Ausgabe 
17.3.1903 Erstes Blatt
 
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von der Regierung geforderte Präsenzstärke in Höhe von 127 000 Mann.

5>te Enteignung des Kcländes für die neuen KlirnLen.

(Fortsetzung statt Schluß.)

w. Gießen, 17. März.

Medizinalrat Köhler- Offenbach wägt die Vorteile des Kliniksprojekts zwischen der Wilhelm- und Klinik- 'traße gegen das, allgemein in der Verhandlung als Krünewalo sches Projekt bezeichnete (an der verlängerten -llinikstraße- ab. Er erkenne an, daß das erstere an sich mb der Lage nach sehr viele Vorzüge habe. Aber es habe doch auch Nachteile gewichtiger Art. Tas Regierungs­projekt habe zwei schwerwiegende Nachteile. Erstens schiebe fiel) dasselbe zu sehr in ein bebautes Quartier, und zwei­tens fehle es, würde das Staatsprojekt ausgeführt, später einmal an jeder Ausdehnungsmöglichkeit. Man solle doch auch tut die Zukunft denken, die ohne Frage eine Erweiter­ung der Institute nötig machen werde. Es sei ein Fehler aller unserer ösjentlich^ll Bauten, daß dieselben gewöhnlich schon bei ihrer Znbenutznahme zu klein seien, er wenigstens habe noch nie gehört, daß ein Bau für irgend einen Zweck errichtet, sich nach der Fertigstellung zu weit oder zu groß erwiesen habe, wogegen Bauinspektor Becker bemerkt, für die Ausdehnung sei ja das bereits erworbene Gelände vorgesehen. Für die Augenklinik würde er das Terrain des Staatsprvjekts bevorzugen, für die Ehirur- gische Klinik dagegen die obere Lage an der Cholerabaracke vorziehen. Er könne die gehegten Befürchtungen wegen des Staubes nicht teilen. Staub gebe es überall, um diesen auf das geringste Maß zu beschränken, müsse man die Straßenbescstigung danach einrichten und dann spiele auch deren mehr oder weniger peinliche Reinigung dabei eine Rolle. Chaussierte Straßen sind naturgemäß stau­biger als gut gepflasterte oder asphaltierte Straßen. Rauch sei den Kranken viel empfindlicher als Staub, und dieser sei oben auf der Höhe viel weniger vorhanden, als unten an jener Stelle, wo die staatliche Baubehörde die Kliniken hin haben will. Man solle doch an die vielen Schornsteine denken, die ihren Rauch bei Westwind schon allein von der Frankfurterstraße über den Platz entsenden, der zwischen Wilhelm- und Klinikstraße liegt und dies würde mit der zunehmenden Bebauung der Gegend immer schlimmer. Die größere Entfernung vom Bahnhof halte er für die Kliniken, die man errichten will, nicht für so wesentlich. Die Zeit, wo man mit Menschenkraft die Kranken in Gießen von der Bahn nach den Kliniken schafft, würde wohl bald vorüber sein. Dazu würde man wohl bald Motorwagen anschaffcn. Eins müsse er aber hervvrheben: Die Anlegung der gedachten Ellenbogenstraße im Grüne- wald'schen Projekt fyaltc er für einen Mißgriff, welchen man vermeiden müsse. Gegen die Zugluft und gegen die Kälte im Innern der Gebäude könne man sich schützen, wenn man es unterlasse, staatliche Submissionsfenster ein­zusetzen, und ebenso sei es mit der Heizung. Man solle für Krankenhäuser nicht die Arbeiten an die vergeben, die die Billigsten seien, sondern darauf achten, daß der Bau in jeder Weise solid und tüchtia hergestellt werde. Bei der Heizung müsse das Beste und Erprobteste gut genug fein.

