Ausgabe 
13.10.1903 Erstes Blatt
 
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Pflege der Naturschönheiten getroffen haben, hat mich Hessen bereits seit längerer Zeit dieses Gebiet staat­licher Fürsorge beschnitten. Die Versammlung des yessi- )en Forstvercins, die im Herbste 1901 in Darinstadt tagte, hatte in einer Resolution darauf hingcwiesen, daß die Bewirtschaftung der Waldungen nach Schönheitsrücksichten als ein in den soziale Verhältnissen der Neuzeit begrün­detes Bedürfnis anzusehen sei. Darauf wurden nach Erlaß des Gesetzes vom 16. Juli 1902 über den Denkmalschutz die Oberförstereien aufgefordert, sich die Pflege und Ueber- wachimg der Naturdenkmäler angelegen sein zu lassen. Tatsächlich sind so schon eine ganze Reihe hervorragender Bäume, Aussichtspunkte, Felspartien usw., deren Erhalt­ung aus geschich1licl)-en oder uaturgeschichtlichen Mckjichten oder wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und Eigenart im öffentlichen Interesse liegt, unter den kreisamtlichen Denkmalschuh gekommen. Liber auch den Studierenden des Forstfachs sollte schon während der Stridienzeit, mehr als es bisher geschah, die Sck)önheitspflege in den Waldungen ans Herz gelegt und die lieberzeuguug beigedracht werden, daß der finanzielle Standpunkt bei der Bewirtschaftung der Waldungen nicht allein ausschlaggebend sein darf. Die Forstverwaltung hat nun, wie dieDarmst. Ztg." schrieb, an geeigneter Stelle angeregt, im Lehrplan der Landes­universität Gießen schon für das nächste Semester eine Vorlesung überForstüsthetik" anzutündigen. Es ist zu hoffen, daß diese Anregung die gewünschte Beachtung fin­den wird.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Darmstadt trat am 8. d. Mts. der Sonderausschuß der Zweiten Kammer zu einer mehr­tägigen Beratung der Wahlrechtsvorlage zusammen. Zum Berichterstatter wurde der Zentrumsabg. v. Brentano ge­wählt. In Koblenz tagte vom 8. bis 10. Oktober der Verein der Kurorte und Mineralquellen-Jnteressenten Deutsch­lands, Oesterreich-Ungarns und der Schweiz. Oberbergrat Professor Dr. Chelius aus Darmstadt sprach u. a. über den vulkanischen Vogelsberg in seinen Beziehungen zu den Sol- und Heilquellen an seinem Rande. Der Vortrag ent­hielt eine zu große Fülle fachwissenschaftlicher Einzelheiten, als daß eine Wiedergabe auch nur des Hauptinhalts an dieser Stelle möglich wäre. Erwähnt sei nur, daß der Redner die Besorgnisse zu zerstreuen suchte, als sei in absehbarer Zeit an eine Erschöpfung der im Erdinnern aufgespeicherten Kohlensäuremengen zu denken. Die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit der letzten Volkszählung polizeilich gemeldeten Zu- und Ab­wanderungen, sowie des entsprechenden Ueberschusses der Ge­burten über die Sterbefälle am 1. Oktober 1903 ist mit rund 309 500 anzunehmen. Marburgs ältestes Gebäude, der in romanischem Stil erbaute Kilian, soll bis auf das Mauer­werk niedergerissen und wieder neu aufgebaut werden. Die alsdann entstehenden inneren Räume sollen dem hessischen Geschichts- und Altertumsverein zur Ausnahme seiner Alter­tumssammlung, die zur Zeit im Schlosse untergebracht ist, überwiesen werden. Ferner sollen diese Räume noch zu Aus­stellungszwecken für kunstgeschschlliche und kunstgewerbliche Gegenstände dienen. In Frankfurt wurde der achtzehn Jahre alte Kellner Ernst Nerr aus München als Leiche aus dem Main gelandet. Die Leiche, die etwa acht Tage im Wasser gelegen hat, trug am Hinterkopf eine zwanzig Zenti­meter lauge Wunde, Verletzungen der Schädelhaut und der Schädeldecke. Die Verletzung ist vermutlich durch ein scharfes Instrument beigebracht worden. Es liegt die Möglichkeit vor, daß Nerr im Streit erschlagen und dann in den Main ge­worfen worden ist. Ein Arbeiter aus Bortshausen, der auf einer Baustelle in Marburg beschäftigt ist, fuhr abends auf seinem Rade nach Hause. Zwischen Ron hausen irrd Bortshausen krachte plötzlich ein Schuß, worauf er an

