sich nodi ®or nidfxt klar gemacht habe, wie man fidj: in Zukunft die Pflasterung der Staöt denke. Er erinnere nur an die Ettvägung, ob man eine elektrisclie Straßenbahn schaffen wolle. — Oberbgm. Mecum erklärt, für den ver- c hältnismäßig kleinen Betrag wolle man nur ein Provisorium schaffen. Die notwendigen Ergänzungen des Pflasters könne man nicht umgehen. Soweit das alte Material noch brauchbar sei, würde es zu der llmpflasterung verwendet. Ms man endgittig an ein neues Pflaster denken könne, dauere 4 Jahre. So lange könne es aber bei dem jetzigen Zustand des Pflasters nicht bleiben. — Stadtv. S ch a f f - staedt meint, man solle mit solchen Umpflasterungen recht vorsichtig sein. Aus dem Seltersweg und an anderen Straßen würde man schließlich in dieselbe Lage verseht und sehe sich dann fiir die paar Jahre vor eine Ausgabe von vielleicht 30000 Mk. gestellt. Stadtv. Hanau erklärt, die beinal-e 1000 Mk. wären rein zum Fenster hinausgeworfen, an die llnv- und Neupflasterung komme inan doch. — Stadtv. Brück unterstützt den Antrag des Tiefbauamtes. — Stadtv. Schaffftaedt giebt noch einmal zu bedenken, daß man innerhalb ö Jahren 3 Umpflasterungen vornehmen wolle. — Beig. Georgi hält es für am besten, die Sache dem Bau- crusschuß noch einmal zur Erwägung zu geben, um festzn- steUen, wie man am billigsten sich helfen könne. Es sei eine Umpflasterung nicht unbedingt notwendig; vielleicht genügten einzelne Ausbesserungen. — Stadtv. Haubach erklärt nochmals, warum es sich hier um besonders große Reparaturen durch die Stadt handele, und hält an der Ansicht fest, daß mau die 865 Mk. bewilligen müsse. — Stadtv. Heichelheim meint, man dürfe nicht blos auf die Empfehlung des Tiefbauamts hin den Betrag bewilligen; nachdem man aber wisse, daß der Bauausschuß sich mit der Sache beschäftigt habe, sehe er nicht ein, weshalb man sic noch einmal an den Ausschuß zurückverweisen solle. — Stadtv. Jughardt ist gegen die Vornahme der Umpflasterung. Schließlich wurde die ganze Sache von der Tagesordnung ausgesetzt.
Zur Beschaffung eines Regenmantels für den Straßenmeister wird ein Kredit von 25—30 Mark bewilligt. Stadtv. Krumm verlangt solche Mäntel auch für die Straßenkehrer, steht aber mit der Ansicht allein, denn man erklärt, in solchen Mänteln könnten die Leute nicht arbeiten.
Für die Umgestaltung der Gi eß fäss er - für die Straßenbesprengung werden 542 Mark bewilligt und die freihändige Vergebung der Arbeiten beschlossen. Bezügliche des Fahrens der Gießfässer während der Wintermonate will nran mit Karl JudHardt LL zu den bisherigen Vertragsbedingungen sich einigen.
Die Lieferung von Straßenkappen für die Kanalisation wurde genehmigt und der Firma Michelbacher Hütte, das Versetzen der Kappen der Firma Jäger und Rumpf übertragen.
