Ausgabe 
16.9.1903 Erstes Blatt
 
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Vermischtes.

* lieber einen Unfall Tolstois berichtet man aus Petersburg: Am Tage nach seinem 75. Geburtstage (11. September) sah sich Tolstoi bet einem Spazierritt ge­zwungen, vom Pferde zu steigen und sein Pferd am Zügel über einen Graben zu führen. Dabei trat das Pferd aus einen Fuß Tolstois, der anfangs nicht besonders schnlerzte, päter aber stark zu schwellen und zu schmerzen begann, sodaß Tolstoi das Bett aussuchen mußte.

* Unwetter. Me aus Swtinemünde berichtet wird, herrscht dort ein heftiger Erbost mit schwerem Un­wetter. Der Stturrn hat die Holzstöße der Badeanstalten ortgerissen, Bäume abgebrochen und weiteren Schaden an­gerichtet. Jnsolge des Unwetters strandete an der Ost­mole das Schiss Wilhelmine aus Wolgast mit zwei Mann Besatzung. Gin Bootsmann ertrunken. Ferner ind vier Fischerboote auf der Schelde bei Antwerpen gesunken. Tas Fischerboot Nr. 14 mit 6 Mann, Nr. 25 mit 4 Mann und Nr. 22 mit ebenfalls 4 Mann sind unter-

«ich ofae poNzeMches Verbot das Setasten der Ware nicht kennt. Einer nnserer Leser schreibt uns' ..Ich JJ'a3 nicht, von hausiere nden Bäckcrjungen eine Fasten- brcRel M kaufen, da ich regelmäßig beobachten kann, wie man, ehe eine als zusagend befunden wird vorher eute größere Anzahl durch die Finger gehen laßt, um sie auf ihreKnusprigkeit" zu Prüfen. Eines großen Uri. fugs den man hier häufig beobachten kairu, sei gleichzeitig gedacht, daß Bückerjungen Teere Backwarenkörbe über ihren Kopf gestülpt heimtragen; gleichfalls sehr appe- tttlich'" Neben den Bäckermeistern wäre ober auch den Restaurateuren zu empfehlen, in chrem und ihrer Kundschaft Interesse gewissen übel erzogenen Elementen den Brotkorb höher zu hängen. Gar manchem vergehMder ^wpetit und er unterläßt es, sich eine Speise zu bestellen, wenn er sieh^ wie ein Gast am Nebentisch drei, hier Brötchen erst zerdrückt und prüft, ehe er sich fürs tnerte oder fünfte entscheidet. Wenn do nicht in jedem einzelnen Falle der Mrt selbst sich eine solche Unart mit höflicher Entschiedenheit verbittet, so wird da feine Besserung ein- rreten.

** Neue Ansichtspostkarten wurden uns von Herrn Peter Muth in Bad-Nauheim auf den Redaktionstisch gelegt, öie sind wirklich überraschend hübsch und von feiner, geschmackvoller künstlerischer Ausführung. Jede einzelne zeigt einen Eharakterkops und die ersten Noten eines Musikstückes. Eine der Karten zeigt das Porträt unseres Großherzogs, darüber eine medllche kleme Ansicht von Nauheim, darunter die ersten drei Takte des Nauheimer Sprudelmarsches, das Ganze stillooll umrahmt uon zwei lomschen Säulen. Eme andere Karte zeigt den Kopf einer jungen ober bessischen Schönen und die ersten Takte des HessenliedesPom Vogelsberg zum Rheine" rc. rc. Die Karten werden jedenfalls viele Freunde finden.

§ Butzbach, 15. Sept. Verflossene Woche war es em Jahr, daß mit Einverständnis der preußischen Regierung auch an Dienstagen regelmäßige Schubtransporte von Sträflingen ab Hetzbach - Beerfelden über Frankfurt- Hauptbahnhos hierher stattfinden. Die Einrichtung hat sich angeblich gut bewährt. Kommenden Sonntag und Montag findet in dem benachbarten Nie d er-Weisel das herkömm­liche Kirchweihfest statt.

