Ausgabe 
17.10.1903 Zweites Blatt
 
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l. Over-Wöllstadt, 16. Olt. Zu Dem von uns bereits Hestern gemeldeten Dieb stähle bei Landwirt Heinrich "loses öde, wobei dem Täter über 1000 Mk. bar Geld usw. in Die SninDc fiel, wird uns weiter berichtet: Wie festgestellt ist, flüchtete der Dieb nach Ausführung der Tat nach Hom­burg v. d. H. Dort kaufte er sich in einem Geschäft zuerst neue Kleider, worauf er nach dem Badehause grng und sich dort umkleidete. Die alten Kleider ließ er an diesem Orte liegen. Als Gentleman kehrte er dann üt einem Re­staurant ein. Während seine Verfolger in den Feldern und Tunliegenden Ortschaften nach ihm suchten, saß der Dieb gemütlich beim Diner, zu welchem er einige Flaschen Cham­pagner trank. Beim Weggehen gab er sogar dem bedienen- deu Personal 5 Mk. Trinkgeld. Dann nahm der Flüchtling zu seiner Bequemlichkeit noch eine Droschke und ließ sich nach Frankfurt fahren. Von dort aus fehlt der Polizei bis jetzt jede Spur. Heute mittag wurde der in Homburg zurückgelassene Anzug des Diebes an das Kreisamt zu Fried­berg eingeliefert. Die ganze Art Und Weise des ausge- ftihrteu Diebstahls, wie auch der so schlau ersonnene Flucht­plan lassen darauf schließen, daß der Täter, der Schweizer Karl Schön aus Oesterreich-Ungarn, einganz geübter" Einbrecher ist.

L. Freiensteinau, 15. Okt. Gestern fand abermals eine Versammlung, betreffend den Bahnbau Fulda Salmünster, statt. Diese ursprünglich geplante Strecke scheint man, wohl infolge der Terrainschwierigkeiten bei Sal­münster, aufgegeben zu haben, denn ein Teil der zahlreich erschienenen Herren trat für die Strecke FuldaFreiensteinau Steinau und andere für FuldaFreiensteinauBirstein ein. Erschienen waren Kreisrat Dr. Wallau, der Landrat von Fulda, Landrat von Schlächtern, sowie noch Herren von Steinau, Gelnhausen und Bwstein.

d. Mainz, 16. Okt. Kriegsgericht. Der Arbeits- soldat K. aus Gießen ist im Jahre 1901 beim Militär eingetreten, wurde aber schon wegen Fahnenflucht und widernatürlicher Unzucht bestraft, auch hat er eine Reihe von Disziplinarstrafen hinter sich Am 2. Oktober war die Arbeiterabteilung auf dem großen Sande beschäftigt uiti) K. erhielt von einem Sergeanten einen Befehl, den er nicht befolgte. Er ist deshalb Der Gehorsamsverweigerung vor versammelter Viunnschaft angeklagt. Der Angeschuldigte ist ein äußerst aufgeregter Mensch, was bei der Strafaus- nressung mildernd in die Wagschale fiel. Er wurde zu zwei Atonalen Gefängnis verurteilt.

Marburg, 16. Okt. Seinen 60. Geburtstag feiert heute der Direktor der Frauenklinik, Geh. Med.-Rat Professor Ablseld.________________________________________

Vermischtes.

* Berlin, 15. Oktober. Der amerikanische Schrist- stekler Oberst Savage ist in Berlin plötzlich gestorben. Er war auf der Straße von einem Wagen über­sah r e n worden.

Berlin, 15. Okt. Ein Brand entstand heute vor­mittag auf dem Fernsprechamte VIIL, indem durch Kurzschluß ein Kabel entzündet wurde, sodaß der Raum bald mit Qualm angefüllt war und von den Angestellten verlassen werden mußte. Die Feuerwehr bewältigte das Feuer in einer halben Stunde. Der Betrieb im Fernsprech­amt war mehrere Stunden völlig gestört.

