Ausgabe 
11.8.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

,Unter w 'tz-K -<s-» i? N Ä.9*

ä w

il I' L"6 die S TchSdi. «feßu d»ben * bun9cn h,j g?°ndt. g, hänsen- ie,tn und n^i«9tunbe Licr Kampf Ien wieder

. °uch nM *w, ö tn ben $ts la9Ua| öu$ "b moralische :n,$W werde ^lcher Unter,' o^urchzweijel, lt!? gegen die schweizerische onregierungen, ZU'ks- und Ge- n9 nahegelegt Qt l'ich bereits WWtbie und en auf Ein- Dereins-Fch- egierung der. rweiüg unter, -^erung müsse m bie Bezirks- l solchen Erlaß ungewohnten Regierung giebi den Rat, unter u den Kantonen aus dem über- t und ethischen ruckhaltung zu

ra. liebereine imalereien in

auttec, büße*

15

töU öep^ tete Entdectung lhnet ein intet* gen sind. Der .cher Kille M- i pechschwarzem zur Lajis Mo­en abgezeichnet ten mehr Zeich-

le jütib gut ge- e, die schon ans je, den Strauß, ijauna ziemlich ten ist die W es Abalus An* Llas gesunden nei verschiedene tret KlMNget em betleideter nelreüer stehen der zu kämpsen. ^chnungenm jünger zu M enten WS z in berbenW e Klsendarslet!- ige jurdasE

ÄS »jfä» ?/P* fe»

Miet1

$5e?5 vöt Ziehen 2°'

S'

7. -Dill'

3,1 *

Nr. 186

Srschetrrt täglich

außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Üesfischen Landwirt die Giehener Familien- blätter viermal in der

Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Untvers.-Buch- u. Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschenr

Anzeiger Gieße».

Fernsprech an l chl u ß Nr.

BlffWMWMEa

Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Dienstag 11. August 1903

GietzenerAnzeiger General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Mei« Gießen

"1'17 " *« .'"HMmrMiiniiiMBiiii

BeAUgSpretSr monatlich 75 Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer j18 vormMagS 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12 Ps.

auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den poltt und allgem. Teil: P. Wittko- für .Stadt und Land^ und .Gertchtssaaf: August Götz; für den An- zeigentell: HanS Beck.

Die heutige Kummer umfaßt 8 Seite«.

Das Auterrichtsmeseu i« deu Bereinigten Staat ».

Die jüngste Entscheidung des Newyorker Schulrats, wonach in den Volksschulen dre deutsche Sprache nicht mehr zwangsweise, sondern nur wahlmäßig im letzten Schuljahr gelehrt werden soll, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Zu- schnde im Unterrichtswesen der Vereinigten Staaten. Die Köln. Ztg." entnimmt einem in den preußischen Jahr­büchern erschienen Aufsatz folgende Hochintereisante Aus­führungen: In allen Teilen der Vereinigten Staaten be­stehen öffentliche Element ar-und Mittelschulen, über welche die staatliche Gesetzgebung volle Autorität hat. Jedoch benutzen nicht alle Staaten diese Autorität über Schule und Bevölkerung in gleicher Weife. Von den 45 Staaten, 5 Territorien und dem Bundesgebiet Columbia, welche zusammen die Vereinigten Staaten bilden, haben nur 31 Staaten, 1 Territorium und das Bundesgebiet die allgemeine Schulpflicht eingeführt. In so gut wie allen Südstaaten har man es nicht für nötig gehalten, die Bahnen des Fortschritts und der Volksbildung zu betreten. Daher finden sich in ihnen auch so viele Analphabeten. Unter den 76 303 387 Einwohnern der Vereinigten Staaten sind 6180069 Analphabeten. Davon sind 3 200 746 Weiße und 2 979 323 Farbige. Gegen 10 Prozent der Bürger im wahl­berechtigten Alter können also nicht lesen und schreiben. Noch schlimmer ist der Prozentsatz in den Südstaaten. Hier sind gegen 25 Prozent der Wahlberechtigten Analphabeten. Wo die allgemeine Schulpflicht besteht, da erstreckt sie sich nicht immer auf dieselbe Anzahl von Jahren. Meistens dauert sie vom 8. bis zum 14. Lebensjahre. Andere Staaten setzen sie aus die Zeit vom 7. bis zum 13.; in zwei Staaten dauert sie vom 7. bis zum 16. Jahre. Wichtig ist jedoch) daß das amerikanische Schuljahr kürzer ist als das deutsche. Tie Sommerferien betragen wenigstens drei bis vier Mo­nate. Im Durchschnitt wird in den öffentlichen Schulen der Union jährlich an 144,2 Tagen unterrichtet. Das Bestehen der allgemeinen Schulpflicht bedeutet jedoch nicht immer, daß die Schüler den Unterricht während des ganzen. Schul­jahres besuchen müssen. In Kentucky, dem einzigen Süd- staat mit allgemeiner Schulpflicht, wird nur ein acht Wochen langer Schulbesuch verlangt. Die öffentliche Meinung steht meistens auch auf feiten eines längeren "Schulbesuchs; in kleinen Orten ist es oft Sitte, im Lokalblättchen die Namen der Kinder abzudrucken, die sich durch regelmäßigen Schulbesuch ausgezeichnet haben. Aber es fehlt auch in Amerika nicht an Leuten, die nur gezwungen das tun, was ihnen dienlich ist, So ist denn der tägliche Schulbesuch geringer, als man nach der Anzahl der "schulpflichtigen Kinder erwarten dürfte. Im Jahre 19001901 besuchten täglich 68,52 Prozent der schulpflichtigen Kinder die Schule.

