Regierung zu Coblenz am 8. August 1902 die Drenstinstrub- tion für die Ortsschulvorstände im Regierungsbezirk Coblenz eine Fassung erhalten hat, gemäß welcher fortan der Ortsschulvorstand aus dem Ortsschulinspektor, als Vorsitzenden in äußeren Angelegenheiten, den drei Mitgliedern der Schulgemeinde und aus einem Lehrer der Schule, der an mehrklasjigen Schulen in der Regel der erste Lehrer sein soll, besteht, sind lin diesen Tagen die betreffenden Lehrer über ihre neue Funktion in Kenntnis gesetzt worden. Somit ist auch den Lehrern im hiesigen Aufsichtsbez-irk nach wiederholten Vorstellungen bei der vorgesetzten Behörde endlich ein Recht Kuerkanut worden, das unsere Nach- barkollegen in Hessen und Nassau schon längst besitzen und sowohl der Schule als. auch, ihren Lehrern zum Segen gereicht.
Wetzlar, 15. Juli. Im Interesse der wirtschaftlichen Hebung des nördlichen Teiles unseres Kreises fordert der Jahresbericht der hiesigen ^Handelskammer wiederum die Erbauung einer Bahnlinie Wetzlar- Ho h en sv lrns-Gl a d enb ach, zumal damit auch der landwirtschaftlichen Bevölkerung eine willkommene Gelegenheit geboten würde, ihre Produkte bequemer und besser zu verwerten als seither. Auch für die Nutzbarmachung der Wälder und die Hebung vorhandener Bodenschätze durch den Bergwerks betrieb seien hinreichende Unterlagen gegeben. Gegen den ablehnenden Standpunkt des Eisenbahnministeriums, der damit begründet worden ist, daß mit dem Bau dieser Dahn kaum eine Rente zu erzielen sei, macht der Bericht geltend, daß, wenn diese Rücksicht allein maßgebend sein sollte, damit eine Gegerrd dauernd vom Verkehr abgeschlossen bliebe, die sich in dieser Abgeschlossenheit jetzt nur mühsam durch Bebauung eines nicht gerade fruchtbaren Ackerlandes ihre Existenz erhält, durch einen Bahnanschluß an Wetzlar aber sofort wirtschaftlich außerordentlich gestärkt würde. Wie so oft au anderen Orten, würde die Bahn hier vornehmlich Meliorationszwecken dienen und einen Verkehr erst schaffen. Etwas größeres Interesse als für die nördliche Linie zeigte die Eijenbahnverwaltung für eine Eisenbahnlinie Wetzlar-Butzbach, lieber die Linienführung sind weitgehende Verhandlungen geführt worden. Die Borennittlungen sind eingeleitet. Des weiteren handelt es sich bei den Eisenbahnwünschen um eine Verbindung d er Koblenz-Gießener Gisenbahn- strecke mit der Station Usingen im Süden, und weiter mit Homburg und Frankfurt, die sowohl von Weilburg als Wetzlar angestrebt wird. Ein Dell des Weges von Weilburg aus ist bereits gebaut bis Weilmünster. Angestrebt wird das Verbindungsstück Weilmünster-Usingen. Auch über diese Linienführung waren heftige Meinungsverschiedenheiten entbrannt, die sich sowohl für die Führung durch das Weiltal, als durch das Wies- bachtal über Grävenwiesbach aussprachen. Beide Linien berühren zwar den Kreis Wetzlar nicht, gleichwohl hatte die Handelskammer Gelegenheit genommen, die nunmehr auch genehmigte Führung über Grävenwiesbach zu befürworten, weil sie der Ansicht ist, daß es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis sich die Pläne für die Eisenbahnbauten im Kreise Wetzlar so verdichten, daß die Verbindung von Wetzlar bis Brand ob ernborf gebaut wird, und dann die Herstellung der kurzen, wenn auch technisch schwierigen Strecke zwischen Brandoberndorf und Grävenwiesbach sich aussichtsreicher gestaltet. Mit einer solchen Bahn würde eine zweite Verbindung Wetzlar- Brand oberndorf -Usingen-Frankfurt h.rgestellt sein.
Vermischtes.
* Stuttgart, 15.Juli. Am Montag fand unter dem Vorsitz des Fürsten Karl zu Löwenstein die Gründung einer Stuttgarter Ortsgruppe der Antiduelliga statt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Geh. Rat v. Schall, zum 2. Vorsitzenden Reichsgerichtsrat a. D. v. Geß, zum provisorischen Schriftführer Redakteur Eckhardt gewählt. Es soll demnächst ein allgemeiner Aufruf veröffentlicht werden.
* Nürnberg, 15, Juli. Zum deutschen Turnfest sind bis jetzt über 27 600 Anmeldungen erfolgt. Die heutige lokale Vorfeier brachte Vorführungen mittelsränkischer Turnvereine und Liedervorträge der Nürnberger Sänger- geuoffenschast.
London, 15. Juli. Nach einer bei Lloyds heute von der Insel St. Pierre et Miquelon eingegangenen Depesche ist der Dampfer „Monterey", von Montreal nach Liverpool bestimmt, aus der westlichen Bank ausgelaufen und wahrscheinlich leck geworden. Ein Teil der Ladung würde gerettet werden können, wenn sofort Hllse ausgesandt wird. „Monterey" gehört der Canadian Pacific Company.