* Breslau, 16. Okt. In der Glückhils-Friedenshofs- nungsgru.be zu Niederhermsdorf wurden durch herabstür- ^ende Kohlenmassen zwei Hauer getötet. In Za- borze in Oberschlesien tötete im Verlaufe eines Streites der Grubenarbeiter Robert Hausotter seinen Bruder durch einen Messerstich in das Herz.

* Lahr i. D., 16. Okt. In der Buchdruckerei und Ver­lagshandlung von Moritz Schauenburg brach in vergangener Nacht Feuer aus, das einen Teil des nördlichen Flügels des Gebäudes zerstörte. Der Geschäfts­betrieb erleidet keine Störung.

* Died enbofen, 16. Okt. In Waldwiese ist eine Typhus-Epioemie ausgebrochen. Bis jetzt sind 40 Personen erkrankt und vier gestorben. Die Ursache soll in schlechtem Trinkwasser.zu suchen fein.

* Lüttich, 16. Okt. Der Industrielle Leon Laurient stieß zwischen Ombret und Huy auf seinemMotorrade mit einem Automobil zusammen und wurde so­fort getötet.

* Lemberg, 16. Okt. Bei der heutigen Antritts- Vorlesung des Rektors kam es seitens der rutheni- schen Studenten zu lärmenden Kundgebungen und Ausschreitungen. Gegen den Rektor herrschte eine große Animosität wegen seines Verhaltens bei den letzten Stu­dent en-Unr uh en. Wie die Blätter melden, sind Studenten relegiert worden. Gegen die übrigen Teilnehmer an der Kundgebung wird eine Disziplin ar Untersuchung eingeleitet werden.

* Des Dichters Ludwig Anzengrubers ein­zige Tochter ist dieser Tage Witwe geworden; ihr Gatte Wilhelm Mader hat sich das Leben genommen.

* Ein großer Juwelendieb stahl in L ondon. Im Auktionslokale von Kuight Frank und Rutley im vor­nehmen Westend wurden für etwa 10 000 Pfund Sterling Juwelen von Einbrechern geraubt, die sich vom Glasdache mit einem Strick herabließen und den Geldschrank auf- brachen. Von 302 Nummern des Katalogs fehlen 250. Der Wert der Stücke variiert von 5 Pfund bis 1000 Pfund. Meist sind die Juwelen Eigentum von Händlern.

Gerichtssaal.

sd. Darmstadt, 15. Okt. (Kriegsgericht). Eine An­zeige wegen Störung des Gottesdienstes hat den Vizeieldwebei Aug. S ch l ö r b , sowie den Vrzefeldwebel und Regi­mentstambour Gottl. Hasche, beide tm Jnsanterie-Regiment Nr. 115 uub nur vorzüglichen Führungs-Attesten versehen, auf die Anklage­bank geführt. Anfangs Juli d. Js. machte der Unteroistzierverem des 1. Bataillons genannten Regiments an einem Sonntag einen Ausflug nach Neunkirchen i. O. und kam mit. einer Musikabteilung, deren Dirigent der Angeklagte Hasche ist, unter klinaendem Spiel in der Wirtschaft des Bürgermeisters Schmidt an Man plazierte sich so gut es eben ging, teils ün Freien, teils im Zimmer; die Musik blieb außen. Nachdem noch 12 Stücke gespielt waren, kam aus der ca. 40 Schritte entfernten Kirche ein Bote des dort Kinder- lehre abhaltenden Dekan Keil mit dem Ersuchen, das Spiel em- zustellen, da die Kirche noch nicht zu Ende sei. Tas Spielen wurde darauihin eingestellt, aber nach ca. 20 Minuten, als verschiedene Ortseinwohner aus Befragen erklärten, die Kirche sei jetzt aus, wieder angesaiigen. Hieraus erfolgte die Anzeige des Geistlichen beim General-Kommando, welche die heutige Verhandlung zur Folge halte, obwohl in einem bald solgendeii zwecken Schreiben erklärt wurde, daß keine Bestrafung der Angezelgten gewünscht, sondern in Zukunft nur Vermeidung solcher Vorkommnisse erwartet werde. In oer heutigen Verhandlung erklärte zunächst Dekan Keil, -vUß die Kmoeilehre als Gottesdienst ,-,a betrachten sei, er sei wieder­holt gestört worden. Der Gerichthof gehl jedoch auf diese Frage nicht näher ein, nachdem verschiedene Zeuger: unter Eid ansjagten,

