Dezember Kto«
bei: Carl Schwank, Seltcrsweg.
Eine schöne Sitte ist eß, sich zu Weihnachten gegenseitig zu beschenken. Gar Lianchem aber wird es schwer werden, das Richtige zu wählen; viel soll es nicht kosten, und doch will man damit Freude machen! In solchen Fällen greife man zum Nützlichen. Hierzu darf man init Recht die beliebten Maggi-Erzeugnisse (Ltaggi's Suppen- u. Speisen-Würze, Ltaggi's Suppen Schutz- marie Kreuzstern und Ntaggi's Bouillon-Kapseln) rechnen, von denen jedes in seiner Art die Vorzüge praktischer Verwandbarkeil, Güte und Billigkeit m jich vereinigt.
gewirkt hat, seine Abschiedsprcdigt. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt, und mit wehmütigem Herzen sieht man den beliebten Geistlichen von hier nach Kelsterbach a. 9)L scheiden.
IL.IZ.Da r m st a d t, 12. Dez. Eine angenehme Weih- nachtsüberraschung erhielt der Postillon Kappler von hier. Es wurde ihm im Auftrage des Zaren ein 'Anerkennungsschreiben und 120 Mark überreicht. Kappler war in Wolfsgarten den scheuenden Pferden vor dem Wagen, tn welchem der Zar und Prinz Heinrich saßen, in die Zügel gefallen und hatte so ein nahendes Unglück verhindert. — Zur Zeit findet unter dem Vorsitz des Ingenieurs Mark- wort die mündliche Meisterprüfung für die Prüflinge der Provinz Starkenburg in der Gewerbeschule hier statt. Die schriftliche Prüfung ging vor 14 Tagen voraus. Die Zahl der Prüflinge ist 46.
Frankfurt a. M., 14. Dez. Dem bekannten Serum- morscher, Direktor des Kgl. Instituts für experimentelle Therapie, Geh. Medizinalrat Professor Dr. Paul Ehrlich ist die große goldene Verdienstmedaille verliehen worden. Ein Schlesier, (geb. zu Strehlen am 14. März 1854), war Ehrlich seit 1878 Assistent, zuerst an der Gerhardt'jchen Universitätsklinik und seit 1889 Privatdozent an der Berliner Universität. 1890 trat er als Assistent Koch's m das neugegründete Institut für Infektionskrankheiten em. 1891 wurde er a. o. Professor und 1896 weiter des Instituts für Serum- sorschung und Serumprüsung in Steglitz bei Berlin. 1899 siedelte er, nach Verlegung des Instituts nach Frankfurt über.
a. Marburg, 14. Dez. In der heutigen Stadtver- ordnetensitzung wurde beschlossen, den Magistrat zu beauftragen, bei der König!. Eisenbahndirektion dahin vorstellig zu werden, daß der Zug 793, der 4°» von Gießen hier ankommt, und der seit dem 1. Mai als beschleunigter Zug nach Cassel weitergeführt wird, in Zukunft auch auf den Stationen Bürgeln, Anzefahr und Allendorf hält. Es liegt dies im Interesse der zahlreichen Besucher der hiesigen Kliniken, für die jene Orte die nächstgelegenen Bahnstationen sind. Ferner wurde definitiv der neuen Ordnung, betr. die Regelung des Dien st einkommens oer Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen, sowie an der höheren Töchterschule, desgl. der Lehrer der Vorschule und der Lehrerinnen der städtischen Fachschule zugestimmt, mit der Maßgabe jedoch, daß denjenigen Lehrerinnen, die im 15. 21. und 22. Dienstjahre weniger als nach der alten Ordnung erhalten, dieses Minus zugezahlt wird. — Die städtischen Körperschaften haben beschlossen, an den Vorstand des Vereins für hessische Geschichte uud Landeskunde die Einladung ergehen zu lassen, aus Anlaß der 40 0- Jahrfeier des Geburtstages Philipps des Großmütigen die nächstjährige Jahresversammlung des Vereins hier stattftnden zu lassen.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Bingen sprangen ein junger Mann und ein junges Mädchen, welche sich an der Hand gefaßt hatten, in den Mühlenteich. Die Leichen sind bis jetzt noch nicht gefunden, so daß man die Personalien noch nicht feft- stellen konnte.
Vermischtes.
* Köln, 14. Dez. Ein bereits seit mehreren Tagen hier weilender Berliner Kriminalkommissar verhaftete einen hochstehenden Bahnbeamten, der sich gemeinsam mit einer Anzahl auswärtiger Personen umfangreicher Stempelfälschungen schuldig gemacht hat. Weitere Verhaftungen stehen bevor.
