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12.11.1903 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

153. Jahrgang

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General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Donnerstag 12. NovemberLVVS

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jährlich Mt. 2.20; durch

Nr.

Grjchernt tägltch anher SonnlagL.

Dem Giehener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt btt Siebener Kamltten« bläuet Dterntnl tn der

Woche beigelegt Stttiatlonflbrud tu ®et> lag bet v r ü h 1 'sehen lUiivt ci.-Buch- u. Stein- bnnftvei (Gretsch Erden) Redottwn. ®rpbttu>o unb Drucke reti

Gchulstrahe Adrrlse tüt Depelchenr *

Bngeigee Gießen.

Fernlprechunlchltitz Nr 6L

Äbhole- iu yroetgflellen monatlich 65 PI.; durch ViePoU Mk.2.vienel- täl)rL ausschl. BeNellg. Annahme von Anzeige« Kh Oit Lagesnummer bis osrnrUiagS 10 Uhr. ßctienprctl. Urtai 11 Pt» ilufltvdrBl 80 tilg.

Z>ie Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Nachträgliches vom Zarenbefuch.

R. B. Darmstadt, 11. Nov.

Man begegnet in manchen Kreisen über das Leben, das die Zarensamilie während ihres sechswöchigen Aufenthaltes in Darmstadt resp, Wolfsgarten führte, emer solchen Fülle von Märchen und einander widersprechenden Urteilen, daß eS wohl interessieren dürste, aus Grund genauer Informationen Näheres darüber zu vernehmen. Wer sich den Herrscher aller Russen als den gewaltigen Autokraten auf dem Kaiserthron vorstellt und ihn etwa vergleichen wollte mit dem blutigen Helden Uhlands:Denn was er sinnt, ist Schrecken, Und was er blickt, ist Wut, Und was er spricht, ist Geißel, Und was er schreibt, ist Blut" der würde sich gewaltig täuschen. Zar Nikolaus erscheint in seinem ganzen Wesen nichts weniger als cme Herrschernatur. Die mittelgroße, schlanke Figur mit den großen, treuherzigen Augen und dem blonden Vollbart, der man hier fast täglich im schlichten, dunkelgrauen Anzug mit Schlapphut auf der Straße begegnen konnte, schaut so voll Bonhomie und freundlich-zufriedenerStimmung in die Welt, daß man sofort sympathisch davon berührt wird. Der Zar ist, wie sein Schwager, unser Großherzog, ein eifriger Kunst - und Literaturfreund, der Sinn und Geschmack für die modernen Bestrebungen auf diesen Gebieten besitzt. Er spricht, wovon man sich hier häufig überzeugen konnte, ein ganz vorzügliches Deutsch, ferner ein gutes Englisch, das auch viel im Familienkreise gesprochen wird, und einziemlich gutes Russisch" so versicherte uns wenigstens ein Deutsch-Russe aus seinem Hofstaat. Seiner anmutsvollen Gattin und den vier lieblichen kleinen Prin­zess i n e n mit großer Innigkeit zugetan, hält er auch streng auf ein geregeltes, ungekünsteltes Familienleben. Den beiden älteren Prinzessinnen wurden während ihres Auf­enthalts in Wolfsgarten alle Freiheiten der Jugend gelassen. Sie ritten auf ihren Ponnyswie die Herren reiten" und tummelten sich auf dem Rade, sie spielten Ball und Versteck und amüsierten sich mit Prinzeßchen Elisabeth ganz nach Herzenslust, aber sie wurden auch täglich an den Ernst deS Lebens erinnert durch Unterricht und deutsche Sprachstudien. Hierin haben sie während ihres hiesigen Auf­enthalts sehr gute Fortschritte gemacht, und es soll eines der drolligsten Kapitel aus der kaiserlichen Kinderstube sein, wenn die Kleinen ihrer englisch-russischen Umgebung mit ihren deutschen Sprachkenntnissen zu imponieren suchen. Schloß Wolfsgarten und besonders das schon früher von uns be­schriebene Pupp en heim oder Knusperhäuschen, das der Grob Herzog vor zwei Jahren durch den Darmstädter Professor Olbrich für die kleine Prinzessin dort errichten und mit allem Komfort zu einer behaglichen Wohnung für

