Ausgabe 
14.2.1903 Zweites Blatt
 
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Aas Stadt und Land.

Gießen, den 14. Februar 1903.

- Personalien. Durch Entschließung Großherzog, ttchen Ministeriums des Innern wurde der seitherige General- sekretär des Rheinischen Vereins zur Förderung des Arbeiter­wohnungswesens in Düsseldorf, G. Gretzschel zu Darmstadt, mit Wirkuug vom L L MtS. an mit der Wahrnehmung der Dienstoerrichtungen eines LandeSwohnungsinspektors beauf­tragt. Am 10. Februar d. I. wurde der Notar mit dem Amtssitz in Pfeddersheim Ferdinand Wil len büch er auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.

* Oberhessischer Geschichtsverein. Prof. Dr. Höhlbaum hat, wie uns mitgeteilt wird, den Vorsitz im Oberhessischen GeschichtSverein niedergelegt und bittet auf diesem Wege, für den Verein bestimmte Sendungen nicht mehr an seine Adresse zu richten.

-Kaufmännischer Verein. Am Montag, den 16. dS. MtS. sindet im Lass Leib der Vortrag des Herrn Gustav Möckel aus Berlin statt. Herr Möckel wird überdeutsche National-Denkmäler in Wort und Bild- sprechen. Der Eintritt ist für jedermann vollständig frei, worauf wir be­sonders aufmerksam machen möchten.

In den Gießener Familienblättern-, unserer Unterhaltungsbeilage, beginnen wir heute mit dem Abdruck des englischen Kriminalromans »Ein Einbrecher auh Passion- von dem bekannten Autor E. W. Hornung. Die autorisirte Uebersetzung stammt von F. Mangold. Wir empfehlen unseren Lesern das Sammeln der einzelnen Familienblätter, da die von uns erworbenen Romane zu den hervorragendsten litterarischen Werken der Gegenwart gehören. Verloren gegangene Familienblätter ersetzen wir, soweit der Vorrat reicht, gern.

Hessisch-Thüringische Staatslotterie. (Eig. Drahtb.) In der heutigen Ziehung siel die Prämie von 60 000 Mk. auf Nr. 50378, die zuletzt mit 20 000 Mk. ge­zogen wurde (nach Oldenburg). Ferner sielen 40 000 Mk. auf Nr. 50848, 10 000 Mk. '"auf Nr. 33842, 5000 Mk. auf Nr. 63193, 3000 Mk. auf Nr. 85109 41364, 2000 Mk. auf Nr. 89711 20033 94568 71388, 1000 Mk. auf Nr. 49126 23999 47638 48930 36100 66633 22594 61172 21729 91241. (Ohne Gewähr.)

Probealarmierung. Gestern, Freitag nachmittag, wurde der hier stationierte Hülfszug zur Probe alarmiert. Um 4 Uhr 46 Minuten traf von Butzbach eine Depesche hier ein, worin wegen Zusammenstoßens zweier Personen-Züge der Hülfszug mit 10 Mann zu Aufgleisungsarbeiten und 10 Mann zum Sanitätsdienst nebst Bahnarzt nach dieser Station gerufen wurde. Um 5 Uhr, also schon nach 14 Minuten, stand der Zug, bestehend aus Arztwagen, Mannschafts- und Gerätewageu, einem Personen- und einem Reservewagen zum Transport Verletzter, fahrbereit. Die befohlene Hülfsmann- schaft war ebenfalls zur Stelle. Der Hülfszug konnte schon 5 Uhr 13 Minuten, also Nach 27 Minuten, abfahren. In Butzbach wurde der Zug vdn zwei Mitgliedern der Königl. Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. erwartet, welche unter Leitung des Bahnarztes, Herrn Dr. Schliephake, und des technischen Aufsichtspersonals Hebungen in den Hülfeleistungen vornehmen ließen, wie solche im Ernstfälle verlangt werden müssen. Ueber das rasche Eintreffen des Zuges und der Hülfsmannschaft, über die sichere und gewandte Ausführung der geprobten Hülfeleistungen sprachen die Herren Direktions­mitglieder ihre größte Zufriedenhrtt aus. Sehr dankend anerkannt wurde, daß die hiesige Garnison-Lazarett-'Verwal- tung, welcher die Depesche bezüglich der Probe-Alarmierung zugestellt worden, in sehr kurzer Zeit nach Entscheidung von Aerzten und Lazarettgehülfen, an den Bahnhof ihre Bereit­willigkeit zur Hülfe zu erkennen gab.

