Der Direktor der Pariser Filiale einer amerikanischen Versicherungsgesellschaft teilte einem Berichterstatter mit, daß noch vor vier Wochen bei der Stuttgarter Filiale der Gesellschaft ein Versicherungsantrag für den König Alexander und die Königin Draga gestellt, jedoch abgelehnt worden sei. Ein Beamter der Gesellschaft, der vor drei Wochen in Belgrad war, erklärte, man habe dort allgemein die Empftndung gehabt, daß inan an dem Vorabend einer Katastrophe stehe. Em Offizier habe ihm gesagt, die Armee und die Polizei gehorche nicht mehr. Als vor kurzem ein Volkshaufe vor dem Schloß deinonstrierte und der König befahl, die Menge zu vertreiben, sei der Befehl nicht ausgeführt worden. Seit mehreren Wochen schon hat der König und die Königin nicht mehr gewagt, das Schloß zu verlassen.
Königin Natalie, welche seit 14 Tagen bei ihrer Schwester, der Fürstin Ghika, in Versailles weilt, er- ftchr das blutige Ereignis telephonisch von dem serbischen Gesandten. Sie weigert sich, irgend welchen Besuch zu empfangen. — Nach einer anderen Meldung erhielt die Exkönigin Natalie die Nachricht von der Katastrophe in der Kirche von dem Abbe Solange, ihrem Beichtvater. Sie schluchzte heftig und rief: „Mein armer irregeleiteter Sascha!
Peter Karageorgjewitsch ist aus der Kriegs- /schule von Saint Cyr hervorgegangen. Er machte den Krieg von 1870/71 als Leutnant in der Fremdenlegion mit. Daraus gehörte er der französischen Armee noch mehrere Jahre an Im Jahre 1875 nahm er an der durch seinen Onkel Michael Karageorgjewitsch veranstalteten Erhebung teil, die indirekt zum russisch-türkischen Kriege führte. Er weilte gestern nachmittag noch in Genf. Er ließ um 1/2O Uhr nachmittags einem Journalisten auf dessen Anfrage sagen, er habe noch keine offizielle Nachricht, er wisse nocb nicht, ob und wann er nach Belgrad abreisen werde, und ob er wirklich zum Könige proklamiert sei. Immerhin erklärte er, daß sich unter den Unterzeichnern der Proklamation des neuen Alinisteriums mehrere | einer Anhänger befänden. Bestimmte Namen nannte er nicht, mit der Begründung, der Telegraph habe die Namen entstellt. — Beide Söhne Karageorgjewitsch', Georg und Alexander, besuchten Genfer Schulen, bis sie nach Petersburg kamen, wo sie noch heute weilen
Die neue Regierung ist gebildet: Ministerpräsident ist Jowan Avakumowitsch. Er ist 58 Jahre alt. Der neue Minister des Innern ist Siojan Protitsch, einer der hervorragendsten Führer der Radikalen. Er zählt 47 Jahre. Mi- mster deL Aeußern wurde Ljubomir^Kaljewüsch, Justizminister Ljubomir Schiwkowitsch, einer der hervorragendsten Führer des linken Flügels der Radikalen, Handelsminister Gontschitsch, Finanzminister Dr. Wojislaw Weljkoivitsch. Der neue Kultusminister Ljubomir Stojanowitsch ist seiner Parteistellung nach ein Radikaler und ein hervorragender Gelehrter. Der neue Ministerpräsident Avakumowitsch erklärt in einer Proklamation, er garantiere mit seinem Kopfe für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Die „91 Fr. Pr." erwähnt, daß der Justiz Minister Schiwkowitsch und der Minister deS Innern Protitsch, die von Peter Karageorgjewitsch in das neue Robinet berufen seien, unter König Milan zu 20 Jahren Kerker verurteilt worden waren. Der Handelsminister Genk- schitsch sei der Hauptgegner der Königin Draga gewesen und unter König Alexander wegen Majestätsbeleidig- nng verurteilt worden.
