die Beharrungen der Anfrage. Es sei durchaus unzu- treffend, daß nach dem Preis der Grundstücke vor der Enteignung nickst gefragt wurde, es sei tatsächlich bei allen Eigentümern vorher angefragt w-vrden. Auch die zu niedrige Bemessung der Preise für die Grundstücke treffe nicht zu, ebenso die Behauptung, daß die Auszahlung nicht prompt erfolgt sei.
Abg. Berthold erkennt inbezug auf den letzten Punkt xn, daß er sich geirrt habe. Er weist dann darauf hin, daß das Porgehen der preußisch-hessischen Eisenbahndirektion in Mainz und Bischofsheim große Aufregung hervorgerusen habe, weil gegen einzelne Grundbesitzer das Enteignungsversahren m schroffster Weise eingeleitet wurde.
Abg. Tensfelder bemerkt, er habe als Sachverständiger bei der in Frage stehenden Angelegenheit mitgewirkt und er könne konstatieren, daß die Verkäufe der Grundstücke ganz in den Händen der Rechtsanwälte lägen, bei denen es sich darum zu handeln schien, die Erledigung lange hinauszuziehen und möglichst hohe Preise zu erzielen. So seien für einen einzigen Nußbaum 500 Mk. und für einen Acker 12 000 Mk. verlangt worden. Daß sich bei solchen Forderungen die Elsenbahndirekrion Mainz nicht auf weitere Verhandlungen mit den Betreffenden einzulassen Lust verspürte, sei wohl selbstverständlich. Die Schuld an der Herbeiführung des Enteignungsversahrens liege nicht an der Direktion, sondern an den enormen Forderungen Besitzer. Damit ist die Interpellation erledigt. Nachdem d>.e Kammer darauf einige kleine Anträge, darunter die Gesuche der Dv- manialforstwarte und der Forstwarte im Kommunaldienst auf Verbesserung ihres Diensteinkommens den Ausjchußanträgen gemäß abgelehnt, kam noch der Antrag Wolf und Genossen zur Beratung, welcher die Regierung ersucht, von dem Erwerb der weiteren erstklassigen Weinberge möglichst abzusehen, dagegen an etwa sechs bis zehn Plätzen innerhalb Rheinhessens Weinberge mittlerer und geringerer Lagen anzukaufen und rnustergiltig bewirtschaften zu lassen. Der Antragsteller und der Ausschußberichterstatter Mo Ith an, Weinhändler in Mainz, sprechen der Regierung volle Anerkennung fiir ihre bisherige vorbildliche Tätigkeit in den Weinbergen der Staatsdomänen aus; der letztere bezeichnete auch den Keru des Wolfschen Antrags als einen gesunden, empfahl aber namens des Ausschusses nicht die Annahme desselben, sondern desien Ueberweisung an die Regierung. Das Haus schloß sich dem Ausschußantrag einstimmig an und vertagte sich auf Dienstag vormittag 10 Uhr.
Jer Ktat im Reichstag, rv.
Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt wnterm 12. Dezember:
Tie Eta.sdebatle erlitt heute zunächst eine Unterbrechung. Tie Beratung des deutsch-englischen Handelsprovisoriums ging voraus; sie brachte die Erstlingsrede eines neuen Reichstagsmitglieds, des land- bündlerischen Antisemiten Graf Reventlow. Tiefer zoll»- kampflustige Agrarier wollte nicht erlauben, daß die Vorlage kurzer Hand verabschiedet werde. Staatssekretär Gras Posadowsky belehrte mit milder Ruhe den Grafen Reventlow dahin, daß zur Beurteilung handelspolrtischer Fragen etwas mehr Sachkenntnis gehört. Die zwecke Touche verabfolgte Abg. v. Kardorff: Graf Reventlow liefere mit seiner Rede nur Wasser auf die Chamberlainsche Mühle. Wie man den Standpunkt der Landwirtschaft vertritt, ohne ins Extrem zu fallen, das zeigte dem parlamentarischen Tebütanien endlich Abg. Graf Kanitz. Es schloß sich gleich die zweite Lesung des Gesetzentwurfs an, nachdem noch die Abgg. Goth ein (fr. Ber.) und Bernstein (Soz.) gesprochen hatten. Gemäß dem Zentrums- antrag wurde die Vollmaast der Regierung zur Verlängerung des Haridelsprovisoriums aus zwei Jahre beschränkt; Abg. v. Kardorff hatte Beschränkung auf ein Jahr gewünscht. Tann kam die Äatsdebatte wieder zu ihrem Recht.
