Ausgabe 
17.12.1903 Erstes Blatt
 
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Vorsicht. Der Voranschlag wurde der Baukommission über:

Die benachbarten Orte Groß-Felda und

wiesen.

Telephonischer Kursbericht«

... 17. Dezember isu3

trau

204.

. 102.46

. 91.90

. 102.10

. 91.90

. 101 60

. 99.80

. 103.00

Oest. Kredit. Deutsche Bank Tar»nslädter Bank Bochumer Guß .

4% linear. Uoldrmto , 4° Italien. Rente . .

4',% Portugieser > .

0/ Portugiesen. . . .

1% C. Türaen . . .

1 urkenlüse ....

4° Uriech. Monopo.-Anl

4* . % äussere Argontiner

Anfangs- u. 216.^0 223.40 148.- 190.60

Reicheanleihe do.

Konsole . do. . .

Hessen

gen die

Berlin, 16.Dez. Die Versuche, durch drahtlose Tele­graphie von hier aus mit der schwedischen Marine- ft ü t i o n in Karlskrona in Verkehr zu treten, sind heute von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie liach dem Sysiem der Telesunten mit bestem Erfolge begonnen worden. Trog der Ent- sernung von 460 Kilometer sind zahlreiche Depeschen gut an- geloinuien.

. 100.55

. 103.70

. 64.20

. 32.70

. 37.85

. 142 20

45.00 43 20

3*/,% Oberhessen .

4% Oesterr. Go.drente

3J/o Mexikaner . . , 4Vs /u Chinesen . . . . Electric, oct uckert . . < Nordd Lloyd . . . ,

hreditaktien . . . e < Disk onto-Kommandit. . Darmstädter Bank . t Dresdener Bank . . . . Ber iner Handelsges. . Oesterr. btaatsbahn . . Lombarden . ... üottuar ibahn . . . .

Laurauütte .....

Bochum......

liarpuner .....

Tendenz : rabig.

3V/'/a 3°/0 3V,%

3°/o

Kirchliche Knchrichlen.

Evangelische Gemeinde.

Freitag den 18. Dezember, nachmittags 5 V3 Uf)r: Vereinigung der fonfirnuerten Mädchden der Liikasgemeinde im Konsirmanden- saal der Johanneskirche. Pfarrer (Luter.

Israelitische Ncligionsgemeinde.

Gottesdienst tu der Synagoge, Südaulage.

Samstag, d e n 19. Dezember 1903.

Vorabend 4.15 U h r. A! orgens 9.00 Uhr.

Predigt.

Nachmittags 3.30 Uhr.

Sabbathausgaiig 5.15 Uhr.

^sttrsbirnß der isrncldifdjcn KcligionsgesrHschast.

Sabbathieier a m^!9. Dezember 1903.

Freitagabend 4.00 Uhr. Canistag Vormittag 8.30 Uhr.

Predigt.

Nachmittag 3.30 Uhr.

Cabbathausgang 5.15 Uhr.

Wochengottesdieilst: morgens 7.10 Uhr, abends 4.00 Uhr.

. 26.20 . 92.30 . 109.10 . 105.50 . 217.10 . 199.40 . 147.80 . 160.00 . 165.00 . 146.00 . 17.60 . 190.50 . 240.00 . 190.60 . 204.90

Kestrich planen den Bau einer gemeinsamen Wasser­leitung, welche zu 60 000 Alk. veranschlagt ist. Groß- Felda wird die Leitung erbauen, da Kestrich im Besitz der Quellen ist.

