noch sehr viel weiter verschoben, wenn wir ergänzend hinzufügen, daß bei den zum Vergleich gesetzten Einnahmen der Anwälte deren Einnahmen aus w i r t s ch a s t l i ch e n Betrieben, aus dem Privat- vermögen und aus Notariatsgeschäften gar nicht mit eingerechnet sind. Was dies aber bedeutet, wird inan leicht ermessen können, wenn man in Rechnung zieht, daß über ein Fünftel der Berliner Rechtsanwälte, genau 22 v. H., Notare sind.
Der Kaiser in der großen Berliner Kunst- Ausstellung. Die „Zukunft" erzählt von einem Besuch, den Kaiser Wilhelm der großen Berliner Kunst-Ausstellung abgestattet hat. Der Maler Professor Arthur Kampf, der Leiter der Ausstellung, führte den Kaiser herum. Kaiser Wilhelm spendete dein Bilde „Der Einzug Kaiser Wilhelms in Jerusalem" von Professor Knackfuß, das von der Berliner Kunstkritik sehr ungünstig beurteilt worden war, die wärmste Anerkenntmg. Bel den: weiteren Rundgang durch die Ausstellung machte der Kaiser vor einem in moderner Art gemalten Bilde Halt, das zwei kleine Mädchen darstellt, die einen Tanz 511111 Klange einer Mandoline ausführen, die ein alter Komödiant spielt. Bei der Berliner Kunstkritik hat dieses Bild große Anerkennung gefunden; einige Kritiker hatten es als das wertvollste der ganzen Ausstellung bezeichnet. Kaiser Wilhelm sagte: „Ach, diese jammervollen kleinen Mädchen 1 Wer hat denn die verbrochen ?" Professor Kampf antwortete : „Das Bild ist von mir." — Der Kaiser fragte dann nur noch, ob der alte Mann auf dem Bilde der Vater der beiden Mädchen sei, und eilte in den nächsten Saal. Die Landeskultur-Kommission hatte beantragt, dieses Bild von Kampf für die Nationalgallerie zu erwerben. Der Kaiser hat den Antrag ohne Angabe von Gründen abgelehnt.
Universttüts UaHrichtrn.
Wie aus Heidelberg berichtet wird, hat Bürger- meister Professor Dr. Walz den an ihn ergangenen Ruf an die Handelshochschule in Köln abgelehnt. — Weiter wird aus Heidelberg geschrieben: Professor Binswanger in Jena wird als Nachfolger Kräpelins genannt. — Aus Würzburg wird vom 12. ds. geschrieben: Das kunstgeschichtliche Museum der Universität, eme Stiftung des Bildhauers 'Martin v. Wagner, beging gestern seine Stiftundsfeier. Der Konservator des Museums, Prof. Dr. Wolters hielt die Festrede über den vatikanischen Apoll. In den Räumen des Museuins war eme Ausstellung von Werken Albrecht Dürers veranstaltet, die einen überraschenden Reichtum an Originalen, besorcders an Kupferstichen aufwies. Auch ein Billet Goethes war zu sehen.
— Dem zweijährigen Kursus für Handelswissenschaften in Aachen, der an die Technische Hochschule angelehnt ist, legte die Regierung den lltamen einer Handelshochschule bei. — Prof. Kröpelin in Heidelberg hat den Ruf auf den Lehrstuhl für Psychiatrie an der Münchener Universität angenommen.
Der „Alte Herr" Morgan. Der bekannte Großhändler Morgan in 9trw-PvrL, der vor etwa 20 Jahren die Universität Göttingen besuchte, bat einen amerikanischen Schriftsteller mit der Herausgabe emer Geschichte der Göttinger amerikanischen Kolonie beauftragt.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Gießen, 13. Juli. Am 27. Juli wird in Detmold eine von der Reichsbanksteüe in Bielefeld abhängige, und am 1. August in Emmerich (Rhein) eine von der llteichsbankstelle in Duisburg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kassenemrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Leipzig, 14. Juni. Die Konkursverwaltung der Leipziger Bank hat in Gemeinschaft mit dem bestellten Gläubiger
ausschuß beschloffen, den noch vorhandenen Rest der Konkursmaffe der Leipziger Bank an ein hiesiges Bankgeschäft unter Bürgschaft einer Berliner Bank zu veräußern. Als Preis soll eine Summe ausgeworfen werden, die die Konkursverwaltung in Stand setzt, den Gläubigern der Leipziger Bank noch 16'/, pCt. zu den bereits gezahlten 50 pCt. zu gewähren. Der Beschluß rourde vorbehaltlich der Genehmigilng der einzuberufenden Glänbigerversammlung gefaßt. Würde diese Versammlung die Veräußerung genehmigen, so könnte voraussichtlich der Koickurs noch im «September d. I. beendigt werden.