Ms „Anwalt der Bundesstaaten" setzte der preußische Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben, ein gewandter Redner, nochmals die Vorzüge der Reichsfinanzreform ins Licht. Ter Reichstag werde sich ein Verdienst erwerben, wenn er die bescheidene Neuregelung annehme. Eine zweite parlamentarijche Jungfernrede folgte.
Tie polnische Fraktion entsandte den Abg. v.Scar- zynski auf die Tribüne, einen Herrn mit martialischem pechschwarzen Knebelbart, im übrigen ohne hervorstechende Eigenschaften. Es versteht sich von selbst, daß der Redner am meisten die ,/Lstmarienzulage" mißbilligte.
Höchst pefsimistisch in Bezug auf die Handelsverträge blickt dte Freisinnige Vereinigung in die Zukunft. Ihr Wortführer, Abg Schrader, glaubt nicht, daß die neuen Verträge vor Mlauf von zwei Jahren zum Abschluß gelangen werden. Tie einigermaßen lehrhafte Art des Vortrages dieses Parlamentariers vermochte die Hörerschaft nicht eben in Bann zu ziehen. Anders die temperamentvolle Redeweise des Abg. Payer von der Voltspartei. Tie Wucht der Kritik, mit der er das System der „demütigenden" Zuschußanleihen und den Finanzreformentwurf, speziell die betreffenden Ausführungen des preußischen Finanzministers, bedachte, wurde in ihrer Wirkung gesteigert durch einen Sarkasmus, dem man im Parkett Voltes Verständnis entgegenbrachte. In den Mittelpunkt seiner Erörterung stellte Mg. Payer den Einfluß der Finanzresvrm auf die bundesstaatliche Haltung der Einzel- staalen, und die Mneigung seiner Freunde gegen diese Vorlage begründete er vor allem mit der Befürchtung, daß die Reform die Einleitung bilde zu einer Vermehrung der indirekten Steuern im Reich Tem Schatzsetretär wurde bei dieser Zerfaserung feines ersten Gesetzgebungswerks anscheinend unbehaglich zu Mut, zumal der Redner wiederholt starken Beifall im Hause fand. Auch über die brennenden Fragen, die Soldcwenmißhandlungen usw. wußte Abg. Payer anregend zu sprechen. Ebenso entbehrten die Ausführungen aber den Tiärenmangel, die auswärtige, die Sozial- und die Wirtjch>astspoliu.k, sowie besonders über das „Tuell" Bebel-Graf Bülow — „Wir von der Volkspartei müssen die Wacht am roten Meer halten" — nicht der geschickten und wirksamen Behandlung.
Am Montag will die äußerste Linke den Kampf gegen die xcglcrung und insbesonoere gegen den Kanzler wieder aufnehmen. Man wird demgemäß eine stürmische Sitzung erwarten können.
Aus Staöt uni) Auw.
Gießen, den 14. Dezember 1903.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Kammerjunker und Kreisamtmann Dr. Hugo Freiherrn
von Leonhardi zum Kammerherrn ernannt, der durch die Dekanatssynode des Dekanats Oppenheim auf die Dauer von fünf Jahren vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Johannes Weiß zu Selzen zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Oppenheim die Bestätigung erteilt, und dem Vizewachtmeister im 2. Großh. Hess. Feld-Artillerie-Regiment 9ir. 61 Karl Schaaf die Stelle eines Dieners am evangelischen Predigerseminar in Friedberg übertragen.
** Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Am Mittwoch den 2. Dezember sprach Professor Dr. Alfred P hil i p p so n-Bonn über West-Kl ein-Ast en. Durch Klein-Asien dringt heute die europäische Kultur in Vorder- Asien vor. Ein wichtiger Faktor dieser Entwickelung ist die von deutschem Kapital erbaute Anatolische Bahn, die das Interesse in Deutj'chland auf Klein-Asien gelenkt hat. Toch ist die wissenschaftliwe Erforschung des Landes noch sehr im Rückstand. Ter Vortragende hat sich daher der geographischen und geologischen Untersuchung des westlichen Teiles Klein-Asiens im Anschluß an ferne früheren Arbeiten in Griechenland gewidmet und in drei Sommern umfangreiche Reisen dort ausgeführt, die er noch fortzusetzen gedenkt. In dem bereisten Gebiet stoßen die großen natürlichen Provinzen zusammen, in die Klein- Asien zerfällt, und die erhebliche Gegensätze in Bau, Oberflächengestalt und Klima zeigen. Es find dies: das innere Hochland, die schmalen Kustenränder im Norden und bilden, endlich der reich gegliederte Westen, der zum Aegäischen Meer hin sich öffnet Ter Vortragende schilderte die Vegetation und Kultur dieser Provinzen. Ter Gegensatz rn der 9tatur dieser verschiedenen Provinzen zeigt sich naturgemäß auch in dem Wesen und in der Kultur der Bevölkerung, und zwar zu allen Zeiten der wechsel-vollen Geschichte dieses uralten Kulturlandes. Heute ist im Innern und im Nuorowesten die große Masse der Bevölkerung Türken, ein Volk, dessen Grundstock die alte Urbevölkerung Klein-Asiens bilden dürste, die von den türkischen Eroberern Sprache, Religion und Sitte annahm, dagegen jenen ihren körperlichen Typus ausprägte. Dazu kommen interessante Nomadenstämme, die den mongoloiden Typus häusiger erkennen lassen. An der Küste dagegen sitzen seit dem Altertum die Griechen, und diese bringen in der letzten Zeit im ganzen Westen vor, indem sie Handel und Verkehr vorzugsweise in der Hand haben. Aehnlich beherrschen im Innern und TLorden die Armenier den Handel. So kommt die türkische Bauernschaft mit der Erschließung des Landes durch den modernen Verkehr mehr und mehr in materielle Abhängigkeit von den christlichen Elementen. Ebenso geht das türkische Handwerk zurück infolge der Konkurrenz der billigen europäischen Fabrikate, oder es wird in europäischen Fabrikbetrieb umgewandelt, wie die Teppichknüpferei. Im Landbau selbst werden die Türken vielfach bedrängt durch die zahlreichen mohammedanischen Einwanderer anderer dlationalitäten. So hat die Erschließung des Landes den Türken selbst keineswegs nur Vorteil gebracht. Das Land an sich aber entwickelt sich schnell zu reicherem Leben und Wohlstand, besonders in dem von Natur ge.egneten Westen, der schon längere Zeit durch englische uib französische Eisenbahnen von Smyrna aus ausgeschlossen ist. Tas von der Anatolischen Bahn durchzogene Hochland mit seinem einförmige Gei reibe bau tann ;iuj damit nicht messen. Dafür ist es aber das Durchgangsland nach Süoosteri, und von allen kl-einas lettischen Vahnen kann daher nur die Armvoll,che nach Syrien und Mesopotamien weitergeführt werden.
** Kunstverein. Bei der am Samstag in Darmstadt stattgehabten Verlosung von Oelgemäloen, Aquarellen und Prachtwerken sind nachsteheiide 12 Gewinne an hiesige Mitglieder gefallen. „Garten in der Villa Rtole- notti in Florenz" von 9JL Loose-Berlin an Landgerichtsdirektor Tr. Buciing; „Rübezahl" von Ludwig Richter an Kaufmann sDu Friedberger; ,/Offenes Tal" von Thoma- Karlsruhe an die Stadt Giesten; „Am Pflug" von G. Se- gantini an Prof. Dr. Noack; „Deutsche Pappeln" von O. Ubbelohde an Prof. Dr. Fromme; „Landschaft" von E. Schnwll v. Eisenwerch an Kaufmann tz. Mettenheimer; „Heimkehr vom Feld" von R. Schrestl an Frau Hoflieferant Schwab Ww.; „Eyrisrmarkt" von E. Biese-Karlsruhe an Fabrikant Bock II.; „Die Nacht" von G. Eilers-Eorregio an Kaufmann E. Balser; ,pBrldnis d. Großyerz. v. Baden" von O. Graf-Älunchen an Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Riegel; „12 Steinzeichnungen" von W. Bader-Darmstadt an Kaufmann Ed. Sack; „Aöappe mit Lanoschäften" von L. Willrower an Rechts anwalt Dr. Spohr.
** Silberner Sonntag. Am gestrigen Sonntag waren zahlreiche Landleute zu uns in die Stadt gekommen, um Wechnachtseinkäufe zu machen. Neustadt, Marktstraße, Marktplatz, Schulstraße, Mäusburg und Kreuzplatz boten den ganzen Nachmittag über ein recht belebtes Bild. Auch in den Läden gab es zeitweilig übermäßig viel zu tun, und besonders in den Spielwaren- und Bazargeschäften herrschte starker Kundenandrang. Auch der Seltersweg hatte gestern Verkehr, doch war es mehr die Stadtkundschast, welche bei dem milden Wetter dort auf und ab promenierte, um die Auslagen in den Schaufenstern zu betrachten. Im allgemeinen klagen die Geschäftsleute mit wenig Ausnahmen über em unlohnendes Winter- und Weihnachtsgeschäft; als Grund dafür wird das milde Wetter bezeichnet. Aber auch andere Ursachen hört man dafür anführen. Es sind nun etwa noch 10 Tage bis zum Feste, und es steht wohl zu erwarten, daß während dieser Zeit noch viel gekauft wird. Vielleicht schlägt auch das Wetter noch um und beeinflußt den Detailhandel in mancher Branche noch günstig.
