Ausgabe 
18.2.1903 Drittes Blatt
 
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Karell geäußerte Befürchtung, das; künftig zu lunge Leute zu dem Kastenwesen herangezogen werden würden, un­begründet; es würden keine erst eben von der Hochschule gekommenen Leute zur Kassenkontrolle herangezogen. Im übrigen bemerke er den Zweiflern an der Zunahme der Ein­kommensteuer, daß die vom Finanzminister mitgeteilten Zahlen keine Schätzungs-iffern, sondern das wirkliche Er­gebnis der Aufstellung des laufenden Jahres seien. In Preußen hätten die ungünstigen Verhältnisse in einem Teil der Großindustrie, namentlich der des K'ohlengebietes, den Rückgang gebracht. Das sei in Hessen nicht zu befürchten, weil die bei uns vertretene mittlere Industrie überhaupt weniger von der Ungunst der Verhältnisse beeinflußt wor­den sei. Dann verbreitet sich Redner eingehend über die Stempelsteuer, wobei er konstatiert, daß der Verwaltungs­stempel seit Jahrzehnten bestehe und man früher keine Klagen darüber vernommen habe.

Abg. Dr. David (Soz.) meint, er habe nicht Angriffe, sondern eine Abwehr gegen die agrarischen Abgeordneten gerichtet. Die Abg. K'orell und Brauer und heute mich Hirschel hätten erklurt, daß sie die heuttge Sozialpolitik für übertrieben hielten und darauf hätte er geantwortet. Rach seiner Meinung werde viel zu wenig für den kranken oder invaliden Arbeiter getan. Die Sozialdemokraten haben gegen die VersicherungSgeseße gestimmt, weil sie ihr nicht weit genug gingen, die Abg. Hirschel und Genossen aber, weil sie zu weit gingen. Das sei doch ein großer Unterschied. Das Wort, daß die Bauern nie zufrieden seien, habe er namentlich auf die Vertreter des Bauernstandes hier im Hause anw mden wollen. Diese seien ja auch jetzt noch nicht mit der Regierung zufrieden, trotzdem auch Herr Ministe­rialrat Dr. Becker jetzt erst wieder dargelegt habe, welch große Lasten von der Landwirtschaft durch die neue Steuer­gesetzgebung abgewälzt worden sind. Auch heute hätten die Mag. Hirschel und Korell wieder erklärt, daß die Sozial­politik zu weit gehe. Das wolle er festnageln.

Abg. Brauer- Ober-Osteiden bemerkt unter großer Heiterkeit des Hauses, es habe zu der Zeit, in welcher auch die Bauern zufrieden auf ihrem Besitztum lebten, noch keine sozialdemokrattschen Agitatoren gegeben. Die Arbeiter hätten doch Ursache, für die Einführung der sozialen Re­form dankbar zu sein.

Abg. Ulrich-Offenbach: Wenn der Vorredner meint, daß die Arbeiter dankbar sein sollten für die sozialpolitische Gesetzgebung, so müsse er doch dagegen entschieden Ver­wahrung entlegen. Die Arbeiter hätten ein Recht, an den Errungenschaften der Gegenwart teilzunehmen. Auch Bis­marck habe zugegeben, daß diese Politik nur aus Furcht vor der Sozialdemokratte inauguriert worden sei. Vis jetzt sei die Arbeiterversicherung nur eine veränderte Armen­unterstützung. Die Arbeiter wollten aber keine Wohltaten, sondern nur das, was sie zu verlangen ein Recht hätten.

Hierauf wird die Generaldebatte geschlossen.

Staatsminister Exz. Rothe nimmt nun das Wort zur Beantwortung der Anfrage Häufel, die Höhp der Miets-- entschädigung für Dienstwohnungen der Staats­beamten betreffend. Diese Antwort soll auf Beschluß des Hauses sofort gedruckt und erst danach in eine Besprechung der Sache eingetreten werden.

Die Sitzung schließt darauf um U/i Uhr. Nächste Sitzung heute nachmittag 3i/2 Uhr.

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Darmstadt, 17. Febr. In der heutigen Nach­mittagssitzung erklärte Staatsminister Rothe auf eine Anfrage/ daß die hessische Regierung die Gründe nicht verkenne, welche dafür sprächen, den Reichstagsabge­ordneten Diäten zu bewilligen. Nicht minder seien derselben die Bedenken, die dem entgegenstehen, bekannt. Die hessische Regierung erachte aber die ersteren den letz­teren gegenüber für überwiegend. Das .Haus nahm schließ­lich einstimmig ein Ersuchen an die Regierung an, im Bundesrate aufs nachdrücklichste für die Bewilligung von Diäten einzutreten.

