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L5S. Jahrgang
Zweites Blatt.
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Ldresie für Depeschen! ««-etger Gieße». Aernlprechaafchluß Nr. 51.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen
Dienstag 17. NovemLerLT03
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Nr. 270
Srscheimt täglich außer Sonntags.
Den» Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt
RvlattonSdrnck tu Verlag der vrühllchen Un toerst-Ouch- u. Stein- druckerrt (Pietjch Erden)
Aas 4vjährige Htegierungsjubiläum Königs dAVristiav IX. von Dänemark.
(Originalartikel des „Gieß. Anz.")
Ter 85jährrge König Christian von Dänemark hat im Kreise hoher Verwandten die Feier zum Jubiläum seiner 40jähi7lgeu Regierung begangen. Trotz schwerer Tage, Tage äußerer und innerer Kämpfe, die Land und Krone bedrückten, hat sich der greise Jubilar mit seltener Zähigkeit seine rörperlichss und geistige Frische bis in sein hohes Alter bewahrt.
Der Anfang seiner Regierung fällt in die Zeit des Konflikts über die schtleswig-holsremische Frage. Am 15. November 1863 starb König Friedrich VII. von Dänemark. Mit ihm erlosch, die Linie Gottorp, und es folgte ihm nach dem Londoner Protokoll von 1852 das Haupt der Linie Glücksburg als König Christian IX. in der Regierung. Wenige Tage nach der Thronbesteigung vollzog der neue König aus Drängen der dänischen Volkspartei durch Gutheißen eines neuen Berfassungsgesetzes die Einverleibung Schleswigs in den dänischen Staat.
Zu gleicher Zett erhob Prinz Friedrich Christian August von Augustenburg, dessen Vater gegen eine Geldentschädigung schon 1852 aus den dänischen Thron verzichtet hatte, Ansprüche auf Schleswig-Holstein. Ter deutsche Bundestag in Frankfurt a. M. sah sich zunächst nicht veranlaßt, die Ansprüche des Augustenburger zu prüfen, wohl aber berechtigt, gegen die Usurpation Schleswigs seitens Dänemark Einspruch, zu erheben und beauftragte Hannover und Sachsen mit der Exekution gegen dasselbe. Am 23. Dezember rückten 12000 Hannoveraner und Sachsen in Holstein ein, das die Dänen räumten.
Da die Bundesversammlung in Frankfurt auf Betreiben der mittleren und kleineren deutschen Staaten es ab lehnte, den Herzog Friedrich aus Holstein zu entfernen, übernahm Preußen und Oesterreich es allein, in Gemeinschaft die schleswig-holsteinische Angelegenheit zu regeln. Dänemark weigerte sich- der Aufforderung Preußens und Oesterreichs zu entsprechen und die Verfassung vom 18. November 1863 zurückzuziehen und Schleswig zu räumen. Eine Entscheidung mit den Waffen war unvermeidlich geworden; der deutsch- dchrische KÄeg begann.
Am 1. Februar 1864 rückte das bst er r erchr sch-preußische Heer unter Anführung des Generalfeldmarschalls Wrangel über die Eid e r. Der alte Grenzwall, das D an e- werk, wurde bald von den Dänen aufgegeben. Als auch das andere Befestigungswerk, die Düppeler Schanzen, am 18. April durch Prinz Friedrich Karl erstürmt wurde, wurde in kurzer Zeit die dänische Provinz Jütland von den Preußen besetzt. Aus Englands Betreiben wurde eine Konferenz der Großmächte nach London einberusen und Dänemark eine mchrwochentlick)e Waffenruhe zugestanden. Die Londoner Konferenz verlies ergebnislos, und die Feindseligkeiten wurden fortgesetzt. Nach Eroberung der Insel Alsen durch Prinz Friedrich Karl und nach Einberufung eines neuen Kabinetts zeigte sich Dänemark geneigt, in dre Frie- densverhandlungen etnzutreten. Sie nahmen am 26. Juli in Men ihren Anfang und führten am 30. Oktober zum Abschluß. Dänemark trat Schleswig-Holstein an Oesterreich und Preußen ab. Ueber die Stellung des Augustenburgers, der, unterstützt von Oesterreich seine Souvenäuetät in den Elbherzogtümern nicht aufgebeu wollte, konnte eine Einigung zwischen den verbündeten Mächten nicht erzielt wer
den; ein Bruch zwischen Preußen und Oesterreich drohte. Er wurde zwar noch einmal durch den Gast einer Vertrag vom 14. August 1865 verhindert, indem beide Mächte übereinkamen, sich in die Verwaltung der Herzogtümer zu teilen: Preußen erhiell Schleswig, Oesterreich Holstein. Das Herzogtum Lau en bürg wurde an Preußen gegen eine Geldentschädigung von etwa 2 Millionen Taler abgetreten.
