Ausgabe 
14.2.1903 Viertes Blatt
 
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Samstag, 14 Februar 1903

153. Jahrg.

fr1(firtiTt tägNch mit Ausnahme bei Sormta-S.

Ti ,Sießex ^omtlienblätter** werden dem Anzeiger rsierma wöchentlich betgelegt. Der QefRfAe Landwfff" erscheint moncultch einmal.

Gießener Anzeiger

Berantivorttich för den aflgfmrtw INU

P. Wiltko. tüt den Anzeigenteil: t V«L

Rotationsdruck und Verlag der Vrü hltche»

UntverftlätSdrucketei (Pteffch (fctbenkwbet

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Sieben.

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arbeiteten.

Ta ' dem Äonfckiionsarbeiterstrikc. Warum haben Sie diese Srrikes nicht

da hat meine Partei

oder der Ausgebeuteten gehörte.

gar nicht den Willen, bie Lage der Arbeiter zu bessern. Mari Marx

men lassen, so daß er jetzt die Miquelsche Steuerreform dort ein

Zufuhren beschäftigt ist.

Aber zuerst da§ Kapital. Was ist überhaupt Kapital?

chulcn lehren? Man lobt die Verhältnisse in Frankreich.

dem Staate der Gleichheit hat man den Arbeitern die politische

die Sozialdemokraten haben von Wir:

Und nun versetzen Sie

(Heiterkeit.)

Zu Gunsten einer möglicher Weise

sumach- ertoägen, wie man der Sozialdemokratie, welche die Welt zu einer rn dem Galeere machen will, in der die Menschen vielleicht gut gefuttert

werden, aber ohne Willen und Freiheit sind, wie man dieser

daß

der

Heiterkeit.) staat hinein.

zu rechnen. Wir wissen aber in diesem Augenblick unsere Schuldig­keit zu thun. Man muß m- Besonnenheit vorgehen. Tie englische Aristokratie har die Führung in der Sozialreform übernommen; daher hat sich dort Alles so gesund und friedlich entwickelt. Aller­dings ist in England auch der Umstand forderlich gewesen, daß dort

ganz den, empfindet.

abe sie ist stolz, zu stehen.

der Firma hat schon allein auS den Arbeiterbeiträgen einen Ueber- schuß von über 100 000 Mk. Die Zuschüsse der Firma kamen über­haupt nicht in Anrechnung. Die Wohlfahrtscinrichmngen der Firma sind nur eine Fessel für den Arbeiter, um ihn festzuhalten. Die Lohnlisten imponiren uns nicht, die sind so ausgestellt, daß die hohen Löhne der Werkmeister und Vorarbeiter mit darin sind, und in Folge

ein Wahlrecht besteht, daS auf dem Haushaltungsvorstand sich auf­baut, während oei uns das allgemeine Wahlrecht besteht, daS die Leidenschaften aufwühlt. (Ahal Ahal bei den Soz.) Sie wisien, ich bin fein Gegner des allgemeinen Wahlrechts. Ich halte es für gut, weil durch den erregten Kampf auch die Wahrheit gefördert wird, die Symptome der Krankheit früher erkannt werden, so daß eine Heilung rechtzeitig vörgeiwmmen werden kann. Der Vorwurf, den man mir hier gemacht hat, daß ich das Koalitionsrecht der Arbeiter angetastet hätte, ist eine infame Verleumdung. Tas habe ich nie gethan. Meine Arbeiter wählen mich nicht, weil sie unter einem Drucke stehen, sondern sie wählen mich, weil sie eine echt vaterländische Gesinnung haben. In der ganzen Psalz ist ein solches Vaterlandsgefühl, daß dort für Sie nichts zu holen ist. Ich muß

Sozialrcform zu Grunde gegangen ist! Nicht ßurüdgegangen, nein, gestiegen ist der Unternehmerprosil, seit wir die Sozialreform haben. Und wie werden die armen Arbeiter, die eine Rente be­ziehen, durch die Berufsgenossenschasten chikanirt! Ich kenne Leute, die sich das Leben nehmen wollten, weil sic das nicht mehr aus­halten konnten! Man frage nur einmal unsere Arbeitersckretariatc, die sich mit den Rentenstreitigkeiten befassen! Herr Stöcker hat von dem enormen Prosit einer Bäckereigenossenschast gesprochen. Ich kenne diese Sache nicht genau, und cs ist wohl etwas viel verlangt, daß man Herrn Stöcker so ohne Weiteres glauben solle: er nimmt es ja bekannrlich mit der Wahrheit nicht so genau . . .

