Ken Großh. Bamnspektor Krauß und den Architekten Eb- hardt gemeinsam ausgesührt. Dte Arbeiten dauern noch fort und haben bereits hochinteressante Ergebnisse gehabt. Die Kunde sollen zu einein Burgmuseum zusammengestellt werden und dürften einen weiteren Anziehungspunkt dieses schönen Ausflugsortes bilden. Die anschließenden Arbeiten werden noch den Herbst in Anspruch nehmen. Ueber die Erhaltung soll ein erschöpfendes Programm für eine Reihe von Jahren un voraus durch Ebhardt ausgestellt werden.
Mainz, 15. Sept. Ein verwegener Diebstahl ist gestern in der Rheinstraße verübt worden. Ein Unbekannter öffnete mit einem Nachschlüssel die Vorplatztür und stahl dann auS einem Zimmer eine Geldbörse mit 120 Mk. Sonst ließ er alles unberührt. — Um eine Zigarette sprach in der vergangenen Nacht in der Klarastraße ein 18 Jahre alter Bursche einen Mann an. Als er keine erhielt, zog er sein Messer und stach es dem anderen in die Seite. Der gefährliche Mensch wurde noch in der Nacht aus einem Easö heraus verhaftet.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Machbar st aaten.Jn Offenbach wurde die Leiche des Gastwirts Kasimir Rudorf, der jahrelang die Restauration „Zum grünen Baum" betrieb, ans dem Main gelandet. Er hatte abends zuvor einen Spaziergang mit einem Freund gemacht, von dem er nicht mehr nach Hause zurückkehrte. Die Todesursache ist bis jetzt noch nicht bekannt. — Dre Silberne Hochzeit des Grafen Georg Albrecht zu Erbach-Erbach und der Gräfin Erika, Prinzessin zu Stolberg-Stolberg, fand am 12. d. M. in Erbach i. O. statt. In anbetracht der Trauer, in welche die Gräfin durch drei Todesfälle im Verlaufe eines halben Jahres versetzt worden, hatte man von größeren Feierlichkeiten Abstand genommen.
Vermischtes.
Leipzig, 15. Sept. Der Stationsvorsteher und Kassierer der Ortskrankenkasse in Buttstaedt, Landgraf, wurde gestern abend wegen. Unterschlagung bedeutender amtlicher Gelder verhaftet.
* Breslau, 15. Sept. Zur Verhütung von Bachwasserkatastrophen sollen in Oberschlesien Avei 50 resp. 5 Millionen Kubikmeter Wasser fassende Talsperren errichtet werden.
' ‘ * Bromberg, 15. Sept. Der Maurer Spang erschoß den 11jährigen Sohu des Zellmachers Zabel mit einem Gewehr; der Mörder wurde verhaftet. Er gab als Motiv „Aerger über den Sun gen" an.
* München, 15. Sept. Der Name der Familie, die sich im Walchensee ertränkte, lautet Schmidt. Sie stammte aus Norddeutschland. Das Motiv der ^at scheinen Nahrungssorgen gewesen zu sein.
* Christiania, 15. Sept. In einem großen vierstöckigen Gebäude in der Gvngenssrraße brach heute vormittag Feuer aus, welches sich mit großer Schnelligkeit verbreitete. In den Flammen sanden 9 Personen den Tod. —
* Paris, 15. Sept. In der Nähe der Augustinerkirche auf dem Boulevard Malesherbes explodierte gestern eine Bombe, welche mit Jagdpulver und Papier- psropfen geladen war. Die Fensterscheiben eines Hauses wurden zertrümmert. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Man glaubt, daß es sich mehr um einen „schlechten Witz" als um ein Attentat handelt.
* Vesoul, 15. Sept. Das Automobil des Groß- Sudustriellen Schwander, der mit seiner Frau und zwei Kindern eine Vergnügungsfahrt unternahm, stieß gestern abend gegen ein unbeleuchtetes Fuhrwerk, wobei Schwander so schwer verletzt wurde, daß er auf der Stelle starb. Die übrigen Insassen des Automobils kamen mit leichten Verletzungen davon.
