Ausgabe 
17.7.1903 Erstes Blatt
 
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wegen Einbruchs gesessen hat und setzt nrit einem Schein entlassener Sträfling in New-Jersey tft, die englischen Rechte auf eine Erfindung für eine Kettenstich-Nähmaschine für 300000 Mark verkauft. Mer sagt, daß ihm Lei seiner Arbeit in der Schneiderwerkstätte des Gefängnisses die Idee zu seiner Erfindung gekommen sei. Die Maschine ist in 34 Ländern patentiert worden.

* Was ist ein betrübtes Leden? Diese Frage hat ein Mohrunger Bvlksschüler (auch Herder besuchte vor etwa 150 Jahren die Volksschule jenes ostpreüßischen Städtchens. D. Red . d. Gieß. Anz.) in seinem Aufsatz, über SchillersLied von der Glocke" wie folgt beantwortet} Der Dichter schildert uns das freundliche Leben und das betrübte L^ben. Das freundliche Leben ist das Leben von der ersten Jugend an bis zum Jüngling und zur Jung- frau. Das betrübte Leben ist das Leben als Ehepaar!" Kunst und Wissenschaft.

Petersburg, 16. Juli. Im letzten Heft des offiziellen Organs des russischen Verkehrsministeriums finden wir einen Artikel über die neue Erfindung des Ministers, Fürsten Ehilkoff. Es handelte sich um ein Projekt billiger Schienen­wege, die in erster Linie für Automobile, dann aber auch für alle anderenFuhrwerke mit geeigneter Spurweite dienen sollen. Diese Schienenwege werden aus Holz oder armiertem Beton hergestellt. Die Anlagekosten sollen 1000 bis 2000 Rubel pro Kilo­meter nicht übersteigen. Es ist bereits beschlossen, eine derartige Automobilbahn in der Umgegend von Zarskoje Selo zu Versuchs­zwecken zu errichten. Daber sollen auch verschiedene vom Minister projektierte Schienenarten erprobt werden. Außer der Billigkeit haben die neuen Schienenwege nach der Versicherung des Organs des Verkehrsministeriums noch den Vorzug, daß sie leicht über­tragbar sind. Selbstverständlich mißt es ihnen große technische und wirtschaftliche Bedeutung bei.

Universitäts-Nachrichten.

Laut v$tiien. Allg. Ztg." vermachte der am Dienstag ver- florbeue Präsident des Wiener Handelsgerichtes Dr. Rudolf D e -- er et sein Vermögen von 200 000 Kronen der Wiener Uni« verf itüt zu einer Stiftung für mütellose Rechtshörer.

Gerichtssaal.

