Samstag, 12. Dezember 1903
153. Jahr-g.
Erschefin töflfid) mtf Ausnahme beff Sonntag-.
Di .«letze! Lamtitendiätter- werden dem Aa-eiper verma wöchentlich betgelegt. Der „heistjche Laüdwfi'- erfchetnl msnaUich einmal.
Gießener Anzeiger
«erantworttich ffli «C^wnetne» lAl v. ötttto; tüt den Ln-ergenretli fc. B«<
Rotationsdruck und Verlag der Srü UnwerfttLtSdruckerei (Ptettch Erdens
Genera!-Anzeiger, Amts- und Anzeigeb!att für den Kreis Gießen.
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Parlamentarische Verhandlungen.
Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.
Deutscher Neichstag.
5. St tz u n g vom 11. Dezember.
1 Uhr. Dar Haus ift gut besetzt.
Am Bundesratstijch: Graf von Bülow, Graf Pos a- dowskt), Frhr. von Stengel, von Einem, Frhr. von Rbeinbaben, Möller, von Trrpitz u. a.
Zunächst werden einige schleunige Anträge mtf E i n st e l - In n g schwebender (Strafverfahren gegen die Abgg. Kunert, Schöpflin, Goldstein und Geyer (Soz.) ohne Debatte angenommen.
Sondann wird die erste Beratung des Etats und des Fi- nan-reform-Gesetzes fortgesetzt.
Abg. Sattler (nat.-lib): Ich will ebenso, wie dies dte Abgg. SLädler und Graf Stolberg getan haben, nicht versäumen, Zeugnis abzulegen von der tiefen Erregung und der bangen Sorge, welche sämtliche patriotischen Männer erfüllte bei der Nachricht von der Erkrankung Seiner Majestät. Es war sehr gut, daß man eingehende Krankheitsberichte veröffentlichte. Aus den Berichten können wir die frohe Hoffnung schöpfen, das; bald der Tag kommen wird, wo unser Kaiser gänzlich genesen sein wird. Mögen wir tbn in der nächsten Zeit begrüßen können. o
Wenn ich nun die finanziellen Fragen bespreche, so möchte ich beginnen mit der einfachsten und kleinsten, mit der Frage, ob die Rech- nungskommisston mit der Budgetkomnnssion vereinigt werden soll. Graf Stolberg-Wernigerode machte eine dahinaebende Aeiißeruncn Ich must mich gegen die Vereinigung ausfvrechen. _ Ich Balte es für geraten der Rechnungskommission ihre Selbständigkeit zu wabren. denn die Rechnungskommission ist die geborene Verbündete der Reichsfinanzverwaltung. Wenn man unsere Finanzverbaltnme überlegt und sie stch klar zu machen sucht, fo ergibt stch eine wiche Sinnme von Unklarheiten und Unübersichtlichkeiten, dast es fmwer wird, sich im Finanzwesen zurechtzufinden. Schon um festmstellen, wo die Zuschnstanleibe des vorigen Jahres geblieben ist, bedarf es
Innerste erregt haben. , .
Der Name Forbach, einst ein Name von gutem Klang, der die .fieren böber schlaaen liest in der Erinnerung an den 6. August 1870, wo in seiner Nähe die Schlacht bei Speern geschlagen wurde, verbreitet heule einen dunklen Schatten Es stnd Dinge dort vorgekommen, die man für unmöglich gehalten hatte, unv rote ich das Buch des Leutnants Bilse gelesen, wi- t» M'ch gezwunaen habe, es durchzulesen, da habe ich es mit Ekel beiseite geworfen und mir acfagt: Das ist ein niedriges Pamphlet, und es ist eine Schande, dast ein preußischer Offizier etwas derartige? schreiben konnte. lWiderspruch bei den Soz.) Jawohl, das habe tm mtr gesagt, und dennoch ist das, was in dem Buche steht, MM Teil wahr. Der Abg. Schädler bat an das Wort des Fürsten Bismarck erinnert, den vreustischen Leutnant macht und niemand nach, tor fiat gemeint, von diesem Wort würde man seht etwas zurucknehmen müssen. Ich glaube, es sind unter den Amtsbrüdern des Herrn Schädler auch räudige Schafe gewesen, und er wird nicht angestanven haben.