Marseille, 15. Sept. Sm G.meinderat gab Bürgermeister Chanot beruhigende Erklärungen ab über die in der Stadt vorgeoommenen Erkrankungen und sprach sein Bedauern dartiber aus, daß in die französische und die auswärtige Presse über die Krankheit übertriebene Berichte gelangt seien und dadurch die auswärtigen Regierungen zu Maßregeln veranlaßt hätten, welche durch nichts gerechtfertigt wären.
* Gerolstein, 15. Sept. Die Füllanlagen des Gerolsteiner Sprudel (SNarke roter Stern) wurden zum größten Teil em Raub der Flammen. Der Betrieb wird in einigen Tagen wieder ausgenommen.
* Warschau, 15. Sept. Polizei verhaftete drei Hochschüler, die den Gutsbesitzer Touraszewski beim Kartenspiel ermordet und 140M Rubel geraubt haben.
* Tollwut. Wie aus Myslowitz gemeldet wird, wurden dort 17 Personen von einem aus Rußland zugelaufenen Hunde, bei dem dann Tollwut festgestellt wurde, gebissen. Die Leute wurden in das Pasteuv,che Institut nach Berlin geschafft.
* Erdbeben auf dem Rigi. Wie man aus Zürich meldet, wurde dort am 15. d. M. auf dem Rigi während eines Schneesturmes ein Erdbeben wahrgenommen, das von donner ahm ich em Rollen im Innern des Berges begleitet war. Auch im Engadin wurden Erdstöße be- o dachtet.
Kunst und Wissenschaft.
— Prozessor D r. Ernst S t ü ck e l b e r g ist nach /chwerem beiden in Basel, 72 Jahre alt, verschieden. Der Künstler war der Schöpfer der prachtvollen Fresken in der neuen Tell-Kapelle am Vierwaldstätter See. Die Museen von Basel und Eöln enthalten meisterliche Gemälde Stückelbergs, dessen bedeutendstes Wert wohl sem großes Freskogemalde „Das Erwachen der Kunst" ist, das sich in der Kunslhalle zu Basel befindet.
— DieAktensundedesPros.Schulte. Das offiziöse „$ß. T. B." verbreitet folgende Auslassung: Ein Teil der Tagespresse hatte, anknüpfend an Meldungen von einem Ablaßakten- funde des bisherigen Leiters des preußischen historischen Instituts, Professors Schulte, das Gerücht verbreitet, der Reichskanzler und ba§; preußische Kultusministerium wünschten aus Liebedienerei gegen Rom die Publikation des Fundes zu verhindern. Nach den von der „Deutschen Literaturztg/ über die Angelegenheu eingezogenen zuverlässigen Jnfsrmationen ist der Sachverhalt folgender : Nach § 11 des Statuts des preußischen historischen Instituts besitzt das Kuratorium das freie Verfügungsrecht über Arbeiten der Mitglieder des Instituts. Es hat nach Vorlegung der Manuskripte und, nachdem es den wissenschaftlichen Betrat zur Sache gehört, seine Entscheidung in dem Sinne zu treffen, daß die jeweilige Arbeü entweder unter die Veröffentlichungen des Instituts ausgenommen oder dem Verfasser zu beliebiger wissenschaftlicher Verwertung überlassen wird. Dem- gemäß war zunächst abzuwarten, bis das Manuskript der Schulte- 'schen Arbeit ferttggesteltt war. Darüber sind natürlich Monate vergangen. Nachdem jetzt das Manustript dem Kuratorium vor- liegt, wird die Angelegenheit den statutenmäßigen Verlauf nehmen und zunächst der wissenschaftliche Beüat damit befaßt werden. Daß für diesen aber lediglich das Interesse der freien Forschung maß
gebend ist, ist selbstverständlich. Es ist überhaupt in dieser Beziehung daran zu erinnern, daß Prosessor Harnack den Vorsitz im Beirat führt, und daß dessen vier übrige Mitglieder ebenfalls hochan- gesehene Historiker sind. Der gutachtlichen Aeußerung des Beirats darf also mit vollem Vertrauen entgegengesehen werden. Daß das Kuratorium dem Vottim seiner wissenschaftlichen Instanz sich auch in diesem Falle anschließen wird, ist ebenfalls mit Zuversicht zu erwarten. Die „Deutsche Literaturztg/ schließt: Aus dieser Darlegung wird sich für jeden Unbefangenen ergeben, daß in der ganzen Angelegenheit lediglich nach den aus den wissenschaftlichen Erwägungen hervorgegangenen Bestimmungen des Statuts des historischen Instituts verfahren ist, und daß daber von einem durch fremdartige Gesichtspunkte geleiteten Eingreifen der Behörden Nicht die Rede sein kann. Es gehört also auch das angeblich vom Reichs- kanzler empfohlene „Ignorieren" ins Gebiet der freien Erfindung.