fc. Frankfurt a. M., 16. Juli. (Oberkriegsgericht des IS.Armeekorps.) EmernrafffiniertenSoldaten- fchinder", wie ihn der Vertreter der Anklage nannte, verhalf heute das Oberkriegsgericht zu seiner wohlverdienten Strafe. An­fangs d. Js. wurde der Kanonier Georg Sachs von der 3. Komp. 3. Fußartillerieregiments in Mainz, gebürtig aus Kalk- Heim im Obertaunuskreise, geisteskrank. Alan forschte nach den Ursachen und stellte alsbald fest, daß Sachs von seinem Korporal, dem Unteroffizier Karl B o r n e m a n n, in der niederträchtigsten Weise gequält worden war. In der dienstfreien Zeit machte sich der Unteroffizier stets mit ihm zu schaffen. Mit Vorliebe setzte er ihn in die Kniebeuge und ließ ihnSchemel strecken", wobei der Schemel durch irgend ein Gewicht beschwert wurde. War dann der Soldat dem Umfallen nahe, dann durfte er sich ausruhen, aber nicht indem er sich auf den Schemelsitz setzte, sondern er mußte den Schemel umdrehen und sich auf ein Bein desselben setzen, oft eure halbe Stunde lang. Selbstverständlich hatte Sachs permanent Stubendienst. Dabei kam es nicht fetten vor, daß ihm der Unter­offizier befahl, den Stubenboden mit seiner Zahnbürste zu schrubben. Die Lampe mußte er mit der Nase ausblasen. Nachts jagte der Unteroffizier den armen Teufel oft aus dem Betr und ließ ihn für andere Mannschaften Kleidungsstücke flicken. Damit er aber dazu nicht ein Extralicht brauchte, mußte er sich mit der Arbeit auf die Latrine setzen, wo ja eineFunzel" brannte. Auf dem Exerzierplätze trat ihm der Unteroffizier mit dem An­schein, als ob es aus Versehen geschehe, auf den Fuß, daß das Blut aus den Zehen drang. Vor bem Mainzer Kriegsgericht verneinten dir Sachverständigen den ursächlichen Zusammenhang zwischen den Mißhandlungen imb der Geisteskrankheit des Sachs; Bornemann wurde daraufhin zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, aber nicht degradiert. Gegen dieses Urteil hat der Gouverneur von Mainz als Gerichtsherr Berufung eingelegt. Bornemann hatte sich bei dem Urreil beruhigt. Das Oberkriegsgericht erkannte den vom Kriegsgericht festgeftellten Tatbestand auch bezüglich des Sachver­ständigen Gutachtens als zu Recht bestehend an, erhöhte aber doch die Strafe auf ein Jahr Gefängnis. Auch wurde auf Ver­lust der Treffen erkannt. In der Urteilsbegründung wurde Bornemann, der mit scheinheiliger und weinerlicher Miene ver­sichert hatte, er habe den Soldaten nurerziehen" wollen, beson­ders darauf hingewiesen, daß er eines Tages den von ihm Ge­marterten, als dieser, in der Kniebeuge sitzend, bittere Thränen weinte, zugerufen habe:Mit dir habe ich fein Erbarmen!" Wie könne er da verlangen, daß das Gericht mit ihm Erbarmen habe?

Berlin, 16. Juli. Im Pommernbankprozeß be­antragte der Staatsanwalt gegen Schultz 6 Jahre Gefängnis und 50 000 Mk. Geldstrafe, gegen Romeick 5 Jahre Gefängnis und 30 000 Mk. Geldstrafe, gegen den Mitangeklagten Taxator Hamel wegen Beihilfe zur Untreue 6 Monate Gefängnis und 5000 Mk. Geldstrafe, gegen Bohl ein Monat Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe.

Paris, 16. Juli. Das Schwurgericht von Segrö verurteilte -gestern vier Mönche zu je 25 Fcs. Geldstrafe und verfiigte außerdem die Schließung der Kapellen, welche von diesen Mönchen geleitet wurden. Die Verurteilung veranlaßte eine Kundgebung der anwesenden Menge. Die Unruhen pflanzten sich auf der Straße fort. Ein Gendarm wurde verletzt, zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.

Die Weiber von Wosnessenskoje. Streitbare Frauen scheinen so schreibt man aus Petersburg die Bäuer­innen aus dem kleinen, im Bezirke Stawropol gelegenen russischen Dörfchen Wosnessenskoje zu sein, denn 57 von ihnen hatten sich vor Gericht zu verantworten, da sie mit Miftschippen, Heugabeln und anderen nützlichen Instrumenten den Vertretern der Behörden wenig zart und weiblich entgegengetreten waren. Und das ging so zu. Im Dörfchen war unter dem Vieh die Maul- und Klauens euche ausgebrochen und in weiser Fürsorge schickte die Regierung den Tierarzt aus der Bezirksstadt hinaus, um durch Impfen dem weiteren Ausbreiten der Seuche vorzubeugen. Doch sei es, daß die Bäuerinnen nicht viel von dem Segen der Lymphe hielten, sei es, daß sie glaubten, die Behörden wollten ihnen ihr Vieh verhexen oder schließlich gar auf diese Weffe eine Zählung zwecks neuer Steuern veranstalten kurz mit bewaffneter Hand traten die Bäuerinnen dem Tierarzt und den ihn begleiten­den Polizisten entgegen. Sie unternahmen einen regelrechten Sturm auf den Hof, in den das Vieh getrieben war, schlugen mit Knitteln die Tore ein und bemühten srch nach Kräften auch den Schädel des Tierarztes mit einigen wohlgemeinten Hieben zu be­denken. Die Polizisten konnten ihn nur mit Mühe und Not schützen. Das Gericht war milde gestimmt, denn die Haupträdels­führerinnen, die drei angesehensten und kampfeslustigsten Bäuer­innen, erhielten nur je drei Monate Gefängnis, 34 Frauen wurden mit Arreststrafen von 4 Tagen bis 2 Wochen belegt und 20 der Angeklagten wurden gänzlich freigesprochen.

