Ausgabe 
15.5.1903 Zweites Blatt
 
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die Gründe bar, weshalb die Regierung die Zollfrei­heit für Holz aufrechterhalte, und betonte namentlich, day bei der gegenwärtigen Lage ein Einfuhrzoll auf Holz der östreichischen Forstwirtschaft nicht nützen könne, da das östreichische Zollgebiet kein geeigneter Markt für ausländi­sches Holz sei.

Abg. Ferjcmcic sprach heute in einer Versammlung, an der 300 slavische, ruthenische und kroatische Studenten und mehrere Abgeordnete teilnahmen, über die Errichtung einer slavischen Universität in Laibach. Hierauf beantragte ein serbischer Student eine Sympathie­kundgebung für Serbien, Bulgarien und Ma- cedonien. Nach Schluß der Dersamlung zogen die Teil­nehmer vor die Redaktion derNeuen Fr. Pr.", schlugen unter Johlen, Pfeifen und Pfuirufen mehrere Fenster­scheiben ein, und zogen dann zu der Universität, wo ein Exemplar des Blattes auf offener Straße verbrannt wurde.

Budapest, 14. Mai. Nach Meldungen aus Fiume haben kroatische Bauern gestern bei Buccari die Sema­phoren und Avisotafeln der Eisenbahn zer^ stört, Telegraphendrähte abgeschnitten und durch Stein- barrikadeu den Verkehr der Züge verhindert. Aus Fiume wurden Truppen nach Buccari beordert.

Innsbruck, 14. Mai. Ein Erlaß des Unterrichts­ministers sagt zu, daß die italienischen Lehrkan­zeln der hiesigen juristischen Fakultät als Rechts­akademie an einen Ort außerhalb Tirols binnen längstens drei Semestern verlegt werden. Die fortwährende Vermehrung der italienischen Lehrkanzeln an der hiesigen Universität erregt bei den deutschen Studen­ten und der Bürgerschaft wegen der Gefahr der Utraquisier- ung unserer deutschen Universität die größte Besorgnis und Erregung.

Algier, 14. Mai. Ein Telegramm aus Beniunif meldet: Eine 30 Mann starke Bande raubte am 13. d. M. in der Nähe von Duveyrier 47 Kamele, die zu einem am 13. früh nach Süden aufgebrochenen militärischen Transport gehörten. In Beniunif geht das Gerücht, daß sich bei Beschir südlich von Taghit eine zahlreiche Bande zusammen gezogen habe, die dem nächsten Militärtransport den Weg verlegen wolle.

Tanger, 14. Mai. Aus Metuan eingegangene Nach­richten bestätigen einen Sieg der Regierungstrup­pen. Ein englischer Dampfer ging mit Verstärkungen und Munition nach dort ab.

San Francisco, 14. Mai. Im Lause seiner gestri­gen Rede führte Präsident Roosevelt aus, der sicherste Weg, den Frieden zu erhalten, sei, zu zeigen, daß die Vereinigten Staaten den Krieg nicht fürchten. Sie müßten daher sür den Bau weiterer und besserer Schlachtschiffe sorgen.

New York, 14. Mai. DerBrooklyn Eagle" erklärt, ein dem Prinzen Heinrich nahestehender Amerikaner habe die Nachricht erhalten, daß der Prinz zur Welt­ausstellung hierherkommen werde.

Aussehen verursacht die Entdeckung, daß der Kon­greß mittels eines Zusatzes zum Ackerbau-Etat ein drasti­sches Gesetz gegen die Einsuhr verfälschter Nahrungs- und Genußmittel, sowie Drogen er­lassen hat. Dieses Gesetz verbietet alle Zusätze, welche für den heimischen Konsum im Ursprungslande verboten sind, ferner falsche Angaben aus den Etiketten. Das Ackerbau- amt erklärt, mit Borax behandelte deutsche Wurst, so­wie viel salyzilhaUiges Bier, ferner Weine müssen so­fort nach dem Jnkrasttreten dieses Gesetzes, am 1. Juli, ausgeschlossen werden. Alle Vorbereitungen für die Durchführung des Gesetzes sind getroffen.

Wahl-Bewegung.

Friedberg, 14. Mai. Sicherem Vernehmen nach werden die National-Sozialen im Vereine mit den Linksliberalen für den Wahlkreis Friedberg-Büdingen eine Kandidatur aufstellen. Der Name des Kandidaten wird m kürzester Zeit bekannt gegeben werden. (N. F. Z.)

