Ausgabe 
14.2.1903 Erstes Blatt
 
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halle statt. Diese Vorstellung beginnt um 7 Ubr und bringt zunächst rum letztenmale den vieraktigen Schwank .Der Hochzeitstag" von WolterS und Königsbrunn-Schaub; hierauf folgt, um vielfachen Wünschen zu entsprechen eine nochmalige Aufführung von Meyer-Försters beliebtem -Alt- Heidelberg". Der Einttittspreis bcttägt für beide Stücke Mk. 1,20 für nummerierten Platz, 50 Pfg. für Saalplatz, 30 Pfg. für Gallerre.

,Krieg im Frieden", Mosers allbekannter Schwank, wird am nächsten Dienstag zum Benefiz von Herrn 3ober in unserem Stadttheater gegeben werden, und der Benefiziant wird darin als Reif auftreten. Es ist immer ein freudiges Ereignis, alten guten Freunden zu begegnen; man sieht sie gern und spricht mit ihnen gern und erinnert sich froher Stunden. Und so wird denn auch am nächsten Dienstag Kamerad Reif von vielen Theaterfreunden freudig begrüßt werden, dieser famose Kerl, der so frisch und toll ist, so naiv selbstbewußt und dabei fast unverschämt tugendhaft. Der tausendfach mit fröhlichem Beifall gegebene Schwank wird auch diesmal viele aufmerffmne und belustigte Lauscher finden und erheblichen Beifall ernten, um so mehr, als ja Herr Zoder einer der beliebtesten unter unseren Darstellern ist, dem eine wohltuende Bescheidenheit eigen ist, desien ein­fache und zurückhaltende Art auf den Brettern stets an­genehm berührte. Seiner ganzen Anlage nach scheint er ja für den stark überheblichen Herrn v. Reif nicht sonderlich ge­eignet und eher berufen zu dem Ziniperling und Pillendreher Blum. Nie sah man ihn besser, als wenn er Schüchtern­heit, Verzagtheit, Blödigkeit, Befangenheit, Furchtsamkeit und Scheu darzustellen hatte. Aber was die Rolle des Reif an taktvoller Liebenswürdigkeit und Treuherzigkeit besitzt, das wird bei Herrn Zoder gewiß aufs beste in die Erscheinung treten.

mk. Kinzenbach, 13. Febr. Daß die Arbeiter noch viel zu wenig mit dem Jnvalidenverficherungsgesetz vertraut sind, zeigt folgender Fall. Ein hiesiger Ziegeleiarbeiter, früher Ackerknecht, stand bei einem Landwirt zwei Jahre lang in ver­sicherungspflichtiger Beschäftigung. Der Arbeitgeber hatte es jedoch unterlaßen, für 44 Beitragswochen Versicherungs- narken zu Heben, obwohl er die Beitragsleistung seitens des Arbeiters in Abzug gebracht hatte. Da jedoch beim Austritt rus der Beschäftigung dem Arbeiter, obwohl er darum bat, >ie Quittungskarte nicht ausgehändigt wurde, sondern der Arbeitgeber es vorzog, diese dem neuen Arbeitgeber des Mannes zu überreichen, erhielt dieser erst von dem Fehlen der Marken Kenutnis, als nahezu 2 Jahr verstrichen waren. Nun erstattete er bei der zuständigen Behörde Anzeige. Die Behörde konnte wohl feststellen, daß dieser die Marken nicht geklebt habe, leider aber war es durch Verjährung nicht mehr zu erreichen, daß der Arbettgeber zum nachträglichen Kleben der 44 Marken heranaczogen wurde. Er konnte gesetzlich nur dazu angehalte,' werden, noch 2 Beitragsmarken, für -»eiche btc Verjährung noch nicht eingetreten war, zu kleben,

und kam im Uebrigen mit der gesetzlichen Strafe davon. Hätte der Arbeiter auf seinem Verlangen bestanden, daß ihm die Karte auszuhändigen sei, dann hätte der Arbeit­geber sich nicht weigern können, da das Gesetz die Aus­händigung an den Inhaber vorschreibt. In diesem Falle wäre auch ohne Zweifel das Vergehen entdeckt worden und die Anzeige rechtzeitig erfolgt; dann hätte das nachträgliche Verwenden der 44 Marken ohne weiteres erfolgen müssen.

Bad Nauheim, 13. Febr. Der Großh. Musikdirektor Karl Machts mar seit Mitte Dezember spurlos verschwunden und alle Nachforschungen waren vergebens. Machts war seit 26 Jahren Dirigent der hiesigen Kurkapelle. Der Großherzog ernannte ihn zum Musikdirektor und verlieh ihm die Medaille für Kunst und Wissenschaft. In weiteren Kreisen ist Machts als Komponist auch größerer Tonwerke bekannt geworden. Infolge Wechsels in der Leitung des Bades Nauheim war der Kontrakt mit dem Musikdirektor nach der letzten Saison nicht wieder erneuert worden. Machts scheint sich dies zu Herzen genommen zu haben, denn gestern Morgen wurde seine Leiche bei Herrenhausen in der Leine treibend gefunden. Ter Großherzog hatte ihm eine lebenslängliche auskömmliche Pension ausgesetzt, wovon Machts, als er den Tod in den Fluten suchte, indes noch keine Kenntnis haben konnte.