Professor Rehn-Frankfurt erklärt: Der Zugang vom Lahnhof sei bei dem Regierungsprojekt besser, und die Lage geschützter, als bei dem Projekt Grünewald. Der Nachteil der größeren Entfernung werde indessen geringer, wenn die Beförderungsmittel besser würden. Wegen seiner freieren Lage halte er den oberen Platz für die Chirurgische Klinik für geeigneter, als den von der staatlichen Bau­behörde vorgeschlagenen. Betreffs des Platzes für die Augenklinik, sei er nicht Fachmann, da enthalte er sich eines Urteils. Wenn der Opthalmologe Professor Bossius erkläre, der Platz unten sei besser als jener oben, so lönnc er dem nicht widersprechen. Aber er gebe doch zu bedenken, daß, wolle man die Op-hthalmologische Klinik unten hinstellen, diese weit mehr unter Rauch zu leiden haben würde, als oben auf der Höhe, wo sie freier liege. An Hand des Planes diskutiert Bauinspektor Becker mit dem Sachverstäiidigen, Professor Rehn, über die Ausführ­barkeit der Chirurgischen Klinik auf der Höhe des Selters­berges, insbesondere über die Atöglichkeit der richtigen An­ordnung der Operationsräume, die Schaffung der Ein­gänge, des Wirtschastshoses usw., wobei Professor Rehn die Errichtung einer Chirurgischen Klinik in richtiger Orien­tierung auch auf der Höhe für möglich halt.

Krankenhausverwaller Muhlot - Frankfurt steht auf dem Standpunkt, daß auf der Höhe die Kliniken am rich­tigsten ihren Platz finden, er hält aus mancherlei Gründen das obere Baugelände zur Errichtung der Anstalten für vor­teilhafter und nützlicher, als das Terrain zwischen Wil­helm- und Klinikfirade.

Der Vorsitzende, Provinzialdirektor Dr. Breidert, erklärt, da das Mitglied der Lokalkommission Herr Th. Hau­bach demnächst verreise, so habe der Provinzialausschuü beschlossen, ihm einige Fragen vorzulegen, welche dahin gehen, ob ihm bei der Taxation über den Wert des zu ent­eignenden Geländes folgende Verläufe und die dabei be­zahlten Preise bekannt gewesen seien, und ob er bei der Taxation darauf Rücksicht genommen habe. Nach einer Ein­gabe des Justizrat Hirschhorn sei nämlich pro Quadrat­meter Gelände bezahlt ivorbcu: Wilson an Emmelius, Ecke Ludwig- und Wilhelmstraße, 21 Mark; der Staat an Prof. Boström, Frankfurterstraße, 19 Mark; die Stadt an Minn, Crednerstraße, 14 Mark; Pfaff an die Stadt Gießen, Hillebrandstraße, 12.50 Mark; Zkälholische Kirche an Gails Erben, 20 Mark; Ritgens Erben an Kockerbeck, Wilhelmstraße, 18.50 Mark; Ev. Pfarrei an Rechtsanwalt Grünewald, Leihgesternernrcg, 11 Mark; Gails Erben an Direktor Spamer, zwischen Wilhelnt- und Liedigstrahe, 20 Mark: -- Wmn an Dr. Weigel Erben, zwischen Wilhelm- und Liebigstraße, 1*2 Mark: Winn an Gails Erben, 20.50 Mark: Heß Erben au Bankier Zobel, Ecke Ludwigstraße und ^ih gestern erwog, 21 Mark; Witwe Haubach an Pfaff, Rcegelpsad, 15 Mark: Ev. Pfarrei an Pfaff, Riegel­pfad, 12 Mark: Dr. Kübel an Einhauser, Ebelstraße, 14.50 Ml. Herr Hanbach bemerkt, daß er diese Preise zum größten TcUe gekannt, wenn dieselben höher sind, als die Taxe der Lolalkommission für das zu enteignende Kliniksgelände, so liege dies daran, daß es sich dabei um wirkliches Baugelände, nämlich uni Bauplätze gehandelt habe, die an eröffneten Straßen liegen. Der Preis von 20 Mark, den Direktor Spamer für Hintergelände bezahlt bat ist nach Ansicht Haubachs ein Liebhaberpreis, wogegen Fustizrat Hirschhorn Namens des Direktors Spamer protestiert, jenes Gelände sei soviel Wert gewesen, sonst märe der Betrag nicbi dafür bezahlt worden. Zustizrat Hirschhorn richtet an Haubach die Frage, ob er nicht an