WormS, 14. Mai. Bei der gestern hier stattgehabten Versammlung der Vertrauensmänner des Zentrums wurde Pfarrer Blum von Oberabtsleinach im Odenwald als Reichs­tagskandidat des Wahlkreises Worms»Heppenheim- Wimpfen aufgestellt. Blum hat die Annahme der Kandi­datur zugesagt.

München, 14. Mai. Der klerikaleBayerische Kurier* erklärt heute, wenn die Liberalen irgendwo in die Stich­wahl kämen, würde das Zentrum nicht sür sie stimmen. Vom Abg. Dr. Heim war in liberalen Zeitungen behauptet worden, er habe jüngst in einer Zentrumsversammlung gesagt, wer nicht Zentrum wähle, solle 25 hinten hmaufbekommen. Nun teilt die Zentrumspreste die einschlägige Stelle von Heims Rede, wie folgt, mit:

Zum Landgrafen von Hessen kam eines Tages aus einer Bauerngemeinde eine TepiUatton. Sie beklagte sich über ihren Bürgermeister. Der Landgras fragte sie: Wer hat den Bürger­meister gewählt? Sie antworteten: Wir. Ter Landgraf ging weg. Nach einiger Zeit erschienen Profotzen, und es wurden jedem der Deputation 25 beruntergehauen. Aus ihre Vorstellung über diese Behandlung ließ ihnen der Landgraf sagen, sie hätten 25 verdient, weil sie so dumm gewesen feien unb den Mann zum Bürgermeister gewählt hätten. M. H.! Wenn wir in einer Zeit, wo ein liberaler Redner wie Professor Böhtlingk sagt:Dian muß anfangen, wie in Frankreich, die Katholiken aus Deutschland hinauszujagen*, als Katholiken nicht durch den Stimmzettel protestieren, von unserem Wahlrecht keinen Gebrauch machen, so verdienen wir auch 25, denn dann haben wir keine Achtung vor uns selbst.

Uebrigens ist es dementiert worden, daß sich Böhtlingk ,fo, wie angeführt, geäußert habe.

zwischen England und dem Congostaat zu unter­zeichnen, wonach England das Lado gebiet wieder besetze und der König der Belgier jeden Anspruch auf Ge- bietscrwerbung an den Nilufern endgiltig aufgebe, wofür er als Entschädigung einen Teil von Bahr-cl-Ghazal erhalte.

Paris, 14. Mai. Tie Deputierten der Stadt Paris nahmen in einer heute nachmittag abgehaltenen Zusammen­kunft gegenüber dem Steigen der Brotpreise Stell­ung und beschlossen, am Samstag eine Abordnung zum Ackerbauminister zu entsenden, um ihn zu fragen, ob die Lage nicht em zeitweises gänzliches oder teilweises Auf­heben des auf ausländischem Getreide liegen­den Eingangs zoll es erfordere.

Kriegsminister Andre h.tt beschlossen, bei der Reor­ganisation der Kriegsschule auch Vorlesungen über Psychologie abhallen zu lassen.

Nach einer Meldung derPattie" wäre der Zug, in welchem Präsident Loubet von Montelimar nach Paris fuhr, ohne die Aufmerksamkeit des Streckenchefs, der bei Montercau einen Holzklotz und einen schweren Stein von den Schienen entfernte, entgleist.

Brest, 14. Mai. Der deutsche KreuzerAriadne" zcaf heute morgen, zugleich mit dem französischen Nordgeschwader auf der hiesigen Rhede ein. Tas deutsck-e Geschwader kreuzt auf hoher See.Ariadne" tauschte mit dem franzosisck)en Geschwader den üblidjen Salut aus und nahm die Post an Bord. Der deutsche Kom andant besuchte den französischen Ma- rinepräfekten. Admiral Courtille erwiderte den Be­such des Komandanten derAriadne", die nachmittags wieder in See ging. Da» französisclsc Nordgcschwadec und das deutsche Gefd)wader begegneten einander auf der Höhe von Quessant.

Wien, 14. Mai. Der Zollausschuß verhandelte über die TarisklasfeHolz". Gegenüber dem von ver­schiedenen Stebnern geäußerten Wunsche auf Erhebung von Eurfuhrzöllen auf Holz legte SeltwnSa es Deck' eingehend

Ausland.