In- und ausländische Stimmen.
Fast alleserbischen Blätter sind vollHohn auf Alexandra und Draga. Tie „Schtampa" beschließt ihren Bericl)t mit den Worten: „Möge das Auge ausfallen, welches sie beweinen würde". „Belgradske Nowine", bekannt durch Beziehungen zum Hofe, meint, dies Ereignis bedeute das Aufbrechen schönerer Tage für Serbien. Das „Male Journal" sagt, der' Sohn des serbischen Nero habe ausgehaucht, und nennt Alexander blöde und ein moralisches Scheusal, Draga eine Metze und segnet die Hände, welche sie umbrachten. 9tur das Organ der gemäßigten Radikalen hält sich maßvoll und beschließt seinen Artikel mit den Worten: „Der König ist gefallen, hoch das Vaterland!" Die Regierungsblätter „Sloga" und „Dtale sJtotoine" haben ihr Erscheinen eingestellt.
Neber die Ereignisse in Belgrad hat in Berlin gestern nachmittag eine längere Konferenz zwischen dem Berliner serbischen Gesandten und dem Staatssekretär des Auslvärtigen Freiherrn v. Richt Hofen stattgefunden.
In den Kommentaren der Berliner Blätter kommt übereinstimmend der Abscheu über diesen politischen Mord zum Ausdruck. Vielfach wird daran erinnert, daß die Dynastie Obrenowitsch gerade an demselben Tage, geendet hat, an welchem vor 35 Jahren Fürst Michael, für welchen gerade ein Requiem stattfiuden sollte, ermordet wurde.
Das „Berl. Tagebl." führt die Ereignisse auf den lüngsken Gewaltstreich des Königs Alexander zurück. Tas Schreckensregiment habe das Volk in Schranken gehalten, aber die Armee sei dur^ch die Anhänger der Familie Kara- georgiewitsch unterwühlt worden, während sich allgemein die Diplomatie, insbesondere aber bic österreichische, der größten Sorglosigkeit hingab. Tas Blatt schließt seine Betrachtungen wie folgt: Es sei nicht anzunehmen, daß aus der blutigen Saat für di« Wohlfahrt von Land und Volk wirklich Ersprießliches werde erstehen können.
Tie „Boss. Ztg." schreibt: Kein Racheakt, keine anar- chistischc Wahnsinns-Tat liegt vor. König Alexander selbst hat den Anstiftern die politische Rechnung leicht gemacht, die einen Strich unter sein und seiner Gatlin Leben setzten. König Alexander war alles andere eher, als ein Soldat. Er vernachlässigte die Armee und dieser schwere Fehler im Zusammenhang mit anderen Mißgriffen hat sich bitter an ihm gerächt Tas österreichisch-russijche Einvernehmen steht vor einer schweren Belastungsprobe.
Die „N ation al-Zt g." äußerl sich dahin: Die Reisen der Staatsoberhäupter l)aven in ganz Europa die Zuversicht aus die irrhaltung des allgemeinen Friedens noch weiter verstärkt Judeften bildet das Belgrader Ereignis ein warnendes Rieneteiel, welches die Erinnerung zurückruft, daß die Epoche der KabinettS-Politik abgelausen ist, daß in unserem Zeitalter nicht allein die Fürsten und Re- gierungen es sind, »velche die Entwickelung der Staaten bestimmen. Dem Bomben ^lltenial von Saloniki ist das Blutbad auf dem Fuße gefolgt Wenn die Regierungen aber auch keinen Einfluß besitzen, auf jene unsauberen Elemente, so können sie durch diplomatische Eiiwersrändnisfe
den sonst unberechenbaren Folgen revolutionär-anarchisti- cher Ausbrüche gewisse Grenzen ziehen.
