Ausgabe 
18.5.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

oft so störend, daß der Sinn des Satzes erst nach mehrfachem Durchlesen verstanden wird. kommen noch viele Wendungen vor, die, ohne den Sinn zu stören, wegfallen können, z. B. feitenS",derselbe",der genannte",zurZeit",dies­seits",dortseits" u. s. w. Auch der Gebrauch der Fremdwörter müsse, so weit nur irgend durchführbar, ein­geschränkt werden.

Wahlbeweguug.

R. B. Darmstadt, 18. Mai. (Eigener Draht­bericht desGieß. Anz."). Seit gestern hat nun auch Darmstadt glücklich die fünfte Kandidatur für den Reichs­tag erhalten. Der Vorstand der hiesigen freisinnigen Partei hat nämlich, wie wir bestimmt erfahren, Professor Dr. Harnack von der Technischen Hochschule hier zum Reichstagskandidaten nominiert. Prof. H. hat auch bereits seine Zustimmung erklärt und wird sich am nächsten Mitt­woch einer Vertrauensmänner-Versammlung vorstellen. Prof. Dr. Harnack ist Literaturhistoriker und hat sich hier in weiteren Kreisen durch seine literarischen Vorträge bekannt gemacht, ist auch Vorsitzender des hiesigen Goethebundes. Die übrigen Reichstagskandidaten für den Darmstädter Wahlkreis sind be­kanntlich: Rechtsanwalt Dr. Stein (nationalliberal), General­major v. Klüden-Wiesbaden (Bund der Landwirte), Rechts­anwalt Dr. Schmitt (Zentrum) und Cramer (Sozial­demokrat).

Mainz, 16. Mai. Der Vorstandsausschuß der demo­kratischen Partei beschloß gestern abend einstimmig, bei der Reichstagswahl für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Dr. David einzutreten.

Kartogramm zur ReichstagSwahl. Zwei Wahl­karten des Deutschen Reiches in alter und neuer Darstellung mit politisch-statistischen Begleitworten und kartographischen Erläuterungen von Dr. H. Haack und H. Wiechel. Gotha: JustuS Perthes. Preis 1 Mk. Richt die Fläche, die Ein­wohnerzahl entscheidet! DaS neue Kartogramm zur Reichs­tagswahl stellt zum erstenmale die Wahlkreise unter mög­lichster Wahrung ihrer Gestalt und geographischen Lage in der Größe dar, die ihnen nach ihrer Einwohnerzahl zukommt. Während die bisherigen Wahlkarten die nach Millionen zählen­den Menschenmassen der Großstädte zu winzigen Punkten zusammendrängten und einen menschenleeren hinterpommer- schen Wahlkreis in zwanzigfacher Größe zur Darstellung brachten, erscheint auf dem Kartogramm der Wahllreis als der größte, der die meisten Wähler in sich ver­einigt. Das Kartenbild der alten Darstellung beherrsch­ten die Farben der Parteien, welche die dünn be­völkerten, aber ausgedehnten Kreise vertraten; bei der neuen Darstellung widerfährt jeder Partei Gerechtigkeit. Haacks politisch-statistische Ausführungen zeigen, daß die Veränderung aller Verhältnisse in den 30 Jahren seit dem Erlaß des Wahlgesetzes den Grundgedanken der gleichen Wahl beinahe illusorisch macht, daß die erreichte Sicherheit der Wahl gegen­über der bestehenden Ungleichheit der relativen Wahlberechtigung kaum mehr als eine halbe Maßregel bedeutet. Eine umfangreiche Tabelle giebt die Ergebnisse der letzten Wahlen für alle Parteien und alle Wahlkreise des Reiches, verzeichnet ihre Einwohnerzahl nach der neuesten Zählung und läßt Raum zur Einzeichnung der Ergebnisse der bevorstehenden Wahl. Während der aktuell-politische Teil gerade in diesen Wochen jedem Wähler erwünschte Aufklärung liefern wird, heben Wiechels kartographisch-wissenschaftliche Ausführungen die Arbeit über das Interesse des Tages hinaus.

