Ausgabe 
13.1.1903 Zweites Blatt
 
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Fir Heutig« Kummer umfaßt 8 Setten.

zessin unb Girvn den Namen Monsieur und Madame'Ruy^ Bla» beigelegt.

en er- d dem

v.-zUttSpret-r monatlich 7b Pi, viertel« inbvlid) Mk. 2.20; durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich Cd Ps.; durch diePosl Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12P»^ auswärts 20 Psg.

Verantwortlich für den polit. u. allgem. Teil I.B.: Fr. Hannemann; lür,Stadt u. ßanbe und »GenchtSsaal^: Lurt Plato; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Nr. 10

Vrschetvt täglich ander Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechlel mit dem desstlchen tanbroirt di« Siebener Kamilien» Blätter viermal in der Woche be,gelegt.

Notationsdruck u. Ver­lag der B r ü h l'fche« Untoerf.-Buch- u.Dtein- druckeret lPietich fferben) Redaktion, Lrveditio« und Druckerei:

Schnlstratze 7.

Adresse für Depeschen: U«ze1ger Stehen.

FrnIprtchanlchlußNr 51.

Ium jäch/r/cheu tzl-r-ruma

Wie das ,/Jceue SBiener Sägeblatt" aus

fährt, werde der Kronprinz von Sa

Kaiser Franz Josef einen Besuch abstatten, bei welcher Ge- legenheit die Ehetrennung beschlossen werden dürfte. Auf beiden Seiten fei zurzeit eine versöhnlichere Stimmung zu konstatieren. So sei insbesondere von feiten der Kr^onprin-. zesjcn der direkte Wunsch ausgesprochen worden, die An* getegenheit üt ein ruhigeres Fahrwasser zu geleiten. Von Seiten des toskanischen Hofes wurden Schritte unternom­men, damit der sächsische Kriminalbeamte Schlvartz, der mit einem direkten Verhaftungsbeschi in Gens weilt, ab- berusell werde. Wenn, wie wahrscheinlich sei, ein stiller und ruhiger Ausgleich zwischen dem Kronprinzenpaare zu stände Linie, so sei dies den Bemühungen einer fürstlichen Lame bei Kaiser Franz Josef zu bunten, und werde der Termin der Ehetrennung nicht zur bestimmten Zeit statt- finden, sondern verschoben werden. Tie Kronprinzessin werde dann auf die Besitzung eines bekannten Feudalen, lvelche dieselbe zur Verfügung stellte, in Böhmen nahe der sächsi­schen Grenze Wohnung nehmen. Tie Meldung, daß die Kronprinzessin aus Slot haoe ihre Schmuck-fachen verkaufen müssen, sei unbegründet. Ebenso habe die Kronprinzessin , von Giron lein Geld zu ihrem Unterhalt angenommen.

Tie zwischen dem Dresdener Justizrat Körner und dem Anwalt der Kronprinzessin zu Genf geführten Verhand­lungen sollen am Samstag zu der beib-erjeitö bindenden Einigung geführt haben, daß die Kronprinzessin sich be­züglich des zu erwartenden Kindes allen Tresdener Wünschen und Anordnungen fügt, während der Kronprinz statt der Eheirrung der Ehescheidung zustimmt und als ScheidungSgrund nicht Ehebruch, sondern nur Verlassen des gemeinsamen Haushaltes geltend machen wird.

Von einer Genfer Persönlichkeit, die angeblich in den Gang der Verhandlungen zwischen Maitre Lechenal, dem Anwalt der Kronprinze.sin von Sachsen, und dem Vertreter des Kronprinzen, Justizrat Tr. Körner, Einblick hat, erfährt dasW. N. T.":Es kann heute mit einer Bestimmtheit gesagt werden, daß Kronprinzessin Louise dem Verlangen, sie möge sich von Giron trennen und zunächst nach Oesterreich zurückkehren, um dort ihrer Entbindung entgegenzusehen, nicht mehr jenen Widerstand entgegensetzt, wie dies anläßlich dec Anwesenheit ihres Bruders, des Erzherzogs Josef Fer­dinand, in Genf der Fall war.

