Erstes Matt.
153. Jahrgang
Donnerstag L6.JuliiS03
ins Wasser wcu Diplomen und
Echulstratze 7.
Adresse sür Depeschen: «n-etger Gtetze».
Fernsprechanschluß Nr. bl.
Der stklöenve Fapst.
Rom, 15. Juli.
Die Aerzte Rossoni und Mazzoni begaben sich um 5 Uhr 45 Min. nachmittags in den Vatikan, um gemeinsam mit
Glücksritter aaf Aktie«.
Einer unsereriuristischen Mitarbeiter schreibt uns:
Den soliden Mrenunternchmungen stehen zunächst die mit von vornherein auf Schwindel berechneten Betriebe
Nr. 164
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dera Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen ilnivert-Buch- u. Stein- bruLkerer (Pietsch Erden-
gegenüber. Solche krasse Geschäftsblüten wachsen nur auf Großstadtbodeu, im Großstabtsumpf, unter welchem sie ebenso über Nacht versinken, wie sie noch Dags zuvor groß und vrachti^ aus'scchen, als das Aktienkapital von den Gründern eurge^ahst wurde, d. h. als die Opfer ihr Geld würdiger Herr mit vielen Titeln,
Volttische Tagesschau.
Im gothaischen Landtag
führt der Oberbürgermeister Liebetrau das Präsidrmch während der Sozialdemokrat Bock "Vizepräsident ist. Zwischen diesen beiden Männern spielte sich dieser Tage nach der „Magd. Ztg." folgende Szene ab: Gelegentlich einer Aeußerung über die Kornzölle bei seinen Ausführungen über den Uebungsplatz ruft der Abg. Hildebrandt dem ALg. Reinhardt eine unparlamentarische Bemerkung zu, infolge deren er vom Präsidenten einen Ord- nungsrus erhält. Der Abg. Bock bemerkt hierauf, daß dieser Ordnungsruf in einem so kommandomäßigen Tone erfolgt sei, „als ob wir dumme Jungen" wären. Infolge dieser Beleidigung legt der ^äsident, Oberbürgermeister Liebetrau, den Vorsitz nieder. Vizepräsident Bock überv- nimmt die Leitung der Verhandlungen. Im Verlauf der Sitzung wünscht Vizepräsident Bock, daß Präsident Liebetrau den Vorsitz wieder übernehme, worauf dieser erklärt, daß seine Geschäftsführung in so tief verletzender Weise ange- reiften w^en sei, daß er sein Mandat in die Lxinde der Wähler zurücklege. Mehrere Abgeordnete versuchen, den Abg. Bock zu veranlassen, feinte beleidigende Aeußerung zurückzunehmen. Bock unterbricht die Verhandlungen, um die Angelegenheit zu regeln. Nachdem mehrere Abgeordnete den Präsidenten Liebetrau ersuch: haben, auf seinen Posten
Lappoui den Papst zu untersuchen. Der Zustand des Papstes ist stationär. Das Allgemeinbefinden war heute früh ein wenig besser infolge nächtlichen Schlafes, der jedoch mehr ein leicht komatöser Zustand war. Das Bewußtsein ist vollständig wiedergekehrt. Währeno der Nacht sagte der Papst zu Lapponi und seinem Diener Centrcr, die bei ihm wachten, sie sollten ihm gehorchen und zur Ruhe gehen, er fühle sich besser. Lapponi erwiderte: „Sie sind es jetzt, heiliger Vater, der gehorchen muß." Manchesmal stellt der Papst sich schlafend, um der Umgebung Ruhe zu verschaffen, oder er bittet darum, ihn allein zu lassen, da er schlafen wolle. Die Ernährung des Papstes leidet darunter, daß er flüssige Nahrung zwar gerne nimmt, feste aber zurückweist. Lapponi verließ heute früh 9 Uhr den Vatikan, um nach seiner kranken Tochter zu sehen, und kehrte um halb 11 Uhr dorthin zurück. Um eine neue Flüssigkeitsansammlung im Brusd fell des Papstes möglichst zu verhindern, entnehmen die Aerzte die Müssigkeit von Zeit zu Zeit mit einer großen Pravazspritze, die etwa 100 Gramm faßt. Die Nadel ist so fein, daß der Papst keinerlei Schmerz empfindet. Die Aerzte erklären ihm dabei, es handle sich um eine Einspritz-- ung von Arzneimitteln. Die gestern abend eingetretene Erleichterung wird auf die Flüssigkeitsentnahme dieser Art zurückgeführt. Lapponi gestattete heute gegen 1 Uhr dem Papste, kurze Zeit aufzustehen. Man brackte ihn mit großer Sorgfalt in den kleinen Thronsaal nächst dem Schlafzimmer. Der Papst sprach auch heute von seinem nahen Ende. Seine Stimme war außerordentlich schwach. Den ganzen Tag empfing dec Papst niemanden, nachdem jetzt sämtliche hier weilenden Kardinäle empfangen sind.