Nähe deS Schlosses und stramm präsentierten die Posten. Nun schoß dem bestürzten Gendarmen daS Blut in den Kopf und unter den demütigsten Entschuldigungen nahm er Reiß­aus, so schnell er konnte, indes der Zar sich köstlich über die Verlegenhell des armen Oberhessen amüsierte. Ein zufälliger Beobachter aber will gesehen haben, daß der Grobherzog, der dem Zaren folgen wollte, besten Arretierung von weitem mit ansah und die ganze Szene mit seinem photo­graphischen Apparat verewigte. Das Bild soll später nicht nur dem Zaren viel Spaß gemacht haben.

Eine Probe seines guten Humors gab der Groß­herzog auch gelegentlich emes Einkaufs in einem hiesigen Geschäft, das er mit der Kaiserin und dem Großfürsten Sergius besuchte. Der Verkäufer bat um Entschuldigung, er wolle nur schnell eine Leiter herbeiholen, um das Ge­wünschte, dasda oben" liege, vorlegen zu können. ,O bitte, lasten Sie nur", rief ihm der Großherzog zu,das kann der Lange da besorgen", und unter allgemeiner Heiter­keit griff Großfürst Sergius, der seinen Schwager um mehr als Kopfeslänge überragt, nach der bezeichneten Stelle und überreichte dem Verkäufer das gewünschte Packet.

.KoMische Tagesschau.

Eine Reichstags-Interpellation.

Man schreibt uns aus Berlin, 11. November:

Nach demZeitungsverlag" wird im Reichstag eine Interpellation über das Zeugniszwangsversah- ren gegen Redakteure ein geb rächt werden. Dies scheint uns das richtige Mittel, um die Regierunng für die endliche Beseitigung eines Verfahrens zu interessieren, das den Redakteur in Untersuchungen wegen Preß­vergehens vor die Wahl stellt, durch Nennung seines Gewährsmannes eine BertrauensverletzunA. zu begehen, oder sich der Gefahr einer ganz unveryältnismäßigen Freiheitsberaubung aus zu sehen. In einem, glücklicher­weise vereinzelt dastehenden, Fälle, wo der Name des Gewährsmannes preisgegeben wurde, bedachte der Staatsanwalt selbst diesen Bruch des Redak­tionsgeheimnisses mit Worten der Geringschätz­ung. Jedes neue Vorkommnis auf dem Gebiete des Zeug- niszwangs gegen die Presse, deren Diskretion dqch vielfach crucy von Personen von Rang und Stand beansprucht wird, hat die Ueberzeugung von der Unhaltbarkeit des Zustandes bestärkt. Die Beschlüsse und Eingaben von journalistisch^ Vereinigungen sind gänzlich wirkungslos geblieben. Die Interpellation im Reichstag und deren Besprechung werden dar tun, daß die große Mehrheit der Volksvertretung diesen Zeugniszwang verwirft. Mr glauben nicht fehlzugehen in der Annahme, daß auch hier vom Reichskanzler eine ähn­liche Initiative zu erwarten ist, wie in der Angelegenheit des fliegenden Gerichtsstandes" der Presse.

Z« den deutsch-russischen Verhandlungen.

kurz und bündig, ihm zu folgen.

kleine Leute" ausstatten ließ, soll ihnen überhaupt als das Eldorado in Deutschland erschienen sein.