Von den Unterrichtsgegenständen der Volksschule sind natürlich Lesen und Schreiben die wichtigsten. Daneben muß besonderer Unterricht in der Orthographie gegeben werden, da die Kinder jedes einzelne Wortbild der eng­lischen Sprache, fast wie im Chinesischen, auswendig lernen müssen. Beinahe der zehnte Teil aller für die Elementar­schule verwendeten Zeit und Mühe wird von der Erlernung dieser pseudo-etymo logischen Ortographie in Anspruch ge­nommen. Daneben werben Rechnen, Geographie und die Geschichte der Vereinigten Staaten täglich gelehrt. Den Naturwissenschaften und der Hygiene, dem Singen und dem Zeichnen wird wöchentlich je erne Stunde gewidmet. Im letzten Schuljahr haben die Kinder wöchentlich eine Stunde lang Unterricht in der Verfassung der Vereinigten Staaten, viele Schulen benützen Lehrbücher dercivics or the duties of citizens", etwa der Bürgerkunde. Die Geschichte anderer Länder wird nicht überall gelehrt und stets sehr kurz ab­gemacht. Insbesondere wird England und seine Entwickel­ung dann besprochen. In einigen wenigen Schulen wird im letzten Jahre eine fremde Sprache, Latein, Französisch oder Deutsch in den Lehrplan ausgenommen. Der gesamte Unterricht muß selbstverständlich auf englisch erteilt werden, und die Volksschule ist das große Mittel, durch welches die Kinder der Einwanderer so vollständig amerikanisiert werden, daß sie neben den Vereinigten Staaten nichts anderes kennen und sich um nichts anderes kümmern wollen. In manchen Städten ist das fremdsprachige Ele­ment der Bevölkerung sehr zahlreich. Da nun alle diese Einwanderer meist nach Nationalitäten zusammen wohnen, so tritt oft der Fall ein, daß in der Schucke eines Stadt­viertels die meisten Kinder italienisch oder tschechisch oder armenisch besser als englisch sprechen. Dann wird shreng darauf gehalten, daß die in der betreffenden Schule an- . Pellten Lehrer kein Wort von der Sprache der Kinder

Zechen und so gezwungen sind, mit ihnen nur auf 1 auli, si zu verkehren.

Lehrplan der Elementarschule ist so angelegt, daß er a nm Besuch der Mittelschule vorbereitet. Dre- jenigen Schüler, welche nicht sofort ins praktische Leben übergehen wollen, können nach Zurücklegung der obersten Klassen der Elementarschule in dre unterste der high-school eintreten. Die high-school ihrerseits bereitet zum Erntritt ius College vor, ohne daß sie jedoch die Tatsache vergißt, daß die meisten Schüler nach Zurücklegung der high-school sich einem praktischen Berufe widmen. In Amerika bilden also der Elementar-, Mittel- und Hochischulunterricht eine ununterbrochene Reihe von Lehrstufen. Dem liegt die demo­kratische Absicht zu Grunde, daß alle Bürger de^ L.rnves Eine, wenigstens in ihren Anfängen und Grundlagen, gleiche Bildung haben sollen. Bildungsunterschiede sind darum in Amerika nur quantitative Unterschiede; denn wenn auch bie Kinder der besseren Kreise nicht die Gemeinde-

