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14.2.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 88

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Dem Siebener tl nötiget narben im Wechsel mH den. kesstscheo tanörolrt bit Hiehener Kamillen* dlüNer viermal in bei Woche beigelegt.

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Echnlslrahe 7.

tlbirtte für Lepelchent Anzeiger «letze».

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Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Samstag 14. Februar 1803

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger y

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen

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Kesflscher -Landtag.

R. B. Darm sta dt, 13. Febr. Nachmittagssitzung.

Die Nachmittagssitzung wird vom Vizepräsidenten Reinhart um 3.45 Uhr eröffnet.

Zunächst erhält das Wort Ävg .Wolf-Wörrstadt. Der­selbe bespricht die allgemeinen Knanzverhältnisse und be­tont, daß das Budget in einer Weise aufgestellt sei, wie es nicht besser erwartet werden konnte. Es seien keinerlei Beanstandungen darin zu machen, aber das eine stehe fest, daß viel zu teuer gebaut werde. Er hoffe, daß der Antrag Häusel bald beraten und die Regierung demselben aus Gerechtigkeitsgefühl die nötige Beachtung schenken werde. Mer nicht das Glück habe, eine Dienstwohnung zu besitzen, werde gegen die anderen geschädigt. Wenn man für den Bau einer Dammwärterwohnung 22 000 Mark ansetze, so sei das ein Beweis, daß in der Dauoerwaltung nicht mit der nötigen Sparsamkeit umgegangen wird. Es müsse ein anderer Modus in dieser Beziehung eingeführt werden. Er wolle keine Schlechterßellung dieser Beamten mit Dienst­wohnung, aber auch keinen Extraprofit für dieselben. Wir würden schließlich doch dahin kommen müssen, die direkten Steuern zu erhöhen; die jetzige Stempelsteuer sei zu hoch. Wenn bei uns im allgemeinen über die hohen Steuern geklagt werde, so müsse man auch ehrlich sein und an­erkennen, was der Staat jetzt auch dafür leister gegen früher. Gerade die Herren Agrarier hätten Veranlassung zum Tank dafür. Wir litten auch gewissermaßen unter der zu weit gehenden Sozialpolitik im Reick-e und im Lande. Es werde gegenwärtig zu viel vom Staate verlangt. Man müsse angesichts der jetzigen Lage seine Wünsche möglichst zurück­stellen und bei d er Etatberatung die größte Sparsamkeit walten lassen.

Abg. Schmitt-Mainz hofft, daß auch wieder bessere Zeiten kommen werden. Die preußisch-hessische Eisenbahn­gemeinschaft habe mit dem Rückgang der Ueberschüsse absolut nichts zu tun. Hätten wir in den guten Jahren noch mehr Geld gehabt, so hätten wir gewiß auch noch mehr aus- gegeben. Wenn Abg. Reinhart uns die 30 000 Mk. lieber» schuß von früher den jetzigen 700 000 Mk. gegenüberstellt, so faßt er unsere Bemerkungen falsch auf; wir wollten ja gerade noch mehr haben, als diese Summe. Die Eisenbahn­gemeinschaft sei ein Riesenunternehmen, das in ganz vor­züglicher Weise geleitet werde. Ader angesichts eines so getoaltigen Betriebes sollte man auch erwarten, daß die kleinen Wünscl)e der Interessenten in entgegenkommender Weise erfüllt würden. Redner geht auf mehrere dieser Wünsche noch näher ein. Bei Beratung der Forsten und Domänen in Preußen wurde konstatiert, daß jetzt viel günstigere Resultate bei den Holzverkäufen erzielt würden. Ta werde das doch wohl auch für Hessen der Fall fein.

Abg. Brauer-Ober-Lsleidcn bcsvricht die ungünstigen Verhältnisse auf dem Lande. In den Städten herrsche Arbeitsmangel, auf dem Lande Arbeitsnot. Derartige Zu­stände wären nicht eingetreten, wenn nicht die neue Strö­mung in der sozialpolitischen Gesetzgebung dahin getrieben hätte. Ter jetzigen Reichsregierung könne die Landwirt­schaft kein Vertrauen mehr entgegenbringen. Redner plai- diert dann für die Einführung einer Weinsteuer, der auch Abg. Möllinger xugeneigt sei; sie wäre jedenfalls besser, als eine Stempelsteuer. Die ungesunden Verhältnisse seien durch die frühere Vernachlässigung der Landwirtschaft ver­anlaßt worden. Die Auswanderung vom Lande sei durch die moderne Politik erzeugt; es habe eine Zeit gegeben, in der die Landbevölkerung zufrieden war, aber das sei schon lange her. Die industrielle Entwicklung ziehe die Arbeiter vom Lande in die Städte.