Heute trank, wie die „Jtalie" meldet, der Papst einige Tropfen Lourd es-Wasser, das Lourdes-Verehrer aus Eifersucht gegen die Mitra des Januarius geschickt haben. Es kann aber sein, daß diese Meldung nur zu Reklamezwecken verbreitet worden ist. Die Erlaubnis, sich der Kondolenz wegen in das in den Vorsälen aufliegende Register einzutragen, ist aufgehoben, da heute folgende Phrase gefunden wurde: „Ein junger At Heist wüns cht dem alten Pontifex gute Nacht."
des Hotelbesitzers. Er ist ihm als höflicher Manu Dank schuldig für eure kleine Gefälligkeit: Seitdem die Direktion der „Fortuna" bei Einbau der Patentanlage die Garantie für 14 000 Mk. Kohlenersparnis pro Semester übernahm, hat der Hotelier nennenswerte Ausgaben für Kohlen ein* K überhauvt nicht mehr durch die Bücher lausen lassen,
>ern für die Kleinigkeit selbstverständlich einige Wechsel aus die „Fortuna" gezogen. Daß an Kohlen gerade noch so viel, wie früher, bezogen werden muß, ist eben einem Kesselkonstruktionsfehler des Ingenieurs zuzuschreiben, was aber unberufene Augen nicht zu sehen brauchen, sonst leidet der Ruhm des Patents. Der Hotelier weiß das schon aus seiner früheren Geschäftsverbindung mit dem Erfinder und quittiert jetzt dessen Anerkennung über die taktvolle Buc^ sührung mit verständnisinnigem Händedruck. Die Darstellung der Berliner Lokalblätter über die Erfolge des For- tuna-Concentrators war in den nächsten Tagen denn auch derartig, daß sich die Zahl der Aktionäre täglich vermehrte. Das war die Zeit, wo das reife Korn den Schnittern winkte. Jetzt nur keine falsch^ Bescheidenheit ! Wer wäre auch, jetzt noch so vernressen, dem Patentgeheimnis nachzuforsch>en? Genug, daß der Kraft--Concentrator erfunden war und für jeden, der es auf den Bureaus der Gesellschaft nachge- schlagen haben wollte, täglich dutzendemal in Ausführung kam unter Leitung von 14 Ingenieuren, sodaß binnen kurzem die Gesellschaft allein die Verwertung der Er- finoung nicht mehr bewältigen konnte. Der riesenhafte Geschäftsbetrieb brachte schließlich eine Ueberarbeitung des Direktors mit sich Auch entstanden Differenzen mit dem Aufsichtsrat, der unter dem Einfluß eines unverantwortlich pessimistischen Technikers das Aktienkapital von 2 Mill, auf 78 000 Mk. herabsetzen und unter Zugrundelegung eines Patentwertes von 45 Vit. .das Unternehmen erneuern wollte. Zum Glück verhinderte der Direktor und die Seinen als Besitzer der Aktienmehrzahl durch Stimmenmehrheit baA Unglück. Der Erfinder wurde jedoch begreiflicherweise vor Aerger krank. Die Aerzte rieten ihm nach Wiesbaden. Er bevorzugte aber ein südamerikanfiches Seebad zusammen mit seinem Liebling, der so schön singen konnte. Vorher suchte jedoch der viel geprüfte Mann zu retten, was zu retten war. Er verkaufte den Betrieb des Patentes in den inländischen Provinzen für 100 000 Mk. und verteilte sämtliche- Aktien zur Hälfte . cs Nominalwertes an bedürftige Mitmenschen. Die kräftigsten Wünsche begleiteten ihn über den Ozean; andererseits nahmen ihm unverständige Menschen das übel. Wie unrecht! War der Mann nicht ein Genie? Als er nach Berlin gekommen war, besaß er nichts, als das veraltete Patent eines Feuerungsrostes in Papierwert des Originals.
