Iler
verem Leiden Urvater und
erbliebeneu.
8971
L Mai, nach-
ierbliebeuev.
3977
\atynt an dem auen, Mrrs,
ÄTill
Blumenspenden
irbenve
Leiert®
11*"6,,**”’ ‘ Klanzl inben^1' «**“ «er,
tut deulbattu
Iftfate -vr
a - |3Vto ftÄ*Ä •Juropa/W^ »Art reell'.
s Monac o" Dcr irt.Htiet geir- ■ 8^ veinu a tiftt. A'-ttn unter
Nr. 114
Qrfd)etnt täglich «wtzer Sonntags.
Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kessischen tanöroirl die Siebener Kamillen* bläuet viermal in der Woche beigelegL
Rotaitonebrucf u. Der- lag der Brüh l'schen Unlver1.-Buch- u. Eiein- b rudern (Piellch Erden) Redaktion, Expedition und Druaere»:
Echalftraße 7.
Hbtellt !üt Deveschenr «n Zeiger «tetzeu.
^emiprrcdanldilubAr 61.
Samstag 1«.Mai I9yg
153. Jahrgang
Erstes Blatt.
/ jy O /*> "TET Q mo^aifidiTöVkoiitel.
GletzenerAnzeigerW
" General-Anzeiger " 3BK
v w den poltL anb aUgem,
Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WWZ ’ «KJ jctqenteU: Hon« Beck.
Volitische Tagesschau.
6m bedeutungsvoller Ttapellaaf.
Von besonderer Seite wird und geschrieben:
Der Kaiser hat den ReichSlanden, dessen Bevölkerung ihm soeben lvieder eine begeisterte Ausnahme bereitete, eine Aufmerksamkeit zugedacht: das auf der Danziger Werft demnächst vom Stapel lausende Lin ie n schis f „I" soll einen auf Elsaß-Lothringen bezüglichen Namen erhalten. Die reichisländische Bevölkerung wird schon vom idealen Gesichtspunkt aus Genugtuung empfinden, auf diese Weise in unmittelbare Beziehung zur Marine gebracht zu werden. Die Meldungen zum freiwilligen Dienst in der Marine kommen verhältnismäßig am zahlreichsten aus den Reiä-Hlanden, auch dem See-Lssizierkorps gehören Elsaß- Lothringer in ansehnlicher Zahl an. Es bestätigt such hier die Erfahrung, daß die Sympathie für das Seewesen mit der Entfernung vom Meere nicht schwindet, sondern zunimmt. Diese Linienschifstaufe wird nicht minder unter dem politischen Gesichtspunkt beifällig ausgenommen werden. Es kommt in ihr das Bestreben zum Ausdruck, die Reichslande den anderen Bundesstaaten gleichzustellen. Die dem Täufling ,L" gleichklassigen, bereits schwimmenden Linienschifse fuhren die auf Bayern, Württemberg, Baden und Sachsen bezüglichen Namen: „Wittelsbach", „Zählinnen" und „Weltin", wobei allerdings zu bemerken ist, daß diese Bundesstaaten, wie auch Oldenburg, bereits früher, durch gleichnamige Panzerschiffe älteren Typs mit der Morine in Verbindung ftaiiden. Dasselbe gilt von den Reichslcutden insofern, ars die Namen zweier Schlachten aus dem deutsch- französischen Kriege üi der Marine festgehalten sind, nämlich durch dre Schiffe „Weißenburg" und „Wörth", die während der Ehinawirren dem im fernen Osten wirkenden Panzergeschwader angehürten. Tas Linienschiff „I" wird aber vermutlich den Namen „Elsaß-Lothringen" erhalten und damit den unlöslichen Zusammenhang, die organische Verbindung der Reichslandc mit dem Reich in marlanterer Weise dartun. Der Diltaturparagraph ist gefallen, binnen kurzem wird die Reiä)skriegflagge aus einem das schöne Elsaß-Lothringen verkörperiiden Schlachtschiffe wehen — es bedarf nur noch. daß der Lalidesausj'cyuß in Straßburg die vollen Befugnisse eines Landtags, einer Volksvertretung erhält, dann bleibt den Elfaß-Lothringern politisch nichts mehr zu wünschen übrig.