Universitäts-Nachrichten.
Budapest, 15. Sept. Der Rektor der Universität, Dr. Heinrich, hat unter Androhung der schwersten Folgen jede Teil- iiahme der Studenten an der politischen Bewegung verboten und eine für heiüe anberaumte Kundgebung untersagt.
Ntteralur.
„Der ästhetische Genuß". Einem kürzlich im I. Rickerschen Verlag Alfr. Töpelmann in Gießen herausgekommenen Buche des Gießener Philosophen Karl Gross „Der ästhetische Genuß" widmet Dr. Theodor Poppe eine sehr anerkennende Besprechung in der „Franks. Ztg.", eingangs darauf hinweisend, daß diesem Bande, der die all» gemeinen Bedingungen des ästhetischen Genusses erörtert, drei weitere mit Spannung zu erwartende folgen sollen, denn Groos gehöre zu den vier oder fünf wissenschaftlichen Vertretern der gegenwärtigen deutschen Aesthetik, die ihr etwas Positives hinzuzusügen haben. Poppe berührt kurz die Grundgedanken intbi die Einteilung des Werkes und jagt zum Schlüsse: „Aus d?r Fülle von anregenden Gedanken, dre Groos au^ dem behandelten weitschichtigen Gebiete zu- trömen, seien zwei, als für die Aesthetik des Verfassers besonders charakteristisch, andeutungsweise hervorgehoben. Einmal die Unterscheidung von angenehmen und intensiven Reizen in ihrem Wert für den ästhetischen Genuß und allgemeiner sür p asjDpiel, schon in Iden „Spielen der Äienschen" ausführlich erörtert. In dem vorliegenden Buche legt Groos die außerordentlich weitreichende Bedeutung dieser Unterscheidung für jdne kunstgeschichtliche Entwicklung dar — übrigens in geradezu glänzender Weise. Dann die Beteiligung von Organempfindungen beim ästhetischen Genuß, die von der deutschen Aesthetik im allgemeinen etwas gering geschätzt, für Groos nicht etwa den Genuß selbst, sondern lediglich eine Verdichtung und Verstärkung bedeuten, für den ästhetischen Genuß eine, msit Lotze zu reden, „eigentümlich florierende Gewalt" haben. Einen wirklich intensiven Genuß hält Groos,, und zwar gerade bei ästhetisch besonders ein veranlagten Menschen, nur auf Grund solcher mitspie- ender sensorischer Faktoren für möglich. — Tie Beschäftig-- ung mit dem vortrefflichen, übrigens auch llar und elegant geschriebenen Buche kann nur angelegentllch empfohlen werden."
Landwirtschaft.
Hungen, 14. Sept. Am vorigen Freitag unternahmen Oberland es stallmeister v. Wlllich, Rittmeister Nägele, zwei Herren v. Riedesel und Gutspächter Müller Neuhof b. Lang- Göns unter Leitung des Herrn Klingelhöffer Hof-Graß eine Besichtigung der Fohlenweide Tiergarten. Die Herren gewannen von der Weide ein ganz anderes Bild, als sie es sich vorgestellt ballen und sprachen sich über die Einrichtungen sehr befriedigt aus. Die Verwaltung der Jungviehweide versendet soeben ein Zirkular an die Fohlenbesitzer, in welchem dieselben aufgesordert werden, ihre Fohlen über Winter im Tiergarten in Pflege zu geben. Tie Probe wurde im vorigen Winter gemacht und hat sich bewährt, sodaß bei den geringen Kosten, die den Besitzer erwachsen, zu hoffen ist, daß auch im nächsten Winter eine größere Anzahl Fohlen im Tiergarten belassen wird. (L. P.)