Tie fortwährende Begünstigung des Augustenburgers seitens Oesterreichs und die vertragswidrige Einberufung der holsteinischen Stände nach Itzehoe veranlaßten Preußen, seine Truppen in Holstein einrücken zu lassen. Die östreicht- jche Besatzung nebst dem Augustenburger zogen über Hannover nach Süddeutschland ab. Auf Oesterreichs Antrag beim deutschen Lunde in Frankfurt wurde gegen Preußen die Bundesexekution beschlossen. Das Ausscheiden Preußens aus dem deutschen Bunde und die weiteren Verwicklungen führten zum Kriege 1866. 9cach Beendigung desselben trat Oesterreich im Prager Frieden vom 23. August 1866 seine Rechte auf die Elbherzogtümer an Preußen ab.
In Dänemark führten nach dem Kriege 1864 erneute Verfassungskämpfe zu fortwährenden Auseinandersetzungen zwischen Krone und Volksvertretung. Tie . fortgesetzten Ludgetverweigerungen dauerten bis in die jüngste Zeit. Ter konservative König mußte schließlich einem Ministerium der Linken die Herrschaft überlassen. Tiefe Ver- jassungskämpfe haben das Verhältnis des Königs zu seinem Volke nicht im mindesten getrübt, wie dieses sich hauptsächlich 1892 gelegentlich der goldenen Hochzeit des Königs- paares zeigte. König Christian war mit einer Tochter des Landgrafen Friedrich von Hessen-Kassel verheiratet und ist seit fünf Jahren Witwer. Auf seinem Schlosse Fredensborg in Jütland sieht ,cher Schwiegervater von halb Europa" des öfteren den Besuch seiner Kinder, des Königs von Griechenland, der Königin von England, der Kaiserin-Witwe von Rußland, der Herzogin von Cumberland. Der zukünftige Thronfolger steht bereits im 60. Lebensjahre.
Dem greisen Monarchen gereichte es zur besonderen Freude, als er an seinem 85. Geburtstage am 4. Aprll dieses Jahres den deutschen Kaiser in seiner Hauptstadt begrüßen durfte. Dadurch sind die schmerzlichen Erinner- ungen an das Jähr 1864, wenn auch nicht gaßz vernarbt, jo doch gemildert und freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Hause Dänemark und dem deutschen Kaiserhause ungebahnt. Es mag dieser Umschwung der Gesinnungen dem greisen Jubilare besonders wohltuend gewesen jein
Aus Kluöt und Land.
Gießen, den 17. November 1903.
