Ausgabe 
16.6.1903 Zweites Blatt
 
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wird sie wohl das Gefühl, Königin zu sein, nicht mehr als reines Glück empfunden haben. Ihren Mann beherrschte sie vollständig. Aber sie behandelte ihn immer wie ein B6be. Er beispielsweise nur, was sie ihm auf den Teller schob. Ter König wollte sich absolut nicht malen lassen. Tas Sitzen langweile ihn, er hätte keine Zeit, kurzum er wolle nicht. All mein Bitten war vergebens. So bat ich denn endlich die Königin um ihre Intervention, die sie mir denn auch zusagte. Bei Tisch begann sie dann plötzlich:Mein lieber Sascha, Tu wirst Dich heule malen lassen." Aber der König erwiderte:Heute kann ich nicht, ich habe Ministerrat."Tie Minister können auch ein anderes Mal kommen."Aber ich will nicht."Wenn ich will, hast Tu auch zu wollen. Ick werde die ganze Zeit bei Tir bleiben."Du wirst die ganze Zeir bei mir bleiben?" ,^Ja, ich werde die ganze Zeit bei Tir bleiben." So willigte der König ein und saß mir richtig anderthalb Stunden."

Aus uiiö Amid.

Gießen, den 16. Juni 1903.

Generalfeldmarschall Graf Waldersee, der stch bekanntlich vor wenigen Tagen noch auf einer Inspektions­reise im Großherzogtum Hessen befand, mußte die weitere Besichtigung der hessischen Bataillone ausgeben, da er, wie jetzt offtziös mitgeteilt wird, plötzlich von seinem alten Leiden (Venenentzündung am rechten Oberschenkel) heimgcsucht wurde, daS ihn am Gehen hindert. Nur aus die sein Grunde hat der Gras seine weiteren Inspizierungen unterbrochen.

* Fernsprechverkehr. Vom 15. Juni ab ist Gießen zum Sprechoerkehr mit Paris zugelassen. Gesprächs­gebühr 3 Mk.

* Besitzwechsel. Bäckermeister Amend erwarb das /rüher R e i b e r'schc, auf die Stadt übergegangene Haus Bahn­hofstraße 66 (an der Wieseckbrucke) von der Stadt für 56 000 Mk. Der Bautcchniker Peter Grode kaufte für den Preis von 37 500 Mk. das Besitztum der Witwe des Fab­rikanten Gustav Wiesel Ludwigstraße 40.

* Strauß-Konzert im Neuen Saalbau. Künst­lerische Berühmtheiten erregen bei ihren Gastspielreisen und Vorübergehendem Aufenthalt bei den Provinzlern deren In­teresse und Anteilnahme trotz aller gelegentlichen Reisen nach den Großstädten und der dort erworbenen empsindlicheren Genußfähigkeit. So richtete sich hier die Erwartung auf dies seit einigen Tagen angekündigte Wiener Orchester unter der Leitung des jungen Strauß. Der neue Saalbau mußte alle seine Räumlichkeiten eröffnen und ausnützen, um die große Zahl der Besucher wir schätzen sie auf 5600 auf­zunehmen. Von dem Verlauf und der Ausnahme des Konzerts kann man nur das beste sagen. Der junge Kapell­meister, der mit Temperament und Chic, wie einst Eduard Strauß, der noch beweglicher, aber doch auch graziöser und mit erheblich mehr Schwung und Feuer am Dirigentenpult den Taktstock schwang, sein Orchester, ca. 50 Musiker, dirigierte, vermittelte den Zuhörern eine Fülle anmutiger Klänge mit wunderbarer Leichtigkeit. In der lebhaften und doch immer fein abgetönten Strauß-Musik wirkten die Künstler exakt zu- fammen. Man sah überall gute Schulung. Besonders in der reizenden Zugabe, dem bekanntenLoin du bal, während alle geräuschvollen Instrumente schwiegen und nur das vor­zügliche Zusammenspiel der ©eigen zu vernehmen war, er­kannte man, wie hoch das Orchester in der Schulung steht. Strauß'sche Kompositionen waren natürlich überwiegend im Programm vertreten. Aber auch Schubert, Mendelssohn und Rubinstein wurden mit Verständnis und Geschick vorgetragen. Im herrlichen Largo von Händel zeigten sich Konzertmeister Eckstein im Violinen- und Herr Rabenalt im Harfenspiel mit größtem Ei'olg, so daß sie sich zu einem Extraspiel verstehen mußten. Ganz besonderen Genuß bereitete auch die zierliche Ponchiellische Balletmusik ausGweonda". Daß her jugend­liche Dirigent mit dem Fiedelbogcn in der Hand dirigierte unb öfter sein Instrument zum Mitspiel ansetzte, gab der Musik etwas besonders Originelles. Die Gäste werden nur heute abend noch ein Konzert veranstalten. Es ist sehr anerkennenswert, daß die Besitzer des Reuen Saalbaues uns den hier so seltenen Genuß bereitet haben. Daß sich die Besucher heute gleich zahlreich einstellen werden, daran zweifeln wir nicht.