Abg. Leun-Großen-Linden bringt ebenfalls mehr­fache Klagen der arbeitenden Bevölkerung vor und rügt u. a., daß man bei Genehmigung der Arbeitersahrkarten )o umständlich zu Werke gehe. 2lls Redner dann noch weitere Details vorbringen will, ersucht ihn, ebenso wie den Vor­redner, Präsident Haas, diese Dünsche doch lieber in der Spezialberatung vorzubringen.

Abg. Dr. David-Mainz wendet sich in lebhaften Worten gegen die beiden Vorredner. Eine I-ürsorge für die besitzlosen Lohnarbeiter sei doch eine selbstverständliche Sache und keine Liebedienerei gegen die Arbeiter und das Wort von der übertriebenen Sozialpolitik verrate einen Standpunkt, den er nicht verstehen könne. Man solle das lieber auf ganz andere Kreise beziehen. Gerade im In­teresse der Landwirtschaft sollte man dahin streben, daß die Einkommen der Arbeitermassen aus Kosten der großen kapitalistischen Einkommen gehoben würden. Nichts könne schlimmer für die Landwirtschaft sein, als wenn das Niveau der ländlichen Arbeiter weiter herabgedrückt werde. Je größer die Auflage, die dem kapitalistischen Einkommen gemacht wird, desto geringer seien die Anforderungen an die Heinen landwirtschaftlichen Kreise. Entgegen dem vor­letzten Redner konstatiere er, daß die Auswcurderung fast ganz aufgehört habe, jedenfalls gebe es keine Masfenaus- wanderung mehr. Das sei nur dadurch erreicht worden, daß dieser Aroeiterschutz geschaffen wurde. Der natürlichen Entwickelung könne man nicht entgegentreten. Zu den Ver­tretern Lberhessens gewendet, von denen ihn namentlich 21bg. Köhler durch zahlreiche Zwischenrufe unterbrach, rief Redner: Schaffen Sie den Arbeitern auf dem Lande erst eine menschenwürdige Situation und dann reden Sie! Sprechen Sie nicht von übertriebener Sozialpolitik, dann werden Sie vielleicht manchen Arbeiter auf dem Lande zu­rückhalten. Bon einem zufriedenen Bauernstand", von dem ein Vorredner sprach, sei ihm noch nichts bekannt ge­worden. Wenn die Herren den Zolltarif nicht wollten, weshalb hätten ihre Gesinnungsgenossen denn da mitge- holsen, daß er Gesetz wurde? Nach einigen weiteren Aus­

führungen über die Eisenbahngemeinschast rc. wird Ver­tagung der weiteren Debatte vorgeschlagen.

Aba. B ä h r-Altenstadt-Bübingen wünscht Weiterbera­tung, da die meisten Herren ja die Nachmittagssitzung verlangt hätten.

Prisident Haas bemerkt, daß er ebenfalls sehr erschöpft sei unb nicht mehr gut weiter präsidieren könne, die beiden anderen Präsidenten seien aber nicht mehr anwesend.

Das Haus beschließt darauf bie Vertagung ber Debatte.

Nächste Sitzung Dienstag vormittag 10 Uhr. Tie Nach- mittagssitzung soll regelmäßig am Dienstag stattfinben.

Fer Iiozctz £nitani-£umtkit.

Paris, 12. Februar.

