Ausgabe 
12.11.1903 Zweites Blatt
 
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AIS ich nach Hause kam, forderte ich Frau (Mer auf, mein Haus au verlassen. Abends forderte mich der Major aus, rinen Bericht emzureichen.

Inzwischen wird ein Antrag auf Ausschluß der Oessentlichkeit ab gelehnt.

Ich bin gezwungen worden, meinen Abschied zu nehmen. Mock bot sich mir früher zum I-reunde an. Ich lehnte ihn ab, weil er sich über Witte abjällig geäußert hatte. Bon ilM stammt das geflügelte Wort: ,Hrn Hause Kvch und Witte herrscht immer Zucht und Sitte." Der Angeklagte ist ein durchaus ehrenhafter Mann, der sich aus der chlechtcn Gesellschaft zurückzvg; nicht die Offiziere haben -ich von ihm zurückgezogen. Oberleutnant Wüte und Frau loch hatten oft Rendezvous in einer Sackgasse. Sie drückten ich und gaben sich heimlich Briefe. Witte wurde von einem Burschen in einem Zimmer des Kasinos beobachtet, wie er Frau Kvch das Mieder aufmachte. Witte be­streitet das.

Anklagevertreter: Hat der Angeklagte die ihm bekannten Vorgänge im Roman bearbeitet? Bilse: Ich hübe sie zum Hintergrund genommen.

Adjutant Schmidt (Aüüller im Roman gen., erkennt sich wiü>er aus dem Roman, weil dort gesagt ist, er habe einen sehr starten Appetit. Andere Szenen aus dem Roman, bei denen ich mitspielen sollte, sind frei erfunden. Ich stand mit Bilse kühl. Es waren Gerüchte im Gang über ein Verhältnis der Ertler einem Arzt. BUse fiel in Forbach aus wegen seiner outen Kleidung. Er taufte viele Bücher. Bilse: Mit dem Verleger habe ich abgemacht, daß ich für die erste Auflage Mk. 1200 bekomme, Nachher sollte ich 3000 Mk. ein für allemal bekommen.

Zeuge Leutnant v. Flemming (im Roman v. Mecklen­burg) stand mit den anderen Kameraden gut, mit Bilse weniger, weil er stark renommierte, und von Rennpferden erzählte, die er nicht besaß. Da trotz aller Fragen nichts herauszubringen ist, greift Major Fuchs ein. Er stellt Büse als gehässig in eurer Angelegenheit mit dem Adju­tanten Schmidt hin. Bilse verwahrt sich dagegen und klärt die Sache auf als eine gegen ihn gerichtete Jntrigue des Adjutanten.

Oberstleutnant von der Leyen, Bezirkskommandeur (im Roman Landrat Konradi) bekundet, daß er im Roman insofern falsch geschildert worden sei, als er nur einziges Dtal die Haare gefärbt habe zu einem Masken­ball, aber nicht regelmäßig. Major Fuchs hatte etwas Frostiges, war wenig beliebt, wenn auch nicht gerade be­sonders schlecht angeschrieben. Das Buch sei nach Auffasssung ftr Bürgerkreisen eine Art Racheakt.

Zeuge Lademeister Lehmann aus Breslau, ehemaliger Lizewachtmeister im 16. Trainbataillon (im Roman Wacht- ineqter Roth) hat verschiedene Möbel von Büse getauft. Tie Szene aus dem Roman, wo Roth dem Futtermeister Schmidt sechs Wochen vom Kriegsgericht besorgt wegen Ge- horjamsverlveigerung ist ziemlich den Akten gemäß ge­schildert, nur sei er nicht von dem Juttermeister verhauen worden.