Tie Kronprinzessin besitzt bindende Zusagen bezüglich ihrer Zukunft und weiß, daß im Falle ihrer Trennung von Giron ihre persönliche Bewegungsfreiheit gesichert erscheint. Seitens i>e5 sächsischen Hofes geschieht alles, um die Kron­prinzessin zu veranlassen, die Verbindung mit Giron auf­zugeben, und es scheint, daß ihr Anwalt Lachenal die Be­strebungen seines hier weilenden sächsischen Kollegen unter­stützt. So viel steht fest, daß ihr ursprünglicher Entschluß nicht mehr unerschütterlich erscheint, und daß sich in ihren Anschauungen ein bedeutsamer Wandel zu vollziehen be­ginnt."

Weiter teilt das Blatt mit, daß im Salzburger Schlosse Oie Mädchenzimmer der Prinzessin, welche sie vor ihrer Vermüllung bewohnt hatte,neu hergerichtet werden. Ter toskanische Hof lasse durchblicken, daß man von einem Arrangement der ganzen Angelegenheit nicht mehr weit entfernt fei. Von Giron weiß das Blatt mitzuteilen, er habe, ehe er an den sächsischen Hof kam, die Gattin eines Pariser Bankiers, die viel älttr war als er, nach Südfianktetch entfuhrt. Giron soll sich dann als den Ver­führten hingesteNt unv von dem Gatten ein ansehnliches Schweigegeld erhalten haben. In Genf hat man der Prin-

Ausland. ,

Haag, 12. Jan. Amtlich wird aus Batavia gemeldet, daß die Unterwerfung des Prätendenten für das Sultanat von Atschin bedingungslos erfolgte. Derselbe trifft übermorgen in Kotaradscha ein.

Paris, 12. Jan. Es wird amtlich bestätigt, daß Präsident Loubet sich in Begleitung eines Geschwaders auf fünf Tage über B2ne nach Tunis begeben wird.

Wien, 12. Jan. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, seien Körber und Colo man Szell über­eingekommen, die Ausaleichsvorlage bereits am 15. ds. dem Parlament vorzulegen. Dem Komitee für das Wintervergnügen der Industriellen, welches heute vom Kaiser F r a n z I o s e s in Audienz empfangen wurde, um demselben die Einladung zu überbringen, antwortete der Kaiser, er habe sonst immer mit großem Vergnügen dem Ball beigemvhnl und dies durch seinen alljährlichen Besuch bewic.en. Leidsr könne er aber in diesem Jahre nickt kommen, da sein Gesundheitszustand es ihm nicht gestatten würde, auszugeyen. Er habe den Erzherzog Franz Ferdinand mit feiner Vertretung beauftragt.

Petersburg, 12. Jan. In einer Einsprache, die Minister v. Plehwe anläßlich der Feier des hundertjährig!

Komische Tagesschau.

Sine Trennung de8 gräflich Louyay'schen Ehepaares.

Noch füllt das eine Ehe-Drama, das in erster Linie daS öslreichische Kaiserhaus betrifft, noch täglich die Spalten der Blätter und schon wieder wird von einem neuen Ehe- ikandat aus Wien berichtet. Nach derWien. Allg. Ztg." soll Gras Elemer Lonyay den Entschluß gefaßt haben, seine Stellung als Gemahl der früheren Kronprinzessinwitwe Stefanie auszugeben, um sich von den repräsentativen An­forderungen dieser Charge zu erholen. Gras Lonyay, ver­schon längere Zeit leidend war, hatte sich an die Riviera begeben, woselbst er Heilung von einem Wechsel­fieder zu finden hoffte. Die Gräfin begleitete ihren Gemahl. In Briefen an seine Freunde äußerte sich Graf Lonyay sehr niedergedrückt über die Stellung, die er als Gemahl der Kronprinzessin einnahm. Zu diesen sozialen Mißhelligkeiten gesellten sich auch finanzielle Schwierigkeiten. Stefanie verstand nicht hauszu­halten, trotzdem ihr der Kaiser als Aussteuer bei ihrer zweiten Heirat Awei Millionen Kronen schenkte und sie vom belgischen Hofe 50 000 Frcs. Apanage fortbezog.