Bund deutscher Bodenreformer. Eine kleine, aber ausgewählte Schar von Männern war es, die sich Mitt­wochabend im Eafs Ebel zusammenfand, um einer Einladung des Bundes deutscher Bodenreformer zur ersten Vereinssitzung Folge zu geben. Nach einleitenden Worten des Einberufers Dr. Vogt erhielt das Wort Generalagent Schmidt, um über Bodenreform und Stadtgemeinde zu reden. Er führte des Längeren aus, daß es nach der Meinung der Boden­reformer aus den spezisischen Eigenschaften des Grund und Bodens der Unvermehrbarkeit insbesondere nicht an­gehe, diesen durch Spekulation übermäßig zu verteuern, und unes in klaren Worten den Zusammenhang zwischen Boden- wett, Spekulation und Wohnungsfrage nach. Er forderte ruf Grund der aus dem hohen Bodenpreis sich ergebenden traurigen Erscheinung zur Erwerbung von Bauland und zur Einziehung des Wettzuwachses durch die Stadtgemeinde auf. Seine Ausführungen, die jeder, der cs ernst meint mit den sozialen Bestrebungen unserer Zeit, bis zu einem gewiffen Grade ohne weiteres unterschreiben kann, fanden wohl- ricrbienten Beifall. Lebhaft gestaltete sich die anschließende ^diskussion. Oberbürgermeister Mecum berichtete von 'rem Stadterweiterungsfonds, und von Wünschen, die die neue Sauordnung hoffentlich erfüllt. Weiter hörte man durch ihn und durch Dr. I. A. Meyer, der die Gießener Boden- und Wohnungsoerhältnisse zum Gegenstände seiner besonderen Studien gemacht hat, von Gießener Bodenpreisen, von auch hier im Gange befindlichen Monopolbestrebungen aus den letzten Jahren. Ein Appell an die Anwesenden, den Be­strebungen unseres Stadtoberhauptes, soweit sie mit der Grund- und Bodenfrage, der Stadt- und Wohnungshygiene ins­besondere Zusammenhängen, mehr Interesse wie bisher ent* gegenzubringen und auch zu sorgen für Richtigstellung falscher Uttcile über die Bemühungen, den sozialen Aufgaben der Stadt gerecht zu werden, fand warmen Anklang. Nach dem Verlauf der ersten Sitzung, die nut der Wahl eines Aus- schuffcS, beitchend aus Vertretern der verschiedensten Parteien, schloß, möchten wir dem Verein ein günstiges Prognostikon stellen.

** Der Landes-Lehrerverein hat seinem Obmann, Oberlehrer Backes auL Darmstadt, auS Anlaß seiner mehr als 20,ährlgen segensreichen und verdienstvollen Leitung des Vereins eine besondere Ehrung zu teil werden lassen. Der Dott'chlag, Photographien des Obmannes Herstellen zu lassen, fand bekanntlich unter den Lehrern Hessens Zustimniung, sodaß der Plan zur Ausführung kommen konnte. Die Bilder ge­langen dieser Tage zum Preise von 4 Mk. zur Verteilung. Im Anschluß an diese Ehrung soll später eineBackes-

Stiftung- inS Leben gerufen werden und zu gemeinnützigen und wohltättgen Zwecken im Jntereffe des Lehrerslandes Ver­wendung finden.

