Ausgabe 
15.5.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 113

Eriche»», täglich au bei Sonntag*.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die tiitfctner Kamllien- blätter viermal in der Woche deigelegt.

bUtaiionflönid u. Ver» lag der t5 i ü h l'scheu llinver1.-Buch-u.8tem- druckere, (Pietsch Erden) RedakNon. Erpedttioa und Druckerei:

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Freitag 15. Mai 1803

153. Jahrgang

Zweites Blatt.

Eichener Anzeiger

" General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

VezugSpre»», monatlich viertel» jährlich ML. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Pik. 2. mert el- läbrL auSichl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für tue lagesnummer bis vormutag* 10 Uhr. Zeilenvrei*: total 128k aus wärt* 80 tilg.

VeraniworNich tüt den poltL und aQfltm. Teil: P. Wiltko. tüt »Stadt und Vanö und .Gerichtsaal*: August Götz; für den Un- geigen teil: t>an« Veck.

JHe heutige Plummer umfaßt 10 Jetten«

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Körse, Kandelsstand und Wayteu.

AuS Handelstreisen wird uns unterm 14. Mai ge­schrieben :

In der Berliner Wahlbewegung ist gestern zum ersten Male auf die Vorlage hingewiesen worden, die den neuen Reichstag voraussichtlich bald nach seinem Zusammen- tritt beschäftigen wird: aus die Novelle zum Börsen- aesetz. Es gesck)ah dies in der Versammlung der Frei­sinnigen BolkSpartei für den ersten Berliner Wahlkreis, in der auch Eugen Richter das Wort ergriff. Die Börsen­novelle ist bekanntlich ein Opser des Zolltarifs; sie wurde, obwohl bereits ausgearbeitet, auf die lange Bank geschoben, damit die Bahn für den Zolltarif frei bleiben konnte. Im Herbst dürfte die Novelle dann zuerst an die Reihe kommen, sie wird den Prüfstein bilden für die im neuen Reichstag vorherrschende Richtung.

Noch haben es die Wähler in der Hand, diese Richtung zu bestimmen; das sei speziell den kaufmännischen Kreisen, die ja in ihrer Gesamtheit mit der Börse Zusammenhang haben, in Erinnerung gebracht. Auf agrarischer Seite heißt es:Die Börse kann warten!" Als ob sie nicht seit Jahr und Tag wartete! Weiter wurde und wird prophezeit, baß die Dörsennovelle einegründliche Prüfung" seitens der Rechten zu gewärtigen habe. Dagegen wäre nichts ein­zuwenden, wußte man nickt, daß die Prüfung in diesem Falle hinauslausen soll auf eine Verschärfung der bestehen­den börsengcsetzlichxn Bestimmungen, die die Novelle für die Regierung unannehmbar machen, also zum Scheitern bringen müßte. Was bis jetzt über den Regierungsstand- puntt in der Börsenrejormsrage bekannt geworden ist, läßt nur auf ein teilweises Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Bärsen-Jntere,senten schließen. DaS aber, besonders die Milderung der hinlänglich bekannten unhalt­baren börsenrechtlichen Bestimmungen, wird niemand ab- lehnen dürfen, der der Börse überhaupt noch eine Existenz­berechtigung zugesteht.

Das Borjengesetz hat im Verein mit Erhöhung der Börsensteuer nachteilig auf das Gewerbe besonders der selbständigen mittleren und kleineren Bankiers eingewirkt. Um dies zuzugeben, braucht man lein enragierter Börsen­freund zu sein. Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, daß das Großbanlentum nach dem Erlaß des Börsengejetzes zur Blüte gelangt ist. Die hierdurch beivirkte Vermehrung der abhängigen Existenzen müßte folgerichtig gerade die Agrarier, diese angeblichen Vertreter des selbständigen, des alten" Mittelstandes, auf die Seite des Privatbanliers führen. Aber hier kommen städtische und Handels-Jnter- essen in Fragen, da versagt die agrarische Konsequenz. Rach dieser soll der Handelsstand seinen Topf überhaupt nicht am parlamentarischen Feuer warmen. Er ist geeignet, für Besteuerungszwecke in erster Linie herangezogen zu werden; auch erlaubt man ihm, sich zu betätigen, wenn es sich um kostspielige und in Bezug auf Rentaoilität un­sichere Unternehmungen z. B in der Kolonialwirtschaft handelt. Aber eine seiner nationalölonounschen Bedeut­ung angemessene Mitwirkung bei der Gesetzgebung soll ihm Der |agt werden.