Darnistadt, 16 Dez. Bei der hiesigen Staatsanwalt­schaft schiveben Ermittelungen wegen Doppelwahlen, die am 16. Juni vorgetommen sein sollen. Tie Ermitlelung läuft darauf hinaus, ob Wähler Arbeiter aus dem Wahl­kreis Darmfladk-Groß-Gerau, die in Frankfurt beschäftigt sind an einem und demselben Tag an zwei verschiedenen Orlen, in Frankfurt und in der Heimat, 'von ihrem Wahlrecht Ge­brauch gemacht haben, und zwar am Tag der Hauptwahl. In Tarmsladt-Gcoß-Gerau ist bekanntlich der Sozialist Cramer sofort gewählt worden. Auch die Frankfurter Staatsanwalt­schaft l>t, wie die .Franks. Ztg." mitteilt, m einer Reichstags- wahlaffaire tätig geivesen, die aber nicht in den Tarmiiädter, sondern in den Homburg-Höchst-Usmger Kreis hinüberspielt. Es war nämlich die Anzeige eingelaufen, daß zwei Weiß­binder doppelt gewählt haben sollen, in Frankfurt und in Usingen. Die zuständige Staatsanwaltschaft ui Wiesbaden wurde benachrichtigt und hat schon am 26. November die Verfolgung der Angelegenheit übernommen. Es ist noch nichi bekannt geivorden, wie weit die Affäre gediehen ist und ob es zu einer Anklage fonnnen wird.

Kleine Mitteilungen aus .Hessen und den Nachbarstaaten. Der Vertrag, betreffend den UcHer­gang der Straßenbahn an die Stadt Mainz ist in der m Darmstadt abgehaltencn Generalversammlung der Süddeutschen EisenbahngejeUschaft genehmigt und unterzeichnet worden. Wie die Worms. Ztg. gerüchtweise mitteilt, soll die preuß.-hess. Eisenbahngememjchaft beabsichtigen, den schon längst ersehnten Bahn bau BensheimLindenfels aus ihre (losten zur Ausführung zu bringen.

Hamburq, 18. Dez. Dl- Teilnehmer an NordenZk. i ö l d s L i> d v o I a r e x p c ü i l i o n Irenen von Äncnos-Aires am 1 Januar hier ein und werden ofiijietl begrubt werben.

Kliionlitüts-Kachrichten.

Freiburg i. B r., 16. Dez. Der Professor für deutsches und Kircheurechl an der hiesigen Universität, Ulrich Stutz, erhielt emen AM nach Bonn. . . ... ...

Ter Landtag des Herzogtums Memmgen ist über die Petition auf Errichtung eines Lehrstuhls für das Statur- he i l v e ri a h ren an der Universität Jena zur Tagesordiiung u berg eg an gen. .

Harpeiter Bergbatt . . 204.

Tendenz: Befjer.

Dernri-cyte».

Boppard, 16. Dez. Die Oberin der Zwangs-Er- ziehun grünst ast St. Acartin fand zwei Mädchen er­hängt auf. Das eine war tot, das andere tonnte i; s Leben zurüagerufen werden. Die Lebensmüden waren ans der Ausialt entwichen, jedoch wieder fepg^nonuncn worden.

* M a i l a n d, 16. Sept. Die Baumwollspinnerei von Gazzauiger bei Bergamo ist in der vergangenen Nachr abgebrannt. T^r Schaden beträgt mehrere Hunoerk- taujenb Mart. Tie Arbeiter sind auf mehrere Wochen be­schäl tigungslos.

Graz, 16. Dez. Wegen einer Stndentendemonstration belegte das Rektorat der hiesigen technischen Hochschule die katholisch-deutsche Studentenverbindung Caroli n a" mit dem Farben verbot und reli - gierte drei Chargierte der Verbindung.

* I m Wesergevirge wurde ein mehrere Sekunden dauentoes Erdbeben, verbunden mit donnerahnlich^m Getöse, wahrgenommen.

* Blattern. Rach einer Meldung derFrkf. Ztg." aus Mailand sind in Cal i er o bei Verona die schwarzen Blattern ausgebrochien. Bisher fuii) vier Fälle konstatiert worden, von oenen einer tödlich verlief.

* M o r d t a t e n. Aus L i e g n i tz wird berichtet: Im Schloßparc in Zösting bei Freyseadt wurde die 22jährige unvereheirchte Pauline Witt ne r, die seit längerer Zeit im Schlosse häusliche Arbeiten verrichrete, erwürgt auf- gesunoeii. Tw Leiche hatte einen trist um den Hals sowie verschiedene Kratzwunden an den Händen und im Gesicht. Rach einer Meldung aus Königsberg i. Pr. ist in der Nähe von Lohen ein ungarischer Drahtbinder ermordet und beraubt worden. Der Körper des Ermordeten wurde, in einem Säst fteaend, aus dem Löwentin-See gelandet. Ein der Tat verdächtiger Mann ist verhaftet worden,