Ter Beschluß über Verlegung des Stadtringgrabens zwischen Marburgerstraße und Landgrafenstraße wurde aus der Tagesordnung ausgesetzt. Ebenso die Vergebung der Arbeiten für die Kanalisation; nur die Lieferung von zwei Deckeln für Schnee schachte wurde der Firma Michelbacher Hütte übertragen. Die Beschaffung von Geräten usw. für den Kanalisatiousbetrieb (u. a. ein Schlamm- wagen- im Gesamtkostenbetrag von 6500 Mark wird nach kurzer Debatte genehmigt. Beig. Georgi wollte die Beträge für die einzelnen Anschaffungen wissen und ev. die Beschlußfassung darüber vertagen. Stadtv. Krumm wollte die Angelegenheit der Finanzdeputation überwiesen wissen, worauf Oberbgm. M e c um ^erklärte, diese sei nicht sachverständig, und die Vaudeputatiou habe die Angelegenheit geprüft. Da eine Betriebs ko loane eingeführt und eine Vermehrung der Bediensteten vorgenommen werden sollte, glaubt Stadtv. Krumm, darüber könne auch die Finanzkommission urteilen. Stadtv. Haubach betont, in der Finanzdeputation würden dieselben Gründe für die Anschaffungen vorgebracht und das Resultat bliebe dasselbe wie jetzt. Der Antrag Krumm, die Sache der Finanzdeputation zu überweisen, erhält nur fünf Stimmen; für den Antrag der Baudeputation, die Summe von 6500 Mark zu bewilligen, ist die Mehrheit; er ist also au- genormnen. Die Vergebung von Kanalisationsarbeiten wurde einstweilen ausgesetzt.
Dem Gesuch des L. Beil um Abtretung von Gelände am Schlffenbergerweg wird willfahren; er muß 1L50 Mark für den Quadratmeter zahlen.
L. Seuling hat sein Gesuch um Abtretung von Gelände an der Roonstraße zurückgezogen.
Die Auffüllung der Gerbergruben in der früher Franz Blank'schen Hofraithe in der Bahnhofstraße soll Karl Jughardt II. übertragen werd em Auf die Bemerkung des Stadtv. Leib, diese Gruben seien seines Wissens schon zugeschüttet worden, erwidert Oberbgm. Mecum, dann sei die Arbeit nicht mehr nötig und eventuell würden entsprechende Abzüge gemacht werden müssem Er wolle sich Mer die Sache Gewißheit verschafsem Die Sache wird vertagt.
Die städtischen Friedhofsarbeiter haben um Lohnerhöhung ersucht mit der Begründung, der Weg ^u ihrer Wohnung vom Rodberg aus sei zu weit, und das Mittagessen außerhalb ihrer Wohnung mache ihnen Mehrkosten. Die Lohnerhöhung wird abgeschlagen, aber eine längere Mittagspause, von 12 bis Vs2 Uhr gewährt.
Tie jetzigen Verhältnisse der L a st w a g e n der Stadt sollen auf Beschluß der Versammlung auch ferner' bestehen bleiben. Ein Antrag der Baudeputatiou, süx eine Reparatur einer Lastwage am Neuftädter Tor 300 Mark zu bewilligen, wird genehmigt und diese Reparatur Daniel Kleinke freihändig übertragen.
Tie Beschlußfassung über Bau Veränderungen im Bürgermeistereigebäude wurde vertagt. Die Bau- deputation hatte 1300 Mark erbeten für eine vauliche Veränderung der Stadtkajje. Der Eingang zur Stadtkasse soll von der Süd anlag e in die Gartenrstaße verlegt und die Räume zweckdienlicher eingerichtet werden. Oberbgm. Mecum teilte Pläne mit, ivonach auch später an bauliche Veränderungen im oberen Stockwerk und an eine Verlegung des Sitzungssaales der Stadtverordneten in das alte Rathaus gegangen werden soll. Beig. Georgi erklärt darauf, man müsse die jetzt beantragte Veränderung aufschieben bis sich her ausgestellt habe, ob das, was der Oberbgm. plane, später möglich werde. Man müsse klar sehen, was mit diesem Hanse überhaupt werden solle. Einer Verlegung des Sitzungssaales in das alte Rathaus werde er nicht zustimmen, da die Räume dort zu niedrig seien und die Nähe der Bürgermeistereiräume, von wo hoch oft Aktenstücke rasch herbeigeschasft werden müßten, fehle. Stadtv. Kirch schließt sich dieser Meinung an, und darauf wurde die Vertagung der Angelegenheit beschlossen.
Die Witwe Jean Tietz hat der Stadt.1500 Mark ver- uurcht mit der Bedingung, daß diese für die Unter Hal tuns
des Grabes ihres Mannes sorgen möge. Die Friedhofs- kommissiou empfiehlt' die Annahme des Vermächtnisses, womit die Versammlung einverstanden ist.