Tie „Dtsck)e. Tagesztg." fragt: Was nun? Den Ver- chwörern scheine die Lösung der Frage leicht gewesen zu ein, indem sie Peter Karageorgiewitsch zum Könige pro- Namieren. Indessen dürste Mon tenearo seine Absichten auf Serbien nicht so leicht aufgeben und wenn es hierüber zu Streitigkeiten käme, wäre ein Eingreifen O est e r- reichs und Rußland s unvermeidlich. Esseiübrigens ehr die Frage, ob nicht Rußland schon einen eigenen Kandidaten für den serbischen Thron in Bereitschaft habe.
Tie „Tägl. Rundschau" sagt: 9llcht eine Tragödie hat mit d.en Flintenschüssen, die das Haus Obrenowitsch vernichtete, ihren Abschluß gefunden, sondern ein Possen- piel hat mit dem Blutbad geendet, die uns erschüttert, aber mehr noch unseren Widerwillen erregt Mit der Ermordung des Königspaares ist Serbien in ein Meer von neuen Gefahren und Schwierigkeiten gestürzt
Wie das Reuter-Bureau erfährt, herrscht in den Kreisen der hohen Diplomatie in London die Ansicht, daß den Mordtaten ein Bürgerkrieg nicht folgen werde. Seit seiner Verheiratung sei der König beim Volke sehr wenig beliebt gewesen. Die Proklamation des Fürsten von Montenegro, des Schwiegersohnes des Prinzen Karageorgjewitsch, sei die wahrscheinlichste Lösung der Lage und seine Wahl am annehmbarsten für das Volk. Es sei bekannt, daß jede europäische Macht auf den Frieden bedacht sei und keine Macht den Krieg wünscht. Sollten unerwartete Verwicklungen entstehen, so werde angenommen, daß sofort österreichische Truppen in Serbien einrücken, um die Ordnung wiederherzustellen. Dieser Fall sei durchaus unwahrscheinlich.
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 11. Juni 1903.
Anwesend: Oberbgm. Mecum, die Beigeordneten Georgi, Heyligenstaedt und Curschmann und die Stadtverord- neten in beschlußfähiger Zahl. Entschuldigt hatten ihr Nichterscheinen die Stadtv. Emmelius und Huhn.
Bei Eintritt in die Tagesordnung nahm Oberbgm. Mecum das Wort, um die Tiensteinführung und Verpflichtung des Beigeordneten Curschmann zu vollziehen. Er führte dabei aus, daß man vor Jahresfrist, als der verdiente Beigeordnete Wolff unsere Stadt verließ, an die Frage herangetreten sei, einen neuen Beigeordneten zu erwählen. Aller Augen waren damals auf Gerichtsaftessor Curschmann gerichtet, dem der Ruf eines ausgezeichneten Juristen voranging. Da Herr Curschmann seither noch nicht im Verwaltungsdienst beschäftigt gewesen war, so glaubte damals die Stadtvertretung, ihm ein Jahr lang Gelegenheit geben zu sollen, sozusagen während einer Probezeit als Ma- gistratsassessor sich in den Dienst der städtischen Verwaltung einzuarbeiten. Es hat aber, so fuhr Oberbgm. Mecum fort, indem er sich an Herrn Curschmann wandte, dieses Jahres nicht bedurft, nachdem Ihre Liebe zum Verwaltungsdienst und Ihr Diensteifer sich seither reichlich bewährt haben. ES ist die Genehmigung dazu erteilt worden, Assessor Curschmann zum besoldeten Beigeordneten der Stadt Gießen einzustellen. Oberbgm. Mecum richtete des weiteren noch an den neuen Beigeordneten die Bitte, in seiner Tätigkeit und seiner Tienstfteude so wie seither sortzufahrcn, bann werde ihm das Vertrauen nicht fehlen, oas auch sein Vorgänger in so reichlichem Maße besessen habe. Nachdem dann Beigeordneter Curschmann die kurze Eidesformel gesprochen hatte, überreichte ihm Oberbgm. Mecum das Zeichen seines neuen Amtes und hieß ihn als Kollegen in der Stadtverwaltung willkommen. Beigeordneter Curschmann erwiderte mit der Versicherung, daß er sich bemühen werde, das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und richtete Worte des Tankes an Oberbgm. Mecum, den er bat, ihm auch fernerhin mit seinem Rat und seiner Unterstützung beizustehen. Ferner richtete Beigeordn. Curschmann schöne Worte an die Stadtverordneten, indem er der Freude darüber Ausdruck gab, daß es ihm vergönnt sei, in seiner Vaterstadt zu wirken und die Hoffnung aussprach, daß die gemeinsame Arbeit zum Segen der Stadt ausschlagen möge.
