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11.11.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 265

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Dem tötefeener Anzeiger werben im Wechsel mit den, hessischen Landwirt die Gießener Sanrilien, blätter viermal in bei Woche betflelegL

DtotanonSbvud uBer- lag bei Vrü h l'schen Unived.-iöudy- u. Stein- beudeert lPierich titrben) Ptebaftum. Lrveditwn und Druderei:

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Zweites Blatt.

153. Jahrgang

Mittwoch LI. November 1NOF

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vezngsprez», monatlich 75 tJt, viertel- sührlich DIL 120, durch Abyole- tt. Hroetgfteüep monatlich 6o 13t.; durch die Post Ml. 2. viertel» jäbvL au6ld)L ©eiterig. Annahme von Anzeige« üi dis Lage»nummer jU3 ponniuag» 10 Uhr« ^etUnpnrtfl. lokal 12 Ps^ au6ttxlrtl IV tilg, <Ü«caMi tüx

den poltt und urigem. TeU: tt totirfo. tüt Stadl und danö" und .GerichtesaalAugust D ö h , lüt de» An- »eiqenteti: t»an( Beck.

General-Anzeiger '

Amts- und Anzeigeblatt für den

§ie Heutige Yummer umfaßt 10 Seiten.

Kolonialpost.

Berlin, 10. Nov. Zum Aufstand der Bondel- zwarts wird derPosü' aus Kapstadt gemeldet: Zwischen einer Abteilung Kolonialpolizei und Bond^tzwarts, die in britische-. Kolonialgebiet eingefallen waren, um Farmen zu plündern und Vieh zu rauben, kam es zu einem Zusammenstoß, worauf sie die Farbigen zuruckzogen, nachdem sie einen Toten hatten. Man glaubt, daß die Eingeborenen durch Hunger zu dem Einfall getrieben worden sind und ist besorgt über das Schicksal der in den Händen der Bondelzwarts befindlichen brutschen Unterth-anem Diese Meldung dürfte dem ge­nannten Blatte zufolge dafür sprechen, daß man im Be­griff steht, den Aufstand im Distrikt Warmbad niederzu- wersen, ohne Zuzug aus Windhoek. Von Keetmanshoop aus, wo eine kriegsstarke Kompagnie Kolonialtruppen liegt, scheine man die aufrührerischen Eingeborenen über dre Grenze der Kapkolonie getrieben zu haben. In Warm­bad befinden sich übrigens 182 Weiße, die sich wohl nicht ohne weiteres haben überrumpeln lassen.

Berlin, 10. Nov. Der Gouverneur von Deutsch- Süd w e st a f r i k a meldet unter dem 10. November aus Windhoek: Vom Kriegsschauplätze liegen noch immer keine wichtigen Nachrichten vor. Dort ist jetzt Bezirtsamtmann v. Durgsdorff mit 150 Reitern eingetcoffen. Hauptmann v. Fiedler mit 180 Reitern und vier Geschützen ist im An­marsch Die Bethanier sind treu. Ueber die Haltung der Feldjchuhträger ist hier nichts bekannt.

London, 10. Nov. Das Reut ersehe Bureau meldet aus Ken hart (Kapkolonie) vom 9. d. M.: Die aufständi- Hottentotten rücken, 1500 Mann stark, gegen die Grenze vor. Tie Polizei hat Freiwillige aufgeboten und dorthin entsandt. Es werden ernste Kämpfe erwartet.

Krrche und Kchule.

Die Realgymnasialkur se für Mädchen, welche seit Ostern in Frankfurt a. M. bestehen, werden Ostern 1904 eine neue Klasse eröffnen und die jetzigen drei Klassen als IV (Untersekunda), III (Obersekunda) pnd II (Unterprima) weiterführen. In diesen Kursen wird begabten jungen Mädchen Gelegenheit zur .Erwerbung einer gedie­genen Bildungsgcundtage und die erforderliche Vorbereit­ung für das Universitütsstudium geboten. Das Schuljahr beginnt Montag nach der Osterwoche.

Ker Krozcß wegen Kindesunterjchteöung gegen die Arafin KwttecKi.