Die Vorst schlagt man und den Handel meint man, und mit dem Handel würden, wenn die agrarische Richt­ung im neuen ineidjätag Oberwasser bekäme, die zahlreichen Handelsangestcllten, die in (Exportbetrieben, in Schiffahrt ujro. Bescl-aiiigten, getroffen iveroen. Der Kausmanns|iand hat eS, tote gesagt, bei den Wahlen in der Hand, mit Erfolg dagegen zu protestieren.___________________________

Politische Tagesschau.

Politik und Geschäft.

Die sozialdemokratische Preffe macht sich das Vergnügen, das Mitgliederverzeichnis der konservativen und freikonseroativen Reichstagsfraktion abzudrucken, unter genauer Bezeichnung des Standes und Titels der einzelnen Abgeordneten. Der Zweck ist klar. Da sich unter diesen Abgeordneten eine An­zahl Herren von Adel und hoher Stellung besindet, so soll die sozialdemokratische Masse angestachelt werden zum Kampf gegen die »Junker" undKommerzienräte". Dabei mißen diese Herren Preßdemagogen recht gut, daß unter denen, die sich bereit finden lasten, ein Mandat der staatserhaltenden Parteien auf sich zu nehmen, sich sehr viele befinben, die das nur unter bewußter Aufopferung in Erfüllung einer Art Ehrenpflicht tun. Man weiß doch genugsam, wie schwer es den bürgerlichen Parteien fällt, geeig­nete Reichstagskandibaten aufzutreiben. Eine ganz andere Schlußfolgerung ergibt sich, wenn man die Liste der sozialdemokratischen ReichstagSabgeordneten überblickt. Diese Liste ergibt ein merkwürdiges Resultat: Die Abge­ordneten und Führer der Sozialdemokratie haben gerade durch diePartei ihre bürgerliche und soziale Position gebessert. Ja, sie sind zum erheblichen Teil Fabrikanten und Kapitalisten, Herr Krumm ist bekanntlich Drogenhändler en gros alsoAusbeuter" im sozialdemokratischen Sinne, geworden. Allein acht Zigarren-Fa brikanten zählt man, die durch die Partei gezüchtet worden sind und die kann man wohl sagen von der Partei unterhalten werden. Tenn es ist doch klar, daß diese Zigarren-FabriEanten ihre Unternehmer-Stellung nur darum errungen haben und dadurch behaupten, daß ihnen die Maste derGenosten" als Konsumenten zur Verfügung steht. Dazu kommt bann die große Anzahl von über 30 gut besoldeten früheren Proletariern und jetzigen demagogischen

Deutsches Deich.

Berlin, 14. Mai. Gegenüber einer Meldung de4 PariserFigaro", toonam der Papst auf lebhaftes Drängen des deutschen Kaisers sich bereit er­klärt habe, dem Bischof Ben zier von Metz im nächsten Konsistorium den Kardinalshut zu verleihen, ver­sichert dieNat.-Ztg." auf Grund zuverlässiger Mitteil­ungen, daß Kaiser Wilhelm keinen derartigen Wunsch ausgesprochen hat.

Tie Meldung, dag zwischen der deutschen und französischen Regierung ein Schriftwechsel wegen eineS neuen Handelsvertrages stattfindet, wird dem Börs. Kur." von kompetenter Stelle als unrichtig be­zeichnet.

Der Berliner czechische Turnverein ver­anstaltet während der Pfingstfeiertage hier ein czechi- sche s Turnfest, zu dem auch die polnischen LokaL- vereine geladen sind.

