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16.7.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 164

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- dlätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Untvers.-Buch- ».Stein- druckeret (Piesich Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei:

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Kernsprechanschluß Nr. 51.

Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Donnerstag 16. Juli 1903

Gießener Anzeiger

** General-Anzeiger 67

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

verngspretSr monatlich 7b Pf^ viertel» jährlich Mt. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2.- viertel* jährt, ausscht. Bestellg. Annahme von Anzeigen üi die TageSnummer ois vormurags 10 Uhr. ZeUenpretS: lokal 12 Pf^

auSwürtS 20 Pfg. Verantwortlich Mr den poltt und allgem. Teil: P. Wittko: für .Stadt und Land7 und .GerichlSsacU*: August Götz; für den An- zeigenteU: panS Beck.

Aie heutige Nummer umfaßt 8 Keitm.

Wir und die engttscheu Kolonie«.

Man schreibt uns aus Handelskreisen r

Tie Gefahr eines allbritischen Zollvereins wird bei uns einseitig betrachtet. Die City hat zwar noch nicht ge­sprochen; aber mit Chamberlain kann sie nur ge­winnen : in Südafrika und im Seehandel, da die Zollunion für den erstarkten Wettbewerb der deutschen Schiffahrt nach den englischen Kolonien ein schweres Hemmnis blldet. Bal­fours Verhalten spricht dafür, daß die City Lust hat, den Unionsgedanken zu unterstützen, wenn sie auch die Imperia­listen noch zappeln läßt, um in der Frage asiatischer Arbeit für Südafrika und der Trustbildungen der Minenmagnaten bessere Bedingungen zu erzielen. Neben allem Uelbrigen treibt der amerikanische Wettbewerb die Kolonien dem Zoll­verein in die Arme. Südafrika, Australien, Indien, die ostasiatischen Besitzungen, liegen vor den Toren der Verein. Staaten; diese haben die billigsten Seefrachten dorthin. Dre kommerzielle Eroberungslust macht sich dort noch stärker fühlbar als in Europa. Kanadas Eisenindustrie steht vor der Gefahr einer Überschwemmung mit amerikanischem Stahl. Was Amerika liefert, hoffen die englischen Kolonien mit der Zeit, nach einer industriellen Ausbauepoche, unter Zollschutz selbst herzustellen. Ihre Hauptausfuhrartikel hin­gegen, abgesehen von der Wolle, sind für die Union ent­behrlich; sie erzeugt sie selbst oder verarbeitet sie wenig. Jedenfalls ist Loudon ein unvergleichlich besserer Markt.

Können und sollen wir nun die Entstehung dieses all­britischen Zollvereins stören? Liegt das in unserem wohl­verstandenen Eigeninteresse? Wir können es nicht. Die Zollunion ist die Lebensfrage des britischen Reiches. Früher oder später wird das Mutterland alle seine Kräfte, nötigen­falls seine bewaffneten Kräfte, für ihre befriedigende Lösung einsetzen. Bei einem Zollkampfe mit den Kolonien haben wir vorläufig das Recht für uns. In der Politik sind aber Rechtsfragen zu guterletzt Gesühlssragen. .Lassen wir die Rechtsfrage einmal beiseite, fp1 liegt ein Korn Wahrheit in Chamberlains Aeußerung, wir könnten die englischen Kolonien an einer handelspolitischen Begünstigung des Mutterlandes nicht ohne Unfreundlichkeit hindern. Auch wirtschaftlich können wir dieses Projekt nur aufhalten, nicht ernsthaft stören. Je mehr wrr Industrieland werden, desto weniger ist dies möglich Großbritannien ist unser bedeu­tendster Rohstofflieferant, wird es in immer steigendem Maße und muß es bleiben. Als Lieferant besitzt es in vielen Roh­stoffen eine vom Monopol nicht weit entfernte Marktstell­ung. Unsere Schiffahrt wird der englischen Handelsmarine noch mehr Abbruch tun. Aber treffen wir die Hauptposten der allbritischen Einfuhr mit Kampszöllen, so werfen wir den besten Tell unserer Exportindustrie über Bord. Ander­seits ist unsere Ausfuhrliste nach den englischen Kolonien recht zersplittert, fremder Ersatz für die meisten Waren zu beschaffen, und bei einem Kampfe würde die lohnende Ver­edelung kolonialer Rohstoffe aus Deutschland in die tech­nisch rasch fortschreitenden Rohstoff-Kolonien selbst verlegit werden.