Arbeiterbewegung.

r. M ainz, 16. Juli. Nach elfwöcheutlicher Duner hat ber Maurer aus stand heute, wie schon telegraphisch mit­geteilt, endlich aufgehö-rt. Die Ausständigen haben weder Lohnerhöhung noch ihre fonftigeit Forderungen von den Bauunternehmern bewilligt bekommen, sondern sind nach einer gestern abend shattgehabten, sehr stürmisch verlaufenen Versammlung heute bedingungslos zu der Arbeit zurück- gekehrt, sodaß der Ausstand mit einem vollständigen Siege der Bauunternehmer geendrgt hat. Die unangenehmen Folgen des Ausstandes für die Arbeiter werden nicht lange

auf fich warten lassen, indem Lei. der bereits- weit vorge­schrittenen Jahreszeit keine Neubauten mchr begonnen werden und die Sug^ogenen fremden italienischen Maurer vertragsmäßig bis Anfangs Oktober beschäftigt werden müssen. So wird alshald Arbeitsmangel eintreten. In den letzten Tagen haben von Ausständigen noch verschiedene arge Ausschreitungen stattgefunden, die noch gerichtliche Nachspiele haben werden. Eine besonders brutale Aus- schr-tmrg verübten eine Anzahl Ausständiger, welche als sogenannte Streikposten ausgestellt waren. Sie bewegten zwei von auswärts eingetroffene Maurer, die im Begriff standen, zur Arbeit zu gehen, mit in das Versammlungs­lokal der Maurer zu kommen, wo noch eine größere Anzahl Ausständiger versammelt waren, die alsbald mit Stöcken, Stühlen rc. über die fremden Maurer hersielen und ohne Erbarmen auf sie einschlugen. Ms die Geschlagenen später Polizei requirierten, war das Veffammlungslokal leer, sodaß es schwer ist, die Täter zu ermitteln.

Budapest. 16. Juli. Im ganzen Lande mehren sich die Arbeits-Einstellungen der Schnitter. In mehreren Orten mußte Militär einschreiten und die Ruhe wiederherstellen. Die Erntearbetten erleiden hierdurch großen Schaden.

Washington, 17. Juli. Halbamtlich wird erklärt: Die Besprechung der russischen Beamten in Port Arthur bilde einen wichtigen Schritt der in Petersburg entworfenen Pläne, eine eigene Verwaltung in der M an d s ch urei ein- zurichten, in der Weise, daß Rußland in die Eröffnung der Häfen, die von den Vereinigten Staaten und Japan gefordert wurde, einwillige ohne Störung oder unbillige Aufgabe der russischen Interessen. Die Angelegenheit sei im wesent­lichen zu ihrer gegenwärtigen Lage in der Besprechung zwischen Staatssekretär Hey und dem russischen Botschafter Cassini vom 28. Juni gekommen. Cassini war damals im Besitz der notwendigen Ermächtigung, Zusicherungen zu geben, die jetzt eingelöst werden. Diese wurden durch den ersten Sekretär der russischen Botschaft, Hansen, beim Besuch im Staatsdepartement schriftlich niedergelegt.

