Ausgabe 
16.3.1903 Zweites Blatt
 
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für die Reform der TouvernementSverrvaltung. Außer drei Gehilfen des Ministers und einigen DeparternentSchefS nehmen fünf Gouverneure an den Beratungen teil.

Aus Stadt uud Saud.

Gießen, den 16. März 1903.

** Die zahlreichen Obstbaumvflanzungen an den Kreis st raßen brachten nach sachkundiger Zu­sammenstellung im vorigen Herbst einen Ernteertrag von fast 10000 M l ein. Wenn man bedenkt, daß die Obst­baumanlagen unseres Kreises noch juna und die ältesten kaum 20 Jahre alt sind, so muß man diesen Ertrag sehr hoch finden. Derselbe wird sich mit dem zunehmenden Älter der Baume noch wesentlich steigern. Die ersten Bäume wurden 1883 und 1886 gepflanzt. Um alle Straßen all­mählich mit Nutzbäumen zu bepflanzen, werden alljährlich 600 bis 800 Obstbäume an neue Strecken gesetzt. Dabei Hal man die Erfahrung gemacht, daß die Obstbäume auf dem Loden alter Pappeln u. dergl. vorzüglich gedeihen. Tie Obstsorten werden nach der Lage und der Beschaffenheit des Bodens auSgetoählt Vorigen Herbst wurden ca. 250 Stück hauptsächlich Goldparmänen bei Langsdorf und Lich ge­setzt, im Finlhjähr werden ca. 400 Bäume gepflanzt an den Straßen bei Rödgen, Trohe, Allen-Vuseck und Danb- rinaen, darunter roter Eisecapsel, grüner Fürstenapfel und Doynenapsel.

s. Reiskirchen, 15.März. Der lan dWirtschaft- /iche Konsum verein erzielte in 1902 einen Rein­gewinn von 1132 ML, das Gesamtversnögen betragt 5903 Mark, die Zahl der Mitglieder stieg von 64 auf 82.

ß Butzbach, 16. März. Geh. Oberbergrat Professor LheliuS von Darmstadt hielt am letzten SamStag Abend im Gasthauszum goldenen Löwen" hier vor zahlreicher Zuhörerschaft einen interessanten Vortrag über die Ent­stehung der Wetterau und des Lahntales. Dabei streifte Redner, der kürzlich das Quellengebiet unserer Wasser­leitung besichtigte, auch die Bodenbeschaffenheit dieses Terri­toriums in Bezug aus Wasierergiebigkeit und gab verschiedene Winke über Verbesserung und Erweiterung deS Butzbacher Wasserwerkes. Gestern abend veranstaltete der hiesige Gesang­vereinOrpheuS" imHessischenHof" eine schön verlaufene VereinSfeier. Die abwechselungsreichen Darbietungen gesang- licher und musikalischer Art rc. ernteten reichen Beifall und boten den Teilnehmern einen erhebenden Kunstgenuß.

§§ Friedberg, 15. März. Der Vorschuß- und Kreditverein hielt gestern abenb 8 Uhr im HotelDrei Schwerter" seine Generalversammlung mit der Tagesord­nung Geschäftsbericht für 1902 ab. Danach beträgt der Kassenbestand Ende 1902: 15342045 Mk., der Reingewinn 59 136 Mk., bewilligt wurden für gemeinnützige Zwecke usw. 3000 ML, davon an DolkSbildungsverein 200 ML, Ber- schönerungSverein 380 ML, taufm. Fortbildungsschule und Gewerbeschule je 100 ML, Dolkssuppenküche 300 ML und Geschichtö- und Allertumsoerein 100 ML Es gelanaen 7 Prozent Dividende zur Verteilung, die Zahl der Mit­glieder stieg von 1156 auf 1168.