Aus Budapest, 12. Jan., wird berichtet: Die Nach­richt von einer bevorstehenden Ehetrennung des gräf­lichen Paares Lonyay hat hier wohl sehr überrascht, wird jedoch geglaubt, da es kein Geheimnis bildete, daß das gräfliche Paar mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfte. Die frühere Kronprinzessin konnte nie ganz die Vorrechte der srüyeren Stellung vergessen nnd Graf Lonyay hatte hierunter wiederholt empfindlich zu leiden, so daß er in intimen Kreisen sich über Zurücksetzung beklagte. Zwischen bftn Ehepaar ist es in der letzten Zeit zu Zwistigkeiten gekommen. In den letzten Wochen war das Paar nur ganz kurze Zeit beisammen. Der Graf weilt derzeit an der Riviera.

Im Anschluß an die Meldung der WienerZeit", daß Graf Lonyay's gegenwärtiger Aufenthalt unbekannt sei, wird demDörseu-Kurier" aus Wien telegraphiert, caß sich in erster Linie die Gräfin Lonyay mit der Absicht der Trennung ihrer Ehe trägt und zwar infolge unlös­barer Differenzen zwischen den beiden Ehegatten. Der Bruch soll ein enhgiltiger sein.

Tie Situation in Marokko.

Zu den Wirren in Marokko wird aus Madrid be­richtet: Der Sultan entschloß sich endlich, eine Division >em heranrückenden Bu Hamara entgegen zu werfen. Wich­tige Ereignisse werden also täglich erwartet. Prinz Mu­tz amed, der Bruder des Sultans, ist nicht eingekerkert, wird aber als Gefangener behandelt, was die Unzufrieden­heit der Bevölkerung vermehrt. Dazu macht sich bereits der Hunger fühlbar. Um den dringendsten Bedürfnissen abzuhelfen, sandten die Behörden von Tanger 160 000 Duros nach Fez. Eine Depesche des ,^Lok.-Anz." aus Tanger besagt: Die letzte zuverlässige Poft aus Fez bestätigt die verzweifelte Lage des Sultans. Alle Konsuln und die sonstigen Europäer sollen Fez verlassen haben. Der deutsche Postbeamte übergab die Geschäfte einem, Araber. ES ist unbestimmt, ob der Sultan seinen Rückzug nach Tanger oder Rabat versuchen wird. Ter Sultan be­absichtigt, im äußersten Notfall sich nach der Westküste durchzufchlagen. Der spanische Konsul in Rabat meldet gleichfalls beunruhig enbe Gärungen. Die Europäer gehen von dort nach Cara Bianca. Nach authentischer Informa­tion steht der Prätendent wieder vor Fez. Es ist also ein Zusammenstoß jeden Augenblick zu erwarten, wofern er nicyt durch die ein getretenen Kreuzungen verzögert wird. Nach einer Meldung aus Loudon fanden in Fez bereits

die greulichsten Ausschreitungen gegen die Juden statt, von denen an 20 massakriert wurden.

Nach einer Meldung aus Tanger zirkuliert dort bas Gerücht, die Truppen des Sultans hätten eine neue Niederlage erlitten. Der Sullan beabsichtigt, Fez zu ver­lassen und seine Residenz nach Rabat zu verlegen.

AuS Melilla wird gemeldet, daß unter den Truppen des Sultans völlige Disziplinlosigkeit herrsche. Die Soldaten verkauften Waffen und Munition an den Prä­tendenten, welcher ihnen dafür hohe Preise zahle. Alle Kabylenstämme aus dem Tazzabezirk und der Unigegend von Fez hätten sich dem Prätendenten angeschlossen.

Entgegen den in den letzten Tagen verbreiteten Nach­richten von einem Familienräte im Hause des Erzherzogs Ferdinand, Gvoßherzogs von Toskana, in dem die Ver- mögensansprücke der beiden ältesten Kinder des Groß­herzogs geregelt und über die Erbaussolgung an Leo Wölf­ling beraten worden sein soll, kann die Wiener Fr. Pr." aus sicherer Quelle jetzt folgendes Mitteilen: Tas gesamte Vermögen des Großherzogs von Toskana wird mit rund vier Millionen Kronen annähernd richtig geschätzt ein. In dieser Summe ist der italienische Besitz mit in-

