n en-Tarifreform unb für den An schluß Sach- sens an die preußisch-hessische Gemeinschaft.
Ausland.
London, 16. Febr. H^sigen Blattern zufolge herrscht irr Regierungskreisen die Absicht, ein Nordgeschwader zu gründen und verschiedene Häfen der östlichen Küste Englands in Kriegshäfen umzuwandeln. Heute wurde über das Projekt im Ministerrat verhandelt, doch ist über den Beschluß noch nichts bekannt.
Brüssel, 16. Febr. Jaurös erklärte, er habe früher geglaubt, der berüchtigte gefälschte Brief des deutschen Kaisers habe in der Affäre Dreyfus nur eine sekundäre Rolle gespielt; jetzt wisse er, daß man sich seiner seit 1897 bei allen entscheidenden Anlässen bedient hatte, um die Rehabilitation Dreyfus zu verhindern. Sensationelle neue Tatsachen habe er nicht vorzubringen, dies sei die einzige.
Parts, 16. Febr. Die Deputiertenkammer genehmigte nach Annahme der Dringlichkeit der Beratung des bereits vom Senate angenommenen Antrags auf Verbot des Verkaufes von Inseln, Inselchen, befestigten Schlössern usw. ohne Benachrichtigung des obersten Marinerates und ohne Genehmigung des Parlaments.
Madrid, 17. Febr. Nach den letzten Meldungen aus Fez vom 11. Febr. haben die Truppen des Sultans die Hyaina-Kabylen, die auf seilen des Prätendenten stehen, angegriffen. Die Aufständischen schlugen sie zurück und richteten ein großes Blutbad unter ihnen an. — Der Kaid Omar schlug die Stämme der Tsul und Branes und sandte 100 Gefangene nach Fez. Bei den Gefechten gab es viele Tote. Omar beabsichtigt jetzt, im Verein mit dem Kriegsminister die Riata-Kabylen anzugreisen. Zu diesem Zwecke sind Verstärkungen und Munition von Fez abgcgangen. — Aus Tanger wird depeschiert: Offiziös verlautet, daß mehrere englische Majore ein- tressen, um den Oberbefehl über die marokka- nis che Artillerie und Kavallerie zu übernehmen. Danach erscheint der englische Einfluß am Hose des Sultans wieder größer. — Zwischen den Sultanstruppen und den Anhängern des Thronbewerbers fanden mehrere blutige Gefechte mit zweifelhaftem Ausgang statt. Der Thronbe-/ Werber rückt angeblich wieder gegen Fez vor.
Preußisches Abgeordnetenhaus.
Abg. Krause-Waldenburg (frt; wünscht, daß in der Zahlung von Zeugengebübren an Arbeiter möglichst weitherzig verfahren werde, damit nicht die Arbeitgeber gezwungen würden, den Lohn für die durch die Zeugnispflicht in Anspruch genommene Zeit zu bezahlen. — Minister Schönstedt giebt eine entgegenkommende Antwort. Der Justizetat ilst damit erledigt. — Cs folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Gebühren der Medizinalbeamten. Nach kurzer Debatte wird der Entwurf an eine Llgliedrige Kommission überwiesen. — Es folgt die erste Lesung des Entwurfs eines Ausführungsgesetzes zum Reichsseuche ngesetze. — Minister Studt bemerkt, der Entwurf beschränke die Anzeigepflicht nicht auf die im § 1 des Reichsseuchengesetzes genannten Krankheiten, sondern führe sie bei einer großen Anzahl anderer Krankheiten, wie Diphterie, Kindbettfieber, Tuberkulose usw. ein. Eine Belästigung des Publikums müsse natürlich nach Möglichkeit vermieden werden. Er empfehle den Entwurf zur Annahme. — Abg. Martens (nl.) wünscht, daß auch der Keuchhusten und die Malaria unter die Anzeigepflicht fallen. Wichtig sei es, daß der Entwurf die Anzeigepflicht für Geschlechtskrankheiten derjenigen Personen einsühre, die gewerbsmäßig Unzucht trieben. — Abg. Rügenberg (Ztr.) fürchtet, daß durch das Gesetz den Gemeinden neue Lasten aufgebürdet werden. — Abg. Dr. Langerhans (frs. Vp.) ist im allgemeinen mit dem Entwurf einverstanden und tritt dann für obligatorische Leichenschau ein. Auch über die Notwendigkeit der Leichenver°< brennung äußert sich Redner. — Abg. v. Savigny (Ztr.) polemisiert gegen die Leichenverbrennung. — Die .Vorlage wird an die Kommission verwiesen, der auch der Entwurf betr. Gebühren für Medizinalbeamte überwiesen worden ist.