Tie Aktiengesellscha,: Fortuna geriet nach Verlust seiner genialen Leitung mit 1172 Mk. Aktiva gegen 31/4 Mlllion Passiva in Konkurs. Leider fanden sich unter den Beteiligten einige arme Schlucker, die sogar so schofel waren, daß sie über den Verlust der lumpigen paar tausend Mark ganz melancholisch wurden, obwohl es doch, so schön gewesen war. So ist die geniale Erfindung durch menschlichen Unverstand verdorben. Die Berliner Kriminalpolizei angelt auch — vermutlich immer noch geduldig weiter nach dem Direktor der „Fortuna"; aber Angeln hängen ins Wasser und, tote gesagt, der Goldfisch ist längst — übers Meer. Z
Ku en mit geschickten Händen: Dann geht's los ganz os, beiläufig in Berlin kürzlich etwa so:
In der Friedrichstraße hielt der Direktor der Aktiengesellschaft — niennen wir sie Fortuna — Gmpfangsabend. Ein Hauptmann a. D. und ein Leutnant nahten sich als verspätete Gäste. ,Mässen Sie auch, Kaurerad", sagte der erstere, „daß ich, eigentlich meine Frau, an der Geschichte jetzt mit cci. 40 Mille beteiligt bin; na, verdoppelt sich's, um so besser, schlägt's fehl, auch gut!"
„Sie Glücklicher", lachte der andere, „ich habe bis jetzt nur zwei Aktien vom Schwiegerpapa in spe auf Pump. am ja, habe Chancen bei der Schönsten der schönen töchter."
„Da kann mau wohl schon gratulieren", erwiderte der Hauptmann, fassen Sie sich Ihr Ideal nicht rauben, aber die Kleine erinnert manchmal verteufelt an eine famose Actrice aus Warschau, die auch jo unnachahmlich Fazios war. Wie entzückend die sagen konnte: Papa sieht's ja nicht, das hätten Sie hören müssen. Aber pst, da sind wir an der Garderobe."
Bald hatten die beiden abgelegt uird nahmen an der Festtafel Platz. Es war eine wirklich auserlesene Gesellschaft. Was Eleganz heißt, hier war's entfaltet. Ein Oberingenieur hielt gerade eine Rede auf den Gründer deA Unternehmens, den Festgeber und die Seele des Ganzen. Der dankte in bewegten Worten: „Alle meine Gäste", sagte er, „darf ich mit Stolz Freunde nennen. Sehnte doch mancher von den Herren sich nach, einer seiner Befähigung und doch auch seiner gesellschaftlich hohen Stellung entsprechenden Beschäftigung, und hat nun, kann ich mit Stolz sagen, sei eks als Mtglied des Aufsichtsrates, sei es als kaufmännischer oder technischer Mitarbeiter unseres Riesenunternehmens ein rmgeahnt reiches Arbeitsfeld. Zu besonderer Freude aber gereicht e§> mir, Sie alle zur Besichtigung einer Betriebsanlage unseres Patentes im Hotel König Karl natürlich mit nachfolgendem Souper einzuladen. Seit.einem halben Jahr ist dort unser Patent in Betrieb. Produktionskostenersparuis bis jetzt 14 Mille! Finden Sie sich, bitte, recht zahlreich ein und bewundern Sie unsere Erfolge.
Man sieht: Der Mann redet wie ein Buch, vornehm und liebenswürdig zugleich; dann singt sein Lieblingstöchterchen russische Steppenlieder; etwas schwermütig zwar, aber jeder Ton ein Traum von Licht und Schönheit. Die Zeit verfliegt; erst spät verläßt man das glänzende Mst, und sieht man am nächsten Tag den Betrieb der Kraft- ersparungsanlage im Maschinenraum des Grandhotels, vielmehr man ahnt sie nur im Flammenmeer des Riesenkessels, aber man bewundert in den vorgelegten Geschäftsbüchern die zahlenmäßige Ersparnis infolge dieser einzigen Erfindung. Kein Zweifel, es ergibt sich schwarz auf weiß eine Wenigerausgabe an Kohlen mit 14000 Mk. im letzten Halbjahr.
