vergehen führte gestern den Bäckermeister A. M. von Reichelsheim bei Friedberg wegen Urkundenfälschung auf die An­klagebank. Die Tat des Angeklagten, so führte der die Anklage vertretende Staatsanwalt Reuß aus, fei geeignet, die Rechtssicher­heit im Staate m erheblichem Maße zu gefährden. Heimtücke, Bosheit und Rache haben den Ai. geleitet, der jeme Tat begangen, um einen Gegner wegen Dleineides ins Zuchthaus zu bringen und ju diesem Zwecke Urfunbenial|d)ung begangen habe. Ter Tat- bestand der Anklage war folgender: M. hat im Jahre 1901 eine Anzeige erstattet, daß zwei junge Leute ihn hmternicks überiallen und zusammengeschlagen hätten. Tte in dieser Richtung geführte Unteffuchung hatte daS Ergebnis, daß sich heraussteUte, daß zwar der eine der jungen Leute, K., mit 'M. cm ganz unbedeutendes Rencontre gehabt hat, bei dem des letzteren Kleider Rot gelitten haben, daß aber der andere junge Staun bei dieser Sache nicht un gernigiicn beteiligt war. Es wurde weiter feftgeftellt, daß der Angeklagte die Anzeige bei der Gendarmerie nur zu dem Zwecke gestellt hat, um mit der Behauptung, er sei zujammengeschlagen worden, den wohlhabenden K. zu veranlassen, mit ihm einen Ver­gleich zu schließen, damit dieser ihm 40 'Mk. für die beschädigten Kleiber zahlen sollte. Dieser Vergleich wurde denn auch geschloßen. Tas Verfahren, ivelches gegen die beiden jungen Leute wegen Körper­verletzung cmgeleitet war, wurde im Ermittlungsverfahren eingestellt und gegen den Tenuuzianten ein Verfahren wegen wissentlich sol­cher Anzeige eingeleitet, das mit dessen Verurteilung zu zwei 'Monaten Geiängnis endete. In diesem Verfahren gegen M. be­schwor K., er habe den 'M. nicht zujammengeschlagen. 'M. verfolgte gegen das ihn verurtellende Erkcimtnis mit Erfolg die Revision, doch in der erneuten Verhandlung vor der Strafkammer ließ diese es bet der früher zugemefsenen (Sciangnisftrafe bewende». Ter Angeklagte haue diese zur Hällte verbüßt, da fiel es ihm ein, den H. wegen Meineids zur Anzeige zu bringen. Tie Staatsbehörde untersuchte den Fall. M. war inzwischen aus dem Gefängnis

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