Mainzer Karneval-Derein.
Fremden sitzung.
Mainz, 16 Februar.
Von Ost und West, von Nord und Süd, vom Rhein and Main, von der Nahe und vom großen Woog waren sie alle gekommen, die fafchingsfrohen Menschen, die sich wieder einmal hier bei uns in Mainz amüsieren und von Herzen lachen und sich freuen wollen.
Nun kamen sie alle auf ihre Kosten. Präsident Hans Metz hatte eine Sitzung vorbereitet, die sich „gewaschen" hatte. Den Anfang bildete die Eugen Binder'sche Eröffnungsszene, die ihre ausgezeichnete Wirkung bewährte. Das Gutenberg-Monument hatte man mit Blumen umgeben. Die Regie führte der närrische Oberhofregisseur Rücker. Das große Mandarinenquadrille-Spektakelstück der närrischen Kapelle setzte em und erregte Heiterkeit. Der „feuerfeste Kunrad", der närrische Protokollant Gerlich verlas sein pudelnärrisches Protokoll, in dem er denen vom großen Woog, vom Salzbach- ltrand, von der Nahe, vom Rhein und Main, die da so zahlreich zusammcngeströmt waren, viel Schmeichelhaftes sagte, lieber die bekannte letzte „Sachsengeschichte" bemerkte er ur- kohlig-. Was ist denn nach der Scheidung die ganze Ge- lchichte noch wert? Eine Bagatelle, em Quark, nur 171 ^Qrf* ?ie ift ein Sachsen-los; ein Sachsenlos kostet nach dem Kurse 168 Mk. Er ist e.n Kreuz-los; das kostet nur 3 Mark. Zusammen also 171 Mark. Glossen über das frankfurter Opernhaus, den Wiesbadener Tierschutzoerein, das Mainzer Festspielhaus u. a. m. waren ebenfalls in dem ae- lungenen Protokoll enthalten und beivirkten, daß alles über den „feuerfesten Kunrad" des Lobes voll war.
äcschätzter Opernsänger Narr Rünger faszinierte oas narrische Auditorium durch seinen herrlichen Gesang und dann erschien der fürstliche Narr August Fürst auf der Tribüne und hielt einen Vortrag, der als die piece de re- siatance des Abends zu bezeichnen ist. Seine Ausführungen erregten riesige Beifallsliurmc.
In der Rubrik „Schenken" hieß es: De Heinrich Heine wird nach Berlin In die Siegesallee getan —
Unn d- Gras Pückl-r kimm, nach Jm.s-l-m Als König von Reu-Kanaan I
Dort stellt man dem Pückler ein Tentmal einst — Auf einen Dreschflegel grandiose — ' .....
Erne Nähnadel, die triehl er in die Hand Unn bann flickt er dem Ahlwcndi die — ^Dic,
Gebt emol acht, das is Politik, Bald sitze m'r im Essig — Do krieht Darmstadt e nei Kolonie — Unn Indien — deß werd hessisch!
Tann werd Darmstadt — Hauptstadt von Indien Und's Geld fällt wie aus de Wolke, Tie Odewälder Milchhändler komme zu uns — Unn roerr’n m'r noch mehr gemolke!
Man sieht, was der „kleine" August Fürst da vortrug, ist nicht böse gemeint, und Narrheit-Einigkeit ist und bleibt die Devise. Daß der bewährte Redner immensen Beifall und unzählige Tusche errang, versteht sich von selber.
Nach dem so erfolgreichen Redner kam ein ausgezeichneter Trompeter von Mainz an die Reih', Narr Alexander, der mit seines Hornes schönen Melodeien — jeden und jede tat herzlich erfreuen I Weiter folgte ein urgelungenes Zwiegespräch zweier Marktweiber — die Narren Karl Koeberich und Mahnegeld — deren drastisch-humoristische Ausführungen drastisch zündeten.
Mit seiner ganzen Künstlerschaft paradierte schließlich unser Bühnentömiker Narr Ernst Herz mit einem komischen Tanzduett. Seine Braut, Flatusia, Narr Karl Koeberich, war seine Partnerin auf den Gebieten der Komik und Mimik.