Angriffe gegen Deutschland.
Man schreibt uns aus Berlin, 15. Mai:
Versuche, Mißstimmung zwischen Deutschland und Italien zu erregen, sind in jüngster Zeit häufig zurück- gcwicsen worden. Heute sind russische Blätter, an der Reihe, eine offiziöse Abkanzelung zu empfangen. Tie „No- rooje Wremja", beiläufig von jeher bekannt wegen ihrer Abneigung gegen Deutschland, l)at fith aus Rom melden lassen, natürlich aus „sicherer Quelle", daß trotz des Trangens des Kaiser Wilhelm der Vatikan seine Stellung in der Frage über das Protektorat der Missionen im Orient nicht ändern werde. Ein anderes Petersburger
Blatt nahm das Telegramm zum Anlaß der spötttschen Bemerkung, es dürfte in Paris recht angenehm, in Berlin unangenehm berühren. Tie „Nordd. Alla. Zth." kennzeichnet demgegenüber den wirklichen Eindruck: lediglich Heiterkeit. Ein deutsches Trängen auf Abänderung des gegenwärtigen Zustandes in der Protektolaisfrage habe gar nicht stattgefunden. — Es wird nicht ausbleiben, daß das deutschfeindliche Konsortium ausländischer Preßorgane, dem neuestens die „Agence Havas" beigetretcn zu sein scheint, sortfährt, zum Zweck der Verdächtigung oder Ironisierung der deutschen Politik bereitwilligst auch der törichtsten und uiiwahrscheinlichsten Meldung Verbreitung zu geben. „Times", „Newyork Heralb", „Figaro" und „Nowoje Wremja" reichen sich in diesem gemeinsamen Bestreben freundschaftlich die Hand. Aber wird den Machenschaften nicht zuviel Bedeutung beigelegt, indem man sie an unseren amtlichen Stellen immer wieder der Beachtung würdigt? Sollte darin nicht vielleicht gerade ein gewisser Anreiz liegen, daß untere Intimen auf neue Bosheiten finnen? Um alle Erfindungen zu dementieren, müßte die „Nordd. Allg. Ztg." oder der „Reichsalizeiger" eine ständige Rubrik führen. Es ist wohl zweckmäßiger, Angriffe solcher Art unbeachtet zu lassen. Ein Vernünftiger glaubt nicht daran, und wer sie doch glaubt, den belehren auch die Richtigstellungen nicht eines besseren.
ttirchc und Schule.
Das Programm der Eisenacher Konferenz bringt u. a. am 9. Juni Morgenandacht von P. Samuel Keller aus Düsseldorf, Die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben mit Rücksicht auf ihre neuesten Bestreiter von Prof. D. Lütgert aus Halle, Rechtfertigung und Heiligung in ihrer Einheit und Unterschiebenheit von P. Zeller aus Magdeburg, Was lernen wir für die Heidenmission aus der Geschichte der Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten? von Prof. D. Warneck aus Halle. — 10. Juni Theologische Konferenz, Morgenandacht von Unitätsdirektor Bauer aus Berthelsdorf, Der gegenwärtige Stand der Theologie von Pros. D. Kähler aus Halle, Die geschichtlichen Gcunolagen der christlichen Weltanschauung von Dr. Lepsins aus Berlin. Bei der Theologischen Konferenz sind auch Mchttheologen als Zuhörer wültommen. Anmeldungen zur Teilnahme an der Konferenz sind zu richten an Herrn Richard Schäfer, Berlin W. 10, Lützow-Ufer o, vom 4. Juni ab an Herrn Richard Schäfer, Bureau der Konferenz ui Eisenach. Dort sind auch Einladungen und Anmeldeformulare zu bestellen. Bei der Anmeldung ist anzugeben, ob ein Zimmer im Hotel oder Privatlogis (zu mäßigem Preis) bepellt werden soll, auch ob für zwei, drei oder vier Nächte und wieviel Betten.
<^us §tüät unii £nni>.
Gießen, 16. Mai 1903.