Der Prozeß, der gestern begonnen hat und den man als ein bloßes Vorspiel der großen Humbert-Affäre an» kündigte, ist in Wirklichkeit viel mehr: er ist bie Hmn- bert-Assüre selbst in Miniaturformat. Er vereinigt in sich alle bie Elemente, bie man vomgroßen Prozesse" nur erwarten kann. Ter Eibschastsschwiiwel, bie Wucherwirl- schuft, b ie juristischen Unglaublichkeiten, ja selbst bie poli­tischen Jnttllguen, bie in biegrößte Gaunerei des Jahr­hunderts" mit hinein spielten, alles dies ist gestern in der ersten Sitzung schon zur Sprache gekommen, unb es wirb heute bei ber Fortsetzung der Verhandlungen noch ganz anderes zu tage treten. Noch ist ein Ucberollck über vas Ergebnis dieses Prozesses unmöglich; aber ein Ein­druck läßt sich schon wiedergeben: man hat bie Empftn- bung, in einen Abgruiw von Ränken und Machenschaften hineingeblickt zu haben, in bem sich alles um einen Punkt breht, bas Gelb, aber recht viel Geld, viele Millionen; alles andere ist nebensächlich, bie Ehrs, ver­nichtete Existenzen, Ueberzeugungen, Dioral, alles ist Schi­märe neben dem Kassenschranll', ber gefüllt sein soll unb der doch auch leer ist. Die Sache ber Humberts hat durch die gestrigen Verbandlungen nicht gewonnen. Sie bleiben die Lbergauner, denen es schlecht ansteht, wenn sie sich darüber besagen, ihrerseits begaunert worden zu sein. Aber darum ist es nicht weniger wahr, daß die anderen unllug daran getan hatten, die Schande der Humberts dazu benutzen zu wollen, um sich selbst reinzuwaschen. Es war kein Ruhrnestag für die Millionäre Cattani unb Reitlinger, kein Ruhttiestag für das ganze Milieu, in bem Humbertgeschichten möglich sind.

Cattani ist ein reicher Bankier ägyptisch-jüdischer Her­kunft. Das Mutterhaus Cattani Hegt in stairo, unb bas Bankgeschäft in der Rue Lasayette zu Paris ist nur als Filiale zu betrachten. Cattani hat mit Fran Humbert Geld­geschäfte gemacht, über deren Natur bie widersprechendsten Behauptungen aufgestellt werden. Es ist sehr kennzeich­nend, daß Cattanis Guthaben nach den Buchungen Frö- beric Humberts 1 119 796 Fres. beträgt, baß davon aber 309 035 Fres. durch Cattani reklamiert werden. Therese Humbert behauptet, Cattani sei ihr geradezu nachgelaufen, um ihr sein Geld aufzuzwingen, er habe ihr bann, einen Schmuck für 120000 Fres. ausgeschwätzt, ber nicht entfernt so viel wert war, und in dem man außerdem noch bie wertvollen Perlen auf betrügerische Weise burch minber- wertige ersetzte. Nachdem einmal ein Schuldverhältnis entstanden war, ließ Cattani, immer nach Theresens An­gaben, sein Opfer nicht mehr los. Für verhältnismäßig geringe Darlehen mußten riesige Schuldscheine unterzeich­net werden. Für bie Erneuerung eines Darlehens von 800 000 Fres. verlangte Cattani einmal 500000 Fr cs. Kom­missionsgebühren. Therese behauptet, baß bie Darlehen Cattanis zu einem Zinsfüße von durchschnittlich 300 bis 400 Prozent gegeben wurden. Das hätte keine Wichtigkeit, wenn es sich nur um eine Behauptung ber Humberts hanbelte. Cattani will niemals mehr als 5 Prozent ge- forbert haben. Nun sind aber die Geschäftsbücher Cattanis burch einen Sachverständigen geprüft worden, und dieser ist zu dieser Ansicht gelangt, daß die Darlehen Cattanis tatsächlich um etwa 63 Prozent höher bewertet wurden, als er wirklich zahlte. Der Sachverständige drückt sich sehr vorsichtig aus, aber über seine Meinung kann kein Zweifel fein. Dazu kommen noch andere Dinge, bie Cat­tanis Geschäftsgebaren in einem höchst eigentümlichen Lichte erscheinen lassen unb bie im Lause ber Verhand­lungen zutage treten.