Als aber Präsident Hans Metz vor Schluß der Sitzung verkündete, daß alle Aussicht vorhanden sei, daß Se. Tollitäl Prinz Karneval und seine hohe Gemahlin während der drei Faslnachttage ihr Hoflager in Mogunlias Mauern aufschlagen würden, da wollte der Jubel kein Ende nehmen.
(Mainzer Anz.)
Aus Htaöl unb Land.
Gießen, den 17. Februar 1903.
** Provinzialausschuß. Die Mitglieder des Pro- vinzial-AuSschusses, Bauinspektor Becker und Geh. Justizrat Jöckel-Friedberg als Vertreter des Staates, die Vertreter der einzelnen Gelände-Eigentümer, diese selber, sowie die Professoren Bollröm und Poppert, außerdem andere Zeugen und Sachverständigen, versammelten sich gestern nachmittag um 3 Uhr zu einer Lokalbesichtigung des eoent. zu enteignenden Klinikgeländes in der Wilhelmstraße. In dem um diese Zeit herrschenden Schneegestöber wurde von hier aus das für die Kliniken vorgeschlagene Gelände begangen und im einzelnen besichtigt. Ein Gang durch den mit etwa 600 Zwergobstbäumen bestellten Gabriel'schen Garten, sowie durch die einzelnen Etagen der Villa Gabriel bildete den Schluß der Lokalbesichtigung. Im Anschluß hieran begab man sich in 'die Nähe der Cholerabaracke, wo die Rechtsanwälte Grünewald und Justizrat Hirschhorn, das Gelände bezeichneten, welches sie für die projektierten Kliniksbauten viel geeigneter ;ielten, als das in Aussicht genommene. Der Vorsitzende Provinzial-Direktor Dr. Breidert beraumte darauf einen weiteren Termin zur Fortsetzung der Verhandlungen vor dem Prooinzialausschuß auf Samstag, den 28. Februar, vormittags 9 Uhr, an. Da die Rechlsbeistände der Gelände- Eigentümer erklärten, sie würden mindestens 8 Stunden zu ihren Ausführungen benötigen, so ist als weiterer Verhandlungstag in dieser Sache auch noch Montag, den 2. März, vorgesehen.
** Ortsgewerbeverein. Allmählig gehen die am üblichen Abhange des Nahrungsberges errichteten Siechenhausanlagen ihrer Vollendung entgegen und bilden durch ihre malerische Anordnung und Ausführung eine neue hervorragende Zierde für Gießens nächste Umgebung. Aber auch die innere Einrichtung bietet außerordentlich Interessantes und Neues, sodaß es von den Mitglieden des Gewerbeoereins dankbar erkannt werden wird, daß denselben Gelegenheit gegeben ist, durch das freundliche Entgegenkommen des Erbauers dieser Anlagen, des Geh. Oberbauraths v. Wentzien, auch diese innere Einrichtung kennen zu lernen, bevor die Anstalt ihrer Bestimmung übergeben wird, was, so viel uns bekannt ist, Anfangs April der Fall sein soll. Möge diese wohltätige Anstalt unserer Stadt und Provinz zum Segen gereichen!
"Die Glocken unserer Stadtkirche feiern in diesem Jahre ihr 50jähriges Wiegenfest. 1853 wurden die Glocken umgegoffen und am Sylvester, also zu Neujahr 1854, zum ersten mal geläutet.
** Vereinigte Theater Gießen-Marburg- Nauheim. Wie wir Horen, werden unter der Direktion Stein gotter als Spielabende Dienstag, Donnerstag und Sonntag bestimmt werden. Für jeden dritten Sonntag i"t indessen ein Spielabend in Marburg vorgesehen worden. Zu diesen Vorstellungen treten dann weitere neun von Seiten des Theatervereins und zwölf volkstümliche Bor- ellungen.' Hinsichtlich der Vorstellungen zu besonderen Zwecken, wie z. B. Schülervorstellungen, sind Abmachungen nicht getroffen; doch sollen während der Saison im Ganzen mehr wie 90 Vorstellungen nicht gegeben werden. Der Vertrag des T h e a t e r v e r e i n s mit Herrn Steingötter unterscheidet sich von den, mit den bisherigen Verträgen dadurch, daß er der Direktion weiteren Spielraum läßt; die einzelnen Bestimmungen sind im allgemeinen dieselben geblieben. Als Personalminimum hat Herr Steingötter 24 Mitglieder zu engagieren und zwar möglichst mit Jahresvertrag. Endlich ist es Herrn Steingötter reigestellt, auch gelegentlich Friedberg und andere Orte der Umgegend zu besuchen.