AuS Anlaß der Reichstagswahlen sind un­sererseits umfassende Vorkehrungen getroffen, um die Resultate der Wahlen in Stadt und Land heute abend so schnell wie nur irgend möglich zur Kenntnis des Publikums zu M'ingen. Vom ersten Einlaufen der Wahlergebnisse an werden Extra­blätter des »Gieß. Anz." in den meisten Restaurants und Gasthöfen sowie an unserem Geschäftshause zur Verteilung gelangen, außerdem aber sollen die Einzelresultate, um sie schneller bekannt zu machen durch Transparent dem Publi­kum vermittelt werden. Für die Gewinnung der Wahlrestil» täte im Reiche haben wir uns einen Spezialdrahtdienst gesichert. Das Publikum wird also in der Lage sein, sich von jedem bei uns einlaufenden Wahlresultat sofort und ohne irgend welche Mühen Kenntnis zu verschaffen. Wir glauben dem Publikuni damit einen um so größeren Dienst zu leisten, als der Ausfall der Wahlen nicht nur in unserer Stadt, sondern im ganzen Deutschen Reiche mit größter Spannung erwartet wird. Große Ereignisse erfordern von einer Presse, die ihrer Aufgabe vollkommen gerecht werden will, umfang, reiche Vorbereitungen; der .Gieß. Anz." glaubt sie getroffen zu haben.

* Korbflechtereien. Frhr. v. Heyl hat, wie wir erfahren, am gestrigen Tage folgenden Antrag bei der Ersten Kammer eingebracht: »Hohe Kammer ivolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, die Beschäftigung der Ge­fangenen mit Korbflechtereien in den dabei in Betracht kommenden Gefängnissen des Landes tunlichst bald einzustellen und eine andere Beschäftigung an deren Stelle treten zu lassen, damit der Druck verschivindet, welchen die Arbeit der Sträflinge auf das alt eingesessene Gewerbe der Korbflechter in den rheinhessischen Gemeinden ausübt.-

- r. Krofdorf, 16. Juni. Gestern machte der Land­wirt Jakob Becker durch Erhängen m seiner Scheuer seinem Leben ein Ende.

Mainz, 15. Juni. Ter hessische B c r b a n b 31 a g b e r 2 pen g l e r m c i ft e r u u d I n a 11 a t c u r c tagte gestern hier. Es wurde einstimmig beschlossen, baß sich oer lsest.jcye dezw. her süddeutsche Verband dem norddeutschen an-

schließe. Ter süddeutsche Verbandstag soll im nächsten Jahr in Tarsrstadi. und der hessische Verbandstag 1905 in Gießen ab gehalten werden.

d. Marburg, 15. Juni. Erhängt aufgefunben wurde gestern ein in guten Verhältnissen lebender hiesiger Kaufmann, der in der letzten Zeit hochgradig nervös gewesen sein soll.

fc. Frankfurt a M., 15. Juni. An einem Neubau in der Schumannstraße stürzte heute mittag ein Gerüst ein und riß vier Maurer mit in die Tiefe. Ter Maurer Tickard aus Vilbel, sowie die Maurer Gebrüoer Müller aus Hornau wurden schwer, der Wtaurer Terwort aus Vilbel leicht verletzt.

kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der 13jährige Sohn eines Bäckermeisters in Mainz, der auf den DampferVorwärts" Backwaren bringen wollte, glitt aus, stürzte in den Rhein und ertrank. In Mainz ist ferner ein Soldat des 87. Regiments namens Ludwig aus Miellen bei Nastätten an Genickstarre ge­storben. Die Leiche wurde nach der Heßnat übergeführt.

Urrmifchies.