schuleu besuchen, so pflegen die entsprechenden Privat­schulen einem ähnlichen Lehrplan zu folgen. Ferner ist durch diese Anordnung der verschiedenen Unterrl-chtsstusen beabsichtigt, daß jeder Schüler ohne Unterschied des Standes und Reichtums der Eltern von vornherein dieselben Aus­sichten hat, sich die höchste Bildung Mrzueignen. In Amerika ist der Lehrplan so, daß der Schäler feine Ausbildung jeden Augenblick unterbrechen kann, ohne daß sie dadurch unfertig ist, und daß er sie andererseits jederzeit wieder aufnehmen kann. Hiervon wird ost und viel Gebrauchs ge­macht Oft verdienen und sparen junge Leute sich das Geld zur Fortsetzung des unterbrochenen Schulbesuchs. Nament­lich auf dem College gibt es häufig Studenten, welche aus zwei oder drei Jahre die Anstalt verlassen, um Geld zu verdienen, und dann zur Beendigung des Studiums zurückkommen. Der Schüler soll, nach amerikanischem Ideal, nicht mit einer abgerundeten systematischen Bildung ent­lassen werden. Vielmehr soll er für die Tätigkeiten dejs praktischen und täglichen Lebens vorbereitet sein. Man will ihm darum kein totes Wissen eintrichjtern, sondern man will ihn zurzeit nie mehr lehren, als was zur praktischen Ausübung irgend einer aktiven Tätigkeit notwendig und ausreicheÄ ist. Er lernt nichts, was ihm erst später klar werden und dann für ihn ein lebendiger Schatz sein wird. Der Nutzen der neu erworbenen Kenntnisse muß auch dem Schäler sofort in die Augen fallen, und er muß einsehen, daß er durch sie sofort befähigt ist, neue praktische Aus­gaben tätig zu lösen. Das Ergebnis dieser Erziehung ist vielleicht nicht so abgerundet, systematisch und gründlich. Aber daß es praktisch ist und daß es Menschen bildet, die in dem Strom der Welt zu schwimmen gelernt haben, das kann niemand leugnen. Der Schäler lernt Lesen, Schreiben, Geschichte und Geographie, damit er dereinst als Bürger seines Vaterlandes mit dessen politischen Pro­blemen und Tendenzen vertraut ist und damit er als Wähler an ihrer Leitung verständig teilnimmt. Darum lernt er diese Fächer so, daß er mit ihrer Hülse später seine Zeitung lesen und verstehen kann. Er wird in der Verfassung und Geschichte seines Larrdes unterrichtet; über den Rest der Welt erfährt er nicht viel. Genau so liegt ejs mit seinen geographischen Kenntnissen. Statt der in Deutschf- land beliebten physischen Geographie wirdd namentlich Handelsgeogvaschie getr ieben. Schon im zarr-eu Alter' lernen die Kinder, daß die Vereinigten Staaten nach Klima, Bodenprodukten und Hauptbeschäftigungszweigen der Be­wohner in mehrere große Sektionen zerfallen. Dann wird besprochen, wie diese Sektionen unter einander durch Flüsse, Kanäle oder durch Netze von Eisenbahnen verbunden sind. Später wird z. B in der Chemie den Schälern nicht das abstrakte Gesetz gelehrt und durch ein vom Lehrer gemachtes typisches Experiment illustriert, sondern wenn irgend mög­lich wird den Schulern Anleitung gegeben, selbst ein solches Experiment zu machen und sich persönlich von dem Bestehen eines solchen Gesetzes zu überzeugen. Allein der Unterricht m der Chemie gehört bereits der high-school an. Die Haupt- unterrichtssächer sind hier Englisch, Lateinisch, Algebra, ebene und svhärischje Geometrie, Physik, Chemie, Zoologie, Botanik, Geschichte und neuere Sprachen, das Heißt Fran­zösisch oder Deutsch oder beides. Allein auf keinem Gebiete des amerikanischen Schulwesens herrschen größere lokale Unterschiede als auf dem der Mittelschulen. Im allge­meinen dauert der ganze Kursus vier Jahre. Das ist wenigstens das Ideal, welches auch die high-schools zu verwirklichen streben, die noch kürzere Lehrkurse haben. Da die Schäler oder die Schälerinnen ungefähr im 14. Lebens­jahre in die high-schpol ausgenommen werden, so sind sie im 18. zum Besuche des College reif und körrnen mit 22 Jahren den Bacealaureusgrad beim Abgang vom College erwerben.