- Berichtigung. In unserer heuttgen Unterhaltungs­beilage muß es in der Ueberschttst des ersten Kapitels heißen: »die Iden des März.-

Mainz, 13. Febr. Ein Automobil, einem Herren auS Mainz gehöttg und von diesem auch selbst geleitet, überrannte gestern Nachmittag auf der Wiesbadener Chaussee in der Nähe der Biebttcher Blockhauswache das Pferd eines Artillerieoffiziers. Durch den starken Anprall des Auto's wurde das Tier so schwer verletzt, daß dasselbe wohl dienstuntauglich werden wird. Der Unfall, der für den Autobesitzer etwas kostspielig werden dürfte, wurde durch allzurasches Fahren veranlaßt. Das Pferd soll einen Wett von 5000 Mk. haben. Heute Früh 4 Uhr wurde ein Rangirer in Bischofsheim von einer Lokomotive erfaßt und gegen einen Waggen geschleudert. Er trug lebens­gefährliche Verletzungen am Kopfe davon und hat mehrere Rippen gebrochen. Er wurde mit einem hierher­fahrenden Güterzug in das St. Rochusspital verbracht. Der Mann stammt aus Klein-Winterheim und ist verheiratet.

Frankfurt, 13. Febr. Äe im Hause Bethrnann- straße 19 bei einem verwittweten Beamten bedienstete Haus­hälterin Anna Orden aus Kreuznach versuchte sich gestern Abend gegen 7 Uhr mit Pikrinsäure zu vergiften. Sie hatte sich die Säure in einer Apotheke zu verschaffen gewußt. Als sie Schmerzen verspürte, lief sie zu ihrem Herrn und beichtete. Die herbeigerufene Rettungsgesellschaft traf die nöthigen Gegenmaßnahmen und brachte dann die Lebensmüde ins städtische Krankenhaus. Das Motiv zu dem Selbstmord­versuch soll unglückliche Liebe sein.

Kleine Mitteilungen aus Hesse nund den Nachbarstaaten. In den Kirchen zu Grüningen und Holzheim wird, wie man uns schreibt, nächsten Sonntag nachmittag bezw. abend der Organist und Orgelvitttuose Aus der Wiesche, ein Blindgeborener, gemeinsam mit der Kirchen­konzertsängerin Anna Wente aus Hannover geistliche Musik- aufführungen veranstalten.

Gerichtssaal.

fh. Gießen, 13. Febr. Die S tr a f k a m m er verhandelte heute als Berusungsmstanz gegen den Viehhändler Julius D. von Watzenborn wegen Diebstahls. Angeklagter, der bereits vorbestraft ist, war vom Schöffengericht zu 10 Dagen Gefängnis verurteilt und focht das Urteil an, weil er freigesprochen sein wollte. Der Tatbestand, welcher der Anklage zu Grunde liegt, ist kurz der fol­gende. D. hatte auf dem letzten Gießener Pferdemarkt, dem Pferde- nretzger Köster do» Remscheid einen Gaul für den Preis von 60 Mk. verhandelt und das Geld dafür erhalten. Der Käufer band das Tier an und besorgte noch weitere Geschäfte auf dem Markt. Diesen Umstand benutzte D. und verhandelte das Pferd noch ein­mal und zwar für den Preis von 80 Mk. D. entschuldigt sein Tun damit, daß dies ein Handelsgebrauch sei. Köster bekam nun statt des Pferdes, den bezahlten Kaufpreis zurück. Wie der Angeklagte behauptet, habe er dem K. den Mehrerlös von 20 Mk. auch ange­boten, was dieser aber bestreitet. Die vor der Strafkammer vernommenen sachverständigen Zeugen ettlären, ihnen sei von dem Handelsgebrauch, wie ihn der Angeklagte als bestehend vorschütze, nichts bekannt. Der Gerichtshof hob das ergangene Schöffenurkeil, was das ettannte Straf,naß anlangte, auf und verurteilte den Angeklagten wegen,Diebstahls anstatt zu 10 Tagen zu3WochenGe- sängnis. Ein grober Aertrauensbruch, begangen an seinem Brodherrn, hat den 22 jährigen, wegen Diebstahls bereits ein mal mit 3 Wochen Gefängnis vorbestraften, Metzgerburfchen Ludwig H., aus Matt-Redwitz in Bayern, wegen schweren Diebstahls auf die Anklagebank gebracht. Ter Angeklagte ist geständig, dem Metzger- meister H. Muller in Scholten, bei welchem er feit dem Juli v. I. in Arbeit war, Wurst, mehrere Flaschen seiner Liköre und verschie­dene Geldbeträge, deren Höhe er nicht genau angeben kann, ent­wendet zu haben. Um das baare Geld aus der Ladenkasse, ans einem Buffet und aus einem Pult an sich zu bringen, hat er sich falscher Schlüssel bedient. Der Angeklagte hat das Verbrechen ohne Not verübt; denn er erhielt außer freier Wohnung und Kost pro Woche 8 Mk. Lohn, er hat die fortgesetzten Diebstähle begangen, um in Schotten den noblen Mann zu spielen. Durch die großen Ausgaben des Gesellen wurde der erste Verdacht bei dem Meister erregt und dieser schaffte sich dann durch abgezählte Geldbeträge in feiner Kasse die Gewißheit, daß er im Hause einen Dieb be­herberge. Meister Müller erklärte als Zeuge vor der Kammer, der Angeklagte muffe ihm hunderte von Mark genommen haben, er könne nicht sagen wie viel, weil die Kontrolle zu schwer sei. Der Gerichtshof billigte dem Angeklcigten wegen feines jugendlichen Alters und weil er von vornherein der Tat geständig gewesen sei, mildernde Umstände ru, ohne die auf Zuchthaus hätte anerkannt werden müssen. Der Angeklagte hat aber einen groben Vertrauens­mißbrauch begangen, bei seinem auskömmlichen Lohn lag ferner keine Notlage vor, schließlich sei zu berücksichtigen, daß die gestoh­lenen Geldsummen im ganzen sehr erheblich waren. Tas Urtell lautere auf 8 Monate Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr Gefängnis beantragt.