Präsident Graf Ballestrem: Sie dürfen einem Mitglied dieses Hauses diesen Vorwurf nicht machen. Ich bitte Sie, sich in Ihren Acußeningen zu mäßigen.

Abg. Albrecht (fortfahrend): Jene Genossenschaft kenne ich nicht genau. Uebrigens: offiziell sozialdemokratische Gcnosscn-

crer Fehler war die Versfaallichung der der Rede des Staatssekretärs habe ich .

Versammlung, die unter republikanischen Emblemen tagte, in Ver­bindung träten, denn e§ ist selbstverständlich, daß unter solchen Umständen jedes commercium der Regierung unmöglich ist.

Unser öffentliches Leben dreht sich um zwei Pole: auf der einen Seite die sozialistische Bewegung, auf der anderen die

ftaatSgcfäfv nch" ausgeschmückt ist. Ter Saal des Gewerkschafts­kongresses in Stuttgart war auch mit rothen Fahnen geschmückt, auch befanden sich dort Büsten von Marx, Engels und Lassalle, und trotzdem waren Regierungsvertreter anwesend, ohne daß sie Schaden an ihrer Seele genommen hätten, und ohne daß die rothe Farbe abgefärbt hätte.

Würtembergischer Ministerialdirektor von Schicker: Der Vor­redner hat behauptet, daß auf dem Stuttgarter Gewerkschafts­kongreß der Saal mit rothen Fahnen geschmückt war und gleichwohl Regierungsvertreter den Verhandlungen beigewohnt hätten. Ich erkläre, daß diese Annahme irrig ist. Rothe Fahnen waren aller­dings Anfangs ausgesteckt, sie wurden aber später auf Wunsch meiner Regierung entfernt Die Leitung war rücksichtsvoll genug, diesem Wunsche nachzukommen und nicht etwa die Regierungsvercreler zu zwingen, sich aus dem Saale zu entfernen. Die Büsten von Marx, Engels u. s. w. waren allerdings aufgestellt; sie wurden aber auch

gebung. Ich möchte Ihnen (zu den Sozialdemokraten) dringend rathen: Wenn Sw ehrlich Arbeiterinleressen vertreten wollen, so vermeiden Sie es, die Frage der Arveiterpolitik zu verquicken mit allgemeinen, sehr gefabrüdjen politischen Fragen. Tas Staats­oberhaupt eines republikanischen Staates, das mir die Ehre einer Audienz gab, sagte nur:Die deutsche Sozialpolitik wild Europa revolutiomren, revolutroniren im Sinne einer höheren Kultur!" Tiefes Wort glaube idi, ist wahr, und darin liegt die Bedeutung der bcutidjen Sozialresorm. (Beifall.)

Abg. Eckart (südd. Vp.) nimmt die BaugewevlSgenossenschaften gegen die Angriffe von sozialdemokratischer Seite m Schutz, diese Genossenschaften hätten s:els Alle» für die Arbeiter gethan, wozu fu verpflichtet wären.

nicht beanstandet, und ich wüßte auch nicht, weshalb dazu ein Anlaß vorliegen sollte.

Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim (nat.-lib.) erklärt, et habe sich schon viel ftüher um den Heimarbeiterschutz gekümmert, als die Sozialdemokratie. Er verbreitet sich sodann über die Wohlfahrts- einrichtungcn. Er wisie sehr gut, daß diese nur einen Theil der Arbeiterfürsorge bilden. Aber sie seien nun einmal eine Noth- wendigkeit geworden und so verwachsen mit der Industrie, daß sie bereits sämmtlich unter der Leitung der Arbeiter sich befinoen. Redner kommt sodann auf den Zolltarif zu sprechen und betont, daß die Brodprcise nicht mit den Komzöllcn zusamenhingen: da- ergebe die Statistik. Uebrigens haben die Sozialdemotraten in der Caprivi-Zeit denBrodwucher" von 3,50 DU. ja ganz munter mit- gemacht. Herr Albrecht hat auch von der Stellung der Akademiker

(Große Heiter­

keit.) Kapital ist der Inbegriff sämmtlicher Hilfsmittel, die zur

voll und ganz entnommen, daß auch er voll und ! Mangel an juridischen Arbeiterorganisationen (Heiterkeit.) Ich kenne auch Gewerffchaften, ich ' in Amerika studirt. Der amerikanische Arbeiter

als freier Mann seinem Arbeitgeber gegenüber

Die Ueberlegenheit der amerikanischen Arbeiter ist ein Erzeugnis

dessen ein hohes Resultat herauskommt. Für die Wittwen- und Waisenversicherung haben wir gestimmt, um dem Moloch Militaris­mus einige Mark wenigstens abzujagen. Die Art, wie das Centrum i _ . . _

hier mit der Wittwen- und Waisenversichcrung schachern gegangen J es mir daher entschieden verbitten, daß man hier gegen mich mit ist, verdient den Ausdruck er ist freilich unparlamentarisch 1 unwahren Artikeln aus gemeinen Blättern operirt. (Beifall.)

besseren (Ernährung wird im sozialdemokratischen Zukunftsstaat der Mensch das köstlichste Gut opfern müssen, das er hat, die Freiheit. Es irürben alle Sklaven. Für eine solche Behandlung würde ich mich bedanken, obwohl ich doch zu den bestgehaßten Menschen ge» höre. (Lachen bei den Soz.) Dieses Lachen kommt nicht auS Ihnen selbst heraus, Herr Peus; dazu sind Sie ein viel zu edel angelegter Mensch. (Große Hetterkeit.)

Präsident Graf Ballestrem: Ich ersuche den Redner, sich nicht an einzelne Abgeordnete, so.idern an das ganze HaVs zu wenden.

Abg. Ahlwardt (fortfahrend) : Wer sein Vaterland liebt, mutz

. Man Hai eS

aber Anfangs unterlassen, rechtzeitig Jnstirutionen zu schaffen, die die Konsequenzen für die Arbeilerichaft ziehen. In di.ser Hin­sicht bedeuret die kaiserliche Botschaft vom Jahre 1881 einen Wende­punkt. Man sieht hieraus schon, daß die Staatsverfa'iung mit einer verständigen Sozialreform nichts zu thun har. Gerade die Monarchie leistet hier Hervorragendes. Die Sozialdemokra.en ver- ' koppeln ihre arbeirerfrenndlichen Bestrebungen einem polirischen Ziele der republikanischen Sraatsreform, und dadurch er­schweren sie sich ihre Arbeit. Wenn sie die brache der Berufs­kongresse mit repuolikanischen Emblemen schmücken, so verhiudein Sie doch gerade das, was sie fortgesetzt als Wunsch, ja als Be­schwerde äußern: day die Regierung an diesen Kongressen thcil- nehmen soll. Es giebt keinen geschichtlichen inneren Grund, der die Sozialreforo» an die Republik kettet. Wenn man die aus- | ländische Presse lieft, so sieht man aus ihren Lobessprüch.n, daß man dort auf 2 Dinge in Deutschland mir ungeteilter Bewunde­rung blickt: auf die deutsche Schule und die deutsche Sozialg.setz- '

sthsckaft keine Ahnung. (Große sieh einmal in den Zukunfts-

Produktion nöthig sind. So aufgefaßt, ist zwischen Kapital und Natur rein Unterschied. Das Kapital an sich übt gar keine Wirkung aus, seine Wirkung ist diejenige, die diejenigen wollen, die es be* herrschen. (Große Heiterkeit.) Das Enlsd)eidende ist die Macht, die r Eine dem Anderen gegenüber hat. (Heiterkeit.) Den Arbeitern fehlen juridische £)rga" nionen. Daran sind die Bamberger und

bar bie sozialen Verhältnisse gar nicht gekannt (Lachen bei den Sollen wir wirklich Alles dies auf unseren Sozialdemokraten), er hat Alles schief aufgcsaßt (Heiterkeit), gleich