XL

Berlin, 10. Nov.

Polizeirat Swolkien aus Krakau berichtet, daß vom 23. bis 25. Januar 1897 eine angebliche Hausbesitzerin Bonscziowska aus Posen im Zentralhotel in Krakau logierte, und daß sich in Krakau häufig Leute unter falschen Namen und falschen Adressen einmieten. Bei seinen Recherchen wußten die Leute fast nie genaues anzugeben. Hedwig Andrusczewski hatte als Reisenamen Nautter Bonczkowska angegeben. Die Zeugin Radwanska, die auf der Reise das Kind stillte, bekundet über den Zeitpunkt der Reise, tw- mals sei ihr Kind rteun Monate alt gewesen. Da das Krnd am 17. April geboren ist, wäre der Reisetermin der 17. Januar 1897 gewesen, woraus diePerteioiguu g schließt, daß es sich hier nicht um den Fall der Gräfin handelt. Tie Hebamme Moll aus Krakau entsinnt sich, daß der

Kindeskauf an einem Samstag» dem Vorabende des Marientages, stattsand. Ter Vorsitzende stellt fest, daß der Marientag auf den 2. Februar fiel, der Vorabend also nicht ein Samstag war.

Nach einer Pause kritisiert der P r ä s i d e n t die Haltung eines Teiles der Presse bezüglich des Prozesses und bemerkt, ein Artikel ziele direkt auf Beeinflussung der Rich­ter ab. (£r warnt die Geschworenen vor Beeinflussung. Ter Staatsanwalt bemerkt sodann, das Krnd der 9iadwansla sei am 14. April geboren. Daraus könne man auf ihre Zuverlässigkeit schließen.

Unter allgemeiner Spannung wird alsdann die Weichen­wärterfrau Cäcilie Meyer, geb. Parcza, vernommen. Sie ist vom Wochenbett noch etwas angegriffen und macht ihre Aussagen sitzend wie folgt: Sie hatte aus ihrem Ver­hältnis mit dem Hauptmann v. Ziegler schon einen Knaben, welchen sie nach vier Monaten zu fremden Leuten ge­bracht hatte. Tann hatte sie aus dem Verhältnis mit dem­selben Herrn einen am 22. Dezember 1896 geborenen zweiten Sohn. Sie ist jetzt 29 Jahre alt. An einem Tags, den sie früher als den 24. Januar angegeben, den sie jetzt aber als den 25. Januar 1897 angeben müsse, sind zu ihr drei Frauen gekommen, die Hebamme Frau Moll, die sie entbunden, und zwei andere, die sie fragten, ob sie nicht ihr Kind zur Erziehung aügeben wolle. Die Frauen haben sich dann das Kino angesehen; die eine ältere Dame sagte, es sei eigentlich schon zu groß, aber es gefalle ihr. Sie war erst zweifelhaft, ob sie das Kind weggeben solle, man überredete sie aber und sagte, der Knabe würde es sehr gut haben, und so hat sie dann den Jungen hinge geb en und 100 Gulden dafür erhalten. Während sie in Tränen dasaß, ist ihre Schlvester ^u ihr gekommen, und da hat sie eingestanden, dcpz sie den JNngen an eine Gräfin weggegeben habe. Tags daraus ist sie zur Gradzynska n.'nd dann zu der Radwanska gelaufen und hat erfahren wollen, wo das Kind hingekommen sei. Sie er­hielt immer nur die Auskunft, daß das Kind sehr gut aufgehoben sei, und hat darauf gedroht, daß sie zur Polizei gehen würde, wenn man ihr nicket sage, wo oer Knabe sei.