seinem Rade eine heftige Erschütterung bemerkte. Er stieg ab und untersuchte es, wobei er seststellte, daß eine Kugel den Gummireifen des Hinterrades zerfetzt hatte. Während er noch mit dem Rade beschäftigt war, nahte der Schütze mit hoch- erhobencm Gewehrkolben. Jetzt klärte sich die Sache auf. Der Schütze, der sich auf der Jagd befand, hatte in der Dunkelheit den Radfahrer für einenRehbock gehalten! Der frühere Redakteur des sozialdemokratischenOffen­bacher Abendbl.", Quessel, ist jüngst in Zürich zum Dr. phil. promoviert. Er war vordem Uhrmacher. In Osfenba ch ertränkte sich ein junges Mädchen im Main. Seit einiger Zeit arbeitslos, entfernte es sich am Samstag aus der elterlichen Wohnung und kehrte nicht niehr zurück. Man fand Hut und Schirm der Unglücklichen am Mainiifer und sie selbst wurde als Leiche im Hafen gekündet. Zur Landtagsersatzwahl in Darmstadt haben dieGenossen" als Kandidaten die Herren Friedrich und Sparr nominiert. In Bad Nauheim wurde im Quellengebiet des Bades auf Anregung des Großh. Baurates Dr. Eser in einer Tiefe von 12 Metern eine neue Mineralquelle erbohrt, welche unter lebhafter Kohlensäilre-Entwicklung mit einem Durch­messer von 14 Zentimeter 40 Zentimeter hoch über der Terain- sohle sich erhebt. Nach der bisherigen provisorischen Unter­suchung enthält das Wasser, welches eine Temperatur von 8 Grad hat, Ehlornatrium, doppelkohlensaures Magnesium und Natron und zeichnet sich durch einen großen Reichtum an freier Kohlensäure aus. Am 18. ds. wird in Darm­stadt eine Sitzung des Landesausschusses der nationalliberalen Partei des Großherzogtums Hessen stattfinden.

Kunst und Mist'enschujt.

Virchow-Denkmal. am 13. ds. Mts., ist

Rudolf Virchows 82 Geburtstag. Das gibt uns Veranlassung, da­rauf hinzuweisen, daß man beabsichtigt, dem Forscher an osfent- licher Straße Berlins, nahe der Ställe seiner ruhmreichen wissen- schaftlichen Wirksamkeit, ein Standbild zu errichten. Um eine künstlerisch wertvolle Ausführung zu sichern, bedarf es reicher Spenden. Zur Emselidung von Beiträgen fordert der geschäits- führende Ausschuß des Komitees auf, deren Vorsitzender Prosessor Dr. W. Waldeyer ist. Beiträge nimmt auch entgegen Schatzmeister Geh. Kornmerzienral E. düii Mendelssohn-Ban holdy unter der Adresse Bankhaus Mendelssohn ul Cie., Berlin W., Jägerstr. 49/50.

Arbeiterbewegung.

Gelnhausen, 12. Oki. Am 26. v. Alts, haben in der dem Fürsten zu Isenburg--Büdingen gehörenden Steingut- fabrik m Sch lierbach 225 Arbeiter und Arbeiterinlien die Arbeit auf den 10. Okt. gekündigt, da in vorgenonimenen Entlas- suiigen einiger Former eine Maßregelung erblickt wurde. Das Vor­liegen einer Maßregeliuig wurde jedoch von der Direktion der Fa­brik beftritten. Tie in Aussicht stehende Arbeitsniederlegung fand gestern jedoch nicht statt, vielniehr arbeiten die Betreffenden vor­läufig weiter, um die Beschlüsse eines im Laufe der Woche zusani- mentretenden Schiedsgerichts, das aus Vertretern der Arbeiter und des Fabrikbesitzers und Fabrikleiters besteht, abzuwarten.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aiiei unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt drc Redaktion deut Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Herr Oberbürgernieister Mecum hat vor einiger Zeit im Gieß. Anz. öffentlich erklärt, das Kreuz an der Kavelle des neuen Friedhofes zu Gießen seidurch ein Versehen des Stadtbauamts* an dem Gebäude angebracht worden. Nach dem Bericht des Gieß. Anz. über die Stadtverordneten-Sitzung vom 2. d. M. hat Herr Mecuni in dieser weiter behauptet,die Kapelle habe den christlichen Charakter nur deswegen erhalten, weil das Stadtbauamt die in der Verfügung vom 19. März 1897 gegebenen Winke nicht genügend beachtet habe. Dem gegenüber habe ich

als früherer Vorstand des Stadtbauamts zur Sache folgendes zu erklären:

1. Der neue Friedhof als solcher war von Anfang an bestimmt zur Aufnahme der Leichen aller Verstorbenen, ohne Unter­schied des Glaubens. Bei der Vorbereitung zur Durchführung dieser Absicht ergaben sich ober alsbald Schwierigkeiten; ins­besondere standen der Beerdigung jüdischer Leichen in einer Reihe, neben christlichen, gewisse jüdisch-rituelle Gebräuche oder Vorschriften entgegen. Aus diesem Grunde ist der Nach- satz der genannten Verfügung vom 19. 3. 97 zu erklären, welcher bestimmt,daß auf dem speziellen Plane die Mög­lichkeit offenzuhalten sei der Anlage eines direkt von außen zugänglich zu machenden israelitischen Friedhofes, so­wie eines Krematoriums und einer Urnenhalle." Damit sollte innerhalb der Friedhofsmauern den An­hängern jedes Glaubens und jeder Bestattungsart Rechnung getragen werden.

2. Eine'Kapelle ist und war zu allen Zeiten ein dem christlichen Kultus dienendes Gebäude; die Aiibringung eines Kreuzes an ihr war daher naheliegend, wenn nicht selbstverständlich. Daß, wie behauptet, dieKapelle" ein neutraler Raum sein solle für alle, wohin jeder die Symbole seiner Konsessionmitbrmgen" könne, war unmöglich die ur­sprüngliche Absicht, denn dieseSynibole" sind doch nicht alle traiisportabel, soiidern häufig feststehende, mit bem Ge­bäude fest verbundene! Hätte diese Absicht bestanden, so ist anzunehmen, daß bei der Schwierigkeit ihrer praktischen Durchsührniig in der genmmtcn Verfügung solches klar aus­gesprochen und auch eüt gangbarer Weg bezeichnet worden wäre.

3. Nachdem dieKreuzessrage" aufgeworfen worden war, har wie auch Herr Mecum erioähnte die Friedhofs­kommission in ihrer Sitzung vom 16. Juli 1900 darüber ent­schieden, und zwar dahin, daß das Kreuz anzubringen sei. Im Anschluß hieran erhielt das Stadtbauamt von der Großh. Bürgermeisterei durch schriftliche Verfügung die Ermäch­tigung,nunmehr auch die geplante Giebelbekrönung durch ein Kreuz zur Ausführung bringen zu lassen."

Köln, 10. Oktober 1903.

G. I. O. S ch m a n d t, Stadtbaurat a. D.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Wetter

Oktober 1903.

12.

13.

734,1 ! 10,0

731,4 12,4

733,3 12,2

8,7 j

10,5 i

9,6

95 8.

98 8.

91 SW.

Regen

Bew. Himmel

9 e

Höchste Temperatur Niedrigste

am 11. bis 12. Oktober 12,4 "C.

, 11. 12. 7,1° 6.

Wer feinen Kindern

täglich Kathreiners Malzkaffe zu trinken gibt, der gibt ihnen Gesundheit und Wohlbefinden, körperliche und geistige Frische. 7083

Zwischen Schule und Kans

lauern auf die Kleinen tausend Gefahren. Die schlimmsten Gefahren aber bietet der Schulweg am frühen Morgen, weil die Kinder sich da am ehesten erkälten und Keime zu ernsten Krankheiten legen. Wollen Sie als kluge und vorforgende Mutter Ihre Kleinen davor bewahren, dann geben Sie ihnen ein paar Sodener Mincralpastillcu vonFay" mit auf den Weg. Die beugen Erkältungskrankheiten wirksam vor und leisten brillante Dienste, wenn Erkältungen bereits eingetreten sind. In allen Apotheken, Drogen- und Mineralwasser-Hand­lungen zu 85 Pfg. per Schachtel zu haben. 6911