* Lustiges aus d em I a hr e 1848. In seinen Ju- genderinneruugen erzählt der verstorbene preußische Kul- tusminisier Bosse auch manche drastische Episode aus dem bösen Fahre 1848. Er plaudert: Tte Studenten, die in den großen Ferien, also gegen Ende August, von den verschiedenen Universitäten in die Heimat kamen, brachten allerhand Schnurren mit, die nicht gerade geeignet waren, für das soveräne Bott und die Revolution Begeister­ung zu erregen. Ich ent;inne mich einer solchen, die von Marburg erzählt wurde. Tort in Hessen waren die Wogen der revolutionären Bewegung unter Projessoren, Bürgern und Studenten recht hoch gegangen, freilich nicht ohne einen gewissen Widerstandreaktionärer" Elemente. Infolge dec Wiener Mcnvorgänge war dort unter zahl­reicher Beteiligung von Studenten eine große Volksver­sammlung abgehalten und aus dieser der Antrag gestellt worden, das Haus Habsburg der Krone für ver­lustig zu erklären. Eine beträchtliche Anzahl' norddeut­scher Studenten unter Führung des Mecklenburgers Rudolf Clvers er ist später em ungewöhnlich tudjuger Mann geworden, und als Landrat und Gh. Regierungstat in Wernigerode gestorben hatte diesem Anfrage alle nur erdenkliche Oppo.it ion gemacht. Elvers hatte auf die Un­zuständigkeit der Versammlung und die völlige Unwick- samkeik, ja Lächerlich test eines solchen Beschlusses hinge- wie.en. brnturlid) berge Mieth. Mit erdrückender Majorität wurde wirtlich beschlossen, das Haus Habsburg der Krone jur verlustig zu eriUuen. Ta meldete sich der Studiosus Clvers nochmals zum Wort und bekam es auck> Er er­klärte, er habe dem Beschlüsse nicht zugejtimmt, sondern ftestich vergeblich davon abgetalen. Nachdem aber der Beschluß einmal gefaßt worden sei, mus.e man fich ihm jeiv,.verständlich loyal- unterwerfen, nun aber auch vollen Ernst bainit machen. Er beantragte deshalb, eine Kommijfton zu ernennen, die mit der alsbaldigen Aus­führung des B-e.chiu,ses beauftragt werde. ^Natürlich ent­stand ein ungeheures Hallo uno Gelächter. Das Präsidium aber lieg den Studio,us Clvers gemalt.am aus der Ver- sammlung entfernen. Er wurde an die Lust gesetzt.

|kur|tr jtU'lüiuiflCH.

Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 17. Tez. Ten Reden, welche Reichskanzler Craf Bülow bei der Etats Debatte im Reichstage gegen die Sozialdemokra ten gehalten hat, soll' in ihrem Wortlaut die weitest mögliche Verbreitung gegeben werden. Es wird angenommen, daß die zahllosen Vereine und Verbände im deutschen Reich, welche auf monarchischem^ Boden stehen, sich an dieser Verbreitung beteiligen werden.

Hamburg, 17. Dez. Eine Frau Kampf wurde aus schweren Kopfwunden blutend, tot in ihrer Wohnung, aufgefunden. Unter dem Verdacht d e s Mo r d e s wurde' die e i ge n e To ch t e r und ein bei ihr befindlicher un­bekannter Mann verhaftet.

Marseille, 17. Dez. Der Brand ist jetzt volb- 'tändig gelöscht. Ter in B.and geratene Schooner mit der Ealeiummrbidladung sank ohne zu explodieren.

Spalato, 17. Tez Ter Po lizeiwachmann Malvan wurde zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er einen Häftling derart mißhand elt hatte, daß

Herichtssaal.

