Ausgabe 
11.3.1903 Erstes Blatt
 
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Sitzung am 13. Dezember sich beteiligt. Ta Abg. Kohler nach dey. Versicherungen seiner antisemitischen Freunde an n n ü b e r w t iyb- lich er Abneigung gegen Berlin leidet, ist es gleichgutig, ob er der Deutsch-sozialen Neformpartei als Hospitant oder als Mitglied angehört.

* Auf der Landeskonferenz der freisinnigen Volkspartei für das Grobherzogtum Hessen in Frankfurt, von der wir gestern bereits kurz berichteten, waren sieben hessische Wahlkreise durch Delegierte vertreten. Die Besprech­ungen betrafen hauptsächlich die Aussichten in den einzelnen Wahlkreisen. Man einigte sich dahin, die Anstrengungen der Partei auf einige aussichtsvolle Wahlkreise zu konzentrieren. Die Kandidatenfrage wurde den ein­zelnen Wahlkreisen zur baldigen Erledigung anheim gegeben. Ter Central-Ausschuß der Partei für Hessen wurde neu gewählt, Derselbe besteht unter dem Vorsitz des Stadtv. Ferdinand Börkel in Mainz aus folgenden Mitgliedern: Landtagsabg. Reh-Alsfeld, Stadtv. Feistmann-Offenbach, Schlossermeister Bornemann-Alsfeld, Justizrat Gallus-Darm­stadt, Landtagsabg. Dr. Gutfleisch-Gießen, LandtggS- abgeord. Langenbach-Darmstadt, Justizrat Metz-Gi^ßen, Landtagsabg. Damm-Friedberg, Rechtsanwalt Klein-Worms, Stadtv. Hanstein-Friedberg, Kaufmann Waltcr-Wornis. Kaufmann Wilh. Christ-Mainz, Lederhändler Wolf-Alzey, Redakteur Kcrsting-Ober-Ingelheim. Der Zentralausschuß der Partei war bei den Verhandlungen durch Abg. Schrnidt- Tlberfeld vertreten.

R. B. Ernennung. Wie uns aus Darmstadt ge­drahtet wird, ist unterm 10. d. M. der ordentliche Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Basel, Dr. Erich Bet he, zum ordentl. Professor in derselben Fakultät der hessischen Landes-Universität mit Wirkung vom 1. April ernannt worden.

R. B. Darmstadt, 10. März. Für heute abend hatte der hiesige Detaillistenoerein eine größere Versammlung ein­berufen, in welcher die Frage des Offenhaltens der Schaufenster an Sonntagen eingehend diskutiert wurde. Es handelt sich um die Abänderung des § 227 des Polizei­strafgesetzbuchs, der das Offenhalten der Schaufenster jetzt verbietet. Tie gut besuchte Versamnilung nahm nach einer längeren Debatte mit großer Mehrheit folgende Reso­lution an:

«Tie von dem Vorstand des Vereins der Detaillisten am 10. März einberufene Mitglieder- uni) Jnteressenten-Versammlnng ermächtigt den Vorstand des Vereins, den von der Bürgermeisterei Gießen an die Landständc gerichteten Antrag, welcher dahin geht, den Art. 227 des Polizeistraigesetzbuchs, das Offenhalten der «chailfenster an Sonntagen betreffend, a u s z uh e b e n , in zu» stimmender Weise beizutreten, und zwar unter der Voraus­setzung, daß 1) gesetzliche Maßnahmen getroffen werden, welche den Ladenschluß derart anordnen, daß die von der Straße zu den Verkaufsräumen führenden Eingänge durch Rollläden, Vorthüren oder Gitterthüren und, wo diefe nicht vorhanden, durch Einhängen eines Vorstellladens direkt an die Thür derart anzuschlleßen sind, daß Zweifel über den Ladenschluß nicht entstehen könneii, und 2) daß die Beleuchtung der Schaufenster an Sonntag-Abenden einem Verbot unterzogen wird, da in der Bedienung der Be- leuchluiig zweifellos eine lästige Beschränkung der Sonntagsruhe zu erblicken ist."