daß sie dem Vorsitzenden des Vereins S ch l ö r b auf Befragen er­klärt hätteii, der Gottesdienst sei aus. Daraufhin werben beide Angeklagte freigesprochen, da ihnen das Bewußtsein mangelte, den Gottesdienst gestört zu haben. Sehr frech und herausfordernd betrugen sich im Juni d. Js. der Infanterist Jmmel vom Regt. Nr. 115 und der Kanonier Traum vom Art.-Regt. Nr. 61, welche inzwischen zur Reserve übergetreten sind, als sie in einem Abteil 3. Klasse von Station Neutor aus nach Darmstadt fuhren. Von ftarfem Alkoholgenuß angeheitert, machten sie über zwei gleichfalls in das Abteil eingestiegene Train-Sergeanten abfällige Be- merfungen, wieKohldampfschieber" rc. und führten unflätige Redensarten gegen einsteigende Tanten, wie auch weiter gegen den einen Sergeanten. Auf die Auffordermtg, den Säbel zur Fest­stellung der Nummer vorzuzeigen, weigerte sich I. zunächst, so daß der eine Sergeant den Säbel selbst herauszog und die Nummer feststellte. Jmmel erhält wegen Beleidigung eines Vorgesetzten und Gehorsamsverweigerung 2 Monat 14 Tage, Trau m wegen Beleidigung eines Vorgesetzten und Achtungsverletzung die gleiche Strafe.

Berlin, 16. Okt, Vor der dritten Strafkammer des Landgerichts fand heute der Kaiserinsel-Prozeß seine Fortsetzung. Die Vernehmung der Zeugen, unter denen sich auch der Hoftnarschall des Kronprinzen von Trotha, der Chef des Militärkabinetts, Gras Hülsen-Häseler, der Chef des Zivilkabinetts v. Lucanus, Geheimrat Ham- inann, und der Restaurateur der Hohkönigsburg, Bodo Eb- hardt, befanden, ergab auch heute für die Behaupt­ungen desVorwärts" keinen Beweis. Die Redakteure des Vorwärts", Metzker und Eisner, die behaupten, das ftag- liche Schriftstück, auf Grund dessen derVorwärts" den Artikel veröffentlichte, in Händen gehabt und ihm amt­lichen Charakter beilegen zu müssen geglaubt zu haben, werden wegen Verdachts der Beihilfe nicht vereidigt. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Redakteur desVor­wärts", Leid, neun und gegen Kaliski vier Monate Ge­fängnis. Es wurde gemäß dem Anträge des Staatsanwalts Redakteur Leid wegen M aj e st ätS b el eid i g u n g zu neun und Redakteur Kaliski wegen Beleidigung des H o f m a r s ch a l l s des Kronprinzen v. Trotha zu v i e r Monate Gefängnis verurteilt. Leid hate erklärt, daß der Artikel sich nicht gegen den Kaiser, sondern gegen dessen Umgebung richte. Kaliski erklärte kurz, daß nach seiner Ueberzeugung Herr v. Trotha von jenen Plänen hätte wissen müssen, und sie deshalb nicht hätte ableugnen dür­fen. Aus eine Anfrage des Rechtsanwalts Liebknecht an dün Grafen Hülsen, ob dem Zeugen etwas bekannt sei, daß geplant sei, die Aushebungsartikel in Bezug auf Die Gardetruppen zu ändern, verweigerte der Zeuge die Ant­wort. Im Anschluß hieran kam es zwischen dem Verteidi­ger und dem Vorsitzenden zu einigen Erörterungen.