Damit war die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erschöpft. Bevor man in die geheime Sitzung eintrat, macht Stadtv. Wallenfels darauf aufmerksam, daß die Anlage des Neubaues von Rinn mit dem anstoßenden Pferdestall an der Ecke der Landgrafenstraße und Ostanlage viel Unwillen in der Stadt hervorgerufen habe und daß man dieses Projekt lieber vorher der Stadtverordnetenversammlung hätte vorlegen sollen, die gewiß ihre Zustimmung nicht erteilt hätte. (Die betreffenden Pläne haben der Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung vom 26. Juni d. I. vorgelegen uud sind nicht beanstandet worden. Oberbgm. Mecum schien sich dessen nicht zu erinnern.) — Es folgte darauf die nichtöffentliche Sitz- ung, in der unbedeutende Angelegenheiten erledigt wurden.
Aus StaA und Land.
Gießen, den 16. Oktober 1903.
** Personalien. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben den Gewerbeinspektor Friedrich Löss er in Offenbach zum Gcwerbeinspektor der Gewerbe Inspektion Darmstadt und den Gewerbeinspektor .Hans Engeln zu Worms zum Gewerbeinspektor der Geworbeinspektion Offenbach, sowie den Assistenten bei der Gewerbeinspektion Darmstadt Dr. Heinrich Müller zum Gcwerbeinspektor der Gewerbeinspektion Worms ernannt. — Der Lehrer an der Wein- und Obstbau- schule zu Oppenheim Dr. Karl Schulze wurde auf sein Nachsuchen seines Dienstes entlassen und der Assistent an der Großh. Badischen Landwirtschafti. Versuchsanstalt Augustenberg Dr. Franz Muth zum Lehrer an der Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim ernannt. — Dem Kirchendiener Peter Krebs zu Wald-Uelversheim wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Jnschxist „Für langjährige treue Dienste" verliehen.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Der Sonntag bringt wieder eine Novität, und zwar Skow- ronneks und Sterns neues Volksstück „Geschwister Lemke", das an allen Bühnen, die es bisher brachten, einen großen Heiterkeitserfolg erzielte. Zur Entlastung des Herrn Sandorsf, der augenblicklich mit dem Studium größerer Aufgaben in gebundener Sprache beschäftigt ist, hat Herr Direktor Hernrann Steingoetter, der auch! die Regie führt, die Rolle des Maschinenschlosser Gustav Horn selbst übernommen.
() Weickartshain, 15. Okt. Dieser Tage weilte Bc- zirksamtmann Fritz aus Seh Pau auf den von Deutschland erworbenen australischen Marianeninseln, hier, um sich die von dem hiesigen Forstwart Stendal erfundene Baum f äl lm aschin e in Tätigkeit vorführen zu lassen. Herr Fritz (ein geborener Hesse) war von der praktischen Handhabung dieser Maschine sehr beftiedigt, und sicherem Vernehmen nach soll die Regierung entschlossen sein, für die Mariancninseln eine Anzahl dieser Baumfälttnaschinen zum Ausroden von Palmen anzuschaffen. Ein Hauptvorzug dieses Baumsällers besteht darin, daß dem zu fällenden Baum auch> eine beftimmte Richtung im Fallen gegeben werden kann, wodurch die bei der bisherigen Art des Baumfällens so vielfachen Unglücksfäkle vermieden werden.