des verdienstvollen Künstlers Rnhnr in alle Wett getragen und ihm seinen Ruf an die erste Stelle in Berlin ein­gebracht. Von Orchesterwerken von Rich. Strauß ist bisher noch keines in Gießen zu Gehör gebracht morden; der 1. November ist mithin ein hochinteressanter Tag für unser Musikleben. Herr Opernsänger Br ei t en f e l d aus Frank­furt wird am gleichen Tage mitwirken; auch diesem Künst­ler geht ein ausgezeichneter Ruf voraus. Als zweites Konzert bringt uns der 15. November die berühmte Dres­dener Kammersängerin Erica Wedekind, die nicht mit Unrecht als Deutschlands erste Koloratursängerin bezeichnet wird. Diese Künstlerin zu gewinnen hat besonders große Schwierigkeiten gemacht, denn sie ist von allen Konzert- Direktionen umworben, und der Vorstand unseres Konzert- Vereins, dessen Verdienste wir nicht verkleinern wollen, dankt diese Gewinnung besonders günstigen Umständen. Lili Lehmann im vorigen Jahre, in diesem Jahr Erica Wedekind, welche hochinteressanten Vergleiche können da ge­zogen werden. Der 13. Dezember ist dem Andenken Hektor Berlioz gewidmet; für diesen gilt es als Geburts­feier, für uns, der Zeit und dem aufzuführenden Werke entsprechend ist es eine Weihnachtsfeier. In den Dezember 1903 fällt die 100. Wiederkehr des Geburtstages des großen französischen Meisters, die der Konzert-Verein durch Aufführung der geistlichen TriologieDes Heilands Kind­heit" weihevoll zu begehen gedenkt. Alle Äwbereitungen, um dieses erhabene Werk tadellos auszusühren, sind forg- sättig getroffen. Als Solisten sind verpflichtet Frl. Bus­jäger (Sopr.), W. Schmidt (Ten.), A Leim er (Bar.), Dr. W-eilh-ammer (Baß). Ern kleiner Chov von Ber­liozChor der Magier", sowie als Orchestereinleitung Der Marsch der heiligen drei Könige" ausChristus" von Fr. Liszt, vervöllständigen das Programm. Fr. Lorm»nd, der ausgezeichnete Pianist, hat für den 24. Januar 1904 zugesagt; der Erfolg dieses Künstlers war rm vorigen Jahre so durchschlagend, daß dessen so schnelle Wiederkehr von den Mitgliedern geradezu verlangt wurde. Das fünfte Konzert am 7. Februar wird sich zu einem Beethoven-Abend gestalten. Das Programm enthält nur Merke dieses Meisters. Dem Orchester ist die herrliche Patoral-Symphonie (Nr. 6) übertragen worden, dazu zwei Szenen ausPrometheus". Frl. Mina Rode, die treff­liche junge Geigerin, wird in den beiden Violin-Romon- zen und dem C-dur-Konzert mit Orchefterbegleitung ihre Meisterschaft bekunden. Für das sechste Konzert tonnte noch kein bestimmter Termin ins Auge gefaßt werden- Unterhandlungen mit geeigneten Kräften schweben noch' und das Ergebnis nnrd rechtzeitig bekannt gemacht werden Das vorher Gesagte dürfte als Beweis gelten, daß der Vorstand des Vereins dahin strebt, seinen Mitgliedern von dem Guten das Beste zu bieten; selbstredend können so hervorragende Künstler, für die Dauer, nur zugezogen werden, wenn, em starker Stamm Abonnenten den Verein

stützt. Der Betrag sür einen Sperrsitz für die ganze Saison ist seit Jahren nicht erhöht worden und kostet nur 15 Mark, ein nichtreservierter Platz 10 Mark. Eine Erhöhung wird auch sür die Folge nicht beabsichtigt, dagegen müssen die Tageskarten in Anbetracht der steigenden Ausgaben erhöht werden, und beim Wedekind-Abend muß diese Er­höhung wesentlich sein. Die Abonnementskarten sind über­tragbar, tonnen von jedenr benutzt werden. Der Vorteil eines festen Abonnements ist also ein ganz namhafter um so mehr, als die günstigen Plätze in erster Linie den Abonnenten gehören. Neuanmeldungen nimmt jederzeit Herr Challier entgegen; auch erteilt er jede gewünschte Auskunft. E. Ch.

Are Hibrich-Ausstellung in der Künstlerkolonie.

R. B. Darm stadt, 12. Oktober.

In den ständigen Ausstellungsräumen der Künstler­kolonie ist in diesen Tagen eine Ausstellung eröffnet worden, die trotz ihres bescheidenen Umfanges doch außerordentlich viel des Interessanten bietet. Die Ausstellung umfaßt in der Hauptsache Arbeiten des Herrn Prof. Olbrich, die derselbe seit dem Schluß der Ausstellung vom Jahre 1901 geschaffen hat, und legt beredtes Zeugnis dafür ab, mit welchem Ernst und welchem Eifer die einzelnen Mitglieder der Künstlerkolonie zu arbeiten gewohnt sind.