Auf eine Frage des Staatsanwalts erklärte die Zeugin, daß sie von der Mitnahme einer Nachgeburt nichts gesehen habe; doch habe sie später davon gehört, daß eine 9öach- geüurt aus einem Kranlenhause mitgenommen worden sei. Am 9. Februar 1897 habe sie den Verteidiger Dr. FftimowSki in Krakau gebeten, ihr zur Wiedererlangung chres Kindes behilflich zu sein. Sie hat in den Hotels sestgestellt, daß dort zur fraglichen Zeit eine Gräfin sich au spielt, aber aus Owice. Sie habe ihren Jungen nicht wiedergesehen; eines Tages habe ihr Hechelski einige Photographien vor­gelegt, und sie habe darunter die Photographie des an­geblichen jungen Grasen als die ihres Kindes herausgesuuden. Es schien chr eine Aehnlichkeit mit chrern ältesten Sohne vvrzuliegen. Sie wisse ganz genau, daß chr das Kind am 25. Januar, einem Montage, abgeholt worden (ei. Die ältere Dame müsse etwa 60 Jahre alt gewesen sein; da sie einen Schleier trug und es ein dunkler Lag war, könne sie keine nähere Beschreibung von ihr geben. Die alte Dame habe gesagt, das Lind solle für eine junge Gräfin sein, die einen Bräutigam habe, der sie aber nur heiraten wolle, wenn sie fein Kind ausweisen könne. (Heiterkeit.) Die Zeugin Moll wird der Zeugin Meyer gegenübergestellt. Während die letztere darauf beharrt, daß das Lind an einem Montage abgeholt worden sei, bleibt die Zeugin Moll mit derselben Entschiedenheit dabei, daß es an einem Samstag war.

Rechtsanwalt Filimow s ki-Krakau erklärt, im Auf­trage der Vorzeugin über den Aufenthalt des Kindes nach­

geforscht, aber nur erfahren zu haben, daß das Lin»» nach Berlin gebracht sei. DaS Bezirksgericht Krakau habe ihn am 6. April 1903 zum Vormund des angeblichen kleinen Grasen ernannt. Nach weiteren für die materielle Prozeßfrage nichts wesentliches ergebenden Zeugenaussagen wird ine Sitzung auf Donnerstag vertagt.

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«Leutnant ZLUfe vor dem Kriegsgericht, n.

Metz, 10. Nov.

In der Verhandlung gegen den Leutnant Bilse vom 16. Train-Bataillon wurden heute die Zeugenver­nehmungen fortgesetzt. Vorher wurde auf Antrag des Ver> treters der Anklage besclstossen, eine Frau Pauly aus Fried­richroda vorzuladen, die bekunden soll, daß der Ange­klagte in den Schilderungen seines Romans die Absicht gehabt habe, seine Vorgesetzten zu beleidigen und Miß­vergnügen unter den Kameraden zu erregen. Der Antrag der Anklagebehörde, bei der Vernehmung der Rittmeister die Oeffentlichikeit auszuschließen, wird vom Gerichtshöfe abgelehnt.

Zeuge Rittmeister Bandel (im Roman König) bezeugt, daß er mit Bilse gut befreundet war, jedoch keinen Einfluß bei der Herstellung des Buches geltend gemacht hätte. Bilse sei einer von denjenigen, die nie ein bös^Ä Wort über die anderen gesprochen hatten. Er machte ihn daraus aufmerksam, daß das Buch Mißverständnisse hervor- rufen könnte, doch glaube Zeuge nicht, daß Bilse Be­leidigungsabsichten mit dem Buch hatte. Auf Befragen betr. der Duellassäre Fuchs, erzählt Zeuge Bandel, daß Frau Ey unter Tränen erklärt habe, sie müßte die Sache wieder in Ordnung bringen. Sie könne nicht zu- geben, daß ein verheirateter Mann totgeschossen würde. Apotheker Dreese ist als sehr guter Schütze bekannt. Frau Rittmeister Ey ritt täglich, Dienstpserde mit Wissen des! Kommandeurs. Ein im Stall hängender Damensattel gab, einem Obersten aus Straßburg Anlaß zu Bemerkungen. Zeuge ist seit Januar vom Dienst suspendiert wegen eines gegen ihn schwebenden gerichtlichen Verfahrens in Bezug aus die Verwaltung desl Kasinos. Er bestätigt auch die Wahrheit des im Ro­man erwähnten Pirmpversuches von Kasinogeldern durch Leutnant Witte und andere. Verschißene unerhörter Szenen im Roman stimmen überein mit Forbacher Stadt­gesprächen. Daß Oberleutnant Habenichts nachmittags nicht gern Dienst tat, bestätigt Zeuge. Er hatte ein Verhältnis! mit einer Kellnerin und tanzte mit vor gedrückten Knien in unsittlicher Weise.