L Oberwöll ft adt, 15. Okt. Ein äußerst frecher Diebstahl wurde heute am hellen Tage hier ausgesuhrt. Seit zirka 14 Tagen befand sich der Schweizer Kart Schön aus Oesterreichs-Ungarn in Diensten des Landwirts Heinrich, Seitz hier. Durch fleißiges Arbeiten und liebenswürdiges Wesen wußte Schön sich das vollste Vertrauen seines Dienstherrn zu erwerben, das er aber hinterlistiger Weise dazu benutzte, um sich mit den räumlichen Verhältnissen vertraut zu machen. Seit einigen Tagen klagte der Mann über heftige Schmerzen am Fuße, sodaß ihm gestattet wurde, sich öfter im Zimmer aufzuhalten. Heute früh um 8 Uhr, als die Familie Seitz im Felde und nur die über 60 Jahre alte Mutter des Bestohlenen im Hause und der Schweizer im Hofe beschäftigt war, vollbrachte der Dieb sein wohl schon seit einigen Tagen vorbereitetes Werk. Aus einige Minuten verließ auch die alte Frau das Haus, um in der Nachbarschaft etwas zu besorgen. Während dieser kurzen Zeit drang der Dieb in das unbewachte Wohnhaus und schlug mit einem jedenfalls vorher bereit gelegten Holzbeil die Kopfleiste einer im Parterrezimmer stehenden Kommode ab, in deren oberster Schublade eine kleine Kassette sich, befand mit über 1000 Mk. in barem Gelde, einigen Losen und sonstigen Wertsachen. Am Tatort ließ der Dieb das abgebrochene Beil zurück, die abgehauene Kopfleiste der Kommode aber schob er unter das im selben Zimmer stehende Bett, und über die Fläche der Komnrode breitete er sorgfältig wieder die Decke. Nach dieser „Arbeit"' verschwand der Dieb über den Hof, indem er eine Seitentür in der Scheuer benützte, die direkt nach dem Felde führt Mit dem Raube ging er sogar an der inzwischen zurück- gekehrten alten Frau vorüber, die nichts Böses ahnte. Der ganze Vorfall wurde erst eine halbe Stunde nach der Tat bemertt, da auch> die alte Frau lmrge im Hofe beschäftigt war. Einige befteundete Orts^inwohner setzten dem Diebe nach Entdeckung der Tat sofort in verschiedmeir Richtungen, sogar unter Mittrahme einer mächtigen dänischen Dogge, nach, doch leider erfolglos. Heute nachmittag fanden im Felde arbeitende Leute die gestohlene Kassette, die erbrochen und leer war. Der Dieb ist mittelgroß, hat langes, schwarzes Haar, ebensolchen Bart und schwarze Augen. Bis jetzt ist die Polizei auf der Such^ nach, ihm.
Ueriilischles.
♦ Berlin, 16. Ott. Die „Morgenpost" will erfahren, Prinz ProsperArenberg werde abermals auf seinen Geisteszustand untersucht werden, da er in der Strafanstalt zu Tegel neueAnzeichen geisti ger Minderwertigkeit gezeigt habe. Der Prinz sei deshalb zur Beobachtung in die Jrrenabteilung des Gefängnisses zu Moabit geschasst worden.
* Budapest, 15. Okt. In einer Kunstblmnenfabrik am Josephsring brach infolge Gasexplosion Feuer aus, das sich sehr schnell verbreitete und das ganze Gebäude vernichtete. Drei Arbeiterinnen sind verbrannt, drei sind verwundet.
Gerichtssaal.
Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich der noch nicht vierzehnjährige Schüler Groß ans Oberoltendorf bei Pirna vor der Straikarnmer in Bautzen zu verantworten. Der jugendliche Angeklagte, der erst vor kurzem wegen Drebstahls mü einem Verweise bestraft worden war, roni’bc zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.
5t o n st a n t i n o p e l, 15. Okt. Der dem 4. Korps-Kommando zugeteilte G eneral A l i Pascha rvurde wegen Hochverrat vom 51riegsgericht zur Degradatron und 7 Jahren
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19. S
Mchmittac
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Das Eil'gcsandt des Gießener Lehrervereins veranlaßt mich zur folgenden kurzen Feststellung:
Die Versammlung in Halle fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der von dem Lehrerverein angegriffene Bericht ist durch Indiskretion in die Presse gekommen und enthält Unrichtigkelten nnb Entstellungen.
1. In der Versammlung wurden überhaupt keine Satzungen beraten und beschlossen, am allerivenigsten ein von „Titulatur und Raugstellullg" sprechender § 1.