LaynLanattsatiou.

(Originalbericht desGieß. Anz.")

W. Limburg, 17. Mai.

Die Versammlung aller Interessenten der Lahnkanalisa­tion, die aus ollen Teilen des Lahngebietes sowie von Ver­tretern der preußischen und hessischen Regierung zahlreich besucht war, faßte nach Gründung einesLahnkanal- Vereins unter dem Vorsitz des Generaldirektors Kai ser- Wetzlar folgenden Beschluß:

In Erwägnung, daß die große wasserwirtschaftliche Vorlage der Regierung, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Ausnahme des Mosel- und Saarkanalprojektes eine Erweiterung erfährt, in absehbarer Zeit zur Ver­abschiedung kommen wird, fordert die Selbsterhaltung der im Gebiet der Lahn und Till angesiedelten industriellen Unternehmungen gebieterisch auch die Kanalisation der Lahn. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß die Ablehnung dieser Forderung die Vernichtung dar Jahrhunderte alten Industrie des Lahngebietes und da­mit die Verödung eines blühenden Landesteiles *ur Folge haben müßte, gibt die Versammlung einmütig der Erwartung Ausdruck, daß die Staatsregierung die Be­rechtigung dieser Forderung anerkennt und das Projekt der Lahnkanalisierung nachträglich in den Plan der wasserwirtschaftlitzenVorlageaufnimmt.

Ueber den Verlauf der Versammlung wird uns aus­führlich geschrieben:

Als Vertreter der preuß. Behörden waren erschienen: Oberpräsidialrat Dr. Mauve-Kassel, die Regierungsräte Rasch und Tr. Grimm- Wiesbaden, Baurat Röder- Diez als Vertreter der Kgl. Wasserbau-Inspektion, ferner waren anwesend die Landräte der Kreise Weilburg, Monta­baur, .Diez und Wetzlar, von Gießen u. a. Pro- vinzialdirektor Dr. Brerdert, Kommerzienrat Heyligen- städt, Ingenieur Schiele und Syndikus Tr. Knipper. Rach einer Begrüßung der Erschienenen durch Generaldirektor Kaiser- Wetzlar erstattete dieser eingehend Bericht über die bisherige Tätigkeit der Kommission zur Förderung der Lahnkanalisation. Ei' schickte voraus, wie id)on jell 30 Jahren Bestrebunaen si chgezeigt hätten, die Lahn zu kanali- her en. Zwar 1841 waren die Uferstaaten Preußen, Nassau und Hessen übereingekommen, die Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen soweit zu. ermöglichen, daß Schisse von 31,4 Meter Länge 5 Meter Breite und 0,94 Meter Tief­gang die Lahn bis Gießen befahren könnten. Es wurden auch infolgedessen 21 schleusen gebaut uni» verschiedene Hemmnisse der Schiffahrt beseitigt. Die erforderliche Fahr­tiefe lvurde jedoch nicht erreicht. Auch sonst gelangten die Pläne nur unvollkommen zur Ausführung uni) ex» reichten ihren Zweck nicht. 1873/74 wurde ein Antrag der preußischen Regierung, 6 750000 Mk. zur Verbesserung des Fahrwassers in der Latin zu dewilllgen, von der Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses abgelehnt, well ein Be- dürfnrs dafür nicht naclrgewiesen sei. 18. - wurde von *en

Beteiligten ein weiterer Plan das Cunosche Projekt ausgearbeitet, welcher einen Verkehr von Schiffen von 200 Torrn en Tragfähigkeit Vorsatz. Es sei, >o meinte der Referent, nicht zu bedauern, daß dieses für den Verkehr ganz unzulängliche Projekt nicht zur Ausführung gekommen fei, denn Grundbedingung einer jeden Kanalisation der Lahn müsse sein, daß darauf Schiffe in der Größe eines mitt­leren Rheinfchisfes, welche also 5600 Tonnen enthalten, fahren können, damit die Transporte der Güter ohne Um­ladung von der Lahn zum Rhein und umgekehrt passieren können.