Darmstadt, 15. Sept. Tas Kreisamt Darmstadt macht bekannt, daß mit Rücksicht auf die starke Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in den Regierungsbezirken Wiesbaden und Koblenz der Handel im Umher- ziehen mit Klauenvieh (Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schwellten) im Kreise Darmstadt auf Grund der Reichsgewerbeordnung bis zum 1. Januar 1904 verboten ist.
Groß-Urn st ad t, 14. Sept. Eine ähnliche l a n d w i r t = chaftliche Ausstellung, wie sie in Gießen stattfand, wird hier am 26., 27. und 28. d. Ai. abgehalten werden. Etwas besseres Wetter als die Gießener Veranstaltung dürfte sie schon haben. Folgende Festordnung ist aufgestellt: Samstag, den 26. September, vormittags 8 Uhr: Empfang der Ehrengäste am Bahnhof; 9 Uhr: eierliche Eröffnung der Tierschau und Produktenausstellung - von 9 Uhr ab: Arbeiten der Preisrichter; nachmittags 1 Uhr: Preisverteilung und Vorführung der prämierten Rinder und Pferde; 2 Uhr: Festessen im Gasthaus „Zum Lamm"; außerdem nachmittags Konzert auf dem Ausstellungsplatz. Sonntag, den 27. September, vormittags 9 Uhr: Eröffnung der Produkten- und Geräteausstellung; nachmittags 1 V4 Uhr: Beginn des großen landwirtschaftlichen Festzuges ; von nachmittag 2 ljt Uhr an Konzert auf dem Festplatz, Tanz, Volksbelustigungen; abends 8 Uhr: Festball in mehreren Sälen der Stadt. Acomag, den 28. September, vormittags 8 Uhr: Eröffnung der Produkten- und Geräteausstellung; 9 Uhr: Beginn des Faselmarktes; 10 Uhr: Faselkörung und Prämiieruiig ; U ÜHr: Frühschoppen auf dem Festplatz mit Acusik; von nachmittags 2 Uhr an Konzert, Volksbelustigungen, Jugendspiele; 3 Uhr: öffentliche Verlosung in der Ausstellungshalle. Besonders wird ausmerksam gemacht auf die Bezirkstierschau am Samstag, die sehr gut be- chickt jein wird, auf den großen Festzug am Sonntag, der, von einem Sachverständigen aufgestellt und geleitet, bei der opferwilligen Mitwirkung der ganzen hiesigen Bevölkerung der Glanzpunkt des Festes zu werden verspricht, und auf den Faselmarkt am Montag, dem um 8 72 Uhr eine Versteigerung von Bullen, Simmentaler Rasse, die von Herdbuchtieren abstammen, vorausgeht.
w. Frankfurt, 14. Sept. Die von der Zentralstelle für Obstverwertung um) Lbstmarklkomitee Frankfurt a. M. veranstalteten diesjährigen Kelter ob st märkte finden am 21. und 28. September und 5. Oktober in der Stadthalle, Klostergasse Nr. 14, Frankfurt a. M. statt. Die Märkte beginnen jedesmal morgens 8 Uhr uni) endigen mittags 1 Uhr.
Stuttgart, 15. Sept. Da dieMaul- und Klauenseuche plötzlich in einer Reihe von Bezirken aufgetreten ist, hat der Minister des Innern ein Verbot des = bietens vonSchweinen im Umherziehen erlassen.
Gerlüstsjaal.
Saarbrücken, 15. Sept. Vor der heutigen Strafkammer stand der Kaufmann Friedrich Waltzinger aus Ottweiler wegen Steuerhinterziehung. Er hatte fein Eirikommen in den letzten Sagten auf jährlich etwa 8000 All. deklariert. Die Steuerbehörde zweifelte stets diese Summe an und reichte jetzt Klage gegen Waltzinger ein. Festgestellt wurde, daß dieser ein jährliches Einkommen von 22000 All. hatte, worauf er zum achtfachen Betrage der hinterzogeiien Stcueriumme in der Höhe von 2609 6 Mk. verurteilt ivurde. Bei der Beurteilung des Falles fiel erschwerend ins Gewicht, daß Waltziiiger selbst stellverlletendes Mitglied der Steuereinschätzungs-Kommlsston war.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Essen a. d. Ruhr, 15. Sept. In der heutigen Zechenbesitzer- Versammlung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensv n d i k a t e s waren sämtliche Zechen nut Ausnahme der Gewerkschaft Eivald und des Atagdeburger Bergwerksvereins vertreten. Die Anwesenden sotten den neuen Vertrag unterschreiben, wobei die Unterschriften bis zum 30. September abends binden und der Ver- llag ziistande gekommen ist, wenn bis zu diesem Zeitpunkt alle Unterschriften eingegangen sind. Es wurde nach längeren Verhandlungen eine Verständigung erzielt, wonach ,amtliche Zechen dem neuen Syndikatsvertrag beitreten, ausgenommen die Zeche „Freie Vogel und Unverhofft" und die Magdeburger Bergwerks- gcsellschaft. Die Erklärung der letzteren wird morgen erfolgen, während sich „Freie Vogel und Unverhofft die Erklärung bis zum 30. September vorbehält. Für den 10. Oktober ist eine neue Zechenbesitzer'Versammlung zur Wahl eines Ausschusses für die Verhandlungen mit den bisher ausstehenden Zechen vorgesehen.