Während des Festessens betrat der geniale Erfinder nochmals, und zwar diesmal allein, das Privatzimmer
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Gießener Anzeiger
** General-Anzeiger SSK
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
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Zur Keschichte der Reichsgründung.
Nachdem vor einigen Wochen der Leipziaer Historiker Brandenburg in der „Historischen Zeitschrift" oas Werk von Ottokar Lorenz „KaiserWilhelmunddieBegründ- ung des Reiches" einer scharfen Kritik unterzogen hat, tut das Gleiche Hermann Oncken im neuesten Bande der „Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte" (Leipzig, Duncker und Humblot). Oncken stellt den hohen Quellenwert des Lorenzschen Buches ebensowenig in Abrede, wie den patriotischen Sinn der deutschen Fürsten, die ihr geschichtliches Material Lorenz zur Verfügung stellten und mit diesem Material die Auffassung des Jenenser Historikers maßgebend beeinflußten. Aber Oncken bedauert, daß Lorenz sich nicht auf die geordnete Herausgabe seines Materials beschränkte, sondern ein Buch zu den Materialien schrieb, und damit eine nützliche Quell en sammlung zu einem verfehlten Werke machte.
Die Hauptanklage Lorenz' besteht bekanntlich darin, daß er dem Fürsten Bismarck Schwäche gegen Bayern vorwirft, Bismarck als bayernblind behandelt. In Bezug hierauf stellt Oncken bei Lorenz „Ansätze zu richtigen Gedankenreihen" fest, wie denn das ganze Buch außer seiner prinzipiellen Versehltheit noch an erheblichen inneren Mder- sprüchen leide; aber in der Hauptsache verkenne Lorenz die treibenden Kräfte der Bismarckschen Politik bis zur völligen Urteilslosigkeit. „Es ist", schreibt Oncken wörtlich, „so viel über Bismarcks Realpolitik geschrieben worden, daß man glauben sollte, ein Begriff davon gehörte zum Gemeingut des denkenden Deutschen; und dem Historiker vollends sei eine tiesergreifende Vorstellung in Fleisch und Blut übergegangen: mit Ueberraschung sieht man hier, wie weit doch wieder das Verkennen des Eigentlichen getrieben werden kann. Bismarck schätzte den bayerischen Staat imnrerhin als Macht ein, als eine Realität, die Respekt erforderte, und mit der mau in bem neuen Reiche aus alle Fälle rechnen mußte; gut behandelt, tonnte sie eine Stütze des Neugeschajsenen, genötigt aber mußte sie ein ernstes Hemmnis werden . . . Die ganze Bayernpolitik
Bismarcks ist von demselben gesunden Realismus getränkt, der sein ganzes Lebenswerk auszeichnet, sie ist ein wohlbegreifliches Werkstück des ganzen Baues; und die Gegenwart scheint mir eher für als gegen die Notwendigkeit zu sprechen, es weiterhin zu respektieren."
Die zweite Hauptanllage, die Lorenz erhebt, ist der Vorwurf, daß Bismarck zu Unrecht als der Reichsgründer bezeichnet werde, daß dem eigentlichen Urheber des Reiches, Wilhelm L, der wohlverdiente Ruhmesanteil weggenommen sei. In dieser Hinsicht erkennt Oncken eine starke, zuerst durch das Medium Sybels hindurchgeleitete Beeinflussung der Geschichtsauffassung von feiten Blsmarcks an, und betont, daß man sich von den Bismarckschen Tendenzen der Geschichtsauffassung befreien müsse, „^amit wird allerdings", fährt dann Oncken fort, „die Wahrheit nicht aus der Welt geschafft, daß in den Jahren 1862—1871 die Schöpfung des Reiches von Bismarck ausgegangen ist; er hat nicht alles getan, natürlich nicht, sondern eine unsägliche Masse des Verdienstes gebührt den verantwortungsvoll Mithandelnden, dem König Wilhelm I. an erster Stelle, ferner and) allen Mitstrebenden, wie jenen patriotischen Fürsten, und sckfiieß- lick) allen, die in ihrem Kreise, bis zum letzten Train- soldaten herab, während des Feldzuges ihre Pflicht und Schuldigkeit taten; aber der Mann der jedesmal entscheidenden Entschließungen auf dem Wege zum Hohenzollern- schen Kaisertum ist in jedem Stadium Bismarck gewesen, und deshalb dürfen wir ihn als den schöpferischen Gründer des Reiches bezeick)nen, ohne den anderen ihre Kränze, und den reichsten und schönsten dem Könige, zu versagen."