2. Eine nur ganz beiläufig und nebensächlich erfolgte Erwähnung der Volksschullehrer ist durch Die Form der Berichterstattung in ungebührlicher Weise in Den VordergrunD gestellt unD MißDeutungen ausgesegt worDen.
3. Es ist mirichtig, daß der Kampf gegen den deutschen Lehrer- verem als Ziveck oder Aufgabe des Verbandes bezeichnet wurde.
Wrn Mch Wen ,ich-n 3“< densaai-
Lorni Mrc »anv Wrni aelnemde.
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Festungshaft verurteilt. Sein Verbrechen bestand darin, daß ermit einer verbannteilPerfönlichkeitkorrespon- d i e r t hatte. *
Kunst und Wissenschaft.
Weimar, 15.Okt. Heute nachmittag wurde das Nietzsche-
Archiv vor geladenen Gästen eingeweiht. Italien, die Schweiz und Frantreich hatleir Vertreter entsandt.
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Richtig ist dagegen:
1. Die Organisation des deutschen Lehrervereins wurde in mancher Hinsicht als vorbildlich hingestellt.
2. Es wurde auf die in Volksschullehrerkreisen vorhandenen Bestrebllngen hingewlesen, die Seminarausbildung der durch unsere höheren Schulen übermittelten Bildung gleichgesetzt zu sehen, wodurch jederzeit Der Zutritt zum Studium imD zum Examen pro facultate docendi ermöglicht würDe. Solche Bestrebungen halte ich für übertrieben. _ Für Das Vorhandensein solcher Bestrebungen, auch in Hessen, führe ich heute hier nur einige Stellen an aus dem hessischen Lehrerkalender für 1903 S. 14 u. |. (Verlag von E. Roth, Gießen.) Dort heißt es:
„D ie allgemeine Forderuna lautet: Die Volksschullel)rer sind auf Gruiid ihres ^eminarzeugnisses zuin Studium auf der Hochschule zuzulassen. Diese Forderung linterschreibe ich voll und ganz, soweit darin aus- gesprocheri wird, daß die Bildung, welche sich der Lehr- amlsbeslissene auf dem Semmar erwirbt, derjenigen gleich geachtet wird, die die höheren Schulen ihren Schülern übermitteln. Auch schließe ich mich derselben an, soweit als darin ausgesprochen werden sollte, daß ein jeder Lehrer ohne Ausnahme „studieren" soll." Der Verfasser ist dagegen, daß „nur diejenigen 51andidaten zum Universitätsbejuch zugelassen werdeii, welche sich bereits durch ihre Leistungen in den vorgeschriebenen Prüfungen ausgezeichnet haben", u. a. weil „dabei noch die Gefahr nahe liegt, daß ein erheblicher TeilderdiesenBildungsgangeinschlagen- denLehrerderVolkssch ulegeradezudirekt verloren geht" und weil auch durch das Studium einzelner Lehrer „weder das Ansehen desStandes g e st e i g e r t, nod) die Wirksamkeit des Standes erhöht, noch seine materielle Lage geändert" werde." Der Verfasser verlangt vielmehr für den Anfang zwei Semester Umversitätsbildung für alle Volksschullehrer, weil „wir Volkssck)ullehrer doch vorerst einmal in die Reihe der Stände hinaufrücken würden, die sich Hock)schul- bllduiig bis i)u einem gewissen Grade erwerbeii müssen, und wir befanden uns einstweilen in wenigstens guter, wenn auch noch nicht in der besten Gesellschaft."
3. Es wurde der neu zu gründende Verband als berufen bezeichnet, den Bildungsstand der höheren Sck)ulen und ihrer Lehrer auf feiner alten Höhe zu erhallen und den Gefahren, die mit etwaigen Versuchen, ihn zu mindern, verknüpft sein könnten, zu begegnen.
Bestrebungen, die nur auf „Hebung der Volksschule" und der „Vertiefung der V o l k s f ck) u l l e h r e r b i l d u n g" gerichtet sind, entgegenzutreten, liegt der neuen Organisation vollständig fern.