** Gießen, 16. Tez. Jrn Anschluß an die Verhandlung über den Wcchlkrcuvall in Burqqräieurooe sand vor der Slraf- karnrner eine weitere statt gegen den Gastivirt I. K. wegen Di a j e ft a t 5 5 e l e i b i g u n g. Er wird beschuldigt, den Liaijer und Den Großberzog beleidigt zu haben. Ter Angeklagte bestreitet lebe Schuld. Ais einziger Zeuge, dem gegenüber die straibare Aeußeruug geiallen ist, erscheint, wie oben bereits erwähnt, der auch an der Burggräieuroder Affäre beteiligte I. F. K. Tie zeugen- eidliche Aussage dieses Alauues aber ivirb unteritütjt durch die be­eideten Aussagen ziveier weiterer Zeugen, denen, gegenüber der "llngeflagte ähnliche unehrerbietige Bemerkungen gemacht hat, so daß an seiner Schuld fein Zweckel besteht. Das Gericht erkennt ani eine Gefängnis st rafe von 2 Monate n.

A U l r i cf) ft c in, 16. Tez. Eine nicht nninterenante An­gelegenheit sand vor dem hiesigen Schöffengericht ihre Verhandlung. Ein' 'IJiann aus einem Vlachbarorte haue eine offene P o st k a r t e mit der Adresse:A n den Sozialdemokraten 9L 9L und voll des gröbsten Inhaltes empfangen, natürlich ohne Unterschrift. 5)er Empfänger dieser Karle Hane ob der Schrift einen gewissen Verdacht. Em Schristexperte aus Fraukiurt bestätigte diesen Ver­dacht durch Schrifivergleichuug. Dec Angeklagte wurde darauf hm zu 40 'Mark Geldstrafe verurteilt, hat mdesseu Berufung em*

Brandwunden erlitten.

Eonstantine, 17. Tez. Das Schwurgericht verur­teilte den Musiker Trubort, welcher seine Geliebte getötet und zerstückelt hatte, zu 15 Jahren Ge­fängnis.

Tanger, 17. Tez. Seit mehreren Monaten haben französische Bankhäuser dem Sultan von Marokko den? Vorjchiag gemaüft, eine Anleihe v o n 50 M i l b i o n e n Francs auizunehnien. Sie verlangen hierfür als Garantie einen Teil der Zolieinkünste und oie Ernennung europäü- jcher Zelibeamten. Ter Sultan zögert, den Vorschlag an- znnehmen, weil er darin eine Beeinträchtigung seines Unabhängigkeit erblickt.

Gewerkschaft Gießener Braunfteinbergwerke »orm- Fernie in Gießen. Es wurde beschlossen, pro Kux eine Aus­beute von 100 Alk. pro Januar zur Verteilung zu bringen. Außerdem soll sämtlichen Beamten und Arbeitern des Werkes aus Anlaß des Welhnachtsfestes eine außerordentliche Gratifikation gewahrt? iverb _ Wetzlar, 16. Dez. Tie Verwaltung der Bu d erus'schen Eisenwerke teilt und unter dem üblichen Vorbehalt nut, daß sie beabsichtigt, bei der nächsten ordentlichen Generalversammlung für 1903 eine Dividende von etwa 5 Prozent (im Vorjahre eben­falls 5 Proz.) bei unge'ähr denselben Abschreibungen wie im Bor- ,ahre in Vorschlag zu bringen. __

4 6% Oesterr. büberrento 101.05

er ft a r b.

Wien, 17. Dez. Kaiser Franz Foses hat beim Empfange der Delegationen vielfach bemerkenswerte Aeußerungen getan. Ten Tschechen gegenüber sprach er wiederholt sein Bedauern aus, über die Haltung ihrer Parteigetwjfen im Reichsrate und meinte, man stärke da­durch die radikalen Strömungen. Ten Deutschen ver­sicherte er, daß nichts geschehen werde, was oie Grund­lage der Armee verrücken könnte und hob energisch die Rotweudigkeit des AusgleichD mit Ungarn hervor. Ter Ministerpräsident von Körber wurde vom Kaiser in einer' Weise getobt, die den Eindruck hervorrief, der Kaiser werde von dem gegenwärtigen Kurse der inneren Politik nicht' abgehen. Zu dem Lungljchechen Kramarc^ sagte der Kaiser, die Tschechen hätten keinen Grund, immer ühetf Unterdrückung zu klagen. Sie müßten vor allem ihre Stellung im Parlament aufgeben, wenn die nötigen wirt- jchaftlia-en Maßnahmen zur Durchführung gelangen sollen. Am schärfsten sprach sich der Monarch den kroatischen Telegierten gegenüber aus.

