oorgenommen worden, die ebenso überraschende wie ange- ikhme Resultate ergeben hat. Um eS vorweg zu sagen: die Summe des Besitzes der Stadt Gießest betrug am 1. Januar 14 037 000 Mk., die der Schulden er. 9000000 Mk., sodaß sich der obenerwähnte Ueberschuß ergibt. Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen danach nicht ganz 200 M k.! Das ist eine Summe, die nur von verhältnis
mäßig wenigen Städten erreicht wird. Im Einzelnen können wir noch folgende Ziffern mitteilen: Das Wasserwerk hat, nach dem Ertrag der letzten Jahre berechnet, eine Abschreibung von 292 356 Mk., das Elektrizitätswerk von 84300 Mk. erfahren. Das Gaswerk ist mit Rücksicht darauf, daß der Letriebsüberschuß im Durchschnitt der letzten 5 Jahre etwa 115 000 Mk. betragen hat, mit 1450 000 Mk. eingeschätzt worden, was einer etwa 8 % tgen Verzinsung entspricht. Für Mobilien ist ein Betrag von 96 000 Mk. abgeschrieben worden. Der Gießener Stadtwald repräsentiert laut
Schätzung der Oberförsterei einen Wert von 3120000 Mk.
— In der geheimen Stadtverordnetensitzung wurde gestern, um die außerordentlichen Bedürfnisse dieses und des koinmenden Jahres zu decken, die Aufnahme eines Anlehens von ein und einhalb Millionen beschlossen. Tas Anlehen soll mit 3 */3 % verzinst werden. Angebote für Uebernahme dieses Anlehens werden bis 19. März, mittags 12 Uhr, angenommen. Am Freitag, den 20. d. M., wird in einer Stadtverordnetenversammlung dann
über die Vergebung beschlossen werden.
Von der aufzunehmendcn Anleihe sind bestimmt: a. für Grunderwerb . . . . rd. 396 000 Mk.
b. für Straßenbauten .... „ 76000 „
c. zur Erweiterung des Gas-, Elek- trizitäts-- und Wasierwerks . „ 157 000 „
d. Zuschuß zu den staatlichen Klinlksbauten ..... 275 000 „
e. Beteiligung an der hessischen Hypothekenbank . . . . .
f. für die Kanalisation der Stadt
g. für Erbauung städtischer Gebäude ........
h. für sonstige Zwecke . . . .
„ 10 000 „
„ 570 000 ,
„ 152 000 „
12 000 „
zusammen rd. 1 648 000 Mk.
Verfügbar sind auf Vermögensrechnung „ 148 000 „
bleiben zu decken „ 1 500 ooo Ml.
Interessant ist eine Gegenüberstellung der gegenwärtigen finanziellen Verhältnisse Gießens. Ueber das städtische Vermögen sinden unsere Leser oben ausführliche Angaben. Die laufenden Bedürfnisse werden neben den direkten Kommunalsteuern gedeckt aus den Erträgnissen der städtischen Verbrauchssteuern, des städtischen Grundbesitzes (Wald, Wiesen und Feld) und des städtischen Gas-, Elektrizilats- und Wasserwerks. An Kommunalsteuern wurden für 1902: 100 pCt. der staatlichen Einkommensteuer und 200 pCt. von den Grundzahlen der Grund-, Gewerbe- und Kapitalrentensteuer erhoben. Für 1903 wird voraussichtlich eine geringe Erhöhung des Steuersatzes nötig werden.
** Die Architekturarbeit für die höhere und erweiterte Mädchenschule wurde m der gestrigen geheimen Stadtverordncten-Sltzung den Architekten Stein und Meyer übertragen.
'* Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt am 10. März d. Js. der Pedell am Ludwig Georgs-Gymnasium zu Darmstadt Heinrich Roth auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit mit Wirkung vom 1. April d. I. ab. — Am 13. Februar wurde dem Orts- gerichtsmann Heinrich Rasch zu Bermuthshain das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen. — In den Ruhestand wurde versetzt der Bureaudiener in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Ludwig Luckhaupt zu Darmstadt auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 15. Februar d. I. an.