Fehlen uns die politischen und wirtschaftlichen Waffen großen Stiles gegen den allbritischen Zollverein, so haben wir gar kein dringendes Interesse, im Sturmschritt gegen ihn vorzugehen. Sollen wir den Mauerbrecher für den amerika­nischen Wettbewerb spielen? Der Zollverein ist von zwei Uebeln das kleinere. Das zollvereinte Großbritannien ist unser größter Lieferant und Abnehmer. In einem allbriti- schen Zollverein können wir mit der englischen Industrie- Ausfuhr eher konkurrieren, als die Amerikaner, und besser als in einem System handelspolitisch selbständiger Kolonien. Mit der, im Grunde freihändlerischen City als Handels- herz gewährt er uns immer noch bessere Absatzbedingungen, als Gegenseitigkeitsverträge mit den einzelnen Kolonien. Solche Verträge kennen wir. Von einem an sich hohen Taris, den Zollkämpfe noch treiben, wird hier und da etwas abgebröckelt. Amerika ist uns dann voraus. Das Verhält­nis unserer Ausfuhr zur Einfuhr hat sich der Union gegen­über rapid verschlechtert, Großbritannien gegenüber noch schneller gebessert und ist für die Zukunft aussichtsvoller. Dre Zollkampfstimmung gegen Amerika sollte sich nicht ohne weiteres auf England übertragen.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt in einer Besprechung des soeben erschienenen englischen Blaubuchs: Der Sachverhalt, der dem Meinungsaustausch mit Großbritan­nien zu Grunde liegt, findet sich in objektiver Weise dar­gelegt in der deutschen Note vom 27. Juni 1903, in welcher der gesamte Verlauf der Kontroverse nochmals rekapituliert und der hohe Wert betont wird, den die kaiserliche Regier­ung auf die befriedigende Gestaltung der handelspolitischen Beziehungen legt und die Bereitwilligkeit Ausdruck findet, in einen Meinungstausch darüber einzutreten, wie den ent­standenen Schwierigkeiten am zweckmäßigsten M begegnen ist. DieNordd. Allgem. Ztg." giebt sodann die Note unver­kürzt wieder.

Das amtliche Schriftstück ist in Vertretung des Reichs­kanzlers vom Staatssekretär des Auswärtigen Frhrn. von Richthofen unterzeichnet. Neues von Belang enthält der Wortlaut nicht. Immerhin sind folgende Einzelheiten bemerkenswert und charakteristisch:In der Anwendung des deutschen Generaltarifs auf Kanada liegt keine unge­rechtfertigte Diskriminierung und ebensowenig eine Bestrafung dieser Kolonie, wie vielfach behauptet worden ist (dies zielt auf Chamberlain), sondern die Maßnahme stellt sich lediglich als eine durch die deutsche Gesetzgebung bedingte Folge des Außerkrafttretens des deutsch-englrschen Handelsvertrags dar. Irgend welche Strasmaßregeln oder Zuschlagszölle hat Deutschland

bisher wie ausdrücklich hervorgehobeu werden muh gegen Kanada nicht an gewendet." Markant ist ferner der Satz: ,Menn die englischen Kolonien eine eigene Zollpolitik zu verfolgen in der Lage sein sollen, fu> wuß es auch anderen Ländern verstattet sein, sie als eigene Zollgebiete zu behandeln." Erfreulich energisch ist endlich die folgende Zurückweisung am Schluß der Note, die eine vollständige Darlegung der Vorgeschichte des Zollstreits enthält:Aus den vorstehenden Aussüyr- ungen geht hervor, daß diesseitigen Erachtens die eng­lische Beurteilung der Vorgänge in viel en Punkten auf unzutreffenden Voraussetz­ungen beruht, und die Schuld an der Entstehung und Zuspitzung des Konflikts Deutschland nichtwohl zu­geschoben werden kann.

Aie Verteilung der Uarteien im Reiche.