* Berlin, 15. Juni. Tas Befinden des an Pest er­krankten Wärters Marggraf ist fortgesetzt günstig. Eine Lebensgefahr ist cus ausgeschlossen anzu­sehen und die baldige Heilung zu erwarten. (Ä kamen keine weiteren Erkrankungen vor. Wegen der Pesterkrcmkungen sand heute nachmittag im Kultusministerium abermals eine Beratung des ständigen Ausschusses und einer von diesem eingesetzten Unterkommission statt. Tic Konferenz beschloß, ton den abgesonderten Personen noch heute abeno den Fuhr- herrn Suade, mit dessen Fuhrwerk der erkrankte Tr. Sachs vom Charlottenburger Krankenhause nach der Charite ge­bracht wurde, die Transporteure Suades, den Charite- pförtner Hilbich, der Tr. Sachs aufnahm, und den Charits- iransporteur Bier aus der Absonderung zu entlassen. Bevor diese Personen aus den Baracken entla,sen wurden, mußten sie die Kleidungsstücke, bie sie früher trugen und mit denen sie in die Baracken eingeliefert ivurden, zu einer gründ­lichen, nochmaligen Desinfektion abgeben. Sie mußten dann ein genau vorgefchriebencs Bad nehmen und erhielten bann von Kopf bis zu den Füßen funkelnagelneue Kleidung. Lierzehu Personen, die zur Beobachtung noch zurückbleiben, werben morgen aus der Baracke 1 nach gründlicher Des­infektion nach der Baracke 3 verbracht. Diese Beobachteten sollen, soweit ihr Zustand es erlaubt, schon morgen oder übermorgen entlassen werden. Die Familie Leptin, be­stehend aus fünf Personen, die sich alle wohl befinden, bie Mutter MarggrafS, der Wärter Boltzen und der Jnstituts- biencr Mai werden noch zurückbehalten. Für sie ist bie Aufhebung der Quarantäne für Donnerstag ober Freitag in Aussicht genommen. Auch bas Befinden dieser Leute ist sehr gut.

* London, 15. Juni. Während der letzten 25 ©tunben geht unaufhörlicher Regen über London und das südliche England nieder, namentlich im Themsetale und große Flachen sind unter Wasser gesetzt. Tie Straßen und Häuser stehen gleichfalls voll Wasser. Ter Eisenbahndienst ift völlig gestört. Tie Heuernte ist vernichtet. Im Hochland herrscht Schnee.

* Paris, 15. Juni. Gestern abend wurden wiederum Versuche gemacht, denParis-BrüsselerExpreßzug zur Entgleisung zu bringen. Stei Feignes wurde eine Schiene aufgebrochen und weggenommen, was unbe- bingt eine Entgleisung zur Folge geljabt hätte, wenn nicht bas Verbrechen noch rechtzeitig entdeckt worben wäre.

* Luise von Toscana. Das zur Pflege des in Lindau geborenen Kindes der Prinzessin berufene Fräulein Hedwig ^ciubold aus Bautzen teilt mit, daß anläßlich der Geburt desselben Tausende von Glückwünschen eingegangen seien, welche die Prinzessin tränenden Auges entgegenge- nommen habe. Die kleine Prinzessin fei sehr kräftig ent­wickelt. Es verlautet, Prinzessin Luise habe letzthin eine Abordnung sächsischer Frauen empfangen, welche chr mit ihren Huldigungen ein kostbares Geschenk überreichten.

* Zum Untergänge desLiban". Der Taucher Pittorino hat nach der Besichtigung des Wracks desLilian" sestgestellt, daß darin mindestens noch vierzig Leichen angeljäuft sind, von denen er nur acht bergen tonnte. Viel ernster ist eine Feststellung des Tr. Gil le t, der an den meisten Leichen tiefe Kopfwunden beobachtete, bie durch hef­tige Schl ä g e beigebracht sind. Das macht bie Behaup­tung glaubwürdig, bie mau bisher nicht Laut auszusprechen wagte, und roonaaj die Schiffsmannschaft des£iban" sich zuerst in die Rettungsboote geflüchtet und die Reisenden gewaltsam von diesen zurückgejagt haben. Sie sollen Frauen, bie sich an den Bootsrand klam­merten, durch Hiebe auf den Kopf zum Loslassen gezwungen und Kinder, die bereits eingeschisft waren, wieder ins Meer zurückgeschleudert haben.