«zu erwärm, das waren keine Führer tm Herrn. So sage auch ich: Diese Offiziere, die sich so vergangen haben , d,e das Kwiv des .Königs getragen haben, die waren äußerlich Crndtere, jiber iirnerlich und dem Geiste nach, wie ste eS sein sollen, waren ue es nickst. Und wenn sie noch nicht beseitigt sind, noch meine Kameraden sind, so stehe ich nicht an, zu erklären: Sie waren keine Offiziere in dem Sinne, wie es vreustische Offiziere immer geben soll. (Sehr richtig!') Nun darf man gewist rückst die Augen schließen und must sich offen fragen: Wie können denn solche Dinge Vorkommen, tote sind sie zu erklären? Ich habe vieles darüber in der Prelle gelesen Die sozialdemokratische Prelle hat es sich am letohteitcn gemacht Diese bat gesagt' DaS ist das Stiftern. der Militarismus ist der Vater alle? Nebels, der alles in Ketten schlägt, der jebe Trete Willensmeinung unterdrückt, der zur Verblödung führt, lsehr richtig! bei den Soz.) der hat auch die? hier hervorgebracht. Wenn da? richtig wäre, dann müstte das ganze deutsche Volk, das leit 100 Jahren die Wehrpflicht trägt, also dem Militarismus ge- toillermatzen untertoorfeu ist, verblödet sein. DaS deutsche Vott bat aber mit einer Tatkraft, mit einem Fleiß ohne gleichen sich einen grosten Teil des Weltmarktes erobert. Die Sozialdemokratie müstte die letzte sein, die etwas derartiges sagen könnte, denn auf dem Dresdener Parteitage ist ja gesagt worden, dast, wenn die Sozialdemokratie erst an der Spitze der Geichunte iteqe, ans der Masse des Volkes eine Kraft und Intelligenz sich entwickeln würde tote es nur bei einem von Gesundheit strotzenden^ Volke möglich ist. Andere Preststimmen wieder haben sich dahin geäustert, die" Ursache liege darin, dast sich das Militär vom Volke fernfialte. . Das kann ich 'auch nicht anerkennen, das Offizierkorps von heute
zu amortilleren? _ ...r.Y.v-
Mit Freude haben wir's begrustt, dast die tornfcnaftlimen Verhältnisse des Deutschen Reichs sich gefiebert haben. Ich erkenne auch an und freue mich darüber, dast die Dhronrede die Fortführung der sozialpolitischen Gesetzgebung als erforderlich bezeichnet. Eme Partei und emeRe- ■gicrung, welche nicht mit wahrem sozialpolitischem Geiste erfüllt ist, hat in der Gegenwart überhaupt keine Auslicht auf Eistolg mehr. Für durchaus notwendig Balte ich eine Refor mb es B o r s e n- fteuergesetzes, d-nn das jetzige Gesetz fiat nicht die von ihm erwartete Wirkung gehabt. Im Gegenteil, es hat dazu beigetragen, dast Treue und Glauben im geschäftlichen Verkehr im Abnehmen begriffen sind. ES ist doch eigentlich etn Unsinn, dast in zwei so finanzkräftigen Ländern wie das Deutsche Reich und Preußen die Anleihen im Kurse fo niedrig stehen. Hier, glaube ich, wird man durch eine Abänderung der Bor,ensteuer Besserung ichafien
fCnnC$Jvn zur Frage der A nw e se n h e i t s g e l d er. Man
Quinquennat verzichten oder nicht? Hierüber l müssen wir eine klare Auskunft haben. 1
Ich kann es bei der Besprechung des Militaretats nicht unter- i lasten, auf die schweren Schäden aufmerksam zu machen, < welche durch die öffentlichen Militärgerichtsverhandlungen zu unjerer - Kenntnis gelangt sind. Gerade wir, die wir m der Armee unicrcn . Stolz sehen, die wir wollen, dast sie ohne jeben flecken bleibt, . gerade wir hatten uns für verpflichtet, darauf hmzuwelien, baß Erscheinungen zu Tage getreten sind, welche in weitesten Kreisen schmerzlich berührt haben. (Sehr richtig.) Wester frage ich, ob . überhaupt für den notwendigen Ersatzdes Untero ff izi erkor ps gesorgt wird. Wir hören, dast em groster Mangel an Anwärtern vorhanden sei und dast auch die Heeresverwaltung Besorgnis hegt, sie könne nicht einen genügenden Ersatz .finden. Weiter weise ich baro if hin, dast der Lurus beim Militär eine erhebliche Steigerung erfahren hat, und dast uch dadurch die Ausgaben der Offiziere und derjenigen, die c3 werden wollen, wyr steigern. sSehr richtig.) Hierin liegt mit em Grund dafür dast auch für Ottiziere der Infanterie nicht der genugenbe Ersatz zu beschaffen ift/beim die Aufwenbungen, bie bie Offiziere machen müsien, übersteigen die Kräfte des einzelnen, und deshalb können wir nickst umhin, auf diesen Schade-- hinzuweisen und die Milstar- verwaltung zu fragen, was sie für Mittel zu ergreifen gedenkt, um hier Abhilfe zu schaffen.