** Die Bieberthalvayn ist, wie aus der heutigen Bekanntgabe hervorgeht, dem lange gehegten vielseitigen Wunscye des Publikums, Rückfahrkarten einzuführen, endlich nachgekommen. Diese werden auf der Station Gießen nach allen Stationen und Hallestellen der Bieberthalbayn für die 2. und 3. Wagenkla,fe ausgegeben und haben fürdenTag,an demsiegelv ft werden, zur Rüafahrt Giltigieck. Ferner findet auf der Haltestelle Wind Hof vom 15. d. Mts. die Fahrscheinausgabe nicht im Zuge, sondern in der Restauration des Herrn Ebriftian Duill statt. Turch den Zugführer werden die Fahrscheine auf der Haltestelle Krofdorf-Gleiberg nur noch ausgegeben. Diese »Neuerung trügt zur Bequemlichkeit der Fahrgäste bedeutend bei und dürfte hauptsächlich von den Besuchern des Windhofes mit Freuden begrüßt werden.
** Geisteskrank. Kassierer Herrmann, der die Defraudation bei ber Mainzer Volksbank beging und zur Untersuchung seines Geisteszustandes vor einiger Zeit in der Jrrenabteilung der Landesuniversität verweilte, wurde, wie gemeldet wird, für geisteskrank erklärt.
** Tausend Ni art hat ber hier verstorbene Rentner Schreiber dem beulsch- österreichischen Alpenverein ver- llwchl, dessen langjähriges, treues Ntitglied er war, unb zwar
unter der Bedingung, daß dieser Betrag nur im Einverständnis mit dem Verschönerungsverein und zwar entweder in unserer Stadt ober in dessen nächster Umgebung verwendet werden darf.
** Der Vorstand des hiesigen Eisenbahn- Konsumvereins bittet uns um Bekanntgabe, daß ihm zwar seitens des Vorstandes des Vereins der Detaillisten ein Schreiben, welches die sofortige Kündigung des Rabatt- Mfommens vor sah, zugegangen i|t, daß aber sämtliche Firmen, ausgenommen zivei, bereits früher zurückgetretene, mit diesem Vorgehen sich nicht einverstanden erklärt haben. Tas Rabatt-Abkommen, so heißt es in dem Schreiben, besteht also hiernach noch — Nun hat imeber der Detaillistew- ö er ein das Wort.
** Unzufrieden. schreibt uns: Als im Dezember 18U8 das Gesetz, die Besoloungen der Staatsbeamten be.it., von der zweiten Kammer angenommen worden war, glaubte man allgemein, daß nunmehr zufriedene Beamte ge)gaffen seien. Statt dessen liegen alljährlich der Kammer mehrere Gesuche vor, in denen Beamte um anderweitige Regelung ihrer GehaUsverhärtnstje, besonders durch! AnreaMung der Vvrdienstzeit, butten. Das i)t uns unbegreiflich, und wir können der obersten Behörde nur bev stimmen, wenn sie sich solchen Gesuchen gegenüber ablehnend verhält und nach dem Gesetze alle Beamten gleiche- mäßig behandelt. Unter diesen unzufriedenen Beamten befinden sich meist auch ein oder mehrere Äiilitäranwarter. Sollten diese nicht bedenken, daß durch Reichsgesetze für ihre Versorgung genügend Sorge getragen ist? Werden sie doch nach Ablegung der Probediensizeit sofort angestellt und haben fie nicht aus viele SteUen einen gesetzlichen Anspruch? Woher kommt das? Wir müssen doch annehmen, daß em MiUtäranwärter auch nach Ablegung des Wasfenrockes erst recht die Disziplin, die ja jeder Beamte schuldig ist, bewahrt. Sollte ein einzelner Milctäranwärter statt Sondergesuche zu machen, sich nicht lieber mit seinem ihm auch noch jso gering erscheinenden Gehalte zu,riedeu geben und eine Besserung der Vermittelung des Militäranwärtervereins, dessen Gründung wir, wie die aller Beamtenvereine, mit Freude begruben, überlassen?