Prof. Olbrich hat vor allem einem Lieblingswunsch unseres Großherzogs Rechnung getragen, indem er die Pläne zu einigen Musterzimmern entwarf, die, für ein gut bürger­liches Haus geeignet, mit den einfachsten Mitteln hergestellt, doch größte Behaglichkeit und Zweckdienlichkeit ausweisen. Die drei von derHoftnöbelsabrik Ludwig Alter in rnuster- giltiger Weise angefertigten Zimmer bilden den Haupt- anziehungspuntt der Ausstellung. Höchst anheimelnd und behaglich ist das Herrenarbeitszimmer, dessen Möbel aus Nußbaumholz gefertigt sind. Der Schreibtisch bildet in seiner einfachen, praktischen Einteilung und seiner größtmög­lichsten Raumausnutzung das vollendetste, was wir in den letzten Jahren in dieser Richtung gesehen haben, und der große Bibliothekschrank, der Rauchtisch mit Stahlplatte, der originelle Zigarrenschrank, Sopha, Sessel und Stühle mit Gobelinüberzug 2c. sind bis aufs kleinste dem Zweck und Charakter des Ganzen angepaßt. Der Preis eines solchen Zimmers beträgt 2900 Mk. Nicht minder vornehm-einfach und behaglich ist das S p ei s e z i m m e r und das Schlaf- zimmer, zu je 3000 Mk. bewertet. Im Speisezimmer sind die Einrichtungsgegenstände m bläulich-grün gebeiztem Eichen­holz angefertigt. Der Versuch, mit den einfachsten Mitteln die größte Wirkung zu erzielen, ist hier am vollkommensten

bei dem großen Buffet gelungen, dessen Wert allerdings auch auf 1275 Mk. berechnet ist. Im Innern des Buffets ist auch ein nach Prof. Olbrichs Zeichnungen angefertigtes voll­ständiges- und Servierbesteck zu sehen, das zweifellos jede Hausfrau entzücken wird. Das in dunkelgrünem Ton gehaltene Schlafzimmer zeichnet sich besonders durch eine wohltuende Stimmung und einheitliche Gesamtwirkung aus.

Neben diesen drei Zimmereinrichtungen zeugen noch zahl­reiche andere Skizzen und Entwürfe von dem regen Schaffens­eifer des Künstlers. Vor allem seine Skizzen für die Welt­ausstellung von St. Louis. In einem besonderen, mit Unterstützung des Reiches zu errichtenden Gebäuoe wird unter Prof. Olbrichs Leitung dort eine Sonderausstellung für das hessische Kunsthandwerk veranstaltet werden, in der besonders ein Musik- und ein Teesalon, ein Herrenzimmer, ein Speise­zimmer und eine größere Kunsthalle die Aufmerksamkeit auf sich lenken dürften. Weitere Entwürfe und Skizzen veran­schaulichen das Projekt eines großartigen Hotelhauses in Bad Königswart in Böhmen, das mit dein ersten Preis gekrönte Projekt des neuen Zentralbahnhofs Basel, die Entwürfe für die Turiner Ausstellung von 1902, für dasKnusperhäus­chen" der Prinzessin Elisabeth in Wolfsgarten, einen Musik­salon im Großh. Palais rc.

Von weitergehendem Interesse sind ferner die farbigen Skizzen und die Grundrisse für die Dreihäuser - Gruppe, die auf Anregung des Großherzogs ausschließlich aus hessischem Baumaterial errichtet und bis zum nächsten Jahre in Ver­bindung mit einer Ausstellung im Ernst-Ludwighause fertig gestellt werden sollen. In Verbindung damit sei noch er­wähnt, daß Prof. Olbrich auch noch ein sehr anschauliches Modell, sowie Skizzen und Grundrisse einer kleinen behag­lichen Villa mit Garten ausgestellt hat. Der Künstler ist hier immer Lieblingsideen des Großherzogs gefolgt, dessen Bestreben es ist, den Angehörigen des Nkittelstandes für nicht zu l)ohe Summen ein bequemes eigenes Heim zu schaffen. Eine solche Villa enthält im Parterre Wohnzimmer, Salon, Speisezimmer und Küche, sowie Vorzimmer, im oberen Ge­schoß drei Schlaf!tuben, Badezinimer und Kaniiner und im Dachgeschoß noch eine Mägdekammer. Die Gesamtkösten eines solchen Heims berechnet Prof. Olbrich mit der vollständigen Einrichtung der Parterreräume auf nur 18000 Mark, was einem Mietzins von 9001000 Mark entsprechen würde.- Die Ausstellung erbringt jedenfalls einen neuen Beweis für das rüstige Schaffen und das zielbewußte Vorwärtsstreben der Darrnjtädter Künstlerkolonie.