Buchhändler Greiner aus Forbach bekennt, daß Bilse im Dezember zu ihm gekommen sei, um ihn zu veranlassen, den Prospekt zum Buche aus den Schaufenstern zu nehmen, da hier da Buch, dessen Autor er sei, in Lothringen nicht vertrieben wer­den solle. Tie erste Bestellung machte Rittmeister Bandel durch einen Trainjoldaten. Darauf kamen viele Bestell­ungen, im ganzen 150. Die Tienstmagd DorotheaSaal- feld bei Rittmeister Bandel sagt aus, sie hchw das Buch aus dem Tisch liegen sehen und es für sich bestellt. Daß es von Forbach handelte, habe sie nicht aus der Lektüre gesehen. Man vermutete erst, die beiden Forbacher Redakteure seien die Autoren. Bilse ist mir stets als gut unterrichteter Herr mit korrekten Formen vorgekommen, er hat aus mich den besten Eindruck gemacht. Auf böse Absichten kann ich aus dem Buche nicht schließen.

Oberleutnant Meyer aus Kassel hat von Bilse einen Brief bekommen, in dem er über das Buch Mitteilungen gemacht hat, ohne den Verfasser zu nennen. Bilse war allen Kameraden als guter Gesellschafter bekannt, liebens­würdig und korrekt. Büse hat, soviel er weiß, Pferde rennen lassen. Ddajor F ucvs stellt fest, daß er an Witte und Block Kasinvgelder geliehen habe, da beide nach Span­dau versetzt waren und kein Geld zur Reise hatten. Leutnant Block habe etwa nach acht Tagen, Leutnant Wüte erst nach längerer Zeü das Geld zurückgezahlt.

Leutnant Witte stellt fest, daß ihn niemand gewarnt habe, daß er eine Dame schwer kompromütiere durch sein Verhalten. Leutnant Koch findet es vom Zeugen Lindner nicht schön, daß er von seiner verstorbenen Frau gewisse Tinge erzählt habe, die nur Kleinigkeiten bedeuten. Ter Verhandlungssührende bemerkt, daß der Zeuge unter Eid alles hatte sagen müssen, was er wisse, es treffe ihn deshalb kein Vorwurf.

Nach diesen Bemerkungen der Zeugen wurden sämtliche Zeugen vereidigt. Alsdann wird zum Schlüsse die Zeugen­aussage. des Verlagsbuchhändlers Sattler aus Braun­schweig, der in Braunschweig vernommen worden ist, ver- lejen. Aus derselben geht hervor, daß der Verfasser dteZeitungeninLothringenausderListeder- jenigen Zeitungen in Lothringen gestrichen habe, in denen das Erscheinen des Buches angezeigt wer- oen soll.

Ter Staats anwalt beantragte ein Jähr Gefängnis, Dienstentlassung sowie, daß alle Exemplare, Platten und Formen unbrauchbar gemacht werden. Ter Gerichtshof erkannte auf 6 onate Gefängnis, Dienst­entlassung und Vernichtung aller Exem­plare, Platten und Formen.

In der Begründung des Urteils heißt es: Es liegt Beleidigung vor. Ter Angeklagte hat größtenteils Vor­kommnisse und Persönlichkeiten gezeichnet, sodaß letztere vor der ganzen Bevölterunq Forbachs kompromittiert sind. Es fühlen sich zwei Vorgesetzte unü Drei Offiziere höheren Tienstranges als der Versa,Jer beleidigt. Ter Angeklagte hat beim Schreiben des Buches nicht die Absicht ge­habt, Mißvergnügen zu erregen. Es liegt Ungehorsam gegen Befehle in dienstlichen Angelegenheiten vor, da eine allerhöchste Kabinettsordre den Offizieren verschreibt, bei Herausgabe einer Truckschrist den wirklichen ^tarnen zu nennen oder wenigstens der Militärbehörde Meldung zu machen. Strafmildernd ist, daß das Buch fein Pamphletist, es enthält im allgemeinen viel Wahres und Beachtenswertes ernyattende Betrachtungen, z. B. die engen Verhältnisse kleiner Garnisonen und das Schuldenmachen, Folgen von UngerechUgkeiien Vorgesetzter, Betrachtungen über das Duelh We,eu der Strafgaruisonen und Strafversetzungen. Strafmildernd gilt die Ver­bitterung des Angeklagten wegen Su s p e n d i e r u n g vom Amte ohne triftige Gründe; vielleicht war der Angeklagte auch ausgestacyelt durch Rittmeister Balidel (im Roman König), der ebenfall erbittert ist. Straf­