Landwirtschaft.
B u d a p e ft, 14. Juli. Nach dem Saaten st andsbericht des Ackerbaummisteriums wird der Ertrag des Weizens auf 39,60 Millionen Meterzentner geschätzt gegen 39,27 Millionen, der Ertrag des Roggens auf 12,12 Millionen Meterzentner, gegen 11,90 Millionen Meterzentner, der der Gerste auf 12,15 Millionen Meterzentner, gegen 12,35 Meterzentner, und der des Hafers auf 11,12 Millionen Meterzeiitner, gegen 11,12 Millionen Meterzentner am 20. Juni ds. Js.
Auszug uns den Kirchcudiichttü -er Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute. Johannesgemeinde. Den 4. Juli. Karl Christian Philipp Winter, Schlosser zu Nidda, und Lina Elisabeth Brücket, Tochter des verstorbenen Drechslermeisters Christian Brückel.
Getaufte. Matthäusgemeinde. Den 5. Juli. Dem Lithographen Justus Christ eine Tochter, Ernestine Wilhelmine Marie, geboren den 17. Juni. Denselben. Dem Glaserineister Otto Brühl em Sohn, Karlo Heinrich Ernst Ludwig, geboren den 13. Juni. — Lukasgemeinde. Den 5. Juni. 'Dem Fuhrmann Heinrich Häußer eine Tochter, Christina Katharina Frieda, geboren den 12. Mai. Denselben. Dem Bahnarbeiter Karl Heinrich Rethwisch ein Sohn, Heinrich Karl, geboren den 20. Juni. — Johannesgemeinde. Den 5. Juli. Dem Gärtner Julius Paul ein Sohn, Julius Ludwig Theodor Heinrich, geboren den 16. Juni. Denselben. Dem Schneider Christian Vaubel eine Tochter, Minna Margarethe, geboren den 11. Mai.
Beerdigte. M a t th ä u s a e m e i n d e. Den 6. Juli. Dr. Karl Kenipff, Fabrikant. 41 Jahre alt, starb den 3. Juli. Den 7. Juli. Elisabeths Weiß, geb. Franz, Ehefrau des Schreinermeisters Christoph Weiß, 61 Jahre alt, starb den 5. Juli. — Markusgemeinde. Den 6. Juli. Louise Becker, Arbeiterin, ledig, 63 Jahre alt, starb den 4. Juli. — Lukasgemeinde. Christian Haubach I., Ortsgerichtsmann und Oekonom, 76 Jahre alt, starb den 7. Juli zu Trarbach.
Schiffsnachrichten.
Norddeutsch er Lloyd.
In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.
Bremen, 9. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer „Kassel", Kapitän H. Jaeobs, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 6 Uhr morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Red Star Linie.
Der Postdampfer „Finland" der Red Star Linie in Antwerpen ist laut Telegramm am 13. Juli wohlbehalten in New- Pork angekommen.
Wöchentliche Nederßcht der Todesfälle in der SIM Gieße«.
26. Woche. Vom 21. bis 27. Juni 1903.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 linkt. 1600 Mann Militär) Sterbtichkeitsziffer: 28,98, nach Abzug von 8 Ortsfremden: 13,53 c/co.
Kinder
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit mit von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
ES starben an: Zusammen:
Erwachsene:
im
vom
1. Lebensjahr:
2.-15. Jahr.
Tuberkulose der
Lungeir
3
3
—
—
Nierelltuberkulose
1 (1)
1(1)
—
—
Schlagfluß
1
1
—
—
Lungenentzündung
1
1
—
—
Anämie
1 (1)
1 (1)
——
—
Empyem
1 (1)
—
1(1)
Lebensschwäche
2
—
2
Krebs
3(3)
3(3)
—
—
Verunglückung
2(2)
2(2)
—
—
Summa:
15 (8)
12 (7)
2
1 (1)
Mieskasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
I. Sch., Darmstadt. Wenden Sie sich an den Vogelsberger Höhenklub in Schollen, der seine Gratisbroschüre „Sommerwohnungen im Vogelsberg" Jhneii zustellen und gern erschöpfende Auskunft erteilen wird.
