Nr. 291 Zweites Blatt. 153, Jahrgang
Freitag 11. Dezember 1903
Erschein täglich mb Ausnahme des Sonntags.
Di«. „Gießens Lamilienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitätsdruckeret (Pietsch Erben), Gießen.
Seneral-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Die Heutige Wummer umfaßt 16 Seite»
Volitische Tagesschau,
Tas Befinden des Kaisers Wilhelm.
Der Herausgeber der „Welt-Korrespondenz" schreibt.
Unter dem 4. d. M hatte die „Preuß. Kon."'euren -eunruhiaenden Artikel über das Befrnden des Kaisers yerösfentlicht. Ta ich durch meine mehrrahrrgen Bczreh- mmen zu? Uebersee wohl weiß, wre schnell dort unerfreuliche Mitteilungen Verbreitung,ftnden, begab rch Mich tU einem mj» bekannten hochgestellten Herrn aus der persönlichen Unrgebung des Kaisers, um erne zuverlässige Information über das Befinden des Monarchen zu erhalten. Nach der Lektüre des Artikels erklärte mrr mern
Ich kann Ihnen nur sagen, daß der Artikel die Wahrheit, aus den Kops stellt. Wem: gesagt wird, „der hohe
Ker ßtat im Reichstag.
L
Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt mnterin 10. Dezember:
Niemals ist die Nachfrage nach Tribünenkarten größer, stürmischer im Reichstag, als wenn eine Rede Bebels erwartet wird. Bebel ist für das große Publikum der interessanteste, sensationellste Sprecher. Seiner Leidenschaftlichkeit, seinem fortreißenden Temperament scheinen die Jahre nichts anhaben zu können; je älter der Sozialistenführer wird, desto heißblütiger, schroffer, schneidender übt er Kritik an den bestehenden Zuständen. Drei Dinge vor allem reizen Bebels höchsten Zorn: der „Militarismus", Rußland und die s ä ch s i s cb e R e g i e r u n g. Nach dem kräftigsten, erschöpfendsten Ausdruck seiner grimmigen Abneigung braucht Bebel nicht zu suchen; das wuchtige Wort stellt sich von selbst ein. Aber man erhält doch beim Lesen auch des ausführlichsten Berichtes nur ein unvollkommenes Bild davon, was Bebel gesagt hat, mit welchem unnachahmlichen schrillen Ton er Worte wie „Gendarm", „Ukas", „empörend", „brutal" ausspricht; man muß gesehen haben, mit welchen energischen, schlagenden, stoßenden Arm- und Handbewegungen er die Pointen unterstreicht. Tann erst gewinnt man einen Begriff, daß der Einfluß und die Wirkung Bebels auf die Massen tatsächlich außerordentlich ist, daß ihm kein anderer in der Sozialdemokratie „das nachmacht". In dichter Gruppe standen die Herren auf der Bundesrats- estrade, unten im Saal wie auf den vollbesetzten Tribünen herrschte dieselbe gespannte Aufmerksamkeit während der langen Rede, nichts wie Anklagen gegen die bürgerliche Gesellschaft enthaltend, gegen das Unternehmertum, gegen die Regierung, gegen unsere auswärtige Politik. Doch halt! Einen Lichtpunkt entdeckte auch Bebel, ein einziges Lob wurde auch von ihm gespendet und zwar dem in Württemberg geltenden Vereins- und Versammlun^srecht. Es erhielt die Zensur „nahezu ideal". Umso schlrmmer kam das Königreich Sachsen weg. Zornrötend, mit funkelnden Augen bezeichnete Bebel das Verhalten der Behörden gegenüber den Streitenden in Crimmitschau als unerhört, als mit beiden Fäusten aufs Rednerpult schlagend) „echt sächsisch!" Jach fuhr der Vertreter Sachsens im Bundesrat, Dr. Fischer, in die Höhe, um sich dann dem gerade in den Saal tretenden sächsischen Gejarcüten Gras Hohenthal zu nähern und diesen von dem Ztvischensall in Kenntnis zu setzen.