• Hamm i. Wests., 14. Dez. Gensdarm Batschick wurde in der Nacht vom Sonntag zum Montag von Wilddieben erschossen. Von den Tätern fehlt jede Spur.
• Königsberg i. P., 14. Dez. Ter hiesige Krank en- kassenkonflitt hat mit einem Sieg der Aerzte geendet. Die freie Aerztewahl ist beibehalten, das Honorar von 4 Wik. auf 5.60 Mk. pro Mitglied und Jahr erhöht worden.
* Posen, 14. Dez. Gestern wurden sechs Personen in ihrer Wohnung bewußtlos aufgefunden, von denen zwei tot blieben, während vier wieder ins Leben zurückgerufen werden konnten. Einem Gashahn, welcher nicht geschlossen worden war, war Gas entströmt und hatte so das Unglück verursacht.
• Myslowitz, 14. Dez. Der Fleischer Czok erstach den Maschinenwärter Gonschiorczyk. Der Täter wurde verhaftet.
• Im Kanton Glarus wurden zwei Frauen von einer Lawine verschüttet. Die eine wurde tot aufgefunden, die andere wurde gerettet.
• Paris, 14. Dez. Am Quai de Billy stieß am Freitag abend ein Dogcart, den ein eleganter junger Mann fuhr, mit einem Lastwagen zusammen. Der junge Mann und fein Groom wurden zu Boden geworfen. Der Groom konnte sich wieder mit einigen Quetschungen erheben, fein Herr wurde, aus mehreren Wunden blutend, nach dem Hospital Beaujon gebracht. Hier stellte es sich heraus, daß der ,£err" eine Herrin war, welche noch im Laufe des Abends starb. Es ist die kaum 20jährige Tochter des Grafen Augier d'Jory, die mit Vorliebe Männerkleider trug.
* Mailand, 14. Dez. Während eines Sturms scheiterte auf dem Gardasee der Dampfer „Sepretis" mit zahlreichen deutschen Jtalienreisenden. Nach vielen Mühen wurden alle gerettet. — In Monlechina bei Piacenza explodierte eine Petroleumquelle. Viele Personen sind um- getommmen, darunter der französiiche Jngeniour Cauffen; mehrere wurden schwer verwundet.
* Richter und Angeklagter. Aus Breslau berichtet die „Breslauer Morgenztg.": Eine kuriose Szene ereignete sich, wie uns aus Anwaltkreisen berichtet wird, vor einigen Tagen vor einer hiesigen Schöffengerichtsabteilung. Ter Angeklagte geriet mit dem vorsitzenden Amtsrichter in Differenzen. Im Verlause der Verhandlung nannte der Richter den Angeklagten einen „frechen Lümmel". Der Angeklagte erwiderte: „Wenn Sie nicht der Vorsitzende wären, so würde ich Ihnen eine herunter ha uen." Diese Aeußerung veranlaßte den amtierenden Staatsanwalt, eine Haststrafe von drei Tagen wegen Ungebühr in Antrag zu bringen. Der Richter verkündete darauf, daß der Angeklagte zu dieser Strasr verurteilt werde. Ter Angeklagte aber erklärte, daß der Richter allein
eine solche Strafe nicht verhangen könnte, eS müßten erst die Schöffen gefragt werden. Der Richter zog sich nunmehr mit den Schöffen in das Beratungszimmer zurück. Die Beratung dauerte längere Zeit. Schließlich mußte der Vorsitzende dem Angeklagten bekannt geben, daß das Schöffengericht „in seiner Mehrheit" eine Ungebühr nicht angenommen habe, und daß deshalb die Haftstrafe nicht aus- gesprochen werden könne.
Miversstäts Nachrichten.
Berlin, 14. Dez. Geheimrat 'Pro'. D lecker Hofs von der hiesigen tierärztlichen Hochschule ist gestorb^m^^
Kunst und Wissenschaft.
London, 14. Dez. Die Leiche Spencers wurde heute im Srematovium im Parke Golders Green eingeäschert. An der Trauerseier nahmen viele hervorragende Vertreter der Wissenschaft und Literatur teil. Conrtnex hielt die Gedeiikrede. Man spricht davon, daß die Urne mit der Asche des Philosophen nad) der Weslminisler'Abtei gebracht iverden solle.
Gerichtssnat.
