essierten Mäckte haben ein Interesse daran, den status quo im europäischen Wetterttänkel zurzeit nicht verändert zu sehen, zumal festgestellt werden tonnte, baß die zahlreichen Explosionen in Saloniki sowohl wie die Ausschreitungen an anderen Stellen zumeist von bulgarischen Offizieren geleitet wurden. Und trotz der vielen Opfer, trotz der Massenverhaftungen, die bereits zu verzeichnen sind, — in Saloniki sollen nicht weniger als 500 Bulgaren verhaftet worden sein — bringt jeder Tag fast neue Kämpfe. Da indes die Massenverhaftungen von christlichen Be- wobnern Alfferbiens und Macedoniens geeignet sind, die Aufregung zu steigern, forderten mehrere Botschafter die Pforte auf, unnötige Harten zu vermeiden und im eigenen Interesse nur gegen die Attentäter und deren Komplizen streng vorzugehen. Außerdem wird erklärt, daß, sobald die Gewähr vorlregt, daß die Nutze in Saloniki dauernd wieder hergestellt ist und die fremden Kolonien sich in Sicherheit befinden, das östreichische Geschwader unter Zurücklassung eines Schiffes abdampfen wird. Das Gleiche wird das italienische Geschwader tun. Ebenso wird das deutsche Stations- schiff,Loreley" Saloniki verlassen. Inzwischen wurde nad) der Wiener „Zeit" am letzten Samstag in Kiupriul die Moschee mit mehr als 200 Mohammedanern, die darin versammelt waren, mit Dynamit-Bomben gesprengt und die Mohammedaner unter den Trümmern verschüttet. Der Attentäter Namens Popow erschoß sich dann. Er hinterließ einen Zettel, in dem er sagte, er sei ein macedonischier Lodcsritter. Er habe gelobt, sich nach dem Attentate zu täten. Die „Zeit" veröffentlicht ferner eine Depesche des Präsidenten des maeeoonischen Komitees, Professor Micharlowski, worin behauptet wird, daß die Türken in Saloniki sich an Frauen und Kindern der Urheber der Attentate durch ein Gemetzel rächen werden. Nach dem „Berl. Tagebl." scheinen sich sogar die Schreckensszenen wiederholt zu haben. Offiziellen Nachrichten zufolge ist indes das Verhalten der türkischen Truppen tadellos und man wird annehmen können, daß diese Meldungen, entgegen allen Sensationsnachrichten, richtig sind, sodaß mau doch noch hoffen darf, daß der Ausbruch eines großen allgemeinen Balkanbrandes, der ganz Europa in Mitleidenschaft ziehen könnte und dessen Folgen unabsehbar wären, verhütet wird.
Komische Tagesschau.
Prinz Prosper von Arenberg.