Im Jahre 1891 faßte der Kommunallandtag für Hessen- Nassau und die Handelskammer Limburg Beschlüsse, welche die Lahnkanalisation wieder ins Treiben brachten und eine im Dezember desselben wahres ein berufene Versammlung der Interessenten wählte eine Kommission von 10 Per­sonen, welche mit der Aufgabe betraut wurde, die Angelegen­heit zu betreiben. Eine Eingabe dieser Kommission an den preußischen Minister beantwortete dieser dahin, daß man ihm erst ein Projekt vorlegen solle. Aus Mitteln des Kom­munallandtags und der Kreise wurde darauf das jetzt vor­liegende Projekt der Bauräte Havestadt und Contag- Wilmersdorf-Berlin ausgearbeitet. So stand die Angelegen- hell, als in diesem Jahre die Handelskammer Wetzlar sich der Sache annahm, eine Versammlung einberief, in welcher die jetzt bestehende lögliedrige Kommission gebildet wurde, welche, nachdem für die Lahnkanalisation die technische Unterlage beschafft war, auch eine Unterlage für die wirt­schaftliche Beurteilung der Frage zu beschaffen beauftragt wurde, was nunmehr auch ausgeführt ist.

Die für die vorbereitenden Schritte zur Durchführung des Lahntanalprojekts zur Verfügung gestellten Mittel be­trugen 18 217,95 Mk. von welchen 15 710 Mk. verausgabt wurden, so daß noch 2507,95 Mk. zur Verfügung stehen. Hierauf nahm der Reichs- und Land tags ab geordnete Ca- hensly - Limburg das Wort, um darzutun, wie die Interessenten von der Mosel und der Saar alles daran­setzten, um in die kommende große wasserwirtschaftliche Vorlage mit einbezogen zu werden. Der frühere Eisen­bahnminister Sielen habe es ganz entschieden abgelehnt, der Lahnkanalisation näher zu treten, und zwar, well, wie er behauptete, die wertvolleren Erze besonders an der oberen Lahn zum großen Seil bereits abgebaut seien. Diese Ansicht sei aber ganz und gar irrig, und man müsse ganz energisch vorgehen, damit Nassau bei der kommenden großen Mittellands-Kanal-Borlage nicht zu kurz komme. Und zwar fei dies nötig, weil, wenn die Mosel und Saar kanalisiert werden, was mit dem Mittel­landkanal gleichzeitig zu erwarten steht, ohne daß die Lahn auch mit einbezogen wird, der Ruin unseres Jahr­hunderte alten nassauischen Bergbaues zu erwarten steht.

Regierungsbaumeifter Holzapfel-Berlin, der Ver­treter der Bauräte Hovestadt und Contog, giebt hierauf ein Bild, wie die geplante Lahnkanalisation gedacht ist. Nur iöcnn man die Wasserstraße für Fahrzeuge von 400600 Tonnen Ladefähigkeit durchfuhrt, wobei an Schiffe von 60 Meter Länge, 8 Meter Breite und 1,80 Meter Tiefgang gedacht ist, fei eine Rentabilität des Unternehmens zu er­warten, und daran knüpfe das vorliegende Projekt an, welches sich von der preußisch-hessischen Grenze bis zur Mündung der Lahn erstreckt. Die Strecke Weilburg-Wetzlar ist derjenige Teil des Kanalbaues, der am schwierigsten sich ausführen läßt, well in Wetzlar die Brücken- und Eisenbabnverhältnisse stören, und weil in Wellburg der bestehende Unter gründ kan al erweitert werden muh. Auf der Strecke Weilburg-Wetzlar werden vorzunehmende Durch­stiche die Srace abkürzen. Von Weilburg bis aur Münd­ung handelt es sich nur um eine Erweiterung des Profils des Flusses und man muß von Durchsuchen von vorn­herein wegen der hohen Losten abseheu. Die Breite des zweischifligen Kanals ist nach dem vorliegenden Projekt in der Sohle auf 18 Meter,' in der Höhe des gestauten Medrigwasserspiegels auf 24 Meter bei einer Tiefe von 2 Meter vorgesehen. Geplant sind im Ganzen 28 Schleu­sen und Wehre mll 10,5 Meter Kammerweite, 8,6 Meter Lichtweite zwischen den Toren und 67 Meter nutzbare Länge. Außerdem sind 11 Nadellvehren vorgesehen und zwei Strom­schnellen unterhalb der Wehr bei Ems und Niederlahn- stein. Den Mlltelpunkt für den wirtschaftlichen Verkehr auf der Lahn werden für den Kanal die Städte Wetzlar, Weilburg, Limburg, Diez, Nassau, Ems, Meder Iah nj tein und Oberlahnstein mit zusammen 47 000 Einwohner bilden, während man für das Gesamtgebiet, dem die Lahnlanali- fation wirtschaftlich zu gut kommt, 200 000 Menschen rechnet. Die Schleusen sind so in Aussicht genommen, daß binnen 24 Stunden 82 Schiffe oder rund 20 MO Fahrzeuge pasfieren können, bei denen man mindestens auf eine Versrachtungs- möglichleit von 4 Millionen Tonnen bergab und 3 Rllll. Tonnen bergan rechnet.