R. B. Darmstadt, 15. Sept. Me wir aus zuver­lässigster Quelle erfahre^ wird die Ersatzwahl für die beiden Darmstädter Landtagsmandate auf einen der letzten Tage des ^ptember anberaumt werden. Von frei» sinniger Seite wird bekanntlich an den beiden mit wenigen Stimmen Mehrheit gewähllen Kandidaten Sa eng und Langenbach festgehalten werden; bei ben Natio- nalliberalen besteht die Absicht neben Landgerichts­rat Buff den Stadtverordneten Architekt Heinrich Müller aufzustellen, da Oberbürgermeister ^Rorneweg eine neue Kandidatur ablehnte. Der Sonderausschuß der 2. Kammer zur Vorberatung der laudständischen Ge­schäftsordnung trat heute vormittag zu seiner ersten Sitzung zusammen; von den 12 Mitgliedern waren 7 er­schienen. Der Ausschuß erörterte heute zunächst nur in einer allgemeinen Beratung die einzelnen wichtigen Be­stimmungen der Vorlage und beschloß, in ca. 8 Tagen eine neue Sitzung anzuberaiuueu, zu der auch die für ben Gesetz­entwurf bestimmten Regieruugsverrreter eingeladen wer­ben sollen.

Hanau, 14. Sept. Der kürzlich verstorbene Z i g a r r e n- fabrikant Friedrich Jung, welcher es seit einer langen Reihe von Jahren verstand, sich das Wohlwollen und das Vertrauen seiner Mttbürger in höchstem Grade zu erwerben, hat sich als ein Mensch entpuppt, welcher erhebliche Unter­schlagungen begangen hat. Unbegreiflich ist es, wohin Jung die Summen gebracht hat, da er eine sehr einfache Lebensweise und einen geregelten Haushalt führte. Auch die beiden Teilhaber des Jungschen Geschäftes (Firma F. L. Voll­bracht Nachs.) erleiden durch das sträfliche Handeln Jungs schwere Verluste. Jung war lange Jahre Mitglied der städtischen Körperschaften und genoß wegen seiner eifrigen Wirksamkeit im Dienste der Stadt das größte Ansehen.

Kleine M U t. . ; j h a u s \ esseu und ben

Nachbarstaaten. Das hessische Ministerium des Innern hat den Rekurs von über 200Grundeigentümern von Kastel gegen die Entscheidung des Provinzialausschusses der Pro- vmz Rheinhessen, nach welcher die Süddeutsche Eisenbahn- Gesellschaft in das Gelände zur Erbauung der elektrischen Nebenbahnen MainzWiesbaden und MainzVieb- cichSchierstein eingewiesen wurde, verworfen. Damit steht nunmehr der Fertigstellung dieser Linien nichts mehr im Wege. Bei der kommunalständischen Versteigerung von Aepfeln und Birnen auf der Friedberg-Hom­burger Bezirksstraße vor und hinter Köppern wurde die Ernte von 324 Bäumen zu 287 Mk. verkauft; außerdem 1133 Kilogramm Fallobst, alles von besseren Sorten, zu 67,98 Mk., mithin 100 Kilogramm zu 6 Mk. Bei der Versteigerung im vergangenen Jahre sind 1934.50 Mk. ge­lost worden. In Frankfurt a. M. bewilligten die Stadtverordneten 15 000 Mk. für die Ueberschwemmten in Schlesien.

Alkoholgenusses durch Verordnung des Bundesrats erlassen werden. Ebenso sei gegen den Mißbrauch von Morphium und ähnlichen Giften, sowie gegen die Syphilis vorzugehen. Das Gesetz soll Normen vorsehen zwecks Durchführung einer allgemeinen Fürsorge für die außerhalb der Irrenanstalten befindlichen Geisteskranken und allgemeine Anzeigepflicht anordnen. Die Privatirrenanstcllten sollen aus der Reichs- gewerbeordnuna gestrichen und in das Reichsirrengesetz aus­genommen werden.