Ter ,L<mn. Eour." erfährt, daß der Prinz sich zurzeit noch im Gefängnis befindet, aber der Antrag auf feine llebersührung in eine Irrenanstalt auf Grund ärztlicher Beobachtungen und Gutachten gestellt worden ist. Wie die zuständigen Stellen über diesen Antrag entscheiden werden, und bis M welcher Zeit dies geschieht, entzieht sich der Beurtellung. Nach äußeren Beobachtungen zeigt sich der Prinz sehr menschenscheu, drückt sich auf seinen Spaziergängen tm Gefängnis ängstlich an den Mauern entlang, als wenn er an Verfolgungswahn leidet (aus welchem Grunde er zum Alleinspazrergang zugelassen ist). Aus gesundhelllichen Rücksichten, und zwar well der Arzt ein Herzleiden konstatiert hatte, war dem Gefangenen früher gestattet, sich im Flur des Verwaltungsgebäudes frei zu bewegen; der neue Gefängnisdirektor hat dies jedoch inhibiert. Ter Gefangene darf seine Zelle nur während der Reinigung derselben verlassen und sich während dieser Zeit (etwa 10 Minuten) im Aufseherzimmer aufhalten. Ta der Prinz Arenberg früher ein sehr starker Raucher war, fürchtete man ärztlicherseits eine gesundheitliche Schädigung durch eine vollständige Entziehung des Tabaks, es werden ihm deshalb täglich zwei Zigarren verabfolgt, die er auf den Erholungsgängen im Gefängnis rauchen darf; in der Zelle wird das Rauchen nicht geduldet. Auch Kautabak und Schnupftabak hat der Gefangene erhalten, aber in nur ganz geringer Dtenge, die jährlich eine Tose Schnupftabak und eine Rolle Kautabak nicht übersteigt. Alle oeson- deren Maßnahmen erfolgten auf Anordnung und unter Zustimmung des Arztes. Der Prinz Arenberg hat genau dieselbe Lagerstätte wie die anderen Gefangenen. Es ist auch keine Bevorzugung, daß sein Bett tagsüber nicht an die Wand geschlossen wird; denn dies geschieht auch mit den Betten der anderen Gefangenen, nicht, denen wegen ihres körperlichen Zustandes ärztlicherseits gestattet ist, am Tage zu ruhen. Ebenso ist es mit der Kost. Ter Prinz erhält die Hauskost wie jeder andere Gefangene, zelllich dagegen auch Krankenkost mit Zulagen, wie sie jedem anderen kranken Gefangenen gewährt wird. Die Behandlung des Prinzen Arenberg ist nach alledem nicht als eine bevorzugte anzusehen, es fei denn, daß man diese darin erblicken könnte, daß er statt nur des Löffels auch Messer und Gabel beim Essen benutzen darf.
lieber die Zustände in Samoa
wird in einem Bericht der „Köln. Ztg." Klaae geführt: „Diesmal find es die deutschen Ansiedler, die mit der Regierung in die Haare geraten sind. Darüber, daß dies illcht schon früher eingetreten ist, sollte man sich bei den hier herrschenden Zuständen eigentlich wundern. Den Anlaß gab ein Artikel in der „Samoanischen Ztg.", der die segensreiche Tätigkeit der Verwaltung bis m den Himmel hob. Dem wagte ein schon seit einer Reitze von Jahren auf Samoa ansässiger Pflanzer zn widersprechen und zu be
haupten, daß die deutsche Verwaltung für das Land so gut wie gar nichts getan habe. Nun siel natürlich die offiziöse „Samoanische Ztg." über den armen Pflanzer her, der nebenbei noch behauptet hatte, daß die Zellung von oben beeinflußt würde. Es stellte sich aber heraus, daß der betreffende Pflanzer, Namens Peemuller, der dazu noch kürzlich in den Gouvemementsrat gewählt wurde, mit seiner Ansicht nicht allein dasteht, sondern daß fast ausnahmslos alle deutschen Ansiedler, insbesondere die neuen, geschlossen für ihn Partei ergreifen. So kam denn die lange verhaltene Erbitterung zum Ausbruch. Mll Recht sagt man, daß die Regierungsgelder in einer Weise verausgabt werden, die den Bedürfnissen des Landes nicht entspricht. Pflicht der Regierung wäre es, das Land aufzuschließen und den Ansiedlern bei ihrer Niederlaflung behllflich zu fein. Nichts aber geschehe. Durch Erhöhung des Einfuhrzolles auf 10 Prozent werde den Ansiedlern die Lebensführung unnötig verteuert und auf der anderen Seite würden für Instandhaltung und Weiterführung der Wege nicht die erforderlichen Gelder ausgegeben. Tie Wege seien in einem so kläglichen Zustande, wie sie vor llebernatzme der Insel nicht loaren. So wurde kürzlich von dem einzigen Wege, der die Pflanzungen mit Apia verbindet, in nächster Nahe der Stadt ein Teil durch einen Sturmregen überschwemmt. Jetzt sind fast zwei Monate verflossen, und der Weg ist noch nicht wieder in guten Zustand gebracht, sodaß die Pflanzer die nötigsten Lebensmittel zu ihren Wohnungen herauszutragen gezwungen waren. Samoa hat sich in dem letzten Jahre, in dem zahlreiche Ansiedler, ausnahmslos Deutsche, sich dort niederließen, sehr geändert, aber damit auch der Geist der Ansiedler, die, da sie Gut und Arbeit einfetzen, nid# ohne weiteres dem bisherigen „laisser aller" zustimmen wollen. Ein gänzlicher Systemwechsel der Regierung, die weniger Wert auf äußeren Prunk und Schein und mehr Gewicht auf eine energische Wirtschaftspolitik legen muß, ist dringend erforderlich und wird hier allerfeits erhofft."
