Ausgabe 
12.9.1903 Erstes Blatt
 
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Nr.S14

«rffletnt «Sgl»» außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien» Mattei viermal in der

Woche beigelegt RotanonSdruck u. Ver­lag bei Brühl'schen Untvers.-Buch- u. Stein- drucke re« (Pietsch Erder«) Sebattionv Expedition und Druckerei:

Schulstratze *! Adresse für Depeschen:

«uzetger Gießen.

KrrnlprechaaschlußNr.51.

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Erstes Blatt. 153. Jahrgang Samstag IE.September 1803

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Amts- und Anzeigeblait für den Kreis Gießen MWZ

zeigenteti: Hans Beck.

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mittelst eines hydraulischen Apparates können Früchte rc. bis auf ca. 300 Atmosphären selbst von einem Kinde zu- sammengedrückt werden, sodaß nicht allein die leichte Hand­habung, sonderir auch die rationellste Ausnützung der Frucht­säste erreicht ist. Diese Presse wurde uns im Betriebe vorgeführt, und wir sahen, daß mehrere Holzbalken von ca. 15 Quadratzentrmetern Querschnitt spielend flach dnrcb- gedrückt wurden.

Diesen großes Geschütz führenden Firmen folgen als Vertreter anderer leistungsfähiger Maschinenfabriken die Maschinenhandlungen von Rosenthal- Gießen, Hutter Frankfurt, Schief er st ein-Lich und andere, deren Auf­zählung den Rahmen dieses Berichts überschreiten würde.

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Sämtliche Firmen geben uns ein beredtes Zeugnis dafür, daß man im Interesse der Landwirtschaft rege weiter gearbeitet und Verbesserungen^ der Maschinen ein; ährt hat, welche die Produltionskosten auf ein Minim be­

hüt diese Firma unter ihrer reichhaltigen Sammlung von Pflügen mit verstellbarer Furchenführung ausgestellt, der besondere Betrachtung verdient. Sämtliche Pflüge sind mit staubgeschütztem Lager versehen und von gutem Stahl-Eisen hergestellt. Unter ihren übrigen Maschinen, wie Gras­mähern, Heuwendern, Getreidemähmaschinen, Garbenbin­dern, Häckselmaschinen, Schrotmühlen ist noch die neue Drill­maschineMiranda" zu erwähnen, deren Saatkasten einen federrüien Boden besitzt, sodaß auch harte Gegenstände, wie kleine Steine rc. trotzdem ohne Störung durchlaufen können.

Fr. Hollmann u. Sohn, Oberndorfer Hütte bei

&). . Braunfels, zeigen uns als Neuheit chre Optima-Dresch-

D VkrLtJL maschine mit .aufklappbarem Dreschkamm für Handbetrieb

cxz* e oder Göpel, ferner ihre neue Wiesenegge, wobei eine Ver-

catuALato, u,. stockung vollständig ausgeschlossen ist, uud die durch die

Wie die übrigen landwirtschaftlichen Maschinenfabriken, hat auch die von Ph. Mayfart u Co.-Fränkfurt a M.

4'.5002. gewohntermaßen eine äußerest reichhaltige Zusammenstell- --- ang ihrer Fabrikate gruppiert. Ihre neue Reihensähmaschine mit verstellbarer Lochöffnung, Abstreis- und Transporteur- Vorrichtung hat Aufsehen erregt. Desgleichen ihre Original amerikanische Massey Harris-Getreide-MähmaschineRea- pere" und Elevator-Binder mit Transportwagen, der eines­teils eine leichte Beweglichkeit aus der Straße, andernteils ein vorzügliches selbsttätiges Zusammenheften der Garben vermittelst eines Hanfstrickes gewährleistet. Im übrigen hat die Firma alle sonstigen gangbaren landwirtschaftlichen Maschinen ausgestellt, und alle zeichnen sich durch solide Konstruktion und Brauchbarkeit im Betriebe aus. Beachtung verdient noch für Interessenten die hydraulische Wein- und Obstpresse mit doppelten, auswechselbaren Preßbütten, die auf Schienen leicht transportiert werden können. Ver-

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daß die Bretter auf dem Platze verhältnismäßig fest zu° sammenhielteu, während doch auf der Grünbergerstraße der Sturm einen mächtigen Kastanienbaum im Stamme zerbrach und über die Straße fällte, wobei zwei alte Leute, die gerade des Weges daherkamen, mit knapper Not dem Tove entgingen.