den Staat für Klinikzwecke, oben an der Frankfurterstraße >en Quadratmeter Gelände für 10 Mark verkauft habe. Haubach erklärt, dies sei allerdings richtig. Er habe an der Frankfurterstraße hinter der psychiatrischen Klinik eine Wiese und einen Weiher liegen. Dieses Gelände grenze direkt an die Frankfurterstraße. Bei der Verhandlung wegen Verkauf seines Grundstückes habe er dem Staat, wenn er es ganz nehme, den Quadratmeter zu 5 Marl offeriert gehabt. Man habe sich jedoch nur für einen Teil, und zwar den unmittelbar an der Frankfurterstraße gelegenen und daher wertvolleren Streifen entschieden, für welchen er allerdings pro Meter 10 Mark erhalten habe. Justizrat Hirschhorn stellt demgegenüber fest, > nach der Bekundung des Herrn Haubach dieser für Ge­lände weit ab vom Verkehr gelegen, denn die Straße an der psychiatrischen Klinik sei Pnvatslraße, 10 Mark als ange­messenen Preis vom Staat erhalten hat. Rechtsanwalt Grünewald wünscht von Haubach zu wissen, ob ihm bekannt gewesen, daß ein alter Stadtbauplan besteht, in welchem das Terrain zwischen der Wilhelm- und Klinik- ttaße von Straßen durchquert sich darstellt. Haubach erwidert, er habe erst neuerdings gehört, daß dort Straßen projektiert waren. Ob dieser Plan genehmigt war, wisse er nicht. Rechtsanwalt Grünewald wünscht weiter zu wissen, warum das von der Lolalkommission taxierte Gelände weniger wert erachtet worden ist, als z. B Gelände am Leihgestemerweg, das doch zum doppelten und höheren Preis verkauft jei, als die Lolalkommission für das Kliniks­gelände festgesetzt habe.

H a u b a ch entgegnet, am Leihgestemerweg handele es ich um den Ankauf von Terrain auf Spekulation und die Käufer von derartigen Flächen könnten sich auch Der- pekulieren. Es könne niemand sagen, wie die Straßen später derartiges Gelände erschließen und wie viel eventuell von der Fläche für Straßengelände hergegeben werden müsse, welches nur sehr gering bezahlt werde. Die Eigen­tümer des für die Klinik bestimmten Geländes erhalten aber jeden Quadratmeter, den sie besitzen, mit 5 Mark bezahlt, und zwar ist bei diesem Preise von der Lokal­kommission in Rücksicht gezogen, daß es sich um Gelände handelt, welches einmal bebauungsfähig wird. Wann und wie dort die Straßen aber angelegt werden, könne niemand agen. Bauinspektor Becker richtet an Haubach die Frage, ob nicht auch der Umstand, daß der Staat bereits in der Lage, um die es sich drehe, Gelände, und zwar über 30 000 Quadratmeter freihändig zu 5 Mark den Meter erworben habe, bestimmend gewesen sei, für die Lokalkommission >en Wert des zu enteignenden Geländes zur gleichen Höhe zu bemessen. Haubach bejaht diese Frage. Pfarrer Nau­mann bemerkt, daß ein Stadtplan seinerzeit auf Veran­lassung des Oberbürgermeisters Gnauth in mehreren Erem- üaren hergestellt ,uno an einzelne Interessenten verabfolgt worden fei, auf welchem amtlichen Plan, der im Original vorgelegt werden könne, die Straße durch Boströms Garten, ne Querstraße von Wilhelm- nach Klinikstraße und die Verlängerung der Ludwigstraße bereits eingezeichnet und >amit allein schon dargetan sei, daß das Gelände, welches >er Staat für die Kliniken den Eigentümern nehmen will, Baugelände und mehr wie 5 Mark wert sei.