Landwirtschaft.

Aus Rheinhessen, 16. Juli. Aus verschiedenen Tellen unserer Provinz wird berichtet, daß in den Weinbergen und Weingärten, in welchen das Schwefeln verabsäumt worden ist, der A e s ch e r i ch (Oidium) in verheerender Weise sich aus- breitet.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft

Berliner Börse vom 16. Juli 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Die Festigkeit, welche schon seit einigen Tagen an unserer Börse zu verzeichnen war, herrschte auch heute noch vor. Auf allen Gebieten waren größere Kursavancen wahrzunehmen, welche, wenn auch bei geringen Umsätzen, sich bis zum Schluß behaupten konnten. Vor allem zeigte sich wieder lebhafteres Interesse für Kohlenwerte, auch italienische Bahnen waren begehrt, ebenso Schiff- fahrtsaktren. Kanada Shares, welche bereits über New-York Pa­rität eröffneten, zogen in Erwartung einer befestigten heutigen New-Yorker Börse noch weiter an. Auf dem Kassaindustriemarkt waren durchwegs Kursaufbefferungen zu bemerken.

Privat-Diskont 27/a Prozent.;

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oesll Kredit.... 209.50 208.37

Deutsche Bank . . . 210.65 210.62

Darmstädter Bank . . 136.25 136.25

Bochumer Guß . . . 173.90 173.62

Harpener Bergbau . . 179.90 180.00

Schluß-Tendenz: ziemlich fest.

Fremdsprachliche Warenzeichen. Die Handelskammer in Offenbach a. M. äußerte sich über die Frage betr. Anmeldung von Warenzeichen fremdsprachlichen Charakters für Tabak­fabrikate dahin, daß sie den Gebrauch fremdsprachlicher Phan­tasieworte als Warenzeichen und deren Eintragung in die Schutz­liste des Kaiserl. Patentamtes für zulässig, keineswegs aber für unlauter erachtet. Dagegen hat die Handelskammer es als an­gezeigt bezeichnet, daß jedes fremdsprachliche Wort zurückgewiesen werde, welches durch Firmenbezeichnungszusätze oder durch die Beifügung von Vornamen re. den Eindruck von Firmenbezeich­nungen machen oder vermöge seiner sprachlichen Bildung im Ver­kehr als Personennamen aufgefaßt werden, sowie dadurch über die Herkunft der Waren täuschen könnte.

Reichsbank. Am 27. Juli wird in Limbach (Sachsen) eine von der Reichsbankstelle in Chemnitz abhängige Reichsbank- nebenftelle mit Kaffeneinrichtung und beschränktem Giroverkehr er­öffnet werden.

Märkte.

Limburg a. d. L., 16. Juni. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Matter. Roter Weizen 14.10 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 11.16 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 6.90 All., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

6. Sonntag nach Trinitatis, den 19. Juli. Kollekte für die evangelische Gemeinde Viernheim.

Gottesdienst

Ju der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Scheune mann.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde.

Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde.

Pfarrer Schlosser.

Ju der Johauueskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrassistent Vogt.

Vormittags 978 UhrPfarrer Dr. Naumann.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

Die Versammlung und Bibelbesprechung im Könfirmanden- saale der Johanneskirche fällt diesmal aus.

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 18. Juli 1903.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhell zur hl. Beichte.

Sonntag, den 19. Juli.

7. Sonntag nach Pfingsten.

Vormittags von 6 7» Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kom­munion.

um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.

Vormittags um 9 V2 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2ya Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalifche Bruderschafts-Andacht.

Israelitische Religionsgemeinde.

Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage.

Samstag, d e n 18. I u l i 1903.

Vorabend 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr.

Nachmittags 4 Uhr.

Schrifterklärung.

Sabbathausgang 9.15 Uhr.

Briefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben nnberücksichtigt.)