Nach der endgiltigen Feststellung der Reichstagswahl­ergebnisse haben wir bereits über die jetzige Stärke der einzelnen Parteien, namentlich der Sozialdemokratie, be­richtet; gewiß ist es aber auch von Interesse, die Verteilung der Parteien auf die einzelnen Gebiete des Reiches zu verfolgen. Bei Aufstellung dieserWahlgeographie", wenn wir so sagen dürfen, kann natürlich von vornherein aus eine besondere Berücksichtigung solcher Parteien verzichtet werden, die auf ein bestimmtes Land oder bestimmte Landes­teile beschränkt sind; denn Elsässer werden nur in Elsaß- Lothringen, Weifen in der Provinz Hannover, Dänen im nördlichen Schleswig gewählt. Desgleichen entstammen die polnischen Abgeordneten nur den Bezirken, wo das polnische Element das deutsche überwiegt, und so entfallen von den 16 in den Reichstag gewählten Polen 11 aus die Provinz Posen, 4 aus Westpreußen und 1 auf Oberschlesien.

Unter den übrigen Parteien ist die landschaftliche Be­schränkung am ausgeprägtesten bei dem Zentrum. Von seinen 102 Mandaten entfallen 60 auf Preußen, 30 aus Bayern, 7 auf Baden, 4 aus Württemberg und 1 aus Oldenburg (früher war auch Hessen mit einem Zentrumsabg., Dr. Schmitt-Mainz, vertreten). Von den preußischen Pro­vinzen stellt den stärksten Anteil an Zentrums männern die Rheinprovinz, nämlich 28, also fast die Hälste der ins­gesamt in Preußen gewühlten, demnächst folgt Schlesien mit 12, Westfalen mit 9, Hannover mit 4, Hessen-Nassau mit 3 und Ostpreußen mit 2 Zentrumsabgeordneten, je einer ist gewählt im Reg.-Bez. Erfurt und in Hohenzollern. Einige Regierungsbezirke sind im festen Besitz des Zen­trums und wählen überhaupt keine anderen Abgeordneten, so in Preußen die Bezirke Münster, Köln und Aachen, in Bayern die Oberpfalz, Untersranken und der Reg.-Bez. Schwaben und Neuburg. Während die Wahlkreise des Zen­trums, entsprechend der Verbreitung der katholischen Be­völkerung, in 9iord und Süd, Ost und West des Reiches liegen, beschränkt sich die konservative Partei fast aus­schließlich aus den Norden, und dort wieder aus die öst­lichen Provinzen Preußens. Von ihren 52 Mandaten fallen 46 aus Preußen, 4 auf Mecklenburg-Schwerin und nur 2 auf Bayern (Reg.-Bez. Mittelfranken); alle übrigen Bundes­staaten sind in der konservativen Fraktion nicht vertreten. Der Reg.-Bez. Gumbinnen entsendet nur konservative Ver­treter (früher war der Kreis Tilsit freisinnig vertreten), die Provinz Ostpreußen zusammen 13, also den vierten Teil der ganzen Fraktion. Pommern wühlte 10, Schlesien 8, Brandenburg 6, die Proviniz Sachsen 3, Westfalen und Posen je 2 und Westpreußen und Hannover je einen konser­vativen Abgeordneten. Auch die Re ich spart ei hat fakt alle ihre Sitze (18 von 20) in Preußen gewonnen, und zwar je 5 in Brandenburg mrd in Westpreußen, 3 in der Provinz Sachsen, je 2 in Schlesien und Posen und 1 in Schleswig-Holstein. Außerdem ist je ein Mitglied der Reichs­partei in Mecklenburg-Strelitz und in Schlesien gewählt. Die freisinnige Volkspartei hat 14 Mandate in Preußen, je 2 in Bayern und in Oldenburg, je 1 im Großh. Hessen (Schmidt-Bingen), in Sachsen-Meiningen und in Lippe; die Hälfte aller 14 preußischen Mandate sind im Reg.-Bez. Liegnitz gewonnen, je 2 in Westfalen und in der Provinz Sachsen, je 1 in Berlin, in Schleswig-Holstein und im Reg.-Bez. Kassel. Die Wahlkreise der freisin­nigen Vereinigung liegen fast durchweg im nörd­lichen Deutschland; es kommt je einer auf Westpreußen, Pommern, Schlesien, Proviniz Sachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Schwerin, Anhalt und Waldeck, nur das neunte Mandat ist im Elsaß (Stadtkreis Straßburg) gewonnen worden. Die deutsche Volks Partei ist auf fünf württembergische Mandate und eines im Elsaß beschränkt. Von den 50 nationalliberalen Reichstagsabgeord­neten entfallen 26 auf Preußen, 6 auf Bayern, ebensoviel auf das Großherzogtum Hessen (Heyligenstaedt, Dr. Wallau, Graf Oriola, Frhr. v. Heyl, Haas und Dr. Becker), 4 aus Baden und 2 auf Sachsen-Weimar, je einer auf Württem­berg, Braunschweig, Sachsen-Coburg, Anhalt, Schwarzburg- Sondershausen und Elsaß-Lothringen. Von den Preußischen Mandaten kommen die meisten, wie immer, auf Hannover, nämlich 9, dann folgen die Provinz Sachsen und die Rhein- provinki nrit je 4, Hessen-Nassau nrit 3, Brandenburg mit 2, Ost- und Westpreußen, Schleswig-Holstein und Westfalen mit je einem Nationalliberalen. Die von den Sozial­demokraten eroberten 81 Sitze verteilen sich so ziemlich über das ganze Reich, 32 von ihnen liegen in Preußen, 22 im Königreich Sachsen, in dem ein einziger Wahlkreis nicht sozialistisch vertreten ist, ferner je 4 in Bayern und Württem- berg, je 3 in Baden und Hamburg, 2 im Großh. Hessen (Dr. David und Cramer) und je einer in Mecklenburg- Schwerin, in Sachsen-Weimar, Sachsen-Meiningen, Sachsen- Coburg-Gotha, Sachsen Altenburg, Braunschweig, Schwarz- burg-Rudolstadt, Neuß ä. und Neuß j. L., Bremen und Lübeck. In Preußen ist die Sozialdemokratie am stärksten