Elf Personen durch ein explodierendes Automobil schwer verletzt. Ein Unglücksfall, bei welchem zahlreiche Personen schwere Verletzungen davon- trugen und durch den em großer Materialschaden ungerich­tet wurde, hat sich in Newyork in der 47. Straße durch die Explosion eines Motorwagens ereignet. In dem Automobil saß zurzeit der Explosion der 27jährigc Chasseur John Seckenson, welcher den Auftrag erhalten hatte, bie befeft gewordene Maschine in eine Reparacurwerlstätte zu bringen. Unterwegs verlor er aber bie Gewalt über da-> Fahrzeug, bas dem Steuer nicht gehorchte, und fuhr auf das Trottoir vor dem Gebäude der Mw-Amsterdam-Banl aus. In dem­selben Augenblick schlug eine mächtige Flamme ans dem Lelbehälter empor und setzte bie Kleider des jungen Men­schen in Brano. Lebensgefährlich verletzt wurde er vom Platze getragen. Bald daraus erschien bie Feuerwehr und versuchte, durch Feuerlöschgranaten die Flammen zu er­sticken. Ta dies nicht gelang, dirigierte man Wasserstrahlen auf das brennende Gefährt. Inzwischen hatten sich mehr als 300 Personen um das Automobil versammelt, die dem Feuer zuschauten. Plötzlich explodierte der Qelbehälter mit lautem Knall, und bald wälzten sich zehn der Neugierigen mit schweren Brandwunden auf dem Pflaster. Turch die Explosion wurden außerdem sämtliche Fensterscheiben der New-Amsterdam Bant >.rmimmert und die zur Hochbahn der dritten Avenue führende Treppe fing Feuer.

Während eines Umzuges der tschechischen B e r e n e in P rag wurden am Sonntag vier gegenwärtig in Böhmen weilende deutsche Bur s ck e n s ch a s i. er, dar­unter zwei Mitglieder der Breslauer Burschen sch öfter der Raczecks von Tschechen angegriffen und mit Stöcken ge- schlageii. Vor dem deutschen Kasino machte der Zug Halt - i o bie "lusiklapelle mußte hier abwechselnd ba* tschechi;che Kampflied und bie tschechische Nationalhymne spielen.

Gerichtsslial.

Mainz, 15. Juni. Ter Lehrer Samuel Josef aus Lampertheim, zuletzt an der höheren Mädchenschule in Wörrstadt tätig, hatte sich dort an mehreren seiner Schüler­innen vergangen. Ter Staatsanwalt beantragt sechs Jahre Zuchthaus. Tie Strafkammer erkannte auf 2i/2 Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust.

Landwirtschaft.

Butter- und Wein proben auf der 17. Wan­der - Au s st e l l u u g in Hannover. Schon seit 1896 hat bie Deutsche Landwirtschaft-Gesellschaft auf ihren Aus­stellungen eine ost halle eingerichtet, in welcher bie Be­sucher ausgestellte Moliereierzeugnisse, also Butter und Käse, und auf dem Ausstellungspiatz gewonnene Milch gegen geringes Entgelt tosten konnten. Ebenso war Fach­leuten Gelegenheit gegeben, an den Ausstellungstagen in den ersten Acorgenstunden in der Butterhalle selbst Butter­proben zu kosten. Von der letzteren Einrichtung ist aller­dings wenig Gebrauch gemacht worden. Um nun bie Aus­steller ui die Sage zu versetzen, ihre ausgestellte Butter und auch diejenige anderer Aussteller auf der Ausstellung selbst kosten zu töunen, und auch Gelegenheit zu haben, den Maßstab zu erkennen, welchen die Preisrichter der Be­urteilung einer hochfeinen Butter zu Griuide legen, wirb die Deutsche Lanowirtschafts-Gefellschaft in biefem Jahre auf der Ausstellung in Hannover erstmalig eine allgemeine fachmännische Bruterkostprobe veranstalton " unter Leitung bes Vorsitzenden des Sonder-Ausschusses für die mirchwirtschaftlichc Ausstellung. Diese fach­männische st oft probt findet am 19. Juni statt. Die Wein pro b e soll an drei Tagen abgehalten werden, und zwar ist in Aussicht genommen, am 19. Juni, Weine aus den 2lnbaugebieten Baden, Lothringen, Eftaß, Haardt, am 20. Juni, aus den Anbaugebieten Franken, Hessen mit Berg­straße und Rheingau, am 22. Juni, aus den Anbaugebieten Rheintal unterhalb Lorchhausen, Nahe-, Niosel-, Saar- und Ahrgebiet vorzustellen, jedoch ist eine Veränderung dieser Reihenfolge Vorbehalten.__________________________________

Neunte Wcllui»gen.

sd. Dar ui stabt, 16. Juni. (Original-Telegramm desGießener Anzeiger*). S. K. H. der Groß­herzog ist heute vormittag 9 Uhr zum Besuch an den Hof von Sachsen-Wc im ar abgereist. Er wirb morgen von dort zurückkehren.