Friedberg, 16. Febr. In der Generalversammlung des hiesigen Geschichts- und Alterthumsvereins wurde die Mitteilung gemacht, daß im verflossenen Jahre die Ausgraubungen hauptsächlich auf prähistorischem Gebiete höchst ergiebig waren. Von dem Friedberger Urkundenbuch, das die historische Kommission für Hessen und Waldeck herausgibt, hofft man, im Laufe des Jahres den ersten Band der Oeffent- lichkeit übergeben zu können. Bei den Abbruchsarbeiten der Vortreppe, die zum Judenbad führt, wurden Teile einer alten Kirchenglocke gesunden. Hoffentlich sinden sich auch noch die fehlenden Teile, damit der Text der Inschrift festgestellt werden kann.
Herborn, 16. *Febr. Der 9. Gesangwettstreit des nassauischen Sängerbundes soll am 18., 19 , und 20. Juli m Herborn abgehalten werden. Es sind bereits eine große Anzahl Ehrenpreise zugesagt, u. a. von der Erbgroß- herzogin Hilda i ; < '.den. Auch ist begründete Aussicht auf einen ■ - • K n i icrc vorhanden, um den 'amtliche
am Weuür. ii l ciemgicn Vereine zur Konkurrenz zugelaffen werden. Die Bewohner unserer Stadt haben schon jetzi eine
große Begeisterung für das genannte Sängerlefk unn werden alles aufbieten, um den Gästen hier frohe Tage zu bereiten^ () Darmstadt, 16. Febr. Wie soeben bekannt wird, ist der Sergeant und Z a h l m e i st e r - A s p i r « n t S ch u l z von der reitenden Batterie des hier gamisonierenden Feld- Artillerie-Regiments Nr. 25 seit einigen Tagen flüchtig. Er hat sich verschiedene Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen, und es ist ein Steckbrief hinter ihm erlassen.
Offenbach, 15. Febr. Eine tragikomische Szene spielte sich am Freitag abend in einer hiesigen Gastwirtschaft ab. An einem Tische hatte sich ein Herr in mittleren Jahren mit einer jüngeren Dame — beibc offenbar aus Frankfurt kommend — niedergelassen, als plötzlich eine andere Dame — die richtige Gattin des Herrn — hereinstürzte und das Paar unter Schimpfwarten mit einer Hundspeitsche zu bearbeiten begann. Mit fabelhafter Geschwindigkeit verließ der Ehemann, gefolgt von den beiden Rivalinnen, das Lokal: die übrigen Gäste aber saßen noch lange starr vor Erstaunen über dieses sonderbare Intermezzo, bis sich die allgemeine Verblüffung m große Heiterkeit auflöste.
Mainz, 16. Febr. Das hiesige Krematorium wird am ersten April eröffnet werden. — Auf der Strecke Mainz- Frankfurt wurde vorgestern unfern der Station Bischofsheim ein Rangierer von der Lokomotive eines Güterzuges erfaßt und gegen einen Wagen geschleudert. Der Mann erlitt schwere Verletzungen am Kopfe und hat auch mehrere Rippen gebrochen. Der Verunglückte, der verheiratet und Vater mehrerer Kinder ist, wurde in das hiesige Rochushospital geschafft. — Mit Ausnahme von zwei Mann ist das sämtliche Ladepersonal einer hiesigen Rhederfirma geitern und heute gefänglich eingezogen worden und zwar wegen fortgesetzter Diebstähle an den durch die Firma zur Verladung gekommenen Gütern. Die Diebstahle sind meistens bei nächtlichen Verladungen ausgeführt worden. — Der Stadtverordneten-Versammlung ist soeben eine Vorlage Zur Bevilligung von 564 500 Mk. zur Erbauung einer Oberrealschule und höheren Handelsschule unterbreitet worden; in dem Gebäude werden 21 Schülerklassen für 630 Schüler eingerichtet. Da sich die Beschaffung des Mobiliars auf 27 500 Mk. beläuft, so sind 592 000 Wik. für bas Schulgebäude erforderlich. Dieser Bettag soll durch Kapitalaufnahme der Bürgermeisterei zur Verfügung gestellt werden.
Frankfurt a. M., 16. Febr. Das seltene Fest des 75jähr. Bestehens konnte am Sonntag der „Lieder kränz" feiern. Bei der akademischen Feier dieses Jubiläums, der unter anderen Ludwig Thuille und Fritz Steinbach beiwohnten, teilte der Präsident des „Lieder- kranzes" mit, daß der Kaiser dem Verein die goldene Medaille für Kunst verliehen habe. An die akademische Feier schloß sich ein Festkonzert an, in dem auch ein vom Intendanten Claar gedichteter Prolog zum Vortrag kam.