Wir haben ferner unseren Blick zu lenken auf dieSoldaten- rniß Handlungen. Das Herz krampft sich ^Nammen, wenn man lieft, daß ein einziger Unteroffizier gegen tausend Mißhandlungen begehen konnte. (Hört! hört!) Ich zweifle nicht, daß die Militärverwaltung derartigen Ausschreitungen gegenüber bie schärfsten Mittel anwendet, aber mit der Bestrafung des Einzelnen ist die Sache nicht abgetan, sondern man muß dafür sorgen, das; dieser Erscheinung die Wurzel abgegraben wird. Auch das Geschenkmachen der Einjährigen an Vorgesetzte sollte energisch verboten werden. Die im Etat vorgesehene Aufbesserung kommt im wesentlichen nur denjenigen Unteroffizieren zu Gute, die den Vureandienst besorgen, aber diejenigen, die die mühevolle praktische Ausbildung zu leiten haben, kommen schlecht weg. Für verfehlt halte ich es, den Train durch Strafverfolgungen aus der Kavallerie zu ergänzen. Der Train muh eine vollwertige Heeresaattung fern. Mir liegt es fern, irgend einen Vorwurf gegen den Train zu erheben, und ich halte es nicht für angebracht, daß Kavallerieoffiziere wegen Verfehlungen in den Train versetzt werden. (Lehr richtig!)
Nun zur Ostmarkenvorlage! Etwas ähnliches fiat die Militärverwaltung schon lange, ohne dast der Reichstag dagegen Einspruch erhoben fiat; wir haben für Elsaß-^othringen feit 1870 alljährlich Zulagen durch den Etat bewilligt. In Preußen haben wir den Ostmarkenzulagen mit voller Ueberzeugung zu gestimmt, weil wir es für notwendig halten, daß gerade ir> jenen Provinzen, wo die Bevölkerung sich in ihrer Nationalität und Sprache von den Deutschen unterscheidet, ein zuverlässiges imb ausgezeichnete? Beamtenfieer gehalten werden muß. Die Polen wollen nicht Preußen fein, sie wollen ihre polnische Nationalität aufrecht erhalten, sie streben nach der Bildung eines eigenen polnischen Reiches. (Sehr richtig! rechts imb bei ben National-Liberalen, Widerspruch bei ben Polen.) Das ist der Grund, weshalb wir unter allen Umständen diesen Bestrebungen entgegentreten müsien und Sie werden von mir persönlich nicht erwartet haben, daß ich . in dieser Frage anderen Sinnes geworden bin. (Lebhafte Riste: Nein, nein, bei den Polen.) Denselben Grundsatz haben wir auch ; gegenüber ben Herren von der deutsch-hannoverschen Partei. Viel- . leickst glauben Sie, daß es möglich ist, ein selbständiges Hannover , auf friedlichem Wege wiederherzustellen, aber ich persönlich halte . das für unmöglich. Sie werden mir zugeben, dast ich mich stets : einer möglichst rücksichtsvollen Behandlung biefer Frage befleißigt i habe, ich verstehe den Gedankengang der Herren sehr toofil, aber • ich kann es nicht fassen, dast Sie glauben, eine Wiederherstellung ■ des selbständigen Welfenreichs auf friedlichem Wege amtreben zu - können; denn der preußische Staat gibt die Provinzen, bie er em» t mal in seiner Hand hat, ohne blutigen Kampf nicht heraus, l^hr - richtig.) Derartige Bestrebungen, zu bekämpfen, halte ich für die » verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Regierung.