— Wegen Mißhandlung Untergebener in 968 Fallen begann am Montag vor dem Kriegsgericht der 33. Division in M e tz die Verhandlung gegen den Leutnant P a u l S ch 111 i n g von der vierten Kompagnie des 98. Infanterie- Regiments. Ter Angeklagte ist 26 Fahre alt und Fahnenjunker jcit dem Fahre 1899. Vorher war er Buchhändler gewesen. Vorbestraft ist Leutnant Schilling nut 8 Tagen Stubenarrest wegen Mlßhand- lnng. Das Führungszeugnis stellt ihn als eifrig, strebsam und Jolib, aber leicht erregbar hin. 9lad) Aufruf von 87 Zeugen und sachverständigen wird die Leffeiitlichkeit für die ganze Dauer der Verhandlung wegen Gefährdung militärischer Fnieressen ausgeschloßen. - An diese Verhandlung schließt sich der Prozeß gegeti den Haupt- manu Paschke und Feldwebel Lehnig eben'alls von der 4. Kompagnie des 98. Fnianlerie-Regiments wegen Uiiterdrückuiig niilitärijcher Meldungen im Fall Schilling. Beide Verhandluiigen iverden wahrscheinlich vier Tage dauern.
Triest, 14. Dez. Ter Kaplan der Strafanstalt Eapo Dlstria, Pater Raniclc, ist wegen Notzucht und Verleumdung zu sieben F a h r e n Z u ch t h a u s verurteilt worden.
— (rin verhungertes Kind. Am 21 November wurde in den Straßen Liverpools eine junge Frauensperson Namens Elisabeth Harris wegen Triinkeiiheit aufgegriffeii und dieserhalb zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Tie Verurteilte trat die Straf- Haft an und unterließ es, den Gerichtsversonen mitzuteilen, daß sie in ihrer Wohnung ihr 13 Atonale altes Kind, einen hübschen Knaben, allein gelassen hatte. Am 1. Dezember „erinnerte" sich die Harris ihres Kindes und bat eine das Gefängnis verlaßende Frau, ihre, der Harns, verheiratete Schwester zu veranlagen, nach dem Kinde zu sehen. Ties geschah beim auch am 2. Dezember. Als man die Wohnung betrat, fand man den Säugling, der in seiner Todesangst offenbar an den Rand des Bettes gekrochen und herausgefallen war, tot auf der Erde in der Nähe der Tiir. Das arme Kind war im Zimmer umhergelrochen, um Nahrung zu siichen, und verhungerte im buchstäblichen Sinne des Wortes. Tie 'Uliuter, die ihr Kind aus „Vergeßlichkeit" hat verhuiigern laßen, wird wegen sträflicher Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge nenerdrnds vor Gericht gestellt iverden.
Mcr.v oloqifcte Beob^chrungen der Station Gießen.
Höchste Temperatur am 13. Dez. bis 14. Dez. — 4,3' C.
Niedrigste , „ 13. „ 14. „ — ,26lC.
Dezember
1903.
£ arotr.eter auf 0° reduziert
Temperatur der Lull
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
14.
2«
741,3
4-4,1
5,5
90
8.
1
Ved. Himmel
14.
9“
743,2
+ 3,8
5,9
98
8.
1
II y
15.
7’b
744,4
+ 4,0
5,8
95
8.
2
Regen
Handel und Verkehr. Nolliswnhchast
Berliner Börse vom 12. Dezember 1903.
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Fndusirle, Gießen.)
Unentwegt bieibt die Tendenz an unserer Börse eine feste, und die Märkte wechielii sich lediglich ab; bald sind es Bankaktien, bald Reiilen, bald Montanwerte, welche das allgemeine Frneresse für sich beanspruchen. An heutiger Börse war ^>ie Parole „Argentinier", für welche von Anbeginn an günstige Stimmung herrfchte, die dann noch durch hohe Londotter Meldungen ihre Unlerfiützung fand. Von sonstigen Reiuen waren Türken fest, während' Spanier gedruckt lagen. Bankaktien waren leicht gedrückt aut die Nachricht über Erkrankung des Kaisers von Oesterreich. Elsen- und Kohlenwerte — von letzteren namentlich Gelsenkirchen — erfreuten sich anhaltend reger Kauflust bei anziehenden Kursen. Auf dem Kaßalndufiriemarkl wurden besonders Zement-Aktien und Terralnwerte höher bezahlt.