•• Hessisch-Thür. Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse wurden folgende Gewinne gezogen: 10 000 Alk. auf Nr. 23512 28248 37147 40730 47207 65846 86694, 5000 DA. auf Nr. 28404 55787 78130 89843, 3000 Mk. auf Nr. 4152 4768 7330 22251 44535 29434 36102 40064 44535 45054 50999 56085 60027 82013 90524, 2000 Mk. auf Nr. 3577 6949 12420
18357 22114 22253 29362 32301 33735 36195 40431
44404 48766 50195 52148 62013 64995 66339 69910
70744 74170 74559 76895 84875 81956 85212 86650
87838 92650 94427 97926. Ohne Gewähr.
** Ein alt eS Wahrzeichen unseres Marktplatzes, das sogenannte Brunn en man nche n , ist vom Hauptmann a. D. Kramer dem Museum des Oberhess. Geschichts- Bereinö zum Geschenk gemacht worden. Diese architektonische Zrerde des Marklbrunnens, der etwa an der Stelle, wo heute das Kriegerdenkmal feinen Platz hat, sich befand, war nach Entfernung des Brunnens in Privathände gekommen und längst vergessen worden. Hauptmann Kramer entdeckte das Wahrzeichen des Markees aber in dem Garten -feines Hauses an der Franksurterstratze, welches an den Apotheker Dr. Caesar übergehen wird. Auch die 4 steinernen Löwen, welche Architekturstücke des Marklbrunnens vor dem Brunnenmännchen bildeten, sind im Besitz unseres Museums und wurden schon häufig wegen ihrer Eigenart von kunstsinnigen Besuchern des Museums kopiert.
** Der landwirtschaftli che Lotalverein Gießen war gestern abend auf dem Lenz'schen Felsenkeller au einer Sitzung vereinigt. Der Vorsitzende machte zunächst Mitteilungen über den Bezug von Saatkartoffeln. Es lind bei diesem Bezug etwa 20 Gemeinden deS Kreises Gießen beteiligt. Aus diesen Gemeinden häufig nur einzelne Mitglieder dcS landwirkschafklichcn Dezirksvcreins und Lokalvereins. Trotzdem haben die Bestellungen die Höhe von 1355 Zentner Saatkartoffeln erreicht, die einen Wert von ca. 4(XK) Mk. repräsentieren. Man kann oanach mit Sicherheit annehmen, daß im Kreise Gießen in jedem Frühjahr an Saattartvffeln dem Werke nach für 120000 Mk. in die Erde gelegt werden. Wahrscheinlich ist die Summe noch weit höher. Welche Summe mag der Wert der SaaFrucht darstellen an Gerste und ^fer, Kleefarnen und Rübensamen, Erbsen ec., die im Kreise Gießen in jedem Frühjahr zur Verwendung kommen? Es wäre eine dankenswerte Aufgabe, dergleichen Feststellungen für bte Provinz zu machen.
um die großen Werte festzustellen, mit denen die kapital- armen deutschen Bauern wirtschaften, indem sie selbst geerntete Produkte dem Boden anve.rtrauen, um neue Werte zu erzeugen. Man würde allgemein erkennen, welche große volkswirtschaftliche Bedeutung die Landwirtschaft neben der Industrie auch heute noch hat. Ter Bezug von Saalkartoffeln aus anderen Gegenden, besonders aus dem Nordosten Deutschlands ist alte drei, vier Jahre notwendig, um die Ernten ertragreicher zu machen und schmackhaftere Knollen zu gewinnen. Jeder Landwirt wird daher gut tun, alle paar Jahre frisches Saatgut zu beziehen. Der Vorsitzende berichtete dann weiter über die 2 e l b st v e r s i ctz e r- ung der Kleinbauern. Diesem ist mit dem Fahre 1900 die staatliche Selbstversicherung zugäugig g.macht. Rebern Keinen Bauer, welcher regelmäßig nicht mehr als zwei versicherungspflichtige Lohnarbeiter beschäftigt, das 16. Lebensjahr vollendet oder das 40. nicht überschritten hat, ist diese Vergünstigung eingeräuml. Die Beitragsleistung richtet sich nach den fünf Lohnklassen. Es empfiehlt si'ch die höchste Lohnklasse zu wählen. Der Beitrag für