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Bekanntmachung.
Die Stelle des städtischen Vollziehungsbeamten (Psandmeisters) ist infolge Ruhestandsversetzung des bisherigen Inhabers anderweit zu besetzen. 'Mit der Stelle ist em pensionsfählger Gehalt von 1480 DU., fteigenb um jährlich 40 AU. bis zum Höchstgehalt von 2200 Mk^ sowie Hinterbliebenen-Fürsorge verbunden. Bewerber, welche die Prüfung im Finanzfach IL Kategorie bestanden und als Vollziehungsbeamle schon praktisch tätig gewesen sind, erhalten den Vorzug. Meldungen inb schriftlich unter Beifügung von Lebenslauf, Zeugnisabschriften md Gesundheitsschein bis zum 10. August hierher einzureichen.
Gießen, den 11. Juli 1903. 5494
Der Oberbürgermeister.
I. V.:
Curschmann, Beigeordneter.
Bervingnng
der Ausführung der Erd-, Fels-, Rodunys-, Böschungs- pp. Arbeiten, sowie der Ausführung von Durchlässen, Brückenbauten und Futtermauern auf der Nebenbahn Herborn-Westerburg und zwar des Loses I, umfassend rund 95000 cbm Erd- und Felsarbeiten, Bekleidung von 50000 qm Böschungsstächen mit Mutterboden, 3000 cbm Maurer- und Steinhauerarbeiten und 8600 qm Wege- befestigungsarbeiten, sowie des So[e§ II, umfassend 166000 cbm Erd- und Felsarbeiten und 1700 cbm Maurer- und Steinhauerarbeiten, Bekleidung von 80000 qm Böschungsflächen mit Mutterboden, 23 700 qm Wegebefestiaungsarbeiten und Herstellung zweier Tunnels von 110 bezw. 97 m Länge.
Beide Lose sollen eventl. an einen Unternehmer zusammen vergeben werden; es wird jedoch das Recht auf getrennte Vergebung ausdrücklich vorbehalten.
Die Bedingungen können auf der unterzeichneten Bauabteilung eingesehen, auch das Verdingheft gegen porto- und bestellgeldfreie Einsendung von 1,50 Mk. (nicht in Briefmarken) ebendaher bezogen werden.
Die mit entsprechender Aufschrift zu versehenden Angebote müssen bis zum 30. Juli 1903, vorniittags 11% Uhr, an die unterzeichnete Bauabteilung eingesandt sein, um welche Zeit die Eröffnung der Angebote erfolgen wird. 5420
Herborn (Hessen-Nassau), den 9. Juli 1903.
Königliche Eifenbahn-Bauabteilung.
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für die Monate Juli und August.
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Bei Abnahme von 30 Centner an frei Keller.
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Bei Abnahme von 30 Centner frei Keller.
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BaMcitneHSctatager
22 MarlmracrstraLc 22.
Vergebung von Bauarbeiten.
Zur Erbauung eines medieo-mechauischeu Instituts in Gießen mit VerbindungLgang nach der medizinischen Klinik werden die nachstehend bezeichneten Rohbauarbeiten und Lieferungen unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben.
Los I. Erd- und Maurerarbeiten, darunter
ca. 300 cbm Bruchsteinmauerwerk
w 450 , Backsteinmauerwerk
, 100 qm Verblendung mit Lungsteinen einschl. Liefern derselben
, 480 qm Verblendung in roten Verblendziegeln II. Wahl
Los H. Sandfteinlieferung.
ca. 20 cbm grüngrauer Sandstein
Los III. Lungsteinlieferung.
9,87 cbm Gurtgesims und Fensterumrahmungen :c.
Los IV. Trägerlieferung.
ca. 15200 kg
Los V. Grobschlosserarbeit, darunter
ca. 500 kg Klammern, Anker, Schrauben etc.
Angebotsunterlagen können auf unserem Zweigbureau Frankfurterstraße Nr 83 eingesehen, Angebotssormulare, Trägerlisten und Fa^adenzeichnungen 1:100 (zu L. II und III) gegen Selbstkostenpreis dorther bezogen werden.
Offerten mit bezeichnender Aufschrift, sind auf genanntem Zweigbureau bis Mittwoch, den 22. Juli 1903, vormittags 11 Uhr, dem Eröffnungstermin, einzureichen.
Zuschlagsfrist 3 Wochen.
Gießen, den 3. Juli 1903.
Großh. Baubehörde für die Universitäts-Nertbauten [5251] Becker.
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