** Evang. Bund. Der Jamllienabend des Evang. Bundes, der am vergangenen Sonntag im Neuen Saalbau (Steins Garten) stattfand, war ganz außevordenllich stark besucht. Bis in die entferntesten Ecken waren alle Plätze besetzt, und immer wieder mußten noch, weitere Tische eingeschoben werden, um alle Gäste auszunehmen. — Nach einer kurzen Begrüßung durcv den Vorsitzenden des hiesigen Zweigvereins ergriff Herr Pfarrer Fritsch von Ruppertsburg das Wort zu seinem Vortrag. Der Redner erzählte von seinen Eindrücken, welche er kürzlich in Oesterreich von der Los von Rom-Bewegung gewonnen hat. Er ging
aus von der Aufgabe, welcoe» der Evangelische Bund hat, evangelisches Bewußtsein zu wecken und die Angriffe auf unsere Kirche und unsere Reformatoren zurückzuweisen. Wir seien in der Defensive; selbst im bayerischen Landtag habe der katholische Oberlandesgerichtsrat Wagner vor nicht langer Zeit konstatiert, daß der Evangelstche Bund seither nicht der Angreifer gewesen sei. Nun schilderte der Vortragende die neu entstandenen Los von 9tom-Gemeinden in Thurn-Böhmen, Judenburg und Zeltweg in Steiermark, letztere ist das Patentind des hessischen Hllssvereins. Da- zlvischen lenkte er die Aufmerksamkeit auf die tschechisch- evangelische Kirche, die in langsamem, aber sicherem Vordringen sich befinde und die Huß-Begeiferung benutzen wolle nicht zu chauvinistischem Treiben, wie die katholischen Tschechen, sondern um ihrem Volke den evangelischen Glauben anzubieten. Das böhmisck)e Volk vergesse nicht, daß es einst protestantisch war. Den hart Ringenden zu Helsen, sei Aufgabe nicht des Evangelischen Bundes, aber der einzelnen Freunde des Volkes vor Huß. — Zuletzt schloß der Redner mit warmem Auftus, daß wir wachsen im evangelischen Bewußtsein und Glauben, er bat um Hilfe für Zeltweg und forderte auf zur Mitarbeit im Evangelischen Bund. — Lauter Beifall lohnte den fesselnden, in kräftiger, von Humor durchwürzter Sprache gehaltenen Vortrag. — Hierauf ergriff Herr Stadtverordneter und Kirchenvorstand Schmall das Wort. Er wies in trefflichen Morten darauf hin, daß es Pflicht eines jeden Eoan- gelischen sei, in den Novembertagen ganz besonders unseres Luther zu gedenken, es sei die Aufgabe des Bundes, an den Errungenschaften des großen Reformators sestzuhalten und das evangelische Bewußtsein zu wecken und zu stärken. Cr kam sodann aus die Vorkommnisse in Gießen anläßlich der Fried ho ssweihe zu sprechen und wies daraus hin, wie notwendig es sei, gegen Uebergrisse zusammenzustehen und sich zu wehren. Der Erfolg habe ja auch im vorliegenden Falle gezeigt, wie energisches und sestes Eintreten zum erwünschten Ziele führe. — Nicht wenig zur Verschönerung des Abends trugen die Liedervorträge des Fräulein Ida Stammler bei, die seine Schulung und tiefes Verständnis erkennen ließen; besonders das von ihr zuerst gesungene Lied Svirito santo von Löwe war von packender 'Wirkung. Sein Bestes gab unter Leitung des Herrn Musiklehrers Gernhardt der hiesige Maschinenbauer-Gesangverein, der sich für den Abend zur Versügung gestellt hatte. Seine sechs Lieder wurden vorzüglicy und zu Herzen gehend vorge- trageu und gaben Zeugnis sowohl von der Tüchtigkeit des Dirigenten als auch dem sehr guten Stimmenmaterial. Iw Verlaufe des Abends meldete sich eine größere Anzahl neuer Mitglieder. Es ist sicher zu erwarten, daß auch die in diesem Winter noch weiter stattfindenden Familien- abende am 24. Januar und 21. Februar die gleiche Be- telligung haben werden.
f Grünberg, 16. Nov. Im hiesigen Gewerbeverein sand vor einigen Tagen unter dem Vorsitze des Gemeüiderats Kaiser eine Versammlung statt, in welcher das hessische Wohnungsfürsorgegesetz erörtert wurde. Landeswohmmgs- inspektor Gretzschel aus Darmstadt hatte den einleitenden Vortrag übernommen. Daran knüpfte sich eine sehr anregende Diskussion, in der von mehreren Seiten daraus verwiesen wurde, daß die Wohnungsverhältnisse in Grünberg recht verbesserungsbedürftig seien. Auf Anregung des Gemeinderats 'Moll wurde beschlossen, die Gründung einer gemeinnützigen Baugenossenschaft in die Wege
Huer durch deu hohe» Kögelsberg.