Was ben Marineetat betrifft, so hat der Llbg. Schädler behauptet, dast die Aufwendungen über das Flottengesetz fimaus- gefien. Das ist nicht der Fall, denn die Marineverwaltung hat ausdrücklich die Befugnis erhalten, in dem einen Jahre weniger, in dem anderen mehr einzustellen, wenn nur die Gesamtsumme des Flottengesetzes nicht überschritten wird. (Sehr rtzfitig.) Diesen Vorwurl kann ich also dem Staatssekretär nicht machen. Dagegen erhebe uh gegen ihn den Vorwurf, dast der Fähnrich Hüffen er nicht gleich nach feiner kriegsgerichtlichen Verurteilung aus der Marme entlassen wurde. Jetzt ist der Mann ja entlassen, aber das hatte sofort geschehen müsien. . . x
Die Zerrissenheit des E i s e n b a h n w e s e n s i n D e u 11 cv- l a n d fiat auf die Dauer immer schwerere Folgen. Wir fioren namentlich Klagen aus der Pfalz, Klagen, bie objektiv zweifellos berechtigt sind/benn dieser Teil Deutschlands bleibt infolgedessen toirtschaftlich zurück, obwohl alle Vorbedingungen für einen wirtschaftlichen Fortschritt vorliegen. Ich als Preuße habe wahrhaftig keine Veranlassung, eine Ausdehnung der preustiich-heinschen Eisenbafingemeinfchaft zu wünschen, denn je mehr Staaten sich an- schliesten, desto geringer wird der Nutzen für Preußen sein. Es liegt mir fern, eine solche Ausdehnung zu fordern, aber das farm man sich doch nicht verhehlen, daß eine Verbesserung des Verkehrs zwischen den verschiedenen Landesteilen absolut eriorderlich ist. sSehr richtig!) Beim P o st e t a t möchte ich darauf Hinweisen, daß es sich nicht empfiehlt, die Erweiterning der Telegraphenanlagen auf Anleihen zu übernehmen. Es kann m fern, daß nach 60 Jahren das Televbon durch eine andere Erfindung überholt ist. und dann sitzen wir mit einem dicken K o p.s e d a und wissen nicht, wie bie Kosten zu decken sind. Ware es nicht richfiger, wenigstens bei den Verwaltungsbetrieben, welche, emen lohnenden Ertrag abwerfen, Einrichtungen zu treffen, um die Kosten schneller
Hört, daß c5 äußerst schwierig ist, ein beschlußfähiges Haus Hier im Reichstage ohne Diäten zusammenzuhalten. Werden keine Anwesenheitsgelder gezahlt, so wird die Entwicklung, unzweifelhaft den Weg gehen, daß mehr und mehr bei jeder Partei Trnten gut fiifiruna kommen, und daS halte ich für außerordentlich schädlich, henn bann befinden sich schließlich die verbündeten Regierungen Gruppen des Hauses gegenüber, welche von außerhalb o^H^lfes stehenden Parteien abhängig sind, und das kann zur Erfiohimg der Objektivität in keiner Weise beitragen. Diewr Grund sollte auch auf die verbündeten Regierungen Eindruck machen.
Bezüglich des T o l e r a n z a n t r ^g es des Zenfi-umS bemerke ich für heute nur, daß wir das Aufsichtsrecht des Staates unter keinen Umständen schmälern lassen wollen; wir werden st.e j darauf bedacht fein, dast der konfessionelle Friede gewahrt bleibt. Gewiß, in manchen Einzelstaaten bestehen keine tonnen-werten Zustände, aber wir haben feine Veranlassung, in die ^"wuisie der Einzelstaaten auf diesem Gebiete ein^amfen. Auch der Aufhebung d e s I e f u i t e n g e f e fc e §, die der Abru Scfiad- Ter verlangt fiat, toiderf'tzen toir unS nur im ^ntere^ he? konfessionellen Friedens lSefir richtig! bei den National-Liberalen. Lärm im Zentrum.) Der Gedanke, dast der Staat verpflichtet ist, die Lage der minder begüterten Masien zu heben, erfaßt immer weitere Kreise. Aber nach mancher Richtung bin muß doch das Verantwortlichkeitsaefühl der Behörden entschieden wachfem Demi nrtoiüc Erfcfieinunaen der letzttn Zeit sind Nicht gerade erfreuttch, ich erinnere nur an die vielen Fsflle von imfiearünbeten vZU^üichen Verhärtungen. Geaenwärtia gibt lebet, der mit einer Mastnabme her Rraierung unzufrieden ist, seiner Unzufriedenheit durch Abgabe eines sozialdemokratischen Stimmzettels Ausdruck.