Man trat dann über zum zweiten Punkt der Tagesordnung. Es wurde die A u s l 0 s u n g vonSchuldver- [djreibungcn von 1890er und 1892er Anlehen durch Oberbgm. Mecum und mehrere Beamte vorgenommen.
Zu Punkt drei der Tagesordnung erklärt Oberbgm. Mecum, das Baugesuch des Jakob HartmannII. von Heuchelheim habe die Stadtverordneten schon das vorige Mal beschäftigt. Es sei dabei übersehen' worden, daß das Gesuch, das genehmigt worden war, noch des Dispenses von § 18 des Lfttsbaustatuts bedürfe. Dieser Dispens wird von der Baudeputation vorgeschlagen und von der Versammlung genehmigt.
Bei dem B a u g e f u ch des Jakob Atzbach für die Marburgerstraße handelt es sich um ein Werkstattsgebäude, dessen Errichtung nack) dem Antrag der Baudeputation dem Gesuchsteller genehmigt werden soll unter der Bedingung, daß er, wenn die Stadt dies von ihm verlangt, das Gebäude in spätestens fünf Jahren wieder abreißen soll, nämlich wenn die Anlage der neuen Ringstraße dieses wünschenswert erscheinen lasse. Stadtv. Petri und K i r ch haben das Bedenken, daß man an den Gesuch st eller nicht wohl eine solche Zumutung stellen könne, indem die Errichtung des Gebäudes doch ziemliche Aufwendungen mache. Stadtv. Hanau fragt an, warum man zu den fünf Jahren gekommen fei. Es wäre ftüher doch die Bemerk- ung gefallen, es handle sich beim Aushau des nördlichen Stadtteils nur um Monate. Auch er meint, daß es nicht billig sei, von dem Gesuchsteller zu verlangen, daß er das Gebäude, das ihn vielleicht ca. 5000 Mark losten könne später wieder abreißen solle. Oberbgm. Mecum begründet die Aufschiebung des Ausbaues jenes Stadtteils damit, daß die Kanalisation erst fertiggestellt sein müsse und antwortet im übrigen, daß das Interesse der Stadt und das Ansehen der neuen Straße es eventuell verlangten, daß man eine Handhabe sich schaffe zur Verhinderung von unschönen Anlagen. Und eine Schönheit werde das Werk- stattsgebäude für die neue Ringstraße nicht. Würde man jetzt über das Bedenken hinweggehen, so würde man das 1 pater wohl mit Recht bedauern. Danach wird im Sinne der Baudeputalion entschieden.