DerReichsanz." veröffentlicht das Gesetz betreffend Pbosphorzündwaren vom 10. Mai und die kaiser­liche Verordnung vom 10. Mai 1903 zur Ausführung des Gesetzes zum Schutze der Warenbezeichnungen vom 12. Mai 1894.

In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde dem Aussck-ußberichte betreffend die Denkschrift über die Ausführung der Anleihe-Gesetze und dem Be­schluß des Reichstages hierzu, sowie dem Ausschußantrage betreffend die Uebersichten über die Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1899 und den Beschlüssen des Reichstages hierzu Zustimm­ung erteilt.

lieber die Zeiten für die diesjährigen Flotten - manöver ist folgendes festgesetzt: Am 15. August tritt die Uebungsflotte unter dem Befehl des Admirals v. Köster in Wilhelmshaven zusammen. Vom 15. August bis 5. Sep­tember ist Manöver in der Nordsee und Fahrt nach Kiel, vom 5. September bis 15. September Manöver in der Ostsee. Am 15. September erfolgt die Auslösung der Flotte in Kiel.

Dresden, 14. Mai. Das Ministerium beraumte als Termin für die Reichstags st ichwahlen den 25. Juni an. DaS Landesmedizinalkollegium wird bei der Re­gierung die energische Bekämpfung des Kur­pfuschertums beantragen und zugleich Vorschläge hier­für unterbreiten.

Greiz, 14. Mai. Die Vermählung der Prin­zessin Emma Reuß ä. L., der ältesten Tochter des ver- Itorbenen Fürsten Heinrich XXII., mit dem Grafen K ü- nigl-Ehrenburg fand heute statt. Von Fürstlichkeiten nahmen der Fürstregent Heinrich XIV., Prinz Karl zu Isenburg, die Prinzessin von Schönaich-Karolath, Prinz und Prinzessin von Schönburg-Waldenburg und die Eltern des Grafen Künigl teil. Außerdem wohnte Fürst Heinrich XXIV. Reuß ä. L. in der Loge der Feier bet

Koburg, 14. Mai. Der Regierungsverweser Erbprinz Ernst tu Hohenlohe-Langenburg ist mit Gemahlin und Kin­dern heute aus Davos wieder in Koburg eingetroffen, ebenso die geschiedene Großherzogin von Hessen, geborene Prinzessin von Koburg.

Stuttgart, 14. Mai. Die Kammer der Abgeordneten nahm bei Beratung des Einkommensteuergesetz­entwurfs die Kommissionsanträge zu Artikel 18 und 19 mit 27 gegen 6 Stimmen, letztere die der Sozialdemo­kraten, an. Danach beträgt der Maximalsteuersatz 5 Pro­zent bei einem Einkommen von 200 OuO Mk., während die Erste Kammer einen Maximalsteuersatz von 4i/2 Prozent bei einem Einkommen von 100 UGO Mk. festgesetzt hat. Der Finanzminister sprach namens der Regierung die Zu- Itimmung derselben zu bicien Anträgen und die Hoffnung aus, dav auf dieser Grundlage eine Einigung mit der Ersten Kammer erzielt werden möge.

Heer und Flotte.

Seit der Einführung der zweijährigen Dienst­zeit hat die Kriminalität im Heere dauernd ab­genommen. Tas ist darauf zurückzuführen, daß die meisten

Unter der zweijährigen T i nstzeit sind die Bestrafungen in der Armee um mehr als em Drittel zurückgegangen; im Gardetorps qr ter Rücrgang der Bestrafungen noch größer, nur etwa die Hälfte Vergehen sino zu verzeichnen.