hk. Friedberg, 15. März. In der letzten Sitzung der Handelskammer beantragte u. a. Müller (Bad-Nau- heün) daS Großh. Ministerium der Finanzen zu bitten, der Badekasse Anweisung dahin zu erteilen, alle in deutschen Ge- bieiSteÜen zur Ausgabe genehmigten Banknoten anzunehmen. Die Kammer beschließt im Sinne deö Antragstellers, und er­weitert ihren Beschluß dahin, daß die Verpflichtung zur An- nähme sich auch auf ausländische Noten und auSläudischeS Gold beziehen soll. Der Verein der Detaillisten von Fried­berg hat der Kammer ein Gesuch unterbreitet, bei der Großh. Regierung zu beantragen, daß die alte Klasseneinteilung des Gewerbesteuergesetzes aufgehoben und nur die Höhe des gewerblichen Ginkommens zur Grundlage der Ge­werbesteuer gemacht werde. Die Kammer ernannte wie auch schon ftüher die Reformbedürftigkeit unseres veralteten Ge­werbesteuergesetzes an und wird jede gesetzgeberische Gelegen- heü benutzen, um auf diese Mängel hinzuweisen, sie ist jedoch nicht der Meinung, daß lediglich die Höhe deS Ein­kommens für die Steuerbemessung maßgebend sein kann, sondern auch die Art und Weise des Betriebs. Derselbe Verein bittet ferner, dafür einzutreten, daß die bei den Handelskammer wähl en zugelassenen Wahlvoll, machten wieder abgeschafft werden. Die Kammer beschließt,

in dem Sinne diese? Antrags tätig zu werden, da auch ihrer Meinung nach die Ausübung der Wahl durch Vollmachten nicht der Würde der Sache und des Standes entspricht. Sprengel (Bad-Nauheim) beantragt die Regierung zu ersuchen, die im Herbst in Wien statt findende Internationale Kurorte- Ausstellung zu beschicken und genügende Mittel zur Verfügung zu stellen, daß daselbst die gesundheitlichen Wirkungen der Heilquellen von Bad-Nauheim und ihre Indikationen ausführlich und wirkungsvoll zur Darstellung gebracht werden.

st. Hungen, 14. März. Zu dem Um- und Er­weiterungsbau des Bahnhofs hat der Landtag die zum Geländeerwerb erforderliche Summe von 67 200 ML bewilligt. Der Umbau ist durch die neuen Bahnstrecken Fried­berg-Hungen und Hungen-Laubach erforderlich geworden. Auch die Weiterführung der letzten Streck: bis Mücke, welche wahrscheinlich am 1. August eröffnet wird, wird wiederum eine bedeutende Verkebrsteigerung mit sich bringen, wird doch dadurch die schon lang gewünschte Verbindung zwischen den beiden Oberhessischen Bahnen Wirklichkeit.

-s. Ulfa, 14. Mcärz. Der hiesige GesangvereinGer­mania" begeht in diesem Jahre sein 25jähriges Stiftungsfest. Da auch noch zwei andere Vereine der nächsten Umgebung in diesem Sommer aus derselben Ver­anlassung Sängerseste in größerem Stile zu feiern ge­denken und außerdem der hiesige Gesangverein vor erst wenigen Jahren das Fest der Fahnenweihe begangen hat, so soll für diesmal von einer größeren Feier Abstand ge­nommen werden.

il Schotten, 15. März. Mit dem in die Lande er­ziehenden herrlichen Frühlingswetter hat auch unser ,^ehrerheim Bogelsb erg" seine gastlichen Pforten wieder geöffnet, die während der rauhen Winterszeit ver­schlossen gewesen waren. Wer Zeit und Muße besitzt, und ein Bedürfnis nach Erholung von den anstrengenden winter­lichen Vergnügungen des Stadllebens verspürt, der ver­schreibe sich beizeiten einen nervenstärkenden Aufenthalt in unserem Luftkurorte ,Lehrerheim".