Riltmeisler H a e g e le (im Roman Hagemann) sagt auS, Frau Ey habe die Vs erde in einer Art benutzt, die Zeuge für nicht zulässig halte. Wenn es heißt, Rittmeister Ey sei einem guten Trünke nicht abhold, so trifft dieses voll­ständig zu. Daß Fischer und Koch, verschuldet sind, war bekannt. Frau Ey holte ihren Mann aus dem Kasino ab. Leutnant Habenichts hatte viel Verkehr mit Mädchen. Der Angeklagte hat sich im Verkehr mit mir stets liebens­würdig und korrekt benommen. Seinen Roman schrieb er wohl, um eine Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu üben und die erwähnten Personen lächerlich zu machen.

Ter Verhandlungsiührer verliest ein kriegsgerichtliches Urteil gegen Bandel, das eine Parallele im Roman ftndet. Er wurde von der Anklage des Betrugs bei der Kasino- Verwaltung freigesprochen unter Anerkennung seiner guten Dienste für das Kasino. Leutnant Witte hatte die An­klage veranlaßt, die Zeugen vermuten, weil er ihm dieAnleihe nichtbewilligte. Der Verteidiger wn-

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Gießener Wadttycaler.

Komtesse Guckerl,

Lustspiel in 3 Akten von Dr. Koppel-Ellfeld und Franz von Schönt Han.

Die pietätvolle Sitte anderer Theater, am 10. November zu Schillers Geburtstag ein Schillersches Drama zur Aufführung zu bringen, hat auch unsere neue Direktion einführen wollen. Doch die gute Absicht wurde durch die liebenswürdige Rück­sicht auf em Theatermitglied vereitelt, das der großherzogl. Theater-Intendant von Oldenburg in einer bestimmten Rolle zu sehen wünschte. In der Aufführung einer Schillerschen Dichtung am Schillertage übrigens ein Programm zu er­blicken, hat sich die Kritik an vielen Orten längst entwöhnt. Bedeutet doch gar hausig der Schillerabend des 10. November so etwas wie ein Derniere, indem die Direktion mit einem ^Don Carlos^ oder einemWallenstein" gleichsam als Ab­schlagzahlung sich von den moralischen Verpflichtungen gegen­über den klassischen Heroen des Repertoires loskaufen will, um mit beruhigtem Gewissen Kraft und Zeit wirklichen Kassen­magneten, den Spekulanten des soit dit -Lustspiels" oder Salonstücks widmen zu können.

Herr Direktor Steingoetter wandelt einen anderen Weg. Ein paar klassische Abende haben wir bereits hinter uns, und auch gestern abend wollte er uns eigentlich klassisch kommen. Der Zufall hat es anders bestimmt, und der Zufall war klug und geschäftsverständig. Die Litteratur zeugte zu allen Zeiten Werke, in denen sich der Geist der bestimmten Epoche, ihr innerstes Fühlen und Wollen und Sehnen ebenso treu ivie umfassend offenbart. Wie im sedimentären Schiefer die Fauna der Urwelt, wovon uns Böljche in seinem neuesten schöllen WerkeVon Sonnen und Sonnenstäubchen" -(Berlin Georg Bondi) viel Erstaunliches erzählt, so erhält sich in