verschärfend für den Angeklagten ist, daß er in takt­loser roher Weise gegen Vorgesetzte vorgegangen ist und sich in grober Weise gegen die Disziplin vergangen hat, sodaß mehrere Verabschiedungen und Versetzungen in Forbach nötig werden. Er kann nicht langer im aktiven Dienst bleiben.

Berlin, 11. Nov. Wie dasB. T." mitteilt, ist Ritt­meister Bandel vom Dienst suspendiert worden. Auch beabsichtigen einige der beleidigten Offiziere, von Bilse Satisfaktion zu verlangen, sobald das Gerichts­verfahren gegen ihn beendet sein wird.

München, 10. Nov. Hier soll ein Offizier a. D. leben, dessen Rehabilitierung man von dem Pro­zesse des Leutnants Bilse (Aus einer kleinen Garnison") erwartet. Ter Offizier war Leulnant in Forbach und jung verheiratet. Ein um einige Grade höherer Offizier der gleichen Garnison wurde versetzt und bat ihn, seine Gattin, die er nicht sofort münehmen tonnte, einstweilen in seinem Hause aufzunehmeu. Das geschah auch Alsbald glaubte jedoch der Leutnant Beobachtungen zu machen, die ihn veranlaßten, die Dame zu ersuchen, von der Gastfreund- chaft seines Hauses nicht weiter Gebrauch zu machen. Es cheint sich hierbei um eine der Damen gehandelt zu haben, vou denen Bilse in seinem Roman Un­angenehmes erzählt. Die Kündigung der Gastfreundschaft hatte für den Leutnant schlimme Folgen. Es soll ihm nahe- getegt worden fein, wegen untamevachchastlichen Verhaltens gegen eine Offiziersdame zu quittieren. Der Leutnant quittierte. Es muß al,o seine Rechtfertigung nicht ge­würdigt worden sein. Er verließ dann mit seiner jungen Frau Forbach und zog nach München.

Aus Statt uuü Kautt

Gießen, 12. November 1903.

* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben der durch die Dekanatssynode des Dekanats Alsfeld für den Nest der im Jahre 1908 ablaufenden Wahlperiode vollzogenen Wahl deS evangelischen Pfarrers Ludwig Sauerwein zu Alsfeld zum Dekan des Dekanats Alsfeld und der durch die Dekanatssynode des Dekanats Offenbach vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Georg S t u r m s e l s zu Seligen­stadt zum Dekan des Dekanats Offenbach, sowie den durch die Dekanatssynoden auf die Dauer von fünf Jahren voll­zogenen Wahlen des evangelischen Pfarrers Christoph Schnei- d e r zu Weiterstadt zum Stellvertreter des Dekans des Deka­nats Darmstadt, des evangelischen Oberpfarrers Friedrich Weber zu Beerfelden zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Erbach, des evangelischen Pfarrers August Knodt ; u Groß-Zimmern zum Stellvertreter des Dekans des Deka­nats Groß-Umstadt, des evangelischen Pfarrers Georg Weh- arg zu Egelsbach zum Stellvertreter des Dekans des Deka­nats Offenbach, des evangelischen Pfarrers Karl Fink zu Zwingenberg zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Zwingenberg, des evangelischen Pfarrers Julius Diefen­bach zu Eudorf zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Alsfeld, des evangelischen Stiftsdechanten und Pfarrers Otto Klingelhöffer zu Lich zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Hungen, des evangelischen Pfarrers Wilhelm T ü r ck zu Frischborn zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Lauterbach, des evangelischen Pfarrers August Hildebrand zu Echzell zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Nidda, des evangelischen Pfarrers Lic. theol. Peter Grünewald zu Mainz zum Stellvertreter des Dekans deS Dekanats Mainz und des evangelischen Pfarrers Ernst A u l b e r zu Eppelsheim zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Alzey. die Bestätigung erteilt. Der von Sammtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach auf die evange­lische Pfacrstelle zu Hopfmannsfeld, Dekanat Lauterbach, präsen­tierte Pfarrer Alexander R u e tz zu Dalherda m der Rhön, wurde für diese Stelle bestätigt. Durch Entschließung des Gr. Ministeriums des Innern ist den bei der Jnvalidenver- icherungsanstalt Großherzogtum Heffen endgültig-angestellten Beamten Friedrich Wilhelm Lenz und Adam Bräuer die Genehmigung erteilt worden, die dienstliche Benennung , Bureauassistent * zu führen.