(:) Gedern, 14. März. Einem hiesigen Bürger wurden vor einiger Zeit über 100 DU., einem anderen eine etwas geringere Summe gestohlen. Als Dieb ist nun eine Frau entdeckt worden, die in der Nachbarschaft wohnte und gesehen hatte, wohin die betreffenden Bürgersleute beim Verlassen ihrer Wohnung den Hausschlüssel legten, mit Hilfe dessen sie bann die Tat bequem ausführen tonnte. Als heute ihre Verhaftung stattsinden sollte, war sie, nichts gutes ahnend, geflüchtet; allein der Gendarmerie gelang es, sie auf ihrem Spaziergang emzuholen und zurückzubringen.

Q Kaibach bei Düdelsheim, 14. Marz. In dem hie­sigen Basattsteinbruch verunglückte heute vormittag cm 27jähriger Mann aus dem nahen Orleshausen. Em Auf­seher beschäftigte an einer abgeraumten Säule zwei Arbeiter, die, während zirka 30 Arbeiter ihr Frühstück einnahmen, die Basaltmasse zum Einsturz bringen sollten. Urplötzlich geriet die Saute ins Wanken und ein mächtiger Block warf den jungen Mann zu Boden, rollte aber zum Glück weiter. Der Verunglückte trug außer bedenklichen Quetschungen mehrere Arm- und Beinbrüche davon.

(*) Braunfels, 14. März. Seit vorgestern abend ist die Tochter des hiesigen Steuereinnehmers Buchholz, welche in Ems in der Familie eines Arztes in guter Stellung sich befand, spurlos verschwunden. Don einem Gange zu dem Bäcker ist das erst 18 jährige, sehr brave Mädchen nicht wieder zurückgekehrt. Alle Nachforschungen waren bis jetzt vergeblich.

Frankfurt, 15. März. Die Stadtverordneten haben mit der Etatsberatung begonnen. Der Bericht des Finanzausschusses zeigt, daß die Reihe der mageren Jahre nun auf die fetten zu folgen sich anschickt, denn es scheint, als ob wir im kommenden Etatsjahr kaum die faktische Balanzierung de§ Haushalts erreichen würden. Es besteht daher die Absicht, alsbald einen gemischten Ausschuß aus Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenver­sammlung zu konstituieren, der sich mit der Frage einer Steuerreform, d. i. der Schaffung neuer ©teuer­quellen, befassen soll. Die Etatsberatung ist bis zu diesem Punkte nicht gediehen, denn sie wurde abgebrochen, als Stadtv. Tr. Quarck die Beschlußfähigkeit anzwcifelte. Er hatte so ziemlich bei jedem Punkte und jeder Position seine

Wünsche vorgetragen und die 23erfammlung mit etner Reche von Anträgen erneut, die alle abgelehnt wurden. IL a. wollte er die Errichtung einer städtischen Druckerei in die Wege geleitet sehen, ein Vorschlag, der glatt abgelehnt wurde, nachdem der Oberbürgermeister erklärt hatte, daß man keine neuen städtischen Betriebe schaffen solle. Nächstes Jahr komme bann vielleicht eine städtische Bäckerei an die Reihe. Die Herausgabe eines städtischen Adreßbuches, die angeregt wurde, wäre nicht so ohne. Aiich dieser Antrag wurde abgelehnt. Ter Vertreter unseres Vorortes Seckbach hat in der Sitzung eine nicht sehr schmeichelhafte Bemerkung über seine Wähler gemacht. In Seckbach, sagte er, ist eS ja üblich, daß die Leute einander bestehlen. Freilich suchte er her­nach seine unvorsichtige Bemerkung dahin einzuschränken, daß er dieehrbaren Seckbächer* nicht gemeint habe. ES handelte sich um die von Seckbach verlangte beffere Feld­polizei. Tas Gewerbe- und Verkehrsamt hatte auf ein An- suchen erwidert, man möchte ihm erst sagen, wo und was gestohlen werde, und wo die Diebe seien (!) Auch verlangt das Amt den Grund zu wiffen, warum sich die Felddiebstähle vermehrt hätten!