Auf Beftagen des Justizrats Hirschhorn erklärt Haubach, ihm sei nicht bekannt, daß Gails Erben sich bereit erklärt haben, der Stadt das Gelände zur Anlage einer Straße kostenlos abzugeben, wohl wisse er, daß diese beantragt haben, ihnen die Anlage einer Prioatstraße zu gestatten, daß aber die Stadt hierzu die Genehmigung nicht erteilt habe.

Bauinspektor Becker bemerkt zu dem vom Pfarrer Naumann erwähnten Stadtplan, daß es sich wohl da nur um einen alten Uebersichtsplan handeln könne, der nichts Definitives wegen der Straßen zwischen Wilhelm- und Klinikstraße enthalte. Maßgebend könnten hier nur die amtlichen Stadterweiterungspläne, beziehungsweise die je­weilige Freigabe einzelner Decke derselben zur Bebauung iein. Es wird bann noch die Frage erörtert, warum man ür das Boströmsche Gelände zur Straßenanlage freihändig eckens des Staates 19 Mark gezahlt hat und wie man recht­fertigt, für das unmittelbar dahinterliegende Plantsche Gelände die Bewertung durch die Lokalkommission mit nur 8 t'Nark und dann wieder das Schwansche Gelände mit nur 5 sMark, welches doch da anfängt, wo Planksches Ge­lände aufhört. Haubach erklärt die Wertverminderung liege eben daran, weil Prof. Boströms Gelände einen Bauplatz bilde, Planks Gelände, als Hintergelände nahe der Frankfurterstraße, aber mehr wert sei, als das Schwansche Gelände, welches Wecker ab von jener Straße liegt.

Vrovinzialdirektor Dr. Breidert erklärt, daß der Provinzialaussuß Mert darauf legt, zu erfahren, wie sich die Lokalkommission zu dem Projekt stellt, daß die Augen­klinik auf dem Gelände des Staatsprojekts, jedoch mehr herauf nach der Klinikstraße, zu stehen kommt, die Chirur­gische Klinik aber hinter der Cholerabaracke ihren Platz erhält. Justizrat Hirschhorn bittet, daß das Gutachten der Lokalkommission über die anaeregte Frage schriftlich erstattet werden möge. Dr. Breidert erklärt sich damit einverstanden, und bemerkt, daß da die Sache heute doch nicht zu Ende geführt werden könne, er Termin zur Fort­setzung auf Samstag, den 28. März, anberaume, bis wohin das Gutachten ja erstattet werden könne.

Bauinspektor Becker erklärt, er könne die von der Gegenseite vorgeschlagenen Sachverständigen in bautech­nischer Hinsicht über die im vorliegenden Falle zu prüfende Frage als kompetent nickst anerkennen. Es handele sich um Kliniken, zu deren Entwürfe umfassende Studien nötig gewesen, er habe viele Reisen deshalb gemacht, um die Vorteile und Nachteile bestehender gleicher Institute kennen zu lernen, und da könne er nicht zugeben, daß der erste beste Techniker, der noch nie eine Klinik gebaut, feine Arbeit durch eine oberflächliche Kritik über den Haufen werfe oder auch nur abfällig beurteile. Justizrat H i r s ch- Horn erklärt, daß er verhandelt habe, um als Sachver­ständigen zu gewinnen den Geheimen Oberbaurat Durm von Karlsruhe, einen Mann, der Erfahrung habe auf dem hier fraglichen Gebiet, der als Autorität anerkannt werde, und dem die griechische Regierung die Wiederherstellung der Akropolis anncr traut habe. Der Herr Geheime Ober­baurat sei aber in den nächsten vier Wochen behindert nach hier zu kommen. Es hieße aber die Rollen vertauschen, wolle man ihm und seinen Kollegen, resp. den von ihnen verttetenen Interessenten die Beweislast aufbürben, nach dem Gesetz müsse der Herr Bauinspektor beweisen, daß das öffentliche Interesse es unbedingt erheische, daß die geplanten Bauten auf dem von der Baubehörde bestimmten Platz zu errichten seien. Es bestehe ja eigentlich nur noch Streit über den Zickzackweg, über die Möglichkeit der An ortniung be5 Operalionssaales unb über die sonstige Kom' munikanon in bic Kliniken. Er bebaucrc, daß der Regier ungöbaumelfter Sardemann-Marburg heute verhindert sei, zu erscheinen, würde man demselben die Pläne und alles

