Ausgabe 
16.5.1903 Erstes Blatt
 
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Jahr um die Leitung des hiesigen Stadttheaters be­worben und sie auch erhalten hat, ist nachträglich mit einer Reihe von Wünschen an die Theaterdeputation herangetreten. Hauptforderungen sind: Preisermäßigung für Licht und Heizung, Erbauung von Garderoben, deren Erträgnis (siel seither den Beschließerinnen zu) der Direktionskasse zufließen soll usw. Da m dieser Angelegenheit gestern und heute im Beisein des Herrn Steinert Sitzungen der Theaterdeputation stattsanden, weitere Verhandlungen in Aussicht genommen sind, so scheint der Theatervertrag in manchen Punkten er­gänzungsbedürftig zu sein. Das .Fuldaer Kreis­blatt" enthielt in Nr. 51 die Anzeige: .Stadttheater Fulda. Freitag abends 8 Uhr Einmaliges Gastspiel. In decenter Aufführung! .Monna Vanna". Schauspiel von Maeterlinck." Danach trägt Monna Vanna im 2. Akt unter dem Mantel ein modernes Straßenkoslüm und läßt sich außer­dem bei dem Besuch im Zelt von ihrer Schwiegermutter und einigen Freundinnen begleiten. Auch geht sie nicht nachts, sondern zur gewöhnlichen Visitenzeit, um die Mittagsstunde, zu Prinzivalll. Ein in Wiesbaden wohnender, nicht mehr praktizierender Arzt hat eines unheilbaren Magen­leidens wegen sich in einem Anfall von Schwermut er» schossen.

Vermischtes.

Duisburg, 15. Mai. Heute nachmittag brach in der Spinnerei von Henn & Trip Gr o ßfeuer aus. Trotz­dem die Arbeiterschaft sofort energisch cingrisf, verbreitete sich das Feuer mit rasender Geschwindigkeit über das ganze Spinnerei-Gebäude. Der durch dan Brand angerichtete Schaden ist bedeutend.

* Breslau, 15. Mai. TerGen.-Anz." meldet aus Slupna einen neuen Fall von schwarzen Pocken. Ter Erkrankte ist der dortige tz a u p t l e h r e r. Die Schule ist sofort geschlossen worden. Tie Angehörigen des Er­krankten sowre die beiden andern an der Schule cuntierenüen Lehrer wurden sofort geimpft.

* München, 15. Mai. Ter Bankier Wörle, Mit­inhaber der in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Bankfirma Vörie & Wagner, hat sich heute vormittag erschossen.

Gerichtssaal.

Berlin, 15. Mai. Ter Beleidigungsprozeß des Bildhauers Professor Ernst Moritz G e y g e r gegen Professor Max Klinger, der in den Künstlerkreisen so großes Aufsehen erregt hat, beschäftigte heute in der Berufungsinstanz die achte Strafkammer des Landgerichts I. Es handelt sich um den voil Professor Klinger im ,Lpz. Taget)!." veröffentlichten Artikel .Ein Gcgenscherz", in welchem allerlei überTeslamenlskünstter" angedeutet wurde, die es in den letzten zehn Jahren verstanden hätten, große Summen, die von edlen Menschen zu künstlerischen Zwecken gewidmet waren, diesen Zwecken zu entziehen. In einem zweiten Artikel hatte Professor Klinger feine allgemeinen Behaupt­ungen durch ein Beispiel zu illustrieren gejucht, in ivelchem dem Professor Geyger zum Vorwurf gemacht wurde, daß er die außer­ordentlich reichen Zuwendungen einer Kunstmäeemn, die der ge­samten deutschen Künstlerschaft zugute tommen sollten, den Absichten der hochherzigen Geberin zuwider verivendet habe. In der ersten Instanz ist es zu eingehender Beweisaufnahme über diese Behaupt­ung gekommen und die Berhandlungen endeten mit der Berurtellung des Professors Klinger zu 50 Mk. Geldstrafe. Der Gerichtshof Hane dabei angenommen, daß Professor Klmger die edle Absicht gehabt habe, den Künstlern ein nach {einer Ansicht gejährdetes Kapital zu-