Gefahr enrgegenzutrcren hat. Man wird vor Allem den Hand­werkerstand heben müssen. Diese Hebung kann nur erfolgen durch Entfesselung seiner Kräfte, nicht durch rückschrittliche Maßnahmen. Man muß den Handwerker mit dem nöthigen Kredit auscüsien. Die schiefe Einrichtung der Reichsbank thul das nicht. Die Leute gehen jetzt nicht unter, weil sie zu viel Schulden haben, sondern weil sie an zu vielen Stellen Schulden haben. (Heiterkeit. Ein Re- gierungskommissar fällt die Bundesrathstreppe herunter. Große Heiterkeit.) Die Reichsbank muß verstaatlicht und m eine Reichs* ccntralkreditstelle umgewandelt werden. Redner Wender nunmehr feine Aufmerksamkeit der Landwirthschaft zu. Die Losung heißt immer: Billiges Getreide und theuercs Brod. Das Umgekehrte wäre das Richtige; aber das ist nicht zu erreichen, weil immer einer dazwischen sitzt, der dem Produzenten zu wenig giebt und vom Konsumenten zu viel nimmt. (Heiterkeit.) Ter Getreidehandel müßte verstaatlicht werden. Sie sollten die Anhänger solcöer Ideen nicht, wie cs in der Presse geschieht, al5 halbe Narren hin stellen. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Wenn Deutschland mit 500 Millionen Mark jährlich als Getreidekäufer auf dem Welt­markt auf träte, dann würde cs Rußland in einem Jahre voll und ganz zahlungsfähig machen können. (Heiterkeit.) Tie ländlichen Hyvothekensdulden mußten uruer Mitwirkung de§ Staate* in Ren­tenschulden verwandelst werden. Ta? deutsche Volk würde dadurch zu einem Volke von Königen werden, weil keine Macht der Welt bann den Einzelnen aus seinem Besitz zu verdrängen vermöchte. Redner verbreitet sicki ausführlich über Hypothekerwerhältnisse, Grundrente u. f. w. Den gänzlichen Aufkauf vieler großen Güter, Ivie er jetzt im Osten irattfinbei, halte ich für falsch. Richtiger wäre e?, wenn die großen Gürer dem Staate ein kleines Stück von ihrem Besitze überließen, damit überall auch Kleinbesitz entsteht. Tcn Mittellandkanal wurde ich für ein Äulturwerk ersten Ranges halten. Ich bitte Sie, alle diese Tinge ernstlich ins Auge zu fassen. Wenn Sie das nicht wollen, dann rathc ich den Wählern, wählt einen Antisemiten, der wird c5 thun.

Tas Hans vertagt sich.

Persönlich bemerkt

Abg. Hoch (Soz.) er habe feine Angriffe gegen Herrn von Hehl niujt au5 Zeitungen entnommen, sondern sich dab.i auf per* fönlidjc Angaben von ^ermfer Arbeitern gestützt.

Abg. Ahlwardt (Aiitis., mit großer Heiterkeit empfangen): In in der Sozialdemokratie gesprochen; er meint: Jeder wird den letzten Tagen sind alle Parteien ausmarschirt. Am schmerz- Freuden ausgenommen. Nun, auf dem Münchener Parteitag hat der j iidjftcn hat mich der Satz berührt, daß es zwischen Kapital und Abg. Ulrich erklärt:Ich wünsche, daß man sämmtliche Theoretiker Arbeit keine Versöhnung giebt. Ich mutz die Hoffnung, daß die zusammen in eine dunkle Kammer steckte, damit sie sich dort , Sozialdemokratie sich in rinc soziale Reformpartei umwandelt, wohl auffressen." (Große Heiterkeit.) Also mi: aufgeben. Sie (zu den Sozialdemokraten) bilden einen Widerspruch