Verschiedene kleine Rechnungen, die die Stadt auf sich nehmen und bezahlen soll, werden von der Versamm' lung genehmigt
©ei Punkt 6 der Tageso.dnung handelt es sich um 9t pa- ratui des städtischen Pflasters bei den Einfahrten beim Gaswerk uno dem Popamt 2 sowie bei der slädlischen Waage inder Frankfurter st raße 9tach der Ansicht der Baudeputation, so teilt Oberbgm. yjtecum
mit, solle man von der Reparatur beim Gaswerk ad sehen, da dort die Zustände noch nicht zu schlecht ieien. dagegen sei für die Arbeiten am Postamt 2 eine 'Ju£g<we von 170 Mk. und für die an der städtischen Waage von MO Ml. vorgeschlagen. Stadtv. Hanau stellt fest, dag die Verhall- nisse in dieser Beziehung in unserer Stadt unhaltbar )eien. Tas Pflaster fei äußerst dürftig, es seien oft -^odjer rc. darin, die d.ie Straßen unpassierbar machten, cberbgqj. Mecum erwidert daß das Pflaster über dem neuen Kanal ja von Zeit zu Zeit umgepflastert werde. Stadtv. fß 1 r r stellt noch eine Anfrage, ob es nicht anginge, den dienst der Lastwaage am Neustadier Tor, wenigstens während der Sommermonate, etwas früher zu beginnen, etwa um 6 Uhr oder noch früher, statt er ft um 7 Uyr. Um 7 Uhr zu beginnen, sei entschieden z>u ibät: man habe das seither oster empfunden. Oberbgm. Mekum sagt daraus, man habe früher den Termin auf 7 Uhr festgesetzt und stimmt dem Beigeordneten Georgi bei, der erklärte, man habe das darum getan, weil die Verlaoungen bei der Bahn nickst früher anfingen und man deswegen lieber abendS den Dienst der Waage etwas länger habe ausdehnen wollen. Stadtv. Pirr bleibt dabei, um 7 Uhr zu beginnen, fei zu spät. Die Versammlung geht, nachdem fte Punkt 6 im ^inne des Antrags der Baudeputation erledigt l-at, zur weiteren Tagesordnung über.
Verschiedene kleine Reparaturen" von asphaltierten und cementierten Bürgersteigen, die in diesem Jahre nötig werden, werden der Firma Konrad Rübsamen zu angemessenen Preisen übertragen.
Tie Anbringung von eisernen Untergestellen und Miller» scheu Patent-Sprengvorrichiungen an oen beiden älteren Gießfässern, wobei der Voranschlag überschritten werden muß, wird genehmigt.
Von der Herstellung einer Seitenstraße nordöstlich des Neubaues der Veterinärmedizin i- s ch e n K linik, die vom staatlichen Hochbauamt verlangt wird, wird einstweilen, nach dem Antrag der Baudcpu- lation abgesehen. Auf Anregung des Stadtv. Tr. Gassky will Lberbgin. Mecum unter der Hand ftch um den Erwerb deS dazu gehörigen Geländes bemühen.
Punkt 10 der Tagesordnung behandelt die Reitwege in der Licher - und Grünbergerstraße und in der M arburgerstraße. Es wird beantragt, vom Wieseckerweg an den Bürgersteig nicht auf der rechten Seite weiterzuführen, sondern chn auf die linke Seite zu verlegen. Darüber ent) pinnt sich eine kurze Debatte. Beigeordneter Georgt erklärt, er wisse nicht, ob das vorteilhaft fei. Die Leute, die da nach dem Friedhof gingen, seien oft nicht in der Stimmung, darauf ru achten, was ihnen auf der Straße begegnet. Er glaube, es sei doch wohl ein Mißstand, wenn ocr Reitweg dicht bei den Fußgängern vorbeiführe. Stadtv. Wallenfels ist auch der Ansicht, daß der Bürgersteig auf die rechte, nicht auf die linke Seite der Marburgerstraße gehöre. Ter Weg werde sehr stark benutzt. Störrische Pferde könnten sonst den Fußgänger belästigen. Stadtv. Hanau erklärt, ov der Bürgersteig rechts oder links gelegt werde, sei ihm gleich. Jedenfalls gehöre der Reillveg nicht direkt neben den Bürgersteig. Fußgänger hätten oft darunter zu leiden, daß ihre Kleider von den Hufen der Pferde nut Schmutz beworfen würden. Stadtv. Schmal! hält die Anlage links für unpraktisch, gefährlich und überflüssig. Stadtv. Heichelheim unterstützt das, was Beig. Georgi gesagt hat. Tie Mstimmung ergiebt, daß die Majorität den Weg rechts beibehaltan will.