sonst erforderliche zugänglich machen, so würde es wohl möglich sein, über die strittigen Punkte ein Sachverständi- gen-Urteil zu erhalten. Tie Darlegungen des Herrn Bau­inspektor Becker könne man als unumstößlich nicht aner­kennen, denn dieser sei Pprtei, er sei voreingenommen, er ei berufen, seine Pläne, wie der Vater sein Kind, zu ver­teidigen. Ter Vorsitzende erklärt, der Prooinzialausschuß halte cs vorerst nicht mehr für erforderlich, Sachverständige jiU hären, sondern habe beschlossen, daß über die Piatzfrage jium Sckstuß verhandelt werden solle. Denn sich bie Not­wendigkeit der Anhörung eines weiteren Bausachverständi gen ergebe, so werde diesen der Provinzialausschuß selbst bezeichnen unb bestellen.

Schluß folgt.

^luüt und £iinil

Gießen, 17. März 1903.

Personalien. Verliehen wurde am 17. Januar dem Großh. Bürgermeister, OttSgerichtsoorfteher und Stan­desbeamten Johann Peter Wolf zu Linnenbach bas Allge­meine Ehrenzeichen mit der Inschrift: »Für langjährige treue Dienste" am Bande des Phüippsordens. Ernannt wurde der Steueraufseher Georg Fey zu Groß-Gerau zum Pfand- meister für den Beitreibungsbezirk Groß-Umstadt mit Wirkung vom 1. April 1903.

Hessisch-Thür. StaatSlotterie. Bei der heule fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse wurden folgende Gewinne gezogen: 20 000 Mk. auf Nr. 49566, 3000 Mk. auf Nr. 19188 33617 49097 56410 57682, 2000 Mk. auf Nr. 3119 4989 5674 9068 12057 12080 29306 30600 33674 44475 56349 63100 73950 92332 94154 98487 99763. Ohne Gewähr.

* Ein Kunstwerk deS Schmiedegewerbes. Im Schaufenster der Firma A. Kröll Söhne am Seltersweg ist eine Reliefbüste des Kaisers Friedrich, angefertigt von dem KunstschmiKrerneister Sann aus Weitershain, ausgestellt. Die Büste darf als ein Kunstwerk der Schmiedekunfl die Beachtung aller Kunstfreunde in Anspruch nehmen.

Als Benefiz für Frl. Marga Brücher ge. langt am Mittwoch, den 18. d. Mts.Die Waise aus Lowood" zur Aufführung. Dieses nach einem Roman bei Curras Bell von der braven Birch-Pfeiferin bearbeitete Stück rührte früher alle Zuschauer zu Thränen unb entlockt uns Heutigen ein träumerisches Lächeln. Die junge, liebens* würbige und temperamentvolle Darstellerin wird an diesem Abend reiche Gelegenheit finben, mit zarten, weichen und warmen Farben ein packendes Eharattergeniälbe zu schaffen.