Was den Irr en sch utz anlangt, so ist im ganzen zuzugeben, daß die gesetzlichen Grundlagen für die zwangs­weise Internierung eines Geisteskranken nicht allenthalben befriedigende sind. Es sind daher besttmmte gesetzliche Normen aufzustellen, von deren Erfüllung die Ausnahme, die Festhaltung und die Entlassung eines Geisteskranken abhängig zu machen finb. Im Interesse einer wirksamen Heilbehandlung sind die Aufnahme-Formalitäten möglichst einfach, das Aufuahmeverfahren ist kurz und schleunig zu gestalten.

Hauptversammlung des Wedizinal-Neawten- Jereius.

IN Leipzig hat unter dem Vorsitz des Geh. Medizinal­rats Dr. Rapmund-Minden i. W. die zweite Hauptver­sammlung des Deutschen Medizinal-Beamten-Vereins be­gonnen. Den Geschäftsbericht erstattete Medizinalrat Dr. Flinzer-Plauen i. V. Er tellt mit, daß der Verein jetzt 1249 Mitglieder zählt, sodaß ihm nunmehr über zwei Drittel sämtlicher deutschen Medizinalbeamten angehören.

Die materiellen Verhandlungen erstrecken sich auf die reichsgesetzliche Regelung des Irren wesens. Zur Besprechung dieser Frage waren drei Berichterstatter bestellt: Landesrat Dr. Vorster-Msjeldorf, Geh. Medizinal- rot Dr. Weber, Direttor der Heil- und Pflegeanstalt in Sonnenstein und Reg.- und Medizinalrat Dr. Russak-Köln. Zum allgemeinen Teile eines Reichsirrengesetzes stellen die Referenten folgende Leitsätze auf: 1. Das Jrrenwesen ist eine öffentliche Angelcgeuhett. Der Staat hat somit das Recht und die Pflicht der Fürsorge für die Geistes­kranken, beziehentlich für die psychisch nicht nor­malen Personen innerhalb und außerhalb der An­stalten 2. Tas Reichsirrengesetz soll sich erstrecken auf Geisteskranke, Idioten, Epileptiker und Trunksüchtige. 3. Die Landesgesetze haben die zur Ausführung des Reichs irr en- gesetzes erforderlichen Anordnungen nach Maßgabe der von dem Bundesrat aufzustellenden allgemeinen Grundsätze zu treffen.

Weiter empfehlen die Referenten zum besonderen Teile eines Reichsirrengesetzes für die I r r e n s ü r so r g e, daß einheitliche Grundsätze zur Betämpsung des übermäsiiaen

gegangen. Außerdem wird noch der Tod dreier anderer Fischer bekannt, sodaß im ganzen 17 Fiseher dem Sturme zum Opfer gefallen sind. Infolge des Wettersturzes in Steiermark beginnt es dort selbst im Tale zu ch neien. Sogar in Me r an beträgt die Temperatur nur

7 Grad Celsius. Der neue Schnee im Hochgebirge Südttrols liegt bis 1100 Meter herab. Das Hochwasser richtete im Drau-, Lieser-, Gail- und Kanaltale arge Verwüstungen an. Zahlreiche Brücken sind weggerissen, mehrere andere gefährdet, verschiedene Reichsstragen sind unbrauchbar ge­macht, einige Ortschaften finb in Gefahr. Der Bahnverkehr ist auf den Strecken Villach-Spital und Tacvis-Pontafel eingestellt. Die Unterbrechung des Verkehrs auf der Strecke Tarvis-Pontasel dauert voraussichtlich 14 Tage. Durch heftige Regenfälle sind auch die Eisenbahnanlagen im ganzen Nordwesten der nordameritanischen Union schwer beschädigt worden. Durch den Oman, der am Sauistag in Florida toiueie, finb mindestens 2^0 Per- onen umgekomme.n. An der stUfte sinv die Trümmet von 8 Schiffen, die an den Felsen in der Nähe von Miami gestrandet sind, zerstreut. Der Eigentümer des Liverpooler Dampfers ,Lnchulva" erhielt aus Florida die telegraphische Nachricht, daß der Dampfer während des letzten Sturmes vollständig vernichtet wurde. Von der Besatzung sind 19. Manu gerettet, neun ertrunken.