Privat-Diskont 36/8 Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Ceft. Kredit. . 217.— 216.82
Deutsche Bank . . . 225.— 224.62
Tarmfladter Bank . ♦ 149.— 149.—
Bochumer Guß . , . 191.90 192.—
Harpener Bergbau . . 205.— 205.12
Tendenz: Ruhig.
Die Wiener Berlagsfirma A. Hartlebeu beging am 13. Dezember 1903 die Feier ihres Hundertjährtgen Bestandes. Der Betrieb befindet sich nach hundert Fahreii erst in der dritten Hand. Der Gründer, Konrad Adolf Hartleben, wurde 1778 in Mainz geboren.
Märkte.
Gießen, 15. Dez. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Biitter pr. Pfd. 1,10—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 8—10 Vfg„ 2 Stck. 00—00 Pfg., Gäiisecier 00—00 Ptg., Enlencier8—0 Pfg., Käse pr.Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5—6 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,80—l,0OMk., Hühner pr. St. 1,30—1,40 Mk., Hahne pr. Stuck 0,80—1,70 Alk., Enten pr. Stück 1,70—2,20 Mk., Ganje pr. Psd. 50—60 Pfg., Ochsenfleijch pr. Pfuiid 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund b2—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Piund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfo. 70—76 Pig., Hammelfleisch pr. Pfund 65—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50 - 6,00 Mk., Weißkraut per Stück 5—7 Pfg., per Zentner 1.3Ö—1.60 3)it, Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepsel per Zentner 16 bis 02 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüße 100 St. 35—40 Pfg.
MM IMS i tu KilüMbliHtti! Str statt tzMM.
Evangelische Gemeinde.
Getraute. Lukasgem einde. Ten 10. Dez. Dr. Franz Philipp Karl Heinrich Lnoivig Friedrich Stuhl, prüft. Arzt zu Brauniels und Atarie Cuilie Vigeltus, Tochter des verstorbenen OberförflerS i. P. Ludwig Eduard August Vigelius zu Gießen.
Getaufte. Lutasgemeinde. Den 29. November. Dem Hotelbeiitzer E. Ernft Ehriftel ein Soda Georg, geb. den 4. Sept. Denselben. Dem Fuhrmann Friedrich Weber eine Tochter Margarete Lmfe, geb. den 20. Olt. Den 6. Dez. Dem Schtttzniann Wilhelm Schmidt em Sohn Wilhelm Karl, geb. den 14. Nov. Fohaiines- gemeinde. Den 2«. Aovember. Dein Friseur Ludwig Schenk eine Tochter Alane Else Luise, geb. den 28. September.
Gingesandt.
(Für Form und Inhalt aut. uuur oteser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 15. Dezember.
Die Passanten der Crednerstraße und des Mittelweges müssen chon jahrelang durch den furchtbaren^Atorast der Kllnikstraße waten, um von dem einen zum anderen Trottoir zu gelangen. Es^ wäre der Bahn ein Leichtes, hier in der Anlage eines gepflasterten Ueberganges Abhülse zu schaßeti.
Muckte Melduaaeii.
Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers.
R. B. Darmstadt, 15. Dez. In der 2. Kammer kam es heute bet Besprechung der Interpellation über die polizeilichen Maßnahmen gegen die ausgesperrten Maurer in Mainz zu sehr erregtes Debatte. Ministerialrat Braun hatte in seinen Ausführungen gesagt, die ausgesperrten Maurer hätten den Polizeibeamten gegenüber Ausdrücke gebraucht, die dem Protokoll des Dresdener Parteitages end-» nommen sein könnten, wenn dieser damals schon getagt hätte. Aba, Ulrich erwiderte sehr erregt und spracbj von „faden Witzen des Ministerialrates" und wurde dafür zur Ordnung gerufen. Er erkannte den Ord- nungsrps an, bemerkte aber, er halte seine Aeußerung aufrecht, woraus er nochmals zur Ordnung gerufen wurde. Auch Abg. Schmidt-Mainz wandte sich sehr scharf gegen Ulrich sodaß die Debatte sehr erregt lvurde. Später nahm das Haus den Antrag Schmidt und den Ansschupantrag in Sachen des Antrags Ulrich über die Vertretung der Arbeiterschaft an.