Die große Zunahme der sozialdemokra t i s efi e n Stimmen wird dadurch herbeigeführt, daß der, der sich über skandalöse Zustande aufreat in feiner Torheit eim-n souald-mo- sratischeu Kettel ahaiht. lLoch-n bei den Soz.) Der Minister Frhr h Hammerstein fiat neulich in Hannover ein aanz vor-nattches Wort gesprochen, indem er im Anschluß an das ,
des Großen gesagt fiat: Die Polizei ist für das Publikum Val Von diesem Gedanken mü^-rn alle Behörden und Beamten erfüllt sein. Das ist das beste Mittel, um die törichten Mitläufer der Sozialdemokratie wieder an jh'' betete? Ich zu erinnemi. lEr- neutes Lachen bei den Soz.) Ich freue mich, daß der Gedanke, die minderbegüterten Klasien gegen Krankheit. Alter nnd.AnPalidt- tat -rii versichern, Fortschritte macht und daß auch gewisie 5rreise des Mittelstandes jetzt von diesen Einrichtungen betroffen werden apir halten es für richtig, auch die selbständigen Handwerker unv Privatheamten ?ii versichern. Gegenüber dem Abg. Bebel muß ich hervorfieben, dast es auch bie besitzenden Klasien an Arbeiterfiir- sorge nicht haben fehlen lassen. Das kann ich unter allen Umständen für meine Partei in Anspruch nehmen. Für die Altersund Invalidenversicherung haben nicht weniger als 80 rnemer Fuei'nde gestimmt. Was bieten Sie ttii den Soz.) denn Ihren Anhängern^ Der Reichskanzler hat mit Recht fiervorgehoben, daß Sie es ia selber nicht wissen wie es in Ihrem Ziikunftsstaat aussehen soll. Sie wisien nicht, nach welchem Programm Sie Vorgehen sollen, und trotzdem erheben Sie in Dresden emen lauten Kampfruf zum Umsturz. Dieser Kampfruf stimmt, schleckst mit Ehrern Programm zusammen. Es stimmt auch wenig zusammen i das, was vom Abg. Bebel in Dresden gesagt ift, wo er sich als der ..Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft" bekannte, solange er i lebe und atme, mit der Art, wie Sie sich fittr als fiarmlofe : Biedermänner aufspiel-n. Die Verhandlungen in Dresden haben es . gezeigt, die dortigen Verdächtigungen imb Beschimpfungen, die . aea nseitiaen Beschuldigungen des Strebens nach furchtbarster > Tvrannei, daß Sie am allerwenigsten Gnmd haben, zu behaupten, die ganze jetzige verrottete Gesellschaft müsie beseitigt werden. Wir werden uns nickst die Freude an der gegenwärtigen Entwicklung rauben lassen. Wir sehen in Deistschland ein großes, aufstrebendes Leben. Wir wollen keine Störung der ruhigen Enttmcklimg und deshalb werden wir fortdauernd tätig sein, um die Grundlagen unserer nationalen Entwicklung in wahrhaft freiheitlicher Weise zu schützen und zu fördern. sLebhafter Beifall.)
Preußischer Krieasmiuister von Einem: D.aS HauS wird meinen Worten glauben, wenn ich sage, daß bei meinem ersten Auftreten hier als preußischer .Kriegsminister es mtr lieber gewesen wäre, über erfreulichere Dinge zu sprechen, als fie Tetbet in letzter Zeit in der Armee vorgekommen sind und die nicht allein das deutsche Volk, sondern auch die deistsche Armee bis ni daS
eines eingehenden Studiums. 1
Eine Finanzreform im großen Stile ift erfor* ? derlich. Ich behaupte aber nicht, daß das jetzt vorgelegte Fmanz- Gefetz eine solche Reform bereits enthält. Wenn wir uns die ^a- 1 bellen auf Seite 10 de? vorgelegten Gesetzes anfehen, fo mochte im i zunächst dara'is den Schluß ziehen, dast in der.Reichsfingn-verwal- fiing alle? anders gekommen ist, wie man ursprünglich annafim. In ; den 70er Jahren war man nicht sicher, ob man überhaupt in der Lage fei, eine Anleihe aufnehmen zu dürfen. Auch bie Institution der Ueberweisungen kannte man nicht. In der Verfaffuna steht nichts davon und heut»' fiaber wir Ueberweifunaen von mehr al? % Milliarde. Alfo. es