Tilsit, 16. Okt. In dem seit dem 13. Oktober vor­dem hiesigen Schwurgericht verhandelten Raubmord­prozeß gegen den Fleischermeister Hubert-Lompönen, welcher den Meiereibesitzer Zürcher-Lompönen, dessen 25 Jahre alteEhefrauund5Jahre altes Töchterchen ermordete, wurde heute abend das Urteil gesprochen. Hubert wurde wegen dreifachen Mordes und schweren Raubes zum Tode und Verlust der bürger- lichen Ehrenrechte verurteilt.

Handel und Verkehr. Uolkswirtjchafl.

Berliner Börse vom 16. Oktober 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prwal-Dtskont 3 ®/8 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit .... 207.00 206.75

Deutsche Bank . . . 216.40 216.60

Darmstädter Bank . . 141.50 141.25

Bochumer Guß . . . 190.60 . 190.50

Harpener Bergbau . . 198.00 197.90

Schluß-Tendenz: Ruhiger.

Die Bindung der SPiritusprodnktion ist eine, voll­zogene Tatsache. Mehr als 92 Prozent des gesamten Kontingents der Kartoffel brennereieu hat sich durch Unterzeichnung des Ver- pflichtttugsscheins angeschlossen.

Deutsche Rcichsbaut. lieber die Goldbewegung bei der Reichsbank wird derF. Z." aus Berlm gemeldet, daß das Insti­tut im Lause ds. Jrs. blsher für etwa 80 yJhUionen M. Gold an­gekauft hat, gegen nicht viel mehr als 25 2)UU. in derselben Zeit des Vorjahres. Dabei handelt es sich keineswegs um Barrengold ober frembe Golbmünzen, sondern um hohe Beträge von 20 Vl.- Stücken, die aus London gekommen sind. Die Reichsbank geht daher wesentlich gekräftigter in die Wintersaison hinein. Jeden­falls ist es der dringende Wunsch der Bank, den Diskontsatz so stabil als möglich zu halten; sie wird versuchen, den jetzigen Zins­fuß von 4 Prozent weiterbestehen zu lassen und zwar, wenn irgend angängig, über das lausende Jahr hinaus.

Märkte.

Gießen, 17. Okt. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,001,20 Alk., Hühnereier 1 St. 78 Psg., 2 Stck. 00OO Pfg., Gänseeter 0000 Pig., Enteneier80 Pfg., Käse pr. Stck. 58 Pf., Käsematte 2 Stck. 56 Psg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linseii pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,7009,02m., Hühner pr. St. 1,301,80 Mk., Hähne pr. Stück 0,701,50 2)IL, Enten pr. Stück 1,702,20 Alk., Gänse pr. Pfd. 5260 Pfg., Ochsensteisch pr. Pfund 6878 Pfg., Kuh- mrd Rindfleisch pr. Pfund 6266 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7076 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund 5674 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 4,505,50 Mk., Weißkrarck per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,505,00 Mk., Milch per Liter 18 Psg., Aepsel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Zwetschen 'Mk. 7.009.00 pr. Ctr., Trauben 0000 Pfg.

Artleiterbewegung.

Paris, 16. Okt. Die Polizei in Armentieres hat 36 neue Haftbefehle gegen Personen, die an den vorgestrigen Unruhen teil- genommen hatten, erlassen. In Armentiöres und Umgegend stehen gegenwärtig 8000 Mann Truppen unter den Waffen. Der bisher durch den Streik entstandene Schaden wird auf 200,000 Francs geschätzt. Das Streik-Komitee, welches sich mit der Organisation des Referendums über die Wiederaufnahme der Arbeit beschäftrgt, hat beschlossen, daß die Al'ftimmung geheim sein und nur mit ja oder nein erfolgen soll. Belgische Arbeiter werden nicht zugelassen, ebensowenig Arbeiter uub Arbeiterinnen unter 20 Jahrer.________

Auszug «US i>ru stsuiesumtsrkgiflkill Oer Steht Glktzkll. Aufgebote.