Kunst und Wissenschaft.

Der Maler Professor Wilhelm Trübner in Frank­furt a. M. hat einen Ruf an die Karlsruher Kunstakademie erhalten.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

München, 13. Febr. Wie dieMünch. Allg. Ztg." erfährt, beabsichtigt der'Magistrat der Stadt München, die 4proz. Stadt- a n l e i h e^von 1890 im Restbeträge von Matt 7 7 5 0 0 0 0, sowie die 4proz. Stadtanleche von 1894 im Restbeträge von Mk. 14,850,000 m eine 3'/,p roz. Anleihe zu koiivertiren.

4proz. Mainzer Stadtanlcihc von 1891. Die Stadt Mainz beabsichiigt, ihre 4prozentige Anleihe von 1891 im ursprüng­lichen Betr age von 5 Millionen Matt, deren verstärkte Tilgung und völlige Heimzahlung feit 1900 zulässig ist, in eine 3* rprozenkige An­leihe zu konvertieren, zu welchem Zwecke sie eine beschränkte Sub­mission veranstaltet.

Tie Sächsische Bieh-Bersichcruugö-Bauk in Dresden, hat ausweislich ihres Rechnnngsabjchluffes auch tm Jahre 1902 An­erkennenswertes geleistet. Bei einer Prämien-Einnahme von Mk. Mk. 913 071.80 wurden für Schäden infl. Erlös M. 724 428.50 vergütet und die schuldenfreien Reserven betrugen Ende 1902 netto 323 462.24. Im ganzen wurden seit Bestehen der Bank bis Ende 190- über 10 ° . Millionen Mark netto für Schäden ausge- Äaf)lt, eine Leistung auf dem Gebiete der Viehversicherung, für die 1 ober Kommentar überflüssig erscheint. Ihre Ettolge verdankt die Sächsische nicht in letzter Linie der Einrichtung derfesten Prämie".

, Märkte.