London, 14. Mai. (Unterhaus.) Bei der Be­ratung des Marinebudgets weist Robertson (liberal) aus die Absicht der Admiralität hin, für Schiffsbauten so viel zu verausgaben, als Frankreich, Ruß­land und Deutschland zusammen. Er drängt die Regierung unter Hinweis auf die Haager Konvention und Rußlands Abrüstungsvorschläge, eine Ver­minderung der Ausgaben für Marinezwecke herbeizuführen. Dille (liberal) führt aus, das Prinzip der gleichen maritimen Stärke wie zwei andere Mächte zusam­men, werde nur bezüglich der Schlachtschiffe, nicht der Kreuzer, befolgt, welcher England besonders benötige. Er trete jedem Versuch entgegen, bindende Abmachungen mit anderen Mächten vermittelst ^Vertrages zu einer Herab­setzung der Rüstungen zu treffen. Eine solche Abmachung dürfte eher Kriege verursachen, als verhindern, aber an­gesichts des friedlichen und freundschaftlichen Charakters der französischen Regierung könnten England und Frankreich über eine Verminderung der Rüst­ungen beraten. Eventuell schlösse sich Rußland an. Tie drei Mächte würden auch, falls Deutschland nicht beiträte, in der Frage der Verminderung der Rüstungen etwas erreichen können. Parlamentssekretär der Admirali­tät, Forster, führt aus, in den maritimenVorbereit- ungen bi er Großmächte sei eine erhöhte Tätig­keit eingetreten. Ties sei bei jener Macht besonders be­merkbar, von welcher Robertson erwähnte, daß sie Vor­schläge betreffs Herabsetzung der Rüstungen madjte. Die Argumente für eine Flottenvermehrung, die sich auf die Flottenausgaben von Rußland und Frantreich stützten, seien keine sichere Rid)tschnur. Ter Redner fährt fort: Sie wollen wissen, welches die Streitkräfte sind, die wahrschein­licherweise gegen uns in irgend einer Kombination ins Feld geführt werden können, deren Zustandekommen füglich für möglich gehalten werden kann. Die Admiralität fordert keine Ausgabe, welche über die Bedürfnisse Englands hinaus­geht, sondern erfüllt ledigliä) ihre Pflicht, sich für jeden Fall zu rüsten, welcher vernünftigerweise erwartet werden kann. Er wolle keine Ansicht über die Lage äußern, wie sie burd) die Vereinigten Staaten beeinflußt sei. Das sei die erste Frage, die in Zukunft geprüft werden müsse. Ob die europäischen Mächte und die Vereinigten Staaten weiterhin zu einem Uebereinkomrnen betreffend ein Einhalten in den Rüstungen kommen, sei nicht die Frage, die jetzt zm. be­handeln sei. Pflicht der Admiralität sei es, der Nation Sicherheit zu geben gegen den Angriff, und wichtiger noch, gegen eine Niederlage durch irgend eine Bereinigung von Machten.

Eine Brüsseler Trahtung desDaily Telegraph" meldet, der Minister des Kongostaates Eetvelde begebe sich demnächst wieder nach London, um das neue Abkommen

Leben mitgeteilt:Ehe Liebig in die Apotheke nach Heppen- heim eintrat, kam er hier in die Großh. Hofküche und hätte jedenfalls auch darin vorzügliches geleistet, wenn dieser Wirk­ungskreis nicht durch einen Vorfall rasch zum Abschluß ge­kommen wäre. Eines Tages nach einer großen Tafel kam nämlich Seine Exz. der Herr Hofmarschall selbst in die Küche, um das Essen zu loben und um sich gleichzeitig nach dem Besinden eines delikaten Fisches zu erkundigen, der noch un- berührt von der Tafel abgehoben worden war. Keiner der Köche wallte darüber etwas wissen. Da öffnete Liebig einen Schrank und brachte den Vermißten zum Erstaunen aller Köche zum Vorschein. Liebig wurde daraufhin von Sr. Exz. für feine bewiesene Aufmerksamkeit sehr gelabt, erhielt aber nach dessen Weggang van dem Hofkoch eine so schallende Ohrfeige, daß er sich zu Hause weigerte, seine Kochstudien fortzusetzen. Daraufhin kam er als Lehrling nach Heppenheim."

)( L o l l a r, 14. Mai. Unsere Handwerker-Sonn- tags-Zeichcnschule wird Sonntag, den 17. Mai, durch den Bezirksausschuf; besichtigt. Tie Scyule erfreut sich eines fortwährend steigenden Besuches. Tas hiesige Eisenwerk hat in dankenswerter Weise einen namhaften jährlichen Betrag zur Verfügung gestellt. Auch die Gemeinde Lollar und die Sparkassen der Umgebung unterstützen die Schule.

K. B. S) a c m ft a b t, 15. Mai. (Origlnaldrahtbe- richt desGieß. Anz.*) S. K. H. der Großherzog hat sich gestern abend nach Schluß des Theaters nach dem Jagdschloß Mönchsbruch begeben, um heute im dortigen Jagdrevier zu jagen und dann nach Schloß Wolfsgarten zu fahren, wo heute zum Luncheon auch Prinzessin Elisa­beth mit zwei Hofdamen eintrifft. Am Abend kehrt der Großherzog mit der Prinzesim und den Hofdamen wieder hierher zurück.