sch. Darmstadt, 11. März. Auf Vorschlag des Land­gerichts-Direktors Dr. Richter kam in der Angelegenheit Schäfer-Mayer (vgl. Gerichtssaal in heutiger Nummer) folgender Vergleich zustande: Die Staatsanwaltschaft zieht ihre Berufung gegen das freisprechende Urteil zurück und die Staatskasse übernimmt die Kosten des Verfahrens der Be­rufung. Schäfer nimmt seine beleidigenden Aeußcrungen in dem Apell an die Stadtverordneten zurück und übernimmt die Kosten seiner Verteidigung. Diese Kosten trägt auch Mayer. Oberbürgermeister Morneweg hatte bei seiner Heu- tigen nochmaligen Vernehmung ausgesagt, daß es ihm nicht an einer Bestrafung, sondern nur an einer gerichtlichen Fest­stellung der Angelegenheit gelegen habe.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In M a i n z ist der Großindustrielle Silberwarenfaürikant Bernhard Albert Mayer von der Firma Martin Mayer im Alter von 72 Achren gestorben. Der Verstorbene gehörte der freisinnigen Partei als Vor­standsmitglied an. Die Handelskammer Friedberg hat in Anbetracht der Unzulänglichkeit des hiesigen Amts- gerichtsgebäudes beschlossen, sich mit dem Ersuchen an Die Regierung zu wenden, durch einen entsprechenden Neubau die Mißstände zu beseitigen.

Giro» als Klosterbruder?

DieSächs. Arbeiter-Ztg." erhält folgendes überraschende Schreiben aus der Stadt Ninove in Belgien:

Wir haben die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß Herr Andrö Giron, dem Rat seines Onkels, Beamten in Brüssel, folgend, soeben in unserer Stadt in das Trappistenkloster eingetreten ist.

Der Rat:

(Stempel, im Mittelfelde eine antike Frauengestalt zeigend, die in der Rechten die Fasces des Liktors (Beil und Rutenbündel, Abzeichen der Obrig­keit» gegen den Boden stemmt, in der Der Präsident- Linken einen Stab hält, darauf ein Ph. Nerevecoven. .Vogel sitzt. Im äußeren Ring die

Worte: aDM. MUMCIP DU CANT, DB NINO VE (Gemeindeverwaltung deS Bezirks Ninove-.

Das Dresdener sozialdemokratische Blatt bemerkt dazu: Wir können uns natürlich nicht dafür verbürgen, daß der Gemeinderat des belgischen Städtchens richtig infor­miert ist. Indes hat eine solche amtliche Meldung Ge­wicht, da der Behörde jedenfalls ausreichende Mittel zur Feststellung des Tatbestandes zur Verfügung stehen. Man darf deshalb die Meldung nicht als direkt unglaubwürdig beiseite legen, weil sie den letzten Aeußerungen Girons widerspricht, die eine Wiedervereinigung mit der Prinzessin in Aussicht stellten von einer weltflüchtigen Stimmung also nichts zeigten.

Trotz des amtlichen Stempels halten wir diese Mit­teilung aus Ninove für sehr dunkel. Vielleicht ist sie ein schlechter Scherz. Die Ordensregel der Trappisten gebietet völliges Schweigen. Das halt Giron ja garnicht aus.

Vermischtes.

* Berlin, 10. Aiärz. Wie dieTägl. Rundschau" hört, ist Oberleutnant von Grawert von der ostafri- kanischen Schutztruppe, der den Rechtsanwalt Aye-Flens­burg im Zweikampf erschoß und die ihm Anerkannte Festungshaft in Magdeburg vor kurzer Zeit antrat, durch kaiserliche Kabinettsordre vom 2. d. M. begnadigt worden.

'u Köln, 10. März-. Teritoln. Volkszta." wird aus Ncimktrchen gemeldet: Ein halbwüchsiger junger Mann

zündete das in einem besonderen Gelasse befindliche Sprengpulver eines Steinbruchbesitzers an; dasselbe ex­plodierte und er flog mit demselben in die Luft.

* Gleiwitz, 10. Diärz. Auf dem Bismarck-Schacht in Königshütte wurden bei Reparatur-Arbeiten am Montag nacht fünf Bergleute durch Zusammenbruch v er sch ü t- t e t. Einer derselben erstickte, während drei schwer und der fünfte leicht verletzt purbe.

* Hamburg, 11. März. Der viel genannte ehemalige Lehrer des Kaisers ,Hauptmann a. D. L'Danne, ist aus der Irrenanstalt im Holsteinischen, in der er zu­letzt interniert war, entwichen. Man vermutet, daß er sich in Hamburg verborgen hält.