Am 12. Okt. Emil Friedrich Christian Frahm, Ingenieur dahier, und Hedwig Elfriede Anna Preußing zu Ottmachau. 14. Georg Gustav Ludwig Menges, Oberleutnant und Regiments- Adjutant int Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Kaiser Wilhelm- 91 r. 116 da­hier, und Luise Elisabeth Wilhelmine Boriihausen zu ^Mannheim. 15. Johannes Emmerich, Fuhrknecht dahier, und Karolme Elisabethe Schäfer, geborene Scholl, dahier. Philipp Appel, gen. Oest, Taglöhner dahier, und Eleonore Weller, Taglöhnerin dahier. Karl Gottfried Burger, Sergeant dahier, und Elise Charlotte Albold dahier. 16. Karl Ludwig Emi.1 Gleißner, Eisen­dreher dahier, und Anna Berg, Köchin dahier.

Eheschließuugcu.

Am 10. Okt. Johann Gotlsned Bohrmann, Bahnwärter da­hier, mit Katharine Alargarete Lotz, geb. Eiff, Witwe des Straßen­kehrers Karl Lotz III dahier. Albert Haubrich, Kaufmann zu Weidenau, und Elise Jung, Tochter des Dlanufakturwarenhändlers Konrad Jung dahier. Karl .Hermann Leopold Walther, Kauf­mann dahier, uni) Susanne 'Amalie Bramm dahier.

Geborene.

Am 6. Okt. Dem Bahnarbecker Wilhelm Gelsebach ein Sohn.

8. Dem Architekten Philipp Schramm eine Tochter. 9. Dem Lokomotivheizer Adolf Braun ein Sohn Adolf Karl. Dem Schuh­macher Philipp Lepper ein Sohn. 15. Dem Kutscher Adolf Beinert eine Tochter Marie Elise.

Gestorbene.

Am 10. Okt. Heinrich Kick, 78 Jahre all, Tuchmacher zu Als­feld. Christian Wagner, 80 Jahre alt, städt. Anlageaufseher da­hier. Amalie Rausch, geb. Beck, 51 Jahre alt, Ehefrau des Direktors des Realgymnasiums und der Realschule Dr. Eniil Rausch. 11. Erna Lina Elisabethe Weber, 1 Jahr alt, Tochter des Fabrikarbeiters Heinrich Weber dahier. 11. Abraham Samuel, 80 Jahr alt, Rentner dahier. 14. Johannes Ruhl, 52 Jahre all, Universitätsdiener i. P. dahier. 15. Karl Port, 55 Jahre alt, Pflasterer dahier. 16. Luise Pauline Magdalene Löher, geb. Kitz, 21 Jahre alt, Ehefrau des Bäckermeisters Wilhelm Christian Karl Löber dahier.

Uenefte Melönngen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 17. Okt. Die Urteils-Begründung in dem Kaiserinsel-Prozeß lautet ungefähr fol­gendermaßen : Nach der Beweisaufnahme ist es nicht wahr, daß ein solcher Plan, wie ihn derVorwärts" behauptete, bestanden hat. Es ist absolut nichts dafür erwiesen. Der Artikel stellt die Sache auch so dar, daß der Kais er diesen Plan billige und es sei kvfn Zweifel, daß der Artikel auf den Kaiser gemünzt sei. Dies gehe hervor aus der Ueber- schrift:Kaiserinsel", aus der Bezugnahme auf die- beritzer Heerstraße, aus der Behauptung, daß der Plan schon schwarz auf weiß feststehe und aus der Tendenz des Vorwärts", die nicht dahin gehe, den Kaiser vor der Hof- Kamarilla zu schützen, sondern die Autorität der Krone zu untergraben. Der Gerichtshof hat den ehrverletzenden Charakter des Artikels unbedingt bejaht, denn es war behauptet, daß der Kaiser ein g e schüch­tert sei und nicht davor zurückschrecke, den Bau mit ungesetzlichen Mitteln d u r ch z u s ü hr e n. Jeder weiß, daß der Kaiser keine Furcht vor Men­sch e n hat, und sich sehr oft seinem Volke zeigt. Auch der Angeklagte Leid mußte die Bezugnahme auf den Kaiser erkennen und ebenso mußte er den ehrverletzenden Cha- railer des Artikels erkennen. Leid war daher^wegen Ma­jestätsbeleidigung zu verurteilen. Das Vorliegen des grobett Unfugs hat der Gerichtshof verneint. Auch Kaliski ist der Beleidigung schuldig und zwar aus § 186 Str.--G.-B. Die Anwendung des § 183 für den hier in Frage kommen­den Passus des Artikels ist verneint.