Die 5tü|ien der Lahnkanalisation nach dem vorliegen­den Projekt sind auf 31 Millionen Mark veranschlagt, gleich 235 000 Mark pro Kilometer durchschnlltlich. Die Schiffbarmachung der Lahn ist nur bis unterhalb Wetzlars gedacht, da nur, wenn die Großh. hessische Regierung zu den Kosten beisteuert, an eine Weiterführung des Kanal­baues bis Gießen gedacht werden kann. Diese Mehrkosten sind aber nicht erheblich, da auf dieser Strecke Schwierig­keiten nicht zu überwinden sind und man eventuell mll einer Schleuse auskommt. Der Redner verwies noch dar­auf, daß in dem vorliegenden Projekt tunlichst die oor- handeneii Schleusen benutzt sind, resp. da wo nötig, nur wenig kostspielige Umbauten derselben erforderlich werden.

Schluß folgt

Kauptversammiung des Köerheff. Kbflbauvercins.

(Eigener Bericht desGieß. Anz.")

L Friedberg, 17. Mai.

Die diesjährige Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins tagte gestern nachmittag von 3 Uhr ab unter dem Vorsitze des Grafen Oriola aus Büdeshelln im Gasthaus zu denDrei Schwertern". Als Gäste wohnten der Versammlung bei: Landesökonomierat Müller- Darmstadt, Kreisrat Fe y-Friedberg, Bürgermeister Stahl-Friedberg und Herr Lorenz-Darmstadt; Pro­vinzialdirektor Dr. Breidert war an der Teilnahme verhindert dtachdem Graf Oriola die zahlreiche Versamm­lung begrüßt Holle, gab er Direktor von Peter das Wort zu dem Rechenschaftsbericht für das Jahr 1902/03. Wir entnehmen daraus folgendes: Tie Mll- gliedcrzahl beträgt euua 4 700, welche sich verteilen auf die Kreise: Alsfeld 369, Büdingen 970, Friedberg 1581, Gießen 957, Lauterbach 420 und Schotten 405. Tie Der- einszeitschrist erscheint in ca. 6 200 Exemplaren und wird außer in Ooerhessen auch in den Kreisen Worms, Erback), Hanau u. a. gelesen. Größere illustrierte Bellagen konnten aus finanzieller Rücksicht seither nicht erfolgen, doch sind sie für die nächste Zeit geplant Drei Bersuchsgärten be­