Die Kaiserin in Schlesien.

Die Kaiserin ist in dem Ueberschwemmungsgebiet ein­getroffen. Auf dem Bahnhof in Ziegenhals hatten mehrere Damen die Ehre, der Kaiserin vorgestellt zu werden. An der Freiwaldauer Brücke richtete Frau Bürgermeister Kern aus Ziegenhals eine Ansprache an die Kaiserin. Der Bür­germeister von Ziegenhals überreichte der Kaiserin nach der Begrüßungsansprache ein künstlerisch ausgesührtes Album mit Ansichten aus dem Ueberschwemmungsgebiet und eine Schrift über die Verwüstungen. In Arnolds- dorf wurde die Kaiserin vom Pfarrer Scholz und dem Ge­meindevorstand begrüßt. Die Kaiserin besuchte die zer­störte Kirche und drückte ihr herzlichstes Mitgefühl aus und versprach werktätige Hilfe. In der Kirche zu Arnolds- dors wurde der Kaiserin ein Telegramm ihres hohen Ge­mahls überreicht, worin derselbe im Anschluß an die Nord­landreise seinen Besuch im Hochwassergebiet in Aussicht stellt. Sodann wurde die Fahrt nach Wachenau angetreten. Die Kaiserin sprach wiederholt ihren Dank für den herzlichen Empfang der Bevölkerung aus. Die Kaiserin traf in Bres­lau mit Sonderzug gegen 2 Uhr nachm. auf dem oberschle- stschen Bahnhof ein und wurde von dem Herzog Ernst Günther von Schleswig - Holstein, dem kommandierendem General von Woyrsch, dem Oberpräsidialrat Dr. Michaelis, dem zum Dienst befohlenen Schloßhauptmann von Erd- maunsdorf, dem Grafen Carmer und dem stellvertretenden Polizeipräsidenten Aiegierungsrat Degner begrüßt. Nach der Begrüßung fuhr die Kaiserin nach dem kgl. Schloß, auf dem die' Kaiserstandarte gehißt wurde.

Olachmittags um 3V2 Uhr begab sich die Kaiserin vorn Schlosse nach dem Oberpräsidium, woselbst unter dem Vorsitz der Kaiserin eine Sitzung des N otstandskomitees stattfand. Hierauf kehrte die Kaiserin nach dem Schlosse

zurück und unternahm um 5y2 Uhr trotz des regnerischen Wetters im offenen Wagen eine Rundfahrt zur Besichtigung der Hochwasserschäden. Eine zahlreiche Menge, welche die Bürgersteige besetzte, begrüßte die Kaiserin andauernd mit herzlichen Kundgebungen. In der Sitzung der Pro­vinzialhilfskomitees wurde in Gegenwart der Kaiserin beschlossen, die Sammeltätigkeit fortzusetzen und von den gesammelten Geldern sofort 150 000 Mk. den aus­führenden Organen zu überweisen. Die Kaiserin überwies persönlich dem Provinzialhilfskomitee weitere 10 000 Mk., außerdem dem Landrat Wichelhaus für die Notleidenden des Landkreises Breslau 5000 und dem städtischen Hilfskomitee 2000 Mk. Den Landräten der Kreise Neustadt und Neisse überwies die hohe Frau namhafte Beiträge zur geeigneten Verteilung an die durch Hochwasser geschädigten Bewohner.

Volitische Tagesschau.