Unmittelbar, nachdem Bebel geschlossen hatte, erhob sich der Reichskanzler zu einer längeren Abwehr. Gras Bülow hatte einen glücklicden Tag. Er handhabte die elegante Waffe der Satire so sicher und zielbewußt, er ironisierte dce „Freiheit der Sozialdemokratie, die Streitigkeiten des Dresdener Parteitages mit so viel Witz, daß er die L a ch e r a u f s e i n e r S e i t e hatte. Ten Angriffen Bebels stellte Gras Bülow die Frage entgegen, ob denn nicht auch die Sozialdemokratie „räudige Schaje" habe? Schars und bestimmt verbat er sich dce wiederholten Unterbrechungen von links. „Diskutieren wir hübsch anständig miteinander!" Erhobenen Tones rief er den Sozialdemokraten zu: „Reden Sie von aUein — aber reden Sie nicbt von Freiheit!" Besonders nachdrücklich war ferner die Zurückweisung der Aeu- ßerungen Bebels über das „barbarische Rußland". Tie sorgsamste Pflege der Beziehungen zu Itußland werde die Aufgabe der Regierung bleiben trotz Bebel. Graf Bülow zog eine Grenzlinie zwischen der vom Zentrums- ab-g. Tr. Schädler geübten Kritik am Militärtvesen, und der ,/rgitatorischen Art" Bebels. Nicht streng genug könnten die So ldatenmißhand lungen geahndet werden. Geschieht aber nicht!" tönte es von links zurück. Ausführlich weilte der Kanzler bei der Frage, wie sich die Sozialdemokratie den Zutunftsstaat denke? Bezüglich der Schisfahrtsabgaben aus freien Strömen gab Gras Bütow die beruhigende Erklärung ab, daß eine solche Maßregel nicht beabsichtigt (et
Als der starke Beifall, den dre Rede gefunden, kaum verhallt war, brachte der sächsische Bundesracsvertreter Tr Fischer das amtliche Material in Sachen Crimmitschau zur Kenntnis des Hauses. Wiederum war dre äußerste Linke sehr rührig in Zwischenbemerkungen.
Tie Rednerliste des ereignisreichen Tages beschloß als Wortführer der Lüonservativen Vizepräsident Gras S to l b e ra - Wernigerode mit einem kurzen, ruhigen Vor- traa in dem er eröffnete, daß mit ihm zunächt nur em Teil der Konservativen auf dem Boden der Finanzreform- Vorlage steht. Tie Bekehriurg des anderen Teils wird aber wohl lein Ting der lßnmoglichkert fern. Immerhin enthielt die Mitteilung des Grawn Dolberg erne lieber, raichung, da die konservative Piche stch durchweg günstig über den Entwurf geäußert hat. ,
Da in der heutigen Sitzung mehr oder mmder klassische Zitate eine Rolle gespielt hatten, gab zuguterletzt miet} noch Graf Ballestrem ein variiertes Zitat, und zwar *7 XJ Overette zum besten, indem er Vertagung mit der BeZiL vor'schlug: „Ter Reichstagsmann tut seine Pflicht von eins bis fünf - doch länger nicht!"___________ —
Patient ist sehr angegriffen", so kann ich versichern:, daß Seine Majestät sich fortgesetzt in der denkbar besten Stimmung und bei glücklichstem Humor befindet, während die Stimmung eines „angegriffenen" Patienten doch naturgemäß gedrückt oder mürrisch ist.
Wenn es in dem Artikel weiter heißt: „Seine (d. h. des Kaisers) Besucher finden, daß er in den Tagen der Krankheit recht gealtert hat", so ist das Heller Unsinn. Die Damen und Herren des Hofes sind im Gegenteil einhellig der Ansicht daß der Kaiser jugendlicher und frischer aussieht, als cs unter normalen Verhältnissen, o. h. ohne Erkrankung uiid Operation, der Fall gewesen wäre. Ter Grund ist der, daß die durch die Operation bedingte Ruhe dem Monarchen, der sonst an Arbeit und körperlichen Anstrengungen sich nicht genug tun kann, ausgezeichnet bekommt.