stehen in Oberheffen, nämlich bei den land wirtschaft!. Schulen in Büdingen, Alsfeld und Friedberg. Um der Bevölkerung noch mehr Anregung zu geben, müssen seitens des Lberhess. Obsibauvereins Musterpflanzungen angelegt werden, auch sollen in Zukunft statt der seit Jahren ge­bräuchlichen Diplome bei Ausstellungen usw. mehr Prämien zur Verteilung kommen. In den Kreisen Alsfeld und Lau­terbach geschieht im Interesse des Obstbaues feilend der Bevölkerung noch verhältnismäßig wenig, um Abhilfe zu schaffen, müssen mehr Leute als Baumwärter ausgebißtet werden. Ter Baumbestand in Oberhefsen hat sich wieder­um wesentlich gebessert, die Sorten werden mehr und mehr nach Lage, Boden und Klima ansgewählt und an Stelle verkrüppelter und kranker Bäume guter Nachwuchs gepflanzt. Das Sortenverhälluis hat sich ebenfalls sehr gebessert. Bezogen wurden 3000 Bäume und über 30000 Edelreiser. Tie Beteiligung an den praktischen Hebungen war gut, Versammlungen und Vorträge wurden besonders in solchen Orten stark besucht, wo die Feldbereinigung bereits eingeführt ifL Tas Kalken und Reinigen der Bäume, sowie das Anlegen der Fanggürtel für Insekten geschieht jetzt fast überall, doch mußte das letztere noch besser beachtet werden. Tie Mistel ist fast vollständig verschwunden. Pros. R e i ch e 11 - Friedberg sprach über die Wanderlehrtätigkeit. In Hausen und Steinback) bei Gießen sind zwei zum Sell basaltige Grundstücke mit neuen Baumpflanzungen versuchsweise angelegt worden. Sie zeigen ein recht gutes Aussehen und dürften den Beweis liefern, daß auch auf dem steinigen Boden des Vogelsbergs geeignete Obstsorten gedeihen. Infolge des Baues der neuen Bahnstrecke Lich-Butzbach wird der Baum bestand Oberhessens sich um rund 1300 verringern. Die Obstausstellung 1902 in Butzbach war von 95 Ausstellern beschickt. Die Obsternte von 1902 konnte trotz der schlechten Aussichten im Frühjahr 1902 als ziemlich gut bezeichnet werden. Der Obstbau Hessens bietet ein erfreuliches Bild, und man darf wohl sagen, daß Hessen an der Spitze Deutschlands steht, was ja die deutsche Obstausstellung in Stettin gezeigt hat. Im Oktober 1904 findet der all­gemeine deutsche Pomologentag verbunden mit Ausstellung in Frankfurt a. M. statt. Dr. von Peter verlas die Rechnungsablage. Die Gesamteinnahme betrug 17 207 Mark, ebenso die Ausgaben, der Kassenvorrat be­trug 3733 Mark. Andere Einnahmen waren Staatszuschuß 2830 Mk., ferner 1400 Mk. von Kreisen usw., 147 Mk. Zinsen, 3124 Mk. aus der Vereinszellschrift, 4576 Mk. von Mitgliedern. Ausgabeposten waren u. a.: für Techniker 2400 Mk., für Schreibmaterial usw. 843 Mk., Vorlesungen 516 Mk., Prämiierung an Baumwärter 229 und 1897 Mk. für Versuchsgärten. Der Kosten-Voranschlag für 1903/04 sieht rund 14 200 Mk. als Annahme und Ausgabe vor, also ca. 3000 Mk. weniger gegen 1902/03. Tie Kosten für die Ausstellung in Gießen übernimmt der landwirtschaftl. Provinzialverein. Gras Oriola erteilt hierauf im Ein­verständnis mit der Versammlung dem Rechner Decharge. Obergärtner John- Friedberg referierte überNeuere Erfahrungen über das Pflanzen der Obst- bäume". Von größtem Interesse ist dabei die auch von anderer Selle gemachte Mitteilung, daß Fried­berg und seine nächste Umgebung nach genauen Feststellungen der trockenste, regenärmste Ort Hessens ist, was sich beson­ders tn der Trockenperiobe zeigt, in der wir uns feit Ende der 80er Jahre befinden. Während man früher den Herbst für die beste Zell zum Pflanzen der Bäume hielt, hat der Vortragende die Erfahrung gemacht, daß die Frühjahrs­pflanzung sebr zu empfehlen ift. Süchtiges Anschlemmen der Wurzeln und kräftiges Gießen ist erforderlich. Letzteres jedoch nicht von oben, sondern durch Herstellen kleiner Gruben um den Baum von unten. Durch das Gießen von oben wird die Erde klumpig und verbinoert den Luft­zutritt. Profeffor Reichen berichtete üver die d e u t s ch« Obstausstellung in Stettin im Herbst 1902. Diese war außerordentlich glanzvoll, die Hälfte der Aus­stellung füllte Hessen aus, welches wohl die besten Sachen bot und auch den Kasserpreis, eine goldene Medaille, und einen großen Humpen im Werte von 1000 Mk., sowie drei Geldpreise und ca. 16 Ehrendiplome erhielt. Prof. Reichelt referierte bann überDie Ob st aus ste llung im Rahmen der landwirtschaftlichen Provin- zialausstellung in Gießen im Herbst 1903." Ter Beginn am 10. September sei allerdings für das Obst zu früh, habe sich jedoch mit Rücksicht auf das Vieh nicht zurtlckflellen lassen. Auch solle ein Teil der Kaserne benutzt werden, und d.iefer müsse bei der Rückkehr des Militärs geräumt sein. Es werden nur Aussteller aus Oberhefsen zugelassen. 500 Mk. Geldpreise seien vorgesehen, darunter ein Ehrenpreis von 50 Mk. von dem Tanbro. Verein in Büdingen und einer vom Grasen Oriola. Ter Vorsitzende fordert zu zahlreicher Beschickung der Obstausstellung in Gießen auf. Schließlich nahm der Vorsitzende Graf Oriola von Büdesheim die Verteilung der Preise und Di­plome an Aussteller in Stettin und Butzbach, sowie die Verteilung der Diplome zum Sitel eines Vereinsbaum- warts vor:

1. P r e i s e von Stettin: Tie Obslbauschule Friedberg, je einen Geldpreis feie Stadt Friedberg, Georg Spamer- Butzbach und K. Loth-Wohnbach; Ehrendiplome: Gräfliches Gut Assenheim, Ziechner Nöding-Ober-Rosbach, Ortsgruppe Friedberg d^es Oberhessischen Obstbauvereins, Sllrppel- Kloppenheim. Hofmann-Münster bei Butzbach, Jung-Ock- stadl, Maul-Ossenheim, Fett-Münster b. B., Bad Nauheimer Lbstbauverein 2 und die Kreisstraßenverwaltung Fried­berg 2.

2. Preise von Butzbach : Ter Pfarrer zu Münster, die Ortsgruppen: Fauerbach o. d. H., Langenhain, Groß- Karben, Dortelweil, Bruchenbrücken, Afsenheim und Bad- Nauheim, ferner Keller-Ossenheim, Rechner Nöding-Lber- Nosbach, Sck)refs-Druchenbrl:cken, Gemeinde Grödel, Jakobi- Rodhcim, Fink-Vilbel, Euser-Tad-Nauheim, Jung-Ockstadt, Hergert und Philivpi-Dohnbach, Decker Fauerbach,Hofmann- Münster, Gemeinde Langenhain, Dämon-Hochweisel, Sulz- bach-OppcrShofen, Schlottner-Wohnbach, Jung-Münster, Bürgermeister Reineck-Münfter, HuppeL Kleppenheun, Ge­meinde Nieder-Mörlen, Maul Ossenheim, Fa.nM'W:hnbach, Fett-Münster, Lang-Vilbel, tocibel Äicm-Jtarben, Lehrer Nikolai-Ockstadt, Bar-Groß-Karben, Stadt Friedberg, Gan- ner-Assenheun, Schmidt-Butzbach, die Areisstraßenverwalt- ung Friedberg uni) einige andere.

3. Diplome zur Verleihung des Titels eines, Verernsbauwarts erhielten: Bach-Londorf, Jung-Holzheim, Weller-Albach, Dörr Reinhardshain, Wag­ner -Gellshaufen, sämtlich Kreis Gießen, ferner Müller Eckansborn, Fritzel-Nieder-Eschbach und )Michel-La)sgen» bergheim.

Leibniz Kindermehl

c.

ß

6 -

s 5 C S-L

0 S

9" s

s c

Kreisblati tat den Kreis Gieken