Es erscheint uns im Anschluß an das Vorhergesagte geradezu als eine publizistische Ehrensache, den vielen un­wahren Ausstreuungen entgegenzutreten, als habe sich der Zar bei uns semes Lebens nicht sicher gefühlt, als fei er aus Furcht vor Attentaten oder nihilistischen Gewaltstrcichen auf Schritt und Tritt von bis an die Zähne bewaffneten Wachtmannschaften umgeben gewesen. Nichts i st lächerlicher als das! Sein ganzes Wesen und Benehmen, seine Spaziergänge und Ausfahrten in der Stadt und Umgebung, sein oftmaliger Theaterbesuch, seine häufigen, ost vier und sechsmal am Tage und auch Nachts auf der einsamen Landstraße zwischen hier und Wolfsgarten im offenen Automobil unternommenen Fahrten beweisen zur Ge­nüge, daß dem Zaren jedes persönliche Furchtgefühl fern liegt. Freilich gegen wahnwitzige Fanatiker oder mordlustige Verbrechernaturen muß heut zu Tage jeder Träger einer Krone durch strenge Wachsamkeit nach Möglichkeit ge­sichert werden, und die Behörden hätten einfach ihre Pflicht verletzt, wenn sie nicht auch dem verehrten Gast und nahen Verwandten unseres Großherzogs den erforderlichen Schutz gewährt hätterr. Daß die A b s p e r r u n g s m a ß r e g e l n auch in Wolfsgarten übermäßig waren, geht daraus hervor, daß z. V. der Bote, ein Hoteldiener, der am letzten Samstag das Bittschreiben der s i n n l a n d i s ch e n Deputation an den Zarez- überreichen sollte, ganz ungehindert bis zum Schloß zu Wolfsgarten gelangte und es dort dem Flügel­adjutanten Grafen Heyden überreichen konnte, der es nicht nur bereitwillig entgegennahm, sondern sofort ausführlich be­antwortete.

Bei einem so komplizierten Veamtenapparat', rote et naturgemäß während der verflossenen Festtage aufgeboten werden mußte, geht es gewöhnlich auch nicht ohne heitere Zwischenfälle ab. Der lustigste wird uns'in folgender verbürgter Anekdote erzählt: Der Zar war eines Tages allem tn dem Großh. Wildpark spazieren gegangen. Als er dabei an einen Kreuzweg gelangte, wurde er von einem dort vostierten Gendarmen, der aus Ober!) essen herangezogen worden war und den Monarchen noch nicht gesehen hatte, angehalten und nach seiner Legitimation ge­fragt. Auf die Antwort des Gefragten, daß er der Zar fei und eine Legitimation nicht besitze, hatte der Gendarm nur ein mürrisches Kopsschütteln, und er ersuchte den Fremden

Aus Berlin, 11. ytovember, nurd uns geschrieben: Am 16. Oktober beginnt in Berlin die Fortsetzung der deutschf-russischen Handelsvertragsverhandlungen. Mr er­fahren hierzu, daß eine Herabsetzung der deut­schen Getrei derninde stzb 1 le, die von verschiedenen Seiten als nicht außerhalb der Möglichkeit liegend be­zeichnet worben ist, auf keinen Fall in Betracht kommt. Dieie Zollpositionen sind schon bei den ersten Verhand­lungen als unabänderlich bezeichnet worden. Die russische Regierung dürste sich denn auch damit ab gefunden haben unb die Erreichung anderer Zugeständnisse ins Auge fassen. TerNationalztg." zufolge-ätzt man die Dauer der zlveiten-Lesung auf drei Wochen.

Kolonialpost.

Berlin, 11. Nov. Eine heute ein gegangene telegra­phische Meldung des kaiserlichen Gouverneurs von Den t sch- Südwestafrika besagt, daß Hauptmann v. Koppy am 1. November mit einer kleinen Abteilung Warmbad er­reicht und die Stationsvorräte intakt vorgefunden hat. Der neue Sammelplatz des Feindes sei unbekannt. Schwierige Wasser- und Weideverhältnisse machen größere Operationen auf dem Schauplätze der Unruhen gegenwärtig unmöglich. Die Verbindung mit Warmbad ist durch Witboü Patrouillen hergestellt.