Ein treuer Abounent. Fahrpreisermäßigung bis zu 50 pCt. des gewöhnlichen Fahrpreises wird nur für 1. bis

3. Wagenklasie gewährt. Die Fahrt ist in Personenzüben ans^u- führen und es müffen mindestens 30 Fahrkarten hierzu gelost werden. Der Fahrpreis GießenFrankfurt a. M. beträgt in die­sem Falle für 3. Klasse und einfache Fahrt pro Person 1,35 Mk., für Hin- und Rückfahrt 2,70 Mk. Antrag ist rechtzeitig bei der Ab­gangsstation zu stellen.

Schiffsnachrichten.

Norddeutsch er Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 15. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben - SchnellpostdampferKaiser Wilhelm II.", Kapt. D. Högemann, vom Norddeutschen Lloyo in Bremen, ist gestern 10 Uhr vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 15. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-PostdampferKönigin Luise", Kapt. O. Volger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 9 Uhr vormittags wohlbehalten in New-York angekommen.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 17. Juli. Auf dem Tegeler See kolli­dierte ein mit vier Personen besetztes Stoot mit einem Dampiser der Spandauer Dampfschiffcchrts-Gesellschaft. Das Bvot wurde über fahren und'versank in den Fluten und die Insassen kämpften mit den Wellen, konnten aber gerettet werden. Eine Versammlung der Kleingewerbe­treibenden, die gegen den 8 UhEadenschluß Stellung nahm, verlief sehr lebhaft und mußte vom Vorsitzenden auf­gelöst weroen. Vor der Tür kam es zu erregten Ausein­andersetzungen und Beleidigungen, die ihr Nachspiel vor Gericht haben dürften. In einem Tors im Kreise Ost­havelland feuerte der Zimmermann Schlusin, ein Witwer mit sieben Kindern, auf seine Nichte, die ihm nach dem Tode seiner Frau den Haushalt geführt hatte, seine Hei­rats-Anträge aber ablehnte, drei Revolverschüsse, durch die das Mädchen anscheinend tätlich verletzt wurde. Ter Täter wurde verhaftet.'

Leipzig, 17. Juli. Das Schwurgericht verurteilte den Privatier Friedrich, Besitzer großer Grundstücke und,' eines Vermögens von einer halben Million, wegen zwie­fachen Meineides, schwerer Urkundenfälschung unö versuchten Betruges zu 6 Jcchren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.

L. London, 17. Juli. König Eduard ließ durch einen seiner Sekretäre aus eine Anfrage von Marine­offizieren mitteilen, er würde sich fteuen, wenn all­gemein bekannt würde, daß er sich'gen au so hoch­geehrt fühle, wenn sein Wohl mit Wasser ge­trunken würde, als wenn es mit Wein getrunken wird.

London, 17. Juli. Das Gerücht von der Besitz­ergreifung von 2 0 klein en, En g land gehöri­gen In s eln in der Nähe von Borneo durch amerikanische Kriegsschiffe wird durch Depeschen aus Washington dahin richtig gestellt, daß es sich lediglich darum handle, daß der kommandierende General der Armee auf den Philippinen eine größere und 14 kleine zu der Kagayan-Sulu-Gruppe zu rechnende Inseln, die durch den Vertrag von Paris durch Kauf von Spanien an Amerika übergegangen waren, nun­mehr durch Flaggenhissung formell namens der Union in Besitz genommen hat.

Paris, 17. Juli. Zwei Zeugen, die in dem Grb> s ch aftspr ozeß Ban d erdilt-Fair falsche Aussagen gemacht haben sollen, wurden hier verhaftet. Es handelt sich um einen Automob ilun fall, durch den im August vorigen Jahres das Ehepaar Fair ums Leben kam. Durch den Prozeß sollten auf Grund der Festffellung, welcher der beiden Gatten zuerst getötet wurde, die'Erbfchastsansprüche der Familien Fair und Vanderbilt enffchiedw werden.