Wie die ,,9cai.-3tg." ferner berichtet, haben zeitweilige Gegensätze zwischen den beiden in Samoa arbeitenden großen Gesellschaften, der deutschen Handels- und Plantagengesellschaft einerseits und der deutschen Samoa-Gesellschaft andererseits einen Mißton in den Gouvernementsrat gebracht. Diese Gegensätze dürsten sich aber mit der Zeit ausgleichen. Den Ausgangspunkt der Differenzen bilden lediglich Fragen geschäftlicher Konkurrenz, die an sich mit der Politik des Gouverneurs nichts zu tun haben. Von unterrichteter Seite wird der „Nat.-Ztg." berichtet, daß die verhältnismäßig unbedeutenden Strell- fragen, aus denen die zwiespältige Stimmung entstanden ist, im Begriffe sind, in befriedigender Weise beigelegt zu werden. Zu den beiden genannten Gesellschaften wird in nächster Zeit noch eine dritte, die Safata-Samoa-Ge- sellfchaft treten, die sich lediglich der Kakao-Kultur zu widmen gedenkt.
Die deutsche Samoa-Gesellschaft hat im Jahre 1902 einen Gewinn von 1439 816 Mk. zu verzeichnen gehabt und die den versicherten Mitgliedern zu gewährende Dividende auf 60 Prozent festgesetzt. — Das neu angelegte pazifische Kabel soll in nicht allzu ferner Zeit Tiituila, die amerikanische Samoastation, erreichen und zwar von der Faninginsel aus. Die deutsche Postverwaltung wird diese Gelegenheit hoffentlich nicht unbenutzt vorübergehen lassen, um nach Fertigstellung dieses Kabels audj einen Anschluß nach Apia zu gewinnen. Unsere Landsleute auf Sauroa empfinden schmerzlich den Mangel jeder telegraphischen Verbindung mit der Außenwelt, während die Briefbeförderung verhältnismäßig schnell vor fid) geht. So erreicht ein Brief nach Apia sein Ziel eher als ein gleichzellig nach Deutsch - Südwest - Afrika abgesandtes Schreiben.
Wahl-Bewegung.
Das Wahlkomitö für die Kandidatur Dr. Wallau im Wahlkreise Alsfeld-Lauterbach-Schotten teilt uns, entgegen der Samstags-Meldung unseres fo.-Korrespon- benten, mit, daß Herr Kreisrat Dr. Wallau-Lauterbach auf wiederholtes Drängen sich nunmehr doch definitiv ent- chlossen hat, die Reichstagskandidatur anzunehmen.
Universität Gießen.
Zweites Verzeichnis der neu immatrikulierten Studierenden.
L. Theologische Fakultät.
W. Döll, Offenbach a. 9)L, Ludwigstr. 22.
E. Marguth, Michelstadt i. O., Grünbergerstr. 5.
F. Pabst, Grafenhausen, Ludwigstr. 6.
b. Iuristische Fakultät.