diese betragt 36 Pfennige pro Wocye oder 18.72 Mk. im Jahre. Der Äelbst- versicherte erwirbt sich dadurch das Recht auf Invalidenrente. Hat sich ein .Kleinbauer mit 25 Jahren selbständig gemacht und in der 5. Lohnklasse selbst versichert, so beträgt die Jahresrente, welche er im Falle der mit 60 Jahren eintretenden Invalidität bezieht, 368.40 Mk. Ferner erwirbt sich der Versicherte das Anrecht auf Altersrente nach vollendetem 70. Lebensjahre. Dieses wird aber seltener in Frage kommen, da in der Mehrzahl der Fälle der Selbst- Versicherte schon vor Ablaus des 70. Jahres eine Invalidenrente beziehen wird. — Stirbt der Versierte, ohu^ zu einem Rentenbezuge gelangt zu sein, so erhaacen die Hinterbliebenen die Hälfte des eingez ihlten Geldes herausbezahlt. Der Vorsitzeude legte es den Anwesenden dringend ans Herz, in ihren Kreisen über diese .^elbstversicherung zu sprechen, ausklärend zu wirke», damit die Belrcfseuden rechtzeitig von bie-er staatlichen. Srlb,rvasicheruug (Mb^auch machen und so im Alter ihrem jungen Nachwuchse keine unbequemen Kostgänger weroen, sondern durch ihe eing.halbe Rente ihren Angehörigen bis zum Tode eine Stütze bleiben, bie sich ber junge Haushalt mit um so größerer Sorgfalt, Liebe unb Pflege recht lauge zu erhalten juchen wird, .yum Schlüsse wurden Feldbereinigungsfragen besprochen. Dieser Gegenstand der Tagesordnung l>atle eine große Zahl von Mitgliedern des Vereins aus Langgöns herbeigezogen. Dura) die Besprechung, die sehr angeregt wurde und an der sich eine große Zahl der Mitglieder lebhaft beteiligte, wurde wohl manches Vorurteil gellävt. Mitglieder der Gemeinde Langgöns haben den Antrag auf Feldbereinigung gestellt. Wir tooiLn wünschen, daß die noch n)u)er|irJ)enjcn LaudwAle ber Gemarkung burch Umfrage bei Landwirten in schon bereinigten Gemarkungen immer mehr zu der Einsicht kommen, daß sie nichts besseres tun können, als auch für ihre Gemarkung recht rascy die großen Vorteile herbeizuführen, die die F.l^bereinigung dem großen und dem Keinen Landwirt bringt. Es roürue hier zu weit führen, auf Einzelheiten eiuzugeyen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung unter der Mitteilung, daß int März voraussichtlich die letzte Sitzung in diesem Winter stattfinden werde.
** Werningfche Kriegsfe ftspiele. Die hiefigen militärischen Vereine traten am Mittwoch zu einer Sitzung zusammen, in welcher über die seitherige Vcrwenoung der den beteiligten Vereinen überwiesenen Fonds Rechenschaft abgelegt wurde. Von allen Vereinen wurde die fatz- ungsgemaße Verwendung — Unterstützung von Veteranen oder Hinterbliebenen von solchen — nacygewiesen. Cs haben verwendet: 1. Der Kriegerverein Mk. 202 92; 2. der Vete- ranenoereiu Mk. 130; 3. die Kriegerkameradschast Mk. 8« und 4. der Gardevercin Mk. 107,12. Wenn die einzelnen Gaben auch keine großen waren, so haben die Vereine doch das Bewußtsein, durch die Zuwendungen aus dem Festspielfonds, den sie mit vieler Blühe und Arbeit sich erworben haben, der dringendsten Not der Bedachten abgeholfen zu haben.
u Bad-Nauheim, 12. März. Der Männcrgesang- oerein „Frohsinn" feiert am 4., 5. und 6. Juli fein 6 Ojähriges Stiftungsfest verbunden mit Fahnenweihe. Aus diesem Anlasse veranstaltet der Verein einen Gcsang- mettftreit mit Klassensingen und Ehrenpreissingen, zu welchem sich bereits viele Vereine angemeldet haben. Die Stadt hat zu einem Ehrenpreis 150 Mark zur Verfügung gestellt, ein anderer von der Badedirettion steht in Aussicht.