Die überaus scharfen Angriffe Lorenz' gegen „Herrn v. Sybel" und die ganze bisherige Geschickfisschreibung veranlassen Oncken schließlick) zu der Zurückweisung: „Die Grundlage der Lorenzschen Darstellung ist fast regelmäßig unzureichende Kenntnis der Literatur, unkritische Lösung der Probleme, mangelnder Sinn für die Realitäten und eigemvilligsles Bordringell einer allesbesserwissenden Persönlichkeit. Es bestraft sick) dock), von dem Stalldpunkte der Kleinen, der Zuschaiwr, der nur an zweiter und dritter Stelle Mithandelnden Dinge zu beurteilen, die man zu
allererst von dem Zentrum aus zu begreifen versuchen muß; und es bestraft sich nicht minder, dies in so überheblicher Weise zu tun, wie es hier (bei Lorenz. D. Red.) geschieht."
— Die Steinkohlenzeit, d. h. die Erdperiode, in diejenigen Pflcmzeniormen, aus welchen unser wichtigstes Heizmaterial, die Steinkohle, sich im Lause der Jahrtausende gebildet hat, die Fluren der vermutlich von höheren Lebewesen noch nicht bewohnten Erde bedeckt haben, stellt eines jener Gebiete dar, die uns nahezu die besten Aufklärungen über die Entwlckelungsgeschichte der Erde gegeben haben. Die Funde, die namentlich m neuerer Zeit in den großen Kohlengruben Deutschlands und Frankreichs gemacht wurden, haben bereits die Atöglichkeit gegeben, die wichtigsten Pflanzenfornzen jener frühen Erdperiode so genau zu rekonstruieren, als wären uns Abbildungen von Zeitgenossen übermittelt worden. Einer der glänzendsten Versuche, eine Vegetationslandschaft aus der Steinkohlenzeit wiederherzustellen, ist in neuerer Zeit von dem ausgezeichneten Dozenten der Pflanzenpalaeontologie an der Kgl. Bergakademie zu Berlin, Professor Dr. Henry Potonw, unternommen worden, deßen farbenreiche Schöpfung den Hauptanziehungspunkt der 35. Lieferung der großen Publikation Hans Kraemers: „Weltall und Menschhei t", Geschichte der Erforschung der Natur und Verivertung der Narurkräfle, (Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., BerUn und Leipzig) bildet. In den jüngst erschienenen Abteilungen des 2. Bandes führt zunächst Professor Dr. Hermann Klatsch seine allerseits mit größtem Beifall aufgeitommene Darstellung der Entstehung und Entwickelung des Alenfchengeschlechtes zu Ende, während gleichzeitig Prof. Potoni« seine Darstellung der Entwickelung der Pflanzenwelt'mit einer geistvollen Erörterung der Frage „Was ist Leben?" beginnt.
Dem „Staatsanzeiger" zufolge verlieh der K a i s e r anläßlich der diesjährigen Großen Berliner Kunstausstellung den: Bildhauer Pros. Adolf B r ü l t - Berlin, dem Maler Johann S a r g e n t - London, dem Maler Karl B a n tz e^r -Dresden die große goldene Atedaille fiir Kunst, Den Malern Fritz Burger- Basel, Edwin A11 stin - A b b e y - London, den Bildhauern Hugo Lederer- Berlin, Ferdinand L e p t e - Berlin, den Architekten Fraitz u 0 it Hoven und Ludwig 9c eher- Frankfurt a. Al. und dem Alaler Karl V i n s c 11 auf Gur Osterudorf, Kreis Lehe, dle kleine goldene Aiedaille für Kunst.