H. von Kaltenborn-Stachau, Eharlottenburg, Wolfstr. 21.
K. Kaufmann, Morsbach, Grünbergerstr. 17.
L. Lauer, Gießen, Brandpl. 15.
A. Parcus, Berlin, Bismarckstr. 6.
I. Schmetz, Montabaur, Grünbergerstr. 17.
E. See, Mainz, Bleichstr. 17.
L. Weidner, Darmstadt, Stephanstr. 12.
c. Medizinische Fakultät.
H. Vetter, Tierhk., Oberaspach, Bleichstr. 10.
E. Bosch, Tierhk., Wesel, Bleichstr. 18.
L. Delo, Aled., Darmstadt, Goethestr. 27.
K. Dickorö, Med., Lollar, tn Lollar.
Ä. Gaberdan, Tierhk., Pirmasens, Frankfurterstr. 93.
F. Gros, Med., Darmstadt, Ludwigspl. 14.
L. Hasbach, Med., Koblenz, Eicbweg 5.
9L Heß, Med., Wadgassen, Mittelweg 16.
H. £>oimann, Tierhk., Nürnberg, Mittelweg 14.
H. Illeberg, 'Med., Voßnacken, Grünbergerstr. 17.
H. Klein, Med., Hos-Albach, Grünbergerstr. 48.
F. Koch, Tierhk., Gollnow, Seltersweg 61.
E. Lehmann, Tierhk., Hof, Blsmardstt. 16.
O. List, Med., Lauterbach, Grünbergerstr. 7.
F. Diesem, Tierhk., Dülmen, Bleichstr. 10.
Ehr. Müller, Med., Widdersdori, Landmannstr. 6.
O. Piskator, Med., Perborn, Grünbergerstr. 40.
G. Richter, Tierhk., Rosenberg, Ebelstr. 12.
Dr. 91. Rückert, Med, Kassel, Ktimkslr. 22.
2L Scholtyssek, Tierhk., Königshütte, Ebelstr. 16.
G. Schwinning, Tierhk., Berlin Ebelstr. 23.
K. Siedamgroyky, 'Med., Kassel, Grünbergerstt. 56.
d. Philosophische Fakultät.
A. Büsch, Chem., Essen, Wolsstr. 21.
W. Tiemer, 'Math, und Naliirw., «ließen, Kirchstr. 13.
I. Engel, Phllos., Nagy Rakocz (Ung.). Asterweg 57.
R. Herz, Phllos., Franlsurt a. M., in Frankfurt a. M.
I. Kissel, Naturw., Biblis, Ludwigstr. 10.
W. Klink, Math., Groß-Gerau, Stemstr. 15.
H. Krogmann, Naturw., Zerhusen, Bismarckstr. 10.
I. Lorsch, Philos., Alsield, Schillerstr. 20.
H. May, Naturw., 9hebec-2)lörlen, Bruchstr. 9.
C. Mehter, Philos., Frankfurt a. 'M., West-Aul. 39.
K. Molly, Naturw., Dresden, Grabenslr. 6.
F. Naumaiin, Philos., Gießen, Süd-Anl. 8.
W. Pfeifer, Math., Darmstadt, Goethestr. 48a.
L. Poepperlmg, Kl. Phil., Ober-Ingelheim, Asierweg 59.
A. Rosenberg, Philos., Brzesko (Galizien), in Frauksurt a. M.
I. Rosenfeld, Philof., Wttebst (Rußt.), Wohnung noch nicht begannt
H. Rühl, Forstw., Schotten, Grünbergerstr. 24.
A. Schemm, Chem., Altena i. W., Wolsstr. 13.
P. Schiller, Pharm., Münster L W., Kircheupl. 6.
Dr. F. Sommeriad, Naturw., Gießen, Marburgerstr. 20.
Th. Spira, N. Phil., Worms, Liebigstr. 33.
W. Tiefensee, Naturw., Gießen, Walltorstr. 48.
H. Wagner,'Math und Rechte, Matstatt-Burbach,Bahnhoistr.31.
W. Wemmaun, Math., Hackenheim, Grüubergerstr. 35.
Aus Stadt und Land.