Wien, 17. Tez. Der Kampf gegen dießoi von Rom"-B>ew egung in Böhmen, der unter der Führung des Kardinal-Furst-Erzbischofs von Skrebensky eingeleitet wurde, hat nunmehr mit einem Aufruf an alle Katholiken begonnen. In demseLen wird daraus hin­gewiesen, daß infolge der durch die Protestanten oie ratholi,che Kirche gerichteten Angriffe und durch zahllosen Flugschriften, die mit dem GeLe des Gustav^ Adolf-Vereins und des evangelischen Bundes in ganz Oesterreich verbreitet werden, die Zahl der Abgefallenen tatjächlich das 30. Tausend bereits überschritten hat. An- gestchts der Erfolge der Los von Rom-Bewegung mache sich die diotlage der ratholischen Kirche in Böhmen von vielen Seiten um so drückender fühlbar.

Innsbruck, 17. Tez. Im Zillertal wurden in der Dtacht heftige Erdstöße verspürt.

Selpitz (Böhmen), 17. Dez. Im Zeichensaale der hie. sigen Fortbildungsschule explodierte während des Unterrichts eine Petroleumlamp-e, wobei fünf Schüler

gelegt.

Frankfurt k. M, 16. Tez. Eine eigentümliche Anklage aus dem letzten Landl agswa hl kämpfe kam vor dem hiesigen Sck),öfsengericht zur Verhandlung. Am 6. Oktober ha.te die soziatoemokratischeV-ttsstinime" einen Bries veröfftntlichl, den ihr, wie sie sagte, eai günstiger , Wind auf den Redakstonsti.ch geweht hatre. Es war ein Schreiben vom Schriftführer des Zentrumswahlvereins an den nationalliberalen La.idtagsiand.daten, Lehrer Eo. Mar­tell, worin die Unterstützung der beiden naEoualtiberalen Kandidaten zugesick)rri wurde, wenn bei den nächsten Stadt- verordnetenwalften drei vom Wahlausfchuß der Frankfurter Katholiken bezeichnete Kandidaten auch von nationalribc- raler Seite aufgestellt würden. Ter Brief war die Ant­wort auf eine Anfrage, die Martell, übrigens ohne vom Vorstand des uationrlliberalen Vereins ermächtigt zu sein, an die Zentrumspartet gerichtet hatte. Die Verö,friii.lchung erregte das größte Aufsehen, west durch diese Verhand­lungen des nationalliberalen Kandidaten mit dem Zen­trum seine eigenen Parteigenossen unangenehm überrascht lvurden. In Martells Hände ist die am 2. Oktober zur Post gegebene Antwort nickst gelangt, da er an diesem Tage nach Erfurt reifte und erst am 5. Oktober zuruck- kehrte, als der Brief bereits im Besitze derVolts^unme" war. Ein Arbeiter hatte ihn ohne Umschlag und mit ab­gerissenem Rückblatt auf der Straße in dec Nähe der Mar- iullschen Wohnung gefunden, aus Neugier gelchen und dann uuj die ,-8olksstimme" gebrackst. Wer den Brief geöffnet und dann weggeworsen hat, weiß man nicht. Da die Briefe hier nickst in der Wohnung bestellt, sondern vom Briefträger in die an jedem Haus angebrachten Briefkasten gesteckt werden, ist der Brief wahrscheinlich aus dem Martell- schen Kasten heransgefallen oder herausgenommen worden. Martell begnügte sich aber mit dieser Aufklärung nicht, sondern zeigte den Vorfall der Staatsanwaltschaft an. Diese erhob gegen den verantwortlichen Leiter derVolts- stinune", O. Zielowski, Anklage wegen Unterschlagung und beantragte eine Geldstrafe von 2G0 Mk. Das Schöffengericht erkannte jedoch au, Freisprechung, west eine Unter­schlagung allenfalls vom Fi.nder des Briefes, aber nicht vom Veröffentlicher begangen sei, und auch keine Hehlerei vor Liege, weil der Angeklagte von der Veröffenstichung keinen Vorteil gehabt habe.