vertreten in Berlin und in Schleswig-Holstein mit je fünf Abgeordneten, Brandenburg, Schlesien uno Sachsen haben je 4, ferner die Rheinprovinz 3, Pommern und Westfalen je 2, Ostpreußen, Hannover und Hessen-Kassel je einen. Den Vertretern agrarischer Interessen ist es nur in Süddeutschland gelungen, Reichstagssitze zu gewinnen, und zwar 4 in Bayern und 3 in Württemberg; in allen übrigen Bundesstaaten sind sowohl der Bund der Land­wirte wie der Bauernbund unvertreten geblieben. Die Antisemiten andererseits haben fast nur in Preußen Erfolge aufzuweisen; Hessen-Nassau bat deren 5, Bran­denburg 2, Westpreußen, Pommern uno Westfalen und das Königreich Sachsen je 1 Antisemiten in den Reichstag ge­wählt. Von den im Reichstage bisher nicht vertretenen Parteien der Deutschsozialen und Nationalsozia­len ist es unter den letzteren in einem Falle gelungen, ihren Bewerber durchzusetzen. Völlig unterlegen ist die litauische Partei, die im vergangenen Reichstag einen Vertreter im nördlichsten deutschen Wahlkreise, Memel, gehabt hat. Ihre in drei ostpreußischen Kreisen aufge­stellten Kandidaten sind diesmal nirgends auch nur in die Stichwahl gekommen.

r^oulS Aotya über Südafrika.