an. Aber wir sagen den Arbeitern: Eignet Euch möglichst viel Wisien an! Je mehr Ihr wißt, desto weniger braucht Ihr zu glauben, und wenn Ihr Mes wißt, braucht Ihr gar nichts zu glauben. (Heiterkeit.) Ferner sagen wir den Arbeitern nicht: Wenn Ihr Euch hier für den Unternehmer todtgeschuftet habt, kriegt Ihr einen Platz im Himmel oder irgendwo, nein, ww sagen ihnen: Seht zu, daß Ihr hier auf Erden Euch das Leben so angenehm als möglich macht, wenn es bann später noch ein Paradies giebt, na, dann nehmt öS auch noch mit (Große Heiterkeit.) Die WohlfahrtZ- einrichtungen der Firma Krupp verdienen diesen Nmnen nicht, wir wollen auch keine Wohlthaten, sondern Rechte. Die Pensionskasse

politt^e Hochstapelei . h , h ' Staatssekretär Graf Posadowsky: Der Abg. Albreckst be-

,x^r?^cnt 8®Heftrem. Ich thetle Ihre Ansicht, baß bec ^auptete wieder, daß auf bem von Vertretern ber Reichs- und .ft uni> rus° S.- deshalb zur Ordnung. > St°°tSb-h°rd-n b-sucht-n Stuttgarter E-m-rtschastslangr-b repu- (051-056 ^61^1:1611) fAT»iih»r+ fnr+Mw-nh ' blikcmische Embleme zu sehen waren. Ich weiß nicht, ob es ge-

^brecht (Sozff fdjleubert fortfahrend ^efttge Angriffe bon &cn Sozialbemokraten ist und dahin wirken kann, daß gegen das Centruin. Die LattN-en- und W°>t-nv-rs,ch°rung ,st ' «e-sammlungen t>° Staats- und R-ichsb-hmd-n befchZ nur em Pflaster, mit dem den Arbeitern die Augen verbunden! ,^rd°n. toenn tS ^ad,t)er fo dargestellt wird, als ab auf salchcn werden fallen, damit ste den Zallluucher nicht sehen Man spricht Berfammlungen republilanische Embleme verwandt würden Thar- van den grotzen Opfern, d>- das Unternehmerthum für die S°z,°I- jäd)lld) 6at g, fd/n öer ,^t«ibergifche Herr Butidesbevallmäch- resarm bringt! »o») erneu Hr6e,tgüber als corpus, tl te bie unrichtigteit dieser Behauptung Norgelegt. und i

stel.eti aus den Tisch des Hauses, der an den Beiträgen für 6.e : Bericht meines Vertreters ist direlt hervargehaben. daß

weder an der Außen- noch an der Innendekoration republikanische Embleme zu sehen waren. Es waren allerdings Ausschmückungen in verschiedenen Farben vorhanden, darunter möglicher Weise auch die rothe Farbe aber was thut das? Auch in den deutschen Farben ist ja daS Roth enthalten, und es macht auch nichts, wenn in Einzelhetten die rothe Farbe verwendet wirb, aber als politisches Emblem war sie nicht vorhanben, unb Sie hätten auch nicht ver­langen können, baß Vertreter bes monarchischen Staates mir einer

Abg. r>rhc. von Herst sncu.-Iib., persönlich): Ich wiederhole, cs |id) hierbei um riiebtriräd)tige Vcrlcumdungen hanoerr.

Nächste Sitzung: : n n a b e n b 1 Uhr: gor:! ; u n g Era.socrarhung.

Schluß nach '

Parlamentarische iHcrhniiölumicii.

» achdruck ohne Vereinbarung nicht qestat:.

Deutscher Reichstag.