* Aus dem Bureau des Stadttheaters. Das lebhaftere Interesse, das sich, seit der Anführung der neuen Tirektion Steingoetter dem Gießener Stadt­theater zuwendet, gibt sich wie wir gestern schon aus Hungen meldeten, auch darin kund, baß von auswärts zahlreiche Anfragen betreffs EinrickMng von Fremden- Vorstellungen am Sonntag nachmittag ein gegangen ind. Tie Direktion wird daher eine Anzahl Fremben-Vor- 'tclhrngen an Sonntag Nachmittagen einrichten, die je­weils arm ^4 Uhr beginnen und etwas nach 6 Uhr ihr Ende erreichen werden. Für nächsten Sonntag, den 15. November, ist die erste dieser Frembenvor stell- ungen angesetzt, die Gerhard Hauptmann's berühmtes Märck>endramadie versunkene Glocke" bringt. Die Ausführung dieses berühmten Werkes im Gießener Stadl- theater zeichnet sich durch überraschend schöne Bühnen­bilder hervorgerufen durch neue Dekorativ neu und zahl­reiche Lichtefsekte sowie durch eine von berufener Kritik hoch anerkannte Darstellung aus. Die Preise der Plätze sind: Galerie 30 Pfg., 2. Parkett und Esttade 60 Psg., 1. Parkett 1 »vif., Sperrsitz 1,50 Mk., Logie 2 Mk. Briefliche Bestellungen sind an das Theater-Bureau, Gießen, Watl- torftraße 48, zu richten.

** Evan g. Bund. Die am nächsten Sonntag, dem 15. November abend 8y4 Uhr, im hiefigen Saalbau ^Steiiis Garten) ftattsindeude Lebend Versammlung (Familien­abend) des Cvang. Bundes verspricht den schönsten Verlau zu nehmen. Wenn auck) der ursprünglich vorgesehene Redner des Abends, Herr Pfarrer Dujek aus Kolin ^Böhmen) aus zwingenden Gründen auf sein 5)ierherkommen verzichten mußte, so wird an Stelle desselben Herr Pfarrer Fritsch von Ruppertsburg einen Vortrag halten uoer: Einzelne Bilder aus der evangelischen Bewegung in Oesterreich. Herr Fritsch hat sich im vergangenen Sommer mehrere Wochen in Böhmen und Steiermark ausgehalten und dabei einen tiefen Einblick in die dortigen Verhälrnt)je gewonnen. Insöejonoere wird es von allseitigem Interesse sein, aus eigener Wahrnehmung etwas über Zeltweg-Judenburg und die dortigen besonoe^s mit hessischen Mitteln geschaffenen erfreulichen Verhättttisse zu hvreu. Als ztveiter Redner wird Herr Stadiver ., nciund Kirchenoorstano Schmal! einen Rückblick geben . - die Angelegenheit der Gießener Fried lwjsweihe lab ei die Stellungnahme oes Vor­

landes des h'ieslgeit Jiucigoeteiiiö rechtfertigen. Zur Verschönerung des ^denos Haden Fräulein Ida Stammler und Herr Pianist Hahn von hier |otoie der Mafchrnen-

baner-Gesangverein ihre Mitwirkung zugesagt. Der letztere Verein hat für nächste Pfingsten zu einem nationalen Ge- sangeswettstteit hierher eingeladen und wird deshalb von besonderem Interesse sein, die Leistungen desselben kennen zu lernen. Der Besuch des so viel versprechenden Abends steht allen Evangelischen mit ihren Familien frei.

