Ausgabe 
16.11.1903 Erstes Blatt
 
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Landtag das Wahlgesetz, so hnlrbc erst im Jahre 1907 nach dem neuen Modus g-eivckhlt werden, während die Er- nänzungslvahlen 1905 nach dem Treiklassensystcm zu er- wlaen Hütten. Mer aller M^hrscheiulichkert nach wird der jetzige Landtag das von der Negierung unterbreitete Ma- tcriol erst einer Zwischendeputation überweisen, sodaß erst der übernächste Landtag daS Gesetz verabschieden könnte! Und dabei ist cS noch sehr fragliche ob die Parteien sich überhaupt zu einem gemeinsamen Antrag einigen, da die führende Hand der Negierung fehlt.

Zu den badischen Landtagswahlen

Wird geschrieben: 921111 hat die Wahl der Abgeordneten zur zweiten Kammer, die letzteindirekte" jedenfalls in oer parlamentarischen Geschichte Badens, doch noch geendet wie ein Satirspiel! Was soll und was wird man im Reiche dazu sagen: Bund der Landwirte und Anti­semiten verschaffen der Sozialdemokratie xiu en Landtagssitz (Karlsruhe-Land) und wählen den Konservativen zum Karlsruher Rondell hinauö; und an­dererseits erobert die Sozialdemokratie für die Nativnalliberalen den bisher demokratisch ver­tretenen Wahlkreis Schwetzingen! Lokale mrd persönliche Verstimmungen haben diese unnatürlichen WalMmbnisse in letzter Stunde geschaffen. Nicht greller hätte btc letzte indirekte Wahl den Widersinn des indirekten Wahlsystems illustrieren können. Sozialdemokratie und Demokratie kehren in der früheren Stärke in den Landtag zurück, sechs und fünf Mann hoch. In alter numerischer Stärke kehrt auch das Zentrum zurück. 92ur eine Partei kehrt nicht wieder, die konservative, da die Dauern im Landkreise Karlsruhe denwten Apotheker" ^utz demPfaffen" Dekan Mayer vorziogen, der erklärter Gegner der direkten Wahlordnung war. Tie einzigen Gewinner find die Nationalliberalen, nachdem am 13. d. M. Eberbach--Luchen, daS wegen der Kassierung einer Wahlmännerwahl später wählte, für sie sich entschieden hat. Sie ziehen 26 Manu stark, also um z.wei ver­mehrt, in den Landtag ein. Tie freisinnige Partei hat durch die Wahl des Rechtsanwalts Fortisch in Lörrach eine ichou lange int Stillen wirketide Kraft gewonnen, sämt­liche Abgeordnete aller Parteien sind nun für die Einführung der direkten Wahl, welche aber Minister Schenkel nur gegen etlicheKanteten" gc- währen will. Tie badische Kammer, die Anfang Dezeniber zujammentreten dürfte, se^t sich nun zusammen aus 26 Nationatliberalen, 23 Zentrum, 6 Sozialdemokraten, ö De­mokraten und einem Antisemiten.

Kolonialpost.

Berlin, 15. Nov. Nach einer heute hier einge­gangenen telegraphischen Meldung de§ kaiserlichen Gouverneurs in Windhoek smd Versuche im Gange, den A u f sta n d in Warmbad ans die Familie des Kapitäns der Bondels- zwartS zu beschränken. Mit Hilfe der Wübois wird dies vom Gouverneur für durchführbar gehalten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 16. November 1903.

OmnibuS-Verkehr. Wegen Umpflasterung der Marktstraße erleidet der Fahrplan der Linie B Grünberger­straßeBahnhof und umgekehrt insofern vorübergehend eine Äenderung, als die Wagen nicht mehr auf dem Marktplatze, sondern auf dem Kreuz korrespondieren und Sonnenstraße KreuzKaplansgaffeBahnhofstraße und umgekehrt fahren. Weiter hat der Vorstand in der Ausgabe von Abonnements- Fahrscheinen eine Äenderung getroffen, die wohl allseitig An­erkennung finden und von der man hoffentlich häufig Ge­brauch machen wird. Es werden für die Zukunft aus- gegeben: Karten zu 12 Führten, gütig für Linien, B oder D Mk. 1.10; Monatskarten, gütig für A und B, Mk. 5., Monatskarten, gütig für A, B und D, Mk. 7.50; zu haben bei den Schaffnern. Vi Jahreskarten, gütig für A und B, Mk. 25., Jahreskarten, gütig für A und B, Dck. 45. ; »zu haben im Depot.