Nach einer Abeldung aus London soll derdeutsche Konsul in Kapstadt t)ie Kapregierung um die Erlaubnis ersucht haben, eine Abteilung Truppen nach Warm­bad schicken zu dürfen, um 90 Meilen Wegs durch wüstes Gelände zu sparen. Die Kapregierung werde dies wahr­scheinlich ab lehnen aus Furcht, bei den Kap-Holle n- lotten Anstoß zu erregen. Die Deutschen in Sony t-Dr ist, 55 englische Meilen östlich von Warmbad, erwarteten einen sofortigen Angriff der Rebellen, ihre Hottentottenbedienste­ten hätten den Ort verlassen. Eine Anzahl Hotten­totten überschritten den Oranje bei Ramends-Drift, wur­den aber von der Kappolizei zurückgeschlagen. Man schätze die Aufständischen insgesamt auf 1200 Mann; ihre Zahl würde sehr übertrieben.________________

25. Jayresftst des KöervcMchen Jrreins für innere Mljston.

Gießen, 11. Nov.

Die heutige Jahresverfanunlung im Konfirmanden­saal der Johanneskirche war überaus stark besucht. Den Ali sang machte eine wrorgenandacht, in der Detail Wagner v u.....-. .j aus Grimberg Joh 9, 2 auslegre. Es folgten eine Reihe

Da kamen sie in die I von Begrüßungen. Superintendent Petersen aus Darm­

stadt verlas ein Schreiben Großh. Oberkonsistoriums, das dem Verein seine Segenswünsche zu seiner Jubelfeier dar­brachte, und schloß daran anknüpfend seine persönlichen Wünsche für den Verein. Pfarrer Fritsch, Sekretär des Zentralausschusses für innere Mission zu Berlin über­brachte dessen Glückwünsche, und Professor Weimar, der Vorsitzende des Landesausjchus.es der sudwestdeutschen Kon­ferenz für innere Mission, vegrüßte den Verein in be­sonders warmer Weise. Alsdann erstattete Pfarrer Lic. Weber aus München-Gladbach sein Referat über die für unsere Zeit so bedeutsame Frage:Wie können Autorität und Pietät in unserem Volksleben wiederhergestellt wer­den ?" Er hatte ihm eine Reche von Leitsätzen zu Grunde gelegt, von denen die ersten lauten:

1) Aul drm geordneten Verhältnis von Autorität und Freiheit beruht jede organisierte Gemeinschaft; denn keine gesellschaftliche Ordnung ist ohne das Wechsel­verhältnis von Leitern und Geleiteten denkbar.

2- Die unwandelbare Autorität für alle Ge- meinschastskreise eines christlichen Volkes ist Jesus Ehristus, in welchem die göttliche Herrschaft und Autorität ihre vollkommene Offenbarung findet.

3) Durch Christi Autorität, als des Erfüllers des Gesetzes, als des persönlichM Gesetzes der Seinen, der zugleich ihres Lebens Kraft und Halt ist, werden die Autoritäten in Haus und Schule, Staat und Kirche, Ge­sellschaft nnb Völker leben gedeckt, aufrechterhalten und gestützt.