General Louis Botha hat aus Pretoria an den engli­schen Abg. Leonard Courtney, Chamberlains engeren Frak­tionsgenossen, folgenden Brief gerichtet, den dieTimes" verössentlrcht:Ich habe, schreibt Botha,von Anfang an mich über die Tragweite der Chamberlain scheu Afrika­reise keinen Täuschungen hingegeben, habe aber mit meiner Meinungsäußerung zurückgehalten, solange es möglich schien, daß ich zu schwarz gesehen hätte. Es ist jetzt aber nicht mehr zweifelhaft, daß Chamberlains Reise, wenigstens was Transvaal anlcmgt, ein klägliches Fiasko bedeutet, und daß er die Dinge schlimmer verlassen hat, als er sie vorsand. Bei dem einzigen Zusammentreffen mit uns antwortete er belei­digend und zieh uns der Undankbarkeit im Hinblick auf die 15 Millionen Pfund, die England auf die Heilung der materiellen Kriegswunden verwende. Seitdem fragt sich hier jeder Mensch, wo, wie und wofür diese große Summe eigentlich ausgegeben worden ist. Zu merken ist nichts davon." Botha führt dann weiter Beschwerde darüber, daß Chamberlain in Johannesburg ausschließlich mit den Minen-Jnteressenten verkehrt und unter ihrem Einfluß das verarmte Land mit einer exorbitanten Kriegs­schuld belastet habe, im Widerspruch mit den von der gesamten Burenbevölkerung geäußerten Wünschen. Weiter bemängelt Botha die Tätigkeit des in Wirllichkeit nur beratenden gesetzgebenden Rats, die Versagung des Gemeindewahlrechts nicht bloß für alle Farbigen, sondern auch für weiße Ausländer, wo doch deren Wahlrechts­beschränkung für England den Vorwand zum Kriege ab­gab, und den gänzlichen Mißerfolg der Wieder­ansiedelungskommission. Äesonders bitter spricht sich Botha über den englischen Versuch aus, durch impor­tierte, der holländischen Sprache nur unvollkommen mäch­tige Lehrkräfte mittels tendenziösen Geschichts­unterrichtes und dem Volks empfind en wider­sprechender Religionslehren die Bevölkerung in­tellektuell zu Verengländern und durch die lediglich im Dividendeninteresse von den Minenmagnaten geplante Ein­führung massenhafter chinesischer Arbeitskräfte das Land kulturell herabzusetzen, wie überhaupt die Regierung voll­ständig von den Minenbesitzern beherrscht werde. Die Folge von dem allen sei trotz äußerlicher Ruhe und Erstarrung ein Zu st and tiefgreifender Unzufriedenheit bei Briten wie bei Buren.

Botha beabsichtigt demnächst, ohne London zu be­rühren, in Holland einzutreffen, um mit dem Expräsidenten Krüger und Dr. Leyds die Lage in Süd-Aftika zu beraten. Krüger hat einer Brüsseler Meldung desDaily Telegraph" zufolge nach der Bur en Versammlung in Heidel­berg in einem Schreiben an die Bärenführer seine Zu- ftiedenheit mit den englandfeindlichen Beschlüssen, be- sonders mit der Rede Louis Bothas ausgesprochen.

Deutsches Keich.

Berlin, 15. Juli. DieHohenzollern" iffk mit denk Kaiser an Bord nachmittags von Bergen wieder in See gegangen.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Einen neuen Bei­trag zu den Ausstreuungen über angebliche Aeußer- ungen des Kaisers hatte kürzlich dieMünchener Post" geliefert. Das sozialdemokratische Blatt behauptete, der Kaiser habe kürzlich nach dem Frühstück in Hamburg beim Gesandten v. Tschirschky und^Bögendorf den Kampf mit Feuer und Schwert gegen die Sozialdemokratiss angeMndigt. Trotz der Berufung aus eingeweihte Kreise beruht dre Erzählung mit allen Zutaten auf plumper Er­findung. Aus Kopenhagen wurde ferner einem Ber­liner Blatt geineldet, es verlaute dort, daß der Kaiser auf Fürbitten von dänischer Seite die Begnadigung des zu 12 Monaten Gefängnis verurteilten Redakteurs Sim o n s en von derFlensburger Zeitung" in Aussicht stellte. Wir köniren erklären, daß diese Kopenhagener Verlautbarrrng der B e g r ü n d u n g e n t b e h r t.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, betr. die Erstreckung der für Kausfarteischiffe geltenden Vorschriften auf die Gouvernementsfahrzeuge Schutzgebiete vom 5. Juli, sonne den Staatsvertrag zwischen dem Reiche und Luxernburg betr. die Herstellung einer Nebenbahn von Diedenhofen nach Bad Mondors vom 4. Februar.

Der Reise des Staatssekretär» des auÄoärtigeu Amtes Frhr. v. R i ch t y o s e n nach Snddeutschland liegt der