Berlin, 16. Juni Vor dem Kaiser, dem Stell­vertreter des Kriegsministers, ocii Offizieren des Kriegs ministeriums und Denen der Artillerie uno Ingenieurschule fand heute auf dem Schießplätze bei Kümmersdorf ein Ge­schütz s ch i e ß e n mit Besichtigung oer Geschütze statt. Der Kaiser hat dem Verein ehemaliger Garde du Corps in Potsdam eine Standarte zum Geschenk gemacht. Im Verein für inner e Medizin fanden die beiden P e st - fälle eine eingehende sachliche Besprechung durch den Geh. Medizinalrat Professor Kirchner, vortr. Rat im Kultus minifterinm, und Professor Kölle, Abteilungsvorsteher am Königl. Institut für Infektionskrankheiten. Geheimrat Kirchner gab eine zusammenhängende Darstellung des ersten Falles, der den österreichischen Arzt Tr. Sachs be» trifft und schilderte den Vorgang der Erkrankung, wie er bereits bekannt geworden ist. Geheimrat Kirchner be­tonte bezüglich des zweiten Falles bei dem Krankenwärter Marggraf, daß derselbe einen durchaus günstigen Verlauf nimmt, was wcchrscheinlich auf die Behandlung mit Pest- ferum zurückzuführen ist. Professor Kolle nahm sich in einen Darlegungen des verstorbenen Kollegen mit großer Wärme an, rühmte sein ruhiges sorgfältiges Arbeiten und hob ausdrücklich hervor, daß den jungen Forscher keine Schuld treffe.

Berlin, 16. Juni. Das über Berlin und den Vor^ orten niebergegangene Gewitter hat mancherlei Unheil im Gefolge gehabt. Mehrfach wurden Personen von Blitz­schlägen betäubt und erheblicher Muteriolschaden au elektrischen Anlagen angerichtet. In Schöneberg wurden an verschiedenen Stellen ziemlich erhebliche Ueberschwemm- ungen verursacht.

Homburg v. d. H., 16. Juni. Großfürst Wla­dimir Alexanbrowitsch, bcr Bruder beS Zaren, traf gestern abend mit Gefolge zum Kurgebrauch hier ein.

Duisburg, 16. Juni. Ein Güterzug überfuhr heute daS Haltesignal bei Bottroc. Der Zug fuhr auf einen Prellbock auf. Ter Lokomotivführer wurde getötet, der Heizer und der Zugführer schwer verletzt.

London, 16. Juni. .Morning Leader" verlangt von der Regierung Aufklärung über bie Nachricht von einem Einverstänbnis zwischen England unb Siam, wo­nach England bas Okkupationsrecht über bas Fürstentum Kelatan zugesprochen wirb. Das Blatt erinnert daran, baß bie Regierung vor einem Jahre bie Meldung energisch dementiert habe, wonach sie beabsichtigte, dieses Gebiet in Besitz zu nehmen. .Morning Post" ver­langt ebenfalls Aufklärung über biefe Angelegenheit. Die Morgenblätter besprechen eingehend den Konflikt, welcher zwischen Schutzzöllnern und Freihändlern ausge­brochen ist. Sie stellen fest, baß Chamberlain einen neuen hervorragenden Anhänger in der Person bes Lorb Lanbsdownc gefunden habe.

Marseille, 16. Juni. Einer bei der Rhedereigesell- chaft Fraissinet eingegangenen Drahtmeldung zufolge ist der­en g lisch e Dampfer Ossa bei dem Versuch, den bei der Elfenbeinküste gescheiterten Dampfer Antoine Fraissinet frei- zumachen, ebenfalls gescheitert. Der Verlust beider Schiffe ist als versichert zu betrachten.

Prag, 16. Juni. lieber Norbost-Böhmen gingen chwere Unwett er mit Hagelschlag nicber, bie an Ge» bäuben unb Kulturen großen Schaden anrichteten. Sttich- weise ist bie ganze Ernte vernichtet. In Pilsen schlug ber Blitz in bie Kirche und tötete brei Personen.

Budapest, 16. Juni. Lssiziös wirb nunmehr bestätigt, daß Szell bereits seine Demission gegeben habe unb daß Graf Stefan Tisza bie Ministerpräsibentschaft über­nehmen unb em Regime ber starken Hanb und ber größten Energie einführen wirb. Die oppositionellen Parteien er­klären bereits jetzt, baß, falls Tisza eine Gewaltherrschaft einführen sollte, es zu einer noch nie bagewejenen Knsu l'ommen werbe.

Beigrab, 16. Juni. Die Abordnung, die den König aus Gens abholen soll, besteht aus 4 Sena­toren und 20 Mitgliedern ber Skuptschina. Tie Abordnung reift morgen mit 22 dem König ^geteilten höheren Offizieren