Diese grundlegenden Anschauungen wurden dann im einzelnen in den weiteren Thesen ausgeführt und in den mündlichen Darlegungen aus der Fülle der reichen Erfahr­ung dieses geistigen Führers unserer evangellschen Ar­beitervereine mit großem Nachdruck beleuchtet und er­härtet. Seine Ausführungen fanden in der sehr lebhaften Debatte neben weitgehender Zustimmung manche wert­volle Ergänzung, unb im einzelnen auch, entschiedenen! Widerspruch. Es wurde darauf hingewiesen, wie bei uns allen der Respekt vor den benetzenden Autoritäten ins Wanken gekonrmen sei, weil wir viel kritischer geworden sind, und daß das nicht zu ändern sei. Tas schlimmste sei, daß die Obrigkeiten vielfach selbst kein rechtes Ver­trauen zu ihrer Autorität, und darum nicht den rechten Nachdruck hatten. Auch wurde betont, daß sich heute Autoritäten nur dadurch hallen könnten, daß sre durch ihren sittlichen Wert Respekt erwecken, und daß der Wider­spruch gegen falsche unb sittlich unwürdige Autorität unter Umständen gerade der Beweis sittlichen Ernstes, der sich vor der göttlichen Autorität beugt, sein könne. Auch die, Schwierigkeit zu entscheiden, wie weit menschliche Auto­rität durch Christi Autorität gedeckt sei, wurde anerkannt. Die Ueberzeugung aber wurde gewiß in allen gestärkt, daß für die Erziehung unseres Volkes zu sittlicher Frei­heit und charaktervoller Selbständigkeit Autorität unb Pietät unveräußerliche Elemente feien, und daß es Pflicht jedes einzelnen sei, dafür in seinem Kreis zu wirken, gegen die schrankenlose Aufklärung aller Autorität und Pietät anzukämpfen, vor allem aber für sich selbst das Recht einer sittlichen Autorität zu erwerben. Die Kirche könne das auch nur, wenn jte die göttliche Gerechtigkeit surcht- los und ohne Ansehen der Person nach oben unb unten! vertrete.

Es war ein reicher Abschluß einer fünfundzwanzig- jährigen Arbeit, den dieses Fest mit seinen Versammlungen! und Verhandlungen bot. Däöchte er verheißungsvoll sein für die Fortsetzung dieser Arbeit unter vielleicht größeren und schwierigeren Ausgaben, die das nächste Vierteljahr- Hundert bieten kann!

Leutnant IMse vor dem Kriegsgericht.

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Metz, 11. Nov.

Leutnant Habenichts (in dem Roman Specht) fühlt sich im Roman getroffen, weil hier ein wirklicher Vor­gang bei Abfassung eines Strafberichts genau kopiert wurde. Die ihm noch vorgeworfenen Dienstversäumnisse leugnet er. Mit Mädchen geht er angeblich nur um, wie jeder Leutnant. Das Tanzen mit vor gebrückten Knien hat er nach Liebesmahlen nur den Kameraden gezeigt, mit Damen hat er seines Wissens nicht so getanzt. Zeuge ist der lieber* zeugung, daß bas Verhältnis Wittes zu Frau Koch kein unsittliches war.

Zeuge Leutnant Bl o cc (Kolberg) gesteht zu, daß er Frau Hauptmann Ertler in dem Briefe, indem er sieDu" nannte, um ein Rendezvous gebeten. In unsittlichen Be­ziehungen mit ihr stand er nicht. Er gesteht aber einsame Spaziergänge mit ihr zu. Deswegen sei es aber zum Duell mit Hauptmann Ertler gekommen, weswegen er zurzeit sechs Monate Festung verbüßt.

Oberleutnant Lindner, der jetzt der Landwehr an­gehört, erscheint in Zivil. Er war mit den Eheleuten Haupt­mann Ertler gut befreundet. Sie hatten keine Ahnung von den unsittlichen Verhältnissen in Forbach. Die Em­pörung über oic Geschichte mit Witte-Koch (Ehebruch) führte Ertler und uns sehr zusammen. Frau Ertler war bei des Gatten Versetzung nach Spandau 14 Tage in unserem Hause, als sie eures Tages einen Brief bekam, infolge­dessen sie sich sehr ausfällig benahm. Angeblich enthielt der Brief eine Einlaoung zum Amtsrichter Goiben. Zeuge sandte abends einen Boten, die Dame abzuholen, da sie herzkrank sei. Den Von der Dame zerrissenen Brief sanden wir auf unb sahen, baß es sich um ein Rendezvous handelte. Nachts um 1 Uhr schlich sie auf den Zehenspitzen die Treppe hinauf. Am Tage darauf ging ich mit Ey zum Vorsitzenden, Major Fuchs, nm Anzeige zu machen, da ich die Ehre meines Hauses wahren mußte. Major Fuchs sagte:Wersen Sie bas Frauenzimmer hinaus, fte ist keine Offiziersbame mehr."