** Gegen die Konsumvereine. Wir lesen im Manufakturis^: Mr haben früher schon einmal darauf hingewiesen, wie die Detaillisten sich in den Kon- um vereinen eine Konkurrenz groß-iehen, um sie >ann wieder zu bekämpfen und zu verlangen, daß der 'Staat hier helfend eingreife. Wie berechtigt dieser Hin­weis war, erhellt wieder einmal aus dem Geschäftsberichte des Frankfurter Konsumvereins, der nunmehr drei Jahre besteht. Es heißt da, mit Leichtigkeit sei sest- zustellen, daß eine ganz erheblicl)ie Zahl von Mitgliedern nur den Rabattgewinn an strebe, wäh rend sie in der Entnahme von Waren aus den Vereinsgeschästen außerordentlich lässig seien. Mit andern Worten: die Mitglieder des Konsumvereins kaufen viel lieber in den Detailgeschäften als in den Läden des Vereins, sie haben also an der Mitgliedschaft nur deshalb ein In­teresse, weil die Detailgeschäfte ihnen Rabatt gewähren. Wäre das nicht der Fall, so wäre ihnen die Existenz des Konsumvereins sehr gleichgiltig, d. h. der Konsumverein wäre nicht existenzfähig, uno die beklagte Konkurrenz nicht vorhanden. Hier ist ein so einfaches Mittel zur Selbst­hilfe gegeben, daß man nur beklagen kann, von (einer Anwendung so wenig zu sehen. Für die Richtigkeit dieser Ansicht sprechen außerdem einige Zahlen eine sehr deutliche Sprache. In den eigenen Geschäften wurden 15 637 Mk. Nutzen erzielt, aus dem Lieserantengeschäfte kommen 14 612 Mk. zur Verteilung. Die Detaillisten liefern aljo ast ebensoviel an die Bereinsmitglieder, wie der Konsum­verein mit seinen vielen Verkaufsstellen und (einem großen Verwaltungsapp-arate verdienen kann, und nur da­durch ermöglichen sie ihrem so angefeindeten Konkurren­ten die Existenz. Das sollte doch zu denken geben! Genau o hegen die Verhältnisse bei demNeuen Bocken­heimer Konsumverein". Der Verein erzielte im eignen Geschäfte 42 000 Mk. Umsatz» im Lieferantengeschäft wurden 36 000 Mk. umgesetzt und zwar 16 000 Mk. mehr als im Vorjahre, während in der eigenen Verkaufsstelle nur eine ganz minimale Umsatzsteigerung stattfand. Der Reingewinn betrug 2538 Mk., während der von den De­taillisten ausgezahlte Rabatt, wenn man einen Turch^- chnittsrabatt von 5 Proz. annimmt, 1800 Mk. betrug. Beide Vereine werden nur von denen gehalten, denen ie Schaden zufügen, und es fehlt nur an der so oft vermißten Einigkeit der Detaillisten, um sich die lästige Konkurrenz und die fteiwillig in Gestalt von Rabatt aujerlegte Steuer vom Halse zu schaffen."