258. Sitzung vom 18. Februar.

1 Uhr. Das HauS ist äußerst schwach befehl. Am Bunbesrathskifch: Graf PosadowSky u. A.

agrarü'che. Die agrarische Bewegung ist dadurch hervorgerufcn, daß Anfang des vorigen Jahrhunderts die Veränderung unserer i Agrarverfassung vollzogen wurde, ohne daß man eine Reihe von hierdurch nothwendigen Maßregeln für bie Landwirthschaff ge- rroffen hat. Diese Vernachlässigung ber Landwirthschaft muß jetzt wieder gut gemacht werden. Das erkennen selbst die Einsichtigen in den Reihen der Sozialdemokraten an. Ich berufe mich hier wieder auf das oft rinne Buch des Abgeordneten Max Sckstppel Grundzüge der Handelspolitik". (Redner verliest längere Stellen aus demselben.) Ick: empfehle auch den Herren Soziawemotraten,

ihrer Selbsterziehung, und diese ist nur möglich gc: orben durch die Thatsache, baß sie mit bem Arbeitgeber gleiche .ilec haben. Wie die Lehre vom Kapital, so sind auch alle übrige.! Mehren Don Marx falsch, (Heiterkeit) insbesondere auch die Lebte vom Werth der Arbeit. Sie meinen, der Arbeiter fei allein rrecht >gt, die Produkte der Arbeit sich anzueignen, daß jede 500 Mt., die Krupp verdiene, den Arbeitern gestohlen werben. Ja, sind denn die Ma­schinen nichts werth, ist denn der Geist Krupps nichts Werth, der diese Maschinen mir seinen Vorfahren geschaffen hat? Sie sehen.

schaffen giebt es nicht I Wenn Herr Stöcker aber wissen will, wie es in Betrieben aussieht, deren Leitung zum großen Theil in den Händen der Sozialdemokraten liegt, so möge er sich den Leipzig- Plagwitzer Konsumverein ansehen, der in seiner Bäckerei den acht­stündigen Arbeitstag durchgeführt hat (hört, hört!), oder die Partei­druckereien, die durchweg die besten Arbeitsbedingungen gewähren. Es Ware doch gut, wenn die Herren sich ein wenig informiren wollten, M fe«* Blau- dahinzur-dcn R-dncr gcht hierauf auf di- B-r- bar? lernen." Auch di-Narian" hat kürzlich einen Artikel der Konfekttonsbranche bic englische Landwirthschaft - gebracht, der diese meine

co genugenb, um den Mißständen em Ziel zu setz^u. Auffassung bei'tätigt. (Redner verliest einige L-tellen des enoägnten

^^dner zahlt hierauf die Forderungen der sozialdemottatischen $en Gegenpol der agrarischen bildet die sozia^demo-

Patter aus, die sich auf den Konfekttonsarbeiterschutz beziehen. Er . Gotische Bewegung. Sie ist auch aus ähnlichen historischen Ursachen macht darauf aufmerksam, daß der letzte Gewerkschaftskongreß be- hervorgegangen. Am Anfang des vorigen Jahrhunderts hat man schlossen habe, demnächst hier in Berlin einen HauSarbeiterkongreß durch Beseitigung der gewerblichen Beschränkungen freie Dahn für abzuhalten. Hoffentlich w,rd die Regierung sich auf diesem Kongretz ' bic moderne großindusrrielle Entwickelung geschaffen. Man hat eS bertreten lassen und nicht danach sehen, ob der Saal nicht etwa Anfangs unterlassen, rechtzeitig Institutionen zu schaffen, die

Die zwette Berathuna des Etats des Reichsamts des Innern wird fortgesetzt beim TitelGehalt des Staats- fefretärS".

Abg. Stötzel (Ttr.) befürwortet seinen Anttag auf Einführung deS Zehnstunden- Maximal-ArbettStagS für alle der Gewerbe- Ordnung unterstehende Betticbe. Alle Unternehmer haben erklärt, daß sic vom Zehnstundentag Vortheil hätten. Jetzt könnte man endlich denselben gesetzlich festlegen. Herr Hilbck spricht von Frei­heit der Arbeiter und führt uns das Bttd des Generaldirettors vor, der früher als Arbeiter durch Uebersttinden sich bic Mittel zum - Besuch ber technischen Hochschule erarbeitet hatte. Aber dieser Herr gegenseitig .. . . . .v ~

hatte eine außerordentliche Energie und Zähigkeit, und außerdem der großen Liebe der Arbeiter sur bie Akabemiker scheint es nicht ui sich. Sie können es mit Ihren Anttagen auf soziale Reform nicht