>cariffen, der iwch nicht verkauft ist, der aber mit Mck- icht Darauf, daß die Güter zum großen Teil aus Sumpf- landfchaft uud Waldungen bestehen, hohe Verwaltungskosten erfordern und heute noch feinen Ertrag abwerfen. Tie ver­heirateten Prinzessinnen der großherzoglichen Familie haben bei ihrer Vermählung die ihnen gebührende Mitgift und Aussteuer voll erhalten und können vom Elternhause nichts mehr beanspruchen. Es entbehrt daher jeder Be­gründung, wenn man aimimmt, daß die Zukunft der Kron­prinzessin Luise von Sachsen durch ihr Vermögensrecht- liches Verhältnis zum toskanischen Hofe gesichert ist oder daß die Prinzessin von dieser Seite überhaupt etwas zu erwarten hätte. Leo Wölfling dürfte als Erzherzog Leo­pold Ferdinand durch die wiederholte Regelung seiner .Ver­legenheiten sein Cib- oder Pflichtteil von väterlicher Seite schon verbraucht haben, und es ist wohl nicht anzunchmcn, daß unter den gegebenen Verhältnissen nicht ausdrücklich die Einrechnung der Vorempfünge in den Pflichtteil dieses Sohnes verfügt würde. Leo Wölfling hat dann also auf irgend einen Geldzi^sluß aus väterlichem Hause keinen An­spruch mehr, und hat auch, wie die Tinge jetzt stehen, nichts zu erwarten. Ob sich sein Vater später dazu ent­schließen wird, ihm int Gnadenwege eine Summe zum Unter­halt zu gewähren, kann vorläufig noch nicht mii Bestimmtheit gesagt werden.

Z>ie ßröff.mng drs preußischen Landtages.

(Orig^Tel. desGieß. Anz.")

Berlin, 18. Jan. Ministerpräsident Graf Bülow eröffnete heute mittag 12 Uhr den Landtag der preußischen Monarchie mit einer Thronrede, in der auf die wenig befriedigende Gestaltung der Finanzlage hingewiesen wird. Der Fehlbetrag für 1901/02 bezifferte sich auf 3?y2 Mil­lionen Mark und auch für das laufende Etatsjahr sei ein wesentlich günstigerer Abschluß zu erwarten. Im EtatSentwurf für 1903/04 werde zur Herstellung des Gleich­gewichtes der Staatskredit in beträchtlicher Höhe in An­spruch zu nehmen fein.

Die zeitweilige F-incmzlage konnte jedoch nicht dahin führen, die im politischen und wirtschaftlichen Interesse bringend gebotenen Ausgaben zurückzustellcn. Die Staats- regierung erbitte erhebliche Mittel für die auf den Schutz des Deulschtums in den Ostmarl'en und die auf deren wirt­schaftliche Stärkung gerichtete Politik. In diesen Landes­teilen soll bie den mittleren und unteren Beamten, sowie den Volksschullehrern in Aussicht gestellte Zulage gewährt werden. Die Staatsregierung erachte es als ihre Pflicht, auch jetzt mit der Betriebssicherungs-Ausgestaltung der Eisenbaynanlagen und der regelmäßigen Ergänzung des Fuyrparkes nicht zurückzuhalten und hierdurch die Arbeits­gelegenheit im Lande zu vermehren.

Die Thronrede kündigt eine Vorlage über den Erwerb mehrerer Privateisenbahuen, Erweiterung der Staatseisen­bahnen und Forderung von Kleinbahnen, ferner eine Vor­lage über einen weiteren Kredit zur Verbesserung der Wohnyngsverhältnisse der staatlichen Arbeiter und ge­ringer besoldeten Beamten, einen Gesetzentwurf zur Aus­führung des Reicksseuchengesetzes, einen Gesetzentwurf über die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst, sowie über die Bildung kirchlicher Hilfsfonds für katholische P farr gemein den.

Zweites Blatt. 183. Jahrgang DienStag 13. Jammr lSvg

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- Md Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Deutsches Keich.

Berlin, 12. Jan. Ter Kaiser stattete heute Dor* mittag dem Reich skanzler Grafen Bülow einen Besuch ab und hörte später im königlichen Schlosse den Vortrag des stellverttetenden Chefs des Zivilkabinetts.