— ReichStagswahl. Nach der in vorliegender Nr. enthaltenen Bekanntmachung der Großh. Bürgermeisterei liegt die Liste der bei der bevorstehenden Reichstagswahl Stimm
berechtigten von Dienstag, den 19. Mai bis Dienstag, ben 28. Mai einschließlich, auch am Himmelfahrttage und Sonntags, vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 biS 5 Uhr auf Zimmer Nr. 14 der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Die gedruckte Liste liegt der Stadtauflage der heutigen Nr. des „Gießener An- jeigerß- bei.
LU. Von der Universität. Die Zahl der bis Freitag, den 15. Mai, neu eingeschriebenen Studierenden betrügt 288, darunter 22 Theologen, 44 Juristen, 41 Mediziner, 29 Veterinärmediziner, 152 Angehörige der philosophischen Fakultät. Im Ganzen beträgt die Zahl der Eingeschriebenen bisher 1077.
** Das Präsidium der Krie ge r kam erad* schäft „Hassia" hat an die Vercinsvorstände ein Rundschreiben gerichtet, in dem ev die Mitglieder der militärischen Vereine auffordert, im bevorstehenden Wahlkampf gegen die Sozialdemokratie zusammenzustehen. (Wie wir von auswärts hören, ist dieser Beschluß vom Präsidium nicht einstimmig gefaßt worden. Einzeuie Mitglieder des Präsidiums vertreten vielmehr die Anschauung, daß die „£>af|ia" sich von allen politischen Singen konsequent fernzuhalten habe. Die Red. d. Gieß. Anz.)
— Der Kriegervereinsbezirk Gießen hielt seinen ersten Bezirkstag ab. An mehrere Vereine, die auf ein 25jährigeS Bestehen zurückblicken, sowie an Kameraden, die 25 Jahre dem Vorstand eines Vereins oder des Bezirks angehören, wurden Ehrentafeln überreicht. Zum Delegiettentag der „Hassia" in Bingen wurde als 'Vertretet dcr Vorsitzende deS Bezirks, Herr Bruchhäuser, gewählt, zu seinem Stell- vettreter Bürgermeister Leun- Großen-Linden. Ferner fanden Besprechungen über das BezirkSkriegerfest statt, das am 18., 19. und 20. Juli in Wieseck gefeiert wird. Mit dem Feste ist die Feier deS 30jährigen Bestehens des KriegervereinS Wiefeck verbunden. Der Besuch des Festes wurde den Kameraden warm empfohlen. Außerdem kam noch bet Jahresbericht der Kriegerkameradschaft r$affia- zur Besprechung.
** In dem beliebten Ausflugsort Annerod, das namentlich auch von unserer Studentenschaft als Bierdorf stark besucht wird, wird morgen Sonntag eine neue Bier- unb Acpselweinquelle erschlossen. Gastwirt Weller hat am Fuße bet Anneröber .Platte" eine Sommerwirtschaft errichtet, bie am bezeichneten Tage mit ben üblichen Formalitäten ihrer Bestimmung übergeben werben soll unter Assistenz vieler bietehrlicher PhÜistet unb erprobter Aepfelwein- geschworener.
Kleine Mitteilungen aus Hess em und den Nachbarstaaten. Im Mainzer Weinprozeß Schlamp würben nicht weniger als 1500 Nck. Zeugengebühren aus- bezahlt. Die gesamten Kosten werben sich auf etwa 15 000 Mark belaufen. — Aus Mainz wirb vom 14. b. MtS. geschrieben: Direktor Steinert-Berlin, ber sich im vergangenen
Aoöert Aüchtger.
Gemäldeausstellung des KuustvereinS im Turmhaus am Brand.
Gießen, 16. Mai.
Ten genauen, täuschenden Eindruck der Natur aus dem Bilde wiederzugeben, würde keinem Maler gelingen. Die Unzulänglichleit unserer Mittel, das bloße Bewußtsein, daß es Schein ist, wenn in willkürlichem Rahmen ein Kunstwerk vor uns entsteht, läßt die natürliche Wirkung nicht in uns aufkommen. Es sind zwei von einander verschiedene Welten, die natürliche Welt und die Welt der künstlerischen Offenbarung. In dieser letzten sucht der Künstler sich avzufinden mit der Welt, in der er lebt. Unsere besten und edelsten Künstler haben das in ihren Werken dokumentiert, und einige von ihnen haben auch in ihren Briefen und Schriften davon ein deutliches Bekenntnis ablegt. „Tie Liebe zum Bäumli bringt was ganz anderes hervor, als wenn so ein Esel es schön abschmiert", sagte Moritz von Schwindt, unb Feuerbach und Boecklin haben sich in ganz demselben Sinne ausgesprochen.