Gießen, am 11. Mai 1903.
• * fiiebigfeier. Wie wir bereits früher mitgetcilt haben, wird dem Festakt in der großen Aula der Universität eine Feier am Denkmal folgen. Um l/3l Uhr werden dort die Spitzen der Universität und der übrigen hiesigen Behörden mit den auswärtigen Gästen, den Lehrkörpern der Universität und die Chargierten der studentischen Korporationen eintreffen. Am Denkmal werden Kränze niedergelegt. Die Wagen der Studierenden fahren Ludwigstraße, Bleichstraße, Südanlage, Ostanlage, die übrigen Wagen Ludwigstraße, Gartenstraße, Ostanlage.
• • Das hessische Finanzministerium bat, auswärtigen Blättern zufolge, eine umfangreiche Denkschrift über die Warenhäuser im Grobherzogtum und ihre Besteuerung ausgearbeitet. Aus der Denkschrift ist zu schließen, daß die hessische Negierung eine besondere Warenhaus st euer nicht einzuführen, wohl aber die Gewerbesteuergesetzgebung einer durchgreifenden Revision in der Richtung zu unterziehen gedenkt, daß die Großbetriebe, insbesondere die sogenannten Warenhäuser, stärker herangezogen werden.
* * D. u. Oe. Alpenverein. In der Sektion Gießen sprach am jüngsten Sitzungsabend Herr Emil Pi stör aus Marburg über eine Frühlingsfahrt an den Rivieren. In lebendiger, anschaulicher Rede behandelte der Vortragende eine im März^des »origen Jahres unternommene Radtour, deren erster Teil von Turin aus über den Col di Tenda nad) Ventimiglia, Monaco und Nizza führte, deren zweiter Teil der Riviera di Ponente galt und von Livorno ausgehend die Orte Pisa, Spezia, den Passo di Barka, Sestri, Rapalla, Nervi und Genua berührte. 2He viel gepriesenen Reize der herrlichen Mittelmeergestade, sowie der benachbarten Gebirgslandschaften der Alpen und Apenninen, der Reichtum des )übiid)cn Pflanzenwuchses, die Eigentümlichkeiten von Stadt und Land erfuhren an treffenden Beispielen eine beifällig aufgenommene Schilderung.
• • Deutscher Flotte nv erein. Auf die nächsten Mittwoch abend in der kleinen Aula der Universität statt- finbenbe Hauptversammlung bes Kreisaußschusses beß Deutschen Flottenvereins für bie Provinz Oberhefsen weisen wir auch an bieser Stelle hin. Die Tagesorbnung ist im Inseratenteil bekannt gegeben.
Lollar, 9. Mai. Bei bet heutigen Bürger» meisterwahl würbe ber seitherige Beigeorbnete Kaufmann Karl Zimmermann mit 115 Stimmen gewählt. — Die beiben ©egenfanbibaten erhielten 84 bezw. 24 Stimmen.
Vermischtes.
* Trier, 9. Mai. Der Förster Jung ist in bet vergangenen Nacht im Kampf mit Wilbbieben bei Justerath im Hochwalb von biesen erschossen worben. Die heute vormittag aufgefunbenc Leiche des Försters zeigt sieben Schußwunben.
gilt ebenso von ben Herren wie von ben Damen. Bon bem schönen Geschlechte würbe eigentlich nur Frl. Stöger ihrer Aufgabe barstellerisch gerecht. Sie war pikant unb fesch in ihren mannigfachen excentrischen Kostümen. Recht nieblich sah als frühreifer Pensionsbackfisch in ihrem Stiefmütterchen« kleibchen Frl. Kalbern aus, bie aber mimisch noch in ben Kleinkinderschuhen steckt. Sehr komisch war Herr Ganzert als im Menschendasein höchst bebeutungsoolle Mabame Meyer. Aber ber Pallisadenkarl, sonst eine alkoholbuftige Charge ersten Ranges, versagte ganz. Den Erfolg des AbenbS sicherte nur Herr Bruck in ber vielfarbig schillernben Partie beS Jnscttenpulverfabrikantcn unb ehrsamen Spießers. AIS PrciSringer im ZirkuS, als Don Juan im Chambre separee, als Delinquent auf bem Armensünberbankchen im Polizeibureau unb als luicbergeroonnener Ehemann ftanb er seinen Mann, unb trieb einen Ulk, baß bie sehr stark besetzte Galerie von stürmischem Gelächter erbrohnte unb ber Streckenrapport schließlich boch auch bei unL ,riesiger Lacherfolg^ lautet.