August Iunkermann, der vor etwa einem Jahre DaS 5000-DollarS-Ohr. Ein amerikanischer in vollster Rüstigkeit sein 50jährigeS Bühnen-Jubiläum ge- Arzt hatte, wie wir mitteilten, annonciert, daß er 5000 feiert hat, wird wieder eine Fritz Reuter-Tournee unter- Dollars für ein Ohr biete, das einem R2 illionär ange­nehmen. Er hat ein neues, reichhaltiges Programm zu- setzt werden soll, dem das Fehlen eines Ohres ein H i n d e r- sammengestellt, welches hier am 21. d. MtS. im Saale des nis zur Heirat ist. Von vielen Personen, die ein Ohr GesellschaflüvercinS zum erstenmale zum Vortrag gelangen anboten, kamen sieben in eine engere Wahl und unter diesen wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der berühmte Rezi- wies ein Deutscher von 40 Jahren, der als Gastwirt tator bei uns herzlich willkommen geheißen werden wird. Bankerott gemacht hat, ein Ohr von der richtigen Größe auf.

** Silberne Hochzeit feiern am Dienstag den Die Operation soll am Dienstag stattftnden. Der Name des 17. November Herr Christian Duill und Frau, geb. Frank, Verkäufers und deS Käufers des Ohres bleiben geheim.

auf demWindhoft.

+ Lollar, 15. Nov. Zum Fernsprechverkehr mit Lollar sind die Orte Bretzenheim (Rheinhessen), Buden­heim, Gustavsburg, Kastel (Rhein), Kostheim, Mainz und Weisenau zugelassen. Die Gesprächsgebühr beträgt 50 Psg.

-t,. Rudingshain, 15. Nov. Unlängst feierte der hiesige Kriegerverein sein 25jähriges Stiftungsfest. Aus dem Festplatze trug der Gesangverem ein Lied vor, wonach Pfarrvikar Laut als Ortsgeistlicher eme Ansprache hielt. Die Ucberreichung der von dem Kaiser dem Verein geschenkten Fahnenschleife mit goldenem Fahnennagel fand mehrere Tage später durch Kreisamtmann Pfeiffer statt. Lehrer Linck sprach den Dank aus für die im Auftrage Sr. Majestät überreichte Fahnenschleise und für die vomHassia"- Verband durch Rechner Glock Ill.-Schotten dem Verein über­brachte Ehrentafel.

-k. Friedberg, 16. Nov. Zum Nachfolger Schölers als Professor für Homiletik am Pnesterseminar, foiöie zum Pfarrer hat Se. Kgl. Hoh. der Großh erzog, wie bereits mitgeteilt, den bisherigen evangel. Dekan Dr. phil. Paul W u rster zu Blaubeuren in Württemberg eryUmt. Der bekannte Mlssionsschriststeller ist 1860 zu Hohenstaufen, O.-A. Göppingen in Württemberg, geboren und studierte Theologie in Tübingen (187883). Anfangs widmete er sich speziell dem Studium bet Alttestamentlichen Theologie und pro­movierte 1882 mit einer Arbeit über das Nasiraat im Zu­sammenhang mit der modernen Pentateuchkritik (gekrönte Preisschnft). Von 1883 bis 1885 war er bei Gustav Werner in Reutlingen für Innere Mission tätig, 188588 Repetent am evangelischen Seminar in Tübingen, 18881903 Stadt­pfarrer in Heilbronn, 1903 Dekan in Blaubeuren. Wurster ist feit 1885 auf dem Gebiete der Inneren Mission tätig. Im Sommer 1886 hielt er darüber in Tübingen Vor­lesungen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Nach einer Meldung aus Mainz hat die dortige Handelskammer eine energische Erklärung gegen den Plan, Abgaben auf dem Rhein einzuführen, beschloffen.

Vermischtes.

Par iS, 15. Nov. In einem Anfall geistiger Störung v e r l e tz t e ein hier studierenderungartscherGraf K o r n i s einen anderen Studenten, ein Dienst- mädchen und eine Portiersrau durch mehrere R e - volverschüsse und erschoß sich bann selbst.