Wir fahren nun heute in der Berichterstattung über einzelne Teile der Ausstellung fort und geben zunächst im Anschluß an die erwähnte Wanderversammlung der Bienenzüchter eine kurze Darstellung der

Bienen- und Honigausstelluvg.

Wie das Veilchen im Verborgenen blüht und duftet, so präsentiert die Bienenausstellung ein liebliches Bild, bescheiden abseits gelegen am nordöstlichen Teil der Aus­stellung. Auch der Sporn des Veilchens fehlt nicht; er ist aber etwas spitzer und unnahbarer als jener, denn die stachelbewehrten Bienen können sich manchem Unberufenen, Neugierigen, unangenehm bemerkbar mache::. Aber die Be­sichtigung der ausgestellten Sammlungen ist ungefährlich. In Stabil- unb Mobilstöcken sind zunächst verschiedene Bienenrassen dem Urteile des Preisgerichts zugänglich ge­macht. Nach Volksstärke, Brutreichtum und Wintervorrat ergaben die Untersuchungen ein recht günstiges Resultat, sodaß die Bienenzucht als auf der Höhe der Zeit stehend sich erwies.

Ein angenehmes Bild bietet die Honigausstell- u n g. Auf schön dekorierten Gestellen stellt sich die süße Götterspeise in verschiedenen Formen und Farben dar, teils kristallisiert oder flüssig. Hier ergaben mit geringen Ausnahmen die Proben den Preisrichtern ein ebenso gün­stiges Resultat. Für die Preisrichter war die Verteilung der Prämien keine leichte Ausgabe, denn bei gleichwertigen Ausstellungen der einzelnen Imker fiel die Entscheidung recht schwer. Neben dem Honig wurde auxfy Wachs, eben­falls ein Produkt der Bienen, in verschiedenen Formen und Farben gezeigt, gegossen in Fisch-, Trauben- und Kuchen- sorm. Selbst Miniaturstrohkörbe sind, kunstvoll aus Wachs geformt, zu sehen.

Auch die Lehrmittel für die Bienenzucht fehlen nicht. Bücher, Bilder geben Aufschluß über Bienen­zucht-Freunde unb -Feinde. Präparierte Bienenfeinde, so- wohl aus der Vogel- wie der Jnsektenwelt werden uns vor Augen geführt.

In den für die Bienenzucht erforderlichen Uten­silien haben die bekannten prämiierten Frrmen recht Tüchtiges geleistet. Die Bienenwohnungeu, Honigschleuder- maschinen, Rauchapparate usw. sind in bester unb prak­tischster Ausführung vertreten.

Nach Schluß der Ausstellung kommen etwa 6 Zentner Honig zur Verlosung. Doch ist auch jetzt schon kauf­lustigen Besuchern Gelegenheit geboten, einen Vorrat dieser gesunden Lieblingsspeise besmrders der Kinder zu erstehen.

Fassen wir das Gesamtergebnis der Bienen- und Honigausstellung zusammen, so sehen wir, daß die Bienen­zucht ,chie Poesie der Landwirtschaft", wie sie in Büchnern ost genannt wird, in Oberhesseu eine gute Pflege genießt

erster Linie kommen die Maschinenfabriken Hen­ninger u. Co.-Darmstadt, Fr. Krupp, A.-G-Magdeburg- Buckau, Gebr. Lutz, Fr. Hollmann u. Sohn, Aktien-Bau- gesellschaft vorm. Venuleth u. Ellenberger, Darmstadt, Hch. Hollmann u. Co., Fabrik landwirtsch. Maschinen und Eisen­gießerei, Burg-Solms, Ph. Mayfart u. Co.-Frankfurt a. M., Maschinenfabrik und Pflugbauanstalt, M. Rosenthal, Ma­schinenhandlung in Gießen, Hch. Welb u. Söhne, Wagenfabrik in Offenbach a. M. und Maschinenfabrik Badenia in Betracht.

schränken. Es würde zu weit führen, alle Einzelheiten hervorzuheben,, die die eine oder andere Fabrik besonders vor Augen führt, und so wollen wir nur auf bie n eueften Errungenschaften aufmerksam machen.