„Ueberall im Staate und Reich ist man in banger Sorge um die Gesundheit des Kaisers." I^un, wir von der persönlichen Umgebung Seiner Majestät dürfen wohl für uns in Anspruch nehmen, daß wir an Zuneigung für Die Allerhöchste Person doch zum mindesten nicht hinter den übrigen Staatsbürgern zurückstehen. Wären wir „in banger Sorge um die Gesundheit des Kaisers", so würden wir — natürlich nicht in Gegenwart Seiner Majestät und der Kaiserlichen Familie, sondern wenn wir unter uns sind — dieser Sorge Ausdruck verleihen. Tatsächlich aber wird am Hose über diese ganze Sache gar nicht mehr gesprochen, einfach deshalb, weil die Angelegenheit für uns „erledigt", im günstigen Sinne erledigt, ist.
Daran wird auch nicht das mindeste durch den einzig richtigen Punkt der Mitteilung der „Preuß. Korr.", daß nämlich der Kaiser noch nicht spricht geändert. Diese Tatsache ist ebensowenig besorgniserregend, wie etwa, daß ein Mann, dem ein gebrochener Arm eingerenkt worden ist, mit dem Arme wochenlang keine Bewegung ausführen darf. Die Hauptsache ist, daß die Operation glänzend gelungen und die völlige Herstellung der Stimme gesichert ist. Ich war übrigens dieser Tage mit einem Herrn zusammen, an dem dieselbe Operation vollzogen worden ist, wie am Kaiser, und der auch noch nicht sprechen darf. Ich meine, daß unser kaiserlicher Herr, dessen Gesundheit für das ganze Vaterland von der größten Bedeutung ist, einfach pflichtgemäß mindestens dieselbe Vorsicht zwecks völliger Wiederherstellung walten lassen muß wie ein Privatmann."
Soweit mein Gewährsmann. Ich füge hinzu, daß er ein Mann ist, der zum „Beschwichtigungshofiat" weder Anlage noch Neigung hat und der, wenn die Mitteilungen der „Preuß. Korr." zutreffend wären, mich gebeten hätte, diese Mitteilungen auf sich beruhen zu lassen.
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Tas Athener Blatt „Asch" meldet, für den Fall einer Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms sei ein mehrtägiger Aufenthalt des Kaisers in Athen in AuAficht genouunen.
Eine Persönlichkeit, welche ganz vor kurzem von Kaiser Wilhelm empfangen wurde und ihn auf einem etwa IV2- stündigen Spaziergange begleitete, machte recht erfreuliche Mitteilungen, die gleichfalls den günstigen Verlauf der Heilung erkennen lassen. Nach diesen spricht der Kaiser nicht sehr laut, aber doch so vernehmlich, daß man ihn gut in der Unterhaltung versteht. Tas Aussehen des Monarchen ist überraschend gut und frisch und man merkt seiner ganzen Stimmung an, daß er sich wohl fühlt. Binnen lüvzem kann man nach menschlicher Voraussicht damit rechnen, daß der Monarch wieder seine Stimme voll gebrauchen wird. Unter diesen Umständen denkt er nicht an eine Reise nach dem Süden, und alle Gerüchte, welche von einer Instandsetzung der „Hohenz-ollern" zu diesem Zwecke berichten, sind falsch.
Internationales Petroleumkartell.
Mit lebbajcer Freude begrüßen Mele Die Tatsache, daß die deutschen Großbanken, wie die Deutsche Bank und die Tisbontogesellscyaft, sich an der Ausbeutung des galizischen und rumänischen Petroleums nunmehr beteiligen werden und auch dem deutschen Petroleum in Hannover ihre Aufmerksamkeit schenken. Man hofft, daß dadurch der Stanoard-Oil-Company des Herrn Rockefeller etwas die Krallen gestutzt werden könnten, wie man denn auch, stets das russische Petroleum gegen die Amerikaner auszuspielen sich bemüht hat. Es ift aber, so meint die „Tische. Tagesztg.", mit ziemlicher Ächerheii anzunehmen, daß die Verbraucher des Petroleums keinen Vorteil von dieser Beteiligung des deutschen Großkapitals an der Petrvleumaewinnung und -Bearbeitung haben werden, denn es sind Bestrebungen im Gange, ein internationales Petroleumkartell zu gründen. Wie wir schon berichteten, finden zurzeit Vorbesprechungen für dieses Kartell in Berlin statt, zunächst unter Beteiligung der amerikanischen und östreichischen Interessenten, während die Russen eicht in einem späteren Stadium hinzutreten werden. Daß es nicht leicht sein wird, diese verschiedenen Gruppen zu einigen, ist llar, aber das gemeinsame Interesse, die Petroleumpreise möglichst hochzuhalten und einen Unrerbietungskrieg zu vermeiden, wird sie schließlich zusammenführen, und die Petroleum verbrauchendenDevölkerungenderWeltwer- d e n d ie Zeche bezahl en müssen. ___________
1V. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.