Butzbach, 12. Dez. Die Hofraite von Friedrich Klein Erben, Flur I Nr. 578, 206 Quadratmeter groß, am Ntarktplatz gelegen, wurde nach der Butzb. Ztg. zum Preise von 22 500 Mk. an Wilhelm Enders Eheleute hier verkauft.
U. Darmstadt, 13. Dez. Wie in den übrigen Kreisen unseres Hessenlandes, so hat sich nun auch in ber Residenzstabt ein Komitee gebildet, das sich die Sammlung von Beitragen für die Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog am 1. Januar n. I. zu überweisende Spende zum Besten feiner hochherzigen Kunstbestrebungen zur Ausgabe gestellt hat. Dem Komitee, das am Dienstag mit einem besonderen Aufruf an die Oeffentlichkeit treten wirb, gehören viele ber ersten Namen hiesiger Stabt an.
Offenbach, 12. Dez. In der Angelegenheit der Stadt Offenbach gegen eine Anzayl Hausbesitzer wegen Hercuizieyung zu den Kosten der Kanäle und Fußwege hat nacy, der ,^sserrb. Zpg." der Verwaltungsgerichtshof dem Anträge der HauKoesitzer, vev- treten durch die Rechtsaiiwälte v. Brentano und Dr. Guggenheim, stattgegeben und das Urteil des Provinzial- aussa-nsfes, das die Beschwerde der Hausbesitzer für unbegründet erklärt hatte, auf gehoben. Zugleich hat der Berwaltungsgericytsyos ertamit, oaß die Sacy,e zur noch- nraligen Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen werde.
Mainz, 12. Dez. Der Lu st mörder Weygand stand vor Jahren schon einmal wegen emes scheußlichen Verbrechens, das er als Soldat an einem kleinen Mädchen begangen hatte, hier vor dem Schwurgericht. Er kam jedoch in eine Irrenanstalt, aus der er aber entsprang, um sich dann fünf Jahre lang in allen möglichen Erdteilen herumziltreiben, bis er schließlich wieder hier in Mainz aufgespürt unb unter den abenteuerlichsten Umständen verhaftet wurde Inzwischen hat es sich herausgeslellt, daß Weygand wahrscheinlich der eifrig gesuchte Verüber von zwei vor einiger Zeit in Aschaffenburg unb Würzburg begangener Lustmorde ist. Er wurde nun nach Würzburg gebracht und ist dort durch verschiedene Zeugen schwer belastet worden.
Frankfurt a. M., 13. Dez. Auf dem Güterbahnhof wurde heute früh der Rangierer Leon aus Griesheim a. M. von einer Abteilung Wagen erfaßt, zur Erde geworfen, überfahren und sofort getötet. Leon war verheiratet und hinterläßt Frau und ein Kind.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Kommerzienrat Max v. Guaisa aus Frankfurt ist in Cronberg gestorben. Er war lange Jahre Präsident der Frankfurter Handelskammer und Niit- glieb des Herrenhauses.
Vermischtes.
* Berlin, 13. Dez. Im Verfolgungswahn hat die 33jährige Schneidersfrau Liebe mann ihren beiden Knaben im Alter von 5 unb 7 Jahren ben Kopf mit einem Küchendeil zerschmettert. Unmittelbar nach ber Tat wurde bie Frau, ehe sie Hanb an sich legen konnte, von ihrem Ehemann ber Polizei übergeben. Die Frau war bereits oor Jahren einmal im Jrrenhause, war aber als geheilt entlassen. Infolge Erregung über unzüchtige Handlungen, bie em 12jähriges Auswartemäbchen mit ihren Knaben vorgenommen hatte, scheint ber Wahnsinn wieber ausgebrochen zu sein. — Der Ehrenrat ber Berliner Anwaltskammer erkannte gegen ben Justizrat Hermanowski, ber in eine Reihe unangenehmer Beleibigungsprozesse verwickelt war, auf Entfernung aus bem Stande.
• Paris, 13. Dez. Eine 20 jährige Komtesie aus der Familie des Grafen Jory ist bei einer Ausfahrt das Opfer eines Unfalles geworden. Das Automobil streifte ein Lastfuhrwerk, wobei die Gräfin aus dem Wagen geschleudert wurde. Sie erlag nach kurzer Zeck ihren schweren Verletzungen.
WAIZEXA
ist unenweyrna) als XDiiiüemiiiet für Suppen und Saucen unb unübertrefflich zur Verfeinerung von allen Kuchen und Backwerk. Dasselbe ist überall nur in den mit der Schutzmarke und dem Namen des ursprünglichen Fabrikanten Duryea versehenen gelben Packeten zu haben und hüte man sich vor minderwertigen Rach ahmmigen. 7973


