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Das Opfer einer Blutrache.
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hatte, war, als von einem Redner der Name Bismarck erwähnt wurde, der Zwischenruf ertönt: „Der ist sch o n k r e p i e:r t* Der Nufer wurde in der Person des Maurers Szymanski ermittelt, der durch Urteil des Schöffengerichts wegen Verübung groben Unfugs zu einer G e l d st r a f e von 15 M k. verurteilt worden ist. Bemerkenswert sind folgende Ausführungen in den Urteilsgründen? Durch die fragliche, in der Oeffentlichkeit gefallene und auch in die weitere Oeffen'tlichkeit gelangte Aeußerung mußten sich die deutsch- gesinnten Kreise der Bevölkerung in hohem Grade verletzt und beunruhigt fühlen, da ihnen das Andenken an den Fürsten Bismarck ein teures, fast möchte man sagen, heiliges ist. „ Derartige rohe, von fanatischem Haß diktierte Aeußerungen gefährden aiich den „äußeren Bestand" der öffentlichen Ordnung, da sie zur noch größeren Verbitterung uud Aufreizung der deutschen und polnischen Volkselemeiite gegen eiimnbcr nicht wenig beitragen. — Szymanski mar Mitglied des Schrodaer Kriegervereins, aus dem er sofort ausgestoben wurde.
Königsberg i. Pr., 15. Okt. Die Strafkammer ver> handelte heute gegen zwei hiesige Einwohner wegen Wahloergehens. Diose hatten bei der letzten Reichstagsstichwahl auf Grund je zweier für verschiedene Wahlbezirke geltenden Einladungen zur Wahl, die ihnen irrtümlich zugesandt waren, ihre Stimmen auch an zwei Stellen abgegeben. Die Strafkammer sprach die Angeklagteii mit der Begründung frei, daß die Angeklagten infolge straflosen Rechtsirrtums die Tat begangen haben,
Oldenburg, 15. Okt. Unter starkem Andrang des Publikums begann die Verhandlung ui de>n Prozeß gegen, den Oberlehrer D r. Ries und Redakteur Biermann wegen' Bele i d i g tl ii g des I u st i z m i n i st e r s D r. R u h st r a t und des Landrichters paake. Die Verteidiger erklärten, daß sie den Gerichtshof wegen Besorgnis der B ef a n g en h e i t ab lehnten. Rach längerer Erörterung wurde dem Einwenden des Verteidigers nur bezüglich eines Richters stattgegeben. Unter den Zeugen befindet sich Justizminister Dr. Ruhst rat, der sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschloffen hat. Rach Vernehmung der Angeklagten wurde der Prozeß auf unbestimmte Zeit vertagt, da zwei Zeugeii, auf welche die Verteidigung nicht verzichtet, nicht erschienen sind.
Vermischtes.
Eine überaus peinliche Affäre macht seit einiger Zeit in Danzig viel von sich reden. Der im vergangenen Herbst verstorbene Abg. Rickert hatte seiner Frau, mit der er in zweiter Ehe vermählt war, neben dem Nießbrauch seiner Billa in Zoppot eine Rente von 5000 Mk. vermacht, welche die Erben von Rickerts nicht unbeträchtlichem Nachlaß zahlen sollen. Die in den besten Vermögens- Verhältnissen lebenden Erben, Dr. Heinrich Rickert, ordentl. Professor der Philosophie in Freiburg i. Br., Frau Senatspräsident Emily Germershausen, geb. Rickert, und Dr. Franz Rickert, sollen nun nach Zahlung für einige Monate aus unbekannten Gründen die diente nicht weiter geleistet haben, sodaß die Witwe Rickert zu ihrem Lebensunterhalt die Hilfe von ihren und ihres verstorbenen Mannes Freunden in Anspruch nehmen muß und den Rechtsweg beschritten hat Ihr Rechtsbeistand ist der Landtagsabgeordnete und Stadt- verordneten-Vorsteher Keruth in Danzig. Bei der Beliebtheit und dem "großen Ansehen, dessen sich Rickert besonders in Danzig erfreute, ist es begreiflich, daß diese Sache dort sehr peinlich empfunden wird.
* Gattenmord. Wie aus Breslaii berichtet wird,
dampfer „Selene", von Konstantinopel kommend, im Hafen von Val di More Anker warf, schifften sich zwei junge Montenegriner ein, welche auf einen Konstantinopeler Passagier, der gleichfalls Montenegriner ist, losgingen ilnd mit dem Revolver beschossen. Der Passagier zog gleichfalls einen Revolver und verwundete einen Angreifer schwer. Ihm selbst wurde bald darauf durch einen Stockhieb der Schädel zerschmettert. Der Kapitän übergab die Attentäter und den toten Passagier den montenegrinischen Behörden. Der Ermordete wollte in seine Heimat fahren, um zu heiraten, und wurde in Antivari erwartet. Er wurde das Opfer der Blutrache, weil er vor Jahren einen der Mörder in Konstantinopel tätlich insultierte. Unter den zahlreichen Passagieren des Dampfers entstand große Panik. Mehrere Frauen wurden ohnmächtig. 15 Revolverkugeln wurden während des Vorganges abgeschossen.