Protokoll-Auszug.
Gießen, 9. Dezember 1903.
Anwesend die Herren Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Grünewald, Hoos, Jhring, Katz, Atoll, Röhr, Schirmer, Schmall, Steinecke, Wallach Zurbuch sowie der Syndikus Tr. Knipper und Assessor Tr. Köppe. '
1. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des Dahin scheide ns des Herrn Fabrikanten C. Klingspor-Gießen^und hob in warmen,
anerkennenden Worten die großen Verdienste hervor, die sich der Verstorbene während seiner langjäbrigen Mitgliedschaft zur Handelskammer um die Förderung von Handel und Industrie erworben hat. Die Handelskammer hat den Hinterbliebenen ihre Teilnahme ausgesprochen und durch ihren Vorsitzenden an dem Grabe des Verblichenen einen Kranz niederlegen lassen.
2. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen :
a. Der Deutsche Handelstag hatte die Kammer um Mitteilung der in ihrem Bezirke etwa erlassenen polizeilichen B e st i m m u n g e n ersucht, die für Waren- un d Kaufhäuser die Ausnutzung der Gebäude für Verkaufsräume auf gewisse Stockwerke beschränken. Auf Grund der angestellten Ermittelungen wurde dem Deutschen Handelstage mitgeteilt, daß bis jetzt derartige An- ordnmigen im hiesigen Bezirke nicht ergangen sind.
b. Tas Großh. Polizeiamt zu Gießen wurde ersucht, im Interesse des kaufenden Publikums und des Detail- Handels im Jahre 1904 vor Weihnachten wieder 14 Ausnahmetage zu gewähren und ihm anheimgestellt, soweit es nötig erscheine, vor Ostern und Pfingsten je einen Ausnahmetag weniger als im laufenden Jahre zu bewilligen.
c. Mehrere Besitzer von Acetylengas-Anlagen hatten die Kammer ersucht, dafür einzutreten, daß der int neuen deutschen Zolltarif vorgesehene Zoll von 4 Mk. pro Dz. für Calciumcarbid bei den Handelsvertragsverhandlungen mit der Schweiz fallen gelassen werde. Tie Handelskammer hat diesem Ersuchenn entsprochen, nachdem sie sich, überzeugt hatte, daß dte hiesigen Acetylen-Anlagen auf den Bezug schweizerischen Carbides angewiesen sind und daß die Beibehaltung des vorgesehenen Zollsatzes die Acetylengasbeleuchtung zu Gunsten anderer Beleuchtungsmittel verdrängen wird und somit auch die deutsche Carbid- industrie von dem Zolle keinen Vorteil haben dürfte.
d. Bei dem Kaiserl. Patentamt hat die Kammer beantragt, der Patentschristenauslegestelle bei der Untversitätsbebliothek in Gieße n noch einige weitere Klassen aus dem Gebiete der chemischen Industrie, der Gesundheitspflege und aus verwandten Gebieten zu überweisen.