-o- Grünberg, 13. März Um den Frevler, der die bisher aufs beste gepflegte Baumpflanzun.g vor dem Jöckel- schen Hause in der Nähe des Bahnhofs zerstört, d. h. erst mit einem Messer die Stämmchen zvei Fug unter der Krone mehrmals angeschnitten und dann an dieser Stelle aoge- brocheu hat, zu ermitteln, hat die Polizei G.)psabdracke von den Fußspuren, die im weichen Boden deutlich sichtbar waren, genommen. Tie Entrüstung über die gewissenlose Tat ist hier groß.
Theologie und Rctlgo .
Unter dieser Ueberschrift hatten wir in unserer Nr. 54 einen Artikel veröffentlicht, der unerwartetes Aussehen erregt und hier ober da "Anlaß gegeben hat zu falschen Vermutungen über die Autorschaft. Bereits in unserer Nr. 58 halten wir eine bestimmte Anfrage aus unserem Leserkreise zu verneinen. Inzwischen hat ein Berliner Blatt diejen Artikel aufgegrifsen und eine Reihe von Bemerkungen daran gefnüpft, die jetzt den Herrn Verfasier des Artikels veranlaßt haben, das nachstehende Schreiben uns zur Beröffentlichiing zu übergeben:
Gießen, 13. März 1903 Hochverehrter Heil' Chcfredacleur!
In Erwiderung Ihres gefälligen Schreibens vom 12. ds., so hatte ich mchl im entierniefien gedacht, daß mein Keiner Artikel solche Beachtung finden würde. Hätte ich das oorausgesehen, so hätte ich ihn gar nicht der Lessentlichkeil übergeben. Ich beabfid)- ligte nur, einen kleinen Beitrag zu liefern zur Auiktäruug über die in Laieiikreljen vieliach bestehende Verwechselung unb Vermischung von Theologie und Religion, und daß man mchl ,ede doginauiche Abweichung von der Kirchenlehre josorr als Jrretigiosiläl hinsleUen sollte. Auch wollte ich die Väter beruhlgen, welche ihre Söhne dem wissenschaitlicheu Streit in der Theotogie ausjetzen muffen, slalt sie ledigtich dem riihigen kirchlichen tzahrwafier anzuverlranen. Dem Studenten bleiben die Zweifelsfragen doch nid)t erspart, und er hat den Kampf damit in sich burchzusühren, bis er zu derjenigen Klarheil gekommen ist, welche sein erulies geistliches Anu vertaugr. Tie wahre Frömmigkeit ist in. E. eine stille, im Herzen wohnende, unb tritt nicht ohne dringenben Grund streuend am, bas uberingt sie der „streikenden Kirche'. Ich delenne mich also als den Dersasjer des umstrittenen Artikels in Nr. 54 Ihres Blattes.
Pro > ejsor Tr, A. T h a e r.
yrinu|ti)lr5.
• Berlin, 12. März. Stc Gemahlin des Prinzen Bernhard von Sachsen-Weimar wurde gestern bet einer
Spazierfahrt im Stadtwalde von Hannover von einem Unwohlsein befallen, das ihren Tod zur Folge hatte. Die Verstorbene ist eine geborene Ella Brockmüller, ver- wittwete Dlarquife Lucchesini. Sic stand im 40. Lebensjahre und war seit 2 V» Jahren mit dem Prinzen vermählt, der jetzt den Namen eines Grafen von Crayenberg fühtt.
• Heidelberg, 12. März. Die Konditoreibesitzerin Frau Käthchen Ritzhaupt, in deren kleiner Konditorei die Korps der „Westfalen" und .Vandalen" feit mehr als drei Jahrzehnten ihre Heidelberger Heimat hatten, ist dieser Tage gestorben und mit studentischen Ehren bestattet worden. Da sic eine der in korpssiudentischen Kreisen be» kanntcsten Persönlichkeiten war, wurde ihr Tod in einer Werse betrauert, wie cs mir wenigen Menschen zuteil wird. AuS allen Teilen Deutschlands kamen unzählige Telegramme und den ganzen Tag über fuhr Wagen nach Wagen die Blumen- socnden zur Ruhestätte der „Zuckertante", an der Hunderte von Menschen sich zum letzten Geleit eingesunden hatten. Die „Westfalen" und „Vandalen", die tiefe Korpstrauer für acht Tage angelegt batten, erschienen mit umflorten Fahnen. Außer den beiden 1. Chargierten sprach der Schriftsteller Wilhelm Uhde als alter Herr der „Westfalen" am Sarge.