DriginaL-Sititel des „Gießener Anzeigers".
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Ter Waldkauz brachte mim also nicht aus der Fassung, int Verein mit meinem Kameraden durchquerten wir mit Mühe und in der Gefahr, uns die Augen zu verletzen, den Hochwald, erreichten eine Schneise und nun hätte ich gern den Vorschlag gemacht, iu das nächste Frchtendickicht zu kriechen, da zu schlafen und den Eng » ettoatte», wenn die $Mte jetzt nicht gar zu laug und zu kühl waren. Denn die Hoffnunq, iu dieser Siaart noch herauszukonrmen aus diesem verwünschten Wald, schien nur gering. Nur ein qlücklicher Zufall konnte uns wieder auf die Oberwaldsiraße bringen. Die Richtung hatten wir, wie nun auch wem Begleiter einsah, vollständig verloren. Da sehe ich Hurter einer schwarzen Wolkenbank, die am Horizont lagert, m unserer Wegrichtung den Vollmond ausgehen,.eure gewaltrge blutrote Scheibe. Wir wandern also rn östlicher Richtung in der Mchtung nach Ilbeshausen und das ersehnte lllruh- stein liegt weit hinter uns, nordwestlrch, Unser Weg fü^t ims den Kreuzungsstunkt zweier jich fast rechtwrnkstch durch- schneidenden breiten Waldschnefieri, noch ern fünfter Weg mündet hier ein. Der eine Weg etwa in östlicher Dichtung führend, ist mit ein paar Buchenstangen cchgesperrt. Es werden da zu beiden Seiten Gräben ansgehoben, der schlammige lose Boden bedeckt den Weg. Auf. der Kwne desselben sind Pfähle eingeschlagen, über die rch im Dunkeln fortgesetzt stolpere, währeiid ich den Weg untersuche., Hetzer den einen Pfahl komme icfy fast zu FE^un Aerger zrehe ich ihn heraus und werfe ihn zur Seite. Ich kehre zu meinem zgcgegenossLN znvück, der mich auf der Wegekreuzung er- wactL A) «ns ist es einerlei, welche« Weg wir nehmen; wohin er uns süy«t, wissen wir ja doch nidit Mr suchen uns dcn gamü>c«ft8« aus und wieder geht es vorwärts. Vlach zwei Ätsmeter sLwa kreuzt uniere Schneise eure teix »ttouun jubelnd d^Oberwaldstraße, aber wo wvt sie «tollen, weit östlich vonr Taufstein, wtr brauchen eine staute halbe Stunde, um wieder auf unsern Ausaanaspuntt zu Pormnen. Wer die Karte zur Hand nimmt, wird sehen, daß wir im Nachtdunkel vom H^^dstopf nivwiM»*1 i All^or^ den Geckelftei^. den Taukü in
im weiten Bogen umgangen Haban, kurzum im Kreise herumgelaufen sind.
Auf dem Hohenrodskvps winkt den Wegemüden em willkommenes Lager, er liegt in der Entfernung von 15 Minuten zu unserer Linken.