Nun haben die Künstler ihre Gießener Zeit hinter sich. Sie wenben sich nach kurzer Ruhepause nach ber großen Seestadt Leipzig, um bou em Somnierensemble zu hüben. Sie haben sich hier vier Wochen lang als fleißig unb rührig
allesamt erwiesen. Aber ber emsigste von allen war boch Herr Bruck, bet Komiker unb Regisseur. Ihm fiel nicht nur fast immer eine ber größten Rollen zu, er hatte unausgesetzt zum eigenen Spiel auch bie Leitung bes Ganzen in ber Hanb. Unb biefe Arbeit, biete Pflichtenmasse hat Herr Bruck unermüblicf) mit stets freubig bereitem Humor burch- geführt unmittelbar nach ber gewiß recht angestrengten Eibinger Wintersaison. Freilich hatte er auch ben herzerfrischenben Lohn bafür, stets fröhliche Gesichter vor sich zu sehen unb durch Lachen die Herzen zu gewinnen.
Der gestrige Abenb bebeutetc auch bie definitive 23er» abfdjit'bung bes Herrn Direktors Kruse. ES ist unzweifelhaft, baß stch bas Gießener Stabttheater unter ber Herrschaft des Herrn Kruse gegenüber ber vorhergehenben Aera burch- aus gehoben hat. Er hat namentlich im Winter 1901/02 ben Modernen bas Wort gegönnt unb auch ben großen Skanblnaoiern. Er führte den ersten Teil von Björnsons ,lieber untere Kraft* auf, waS ihm unvergessen bleiben wirb. In manchem anderen noch zeigte er sich als Mann von litcrarischem Geschmack. Leider erfuhr er in diesem Winter nur zu halb, baß bas Enbe seiner Gießener Tätigkeit bevor» stehc, unb fortan schien es mit seinem ltterarischen Ehrgeiz aus. Man braucht indessen barüber nicht die Achseln zu
zucken; andere Theaterleiter hätten eS wohl gerade so gemacht. Nicht vergessen mag Herrn Kruse werben, baß er in unserem Theater auf ein gutes Zusammenspiel Wert legte. Man wirb ihm in Gießen ein bauembeS ehrenbes Älnbenken bewahren. P. W.
Frankfurt, 10. Mai. Nach mehrjähriger Pause ging Supp es „Falinitza" in einer bemerkenswerten, künstlerischen Neu-Einstubierung unter Kapellmeister Pittrich unb Regisseur Kerschen in Szene. Wir besitzen in Fräulein Milton eine fesche Diva und in den Herren Steffens, Schwarz, Schramm, Hauck und einigen anderen Mitgliedern verwendbare Operettenkräfte, denen nur noch em tüchtiger Komiker fehlt, um das Ensemble zu vervollständigen. Die hübsche „Fatinitza"»Vorstellung eröffnet eine hoffnungsvolle Perspektive, welche ben allgemeinen Aufschwung unserer Opernverhältniffe begünstigt.
Ein Damenkomitv will ber Schriftstellerin unb Vor» kämpserin ber Fricbensbewegung, Frau Baronin Bertha v. Suttner zu ihrem bevorslehenden sechzigsten Geburtstage eine Ehrengabe überreichen unb roenbet sich an bie Freunde dieser mutigen Frau mit einem Aufruf.