— Vom Geldmarkt. Es ist eine Versteifung des Pnvat- diskonts eingetreten. Dian rechnet daher immer mehr damit, daß die Reichsbank noch in diesem Monat, wahrscheinlich schon anfangs1 nächster Woche, zu einer Diskonterhöhung schreiten wird. Bei einem Privatdiskont von 37/s Prozent berechnet sich der Zins einschl. fcer: Gebühren ohnehin auf 4 Prozent. Voraussichtlich dürfte der Diskont gleich um ein volles Prozent in die Höhe gesetzt werden.
— Von der Börse. Zum Berliner Börsenhandel sind 2 Millionen Mk. 3i/2prozentiger Anleihe der Stadt Remscheid vom Jahre 1903 und 31/a Millionen Mk. Anleihe der Stadt Ätarburg zugelassen.
Markte.
Hungen, 15.Sept. Der gestrige Prämiierungsni arkk hatte unter der schlechten Witterung sehr zu leiden. Der Auftrieb an Schweinen war zwar gut, dagegen waren Ochsen, Kühe und Rinder gegenüber dein Vorjahr weniger stark vertreten. Die Schweinepreise waren gut. Ochsen wurden von verschiedenen Gemeinden gehandelt. Die Prämiierung litt naturgemäß unter dem chwacheri' Austrieb, sodaß nicht alle vorgesehenen Preise zur Verteilung gelangen konnten.
a. Marburg, 15. Sept. Dem heutigen Herbst-Pferde- markt waren trotz des ungünstigen Wetters 229 Pferde zu- getxieben. Der Handel entwickelte sich recht lebhaft, u. a. kaufte das Pferdemarktkomitee 16 Pferde, bez. Absatzfohlen, zur Verlosung an. Von 9 Uhr an konzertierte die städtische Kapelle, nachmittags 3 Uhr fand die Verlosung statt. Der 1. Hauptgewinn, ein kompletter Zweispänner — die Pferde, zwei prächtige Grauschimmel, waren von Frensdorf in Gießen — ist, wie verlautet, nad) Groß- Seelheim gefallen. — Ein fremder Händler wurde von seinem eigenen Pferde so unglücklich vor den Leib getreten, daß er be- sinmmgslos vom Platze getragen werden mußte.
NeurjU
L o u d o n, 16. Sept. Die Blätter weisen darauf hin, daß eine soeben erschienene Broschüre von Balsr.ur Chamberlains handelspolitische Vorschläge nrcht erw.chnt mrd auch> keinen Hinweis aus den Zusammenbruch des Reiches, mit dem gedroht wurde, oder auf die Vorzugs.arise enthält. „Daily Graphic" meint, es könne nicht bezwefielt werden, daß Chamberlains Stellungim Lande wejeutlich^ erschütterst sei. „Daily News" andererseits rst der An^ sicht, Balfour Hube sich offen zu Chamberlains Politik bekannt.
Madrid, 15. Sept. (Havas-Meldung.) Aus Marokko hier eingegangene Prcvat^elegrainme besagen, daß der Kom- mandarrt der marokkanischen Truppen bei Beni-Ussi milt 600 Mann gefallen sei; der Sultan selbst sei beinahe in Feindeshände geraten.