Ha m b ur g, 17. Okt. Paul Lind aus neues Schau­spiel.. . so ich Dir" hatte bei seiner Uraufführung! im deutschen Schauspielhause einen lebhaften äußeren Er­folg, an Dem die vorzügliche Darstellung den Hauptanteil hatte. Das Stück, das durch manche Anklänge an die Füssener-Affäre ein gewisses aktuelles-Interesse er­hielt, gefiel besonders nach den ersten beiden Akten. Lindau würde wiederholt gerufen.

Dresden, U. Okt. In Nieder^Schöna i. S. wurdt. nach der R eichs t a g s w a hl der nationalliberale Buch­halter Seipt von politischen Gegnern mißhan­delt. Die meisten blieben unbekannt. Das Schöffengericht verurteilte einen Bäckermeister zu 20 Mk. und einen Guts­besitzer zu 40 Mk. Geldstrafe wegen gemeitrschastlich be­gangener Körperverletzung. Seipt legte gegen das Urteil Berufung ein.

London, 17. Okt.Daily Mail" meldet, daß die Lage in Ostasien noch ernster zu werden scheine. Eine ja­panische Armee von 100000 Mann soll in Hoko- dako konzentriert sein.

London, 17. Okt. DerStandard" meldet aus Tientsin: Wie ein Besucher von Jongampho meldet, ist dort ein russisches Fort errichtet und ein an­deres im Bau. Die Russen dehnen die Grenze des ge­pachteten Gebietes südlich von Taisan aus. Dre mili- tärischen Vorkehrungen in Port Arthur werden eifrig weiter betrieben. Es treffen dort große Viehtransporte ein. Wie der Korrespondent der Morning Pojt^' aus Weihaiwei vom 16. Oktober telegra­phiert, erhielt derselbe bei seiner Ankunft von Tschifu in Weihaiwei von zuverlässiger Seite die Mitteilung, daß Japan an der Ping Hangmündung Truppen ge­landet habe. Man erzählt allgemein, die Konserenz- zwischen russischen und japanischen Beamten hatte keinen Erfolg.

New York, 17. Okt. Der Zionistenführer Do wie, der Gründer der Zion City, traf hier mit 400 seiner An­hänger ein. Dowie, der sich für den zur Erde zurück­gekehrten Propheten Elias ausgibt , will die Bewohner Newyorksvom Bösen zum Guten bekehren".

Telephonischer Kursbericht.

1<rankturt a. ia., 17. Oktober

372% Reichsanleihe . . 101.70 3°/j do. ... 90.20 3V,% Konsols .... 101.80 3% do.....90.15

372% Hessen .... 100.10 37,% Oberhessen . . . 100.00 4% Oesterr. Goldrente . . 101.80 47$% Oesterr. bilberrente 100.85 4% Ungar. Goldrente . . 99.80 4% Italien. Rente . . . 103.50 47,56 Portugiesen . . . 52.50 b0/ Portugiesen.....32.00

1% C. Türken ..... Türkenlose......135.50

4% Urieoh. Monopol.-Anl. 44.00 41-,% äussere Aigentiner.

3u/u Mexikaner . . 4*/2% Chinesen . . Electric, bchuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staats bahn . Lombarden . . Gotthardbahn . . . Laurahütte ...» Bochum . . . » . Harpener ....

Tendenz: fest

1903.

. 27.1b

. 91.90

. 107.50

. 102 80

. 207.50

. 192.10

. 141.60

. 152.00

. 157.70

. 140.70

. 16.30

, 191.00

. 235.75

. 191.70

. 200.00

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