Darmstadt, 13. Febr. Gestern Morgen wurde in den Anlagen am Darmstädter Friedhof die Leiche eines etwa 40 jährigen Mannes aufgefunden, der sich anscheinend mit Karbolsäure vergiftet hat.

tm. Marburg, 13. Febr. Für die Abhaltung des diesjährigen Verbandsfestes der hessischen Athleten-Vereine, zu denen auch Gießen gehört, sind nunmehr definitiv die Tage des 4. und 5. Juli bestimmt. Dasselbe soll in größerem Maßstabe als Volksfest auf dem Königsrasen gefeiert werden und dürfte, da in diesem Jahre hier weiter fern größeres Fest vorgesehen ist, eine Beteiligung sämtlicher hiesiger Vereine sicher sein. Tie nötigen Vor­bereitungen hat bereits ein Festausschuß in die Hand genommen.

Auszug bus dkll Ktkvsksswtsrrtzlstktn örr SIM Aretzrü.

Aufgebote.

Am 11. Febr. Heinrich Arllhelm Eißer, Schlossermeister in Hungen mit Johanna Dörner dahier.

Eheschließungen.

Am 7. Febr. Heinrich Simon Günther, Schlosser dahier mit Marie Appel Hierselbst. Bruno August Bartel, Sergeant dahier mit Luise Eva Henriette Jrle hierselbst. Georg Karl Kloos, Former in Offenbach a. Al. mit Margarete Katharine Zeidler dahier. Heinrich August Wilhelm Roddewig, Leyrer in Grein mit der AKtwe Anna Riegelmann, geb. Weiß, dahier.

Geborene.

Am L Februar. Dem Metzgermeister Karl Hartmann ein Sohn. Am 3. Februar. Dem Milchhandler Naftali Ehorak eine Tochter. Am 5. Februar. Dem Dureaugehilfen August Spitz ein Sohn, Johann Karl. Am 6. Februar. Dem Taglöhner Konrad Eller eine Tochter, Gertrude Elisabethe. Am 8. Februar. Dem Fabrikarbeiter Jacob Kart Philipp eine Tochter, Marie Ettjabethe.

Gegen Schnupfen ist der SchnupfenätherForman" anzu­wenden, der ärztlicherseits mehr- ach alsgeradezu ideales Schnupf en mittel" bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen For- man-Watte(Dose30Pfg.),belstarkem Schnupfen Forman-PaftiUen (50 Pfg.), zum Inhalieren mittels Riech­gläschens. Wirkung frappant: Bei beginnendem Schnupfen fast unfehlbar. In allen Apotheken. Man frage seinen Arzt. 1380

Ein fr- achtenswerter Fortschritt auf dem Ge­biet der ?,ihör-Do»fcilLitiOr' durch die Finna I>r. W, Knecht «L Co. in tranfclnrt a. ML erreicnt worden. Dieselbe bringt unter dem Namen Santis euen aun den feinsten nnd edeljrcn Alpenkräatern hergesiellten Magenbitter auf den Markt, der die denkbar grössten Vorzüge in »ich vereinigt und deshalb berechtigtes Aufsehen erregte, sänth ist ein aromatischer, sehr pikani schmeckender Likör von huh- srezeiehfeeter Wirkung auf die Vcrdanungxorgane uua wurden bei Xiogenbesehwerden, fc>eni*rägbeit etc die besten Eriolge von deu Aerzten beobachtet, sodass dieses Produkt dem Publ.kum em­pfohlen tu werden verdient. Probofl 31k 1. , grosse Flasche Mk 2 40 Ueb -r all erhältlich. Vertreter für Giessen: Ch. Ludwig Thom s, Babuhofstr. 37. 064

Am 9. Februar. Dem Schmied Heinrich Gemmer ein Sohn. Am 11. Februar. Tem Lagerarbeiter Joseph Emil Georg ein Sohn, Hermann Adolf. Am 13. Febr. Tem Schneider Heinrich Martin Gerdes eine Tochter, Anna Katharina Eleonore.

Gestorbene.

Am 7. Februar. Johannes Krug, 3 Jahre alt, Sohn bei Taglöhners Andreas Krug dahier. Luife Bang, 63 Jahre all, ohne Beruf dahier. Am 8. Febr. Katharine Koch, 72 Jahre all, Näh­terin dahier. Am 9. Februar. Emma Troost, geb. Bockhaker, 72 Jahre alt, Rentnerin dahier. Ehrisline Giesler, geb. Engel, 51 Jahre alt, Ehefrau des Schlossers Wilhelm Gießler dahier. Katharine Margarete Luise Kraft, 4 Mte. alt, Tochter des Gerbers Yemrich Kraft II. dahier Gemmer, (noch ohne Pornamenl, 2 Stunden all, Sohn des Schmieds Heinrich Gemmer dahier. Am 11. Februar. Wilhelmine Amalie Pauline Stuhl, geb. Siebet, 52 Jahre alt, Ehefrau des Kanimanns Robert Stuhl dahier. Am 12. Februar. Löser Kann, 81 Jahre alt, Rentner dahier. Karl Bögler, 27 Jahre alt, Taglöhner dahier.

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