Wie schon bei. der letzten hiesigen landwirtschaftlichen Ausstellung, hat auch heute die Maschinenfabrik A. Hen­ninger u. C o.-Darmstadt eine reichhaltige Auswahl ihrer Maschinen und Apparate ausgestellt. Es ist besonders hier­bei ihre Straßenlokomotive mit Differenzial-Getriebe und Seiltrommel-Winde hervorzuheben. Diese ernröglicht ver­schiedene Fortbewegungsgeschwindigkeiten, auch Lasten an­zuziehen. Dies geschieht dadurch, daß man auf eine Seil­trommel ein Drahtseil aufwinden läßt, wodurch von irgend einem Standpunkt der Maschine aus beliebige Lasten j: jeder Richtung fortbewegt werden können. Unter anderem führt uns -diese Firma eine Dreschmaschine vor, welche mit Ringfchmierung unb Patent-Saugapparat ausgestattet ist und einen ganz besonders langen Strohschüttler- und Reinigungsapparat besitzt, der die gedroschenen Fruchthalme besonders rein auswirst. Als Spezialität fällt eine Anzahl Kurbelwellen ins Auge, die für sämtliche deutsche und eng­lische Dreschmaschinen passe::.

Fr. Krupp, A.-G.-Magdeburg-Buckau, hat uns eine reiche Ausstattung von Excelsior-Schrotmühleu verschiedener Konstruktion im Betriebe vorgeführt,, welche vermittelst elektrischen Antriebs in Bewegung gesetzt werden, wozu die elektrische Zentrale für die Festbeleuchtung der Firma In­genieur R. Fertsch", auf deren Inserat in der heutigen Nummer wir Hinweisen, Motorstrom liefert. Diese Schrot­mühlen besitzen Hartguß-Mahlscheiben, die aus dem be­rühmten Gruson-Guß eisen hergestellt sind und durch 'ihre vorzügliche Qualität und Konstruktion ein ausgezeichnetes Mahlgut zu Wege führen. Besonders ist noch der Stein­brecher dieser Firma hervorzuheben, welcher zum Vor­brechen von Kalt, Gips, Zement, Thomasschlacken, Basalt- stein rc. dient und bei einer Leistung von etwa 1250 Kgr. in der Stunde nur drei Pferdekräfte beansprucht. Dieser wird gleichfalls vermittelst eines Elektromotors in Be­wegung gesetzt.

Wie bei früheren Ausstellungen, so hat auch heute wieder die Firma Gebr. Lutz, A.-G.-Darmstadt, eine reichhaltige Zusammenstellung ihrer Fabrikate vorgeführt. Im Be­sonderen zeigt sie uns eine Dampfdreschgarnitur, bei welcher der Dreschwagen mit Kugellager und Ringschmiervorrichtung versehen ist, die dazu gehörige Hochdrucklotamobile eine anker lose gewellte Feuerbüchse hat und ihr Dampscylinder vorständig von Dumpf umspielt wird. Besonders aber ist Hervorzuhebe::, daß die Feuerbüchse der Lokomobile auf Federn und die Vorderseite auf einer starken Gummiplatte ruht, sodaß die Kessel- resp. Nietverbindungen während des Betriebes und wäyrend des Fahrens möglichst vom Stoß verschont sind. Als besondere Neuigkeit führt sie uns noch einen patentierten Hebel mit Rollenführur:gen vor, ver­mittelst dessen selbst die schwersten Lasten mit Leichtigkeit bewegt werden können. Auch einen Kartoffel-Ausgrabepslug

Anordnung der federnden'Deichsel sich auch an größere Bodenunebenheiten leicht anschlägt. Unter ihren Pflügen kommt der sogenannte Wendepflug und Häufel-Pflug mit verstellbarem Streichblech in Betracht. Auch in Frucht­reinigungsmaschinen zeigt uns diese Firma ihre Leistungs- sähigleit. Ihre Rübenschneidmaschinen, Schrotmühlen und die Obstpressen verdienen ebenfalls Beachtung.

Äeber maschinelle Betriebe in der Anwendung der Landwirtschaft.

