Ausgabe 
15.6.1903 Zweites Blatt
 
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Noch eine Antwort.

Meine durchaus sachlich gehaltenen Ausführungen in Nr. 135 haben mir nachträglich eine Menge Liebenswürdigkeiten eingetragen, auf die ich wiederum sachlich, ohne wieder zu schimpfen das verbietet mir meine Erziehung und mein guter Geschmack antworte.

Mir wird der Vorwurf wiederholt gemacht, ich sei der nationalliberalen Fahne untreu geworden. Die nationalliberale Partei war zu meiner Zeit agrarisch, im Gegensatz zur freisinnigen Partei. Als ich, gedrängt von meinen damaligen Parteigenossen, Neichstagskandidat wurde, wußten jene, daß ich in den Zollfragen ganz nnd gar ans feiten der Lairdtvirtschaft stand und man hat mich in diesen Anschauungen gewähren lassen, ja unterstützt.

Als die Führer der nationalliberalen Partei vor fünf Jahren anfingen, antiagrarisch zu werden, vergeblich einen eignen Kandidaten suchten, da schwenkte man im letzten Augenblick, trotz meines Einspruches zu den Freisinnigen ab und stellte mit diesen einen gemeinsamen Kandidaten auf. Ich wollte meinen Grundsätzen nicht untren werden nnd schied aus der Partei aus pH UL ttltrf) einer anderen Partei anznfchliegen. Unter solchen Umständen wagt man, mir Gesinnungswechsel

Werfen ! In den Köpfen meiner Gegner tobt das Wahlfieber.

Ich hatte in Nr. 135 geschrieben: Die nachfolgenden Wahlkämpfe über­gehe ich. Daraus suchen mir die politischen Freunde von damals einen Strick zu drehen. Wenn ich erzählt hätte, was ja der Wahlkreis noch gut in der Erinnerung hatte, daß ich durchgefallen sei, so hätte ich doch auch erzählen müssen, daß, als Herr Justizrat Gutfleisch, der Gewähtte, ablehnte, Heyligenstaedt anfgeftellt wurde nnd mit noch größerem Erfolg durchfiel als ich, obwohl seine Gegner zwei im Wahlkreise unbekannte Größen waren.

gar nicht Reichstagskandidat. 3* bäte gm- m<f>t wartet, daß meine Anschauungen so ins Gewicht fallen, man ihnen so viel Druckerschwärze opfern und so viele liberale Wähler jeder Farbe gegen mich unter die Waffen rufen würden. Diese Angriffe gegen meine Person waren ungerecht, ungeschickt und unklug, sie verschaffen dem Bürgermeister Köhler eine

ganze Anzahl Stimmen mehr.

Zum Schluß eine ganz kleine Geschichte, an sich von geringer Bedeutung, aber geeignet, meine Abneigung, von einem Industriellen einen ländlichen Wahlkreis vertreten zu sehen, erklärend. Jrn vergangenen Herbst flog das Wort von der Fleischnot durch das Land. Unsere Stadtväter, darnnter Herr Heyligenstaedt, beschloffen einmütig, anf das Oeffnen der Grenzen für die Einfuhr von

Tchtveinen zu dpingen. Die Landwitte protestterten im Monat November und behaupteten, schon in wenigen Wochen würde der Preis für Schweinefleisch sinken. Der Preis ist vom Januar ab bis heute unter den nor­malen Preis gesunken. Heute exportieren wir tausende von fetten Schweinen nach Oesterreich. Im Reichstage werden noch viel größere Böcke geschossen zu ungunsten der Landwirte. Das zu verhindern, fuHeil Lnndlvtvte immer Leute ihres Blutes in den Reichstag

schicken.

Und deshalb wählen Landwirte verständigerweise in unserem

Fall den

Bürgermeister

Köhler

An Leuten, die Handel und Industrie Vertreten, fehlt es im Reichstage

durchaus nicht, das sehen wir au den Folgen.