Vermischtes.

Berlin, 13. '.Närz. Zu der Affäre der Gräfin Kwilecki sind zwei neue Verhaftungen von der Gerichtsbehörde in Wroblewo, der Heimat der verhafteten Gräfin vorgenommen worden. Die Hebamme Ossowska und die Kammerfrau der Gräfin, Frau Ehiwalkowsta, wurden unter dem Verdacht festgenommen, in dem im März 1901 in Posen ftattgehabten Zivil-Prozeß wegen An erkennung der Legalität der in Frage stehenden Sohnes der Gräfin eines wtssentlichcn Meineides sich schuldig ge­macht zu haben. Die verhafteten Frauen sind gestern hier eingeliesert worden. Gegen zwei andere Zeugen aus dem Posener Prozeß sind ebenfalls Verdachts-Momente wegen ujrer damaligen Aussagen aufgetaucht.

"Sternberg und Möhring. Man schreibt uns: Auf Grund des § 11 des Preßgesetzcs ersuche ich Sic die den Bankier Döring und mich betreffende Notiz wie folgt zu berichtigen: 1. ES ist unrichtig, daß Sternberg jemals an mich das Verlangen gestellt hätte, Akten, die seine Sache berühren, zu beseitigen. Mithin kann auch Rechtsan­walt Dr. 2)1 öbring einem solchen niemals gestellten Verlangen nicht widersprochen haben. 2. Es ist unrichtig, daß Dr. Mühring sein Derteidigungshonorqr ober irgend welche Tantiemen vorenthatten sind. 3. Es ist unrichtig, daß 5)r. Möhrings Hand- und Geschäftsatten verschwunden sind, vielmehr sind lediglich Akten, welche im Sternberg'schen Bureau geführt und von Dr. Möhring als seine Handalten m Anspruch genommen wurden, demselben nicht ausgehändigt worden, weil sie nach meiner Auffassung Sternberg'sche Akten sind. Auf eine diesbezügliche Beschwerde Dr. Möhrmgs sind diese Akten von mir der Kriminalpolizei übergeben worden. 4. Die infolge unbegründeter Denunziation Möhrmgs, die in keinem Zusammenhänge mit der Aktenangelegenheit steht, für kurze Zeit angeordnet gewesene Beschränkung Sternbergs in seiner Korrespondenz und dem mündlichen Verkehr mit mir ist in vollem dem Reglement entsprechendem Umfange wieder aufgehoben worden, nachdem femerlei Unregelmäßigkeit fest­gestellt werden konnte. Infolge dieser Handlimgsweise ist 'Rechtsanwalt Dr. Möhring feiner Vertrauensstellung ent­hoben und seit 2)htte Februar fernerer Gehaltszahlung ge­sperrt. Hochachtungsoll! Alfred Wentzke.

* König Eduard u n o b i e Presse. Eine inter­essante Episode wird von einem englischen Wochenblatt er­zählt. Dor einiger Zeit ereignete es sich, daß bei einer Gelegenheit, als der König eine kleine Rede hielt, nur ein einziger Repräsentant der Londoner Presse zugegen war, der die Rede stenographisch aufnahm. Nachdem er sein Manuskript übertragen hatte, begab er sich z»i dem Privat- sekretar des KvnM und bat diesen, die Rede durchzulesen und etwaige Irrtümer zu korrigieren. Zu bciberieitigem Bedauern mußte aber Lord Knöllhs die entmutigende Artt- rnort geben, daß er selbst die Rede nicht mit angehört habe. Er nahm jedoch das Manuskript an sich und bat den Re­porter, in zwei Stunden wieder vor^iisprechen. Dieser tat wie ihm geheißen, und war höchst erfreut, sein Manuskript