(dienen, 14. oebr. Mark tbe richt. Auf dem heutigen Wochenmarkt ^'tter pr.Pfd. 0,851,00 Mk., Hühnereier 1 St. 78 Pfg., - 0000 P!dv..Gänseeier <X)00 Pfg., Enteneier 00Pfg., Käse

vr. tsicf. 58 M., Kasematte2 Stck. 56Pfg., Erbsen pr.Liter 21Pfg., Linsenpr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,801,10 All., Hühner pr. St. J'ÄÄ A z- ^oyne pr. Stuck 0,90-2,40 DU., Enten pr. Stück 2M-2.O0 Mk., Ganse pr. Pst>. 54-60 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund «>1 <6 L-'g., Kuh- und Rindfleisch pr. Pftmd 6066Pig Schweine- Tlcucn vr. -L'und 6676 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfmid .0 Tsig-, Kalosieisch pr. Pjd. 6672 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5272 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,507,00 DU., Wei^raut per

Stuck 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 6,007,00 TH., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Psd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pb» Trauben 0000 Pfg.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldttngen des Gießener Anzeigers.

K B. Darmstadt, 14. Febr. Die Wahl der Sonder- ansschüsse für die Regierungsvorlage, bett. Abänderung des Wahlrechts, nnd für den Antrag Haas und Ge­ll offen, betr. Reoisioa der landstäudifchen Geschäftsordnung, konnte in der gestrige» Sitzung nicht vollzogen werden, well unter den Parteien leine Verständigung zu stände kam. Die Wahl wird am Dienstag auf die Tagesordnung gesetzt werden. Ferner kommt am Dienstag der Antrag Häusel, betr. die Hohe der Mietseutschäd igoug für ticnft- Wohnungen der Staatsbeamten, zur Verhandlung.

R. B. Darmstadt, 14. Febr. Ter Kre.sbauütspekwr in Alsfeld Albert Plitt wurde zum Kreisbauinspektor

in Erbach ernannt.

Berlin, 14. Febr. Der Kaiser bringt der für den 7. März geplanten Huldigungsfeier der deutschen A u t o m o b i l i st e n , die er auf der Schloß-Terrasse stehend abnehmen wird, großes Interesse entgegen. Der Herzog von Ratibor wird dem Kaiser ein Album mit Phowgraphieen sämtlicher Teilnehmer an der Feier überreichen. Bis jetzt sind über 200 Wagen aus allen Teilen Deutschlands an­gemeldet. Der Protektor der Automobil-Ausstellung wird dem Erüffnungsdiner im Kaiserhvf beiwohnen. Die vom Kaiser für das germanische Museum der Her- vard-Universität in Boston gestifteten Kunstschätze sind nach dem Bestimmungsort angegangen. Die feierliche Eröffnung des Museums soll erst nach ihrem Eintreffen erfolgen. Im Neuen Theater tourtfi gestern der vier- aktige SchwankDer reine Mann" von^ Felix Do er­mann mit äußerem Heiterkeitserfolg aufgeführt, der aber nicht von Dauer sein dürfte.

Geestemünde, 14. Febr. Auch der Fischdampfe^. Uranus" ist von ferner letzten Ausreise incht mehr zurück- gekehrt und, gilt als verloren. Die Zahl der in diesem Jahre verloren gegangenen Geeftemünder Fischdampfer steigt damit auf 5 Schisse mit insgesamt 5 2 Mann Besatzung.

Paris, 14. F-ebr. Der Mörder des Wormser Arztes Tr. Oden stein mürbe von Tobsucht befallen und einem Irrenarzt zur Beobachtung überwiesen.

Itzehoe, 14. Febr. Adjutant Leutnant Raecke vom 9.Felbartillerisregiment wurde gestern infolge Scheuwerdens seines Pferdes gegen einen Baum geschleudert und an Kopf und Armen schwer verletzt.

Genf, 14. Febr. Lachenal empfing eine Deputation Genfer Bürger, welche ihm ihre Anerkennung für die Umsicht und den seinen Takt, mit dem er die Angelegenheit der Prinzessin Luise geführt habe, ausdrückten. Bon best­informierter Seite wird versichert, daß die demnächst hier eintreffende Großherzogin von Toscana die Prin­zessin Luise nach Oesterreich mitnehmen werde, wo sie ständigen Aufenthalt nehmen und ihre Niederkunft abwarten wird. Leopold Wölfling wurde in Nyon von Dr. Martin empfangen und machte sodann seiner Schwester einen anderthalbstündigen Besuch. Die Begrüßung der beiden Geschwister war äußerst herzlich.