A ß o n b o r f, 11. Nov. Am kommenden Sonntag den 15. Nov. findet hier die feierliche Einweihung des neuen Schulhauses statt. Das Gebäude, welches für 2 Klassen und 2 Lehrerwohnungen eingerichtet ist, dürste das schönste unseres Ortes sein. Die Arbeiten der hiesigen Fernsprecheinrichtung sind nun beendet. Die Zahl der Anschlüsse beträgt 10. Der kürzlich von Angestellten der Bahn hier gegründete Eisenbahnverein zählt bereits ca. 40 Mitglieder; erster Vorsitzender ist Bahnmeister Pfeifer.

co= Lützellinden, 11. Nov. In der Hofraite des Landwitts Karl Gehrt brach heute nachmittag gegen 4 Uhr Feuer aus, welches venuullich durch spielende Kinder verursacht wurde. Es brannte eine gefüllte Scheune nebst Stallung nieder. Gegen abend konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden.

+ Wetzlar, 10. Nov. Der seit 14 Jahren hier wohnhafte MechanikerMaxDeussing ist seit Freüag, den 30. Oktober, also seit mehr als 10 Tagen von hier ver- chwunderr. Es ist festgestellt, das Deussing zuletzt in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober in Volpertshausen ge­nächtigt hat, nach seiner Entfernung aus diesem Orte fehlt jede Spur von ihm. Der Vermißte, ein braver ordentlicher Mann, steht im 34. Lebensjahre, ist aber unverheiratet. Er ist von mehr als mittelgroßer Figur, trägt einen Hornkneifer und war, nach den Wetzl. Anz., zuletzt bekleidet mit grau* farrierter Hose, grüner Joppe und ebensolchem Hute. Seit Sonntag abend ist auch der 15 jährige Gymnasiast Julius Koch aus Wetzlar verschwunden. Er ist zuletzt im Wartesaal des Bahnhofs Gießen gesehen worden. (Siehe auch Inserat in der heutigen Nummer. D. Red.)

x Mücke, 11. Nov. Bei einer Schlägerei wurde ein junger Mann, der auf der hiesigen Dampfsägerei in Ar­beit steht, am Kopfe mehrfach verletzt. Er hat Anzeige er­hoben.

n Ruppertenrod, 10. Nov. Die Zahl der wandern­den Handwerksburschen ist um diese Zeit immer groß; gegen Weihnachten erreicht sie ihre Höhe, um dann wieder stetig abzunehmen. Bei der Revidierung der Papiere solcher Hand­werksburschen durch die hiesige Gendarmerie erwischte diese hier einen unsicheren Heerespslichtigen. Er wurde der Zivilkommission zu Alsfeld vorgeführt.

Darmstadt, 11. Nov. Nach der D. Ztg. S. Maj. der Kaiser von Rußland haben dem Stationsvor­steher 1. Klasse Heuß den St. Annen-Orden 3. Klasse, dem Stationsassistenten K ü h n l y den St. Stanislaus-Orden 3. Klasse verliehen.

)( Marburg, 12. Nov. Heute abend brachte die gesamte Studentenschaft Marburgs dem abgegangenen Rektor der Universität Professor Birt, einen F a ck e l z u g.

Vcrmischles.

* Düsseldorf, 11. Nov. In der Gemeinde Bürrig hat die unverehelichte Gertrud Feste ihr neugeborenes lebendes Kind in den Kamin gesteckt und elend verbrennen lassen. Die eigene Mutter brachte die Kindes- uiörderin zur Anzeige, woraus deren Verhaftung erfolgte.

* Aachen, 11. Nov. Der Arbeiter Keßels erstach seine Frau, mit der er seit fünf Monaten verheiratet war, und stellte sich dann selber der Behörde.

* Lieber einen doppelten Kindes mord wird auS Neuendorf im Erzgebirge folgendes mitgeteilt: Die Mörderin A u g u ft e Anna Schmiedl fand sich, nachdsm sie lange umhergeirrt war, bei ihren Großeltern ein. Sie gab an, zuerst den 1 Jahr alten Sohn Paul Max und dann die 7 jährige Tochter Frieda Kamil la getötet zu haben. Das Mädchen habe ihr gesagt: w9)lutter, mach's nicht!"; sie habe geantwortet: /Frieda, es geht nicht anders"^