* BetrunkenesRindvieh richtete dieser Tage in dem havelländischen Dorfe Stölln allerlei Unheil an. Auf der dortigen Gutsbrennerei war aus Versehen Spiritus in die für das Vieh bestünmte Schlempe geraten, wodurch sich dieses einen Viordsrausch antrank. Die Kühe wirtschafteten darauf wie toll in dem Stall herum und konnten nicht gemelkt werden. Noch ärger betrugen sich die vor die Pflüge gespannten Ochsen, welche wild losstürmten und die Knechte mitschleisten, wodurch einige Verletzungen erlitten. Am nächsten Tage litt das gesamte Rinovieh sichtlich an einem großen Katzenjammer.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
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Die nationalliberale Wahlmännerliste erhielt 2170 Stimmen, bie der Freisinnigen dagegen nur 780 und die der Sozialdemokraten 1365 Stimmen. Bekanntlich waren bei der vorjährigen Wahl die freisinnigen Herren Langenbach und Saeng mit geringer Mehrheit gewählt worden, weil sie von den Sozialdemokraten sehr energisch unterstützt wurden. Stach dem jetzigen Wahlergebnis hätte auch das vereinte Vorgehen der Freisinnigen und Sozialdemokraten nicht ausgereicht, um die Särtionalliberalen, die früher seit vielen Jahren stets die beiden Mandate in ihrem Besitz hatten, aus dem Felde zu schlagen. Die deutsche Resormpartei und die christlich-soziale Partei hatten, wie schon gemeldet, in einem gemeinsamen Aufruf Wahlenthaltung proklamiert, das allerdings nur sehr schwach vertretene Zentrum dagegen die Wahl der national- liberalen Wahlmänner empfohlen.
Frankfurt, 14. Okt. Ein Berichterstatter, den ein freundliches Geschick gestern nachmittag in die Kaiserstraße führte, hatte Gelegenheit, die Fürstlichkeiten zu sehen, die von Darmstadt zu kurzem Besuch nach Frankfurt gekommen waren, und schildert, was er geschaut und erfahren, wie folgt: „Der Zar hat auf die Personen, die ihn in den einzelnen Geschäften bedienten, einen völlig ungezwungenen Eindruck gemacht, Der Zar war heiter gestimmt, freundlich, liebenswürdig und sichtlich befriedigt von der Leistungsfähigkeit der Frankfurter Firmen. Er stattete der Papierhandlung von A. H. John und, wie die „Franks. Ztg." erwähnt, dem Porzellangcschäst von Bing jr. u. Co. in der Kaiserstraße einen Besuch ab. Bei Bing weilte er fast eine Stunde; er bekundete ein hohes Interesse für die einzelnen Künstgegen- stände und machte bedeutende Einkäufe an Kunstwerken, Lampen, Tierfiguren u. a. Vor dem Geschäft hatte sich eine Anzahl Neugieriger angesammelt, die sich jedoch auf die Bitte eines Beamten zerstreute. Der Zar hat einen zwecken Besuch in Frankfurt in Aussicht gestellt."
Wiesbaden, 15. Okt. Der Fürst und die Fürstin von Schwarzburg-Sondershausen sind heute nachmcktag zu längerem Aufenthalt hier emgetroffen.
^Kassel, 15. Okt. Der Reisende, welcher sich gestern tn einem Klosetraum des westfälischen Nachmittags-Schnellzuges erschoß, war, wie jetzt festgestellt wurde, der frühere Bankdirektor, jetzige Rentier Hermann Fischer aus Barmen. Er befand sich auf der Reise zu Verwandten. — Die eben in Treysa abgehaltene Herbstkonferenz des Ev ang elischen Psarrervereius für den Konsistorialbezirk Kassel faßte eine Resolution, in der sie mit Bezug auf den bekannten Vortrag des Professors Ladenburg chr Bedauern darüber ausspricht, daß die Leitung eines wissenschaftlichen Kongresses einen derartigen Ueb er griff aus das Gebiet der Religion geduldet habe. — Hier verstarb im 71. Lebensjahr Prof. Dr. Hch. Möhl, eine Autorität auf dem Gebiete der Wetterkunde und Lecker der hiesigen kgl. meteorologischen Station. Möhl war lange Jahre Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften an der weiland kürfürstl. Polytechnischen Schule, späteren kgl. Höh. Gewerbeschule, die nun seit einigen Jahren eingegangen ist.
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Zch schnitt' es ßern in alle Rinden ein, O daß ich meine Heiserkeit und den abscheulichen Husten nur durch Kay s ächte Sodener Miueralpastillen losgewor- den bin. lieber Stacht last ist das Wunder geschehen und die ganze Geschichte hat nur 85 Psg. gekostet, lind das soll nun jeder wissen, Damit ein jeder weiß, was er zu tun hat, wenn ihn ein Katarrh oder auch nur ein Husten mit ’Wf obligater Heiserkeit befällt: Er soll „Sodener" kaufen. In ©jeder Apotheke, Drogen- und Mineralwasser-Handlung zu haben.___________________________________________6911
Gerichtssaat.
— Beschimpfung des Andenkens Bismarcks. In einer Reichstaaswählerversammllmg, die am 19. April in (Posen) unter Dem Vorsitz des Prälaten v. Jazdzewski stattgefunden
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