Schriftstellern", Redakteuren, Partei-Sekretären rc., die als sozialdemokratische Abgeordnete im Reichstage sitzen. ES besteht unstreitig die garnichtwegzuleugnende Tatsache, daß für die ganz große Mehrzahl der führendenGenossen" einzig und allein die sozialdemokratische Partei eS ist, durch die sie eine bürgerliche und zum Teil sogar kapitalistische Stellung er­rungen haben und sich erhalten können. Nirgends sonst sind Politik und Geschäft so eng mit einander verbunden, als ge­rade in der Sozialdemokratie. Unter solchen Umständen kann es doch unmöglich ganz leicht fallen, an den Idealismus und die opfervolle Hingabe dieserObergenoflen" zu glauben.

Zur Verabschiedung des Erbprinzen von Sachsen-Meinivgen als tommanbierenber General des 6. Korps schreiben die Derl. Reuest. Nachr.":

Mögen seine Erlasse betreffs der Mißhandlungen unb Beschwerden die direkte Ursache gewesen sein und den letzten Anstoß gegeben haben, so ist notorisch, daß schon seit einer längeren Reihe von Jahren zwischen dem Kaiser, seinem Schwager, und seiner Schwester persönlich sehr wenig Beziehungen ftattgefunben haben. Das fiel be­sonders bei Gelegenheit der in Kiel beim Prinzen Heinrich gefeierten silbernen Hochzeit des Meininaenschen Erb- priiizenpaares auf, welcher der Kaiser nicht beiwohnte. Tie Medisance will sogar daraus pckante Schlüsse ziehen, daß bei jener Feier das LustspielTie zärtlichen .Ver­wandten" ausaeführt ward. Erbprinzessin Char­lotte, die älteste Schwester des Kaisers, geboren am 24. Juli 1860 und seit 1878 mit dem Erbprinzen Bernhard von Sachsen-Meiningen vermahlt, ist von selbständigem Charakter, wie auch ihr Gemahl, und da sollen private, vom Kaiser gegebene Verhaltungsmaßregeln schon vor längerer Zeit nicht glatt Hingenom men worden sein."

Auf der Wanderversauiwluug bayerischer Landwirte in Schweinfurt hielt Prinz Ludwig von Bayern eine zweite Rede, in der er sich über die allgemeine Land­wirtschaft wie folgt aussprach:

,Jn dem großen internationalen Verkehr, in dem wir unS befinden, werden wir es trotz aller Zölle nie dahin bringen, daß die Preise im großen Weltverkehr lehr bedeutend voneinander differieren. Einzelnem tarnt man ja aohelsen durch Zölle und Tarife ujro. Aber in der Hauptsache kommt es nur daraus an, billiger zu produzieren, als man verkauft. Es sind übrigens ja auch die In­dustriellen und Gewerbetreibenden in der gleichen Lage. Es ist ja faktisch durch den Fortschritt in der Kultur ermöglicht worden, viel billiger zu produzieren als zu früheren Zeiten. Damals wurde nicht so scharf gerechnet, und eS ist viele Arbeit nicht direkt bezahlt, sondern auf dem Wege der Naturalleistung oder durch Fronden. Jetzt muß man alles bar bezahlen. Nehmen wir alle Mittel, das 'Wissen, jene Mittel, die die Regierung, dann die einzelnen Land­tage und der Reichstag zur Verfügung stellen, nehmen wir sie dankbar an, und lassen wir vor allem selbst nicht die fpoffnung sollen. Streben wir vorwärts^ Diejenigen und es sind ja Nach­kommen von Familien da, die ihre Güter vertäust haben glauben ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Aber die wirklich gut gelebt, haben meistens nichts mehr. Und diejenigen, die ihre Güter be­halten haben, sind vielfach angesehene, wenn auch nicht reiche Leute, die einen sehr schönen Besitz haben. Denken wir nicht nur an die Gegenwart, sondern auch an die Zukunft, nicht nur an uns, son­dern auch an unsere Kinder. Und wenn wir so wirtschaften werden, wird kein Landwirt die Flinte ins Korn werfen müssen.-