Die Sozialdemokratie

ist mit der bisher ausgestellten Tagesordnung des sozialistischen Parteitages recht wenig zufrieden; das ewige Einerlei mit den nichtssagenden Beschlüssen über die Maifeier kann natürlich nicht nach dem Geschmack der durH. die Erfolge des 16. Juni berauschten Wähler sein. Das Zentralorgan hat den mißmutigen Wählern schon einen Brocken hüi.geworsen, in dem es die Ergänzung der Tages­ordnung durch den besonderen PunktReichstagswahlen" vorschlug. Mer der Brocken ist zu gering; dieGenossen"" wollen eine energische praktische Förderung der letztem in den Gewerkschafts- und Volksversammlungen erhobenen For­derungen durch den Parteitag sehen, sie erwarten von ihm neuen, durMchlagenden Agitationsstoff. Als solche gilt die Forderung des A ch t st u n d e n t a g e s; das ist etwas für die Massen. Zweifellos werden zahlreichje, dahingehende Anträge bei dem Parteitag einlaufen; auch die sozialistische Presse tritt sehr lebhaft für die Erörterung der Frage des! Achtsturldentags durch den Parteitag ein. Das ist klar; die Masse der Wähler will sich nicht mehr mit theoretischen^ Whandlungen und Problemen abweisen lassen, sie verlangt poaktisch,e Sozialpolitik, sie will, wie der Berliner sagt, für ihr Geld auch etwas sehen. Es ist leider eine starke Täuschung, wenn man annimmt, der sozialistischie WäAsieg am 16. Juni würde nur in einen allgemeinen Freudenrausch austlingen; schärfer wie je wird die Agitation entbrennen; mit immer neuen und undurchiführb ar en Forderungen wer­den die Agitatoren an die bürgerliche Gesellschaft heran- treten. Die drei Millionen Wähler wollen beschäftigt fein und erwarten viel, sehr viel von ihrer so starken FrEion. Auf diese Perspektiven ist noch nicht genug hingewiesen worden.

Eine Rede des ftauzöfischen Mmisterpräfideulen.

Auf dem populären Bankett hrelt Ministerpräsident Combes auf die Begrüßung verschiedener Parteien eine Ansprache, in der er, nach derFrkf. Ztg.", für den großartigen Empfang dankte/ und der Genugtuung über die Einigkeit aller linksstehenden Parteien Ausdruck gab. Diese Einigkeit sei um so nötiger, als die Stunde des Zurückweichens noch lange nicht geschlagen habe. (Stür­mischer Beifall.) Gewiß haben unsere Gegner schon alles ins Werk gesetzt, um unseren Nachfolger zu finden, und gewiß haben sich auch schon Nachfolger mit gefälliger Dienstbarkeit angeboten. (Heiterkeit) Alle drei Monate hat man meine Demission angesagt, und als ich die Pro­phezeiung immer wieder nicht bestätigen wollte, gab man mir immer wieder neue drei Monate. Am Schluß der letzten Parlamentssession schien diesen Bemühungen end­lich Erfolg lächeln zu wollen. Der republikanische Block selbst drohte, zu zerschellen und einige, allerdings recht junge Republikaner, welche mit der Mehrheit nur unter der Bedingung gingen, daß das Ministerium nicht zu lange leben werde, machten Miene, sich geräuschvoll von ihr zu trennen. Man träumte davon, die Kammer in einen Schaf­pferch zu verwandeln, wo alles sich umarmen werde. Von der äußersten Rechten bis zu den Radikalen. Zum Unglück für diese Koalition hatte die Regierung einen schlechten Geschmack, die sich hinter dem Idyll verbergende große Idee nicht verstehen zu wollen. (Große Heiterkeit.) Die Regierung steht heute noch aufrecht, und ist fest entschlossen, ihre ganze Pflicht der republikanischen Verteidigung und Aktion zu erfüllen. (Lebhafter Applaus.) Da andererseits auch alle Parteien der Linken das gemein­same Ziel im Auge vehalteu und ihre Kohäsion bewahren, so müssen natürlich die Reaktion und die wenigen Porte­feuillestreber verzweifeln. Das republikanische Frankreich will, daß das Gesetz seine Kraft behält. Es stellt sich ent­schlossen auf die Seite eines Ministeriums, das das Gesetz gegen die Kongregationen verteidigt, die sich anmaßen, über und außerhalb der Gesetze zu stehen. Combes verweist auf die wachsenden Erfolge des Ministeriums bei den Wahlen zum Senat, zu den General- und Gemeinderäten, die beweisen, daß sich die Wähler durch keinerlei Anklagen gegen die Politik der Regierung beirren ließen. Der Redner widerlegte danil den Vorwurf, daß er das Vereins­gesetz nicht konsequent angewandt und Ausnahmen zuge- lasse'n habe, und schloß mit der eindringlichen Mahnung an die Republikaner zur Einigkeit, die besonders nötig sei zur Lösung der zwei wichtigsten bevorstehenden Aufgabeir, der Abschaffimg der Fallouxschen Schulgesetze und der Trennung von Staat und Kirche.

lieber bie Ermordung des russischen Konsuls in Monastir wird noch folgende Ergänzung gemeldet: Als der Konsul am Samstag von dem nahegelegenen Kloster Bukowo,