Prinzregenten-Theater zu München. Für die vom 8. August bis 14. September stattfindenden Richard Waanerfeslspiele, welche drei komplette Ring-Eyklen und je drei Aufführungen vonDie Meister­singer von Nürnberg", ,,Tannhäuser",Tristan und Isolde" undLohengrin" umfassen, ist nunmehr die Besetzung be­sannt gegeben worden. G5 werden außer den Mitgliedern deS L Hof- und Nationaltheaters in München eine große Zahl hervorragender auswärtiger Äünftler Mitwirken. Die Überleitung der Aufführungen liegt in den Händen bc3 f. Intendanten Ernst von Possart; die musikalische Leitung haben Generalmusik-Direktor Hermann Zumpe, sowie die ^oskapellmeister Franz Fälcher und Hugo Röhr.

Die 39. Tonkünstlerversammlung des Allg. ^«ttchen Musckvereins wird vom 12.16. Juni in Basel Sjibttt An der Spitze deS gesamten OrganisationS- ee» sttztzt RogierungSrat Dr. David. Der geschäftS- fahrende AnsHchust de? Allaemainen Deutschen MufikveremS

Die beiden oberen Stockwerke sind gleichmäßig ein» gerichtet, auf jeder Seite des in der Mitte liegenden großen Eßsaales sind die freundlichen Schlassäle, die je 24 Per­sonen fassen. Während sich in der ersten Etage der Lber- wärter mit noch einem anderen Wärter aufhält, ist in den einzelnen oberen Schlafsälen je ein Wärter untergebracht.

Zu erwähnen ist noch, daß ein Aufzug durch das ganze Haus geht und daß überall vom Keller bis zum Dachftock AektrischeS Ächt, Zentralheizung, VentilatwnSschächte und Löschvorrichtungen angebracht sind. Alle Räume sind in Hellen, wohltuenden Farben gestrichen, die Umrahmungen der Türen, Fenster, die Türdrücker usw. in zweckdienlichen, einfachen, nrobemen Formen gehalten, die in ihrer soliden Ausführung zu dem Einheitlichen des Ganzen wesentlich beitragen.

Alles in allem ist es ein ungeteilter Genuß, buien zukünftigen Aufenthaltsort unserer Siechen äu durch­wandern, und wir glauben, daß sicher jeder diese Sütftalt mit der Befriedigung verlassen wird, daß der Erbauer hier seine Aufgabe nach jeder Rickttlng hin so glänzend gelöst ftat. daß Die ganze Provinz mit Recht auf sein Werk stolz fein kann.

besteht aus den Herren Richard Strauß, Otto Leßmann, Gustav Wassow.

Eine klopstock-Ausstelluna will die Hambur­ger Stadtbibliothek zum 100. Todestage Klopstocks am 14. März veranstalten. Die Ausstellung wiro Lildnsise des Dichters und seiner Angehörigen aufweisen, außerdem Autographen, die ersten Ausgaben seiner Werke, bon denen viele in Hamburg gedruckt wurden, und zahlreiche Schriften über Klopstock.

Lin unbekannter Brief Fritz Reuters, dessen Werke wir jetzt in einer billigen IO - Mark - Ausgabe besitzen, wird in der Londoner deutschen ZeitungHer­mann" veröffentlicht. Das Schreiben, das anMadame PeterS, Wohlgeboren zu Thalberg" gerichtet ist, wurde von deren Tochter der Einsenderin zum Geschenk gentadyt. Es ist flüchtig in Knittelversen geschrieben unb lautet:

Geehrteste und geliebtefte Freundin!