Die engtische Ihronrede.

London, 17. Febr.

Der König und die Königin begaben sich nachmit­tags zur feierlichen Eröffnung der Session nach dem Parlamentsgebäude.

In der heute vom König selbst verlesenen Thron­te d e 'wird in erster Linie hervorgehoben, daß die B e ziehungen Englands zu allen auswärtigen Mächten fortgesetzt freundlich seien. Die Blockade der Venezuela-Häfen habe sich als notwendig erwiesen wegen der Beschimpfung der britischen Flagge ^und des gegen die Person und das Eigenttim englischer Staatsangehöriger begangenen Unrechts und habe zu Verhandlungen zur Regelung aller strittigen Fraaen geführt. Der König freut sich, daß eine Beilegung erreicht ist, welche es den Blockademächten ermöglicht, alle feind­seligen Flottenoperationen sofort zu Ende zu bringen. Tie Thronrede macht sodann Mitteilung vom Abschluß des Ver­trages, nach welchem die Alaska-Grenzfrage schiedsrichterlicher Entscheidung unterbreitet wird, und führt aus:Der Zustand der europäischen Provinzen in bcr Türkei giebt Anlaß zu ernster Besorgnis. Ich habe mich aufs Beste bemüht, dem Sultan und seinen Mi­nistern die dringende Notwendigkeit praktischer, wohler­wogener Reformmaßnahmen vorzustellen. Tic Regierung von Oesterreich-Ungarn und Rußland haben Erwägungen darüber angestellt, von welchen Reformen es wünschens­wert wäre, das; die Mächte, die am Berliner Vertrag teil- genommen haben, sie dem Sultan zur soforttgen Annahme empfehlen. Ich verttaue, daß die gemachten Vorschläge tich für den Zweck als ausreichend erweisen werden und daß ich es möglich finden werde, ihnen meine herzliche Unter­stützung zu lechen."

« -^ronrcde drückt sodann Bedauern aus, daß die ?cr britischen Regierung, zusammen mit der ^Regierung eine gemeinsame Festsetzung der Hinterlandes von Aden durchzu- M^^' bisber ncech zu keiner Mmachung geführt hätten. D e Verhandlungen über den Gegenstand würden aufs eifrigste betrieben Sodann erwähnt die Thronrede die ^andung englischer Truppen in Obbia zwecks Vorgehens gegen den Mullah, hebt die herzliche Mitwir­kung Italic n: s bei dem Unternehmen hervor und giebt der Hoffnung Ausdruck, da,; die Operationen das Ergebnis haben werden, die stamme in den Protektoraten Englands und Italiens vor weiterer Belästigung zu bewahren Tie Entwicklung tu Südafrika schreite in defriediaen- d er Wei,c fort Der^ Bestich des >tolonialministers daselbst habe bereits die besten Ergebnisse gezeitigt. Persönliche Besprechuitgen nut Lord Miln er, den Ministern der sich selbst regierenden Kolonien und Vertretern aller Inter­essen und Meinungen hätten viel dazu beigetragen, die

Lösung mancher schwierigen Fragen zu erleichtern und viele Ursachen zu Mißverständnissen zu beseitigen.

Alsdann bespricht die Thronrede die Expedition nach Kano, welche hervorgerufen sei durch die feindselige Haltung des dortigen Emirs. Hierauf kommt der König auf die Krönungsfeierlichkeiten in Delhi zu sprechen, eine Feierlichkeit, deren Glanz beispiellos gewesen sei und bei der von tributpflichtigen Fürstlichkeiten, Häupt­lingen und allen Klassen der indischen Bevölkerung erfreu­liche Kundgebungen der Loyalität und Hingebung darge­bracht worden feiert. Ter König spricht seine Freude dar­über aus, daß diese Feierlichkeit zusammengefallen sei mit dem Verschwinden der Türre und der landwirtschaftlichen Bedrängnis im westlichen Indien. Tie Aussichten für Landwirtschaft und Handel seien jetzt in g a n z Indien ermutigender und befriedigender als seit einer Reihe von Jahren. Tie Thronrede bemerkt sodann bezüglich des Budgets: Obgleich dasselbe mit gebühren­der Rücksichtnahme auf die wirtschaftliche Lage aufgestellt sei, machten doch die Bedürfnisse des Landes und des Reiches große Ausgaben unvermeidlich.