Unter der Ungmrst der wirtschaftlichen Verhältnisse, unter denen besonders die Landwirtschaft zu leiden hat, muß alles mit Freuden begrüßt werden, was neben Ver­feinerung und Vereinfachung des Betriebes eine Verbillig­ung der landwirtschaftlichen ProduktionsLosten herbeizu­führen imstande ist. Ein interessantes Mld des Fortschritts der landwirtschaftlichen Maschinentechnik gibt uns die land­wirtschaftliche Geräte- und Gebrauchsgegenstärwe-Aus- stellung.

Bei unserer Besichtigung haben die Spezialausstell- ungen der Maschinenfabriken besonders' unser Interesse hervorgerusen.

landwirtschaftliche Movinzial - Ausstellung, v.

Gießen, 12. Sept.

Tas war gestern ein rauher, stürmischer Ausstellungs­tag, der den vielen und mühevollen Aufwendungen an Arbeiten und Vorbereitungen sehr arg mitspielte. Besucht war der Ausstellungsplatz, gewiß; dieseUngunst der Wit­terung war ja von den auswärtigen Besuchern nicht vor­ausgesehen worden. Und die Leiter und Ordner und Aus­steller selbst mußten ja wohl ober übel in Wind und Wetter ihr pflichtschuldiges Dasein auf der Ausstellung erfüllen, gute Miene zum bösen Spiel wachen unb, wenn sie allzu­sehr froren, von Zeit zu Zeit mit einem guten Trünke ihren Lebenskräften wieder aufhelfen. Der Platz war natür­lich bald überschwenrmt, die Regengüsse hielten an, und unerbittlich fegte der falte Sturm über die Bretterhäuser unb Zelte, daß die Fahnen laut knatterten^ die Stangen sich bogen, und die frierenden Menschen den Aufenthall im Freien und allzu luftigen Zelten, so viel sie konnten, mieden. Die große Festhalle bot um die Mittagszeit einer größeren Anzahl von Frierenden und Hungernden ein gutes, warmes Mittagsmahl. Aber behaglich niederlassen konnte man sich in der weiten Halle, durch die der Sturm pfiff, nicht. Einzelne Stellen des Daches ließen auch die Nässe uiedertropfen. Den Musikern unserer Regiments^- kapelle, die in den Mittagsstunden auf der für sie er­richteten Tribüne ihre Weisen erklingen ließen, wollte es do aben, wo der Wind die Tücher schwellte, gar nicht ge­fallen; sie stiegen herab und setzten an einem etwas ruhi­geren Ort chr Spiel fort.

Droben im Restaurant Liebighöhe, eine Treppe hoch, gab es ein Stübchen, da war es gemütlich warm. Ta saßen die Festveranstaller, Leiter und Preisrichter, und ich glaube, sie hatten sich ein FeuerchM im Ofen anmachen lassen. Ta wurde geschrieben und gebucht und von der Misere des Wetters kaum gesprochen. Das war am besten so; der Landwirt muß sich vor allen anderen in die Fügungen des Himmels schicken.

Drunten im großen Saale tagte dieWander-Ber - sammlung des Bienenzüchtervereins für Ober Hessen. Es war eine sehr ansehnliche Versammlung, und sie verlies durchaus ergebnisreich. Mr wollen den Vortrag des Herrn Hotz-NiddaWie können bie Imker die Tracht verbessern und die Bienenzucht heben?" dem- rmchst etwas ausführlich im Landwirt" bringen.

Diese Veranstaltung der Bienenzüchter war, abgesehen von den Arbeiten ber Preisrichter, bie ihr Amt nicht leuht empfunden haben werden, gestern der einzige nennens­werte Vorgang auf der Ausstellung. Sonst fielen nur in hohem Gedankenfluge sich ergebende Hüte ins Auge, die, einmal losgelassen, mit ungeheurer Geschwindigkeit über den feuchten Platz wirbelten, einzelne Trümmer von Regen­schirmen, die von ihren Besitzern mutlos und entsagungs­voll im Stich gelassen wurden, und vereinzelte wetterfeste Mitmenschen, deren Kleider nach dem Winde hingen. Es liegt eine grausame Ironie darin, wenn man konstatiert.

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