Robert Büchtger ist auch kein Abpinseler,^wenn er auch fast all seine Motive aus der Natur schöpft. Schon der Umstand, daß sich eine besondere Vorliebe für gewisse Objekte in seinen Bichern kundgibt, beweist, daß er mit seinen eigenen Mitteln arbeitet, die er aus dem Studium der Natur gewonnen hat. 120 Bilder hat dieser Münchener Künstler in unserem Turmhaus am Brand ausgestellt. Das macht zunächst ein wenig mißtrauisu), aber wie angenehm ist man überrascht, wenn man sieht, daß die Sammlung in allen Stücken auf ein außergewöhnliches Talent schließen läßt und in ihrer Gesamtwirkung durchaus vornehm und gediegen ist.
In seinen Ochsen- und Pferdefuhrwerken hat Büchtger ganz hervorragende Erfolge sich geschaffen. Da ist aus einem Gemälde ein Bauer, der in einer Hand seine Tabakspfeife, in der anderen feinen Spaten trägt. Langsam schrecket er neben seinem OclFengespann dahin. Man sieht nicht den Wagen, den die Tiere nach sich schleppen, man sieht nur die großen Ochsenköpfe, die im Takte sich hin und her bewegen Ter eine hat sich eben erhoben unb wendet sich uns mit blödem Blick zu, indessen der andere sich senkt und seitwärts vor sich hinblickt. In der Farbe ist das Bild sehr fein empfunden. Keine schreienden Töne sind da angeschlagen, wie das Fuhrwerk sich auf dem blaffen Grün bet Wiesen, der weißen Wasserfarbe d^s Bacyes, sicy bewegt. düich die gedämpfte Farbe des violetten Himmels die sich
etwas verdüstert, wie sie die sich emporstreckenden Hörnerund den Stiernacken umsäumt, fügt sich wirkungsvoll zu der wohl erwogenen Komposition des Bildes.
Ein in der Stimmung ber Farben vielleicht noch besser wirkendes Gemälde ist das an der hinteren Wand des Saales sich befindende wieder einen schnurrbärtigen Fuhrmann und Pferdeköpfe darstellend. Büchtger hat eine auffallende Neigung zu blauen Arbeitsschürzen. Doch führt sie ihn nicht zu kleinlicher Detailmalerei. Stets hat er die Gesamt- stimmung im Auge, unb es ist erstaunlich, mck welchen sicheren, großen Pinselstrichen er die vornehme Ruhe und Abgeklärtheit in seinen Bildern zu stände bringt. Mr hätten noch ettiche ähnliche Gemälde von Büchtger zu erwähnen, die dieselben Mottve ausführen.
Von großem Humor und mit allen Vorzügen des sorgsamen Kolorits ausgestattet ist das Bild des dicken Metzger- meisters, der da auf seinem eigenen Gefährt durch die Felder kutschiert. So breck und selbstherrlich der fette Herr fast bie ganze Fläche bes Bildes einnimmt, s.o hindert das doch nicht, daß das Auge mit Befriedigung und Vergnügen darauf verweilt. Wie sicher ist das flüchtige Bild aus dem Getriebe des Tages isoliert worden. Wie tonnte ber Künstler es fertig bringen, über diesen schreiend blauen Sonntagsanzug Michel Pickels mit solcher Bravour zu reflektieren! Es gehört doch eine Beständigkeit des künstlerischen Einfalles sondergleichen dazu, diese sttahlende Bekleidung so heiter und mildernd auszuführen! Nur die Uhrkette, blank, aber wahrscheinlich nicht von edlem Aietall, stört ein wenig, weil sie so beharrlich sich von dem großen blauen Grunde abhebt.