Unter den Vorlagen, welche die Thronrede ankündigt, befindet sich eine solche zur Erleichterung des Verkaufs von Farmen an Pächter in Irland, sowie eine Vor­lage zur Vervollständigung der in der letzten Session be­schlossenen Unterrichtsreform durch Ausdehnung der­selben auf London. Andere Gesetzentwürfe betreffen die Durchführung der aus der Brüsseler Zucker-Kon­vention sich ergebenden Verpflichtungen. Garantierung einer Anleih e zur Entwicklung Südafrikas, Verbesserung der Verwaltung des Hafens und der Tocks von London, Regelung der gewerblichen Verwendung von Kindern, Verkauf gefälschter Molkerei-Erzeugnisse und eine Reihe loyaler Angelegenheiten.

Tas Oberhaus bot während der Verlesung der Thron­rede einen glänzenden Anblick. Vor dem Thron hatten sich die höchsten Vertreter der richterlichen Behörden in blauen und roten Roben aufgestellt, rechts vom Thron stand das diplomatische Korps, während die Pairs die vordersten Bänke des Hauses und deren Gattinnen die dahinterliegenden ein» nahmen. Sämtliche Anwesenden waren in Gala erschienen. Tie Seitengalerien waren von hervorragenden Dstuchcrn, unter denen alle Länder vertreten waren, besetzt, den übrigen Raum nahmen Unterhausmitglieder ein. Der Prinz von Wales betrat den Saal mit den Prinzessinnen des könig­lichen Hauses. Sodann folgte der Zug des Königs unter Voraufritt von acht Herolden. Ten Mittelpunkt des male­rischen Schauspiels bildete das königliche Paar, welches .Hand in Hand eintrat. Ter König trug Feldmarschallsuniform mit Purpurmantel. Tie Königin, die in diamanten­geschmückter dunkler Robe erschien, trug einen mit Hermelin gefütterten Purpurmantel, über die Schultern zu­rückgeworfen, dazu ein schmales Diadem. Das Königspaar nahm sodann auf dem Thron Platz, von dem aus der König die Thronrede mit lauter, deutlicher Stimme verlas.

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Parlamentarisches.

Berlin, 17. Febr. Die Budgetkommission des Reichstages setzte heute die Beratung des M ilitär- Etats bei dem Kapitel 24 der dauernden Ausgaben (Geld- Verpftegung der Truppen) fort. Mit dem Titel Besol­dung für die Offiziere wurden Stellen für vier Kompagnien Fußartillcrie gefordert, infolge des weheren Ausbaues des Landcsvcrtcdigungs-Systcms. Rach kurzer Verhandlung wurde der Titel genehmigt, des­gleichen der damit verbundene Titel des Kapitel 26 (Be­kleidung und Ausrüstung der Truppen'». E ne längere Er­örterung entspann sich über die Frage einer Gehalts- Aufbesserung der Oberstleutnants der In­fanterie. Redner sämtlicher Parteien sprachen sich gegen dieselbe aus und ersuchten, dieser Frage im Zusammenhänge mit der nächsten M'litärvorlagc zu regeln. Kriegsminister v. Goßlcr bat um Bewilligung und erklärte, Mitteilungen über die M e h r f o r d erun g en in der kommenden Militär Vorlage seien vielfach übertrieben. Tas neue Militär-Pensionsgesetz könne wegen der bedeuten­den Mehrkosten vo'' f'g nicht vorg^legt werden. Ferner erklärte der Minister, daß der Rahmen der neuen Militärvorlage noch nicht f e st st e h e. Bei der Infanterie werde es sich jedoch nicht um neue Regi­menter, sondern allenfalls um Ergänzung der seither nur zwei Bataillone starken Regimenter durch dritte Ba­taillone handeln. Eine Vermehrung der Feld-Artillerie sei überhaupt nicht geplant. Hinsichtlich der Kavallerie seien die umlaufenden Gerüchte ftarf übertrieben.

Im preuf;. Abgeordnetenhause ging eine In­terpellation Bargmann und Genossen ein, welche lau­tet: Hat die Staatsregierung Kenntnis genommen, daß der Bischof von Trier Eltern von den Kindern, welche eine staatliche Schule besuchen, die Absolution verweigerte und welche Maßnahmen beabsichtigt die Regierung gegen diese geistlichen Uebergriffc zu ergreifen ?