' London, 12. März. Der Finanzmann Whitaker, Wrighi, welcher gestern verhaftet werden sollte, ist entflohen. Er soll nach Spanien abgereist fein, während andere wissen wollen, daß er in Dünkirchen gesehen worden ist. Derselbe Hal durch falsche Spekulationen Verluste von 15 bis 20 Millionen Pfund verursacht.
Ter vergiftete Meßwein.
Klagenfurt, 11. März.
Vor dem hiesigen Schwurgerichte begann heute die Verhandlung gegen den Kaplan Thomas M a f ch e k wegen Verbrechens des Diebstahls und des versuck)ten Meuchelmords. Thomas Maschek ist 30 Jahre alt, zu Prag geboren, Orbenspriesier des Malteser-Ordens, gewesener Kaplan der Piarre Pulst, bisher uubeichollen. Tas Verbrechen des Tiebstahts Hal der Augeklagie babui'd) begangen, daß er seinem gewejenen Vorgejetzten, dem Orbenspriesier unb Administrator der^ Pfarre Pulst, Wenzel Slrnabt, ein Cinlagebuch der Böhmischen Sparkasse, auf den Betrag von 3843 Kr. 2 v. lautend, entwendet hat. Des Verbrechenc- bes oersuchlen Meuchelmorbes har sich ber Angektagre dadurch schuldig geniad)L daß er am 30. Dtooembeu 1902 dem Pfarrer Strnadt inder Absicht, i h u z u t ö d t e n, tn den für iHv zum Meßopfer b e st i m m t e n W e i n C y a n k a l i mengte. Tie Anklage führt in den Gründen aus, baß ber Kaplan Aiajdiet das (S'inlngebud) dem Pfarrer entwendet habe, und ats dieser letztere für die Sicherheit seiner Erjparnisio zu sürchien begann, sich ein fingiertes Telegramm aus Prag kommen lieg, des Inhalts, die Einlagen seien in Ordnung. Da jedoch dieses Telegramm ohne Unlerjchrüt ankam, war Piarrer Srrnadt keineswegs beruhigt. Er wollte nach Prag reifen, um sich persönlich zu erkundigen, und um dies zu verhindern unb die Entdeckung des Diedslohts himanzu- halten, habe der Stciplan versucht, den Pfarrer zu ermorden.
Somitag den 30. November kam Maschek um 6 Uhr früh in die Sakristei, um die Messe zu lesen, unb erklärte dem Biebner Trouegger, der P'arrer werbe seme Btesje gleichzeitig mit ihm lesen Trouegger war gerade mit dem Füllen von Wem in die Meß' kännchen beschäftigt. Maschek goß sich fein Megkäimck)en selbst em, während der Megner die zweite, für den Pfarrer beitmimie Hanne anfüllte. Maschek beauftragte gegen seine bisherige Geivohnheil den '-Wegner, die für ihn beilininue Meßkanne an den Altar zu tragen. Ter Bießncr kam diesem Auftrage nack), begab sich daim auf den Turm zum Läuten unb kehrte bann in die Sakristei zurück, wo in der Zwischenzeit Maschek allem war unb reichlich Zeu hatte, das Gift in den Meßwein des Pfarrer zu fchüttcn. jDtaf.l)C( las dann feine Biefie und ging um *<<7 Uhr ans der Salrisiei. Ter Pfarrer las um halb 8 Uhr die Messe; als er wahrend der- felben von dem Weine trinken wollte, spürte er einen widerlichen Geruch an dem Werne. Er nahm trotzdem einen Schluck tn den Mund, spuckte ihn jedoch, da er ekelhait trübe mar und einen starken, atzenden Gefchmack Halle, in das Abturlionsgeiäg aus. Trotzdem öer Pfarrer nur einige Tropien von dem Weme gekoster hatte, Spürte er nach kaum einer Minute eine Schwere tm Hopic. er wurde betäubt und stürzte am Altar bewußtlos zusammen lh' wurde rasch von mehreren Hirdjenbejudjern unb ben bcbienfteten in feine Wohnung getragen, wo er heilig erbrach und erst nach einer Stunde wieder zum Beiouglfein kam. Aus den un Abluittonsgeiatz vorgefunbenen Weinreslen tonnte von Elsemilem mit Sicherheit konstatiert werben, daß sich tn dem Weine Eyau- t alt meiner quantitativen Menge von 0,78 Prozent befand, m einer Menge, die hinreichend war, um den Tod des Plärrers herber- zuiühren. Tag ber Tob nicht erfolgte, hatte der Plärrer dem Um- Itanbe zu verdanken, baß er nur einen kleinen Schluck nahm unb den genoffenen Wem sofort ausspuckte.