Gießen, 15. Oktober 1903.
Professor Block.
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Das heutige Eingesandt, welches mitteilen wollte, daß ich mir in Halle ungerechte Angriffe gegen den Lehrerstand erlaubt hätte, benutzt auch die Gelegenheit, sich mit früheren Bestrebungen der akademisch gebildeten Lehrer Hessens zu beschäftigen.
Es ist richtig, daß der Verein akademisch gebildeter Lehrer, der sich damals noch nicht hessischer Oberlehrerverein nennen konnte, die Verleihung eines einheitlichen Amtslitels erbat au Stelle der verschiedenen Titel, die sich damals nach der Anstalt richteten, an welcher der heutige Oberlehrer gerade angestellt war. Wenn dieser Titel Amtstitel fein sollte, mußte er sich von dem Titel für seminaristisch gebildete Lehrer unterscheiden. Die Herren, die selbst nach der Hochschulbildung streben und damit die Hochachtung von dieser Bildung zum Ausdruck bringen, durften an dieser Berufung auf unsere besondere Vorbildung und die daran geknüpften Folgerungen keinen Anstoß nehmen. Daß die Regierimg dann fid) für die Verleihung des Oberlehrertitels eritschied, wird durd) die Tatsache zil erklären fein, daß der größte deutsche Staat, Preußen, diesen Titel als Amtstitel für akademisch gebildete Lehrer schon lange eingeiührt hatte. Daß Die seminaristisch gebildeten Lehrer- Hessens dann den Oberlehrettitel verloren, müßte ihnen nack) der BeweisführiMg des Gießener Lehrervereins nur angenehm sein, denn sie teilten ihn bis dahin mit eilt em anderen Stand, dem Stande der preilßifchen Oberlehrer. Der Professortitel wurde lange, ehe ein Verein bestand, an ältere, akademisch gebildete Lehrer verlieben. Tie Verleihung entsprack; der Verleibung des Ratsranges an andere akademisch gebildete Kategorien (Regierungsrat, Domänenrat, Finanzrat, Amtsgerichtsrat). Als das Beamtengesetz im Jahre 1897 für alle akademisch gebildete Beamten gleiche Gehaltsstufen und gleiche Aufrückungsfristen brachte und im Zusamnienhang damit die Verleihung des Ratsranges an den Eintritt in eine bestimmte Gehaltsklasse gebunden war, war es eine ^olge dieser übereinstimmenden Regelung, daß auch den akademisch gebildeten Lehrern der Ratsrang — ausgedrückt durch die Verleihung des Professortitels — mit dem Eintritt in diese Gehaltsklasse zu teil wurde.
Ich selbst habe übrigens in emer Generalversarnrnluna m Frankfutt vor einigen Jahren darauf hingewiesen, daß zur Vermeidung von Verwed)slungen der Titel Gymnastalprofessor für uns richtiger fei, in der deutschen Fachpresse tritt immer mehr der Wunsch hervor, auch nach dieser Seite eine Unterscheidung zu sehen, und wenn Der neue deutsche Oberlehrerverem - sich einmal, wie er dies angeblich ja schon nach § 1 seiner Satzungen tun muß, mit der Tllelfrage der deutschen Oberlehrer beschäftigen sollte, so wird er vielleicht und) hierin Klarheit herbeifuhren, wie er dies in manchen anderen Dingen zu tun berufen ist.
Gießen, 15. Oktober 1903.
Im Namen des Hessischen Oberlehrervereins: Block, Vorsitzender.
*) Nachdem nun diese der breiten Oeffentllchkeit fernliegende Angelegenheit von beiden Seiten unifangreich erörtert wordeii ist, erklären wir unsererseits die Diskussion für geschlossen.
D. Red. d. Gieß. Aiiz.
aus M KircheubiiHmi der Stadt Gieße».
Evangelische Gemeinde.
Getraute. M a t t h a u s g e m e i n d e. Den 26. September. Friedrich Karl Heinrich Preis, Ätasd)inist in Gießen, und 2)larie Charlotte Hill aus Gießen.
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