Valitische Tagesschau.

Die silberne Hochzeit des Erbprinzen von Meiningen.

Am 18. Februar 1878 war ein seltener Festtag, welchen der königliche Hof zu Berlin feierte: eine Doppelhochzeit, die überhaupt zum ersten Male in der preußischen Königsfamilie sich vollzog. ES vermählten sich der jetzige Erbprinz Bern­hard von Sachsen-Meiningen mit der Prinzessin Charlotte, ältesten Tochter deS damaligen preußischen Kronprinzenpaares, und der damalige Erbgroßherzog August von Oldenburg, der jetzige Großherzog, mit der Prin­zessin Elisa beth, zweiten Tochter des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Preußen. Die Erbgroßherzogin Elisabeth ist am 28. August 1895 gestorben, und so feiert heute das erbprinzliche meiningensche Paar allein die silberne Hochzeit. Am Hochzeitstage, abends 6 Uhr, nahm die Feier­lichkeit mit dem Zivilakt im blauen Zimmer deS kronprinz- lichen Palais seinen Anfang. Der Minister deS königlichen Hauses, v. Schleinitz, als Standesbeamter hielt die erste An­sprache an das Brautpaar. Eine Viertelstunde später verließ das junge Ehepaar in dem von sechs Trakehner Rappen ge­zogenen Hochzcüswagen da? Palais, um sich in§ Schloß zu begeben. In inniger Weise nahmen die Eltern von ihrer Tochter Abschied. Im Kurfürstenzimmer des Schlosses vollzog sich der Akt der Kronaufsetzung. Kaiserin Augusta befestigte die Krone eigenhändig auf den Häuptern ihrer Enkelin und ihrer Großnichte, worauf sich der Zug nach der Schloßkapelle zur Trauung in Bewegung setzte. Kaiser Wilhelm 1. selbst mit der Königin von Belgien und der Großherzogin von Oldenburg geleiteten die beiden Paare zum Altar, ihnen folgte

Kaiserin Augusta, geführt vom König der Belgier und dem Prinzen von Wales, die Kronprinzessin Viktoria zwischen dem Großherzog Peter von Oldenburg und dem Herzoge von Sachsen-Meiningen. Rach feiner Gemahlin erschien der Kron­prinz mit der Prinzessin Friedrich Karl und der Großherzogin von Baden. Prinz Friedrich Karl mit der Herzogin von Sachsen-Altenburg und der Prinzessin Albrecht. Eine lange Reihe weiterer fürstlicher Hochzeitsgäste folgte. Am Eingänge zur Schtoßkapellc empfing der Schloßpfarrer Oberkonsistorial- rat I). Kögel den Zug und vollzog nach einer weihevollen Ansprache die kirchliche Trauung. Während deS Segens feuerte die Artillerie im Lustgarten 101 Salutschüsse.

Die meisten, die bei jener Feier teilgenommen haben, sind schon aus dem Leben geschieden. So erflärt sich der Wunsch des erbprinzlichen Paares, den heutigen Tag in kleinem Kreise in stiller Erinnerung zu begehen. Der Erb­prinz und die Erbprinzessin trafen dieser Tage bei dem Prinzen Heinrich in Kiel ein. Gestern folgten ihnen dotthin das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen.

Ter Erbprinz Bernhard von Sachsen-Meiningen ist 1851 geboren und feit nahezu acht Jahren kommandierender General des 6. Armeekorps in BrcSlau. Prinzessin Charlotte, Kaiser Wilhelms älteste Schwester, wurde als älteste Tochter Kaiser Friedrichs und seiner Gemahlin am 24. Iiili 1860 geboren. Der Ehe des Erbprinzenpaares ist eine Tochter, die am 25. November 1879 geborene Prinzessin Feodora, entsproßen; sie ist seit 24. September 1898 Gemahlin des Prinzen Reuß XXX., der als Major im Leib-Grenadier-Regiment Nr. 8 in Frankfurt a. d. O. garnisoniert.

Aus Stadt und Kaud.

Frankfurt a. M., 17. Febr. Sven Hedin sprach gestern in einer Festversammlung des Vereins für Geographie und Statistik über seine Reisen in Jnnerasien. Nach dem Vortrag, der den größten Beifall fand, überreichte ihm der Vorsitzende, Professor Ebrard, die goldene Ruppcl- medaille, die bisher nur an Major v. Wißmann und Professor Eutina in Straßburg verliehen worden ist.________

Uennischtes.