ES wird Ihnen hoffentlich paßllch sein, wenn ich, Ihr geliebter Freuno> / der's stets mit Ihnen so wohl gemeint, / und meine Frau, geborene Kuntze, / sich Ihnen nahen mit dem Wunsch^, / Sie morgen um drei Uhr hier bei uns zu sehen, / um mit einem Gänsebraten Ihnen unter die Augen zu gehen. / Ist Peters von seinem Kuhhandel zurück, / so würde dies sehr vermehren unser Glüch / Auch bitten wir zu uns rer Freud' und Lust, / nicht zu oergefjen Helene und Minna RuP. / Herrn Hichebrand und Herrn Sinnieren, / thun wir freundschaftlichst inoiticren / und hoffen, daß sie aeceptiren. / Doch vor Allem, merken Sie das wohl! / ist eingelaben Minna ÖnL / Meine Frau geht umher in Aengsten und Röchen, / Marieken muß jetzt schon das Feuer anboten, / -voran die GanS soll gebraten werden- / und ich bin der glücklichste Mensch au, Erdem / und schmecke die Gans im voraus schon. / Es ist 'ne vollständige Re­volution! /

Lis uns die freundliche Gans vereint / verbleibe in tiefster Devotton

Ihr geliebter F. Reuter,

Ihr tneuerfter Freund!

Teltow, den 19. Oktober 1864."

Arno Jboift verösftnll.chte jüngst in Hardens3u> funft" feittv jüngsten povttschon Schöpfungen uruet Dem

Titellieber auf einer alten Lautc", Lyrik in Stil, Charakter und AuSbrucksweise deS siebz'.hnten Jahr­hunderts. Sie ist ossensichttich entstanden aus ei.idringlchem Studium der deutschen Dichtung des siebzehnten Iahthun derls. Es sind Verse, wie sie Simon-Dach und Hof manns waldau gesungen haben konnten, wie sie im (befolge der Peg« nitzschäfer entstanden sind und in den Volksliedern deS Jahr Hunderts des dreißtZiährigLN SLitgcs erlangen.

Unter dem Protektorate HemttaS Xlv. Furps Reuß j. hat sich eine Vereinigung gebildet zum Zweck' dec^ErrLcht- ung eines Denkmals für den Dichter Juttas <rturra. Tas Denkmal soll im Heimatsone des Dichters, dem Bade­orte Köstritz im Fürstentum Reuß j. L. errichtet werden, wo er geboren und nach langjähriger Wirkung als -Lecljorger und Dichter gestorben ist. Von her Untier itär Halle wurde er zum Doktor der Theologie ernannt, von dem Fürsten Reuß j. L., dessen Ccz^eher er war, wurde ihm der Pco- fef'oniiei und das Pcädckat als Geh. Kirck-enrat verliehen. Dem Denkmalkomitee gehört u. v. a. Prof. Dr. 1h. Trews in Gießen an.

Vademeeum für Zeitungsleser. E.ne Er» Härung her in Zeitungen oorkominenden Fremdwörter und Ausdrücke im Verkehrsl.ben. Don H. Ro rdheim. (Pseu­donym für einen Gießener Herrn.) Lieg, tart Mk. 1.. Verlag von Gebrüder Iänecke in Hannover. Das istgelbe Presset Das bedeutetgood time System?" Das sind Zirkumskriplionsbullen?" Welche Bewandtnis hat es mit Weißbuch, Grünbuch. Blaubuch?" Zeitungs.essr kommen öfter in die Sage, bei der Lektüre ihres Blattes berartige Fremdwörter unb Ausdrücke zu finden, die ihnen unver­ständlich sind, sie müssen dann im -Ivnverations-Lex.kon oder im Fremdwörterbuch nachschlagen, was imiiierhm zeit­raubend ist. Mitunter ist auch ein solches Nachschlag.buch nicht zur Hand. Für solche Falle soll das Dadernecum für Zeituugslefer ein Berater sein. Dasselbe enthalt auf knappem Raum unter Vermeidung alles unnc-ttgeii B.ck.asteS alle für den ZeitungSleser wcrk.ich notroenbigen Worterliär- ungen und macht ein größeres Rachschlageiverk bei der Lek- türe entbehrlich.