Mehrere Verträge bezügl. Geländeaustausches am Riegelpfad, an denen das städt. Hospital beteiligt ist, werden genehmigt.
Ter Verkauf von städtischem Gelände in der Neustadt für 1000 Mk. an Phil. Wagner wird genehmigt. Der städt. Kanal wird unter dem Grundstück bleiben dürfen und wird zugänglich für die Stadt bleiben. Ein kleiner Ge- länbebcrtauf an Heinr. Arnold II. kommt gleichfalls zu stände.
Danach verliest Oberbgm. Mecum ein vom 20. Mai datiertes Gesuch des Gastwirts Ferdinand Har- nickel, der den Bürgersteig vor dem „Kaiser- h 0 f" i n der S ch u l st r a ß e etwa zur Hälfte zum Wirt- fchaftsbetrieb benutzen will. Er beansprucht das nur vom Mai bis Oktober und will hübsche Pflanzenkästen aufstellen. Gegen eine Gebühr von 20 Mk. beantragt die Baudeputation, dem Bittsteller zu willfahren und ihm die Benutzung des Bürgersteigs für ungefähr 2 Meter Breite zu überlassen (6 Meter ist der ganze Bürgersteig breit). Tie Versammlung erklärt fitf), damit einverstanden.
Tie Verhandlung des nächsten Punktes der Tagesord» nung ergiebt, daß die Stadt die Verpflichtung der Unterhaltung des Erbbegräbnisse sder Karl Faber Witwe übernimmt.
Zu Punkt 16 der Tagesordnung: 111 f r a f 11 r ett e n ber ^riedhofs- und Begräbnisordnung, beantragt die Friedyofskommission, am 1. Juli 1903 die Bo ftinunungen in Kraft treten zu lassen, derart, daß diejenigen Personen, die vor Ablauf des 30. Juni sterben, auf dem alten, die nachher sterben, auf dem neuen Friedhof beerdigt werden. Tic Stadtverordnetenversammlung nahm das an. Tann standen noch einige andere Anträge der Kom mission, darunter der um Herstellung von 20 Einfassungsgräbern mit einem Kredit dafür von 1200 Mk. zur Beratung. Tie Herstellung der 20 Einfassilngsgräber wurde genehmigt. ^Stadtv. Krumm stellt fest, daß, wenn er in her letzten Sitzung anwesend gewesen wäre, er die hohen Gebühren nicht bewilligt haben würde. — Tie Stadtv. Heichelheim und Kirch berühren die Pcrsonalftageder Leichenbesorgungen, wobei sie anfragen, ob ftch hier nicht Gelegenheit biete, dem Kassierer der Invalide,iverficherung Schwan, der feine Stelle verloren hat, da die Beiträge jetzt von der Ortskrankenkasse erhoben werden, eine neue Be^ schästtgung zu geben. Oberbgm. Mecum erwidert, daß das vorhandene Personal ausreiche, um alle dem städti- Ichen Dienste obliegenden Arbeiten auszusührcn. Stadtv. Kirch meint, der Leichenwärter oder die Leichenfrau sei un- geeignet, mit den Angehörigen eines Verstorbenen über die ..caßnahmen zur Beerdigung zu verhandeln und zu beraten. ^azu gehöre ein ruhiger, älterer, dazu besonders geeigneter Mann. Stadtv. Löber empfindet es im meiteren Verlaut ber Sitzung als höchst unangenehm, daß nach Beendigung der Beerdigungszeremonien, wenn die Leidtragenden oft noch das Grab umstehen, sofort in hastiger Weise das Grab zugeschaufeli würde. Cberbqm. -U ecu m antwortet, das fei vorgeschrleben und in anderen otaoten besorge man das ebenso rasch oder noch rascher, ^tadto. Krumm meint auch, man könne doch wenigstens 001111 noch .> oder 10 Minuten nut dem Zuschaufeln warten. Beig. Georgi wünscht, daß man bei Inkrafttreten der neuen FnedhofSordnung mit der Verhängung der borge-