Berlin, 15. Dez. An Initiativanträgen hat die Volks Partei ün Reichstage eingebracht neben dem bekannten An.rage bcz^glich. der S o lo atenMißh andlung en, den schon früher gestellten Antrag wegen Abänderung des Paragraphen un Strafgesetzbuch in^ betreff des groben Unfug, weiter den ftüheren Aw- trag, der die Verfolgung wegen M a j e st ä t s b e l e i d i g - ungen von der Zufrimmung des Jusäzministers abhängig mach, das Strafminimum herabfetzt und die Wahrung berechtigter Interessen auch hier anerkennt. Ein vollständiger Gesetzentwurf ist von der Parier eingebracht worden über die Verleihung der Rechts säh ig reit der Berufsvereine im Anschluß an das bürgerliche Gesetzbuch. Ein anderer Antrag dehnt die Koalitionsfrei- he rt aus auf alle Fragen, die neben dem Lo h nb e tr a g! aus das Arbeitsverhültnis Bezug haben. Endlich ist ein Antrag eingebracht worden, der nach dem Muster der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses die Abstimmung im Plenum über Anträge auf Erhöhung von Aus- gaben abhängig macht von einer voraus gegangener Kom- mifsionsberatuug.
Dresden, 15. Dez. Die Beschwerde der Crimmitschauer Arbeiter wegen Aufhebung des Heinen Be l a g e r u n g s zu ,t a nd e s ist von der Kreishausttmannschaft abschlägig beschieden worden.
Meißen, 15. Dez. Der in eurer Jutespinnerei an- gestellte oabrukwächiter Virnert vergiftete sich, seine o-rau und Kinder, 3 Knaben utrd 3 M ä d ch e n. Die örau uno Kinder sind tot, der Atamr wurde noch lebend ins Kratrkenhaus überführt. Das Motiv der Tat ist anscheinend . Krankheit der Frau.
Wien, 15. Dez. Dem „N. W. I." zufolge hat beim Empfange des serbischen Gesandten der Kaiser betont, daß durch die blutigen Ereignisse des 11. Juni oas Ansehen Serbiens im Anstande empfindlich gelitten, habe und daß bei aller Sympathie für das serbische Voll ein vollkommenes Einvernehmen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien so lange nicht zu denken sei, als die Königsmörder am Hose, im Heere und der Verwaltung eine solch-e Rolle spielen. Die Bestrafung, zum min- defien aber die Cmtfernung aller Personen, welche den Mord aus sich geladen haben, sei eine Forderung der europäischen Mächte, und König Peter mü,se sich fügen selbst aus bte Gefahr hin, die Lage im Innern schwieriger zu gestalten. Es sei eine Sache des Rufes Serbiens der zivilisierten Welt gegenüber, die welthistorische Scheußlich- icit nicht uNgesühnt zu lassen. Was die Beurlaubung des östreichischen Vertreters in Belgrad betreffe, so habe der Kaiser erktiirt, daß dieser verhältnismäßig milden Maß- uahme in Zukunft ernstere und stärkere Kundgebungen der europäischen Ni ächte folgen wurden, falls die Kwnigsmorder- Partei am Hofe ihren Einfluß beibehalte.
New hort, la. Dez. Gestern erfolgte aus zwei Neubauten eine Dynamit-Explosion. Auf eenem anderen Neubau entdeckte man eure Dynamitbombe mit brennender Lunte. Mau vermutet einen Racheakt streikender Bauarbeiter. Tie Explosion selbst richtete nur wenig Schaden an.
Tefieplhomscher Kursbericht
frruuKlun m. .. 15. Dezemuer tao3.
3Ve°/o Reichsanleihe , . 102.45 3 /□ do. ... 91.80 3VA KOD8O18 .... 102.30 3°/'o do 91.80
Hessen .... 101 55 31/, % Obertiessen . . . 99.70 4% Oesterr. Goldrente . 102.95 4* 6% Oesterr. rtilberrente 101.20 4% Ungar, boldrente . . 100.40 4°/ haben. Rente , . . 103.80
Portugies r , . . 63.80 u, Portugiesen 32.50 1 % C. Türken .... 37.40 Türkenlose ..... 140 40
4% Griech. Monopol.-Anl. 44.80
41/, % äussere Argentiner 00 00
3u/o Mexikaner . . . 26 30
4Vs /o Chinesen . . . 92.50
Electric, »ci ackert . . . 111.60
Nordd Lloyd . . . . 106.30
Kreditaktien . . <. . 216.10
Diskonio-Kommandit. , 199.80
Darmstädter Bank . . 148.90
Dresdener Bank .... 160.00 Ber iner Handelsges. . 165 90
Oesterr. Staatobahn . , , 145.90 Lombarden . . . . . 17,60 tiottharibahn .... 19950
Lauraii litte ..... 240.50 Bochum ...... 191.40 Harpener 204,50
Tendenz: ruhig.