* Lärmszenen bei einer Beerdigung. Die Beerdigung des Leichenwärters und Grabs ch'ä n de r s Keh in Würzburg gab Anlaß zu lärmenden Auftretten auf dem Friedhöfe. Keh, der erste Leichenwärter im Friedhöfe, hatte aus Gräbern, in denen Leichen in Metallsärgen bei­gesetzt waren, Särge her aus genommen und geöffnet, die Leichen verscharrt mib die Nietallsärge verkauft. In der Untersuchungshaft erhängte er sich. Me dieNeue Bayr. Landesztg." meldet, hatte sich zur Stunde der Beerdigung eine sehr große Menschenmenge am Leichenhause eingep nnden, well sich das Gerücht verbreitet hatte, der Selbst- nörder werde kirchlich beerdigt. Schelt- und Schirnpsworte wurden aus der Menge vernommen:Einern solchen Verbrecher gibt man kirchliche Ehren, ehrlichen Leuten verweigert man sogar das Glockengeläute, einem braven katholischen Buchhändler verweigert man es, weil er eine protestantische Frau geheiratet hat." Als nun Stadtpfarrer Heßdörjer erflärte, daß die katholische Kirche Selbstmördern den Segen verweigere, schrie das Volk unter Hüteschwenken: Bravo, hurra, so ist's recht, einem solchen Lumpen ge­hört keine Ehre!" Der Psarrherr war sichtlich erschrocken, aber er fuhr fort:Nachdem jedoch ärztliche und amtliche Zeugnisse vorliegen, welche bestätigen, daß Keh in den letzten Tagen vor seinem Tode sinnverwllrt war, müsse er die kirchliche Beerdigung vornehmen." Allgemeines Murren und Pfuirufe folgten. Um das Volk zu beruhigen, verlas der Pfarrer die Zeugnisse, die der Landgerichtsarzt, der Staatsanwatt und ein prakttscher Arzt ausgestellt hatten. Unter andauerndem Lärmen wurden diese Zeugnisse ver­lesen unb sdann die Einsegnung vor genommen. Unter Verwünschungen wurde der Sarg, dem bloß die nächsten Angehörigen und der deutsche Kriegerbund mit Fahne folg­ten, zum zwellen Kirchhof gebracht. Ter Zugang zu diesem Teil des Friedhofs, wo das Grab des Keh liegt, war polizei­lich abgesperrt. Außen tobte das Volk, während der Pfarrer die Gebete sprach Als unter der Menge bekannt wurde, daß Keh in einer Gruft neben dem Fabrikanten Nöll und anderen hochgeachteten Persönlichkeiten be­stattet werde, und daß der Magistrat den Ein­spruch dieser Familien ab gelehnt habe, erging sich das Volk in Be s ch im p f uti g e n auch wider r - germeifter und Ratsherren. Um der Wut des Volkes zu entgehen, wurden die Leidtragenden durch eine Hinterpforte herausgelassen.

* Löwen in Deutschostafrika. Die in Tar-es- Salam erscheinendeDeutsch-ostafrik. Ztg." berichtet: Vom Löwen geschlagen wurden in der Whe der Mayr'schen Schamba bei Kilometer 3 an der Pugustraße zweiNeger- frauen, Suttatissklavinneri, die in einer der dort befind­lichen offenen Malutihütten nächtigten. Der Löwe hatte sich zuerst des einen Weibes bemächtigt und ihr sofort das Genick durchbissen. Auf den Angstschrei des anderen Weibes hatte sich dann der Löwe von seinem ersten Opfer abgewandt und tötete durch einen Tatzenschlag gegen die Brust auch das zweite Weib, mit dem er sich dann davon machen wollte, jeooch wurde er durch die aus den Nachbar- Hütten mit Feuerbränden herbeieilenden und schreienden . Leute daran verhindert. Der Löwe ließ dann auch sein zweites Opfer fahren und verschwand unter Wutgebrüll ' im nahen Busch. Ti: beiden getöteten Weiber wurden-am ; nächsten Morgen an Ort und Stelle begraben. Mehrere i Europäer, welche . ae s darauf cm den Ort des Unglücks

eUten, um dem Räuber nachzustellen, sahen nur noch ine Spuren eines mächtigen Löwen in und bei der Hütte, von diesem selbst war nichts mehr zu sehen.