Cattani, dessen Advokat der jetzige Justizminister Balls war, vertagte schließlich Therese Humbert auf Rück­zahlung der Da.l h.n. Für solche Fälle, bie ihr ja recht yaufig vorkamen, hatte Therese chre eigene Methode. Sie wußte es stets zu verhindern, daß das Urteil sogleich gefällt wurde. War ein Aufschub erzielt, so benutzte The­rese diese Zeit, um gegen ihren Gläubiger Wucherklage einzureichen. Ueber den Wucher als Straftat mußte aber entschieden fein, bevor die Zivilklage des Gläubigers er­ledigt werden konnte, und aus diese Weise hatte Therese also abermals viel Zeit gewonnen, die sie gewöhnlich wohl zu benutzen verstand. Ebenso verfuhr sie Cattani gegen­über. Die Wucherllage aber machte den Bankier furchtbar nervös. Aus den gestrigen Verhandlungen ergiebt sich mit zweifelloser Gewißheit folgendes: Cattani ließ, als er von der gegen ihn eingereichten Klage hörte, sofort seine Geschäftsbücher nach Aegypten schicken. Aber Therese hatte aufgepaßt und den Untersuchungsrichter Leydet, den­selben, der jetzt in der Hurnbertaffäre bie Voruntersuchung leitet, benachrichtigt. Dieser ließ bie Bücher unterwegs beschlagnahmen. Trotzdem gelang es Cattani, einige ber- lelben ber gerichtlichen Prüfung zu entziehen. Das Er­gebnis dieser Prüfung war, wie schon erwähnt, baß ber Aachvcrstänbige auf eine Majorisation bes Darlehns um 63 Prozent schloß. Therese behauptet nun ferner, Cattani habe in seiner Angst vor bem gerichtlichen Verfahren und um wenigstens einer Verhaftung zu entgehen, sie ange­

fleht,. ihn zu retten, ihre Silage zurückzuziehen. Er habe zu diesem Zwecke wiederholt einen seiner Angestellten zu ihr geschickt, er sei schließlich selbst gekommen und habe vor ihr auf den Knieen gelegen. Er habe ihr eine, zwei Millionen angeboten, wenn [ie einwck.igte. Sie habe sich auch schließlich crroetc n lassen, weil sie Mit leid mit Cat­tanis Tochter hatte. Aber der Richter Leydet, bei dem sie sich für Cattani verwandte, habe nichts davon hören wol­len, sondern gesagt:Der Mann gehört nicht mehr uns, sondern der Justiz!"

Es ist schabe, vaß dieser Punkt nicht aufgetlärt werden konnte, weil Leydet unter Berufung auf das Amtsgeheimnis jede Auskunft verweigerte. Cattani leugnete anfänglich saft alles. Es wurde aber nachgewiesen, daß ber Angestellte tatsächlich mit Frau Humbert verhanbelt hatte. Dieser sagte aus, er habe bas, wenn er sich recht erinnere,aus eigenem Antriebe getan", unb Cattam behauptete, er habe gar nichts gewußt! Tann stellte es sich aber heraus, baß Cattani auch selbst bei Fran Humbert gewesen war, um wegen Zurücknahme der Wucher klage zu verhandeln. Dabei kam es zu einem charakteristischen Zwischenfalle. Der Vorsitzende fragte gestern den Kläger Cattani: ,,Jst es wahr, day Sie Der Maoame Humbert für diese Zurücknahme eine Million geboten haben?" Daraus erklärte Cattani:Eine Million bar? Niemals!" Aber er mußte zugeben, daß er ver­sprochen habe, für eine Million Schuldscheine ber Frau Humbert aus dem Verkehr zurückzuziehen. Damit ist also . ingestanden, daß bie Wucherllage rhn sehr beunruhigte, unb daß er zu ernstlichen Zugeständnissen bereit war.