Aber auch auf andere Gebiete erstreckt sich das Talent Büchtgers. Eine Menge großer und kleiner Landschaften zieren die Ausstellung. Ta ist der „Sommernachmcktag", ein arbeitendes Mädchen auf einer Bank unter einem Baum; über einem Dörfchen in der Nähe und auf Feldern unb Wäldern liegt Sonnenschein. So warm und herzlich ist das Bild im ganzen gesehen, wenn auch der Blick nicht von großer Tauer ist.
Tas Bauenchaus in Seebrück ist ein wunderbar sorgfältig gemaltes Bildchen. Wieder verrät sich hier die unermüdliche Festhaltung am ursprünglichen Eindruck, das Merkzeichen des echten Malets. Häuschen, Obstgarten, Hühner, bie im Gra,e einherspazieren, Luft und Perspektive, sind mit selten sicherer Haiid auf die Leinwand gezaubert.
Wichte Kunst soll so unmittelbar herooibtechen wie bie Natur feiber. Tas zeigt sich auch in den Porträtstuoien, die in ber Ausstellung vertreten lind. Büchtger hat einige
russische Tchpen mit Meisterhand gemalt Großes Interesse werden sein Selbstporträt und das Porträt seiner Frau erregen. So muß in der Tat der Künstler aussehen: ein energischer Kopf mit langem Schnurrbart und den großen, Hellen Maleraugen.
Eine kurze Besprechung seines größten und schönsten Werkes, das sich in ber Ausstellung befinbet, haben wir uns bis zuletzt aufgespart. „Sibirische Flüchtlinge" ist ein groß angelegtes Meisterwerk, bas jeher großen Galerie zur Zierde gereichen würde. Ein hagerer Flüchtling schrecket in gebeugter Haltung unentschlossen durch eine Schneewüste, einen toten Gefährten, cm ben er burch eine eiserne Kette gefesselt ist, hinter sich nachziehenb. Ter Schnee, in bem bie Stiefel bes Unglücklichen waten, ist vorzüglich gemalt Wieber ist es bie blaue Farbe, ber Lichtreflex im Antlitz bes Mannes, bie Büchtger mit größter Wirksamkeit angesetzt hat. Ter Ausbruck ber stumpfen Verzweiflung im Antlitz bes verlassenen, halbverhungerten Menschen, seine müde, schlaffe Haltung, ziehen bas Auge unwiderstehlich in langem Verweilen hin. Tas grelle Licht bes geröteten Himmels, bie ansteigende Schneewelle, bie sich oben im Halbbunkel verliert, sind Gegensätze von seltener Stimmung. Und man betrachte die Technik des Bildes! Wieder der kühne, flotte Pinselstrich, der bie Farben zu vornehmster Gesamtwirkung zusammenfügt
Tas andere große Gemälde Büchtgers „Ter blinde Pilger", zeugt ebenfalls von der großen Begabung des Künstlers, ist aber nicht von dieser unmittelbaren Wirkung wie bas anbere. Tas Gestrüppe ber russischen Steppe, die bunflen Farben flecke ber Sumpsgegenb, lassen bie große Fläche des Gemälbes zu sehr zerfallen.
Büchtger hat, bas geht aus allen Bildern, die er hier ausgestellt hat, auf das intimste die Natur studiert. Doch arbeitet er nicht nach äußerlichem Strich. Er hat eine große Anzahl ganz reizender kleiner Bilder in der Ausstellung hier hängen. Wir nennen nur „Schlittenfahrt" unb „Duett", bie zu verhältnismäßig sehr billigem Preise zu verkaufen sinb. Würben unsere tunfüiebenben Kunstvereins- rnitglieder nicht bie Gelegenheit wahrnehmen, eines oder das anbere ber kleinen ober auch größeren Meisterwerke zum Kauf auszuwählen? Erfreulich ist bie Bewunberung, die man ben Erfolgen des Lünsllers zollt, aber noch erfreulicher würde bie Kunstsreube ber Kaufkräftigen sich dokumentieren, wenn eine größere Anzahl der schönen _erf, ixs bcviuiencen Künstlers als bauerndes Besitztum in unserer Stadt verbleiben würde. A. G.