Offenbach, 14. Mai. Gestern abend hat sich ein auf dem Linsenberg wohnender städtischer Arbeiter erhängt. Er wurde, als er den ersten Versuch unternahm, sich zu er­hängen, von feinem 13 Jahre alten Sohn überrascht und abgeschnitten. Bald darauf wurde der Lebensmüde jedoch wieder erhängt aufgefunden. Der Tod war aber diesmal cingelreten. lieber die Grunde zu dem verzweifelten Scheute ist nichts bekannt.

fc. Heppenheim a. d, B, 14. Mai. DaS als ver-

Aus Hlaöl uni) £anö.

Gießen, am 15. Mai 1903.

** Vortrag von Lektor Goetfchy. Wir machen die Leser daraus aufmerksam, daß heute in denFamilien­blättern" iMer ausführliche 1. Vortrag von Lektor Goetfchy Paris, rechtes Ufer", wiebergegeben ist. Tie fesselnoen und hochinteressanten Ausführungen mögen ein Beweis dafür feilt, daß es in der Tat ein Genuß ist, den Redner zu hören. Heute abend findet in der Aula der Universität der 2. Vortrag statt, der interessante Rezitationen bringen wird.

" AuS Anlaß der Liebig-Feier wird denN. Hess. Vbl." aus unserem Leserkreise noch folgende interessante, aber, wie uns scheint, höchst zweifelhafte Episode aus Liebigs

mißt gemeldete Kind auS Kirschhausen hatte sich verlaufen und wurde bei Klein-Rohrheim gefunden.

r. Mainz, 14. Mai. Auf der Linie Bodenheim. Alzey entgleiste gestern abend zwischen den Stationen Mommenheim und Harxheim ein Güterzug. Tie Loko- motive fiel die Böschung herab, während die Wagen auf dem Bahngeleise blieben. DaS Zugpersonal konnte bei dem langsamen Fahren abspringen und erlitt keinerlei 93er- etzungen. Die Folgen des nunmehr bereits über drei Wochen anhaltenden Maurer st reiks sangen an sich sehr empsindlich geltend zu machen. Der Verband der Bau­unternehmer hat bei seiner letzten Zusammenkunft ausdrücklich beschlossen, keinerlei Konzessionen zu machen und die Arbeit ruhen zu lassen, dis sich die Gesellen zu der Annahme der vorgeschlagenen Bedingungen bequemen. Die Maurer scheinen hierzu auf der anderen Seite noch wenig geneigt zu fein, denn in ihrer letzten Verfarnmlung war man noch einstimmig ür die Fortsetzung des Streiks. Während anfänglich infolge dieses MaurerausstandeS nur zahlreiche Zimmerleute beschäf­tigungslos geworden sind, werden nunmehr auch viele Tüncher wegen Arbeitsmangel entlasten. Alle begonnenen Neubauten liegen schon wochenlang danieder, einen wenig erfreulichen Anblick darbietend. Nur die Maurerarbeiten an der neuen Eisenbahnbrücke ruhen nicht, was seinen Grund dann hat, daß die Firma Holzmann in Frankfurt, welche den Brücken» bau ausführt, nicht in dem hiesigen Verband der Bau­unternehmer ist und daher eigene Vereinbarungen mit feinen Arbeitern treffen kann, waS die dem Verbände angehörenden Bauunternehmer nur gegen Leistung einer hohen Konventional­strafe tun können. Der Raubmörder Detr vis kommt schon in der in den ersten Tagen des Juni beginnenden nächsten Session des hiesigen Schwurgerichts zur Verhand» I ung. Die Voruntersuchung ist vollständig abgeschlosten und Detrois ist die ihn des mit Vorsatz und Ueberlegung aus- gesührten Mordes und des Raubes bezichtigende Anklage­schrift bereits zugestellt worden. Die Anklage wird durch den Oberstaatsanwalt Schmitt oertreten. Dem Angeschuldigten ist Rechtsanwalt Dr. Sichel als Ofsizialverteidiger bestellt worden.

Worms, 14. Mai. Dem soeben erschienenen Vor­anschlag der Stadt WormS über Einnahmen und Ausgaben pro 1903/04 ist zu entnehmen, daß sich die Einstellung einer um 103 711.04 Mk. gesteigerten Umlage-Einnahme als notwendig herausgestellt hat, so daß die Umlage von 91 Prozent auf 95,2 Prozent erhöht werden muß.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Frankfurter Stadtbiblio- thek erwarb für 3500 Mk. die Merzbacher'sche hebräische Bibliothek aus München. Frankfurt, das bereits früher große derartige Bücherschätze erworben hatte, steht bannt in aller­erster Reihe für hebräische Studien.