Metz, 16. Dez. In Verfolg des Prozesses Schilling ver­handelte das Kriegsgericht Hettle gegen bett Hauptmann Paschke und den Feldwebel K a f f a r n e ck der vierten .Kompagnie des Metzer Inicutterte-Regiments Nr. 98, die beschttldigl sind, dteitsiliche Beschwerden von Soldaten nicht weitergegeben und attdere Unterlassungen bedangen zu haben. Hattpitnamt Paschke tvttrde ßu fünf Tagen Stuben­arrest verurteilt, der Feldwebel, der erst kurze Zeit sich in seiner jetzigen Stellung besindet, freigesprochen, da erwiejenertnaßen die Hauptschuld seinen Vorgänger trifft.

Wegen Soldaten Mißhandlung in 1520 Fäl­len, 80 Fällen vorschriftswidriger Behandlung von Untergebenen. 20 Fällen des Geldborgens und der vorsätzlichen Abhaltung von der Beschwerdeführung wurde der frühere Unteroffizier Otto Fr anzki vom Infanterie Regiment Nr. 85 vom Kriegsgericht in Rendsburg zu einer Gesammtstrafe von fünf Jahren G efängnis und zur Tegradatioti verurteilt Franzki war im September vom Regiment entlassen worden, weil sein Hauptmaim nicht länger mit ihm kapitulieren wollte; er wandte sich nun nach Hamburg, wo es ihm gelang, am 1. Oktober eine Stelle als Hilfs- jchutzmaim zu erhalten. Vor Eintritt m die Verhandlmig stellte der Vertreter der Anklagebehörde, Kriegsgerichtsrat Dr. Reuter den Antrag, die Oeffenilichkeit nicht auszuschließen; denn auch das militärische Interesse erheische die volle Oef- f e n 11 i d) f e i t. In der Urteisbegründung wurde hervorgehoben, daß bei der Strafabmessung auf die höchst gemeine Gesinnung des Angeklagten, die sich m den brutalen Mißhandlungen seiner Sol­daten und in seiner Freude an diesen Ackßhandlungen gezeigt habe, Rücksicht genommen sei. Ter Angeklagte habe nie in berechtigter Erregung gehandelt, denn die Vergehen und Versehen seiner Unter­gebenen 'seien nur solche geweseii, die im Soldatenleben täglich vorkommen und vortommen müssen; er habe mit der Brutalität emes Lchsenknechtes gehandelt, trotzdem es an der nötigen Beauf­sichtigung fettens der Vorgesetzten nicht gefehlt habe. Ter Ange­klagte erklärte, die Strafe sofort antreten zu wollen.

Der Prozeß gegen dte Prinzessin Alexandra Jsenb urg-B üdmg en wegen Betruges ist, wie man aus Frankfurt a. Ai. meldet, auf den 16. Januar vertagt.

Miüst miD Wckichr. yulkbiuiilfdjafl

Berliner Börse vom 16. Dezember 1903.

Infolge der heute morgen vorgelegenen ungünstigen Reuter- schen Depeschen betreffenb die russifch°japa>iischen Streitigkeiten er­öffnete inan hier m reservierter Haltung. Bald jedoch trat auf allen Gebieten eine scharfe Aufivärtsbewegung em, wozu das Aus­land die indirekte Veranlassung war. Paris sowie London meldeten anhaltend feste Teiidenz und auch Wien notierte nach mattem An- iang späterhin gebesserte Kurse, so daß unser Alarkt der Anr-gmtg der freniden Platze willig folgen mußte. Von Renten erfreuten sich unifizierte 4proz. Türken neuerdings reger Slachfrage; Spanier nach schivachem Attfang zuni Schluß leicht gebenert. Bankaktien ivaren bet ruhigem Verkehr recht gut behauptet. Auf dem Aiontan' markt wareit Eisenaktien gut behauptet, Kohlemverte auf anhaltend . große Kau'e von guter Seite stark anziehend. Schifsahrtsaktten - logen recht fest. Nordfeefischereiaktien löl.-.

, cUlitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Tiskont 3^/8 Prozent. f

Schlußkurse.

213. 223.62 148.25 191.- 204.13