* Marseille, 15. Sept. Der Kapitän des am ©am»* * tag auf Grund gelaufenen TransportschiffesBretagne" hat sich gestern erschossen. _

^ettchtssaäl^

Der Mann mit den vierzig Bräuten. Seck mehreren Jahren hat es der 50 jährige Maler ^osei Malek in Wien verstanden, aus Kosten älterer, vertrauensseliger Mädchen, die icoch ein spätes Eheglück erhofften, ein behagliches, müßiges Leben zu sühren. Malek ist verheiratet und Vater von sechs erwachsenen Kindern. Im Wlai 1901 verließ er seine Familie u,id suchte die Bekanntschast von Frauen, denen er die Ehe versprach. Sem erstes Opfer war die Köchin Rlarie Summer, die ihn voii Mm bis August 1901 in ihrer Wohnung beherbergte und ihm ihre Eriparnipe in der Hohe von 2000 Kronen vorstreckte. Roch wahrend er als Bräutigam der Summer galt, machte er die Bekanntschaft der Hausbesitzerin Walpurga Watzek, und als die Ersparnisse der Summer auigezehrt waren, zog Malek zu Walpurga Watzek und bewog sie, ihr Haus zu verkausen und ihm den Erlös von 6000 Kronen auszusolgen. Im Atai 1902 wurde Malek aus Anzeige der Wäscherin Agnes Ataschek, der er aus die gleiche Weise 400 Kronen und der Köchin Leopoldine Wehdom, der er 700 Kroneii entlockte, in St. Pölten verhastet und erst am 19. Dezember wieder in Frei­heit gesetzt, nachdein er wegen Betruges an Leopoldine Wehdom verurteilt worden war. Alalek suchte sosort nach seiner Enthaftung eineBrau" Walpurga Watzek wieder auf und blieb bei ihr, bis )er letzte Rest ihres Vermögens verbraucht war. In Alaxglau wurde er verhastet, weil Aiarie Summer und Walpurga Watzek inzwischen die Betrugsanzeige gegen ihn erstattet hatteli. Die Untersuchuiig ergab, daß Atalek in dem kurzen Zeitraum von 1 72 Jahren den obengenannten vier Frauen miiidesleus 9000 Kronen herausgelockt hatte und daß er in dieser Zeit nut nahezu vierzig Frauensperfonen teils schristlich, teils mündlich in Verbindung ge° treten war, um sie zum Eingehen eines Liebesverhältnisses zu be­stimmen. Jetzt hatte sich Josef Alalek vor dem Schivurgericht in Wien wegen Betruges zu verantworten. Die Geschworenen be­jahten die ihnen vorgelegie Frage auf Betrug, worauf der Gerichts­hof Atalek zu sechs Atonaten Kerkers verurteilte.

Eisenbahn Zeitung.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten hm neuestens die Eisem bahndirektionen auf eine Anzahl von Unzulänglichkeiten und Unbequemlichkeiten vieler Eisenbahn­stationen aufmerksam gemacht und tunlichst baldige Abhilfe besohlen. So ist vielsach die Wahrnehmung gemacht worden, daß bei den Fahrkartenschaltern keine Einrichtungen getroffen sind, die den Reifenden beim Lösen von Fahrkarten das Ab legen von kleineren Gepäck ft ücken gestatten. Es sollen hiersür eiserne Untergestelle mit hölzerner Platte in passender Entfernung von den Fahrkartenschaltern zur Leitung des Zn- undAbtretens der Reisen­den ausaestellt werden. Um ferner den Reisenden das Aufnehmen des zuruckgegebenen Geldes beim Lösen von Fahrkarten zu er­leichtern und eine beschleunigte Abfertigung au^s ver­kehrsreichen Stationen herbeizuführen, sollen die Schalter mit drehbaren Zahltellern ausgerüstet oder geriffelte dicke Glas- teller oder Gummiplatten mit rauher Oberfläche auf den äußeren Schallerbänken befestigt oder andere geeignete Vorkehrungen ge­troffen werden. Auch sollen auf solchen Bahnsteigen, die von dem Empsangsgebäude und den Warteräumen weit abliegen und auf denen für die Reifenden die Gelegenheit fehlt, sich zu fetzen und ihr Handgepäck abzulegen, hölzerne Bänke und Gestelle an­gebracht werden. Auch dem Mangel von kleinen Schutzhallen und W a r t e r ä u m e n aus nicht überdachten Bahnsteigen, die zu­gleich dem Winde sehr ausgesetzt sind, soll abgeholfen werden. Demgemäß hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Eisen­bahndirektionen veranlaßt, den erwähnten Bedürfnissen ihre Auf­merksamkeit zuzuwenden und auf eine allmähliche Ergänzung der Stationen aus den durch den WittschaftsetM überwiesenen Dtitteln Bedacht zu nehmen. Es wird trotz alledem noch viel zu wünschen übrig bleiben:

Kandel und Verkehr. Uolkswittschast

Berliner Börse vom 15. September 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Atatte New-Porker Kursmeldungen, sowie ungünstige Be­sprechungen derTimes" über die Lage in den Balkanstaaten gaben Anlaß zu einer niedrigen Eröffnung der Börse, zumal auch London vorbörslich schwache Kurse sandte. Dem glänzenden Argentinischen Erntebericht wurde infolge der allgemeinen Atibslimmuna wenig Beachtung geschenkt. Im wetteren Verlauf trat auf allen Märkten eine kräftige Erholung ein. Auf dem Montanmarkte wurden wiederum Kohlenwerte unter Hinweis auf die Berichte über den Stand der Syndikatsverhandlungen bevorzugt und im Anschluß hieran von Banken die Aktien des Schaaffhausen'schen Bankvereins. Auf bessere Landoner Stimmungsberichte erhöhte sich der Kursstand auf allen Märkten, sodaß man in freundlicher Tendenz zu den höchsten Tageskursen schloß.

Privat-Diskont 3»/4 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit.... 201.30 201.90

Deutsche Bank . . . 211.25 211.50

Darmstädter Bank . . 136.00 136.00

Bochumer Guß . . . 183.00 183.25

Harpener Bergbau . . 184.00 184.50

Schluß-Tendenz: fester.

Kassel, 15. Septbr. Der Kongreß deutscher Korsett- industrieller beschloß, mit Rücksicht auf die gestiegenen Baum­wollpreise eine angemessene Preiserhöhung anzustreben.

Frankfurt a. M., 15. Sept. Die Frankfurter Schuh­fabrik Otto Herz u. Co. schlägt 7 Prozent Dividende wie im Vorjahre vor.

Frankfurter Hypothcken-Kreditverein. Eine außer­ordentliche Generalversammlung beschloß, dem Antrag der Ver­waltung entsprechend, eine Erhöhung des Grundkapitals um r/2 Millionen Mk. in Stücken zu 1200 Mk. auf 12 Millionen Alt. Die neuen Aktien sollen unter Wahrung des Bezugsrechts zu min­destens 128 Proz. Plus Aktien- und Schlußnotenftempel ausgegeben werden.

Briefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

H. W. 100. Der AusspruchGut sein, heißt glück­lich sei n" ist uns nicht bekannt. Er mag von Rosegger stammen. Dagegen sagt Bodensledt in seinenLiedern des Attrza Schassy" mit etwas mehr Berechtigung:

Wer glücklich ist, der ist auch gut, Das zeigt aus jedem Schritt sich; Denn wer aus Erden Böses tut, Trägt seine Strafe mit sich.

Moth's Teigseife ist die schmutzigste u U Kuchen- und Leibwäsche schon ge­

reinigt, wenn sie aus dem Kessel kommt. Daher rascheste und be= quemsle Wasch Methode. Seil über 10 Jahren beliebtestes Wasch­mittel. Alan achte beim Einkauf auf die Firma: I. Gioth, Hanau. Preis ver Packet 20 Pfa. 3735

Hreisblatt für »en Kreis Gieren