Frankfurt a. M., 16. Febr. Eine der bebeutenbfteh Stiftungen, die der Stadt zugesallen sind, ist die Jügel- ft i f tun g. Die Gebrüder August und Franz Jügel haben die Stadt zum Erben ihres Vermögens, das sich auf 2 360000 Mk. beläuft, eingesetzt mit der Bestimmung, daß die Stiftung „einen einzigen Zweck verfolgen solle, sei es im Gebiete der öffentlichen Armen- und Krankenpflege, sei es im Gebiete des Schul- und Unterrichtswesens". In einem Nachträge hatten die Stifter „ohne der seinerzeit zu treffenden Entscheidung vorzugreifen, und dieselbe hiermit irgendwie beschränken zu wollen", auf eine Wohltätigkeitsanstalt für altersschwache, hilflose und unheilbare Personen hingewiesen. Als nun im vorigen Jahre die Stiftung der Stadt zufiel, erwartete man vielfach die Errichtung eines Altersheims. Die Verwaltung der Stiftung beschloß jedoch auf Betreiben des Oberbürgermeisters, „daß das Stiftungsvermögen zur Errichtung einer öffentlichen allgemeinen akademischen Unterrichtsanstalt für die Gebiete der Geschichte, Philosophie, sowie der deutschen Sprache und Literatur dienen soll." Darüber kam es zunächst zu lebhaften Auseinandersetzungen in der Stadtveroroneten-Ver- sammlung, denn die Akademie sollte auf dem Gelände des jetzigen Bürgerhospitals errichtet werden und die Stadt für das Spital einen neuen Platz beschaffen. Das wurde mit 26 gegen 21 Stimmen abgelehnt, aber die Satzungen der Jügelstistung wurde später bei Stimmengleichheit burrf) den Stichentscheid des Vorsitzenden genehmigt. Nun machte einer der Testamentsvollstrecker, der Rechtsanwalt Dr. Schmidt-Polex, der von Anfang an den Akademiegedanken bekämpft hatte, weil er nicht den Absichten des Erblassers entspreche, einen letzten Versuch. Er wandte sich an das Staatsministerium, nm. dieses zu einem Einschreiten zu ver anlassen. Daraufhin ist soeben eine gemeinschaftliche Entscheidung vom Justizminister, vom Kultusminister und vom Minister des Innern eingelaufen, wonach sie sich zu einem Ein schreiten nichtveranlaßt sehen. Nach dem Inhalte des Testaments unterliege es keinem Zweifel, daß die Entscheidung darüber, welchem der beiden von den Erblassern in Aussicht genommenen Zwecke der Nachlaß gewidmet werden soll, dem freien und ausschließlichen Ermessen der Stiftungsverwaltung überlassen ist. Von einer Verletzung des letzten Willens der Erblasser durch den von der Stistungsverwaltung gefaßten Beschluß könne daher keine Rede fein. Nach dieser Entscheidung wird die geplante Akademie endlich ins Leben treten können.
Kleine Mitteilungen au5 Hessen und den Nachbarstaaten. Tie ministerielle Genehmigung zur Eingemeindung des Ortes Niedergirmes zu Wetzlar ist jetzt erfolgt. — In F r a n k f u r t a. M. wurde der Pfarrer Dr.Schwarzlose aus Köpenick zum Pfarrer an der Katharinen- Kirche gewählt.
Vermischtes.
Essen a. d. Ruhr, 16. Febr. Bei einem Streite im Nachbarorte Borbeck wurde em Wagenmeister erschossen und dessen Bruder tätlich verletzt.
Zundel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Mülheim, 16. Febr. Für das abaelausene Geschäftsjahr beantragt die Verwaltung der Mülheimer Handelsbank die Verteilung einer Dividende von 9 pEt.
Berlin, 16. Febr. Heute wurden an der Börse zum ersten male die Aktien der Westlichen Boden-Aktie ngesell- ch a s t mit dem Kurs von 130 p(St. gehandelt.
Berlin, 16. Febr. In der heutigen Sitzung des Zentralaus- jchusses der Neichsbank mürbe der vom Reichsbankdirektorlum entworfene Verwattungsbericht für 1902 nebft Bilanz unb Gewinnberechnung, sowie Doffchlcigen für die Dorteilung beS Gewinnes