Was bei dieser Sache am unverständlichsten bleibt, ist, daß trotz alledem und trotz des Gutachtens des Experten oas Verfahren gegen Cattani schließlich eingestellt wurde. Tie Humberts ftiyren bas aus bie mächtigen Beschützer Cattanis in politischen Kreisen zurück. Es ist bei ihnen überhaupt beinahe eine fixe Idee, baß alles in Frankreich sich nur um chre Geldgeschäfte gebreht habe unb noch drehe; Ballä ist nur Justizminister geworben, um die Humberts zu verderben und Cattani zu retten. Aber es steht also fest, daß man die Klage gegen Cattani fallen ließ. Kurz Darauf kam der große Kracb, die Eröffnung des leeren Kaflenschrankes, die Flucht nach Madrid rc. Tie Humberts waren vor aller Welt bloßgestellt. 9hm reichte Cattani in Erinnerung an bie gegen ihn angestrengte Wucherllage seinerseits Klage gegen bie Humberts wegenverleumde­rischer Anklage" ein. Und das ist der einzige Gegenstand des schivebenven Prozesses. ES handelt sich dabei nur um Die eine Frage, ob Die Humbercs in gutem Glauben ge­handelt haben, als sie Cattani des Wuchers bezichtigten, nicht mehr uni die Frage, ob Cattanis Geschäftsyebahren als Wucher zu bezeichnen sei, beim diese Frage ist durch oie Einstellung des Verfahrens erledigt. Es ist yöchst wahr- jcheinlich, daß nach den vom Vorsitzenden Puget mit der größten Unparteilichkeit geleiteten Verhandlungen bie Hum­berts von ber Anklage ber Verleumdung ireigesprochen werben müssen. Der allgemeine Eindruck ist, baß nicht nur Die Humberts, sondern jeder Eingeiveibte von Cattaniin gutem Glauben" als von einem Wucherer sprechen kann, -tiefe Meinung tönt nicht nur aus den antisemitischen unb nationalistischen Blättern wieder, sie findet sich ebenso in Der radikalen unb sozialistischen Presse. TiePetite Repu- blique" schreibt heute morgen:Nach biefer Vorführung kann man nur mit BefrieDigung konstatieren, baß man sich für keine der beiden Parteien interessieren darf", und in Demselben Blatt nennt der bekannte Henri Turot Cattani einenfinancier roublarb". DieLanterne" richtet sogar einen heftigen Leitartikel gegen den Justizminister Stalle, Dem sie an rät, zu demissionieren, da er sich mitskrupel­losen Finanzleuten" eingelassen habe. Ein Wort der Ent- ,chuldigung für Cattani fmoet sich in der ganzen Presse nicht, sondern höchstens den sehr vernünftigen Hinweis Dar­auf, daß bie Schuld ber Humberts dadurch in feiner Weife gemildert werde, und Dag sie im übrigen wissen mußten, mit wem sie zu tun hatten.

Tie gestrige Veryanviung, bie im einzelnen viel Inter- essani.es brachte, tann füglich erst besprochen werden, wenn wir bie Fortsetzung kennen. Therese Humbert hat für heute sensationelle Enthüllungen unb authentische Belege ver- Iprochen. Das Hauptinteresse Derbienen jioenfalls Die von Therese und mit noch größerer Heftigkeit von Frederic gegen bekannte Politiker, namenina? gegen Stalle unb den e-enator Crömieux, geschleuderten Anklagen.

Nach allgemeiner Ans.cht hat Therese gestern ihre Sache sehr geschütt geführt. Ihre Leitung war unverkennbar. Sie gebot Frederic unb Romain Schweigen, wenn biese in Er­klärungen nach ihrer Ansicht zu weit gingen, sie brohte Dem Untersuchungsrichter Leydet, fein Stillschweigen mit Gleichem während ber ganzen Untersuchung zu vergellen. Sie war nie um eine Replik venegen, sie war heraus- forbernö dis zur äußersten Grenze und imißte sich auch wieder sehr gut zu beherrschen, wenn es in ihrem Interesse lag. Einige Zeitungen strömen über von Bewunberung. Frederic war nervös und bisstg, gar nicht mehr der resig­nierte Tulder, als den man iyii geschildert hall Romain suchte unb fand einen Heiterfeitserfolg, indem er Witze machte und sich möglichst brasttsch auszubrücken strebte.

Ans Hluöl und £anik

Gießen, den 14. Februar 1903.

Das Promenaben-Konzert findet morgen in der Sübanlage um 12 Uhr statt. Gespielt werden: 1. Krönungs- marsch von Meycrdeer. 2. Tankgebet, von Valerius. 3. Valee b eu von Margit. 4. Fantasie überVerlassen", von Reindel.

Aus bem Theaterburcau. Die Sonntags» Aufführung am 15. b. AUS. findet wieder in der Turn-