3. Berichterstattung über die Sitzung des Bezirkseisenbahnrats Frankfurt a. M. vom 2 5. November 190 3. Der Vertreter der Kammer im Bezirkseisenbahnrat, Herr Kontmerzienrat Koch, berief^ tete, daß die von Magdeburger Firmen und der dortigen Handelskammer angeregte Tetarifierung von Cichorien- fabrikaten abgelehnt worden sei. Dagegen seien die beantragten Ermäßigungen von Steinsalz,rächten von mitteldeutschen Versandstationen, einschließlich Freden und Volpriehausen, nach Belgien, sowie die Ausdehnung der ermäßigten Steinsalz Frachten von mitteldeutschen Versandstationen nach Süd- und Westdeutschland auf die Werke Freden und Volpriehausen befürwortet worden. Ferner habe si?ch der Bezirkseisenbahnrat dahin ausgesprochen, daß für Tiersendungen im Bereiche der ehemaligen Hessi- jchen Ludwigsbahn und des Preußisch-He,sischen Teiles der Main-Neckar-Bahn die allgemein geltenden preußischen M- sertigungsgebühren eingefuhrt werden sollen. Ein weiterer Antrag auf Neueinstellung von Zehntonnenwagen an Stelle der durch Abnutzung unbrauchbar gewordenen alten Zehntonnenwagen wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt.
4. Entwurf eines Reichsgesetzes b e tr. den Versicherungsvertrag. Die zur Vorberatung des Entwurfs eingesetzte Kommission der Handelskammer hatte eine Reihe von Abänderungen vorgeschlagen, die auch die Zustimmung der Volwersammlung sanden. Es wurde be- jchlossen, die Abmiderungsanträge dem Deutschen Handelstage zu übermitteln.
5. Jahresbericht der Hessischen Handelskammern. Die Kammer erklärte sich, mit den von der Kommission hessischer Handelskammern aufgestellten Grundsätzen für die. einheitliche Ausgestaltung der Jahresberichte der hessischen Handelskammern einverstanden und wird diese Einteilung schon bei der Ausarbeitung ihres Jahresberichts für 1903 in Anwendung bringen.
6. Gewährung eines Reichszuschusses an die deutsche Handelskammer in Brüssel. Die deutsche Handelsramnner in Brüssel hat der Kammer mitgeteilt, daß sie nach fast lOjährigem Bestehen vom 1. Januar 1904 ihre Tätigkeit einstellen müsse, wenn ihr nicht die mehrfach erbetene Reichsunterstützung von jährlich 4000 bis 5000 Mt. gewährt würde. Die Kammer beschloß, in Anbetracht der erfolgreichen Tätigkeit der deutschen Handelskammer in Brüssel auch ihrerseits dafür einzutreten, daß ihr die erbetene Reichsnnrerstütznng gewährt wird.
7. Verkehr mit Geheimmitteln. Nach einem Beschlüsse des Bundesrats ist der Verkehr mit gewissen Geheimmitteln und Arzneimitteln vom 1. Januar 1904 ab weitgehenden Beschränkungen unterworfen. Die Handelskammer zu Rudolstadt hat den Bundesrat gebeten, die Jnkrastsetzung dieses Beschlusses bis zum 1. Januar 1905 zu verschieben und die Verordnung dahin zu mildern, daß eine maßvolle Ankündigung und Empfehlung der in Frage kommenden Heilmittel auch fernerhin gestattet jein möge. Tie Kammer beschloß, von Der erbetenen Unterstützung der Anträge der Handelskammer zu Rudolstadt abzusehen.
8. Fernsprech - Verbindung Gießen-Frank- furt a. M. Von mehreren Firmen ans Gießen und Als- seld wurde darüber Klage geführt, daß die Fernsprech^- ieitun$ zwischen Gießen und Fratlkfurt a. M. an manchen Stunden des TageS, namentlich während der Frankfurter Börsenzeit, so üverlastet sei, daß die Vermittelung von Gesprächen zwischen oetben Orlen nur mit großen Verzögerungen erfolgen könne. — Tie Kammer erkannte die Berechtigung der Beschwerden an und wird die Kaiserl. Oberpostdirellion in Darmstadt um Abhilfe ersuchen.
9. Personenwagen 3. Klasse in D-Zügen. Bon den Reisenden wiro eS sehr oft als eine Belästiaung deS Verkehrs enipjunDen, Daß auf der Strecke Frankfurt am Main—Bebra—Halle—Berlin nur D-Züge 1. bis 2. Klasse verkehren. Ticzer lbllßstanD macht sich besonders bei den T-Zügen 41 Frankfurt a. M. — Berlin und 42 Berlin-^