" Genf, 15. Nov. Die ehemalige Kronprinzessin Luise von Sachsen wirb am 16. Nov. Schloß Ronno verlassen und sich mit ihrer Tochter nach Venlnor (Insel Wight) begeben. Eine Verlängerung ihres Aufenthaltes in Ronno bis in bie Wintermonate hinein erwies sich als undurchführbar. Der Gesundheitszustand der Tochter läßt c§ wünschenswert erscheinen, daß der Winter an einem milderen Klima zugebracht ivird. Prinzessin Luise ist dann entschlossen, der Aufforderung einer befreundeten englischen Familie, die in Ventnor nine Besitzung hat, Folge zu leisten. Die Eltern der Prinzessin billigten diesen Entschluß. Die Großherzogin von Toskana verweilt gegenwärtig besuchsweise bei ihrer Tochter. Der Aufenthalt in Ventnor wird voraussichtlich bis zum Frühjahr dauern. Meckere Entschließungen für später sind noch nicht getroffen, doch wird die Prinzessin wahr­scheinlich im Frühjahr auf die Besitzung ihrer Eltern in Lindau zurückkehren ,

Eingesandt.

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Vergebens, das; Ihr ringsum wissenschaftlich schweift, Ein jeder lernt nur, was er lernen kann;

Toch der den Augenblick ergreift, Das ist der rechte Mann. Drum schickt Euch drein, Wie es die SDlenge will: Dem Kind gebt Zuckerplätzchen ein, Schnell schweigen seine Klagen still; Doch da die Eltern damit nicht zufrieden, So hüllt in Zucker bittere Arznei, Daß bald erlöset von der schlimmen Welt hinieden Das ilnschuldsvolle Kindlein sei.

Habt Ihr den schlimmen Ailsgang nur vorhergesagt, Euch niemand drum zu schelten wagt, Es war ja, sagt am Grab man, Gottes Wille, Ulid bald ist jede Klage stille!

Dem Bauern, der um Hilfe zu Euch ' nmt, Verbietet nur, was ihm am meisten stammt: Behütet ihn vor Licht und Luit und Waßer, Er ist ja deren tätlich ärgster Hasser. Und gebt ihm voii den schärfsten Gitten ein, Es wird ihm bitter nie genug noch sein I So Euch ein Städter je zu Rate zieht, Deß ieiner Kopf nach ganz was 'Modischem verlangt, Da seid mir ja darum bemüht, Wenn Euch um Eure Praxis bangt, Vernünst'ges recht mit Unsmn zu verquicken!

Gäbt Ihr Vernunft allein, er ließ Euch laufen, Zum ganz Absonderlichen wird verständnisvoll er nicken, paßt er das Wasser sonst, mit Dreck wird üterroeiS er's saufen!

Ihr seid noch ziemlich wohlgebaut, An Kühnheit wirds Euch auch nicht fehlen, Und wenn Ihr Euch nur selbst vertraut, Vertrauen Euch die anderen Seelen.

M ep histoph eles.

Kirchliche Uachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Montag, den 16. November, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Konsirmandensaal der IohanneSkirche. Text: Jak. 1, 9, ff.

Pfarrer Euler.

Die Knochen- und Mnskelfleischcntwickelnng der Säuglinge wird am besten gefördert durch den Zusatz von Knfekesuppe xur Kuhmilch. Die aus Kufeke'S Mndermehl gekochte Suppe mischt sich sehr gut mit der Milch, verhindert im Magen die grobflvckige Gcrinnimg der Kuhmilch, sodaß diese leichter verdaulich lvird und erhöht durch den der Muttermilch eiitsprechenden Gehalt an Mine-- rast und Eiweißstoffen den Nährwert der Nahrung. 5528

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Zur gefälligen HeachNmg!

Zur Kontrolle unseres Agenten, dem die Zusammenstellung der Adressen von Gießen für unser

Akeßbllch für AM imii Kreis Gießen übertragen ist, werden wir morgen, Dienstag und event. Mittwoch an sämt­liche Haushaltungen Zettel verteilen lassen, um deren gefällige sorgfältige und genaue Ausfüllung wir bitten.

Unsere Träger sind angewiesen, für jede einzutragende Person einen Zettel abzugebeu. Falls sie diesen Anstrag nicht pünktlich ausführen sollten, bitten wir höflichst, sich an die Expedition des Gießener Anzeigers zu wenden.

Brühl'sche Univ.-Druckerei