ist alles ander? geworden in der Reichs- finanzverwaltung. als wie mar es sich Fei Bearünbung des Reichs gedacht hatte Daß diese Entwicklung sehr erfreulich gewesen sei, kann man nicht iaaen. Auch die Matrikularinnlagen sind immerfort gestiegen, Nur Prei'ßen hat nicht so sehr darunter gelitten, da es in feiner Eifenbafinverwaltung eine Einnafimeguelle allerersten Ranges besitzt Einen kleinen, aber erfreulichen Fortschritt gegen früher bringt die Vorlage insofern, als die Ueberschiisse aus den Vorjahren insoweit nichts anderes bestimmt wird, zur Deckung außerordentlicher Ausgaben verwandt werben sollen. Die frühere Praris hat zu vielen Unzuträolichkeiten geführt. Man war zu sehr geneigt, die'Finanzkraft des Reichs infolge dieser Uebernafime zu überschätzen und um<o schwerer traf es bann, wenn nach kurzer Zeit die Quell- versiegte. Wenn Deutschland eine große Flotte bauen will, fo ist es nicht zu verlangen, daß diese aus laufenden Mitteln gedeckt wird, sondern daß man hier den Weg der Anleihe mit beschreitet. Ei"c obligatorische Schuldentilgung werden wir aber auf die Dauer nicht entbehren« können. Zu der ungünstigen Entwicklung unfere? Finanzwesens hat auch viel beigetragen der Mangel an einer feftm Organisation. Bisher haben die Regierungen sich gegen eine solche gewandt, weil ne darin eine Verwinde- SEflfflUr Men. Vreden h-i-n w,r e-n
feit orgonisiertes Finanzministerium, da? seine Macht an
deren Ministerien gegenüber zeigt. Fürdas^.deutscheReich Ware eine straffe Finanzorganisation um so notwendiger, als gerade Dte Herren vom auswärtigen Amt und vom Militär und der Marine besonder? geneigt sind, über die ihnen etatsmaßig ^rgeschriebenen Grenzen hinauSzugehen Je mehr ich gesehen habe, welch eine trauriae Wendung bie Reichsfinanzen nehmen, defw mehr habe ich mich überzeugt, dast wir eine lelbstanbigeFinanzver- waltu na bekommen müsien, die in der ^ge ist gegenüber allen geplanten Neueinrichtungen die fmanziellen Gesichtspunkte zur Geltung zu bringen. Leiber macht auch nach biefer Richtimg hm das vorliegende Gesetz keinen Fortschritt. Den bisherigen Mangel eines festen finanziellen Verfiältnisies zwischen dem Reich und den Einzelstaaten mildert der Gefetzentwuif durch zwei kleine Fo - schritte Er will wenigstens dafür ftraen daß die Masie der Ueber rm die Einzelstaaten verringert wirb und ferner will er j^enwW Matrikularbeittäge in der Regel auf eme gewisie
Ji» darauf einrichten Tönnei und bei E^fi"'llun.g ihrer Kutturaufgaben bannt rechnen
r daß iemanb in der Budgetkommisiion. solange
man^fich in den ersten Summen bewegte, wenn man bie Ausgaben sich die Frage überlegt hätte, ob bie Einnahmen dafür Heranziehung der Matrikularbeiträge beschafft werden Vmten? überleg man b°chst-"s. trenn es sich nm den Rest &cr nrciWi bin
Wt der Meinnrm. t^tz StaatrsekktSr Wad-
V^^7mtlichen Laufbahn noch Gelegenheit gegeben ftm wird, rend seiner «wtlichen -aum Die Reichsfingnz-
eJ['e ^wfan ’5'-5v. tocr*)etl imb darf nickst mehr lediglich verwalttina muß le^bstandmer^we^r^^^^o^ ^^»ngig Meibem bon ben fBefauune - biefc? Jahre? auch geringer als daS des m W-nn dns D f, t R«ug
Vonahres üt fo 1 h e Auch das ergibt sich alv
weisen erheblich . qcorbnetcn Finanzverwaltung. Jeden-
eine ??olge des Mangels c n y Etat vorzulegen, und keine
falls ist es keme Freude, emm i noch die u n -
Freude, ihn durchzuberate , ^^^^denfonds fiinzukommt. g ü n st tflt 2 A5h^^ommifsion also feine freudigen Augenblicke, e-»W »•*”““ ”»'■* fallen, daß die Regierun Vorlage kommt, sondern einfach das läuft, nicht Mit^emer^^eum must die Grund-
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