M a r b u r g a. d. D r a u, 16. Sept. Das Hochwasser hat einen über die Drau führenden Steg weggerissen. 10 bis 15 Personen, darunter 2 Polizisten, die sich auf deut Stege befanden, sind wahrscheinlich umgekommen. Auch die große Draubrücke ist in Gefahr. Aus allen Teilen der Alpen treffen fortwährend Hiobsberichte über Verheerungen ein. Alle Bäche und> Flüsse sind aus den Ufern getreten. Tas Wasser steigt stetig.
Belgrad, 16. Sept. In Serbien sind in den letzten Tagen eine ganze Anzahl von macedonischen Banden gebildet worden, die teilweise aus Montenegrinern, zumeist aber aus Macedoniern bestehen, die sich in serbischen Diensten befinden. Der Uebergang über die Grenze ist aber nicht ganz leicht, da die türkischen Grenztruppen jede Grenzüberschreitung zu verhindern suchen. Ter russische Konsul hat die russische Regierung von diesen Vorgängen offiziell in Ketrnllris gesetzt. — fliach einer Meldung aus Sofia dauern im Bezirk Kirkilisse die M a s s e n - M e tz e - leien fort. Tie im Gefängnis befindlichen Bulgaren find von ihren türkischen Mitgefangenen niedergemacht woroen. — Bei den letzten Kympfen der türkischen Truppen mit einer starken Bulgarenbande im Bezirk Ochrida sollen von den Insurgenten der Füh r er und 200Man n gefallen sein, während die türkischen Truppen nur 6 Tote hatten. — Trotz des bereits ergangenen Dementis bleiben Belgrader Blätter dabei, daß in der Nacht von Samstag zu Sonntag geplant war, in die Belgrader Festung einzudringen, um die verhafteten Offiziere zu befteien und die Königsmörder umbringen zu lassen. Infolge der Entdeckung dieses Planes seien auch die Wachen an der Donau verdoppelt worden. Weitere Verhaftungen in fccr Angelegen^ heit des Rischer Komplotts seien nur^deHhaw nicht erfolgt, weil man den Anschein vermeiden möchte, daß die Angelegenheit größere Bedeutung habe.
Belgrad, 16. Sept. Gegenüber dem im Auslande verbreiteten Cominunique, wonach die gesamte serbische Bevölkerung aus feiten der Königsmörder steyt, kann schon heute mitgeteilt werden, daß die Skuptschina es ablehnen wird, den M i t g l ie d e r n der königlichen Familie Sonderrechte einzuräumen. — Zahlreiche Offiziere fahren fort, ihre Charge niederzulegen und sich in das Ausland zu begeben. Tie Desertionlen von Mannschaften in der serbischen Armee mehren sich in erschreckender Weise.
Telephonischer Kursbericht
8'/u Mexikaner
. 101.00 . 89.03 . 101.25 . 89.03 . 100 15 . 99.02 . 101.55
100.04 . 99.02 . 102.07 . 00.00 . 1 31.00 . 34 05 . 127.04
372% 3% 3V,% 3% 37g%
37,96 Oberhessen . .
456 Oesterr. Goidrente .
47v§6 Oesterr. bilberrenie 4% Ungar. Goldrente .
4o/j Italien. Rente . .
47,26 Portugiesen . . 3°/ Portugiesen. . . .
1% C. Türken . . .
Türkenlose.....
. 27.— . 91.05 . 97.04 . 10103 . 201.05
1'5.06 . 133.09 . 146.0'3 . 152,06 . 138.05 . 16.08 . 188.75 . 827.75 . 183.05
4%% Chinesen . Electric. Scluckerc . Nordd. Lloyd.
Kreditaktien Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank Dresdener Bank . . Beniner Hundelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden , . , Gotthanibahn . . . Lauranütte . . , . Bochum . . ,
Reichsanleihe do.
Konsols . do. . .
Hessen
4% Griech. Monopol.-Anl. 41,„% äussere Argentiner
43.04
00.00
Harpener
. 184.25
Tendenz: abgeschwächt.
Schiffsimchrichten.
Norddeutsch er Lloyd.
Bremen, 15. Sept. (Per transatlantischen Telegraph.) Tv Doppelfchrauben-Postdampfer „König Albert", Kapitän E. Polak, vom Storddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 2 Uhr morgens wohlbehalten in New-Port angekommen.