Rom, 17. Juli. Um Mitternacht stellte sich eine leb­hafte Nierentätigkeit und infolgedessen'eine große Er­leichterung des Wgemeinbefindens des Papstes ein. Es verlautet, daß trotz Leugnens der Aerzte^ dennoch die dr i tt e Oper atio n vorgenommen wurde. Bei der'Ent­deckung von neuer Pleurw-Flüffigkeit war der Papst tief niedergeschlagen und vergebens suchten ihn die Aerzte zu beruhigen. Später wurde der Kränke von Krämpfen be­fallen. Er klagte und stöhnte, bis er auf den Polsterstuhl gehoben wurde, wo er sich etwas besser fühlte.' Ange­sichts per Ereignisse im Vatikan trafen die Behörden die Bestimmung, daß sofort nach Bekanntwerden des Todes des Papstes der Petersplatz durch Militär abgesperrt wird. Außerdem werden Truppen bereit gehalten, um ev. die Polizei zu unterstützen und Reiter-Patrouillen werden das ganze vatikanische Viertel durchstreifen. Nach dem Tode des Papstes wird niemand in den Vatikan eingelassen, der nicht eine vom Kamerlengo ausgestellte Erlaubnis­karte besitzt.

Rom, 17. Juli. Um 4 Uhr morgens war das Be­finden des Papstes stationär. Durch die schwache Zu­nahme der Nierentätigkeit ist die Nacht verhältnismäßig ruhig verlaufen. Der pathologische Prozeß bleibt trotzdem sehr ernst. Zwischen dem heiligen Stuhl und der politi­schen Behörde wurde die Vereinbarung getroffen, daß nach dem Ableben des Papstes der Staatstelegraph> auf zwei Stunden dem heiligen Stuhle ausschließlich zur Verfügung gestellt wird, damit zunächst alle Staatsoberhäupter, die fremden Kardinäle und die ErMschöse von dem Ableben des Papstes in Kenntnis gesetzt werden können. Wie verlautet, haben sich die Gruppen Rampolla, Gotti und Agliardi wegen der Wahl Göttis zuM Papst ge­einigt. Sollte Gotti gewählt werden, dann werde Agli­ardi Staatssekretär und Rampolla Präsekt des Propaganda side.

Athen, 17. Juli. Die ZeitungNeon Asty" meldet, die Hochzeit des Prinzen AndreasvonGriechen­land mit der Prinzessin Alice von Battenberg findet Ende Au gu st in Darm sta d t statt. (Bgl. unsere heutige Lokal-Nachricht über die Kaiserbegegnung.)

Krakau, 17. Juli. Im Kurorte Zakapane wurde nachts der Gutsbesitzer Zermak von dem Lieb­haber seiner Frau im Walde meuchlings er- mordet. Dem geflüchteten Mörder ist man auf der Spur.

Telephonischer Kursbericht*

Frankfurt a. JJU. 17. Juli 1903.

372% Reichsanleihe . , 102.65 3% do. ... 91.40 37,% Konsole .... 102.25 3% do......91.45

372% Hessen .... 101.20 37a % Oberhessen . . . 100.00 4-6 Oesterr. Goldrente . . 103.05 476% Oesterr. Silberrente 101.10 4% Ungar. Goldrente, . . 101.85 4% Italien. Rente . . . 103.30 4%96 Portugiesen . . . 99.40 8% Portugiesen. . . . . 31.10 1-6 0. Türken .... 34 05 Türkenlose ...... 131.00 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.00 47,56 äussere Argentiner.

3% Mexikaner .... 27.00 4%% Chinesen .... 82.05 Electric. 8ohuckert ... 90.50 Nordd. Lloyd . . . . 99.45

Kreditaktien ..... 208.80 Diskonto-Kommandit * . 187.10 Darmstädter Bank . . . 136.90 Dresdener Bank .... 147.40 Berliner Handelsges, . . 154.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.70 Lombarden.....18.00

Gotthardbahn.....192.00

Laurabütte ...... 216.00 Bochum ...... 173.90

Harpener......180.50

Tendenz: fest.