* Liverpool, 15. Juli. Auf dem Waterloo-Bahnhof entgleiste heute nachmittag ein Personenzug. Ein Teil der Wagen ist zertrümmert. Wie bisher festgestellt ist, sind acht Personen getötet und fünf verletzt.
* Bregenz, 15. Juli. Der Kalandaberg spaltest sich und droht Häuser und Kulturen zu verschüttem Die Bewohner flüchten.
• Agram, 15. Juli. Auf dem Akademie-Platze wurde heute abermals eine Bombe gefunden, die mit einem Kilo Dynamit angefüllt war.
* Chiavenna, 15. Juli. Im Calandagebirge in Graubünden fand ein großer Bergsturz statt. Da weitere Bergstürze drohen, müssen viele Häuser geräumt werden.
* Brände. Jn Hilib (Ungarn) sind 100 Wohnhäuser samt Wirtschaftsgebäuden niedergebrannt. — Einer Hamburger Depesche zufolge ist in der Harburger Jute- fabrik eine Feuersbrunst ausgebrochen. Das Feuer brach in einem Maschinenschuppen aus und griff auch auf die neue Weberei und den Abfallraum über.
• Ueber die Ursachen des Haarausfalls lesen wir in der neuesten Nummer der „Medizinischen Woche": Seit etwa zweitausend Jahren besteht in der Medizin ein Streit über die eigentliche Veranlassung der Haarkrankheit, welche manche Partien des Schädels plötzlich durch Kahlheit entstellt. Zwei Theorien stehen einander gegenüber; während die eine die Haarkrankheit als parasitär und ansteckend bezeichnet, führt die andere sie auf eine Nervendisposition zurück, die selbstverständlich nicht übertragbar ist. Neuerdings wird nun die infektiöse Ursache des Haarausfallens von französischen Aerzten geleugnet. Nach Dr. Jacquet besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Zustande des Gebisses und der Behaarung des Menschen. Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, daß die mit der Haarkrankheit behafteten Individuen zugleich an Zahnverderbnis oder an Zahnfleischentzündung litten. Rassen, die sich durch ein besonders gesundes und starkes Gebiß auszeichnen, wie die Negerrasse, hätten auch die dauerhafteste Behaarung. Bei der kaukasischen Rasse wurde die im Gebiß entstandene krankhafte Reizung nach Dr. Jacquet durch die Nerven auf die Kopfhaut reflektiert. Ob die neue Erklärung von der Wiffen- schaft endgiltig angenommen wird, bleibt abzuwarten.
Landwirtschaft.
? Vom Lande. Wie wird das Erntewetter werdens lautet gegenwärtig die alle Kreise unseres Landvolkes beherrschende Frage. Die Saatenstandsberichte lassen für das ganze Reich eine gute Mittelernte erwarten. Welchen Wert aber haben die schönsten Ernteaussichten, solange nicht die reife Frucht geborgen ist! Wenn irgendwo, gilt für den Landmann das Wort: An Gottes Segen ist alles gelegen. Auch die in Hellen Scharen ausgezogenen Sommerfrischler schauen erwartungsvoll zum Himmel auf, von dessen Willen sie nun auch vollständig abhängig geworden sind. Ein verregneter Tag ist ein verlorener Tag. Im Volksmunde führt der Juli schon lange den Namen Reffe- und Regenmonat; jedoch tut ihm die öffentliche Meinung mich manchmal unrecht, wenigstens diesmal scheint er eine Ausnahme zu machen. Viele Tausende werden es ihm danken. Damit soll natürlich nicht dem Wunsche nach ununterbrochener Trockenheit und Hitze Ausdruck gegeben fein. Derartiges Wetter behagt dem Landwirt so wenig wie dem Sommerfrischler. Hin und wieder einmal ein abkühlendes, lustreiniaendes Gewitter ist jedermann willkommen._________ _
Wöchrlliiiche irr Todesfälle m der Stadt tzießkü.
27. Woche. Vom 28. Juni bis 4. Juli 1903.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militärs Sterblichtettsziffer: 23,19,
nach Abzug von 7 Ortsfremden: 9,66 o/lX,.
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Annr.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankhert auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen._____________________________
Brutkasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
N., Siefersheim. Wir haben am 14. Juli eine 910(5)^6* rung ab 1. Juli an das Postanrt in Wöllstein abaesandt.
Suvmr^ious-Kalenöer.
20. Juli. Friedber g. Großh. Bürgermeisterei. Lieferung der nötigen Gußröhren und Faronstücke für die Erweiterung des Rohrnetzes des Gas- und Wasserwerks in 1903. Bedingungen ebenda. — 23. Juli. Darmstadt. Großh. Eisenbahn-Bauabteilung. Lieferung von Zemenrröhren zu Wegedurchlässen, zusammen rund 600 Meter verschiedener Lichtweiten. Bedingungen 0,40 Mk. — 23. Juli. Darmstadt. Großh. Eisenbahn-Bauabteilung, Lieferung von gußeisernen Muffenröhren zu Bahndurchlässen im Gesamtgewicht von rund 63400 Kg. Bedingungen 0,40 Mk.
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