Nach neueren Dispositionen erwartet man bas Ein­treffen des deutschen Kronprinzen in Petersburg bereits am 16. d. M. TemLol.-,Anz." zufolge wird der Aufenthalt ungefähr eine Woche dauern, und es fei wahr-i scheinlich, daß der Kronprinz einen, wenn auch nur kurzen Abstecher nach Moskau unternimmt. Im Gefolge des Kt'on- prinzen werden sich außer den bereits genannten Persön­lichkeiten noch befinden Oberst v. Schenk, Kommandeur des Kaiser Alexander Gard?--''tt'cnadier-Negiments, und Oberst­leutnant Bartsch v. Sigsseld, Kommandeur des 2. Garde* Tragoner-Megiments Kaiserin Alexandra von Rußland.

Eine wichtige Veränderung in der preußischen Bau* Verwaltung, die bereits früher angestrebt wurde, soll, ioie man derBoss. Ztg." schreibt, gegenwärtig vom Arbeits* Ministerium wieder angestrebt werben. Es bandelt sich dabei um Schaffung einer Stelle für einen zweiten Unter staats-, sekretär, der wie der bisherige an der Spitze der Eisens bahnverwaltung an die Spitze der allgemeinen Bauver-, Wallung (breten würde.

Tem preußischen Abgeordnetenhause soll so­fort nach der Eröffnung des Landtages ein Gesetzentwurf betreffend die Landestrauer zugehen. Tiefe Vorlage ist augenscheinlich aus einer in der vorigen Tagung des Ab­geordnetenhauses vom Abg. Tr. Wiemer und den übrigen Mitgliedern Der freisinnigen Volkspartei durch An­bringung eines Jnitiattvantrages gegebenen Anregung her­vorgegangen. Tie Verhängung der Landestrauer anläßlich des Heimganges der Kaiserin Friedrich hatte in manchen Kreisen wegen der Nachwirkung auf die Geschäftswelt zu Beschwerden Anlatz gegeben. Tie Vorlage dürfte auf eine Milderung der bisherigen Stimmung hinwirkcn.

Stettin, 12. Jan. Eine heute veröffentlichte Er* llärung von 15 Arbeitern der Maschinenbau>Aktien- gesellschaft ,F3ulkan" stellt fest, daß die in einer Versammlung von Arbeitern desVulkans" in Bredow am 6. Januar über das Zuftandekommen der kürzlich an den Kaiser abgesandten Adresse ausgestellten Behauptungen un­wahr seien. Tie 4147 Unterschriften der Adresse seien nur durch die 15 Unterzeichner der Erklärung und durch Mtt- arbeiter gesammelt worden. Es habe fein Beamter oder Meister des ,Milkans" dabei mirgewirkt. Sämtliche 4147 Unterzeichner der Adresse gaben ihre Uitterschrist freiwillig. Sie seien dazu von Beamten oder Meistern des ^Vulkans" weder gezwungen noch durch Trohungen beeinflußt ivorden. Bon 6516 Arbeitern der Fabrik hätten sich demnach 2369 von vornherein ausgeschlosfen, und die in der Versammlung am 6. Januar erschienenen 1000 bis 1200 Arbeiter könnten der größeren Mehrzahl nach nur zu den Reihen der letzteren gehört haben.

Breslau, 12. Jan. In der heute tagenden schlesi­schen Provinzialoersammlung des Bundes der Land­wirte verlas der Borsitzenbe, Landtagsabgeordneter Hirt, einen Antrag, nach dem die Versammlung dem engeren Bundesvorstände für das energische Eintreten int Kampf um den Zolltarif Tank und Vertrauen ausspricht. Zu diesem Anträge bemerkte der Herzog von Ratibor, daß er, wenn der Antrag angenommen werde, aus dem Bunde ausscheiden müsse. Ter Antrag wurde einstimmig ange­nommen.

Dresden, 12. Jan. Tie Besserung im Befinden des Königs hält an. Ter König fühlt sich etwas kräftiger. Prinz Johann Georg reift heute abend 10 Uhr nach Wien, wo er bis zum 15. Januar als Gast des Kaisers verbleibt.

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