jenen Werken, nur weit lebendiger und frischer, das Empfinden der vergangenen Menschheit; wir schauen ihr durch das Diedium der Dichtung gleichsam in Herz und Nieren. So lebt der Mensch des Mittelalters mit seinem ungebändigten Heldentrotz, aber auch mit seinem grimmigen Blutrachedurst im Nibelungenliede fort, der' genußschwelgende Mensch der Spatrenaissance in AriostsOrlando", der zwischen Rationa­lismus und Mystizismus hin- und herschwankende Mensch der Aufklärungszeit imFaust". Auch der Geist der Gegen­wart, wenigstens ein beträchtlich Stück von diesem Geiste findet in Monumentalwerken sein Ab- und Spiegelbild, und zwar in den Erzeugniffen einer Schwankfirma, die Koppel- Ellfeld und Schönthan heißt. Das klingt scherzhafter als es im Grunde gemeint ist. Der äußere Erfolg der Fabrikate dieser Firma ist alles andere, denn Zufall. Mit der littera- rischen Bildung und dem likterarischen Bedürfnis unserer Zeit­genossen stehen diese Fabrikate in unmittelbarem Zusammen­hänge von Ursache und Wirkung. Was so ein Zeitgenosse von der Litteratur verlangt, ist eine möglichst leichte, seichte, witzelnde und kitzelnde Unterhaltung, eine geruhsame Erholung nach des Tages MÜH und Qual. Unser Zeitgenosse ist durch­aus Realist; so viel er an Geistes- und Empfindungskräften zu verschwenden hat, gerade so viel bedarf er im Alltagskampfe ums tägliche Brot und für die politischen und sozialen Erreg­ungen, die sein ganzes Sinnen ausfüllen. Ideale Erhebungen wären Gift für ihn. Eine Dichtung, die leidenschaftliche An­teilnahme, geistige Anspannung, Gemütsversenkung erfordert, findet nur dort eine Heimstätte, wo noch unverbrauchte Kraft, brennendes^' Sehnen, innere und äußere Muße vorhanden ist. Alit allem dem kann der Durchschnitts-Zeitgenosse nicht aus- warten; sein Tag gehört dem, was nützlich ist, und nur den müden Abend vermag er dem Genuß zu widmen. Kein Wunder, daß dieDichter" nur dann ihm etwas bedeuten, wenn sie mit der Müdigkeit rechnen, wenn sie weiter keinen

Zweck verfolgen, als zu amüsieren, wenn sie sich in weiser Selbsterkenntnis auf die Rolle der Spaßmacher beschränken. Es wird aber doch wohl einmal ein Tag kommen, wo unser Volk aus der beständigen Alltagssorge herausgewachsen, wo es wiederum anderen als den materiellen Tagesfragen seine Teilnahme zuwenden und andere Freuden suchen wp:d, als die gekennzeichneten. Noch freilich ist dieser Tag ein Zukunfts- traum; vorläufig fettet sich im Theater der große Kassen­erfolg fast durchweg an die leichte Unterhaltungsware; für das Große, Bedeutende, Ideelle fehlt es an Lust und Kraft und innerer Sammlung.

Aus solchen oder ähnlichen Erwägungen heraus mag unserer Direktion der allwaltende gütige Zufall, der seine Pappenhelmer kennt, zu Hilfe gekommen fern, als er am Schillertage keinenDon Carlos", sondernComtesse Guckerl" ansetzte. Wie sagt doch der Marquis just inDon Carlos": Den Zufall giebt die Vorsehung, zum Zwecke muß ihn der Mensch gestalten." Es liegt ein arger Witz in diesem Zu­fallsspiele, der charakteristische Lichter auf den Theatergeschmack zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirft. Herr Direktor Steingoetter hatte es anders gewollt. Er verheißt nun für den nächsten Theaterabend einen Schiller, und er wird wohl, seinem Programm gemäß, von Zeit zu Zeit, ziemlich un­bemerkt, darum aber vielleicht um so wirkungsvoller, dieses oder jenes klassische Stück noch, und dazu einen Ibsen, Halbe oder Schnitzler in das Siepertoire schlüpfen lassen.

An deutschen Hoftheatern aber, auch da oben an den waldreichen Ufern der Hunte, wo einst so große Bühnen- ibeali|ten wie Jul. Mosen und Ed. Devrient das Szepter führteri, wo noch vor einem Jahrzehnt Georg Drosch er, der jetzige Oberregisseur der kgl. Hofoper in Berlin, als Theater­leiter Hervorragendes in der Wiederbelebung halboergessener klasjischer Dramen leistete, da gilt heute eineComtesse Euckerl" als der Prüfstein für Theaterheroinen--