Wir beratschlagen, was tun? Nach unserem Programm wollten wir um diese Zeit in dem iy2 Stunde entfernten Ulrichstein in den Betten liegen und jetzt stehen wir wieder zwischen Hvhenrodstopf und Taufstein. Kurz entschlossen wandern wir aufs Neue gen Mrichstein. Inzwischen ist der Mond heraufgestiegen und wirft sein bleiches Licht über den Laubwald, dessen Schatten sich in mannigfachen Formen auf unserer Straße zeigt. Zu unserer Rechnen tut sich eine weite, mit Fichtenbäumchen besetzte Waldblöße auf. Das hohe Waldgras zwisch^en diesen Bäumchen, diese überragend, ist abgestorben, es erscheint noch weißer im Vollmondlicht und gejpenftig heben sich schwarze Baumstümpfe und Erd- austvürfe daraus hervor. Da! dort! ragt da nicht ein Galgen? Baumelt da nufct ein menschlicher Körper im 9cacbtsturm vom Balkengerüst? Nein, aber ein sonderbares Ding ist es doch! Wir sehen näher zu, da steht seit Jahrzehnten eine massige Maschine, die einst hier der Torfgewinnung dienen sollte und die nun darauf wartet, an Ort und Stelle zerschlagen zu werden, damit ihre Trümmer in den Schmelzofen wandern und neue Formen annehmen können. — Zum zweiten Male kommen wir in dieser 9lacht an die Wegegabelung. Diesmal verzichten wir aus den kürzeren Weg und behÄten die feste Straße unter den Füßen. Sie führt uns bergab, zu unserer Seite rauscht ein Waldbach, links aus dem Tuntel des Buchwaldes leuchten Wassertümpel, in dem verirrte Sonnenstrahlen sich spiegeln. Da vor mir durch die dicht stehenden Stämme scheinen Lichter zu blinken, Lichter, die scheinbar aus den Fenstern zahlreicher DmMcher strahlen. Sind das die erregten oder die abgespannten Nerven, die mich so trrllchter»d f^hen lassen? Der Wald öffnet sich, draußen liegt silbernes Mondlicht ans der Lallen Heide. Dies Mondllcht habe ich durch die Baumstämme jllmmern ichen.
Vor uns, draußen vor dem Waide liegt der WieseniZof, ftlll und sput'hajt, als üb alles Leben dort erstorben wäre. Und doch sehen wir näherkommend durch ein paar Fenster m die bell erleuchtete Stube hinein, in der die Bewohner
sllll um den Disch sitzem Wir erreichen bald die lang ersehnte Staatsstraße, die hier mit hohen Fichtenbäumen statt mit Obstbäumen bepflanzt ist. Der Sturm braust durch das Geäst der hohen Fichten, und in dieses Brausen mischt sich ein feines ttingendes und singendes Getön, das der Wirid in den zahllosen Tannennadeln Hervorrufen mag. Bald leuchten uns auch die Lichter aus dem ausgedehnten Selgenhofe entgegen. Jetzt treffen wir seit den letzten fünf Stunden auf den ersten Menschen und wir freuen uns bei der Begrüßung, wieder die Stimme eines Dritten zu hören.
Ich spreche die Befürchtung aus, unser Gasthof könnte geschlossen sein. Mein Begleiter beruhigt mich: ich kenne die Ulrichsteiner, das Gasthaus wird noch hell erleuchtet sein, wir finden auch noch Geselllchast, der wir besser von unseren Abenteuern nichts erzählen denn es sind arge Spottvögel darunter. Und richtig, es stimmt alles. Wir erhalten noch ein Nachtessen, die Stammtischgesellschaft nimmt uns liebenswürdig auf, wir versuchen mitzutun, Ober die Augen fallen uns zu. Wir schilafen in guten Betten bis in den Hellen Morgen hinein.
Die Morgensonne weckt uns. Alle Müdigkeit war vorbei, und zur Fortsetzung unserer Wanderung machen wir uns rasch reisefertig. Mit einem Gang durch das Städtchen und auf den hohen Basaltkegel, der die Grundmauern des Ulrichsteiner Schlosses trägt, begann diese Wanderung. Das Städtchen ähnelt in vieler Beziehung all den Land- städtchen im hohen Vogelsberg. Tre Wände der Häuser sind meist mit Schindeln bekleidet, die Wind und Wetter abhalten. Die Däck)er sind schon säst durchweg mit modernen Falzziegeln gedeckt. In allen Hoftaiten, auch vor der fi.etnflen Hütte, sind Haufen von trockenem Buchenscheitholz aufgeschichtet — das 5^eizmaterial für den kommenden Muter. Neven sehr alten Raufern stehen viele, die in neuerer und neuester Zeit errichtet sind und fick durch ihr schmuckes Aeußere von den .altersgrauen abheben. Lines dieser letzteren, ein zweistöckiges, niedriges und langes Haus, neuen dem Amtsgericht, trügt die Inschrift:
„Hier im allen GemeindewiriShauS übernachtete Blücher auf der Verfolgung Napoleons vom 2,/3. November 1813."