werden einzelne Ermordungen von Christen ge­meldet. Infolge ernster Vorstellungen der hiesigen Bot­schafter ist vom dildiz und von der Pforte allen ValiS und Kommandanten in den Provinzen strenge Instruktion zugegangen, etwa drohende Aiassakres mit allen Mitteln Yintanzuhalten und besonders die Fremden zu schützen. Aus Saloniki werden offiziell weitereDynamitfunde gemeldet; man befürchtet neue Anschläge. Der WienerN. Fr. Pr." wird aus Uesküb berichtet: Mehrere Dörfer südlich von Tjakova wurden von türkischer Ar­tillerie beschossen, wobei neun Albanesen gefangen und einer getötet wurden. Die türkischen Truppen hatten 3 Tote. Tie gefangenen Albanesen sind Vtoiable aus Djakova, die von dort geflüchtet waren. Durch ihre Gefangennahme glaubt man, den Widerstand der Alba­nesen in Tstakova gebrochen zu haben.

Der Großvezier opponiert noch immer gegen die seiner Ansicht nach von der Ottomanbank zu hoch bemessene llnisilationsanleihe von 32 Millionen Pfund.

Tie bulgarisa-en Dörfer Kartschewo und Kruschewo bet Demirhissan sind im Kampfe mit Türken. Weiber und Kin­der sind in die Wcllocr geflüchtet. Im Dschumajabezirk wurden alle Dorfältesten verhaftet.

Tie Dttikan-Unruheu.

AuS KvnstantinopSi wird telegraphiert: Aüs mehreren kleineren Orten in der Umgebung von Monasrir und Uesküb

Zur Ueberfulluag im juristischen Beruf.

Die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs und die damit verbundene Umgestaltung des Grundbuchwesens, die für Hessen und auch andere Staaten von einschneidendster Bedeutung ist, würde, so meinten manche, auf den Andrang zum juristischen Studium wie die Oeffnung einer Schleuse wirken. Tie Schaffung freien Raumes, die von der preußi­schen Regierung bekanntlich noch durch besondere Ver> günstigungen für den Rücktritt der über 60 Jahre alten richterlichen Beamten gefördert wurde, ist aber bekanntlich nicht in dem vermuteten Umfang eingetreten. Jedenfalls überwog der Zufluß bei weitem den Abgang, und so er­schienen z. B. zum letzten Staatsexamen in Darm­stadt nicht weniger als 2 2 A c c e s s i st e n.

Wenn auch zu erwarten ist, daß nach einiger Zeit die Erkenntnis von der Ueberfüllung des juristischen Berufs weitere Kreise zur praktischen Nutzanwendung führen und auf die Flut die Ebbe folgen wird, so gilt es eben jetzt, den vorhandenen überschüssigen Kräften nach Möglichkeit Wege zu weisen, die vor völligem Brachliegen bewahren.

Es ist ein günstiger Umstand, daß unser hoch entwickeltes wirtschaftliches Leben in steigendem '.Naße volkswirtschaftlich und auch juristisch geschulter Kräfte bedarf. Das gewaltige Bauwerk der staatlichen Versicherung benötigt manches rechtskundigen Werkmeisters und Arbeiters.

Insbesondere ist aber hier noch auf ein weiteres Gebiet hinzuweisen, das für juristische Kräfte immer aufnahme­fähiger wird; das p r i o a t e V e r s i ch e r u n g s w e s e n und hier in erster Linie die Haftpflichtversicherung. Dieser Versicherungszweig ist in ganz außerordentlichem Aufschwung begriffen und kann vermöge feiner Eigenart des juristischen Mitarbeiters gar nicht entbehren. Hierzu kommt, daß gerade die Tätigkeit m der Hafipflicht-Ver,icher- ung juristisch vielseirig ist und gute Gelegenheit auch zur Fortbildung rn der einmal erwählten Wissenschaft bietet.

Freilich sind das alles angesichts der Größe des be­sprochenen Uebelstandes nurtleine Mittel". Wirkliche Besserung wird, wie gesagt, erst eintreten, sobald der Zu­gang zum juristischen Studium wieder normale Verhült- nisse angenommen hat.