batte er soweit ich weiß, vorher daS Gumnasinm absolvirt unb war 10 ivclt f)cr 8« Km! Sie verlangen (zu den Soz.), baß man Ihre ernst meinen, diese Anträge sind nur agitatorisch gemeint. Sw

bann aus Mangel an Mitteln Arbeiter geworden. Wo finden Sie Wissenschaft, Jbro Lehren auf den Schulen bortragt: Ja, welche! baben ja ohne ausreichenden Grund gegen die sozialen Gesetze ge-

benn sonst diese Ausdauer ? Redner polemisirt soba.ni gegen die ! dcnn t Tie des Marxismus? Testen wissenschaftliche Grundlage liimmi. Sie haben auch gegen die Jnvalidenpen,lo>i gestimmt, angeb.

Thättakeit der Sozialdemokraten, die nur kritisirtcn, aber nicht posit v "t doch in Ihrer eigenen Partei schon zerstört, von dem Avg. Bern- : Uch, weil sic zu gering sei. Ich persönlich habe vielen Stti.'.-s syrn- arbeiteten Als Herr Hoch noch in kurzen Höschen herumlief stem u. A., und soeben noch besonders durch Dr. Eduard David! > parisisch gegcnübcrgcfianben, namentlich dem Kohlenarpeucr. und (Heiterkeit) unb noch nicht wußte, ob er zur Klasse der Ausbeuter WaS sieht auch nicht Alles imKommunistischen Manifest". Ta > dem Konfekrionsarbeiterstrike. Warum haben Sie diese Strikes nicht oder ber Ausgebeuteten gehörte, da hat meine Partei sckion wirb bicExpropriation des Grundelgenioums" verlangt! Jetzt! unterstützt: Das wäre doch Ihre erste Aufgabe. (Lachen bei den arbeiterfreunblidje Politik im Reichstag getrieben. Wir haben den haben Sie eingeseheii, daß Sie damit auf bem Holzwege waren! ! Sozialdemokraten.) Ader Sie haben dadurch erreicht, was Sie er- Boden für die sozialen Gedanken unserer Zeit bereitet. Tie Ferner einestarke Progressivitcuer". Damit hat der sozialdcmo-! reickzen wollten. Sie haben die Unzufriedenheit vermehrt;^Sie haben t'ratische Minister in Zürich c5 beinahe zum Staatsbankerott kom

Boden für bie sozialen Gedanken unserer Zeit bereitet. Tie Sozialdemokraten stellen sich auf den Standpunkt?llleS ober nichts!" Wir nehmen, was wir bekommen, ohne auf den Rest zu verzichten.

Abg. Albrecht (Soz.): Die Sozialdemokraten stellen so hohe Forderungen, weil man einem böswilligen Schuldner gegenüber gleich Alles fordern muß. Versöhnungspolitik treiben wir nicht, wa? har dort die Revolurion der Arbeiter gebracht? Gar nichts, in denn zwischen Kapital und Arbeit giebt es keine Versöhnung. Wenn ; dem Staate ber Gleichheit har man den Arbeitern bie politische nöthig ist, machen wir die Arbeiter auch unzufriedener, beim ohne Freiheit genommen, ber Arbeiter in Frankreich hat nicht entfernt Unzufriedenheit keinen Fortschritt. Die Religion wollen wir Keinem daS, was wir ihm in Deutschland gegeben haben. Ich kann daher rauben, bei keiner Partei giebt eS so große Toleranz, als bei uns nur empfehlen, baß wir den Weg gehen, den man in England ge- (Heiterkeit), unserer Partei gehören Mitglieder aller Konfessioiieii gangen ist. Wenn bic Anträge, bic ich mit Herrn Trimborn gc-

' * w -i-!1 ze-jr- stellt habe, auch manchem zu weit gehen mögen, so bitte ich Sie boch, . .

sie anzimehmen, ohne allerbings auf bi- Dankbarkeit der Arbeiter LaSker Schuld; ihr ~ " 1 Reichsbank. Aus