t. Friedberg, 16. März. Auf Ersuchen der Stadt, bie Eisenbahnbehörbe möge an der verkehrsreichen Frankfurter Straße, wo diese von der Homburger Bahn gekreuzt wirb, eine Barriere anbringen, ist nun die Antwort ein- getroffen, daß eine Höherlegung her Strecke an genannter Stelle ftottfinben soll. Die Stabtocrorbneten haben für bie deutsche Dichtergedächtnisstiftung einen jähr­lichen Beittag von zehn Mark unb für den deutschen Schulerhaltungsverein in Böhmen einen einmaligen Beitrag von zehn Mark bewilligt. Die feierliche Gru nb- teinlegung beS Kriegerbenkmals findet nächsten Sonntag um 3 Uhr nachmittags statt. Sämtliche Gesang, vereine Friedbergs und der Gesangverem zu Fauerbach werben babei mitwirken. Das Denkmal kommt in die große Allee, direkt vor das Amtsgerichtsgebäube. Am 19. Juli, dem Gedenktage der Uebergabe der französischen Kriegserklärung, ist bie feierliche Enthüllung und Einweihung. Aus letzterem Anlaffe findet vom 18. bis 20. Juli auf der See- wiese, welche die Stadt bereitwilligst zur Verfügung gestellt hat, ein großes Volksfest statt.

V.H.C. Alsfeld, 16. März. Am Sonntag, den 15. d. Mts. hatte der neugegtünbete Zweigoerein Alsfeld des V. H. C. das Vergnügen, bie Gießener SektionTaufstein" des V. H. 0. (Vogesenklub) in Alsfelds Mauern be­grüßen zu können. Die Gießener Herren suchten in statt- licher Zahl einen vom großen Touristenstrom zwar oer- schonten, aber doch von der Natur wohlbedachten Teil beS Dogelsberges auf. Der Marsch ging von Ehringshausen aus durch das liebliche waldumsäumte Feldatal nach Groß-Felba, wo ein ehemaliger Gießener Musensohn bic Wanberec mit einem kühlen Trunk erfrischte, unb von dort durch den Herr- lichen Hochwald, das Leibgehegc unseres Landesherrn, nach bem sogenannten Jägertal. Schon auf dem Wege dorthin hatte man sich mit den Alsfelder Touristen vereint, bie ihren Gästen entgegengeeilt waren unb sie freubig begrüßten. Das hier so vertrauliche Rehwilb äugte erstaunt nach den Wanderern, bie durch seinen sonst so stillen Forst zogen! Uebet Romrod wit seinem ehrwürdigen Jagdschloß, einem Lieblingsauscnthalt unseres Großherzogs Ludwig IV., gings nach Alsfeld, wo in dermit Recht so beliebten Krone" cm leckeres, wohlverdientes Mahl die befreundeten Zweigvereinc des V. H. C. vereinte. Zu rasch verflogen die Stunden; kaum reichte die Zeit, dem bekanntenKapellchen" einen Besuch abzustatten. Allseitig hieß es auf Wiedersehen in Gießen. Im Sommer soll eine gemeinsame Tour auf den Dünsberg gemacht werden.

<=k.» Ma inz, 16. März. Aus der Bahnstrecke Mainz-WormS wurde heute morgen von dem ersten von WormS kommenden Personenzug zwischen hier unb Lauben­heim der Musketier Geck vom 117. Regt totgefahren. Ob ein Unglück oder ein Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Geck war zu Besuch bei seinen El­tern in Laubenheim und hatte nur Urlaub bis 12 Uhr nachts. Ob er bei dem Hierhergehen in der Dunkelheit auf den Bahn­körper geraten, oder absichtlich dahin gegangen, wird sich wohl kaum feststellen laffen.

Mainz, 15. März. Gestern feierte die israelitische Religionsgemeinde in aller Stille durch eine kirchliche Feier den Tag, an dem vor 50 Jahren die Hauptsyna­goge eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben wurde. Rabbiner Dr. Salfeld hielt in der bis auf den letzten Platz gefüllten Synagoge die Festprebigt, worin er intereffantc 3tniflid)tet auf bic heutige soziale Stellung ber Juden ge­genüber vor 20 Jahren warf. Zur Feier des TageS wurbc eine von Prof. Kappelmeifter VoIbach komponierte Motette 933ie lieblich sind deine Wohnungen . . .' von Mitgliederr der Liedertafel vorgetragen. In eine Wirtschaft der großer Langgaffe kam am SamStag mittag ein Reisender au? Darmstadt und ließ zwei junge Taglöhner, deren Bekamt