* Berlin, 17. Febr. Theodor Mommsen wurde heute mittag an der Ecke der Friederichslraße und Mittelstraße von einer Droschke angefahren, auf das Pflaster geworfen und am Hinterkopfe leicht verletzt. Er fuhr ohne Hilfe nach Hause. Sein Zustand soll nicht bedenklich sein._________________

UniversttätsUachifchttn.

Der Deutsche Universitätskalcnder, den Professor Dr. Ascherson mit amtlicher Uutcrftüstung hcraus- giebt, erscheint jeht im Verlage von K. G. »Th. Scheffer in Leipzig. Der Kalender enthält ein ausführliches Vor­lesungsverzeichnis aller deutschen Universitäten und der landwirtschaftlichen Hochschulen, ferner der Universitäten der östreich-ungarischen Monarchie und der Schweiz: er bietet also die beste Uebersicht über alle im Bereiche der deutschen und der deutsch-französischen Universitäten im folgenden Semester gebotenen Vorlesungen. Tie 62. Ausgabe, für das Winter-Semester 1902/03, ist erschienen (gebundene Aus gäbe mit Schreibkalendarium 3 Mk., ungeb. 2.25 Mk.).

Gerichtssaal.

Berlin, 17. Febr. Im Kurpfuscherprozeß Narben- k ö t t e r winde der H a n p t a n g e k l a q t e zu drei Jahren Gefängnis, 3600 Mk Geldstrafe und zu 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. D r. K r o n h e i m wurde zu 6 Monaten Gefäng- n is und einem Jahre Ehrverlust verurteilt. ST I ef p er wurde f re ig e s prach en.

Leipzig, 17. Febr. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Redakteurs desVorwärts", Schröder, der durch Urteil de§ Landgericht? Berlin vom 16. Juli wegen Beleidigung des o st a st a t i s ch e n Expeditionskorps zu vier Mo­naten Gefängniß verurteilt war. Ter Strafantrag deS preußischen Kriegsministeriums wurde als gütig angesehen. In dem Prozeß gegen den früheren Direktor der Leipziger Bank Exner verkündete heute der Vorsitzende deS Schwurgerichts, Land- gerichtsrat Schmidt, daß die Beweisführung über den von der Verteidigung gestellten Ablehnungsantrag nicht zu Ende geführt werden konnte. Um die auswärtswohnenden Geschworenen nicht wiederum vergeblich vorzuladen, vertage er die Sitzung ouf Don­nerstag. Alsdann wird der Gerichtsbeschluß über den gestellten .Abänderungsautrag verkündet werden.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft,

Frankfurt a. M., 17. Febr. Tie heutige außerordentliche General-Versammlung der Elektrizität^ - Gesellschaft vorm. W. Lahmerer u. Eo., in der 7057 Aktien vertreten waren, beschloß die Fusion mit der d e u t s ch e n G e s e l l s ch a f t für elektrische Unternehmungen. Die Verschmelzung erfolgt rückwirkend ab 1. September 1902. Das Aktienkapital der Lahmeyer Gesellschaft wird um 210 000 Mk. erhöht und dafür Aktien aus- gegeben ; dieselben werden zum Umtausch verwendet.

Venelte Meldnnuen.

Originaldrahtmelduttgeu des Gießener -lnzeigertz.

Berlin, 18. Febr. In einem hiesigen VariStöthcatcr wurden bei Produktionen im sog. Todesring drei Rad­fahrer herausgeschleudert. Einer war sofort tot, zwei sind schwer verletzt. Prof. Mommsen hat sich von seinem letzten Unfall wieder vollkommen erholt.

Messina, 18. Febr. Gestern wurde hier eine große Erderschütterung wahrgenommen. Schaden wurde nicht angerichtet.

Newyork, 17. Febr. (lieber Willemstad Heute wur­den in Caracas an vielen Stellen Plakate angeschlagen mit dem Inhalt:Nieder mit Castro! Tod dem Castro?" 500 Mann verließen Caracas, um die Auf­ständischen ansngreifen, die drei Stunden von der Stadt stehen sollen.

Kapstadt, 17. Febr. Chamberlain traf hier ein und stieg beim Gouverneur der Kapkolonie ab.

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