Tas auffallende Benehmen des Kaplmis nach dem Vorfälle ließ an feiner Sckiuld feinen Zweifel aufkommen. Wahrend ber Pfarrer die Messe la§, hackte der Kaplan un Hofe Holz Jlem, machte bann gegen feine Gewohnheit in feinem Zimmer em jener un Öfen und verbrannte eine Menge Korrespondenzen. Er ivolltc die letzten Spuren feiner Schuld vertilgen, da ferner Ueberzcugrmg nach ber Planer in kurzer Zeit tot fern müßte. Als Mafchct von dem Unfälle des Pfarrers erfuhr, kam er zwar in dre Krrchc, beteiligte sich jedoch nicht an dem Transporte des Pfarrers, Sondern stürzte, nad) den Angaben des Ateßncrs, zu dem Aliare, ermyte raSch den Kelch und eilte in die Sakristei. Tas Adlnitlonsgesag ließ er unbeachtet. Er wußte offenbar nicht, daß der Pfarrer ben Wem ausgefpuckt hatte. Ten Kelck) wlfchte er rafcb nut bem Kelch- tuchleinen aus und stellte ihn ui den hierfür bestimmten Kagen. Bevor er nod) die Sakristei verlassen batte unb in das Zimmer bes Pfarrers gelommen loar, aljo nicht wußte, wie es nut dein Pfarrer stand, sagte er zu dem Meßner: „Nichte den Chorrock her, damit wir ben Psarrer, wenn's fd)lcd)t geht, oersel>en können Um bas wertere Schicksal des Pfarrers flimmerte nch Mafd)ek am 30. November, nad)bem er bem bervugllosen Pfarrer die letzte Oelrmg erteilt und um einen Arzt telegraphiert hatte, >iicht mehr. Er ging mittags aus bem Pfarrhafe weg und kam er ft fpäl nachts Heun. Ern>ähnenSrvert ist and), daß nach Angabe des zum Piarrer berufenen Dr. Widmann der AnSwurf einen durchdringenden Mosdmsgerrich hatte, in'olgebesien ber Arzt Sofort den Berbachl auf Maset-ek lenkte, ber fid) immer mitMojchuSfeiSe zu wafchen inlegtc. Woher sich Mafchek das Cyankali verfchafit hatte, konnte bisher nicht eriurt rverden; es ist jeboch zu bemerken, daß Alaschek Anw- leikr-Photograph ist und als solcher leicht Gklcgenbeit fand, sich bas zum EiUwickeln der Bilder erlorderliche Cyankatt zu beschasien. Tie Angabe des Maichek, daß Pfarrer Slruadt Feinde m der Gegend hatte, daher ein Triller das Allenlal verüb! haben tonnte, hat sid; nidjt bewahrheitet und ist Niemanden etwas von einer FeurbjchaSt gegen den Pfarrer bekannt. Dohl aber Hal Plaichet die Leule syslematrSd) gegen den Pfarrer gesetzt und herumgeredef daß er der tljm mchk-Z zir offen bekomme, ^xtihcghd) Nage an, baß auch die Frage der Zurechrriingsfährgkeit Masche^ von desien Verwandten angeregt wurde, weshalb die Untersuchung feines Geisles^nstandes veraiüaßl wurde. Tieielbe har dre volle 3itrcchnimgbfät)igfett Mafcheks ergeben.
Mafchek roitrbc zu fünfzehn Jahren schweren Kerkers ver- urtcilk.
Kunst und Wissrnschast.
Wien, 12. März. In der Gefellschafc iur innere Medizi» Sprach heute Geheimrat v. Behring über die Bekämpfung der Lungentuberkulose. Er fchilberre in anderthalbstun- bigem Vortrag feine Versuche mit Tuberkuli nimptun gen bei Rindern unb kam zu dem Sckslusie, daß von den hierve, erzielten günstigen Refullatcn noch nicht auf gleiche gunst tg/