4778

Warum beschäftigt man fich überhaupt fo angelegentlich mit meiner Person? Ich bin ja

Schlenke.

Evangelischer Arbeiter-Verein.

Der evangelische Arbeiter-Verein dahier hat keine politische Färbung, sondern vereint in sich Angehörige der verschiedensten Parteien. Wenn wir trotz­dem unsere Mitglieder auffordern, unserem Mitgründer und langjährigen Vorstandsmitglied, dem Vorsitzenden des Auffichtsrates unserer Baugenoffenschaft

Herrn Nommerzienrat heyligenstaedt einmütig ihre Stimme zu geben, so thun wir dies um seiner von uns hochgeachteten Persönlichkeit willen, und weil er durch die That gezeigt hat und noch zeigt, daß er in Wahrheit ein Freund und Wohlthäter der Arbeiter ist. 4780

Da llorftmiii des Emgel. Arbeitn-Demiis !u Gieße».

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Ernst Klein, Cöln,

Kohlen- u. Brckettgroßhandlg.

MR Vertreter gesucht.

Konkursverfahren.

Tas Konkursverfahren über das Vermögen des Emil Wagner in Gießen, alleinigen Inhabers der Firma Wagner & Haase in Gießen, wird, nach­dem der in dem Vcrgle.chs- termme vom 24. 2tpril 1903 angenommene Zwangsvergleich durch rechtskräftigen Beschluß vom 24. April 1903 bestätigt ist, hierdurch aufgehoben. [4772

Gießen, den 12. Juni 1903. Großherävgllch..S Amtsgericht. "BerÄingnug.

aur besseren Geüaltung des H^nchel-W-g-- bei enemroit) am KreuzungLvunkie der Bahn­linie Hartenrod-Herborn mit dem Wege Eiseniroch-Bicken find die notwendigen Erdarbeuen unoie Wegebefesligungsarbeiten au. Zu­fuhren. .

Bedingungen und Zeichnungen können auf der Eisenbahn-Dau*

Abteilung in Herborn eingesehen, aucii das Berdinghesl gegen post- freie Einsendung von 0,5 Mk. von hier bezogen werden. 4774 Eröffnung der Angedole am 20. Juni, ll1,, Uhr vormittags, zu welcher Zeit die mit eut- sprechender Aufschrift versehenen Angebote eingesandt fein muffen.

Herborii, 13. Zuni 1903. StimiflL Eiseilbahn-Bau-Abteilung.

Heugras- Versteigerung.

Tas diesjährige Hcugras von 15 Morgen Freiherrlich von Nordeck zur Rabenau'schen Wiesen und Gatten in der Gemarkung Alten-Luseck soll Donnerstag den 18. Juni, von vormittags 11 Uhr an, in der Wirtschaft des Herrn Wilhelm Rabenau zu Al:cn- Buseck verftcigett werden.

Großen-Buscck, 14. Ium 1903.

Althaus. 4771

Bersteigerrrng.

Mittwoch den 17. Juni I. I., nachmittags 2 Uhr, werden im Bittcr'schen^ Saale versteigen: 1 Sopha, 1 Schreib- tisch, 1 Bücherregal, 1 Aitszteh- nsch, 1 Aquarium, 2 Faß Wein, 2 Metallfärge, 3 Hobelbänke mit Wettzeug, 14 Türen, 2 geschnittene Eichenstamme, 1 Partie Tannen- dielen, 22 Türfüllungen, 1 große Partie Schuhwaren Herren und Tamenstiefel), einige Faß Weiß­wein, 1 große Partie Flaschen­weine u. v. a. 4785

Geißler» Gerichtsvollzieher.

Stäöt. Schlachthaus.

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Henle und morgen: 4795

vchlußriltz 50 JJfg.

Öffahrnfs ©djfrnfl. 30 Üfg.

Kaibfikisih 45 pfg.

Während der Markt;eu :;ibci der des Fleisches in der

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