Genf, 14. Febr. Die Prinzessin Luise soll sich bellagt haben, daß Le Metairie in unmittelbarer Nähe Irr­sinnige beherbergt. Ihr Aufenthalt in dem Etablissement werde nicht von langer Dauer sein. Die Prinzessin hat sich durch ihr einfaches und freies Auftreten rasch die Sym­pathien t-er Bevölkerung 9!yons erworben, wo sie oft Ein­käufe macht. Die Direktion von Le Metairie ließ erklären, die Prinzessin habe G i r o n n i ch t e m p f a n g e n. Es wird in Abrede gestellt, daß die Prinzessin von irgend einer Art Hysterie befallen ist.

Graafreinet, 14. Febr. Chamberlain er* klärte als Antwort auf eine Ansprache, er erwarte von der holländischen Bevölkerung den Beweis der Loyalität, indem sie die ?Boreingenommeicheit gegen diejenigen Holländer fallen ließen, welche sich bereits früher den Engländern an» geschlossen haben.

Telephonischer Kursbericht.

3*/i% Reicheanleihe . . 103. 3% do. ... 93.10 3Vt°/i Konsole .... 103. 3% do......93.05

3 %% Hessen .... 101.25 8 % Oberhessen . . . 100.50 4% Oesterr. Goldrente . . 103.35 4/.% Oesterr. bilberrento 101.35 4% Unzar. Goldrente . . 102.10 4«/. Italien. Rente . . . 108.90 4*/2% Portugiesen . . . 51.60 Portugiesen.....32.55

1% C. Türken . ... 3040 Türkenloso......134.00

4°/o Orieoh. Monopol.-Anl. 45.90

4ll,% äussere Argeniiner

8u/o Mexikaner . . . 26.00 47r% Chinesen .... 92.95 Electric, tiol ackert . . . 101.00 Nordd. Lloyd . . . . 98.50

Kreditaktien . ... 218.70

Diskonto-Kommandit. . 197.90

Darmstädter Bank . . . 142.00 Dresdener Bank .... 151.00 Beräner Handolsges. . . 162.00 Oesterr. Staatsbahn . . , 149.40 Lombarden .....15.70

üotthardbahn .... 181.80

Laurabütte......219.90

Bochum . .... . 185.10

Harpener ..... . 173.50

Tendenz: still.

Gin moderner Großbetrieb. Wer in Berlin nachmittags um 4 Uhr durch Oie Lindncrstraße fährt, sieht m bev Nähe des Kammergerichts einen dichten Menschenstrom auf die Straße fluten. Alltäglich hört man dann in der Straßenbahn die Frage:Was ist das?" die Antwort:Die Versicherungsgesellschaft Victoria" hat regelmäßig ein Staunen zur Folge. So gewaltig hatte der Frager sich deu Betrieb der Gesellschaft nicht vorgesiellt. Verlassen doch 1000 Bureau-Beamte das Direktions-Gebäude. Reine deutsche Versicherungs-Gesellschaft hat auch nur aimähernd einen jo großen Betrieb.

Die Gesellschaft nimmt täglich ruud */t Millionen Matt ein und reguliert 100 Schadens- oder Todesfälle. Ihr Vermögen in einer Goldmasse vorgestellt, wiegt mehr als ein feldmarschmäßig ausaexustetes Infanterie-Regiment. Ihre Volksversicherung ist in Berlin mit seinen Vororten so verbreitet, daß jeder zehnte Mensch der Bevölkerung Groß-Berlins bei der Victoria versichert ist. 1895 bezog die Vietoria das neue Gejellschaftsgebäude, das für mindestens 10 Jahre ausreichend jein sollte, 1897 war em großer Anbau nötig, und jetzt wird auf 3 anstoßenden Grundstücken wieder ein großer Erweiterungsbau aiisgefühtt. Großbetrieb ist auch die Parole rm VersichermigSwefen!575

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