ruckzuerobern, daß er aber m der Form gefehlt habe. Professor Klinger hatte sich bet dem Urteil beruhigt, dagegen hatte P ro­ses jor Geyger die Berufung eingelegt. In der heutigen Verhandlung trat Justizrat Wroiiker dafür ein, die Streitsache durch einen honorigen Vergleich aus der Welt zu schaffen. Tem Proieffor Geyger müffe es darauf ankommen, daß der Vorwurf der Unter­schlagung nicht bestehen bleibe. Justizrat Broda erklärte namens des Proseffor Klinger, daß es diesem ferngelegen habe, den Proieffor Geyger zu beleidigen. Ten Vorwurf der Unterschlagung habe er nicht erhoben. Es handle sich vielmehr nur um den Vorwurf, daß Proieffor Geyger in gewissem Sinne einen Vertrauensbruch be­gangen und sich längere Zeit der Erfüllung ihm auicrlegter Pflichten entzogen habe. Proieffor Klinger habe nur die ideellen Jntereffen der Künstlerschaft wahren wollen. Nach längeren Verhandlungen zwischen den Parteien kommt folgender Vergleich zustande: Klinger erklärt, er habe nicht die Absicht gehabt, durch seine Kundgebung m der Presse Proseffor Geyger tn seiner Ehre zu kränken und zu verletzen. Beide Parteien sprechen den Wunsch aus, daß die An- gelegenheit hierdurch endgültig erledigt sei. Der Privatkläger nimmt die Klage zurück, der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens beider I n st a n z e n.

Privat-Dlskont 8 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

211.00

211.12

139,50

180.00

183.60

Oest. Kredit. Deutsche Bank Tarmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau

Schluß-

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. . 211.20

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. . 180.20

. 183.30 ^Tendenz: ruhig.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 15. Mai 1903.

(Mitqeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Tie heutige Börse bot ein Bild absoluter Stagnation, sodaff von einem eigentlichen Verkehr kaum die Rede sein fami. Tie Wiener Anregung, Lombarden franko Zinsen au handeln, verur­sachte eine leichte Abschwächung derselben, und ferner bewirkte der umreundliche Jronmonger-Bericht einige Blancoverkäuse in Hütten- aktien. Hingegen ist die Tendenz des übrigen Marktes, wenn über­haupt bet der Geschäftslosigkeit von einer solchen die Rede sein kann, als fest zu bezeichnen. Türken wurden wiederum gekauft auf die Nachricht, daß der osmanische Ministerrat den Unisizierungsplan einmütig unterschrieben und Spanier auf die ausgezeichneten Ziffern der Handelsbilanz. Kanada abgeschwächt rm Einklang mit der New-Yorker Notierung. Auf dem Kasiamarkte Zinkwerte hoher.

Auszug aus dkll Ltüvdessmtörktzljlem der Statt Gutzkll.

Aufgebote.

Ten 11. Mai. Ludwig Bogelhöfer, Fabrikarbeiter dahier mit Franziska Bergniann dahier. Den 12 Mai. Johann August Rühl, Taglohner dahier mit Katharine Tritsch dahier. Samuel gen. Salli Strauß, Kaufmann in Lauterbach mit Wilhelmine Stern dahier. Ten 14. Mai. Heinrich Becker, Knecht dahier mit Mar- flarete Kröll dahier.

Eheschließungen.

Den 9. Mai. Johann Karl Marx, Kaufmann in Frankfurt a. M. mit Johanna Wallenfels dahier. Ludwig Wilhelm Krug, Genchtsasseffor in Mainz mit Sophie Friederike Adami dahier.

Geborene.

Ten 4. Mai. Dem Kaufmann Adolf Dinges eine Tochter, Anna Auguste. Ten 5. Mai. Dem Kaufmann Jakob Karl Emil Rau eine Tochter, Georgine Hermine Anna Elisabethe. Ten 6. Akai. Dem Stationsdiätar Hugo Wolf eine Tochter, Margarete Ida Anna Else. Den 8. 9)iai. Dem Vrie'träger Hermann Mickel eine Tochter, Marie. Dem Dachdecker Wilhelm Thielmann ein Sohn. Dem Metzgermeister Gustav Trinkaus eine Tochter. Den 9. Mai. Architekt Gustav Hamann ein Sohn. Dem Wirt Emil Mißler eine Tochter, Martha. Dem Kunstschloffer Arthur Paul Gräfe eine Tochter. Dem Weißbinder und Lackierer Emil Schmall lll. ein Cohn. Ten 11. Mai. Dem Schneider Christian Vaubel eine Tochter, Minna Margarete. Tem Bahnverwalter der Bieber-

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Gestorbene.

Ten 10. Mai. Anna Marie Bohnert, 76. Jahrei Monat alt, Pflegling in der Provinzial-Llechcnansialt dahier, -ten 12. Mau Juliane Kahn, geb. Wolf, 41 Jahre 7 Monate alt, Ehefrau des Schneiders Hermann Kahn dahier. Ten 13. Akai. Luise Jung, 30 Jahre 6 Monate alt, Pflegling in der Provinzial-Liechenanltall dahier. Georg Albert Hammel, 1 Jahr 11 Monat, >^ohn des Müllers Heinrich Hammel dahier. Elsa Katharine Elisabethe Wenzel, 1 Jahr alt, Tochter des Metzgers Friedrich Wenzel dahier. Ten 11. Mai. Mathilde Gemmccker, ged. Basiert, 28 Jahre 2 Mo- nate alt, Ehefrau des Kaufmanns Karl Gemmecker dahier.

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