Vermischtes.

* Berlin, 14. Mai. In der heutigen Vormittags- Ziehung der preußischen Klassenlotterie fiel der Hauptgewinn von 500,000 Mark auf die Nummer 9 4 21.

Kiel, 14. Mai. Die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen den Fähnrich Hüssener findet ani 26. Mai statt.

Lern berg, 14. Mai. In dem Städtchen R oz ni a- toro wurden hundert Häuser durch eine Feuersbrunst ein geäschert. 500 Personen sind dadurch obdachlos ge­worden und befinden sich in größtem Elend.

'Straßburg, 14. Mai. Hier sind eine Reihe von Po ckenerkrankung vorgekommen, doch handelt es sich meistens um leichtere Fälle. Eine Wirtschaft mußte ge- schlosten werden.

Familiendramen. In Solingen erschlug im Streit die Frau des Fabrikarbeiters Karl Förster ihren Mann mit einer Kohlenschippe. Die Frau wurde verhaftet. Wie aus Dortmund gemeldet wird, erschoß der Wirt Wille bei ZecheMinister Achenbach' feine Frau und entleibte sich dann selbst.

Amsterdam. 14. Mai. Ein dreifacher Mord wurde in der Ortschaft Tcr-Hollen (Provinz Seeland) be­gangen. Räuber drangen in die Wohnung eines Arbeiters während dessen Abwesenheit ein unb töteten seine Frau un b beren Mutter mit Messerstichen, worauf sie baS HauS auSplünberten. Inzwischen kehrte ber Ardener zurück unb würbe burch Reoolverschöste tätlich verletzt. Die Kmber hatten sich in einen Speicher geflüchtet unb bort verbamka- biert, woburch sie bem Tobe entgingen.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft

Berliner Börse vom 14. Mai 1903.

(Mitgeteilt von der Baut für Handel und Industrie, Gießen.) Das Dementi der nmerifoiüfdjen Stahlhändler, sowie cm besserer Bericht des Jron Age verhalf heute unseren Montanwerten zu einer leichten Erholung, die in Aiibetracht der großen Geschäits- losigkeit natürlich keinerlei lebhaften Verkehr Hervorrufen konnte. Ueberhaupt war der Gesamtmarkt trotz der ungünstigen Haltung der Londoner Börse von bemerkenswerter Festigkeit, ivozu wohl in erster Linie bie Erwartung besserer Geldoerhältnisse beitrug. Türkenwerte feft in der Hoffnung aus eine baldige Untertreibung der ttmfitatwnsbedingungen seitens des Sultans. Ausgezeichnetk Raufe sind in Lübeck-Büchencr zu beobachten, deren Herkunst mU Verwaltungskreisen in Verbindung gebracht wird. Packelfahrt bc- festigt auf die Abmachungen mit der Sloman-Linie. Lombarden auf Gewumrealisationen abgeschwächt.

Pnoat-Tiskont 3 Prozent.

AiisangS- u. Schlußkurse.

CefL Kredit ....211.90

Deutsche Bank . . . 211.00 211.12

Tarmslädter Bank . . 189.75 139.75

Bochumer Guß . . . 181.50 181.26

Harpener Bergbau . . 183.50 184.25

Schluß-Tendenz: ziemlich fest.

Berlin, 14. Mau Wie eine hiesige Korrespondenz berichtet, war die gestern beendete Gnqufite über daS K okSsnndikat recht lebhaft. Tic Großindustriellen und die Vertreter der Klein- etsenindustrie kritisierten sehr scharf daS Vorgehen^ des Syndikats. Zu deii nn Jun» stattfindenden Verhandlungen über das Paplcr- kartell ist eine Reihe von ZeiMngsoerlegern cmgelabeiu

Märkte.

§ Butzbach, 14. Mai. Ter von schönem Detter bcgünftigtfc heutige -Schwei nemarkt war mit etwa 115 Wagen^befahreii. Wegen der letzter Tage m der Nähe behördlich festgestellten Schwetne- feitche wtirdeii zur Verhütung voii deren Weiterwerbreitung ine meisten auswärtigen Häiidler alsbald durch ben erschienenen Kreis» veleruiärarzt zum Verlassen bei Marktes veranlaßt. Infolgedessen brachten ine anderen Verkäufer bet der herrschenden Nachfrage chre-