Bremerhaven, 10. März. Der der hiesigen Rhe­derei Köhler gehörige FischdampferBaltrum", der sich seit dem 13. Februar in See befindet und seitdem nicht mehr gesehen wurde, gilt als verloren. Die Besatzung bestand aus 11 Mann. Die Zahl der feit Weihnachten verschollenen Fjfchdampfer der Weserflotte isst damit aus sechs gestiegen.

* München, 10. März. Ein nicht unwahrscheinliches Gerücht besagt, die verurteilte Stiftsvorsteherin Elsa von Heusler habe sicherhängt.

Rom, 10. März. Bei einem Eisenbahnunglück zwischen Rocca Secea und Zsoletta sind sechs Personen ums Leben gekommen, welche sämtlich dem Zug­personal angehörten.

Wien, 10. März. Zn Asch wurden gestern nach einem heftigen Erdstöße vom Nachmittag bis Mitternacht noch vier leichtere Erdstöße verspürt. Auch in Graslitz wurden gestern mehrere leichte Erdstöße verspürt. Die aus­wärts verbreitete Meldung von Spaltungen des Erdreichs in Graslitz ist unbegründet.

* Bozen, 10. März. Von der Palagruppe stürzte ein Tourist, Namens Sperandis, ab und blieb t o t.

EciWssaal.

et. Marburg, 10. März. Unter ganz bedeutendem Andrange des Publikums, besonders der Studentenschaft, fand heute in einer bis in die späten Nachtstunden hmeindauernden Sitzung vor der hiesigen Strafkammer die 6tubenteiii|iiiain men- ro11ung, welche in der Nacht vom 14. zum 15. Dezember v. Z. stattfand, ein gerichtliches Nachspiel. Aui der Anklagebank faßen 9 Studenten, welche sich wegen Ruhestörung, grobem Unfug, Wider­stand gegen die Polizei u. f. w. zu verantworten hatten. In der Nacht zogen bekanntlich etwa ein Dutzend Studenten singend auf den Mai-Uplatz. Als ein Schutzmann einschritt und Verhaftungen vorgenommen wurden, tarn es zu emer großen Volksversammlung. Es wurde gesungen, gejohlt und sonstiger Unfug verübt. Zn um= fangreichen Erklärungen machten die Studenten spater bekannt, daß die Polizei zu streng vvrgegangen fei und sogar einen der ihrigen gefesselt habe. Auch heute stellten die Angeklagten es so hm, als wenn sie gereizt worden seien. Tas Gericht ließ nach Vernehmung einer großen Anzahl Zeugen mehrere Anllagepunkte fallen und verurteilte fünf Angeklagte zu 5 Aik., zwei zu 30 2)1 f., einen zu 45 ML. und den letzten zu 90Mk. Geldstrafe. Ter Verhand­lung wohnte ein höherer Regierungsbeamter aus Cassel und von hier die Spitzen der städtischen Behörden bei.

Leipzig, 10. März. (Prozeß Exner.) Tie Geschworenen verneinten die Schuldfrage wegen betrügeri­schen Banker orts und Betruges, bejahten dagegen die Frage wegen Verschleierung und versuchten Be­truges, verneinten jedoch die Frage, ob die Straftaten als eine Handlung anzusehen sind, sowie die Frage wegen mildern­der U m ft ä n b e. Der Staatsanwalt beantragt eine mehrjährige Gefängnisstrafe und eine hohe Geldstrafe. Verteidiger Gordou er- fucht um mildes Strafmaß, außerdem darum, dem Angeklagten 19 Monate auf die Untersuchungshaft anzurechnen, da er die Zeit vom 23. Juli 1901 bis heute wider seine Schuld im Unter» suchungsgefängnisse zugebracht habe. Tas Gericht verurteilte daraus E. zu 2'/, Jahren GefänguiS und 20000 Mark Geldstrafe. 15 Atonale Untersuchungshaft kommen in An­rechnung.

Handel und Verkehr. UolliLivlilschast.

Bnderrusjche Eisenwerke zu Weyrar. Soeben ging uns der Geschäftsbericht der A.-G. für das 19. Geschäftsjahr 1902 zu. Ter Reingewinn des Jahres 1902 beträgt danach 497 251 Mk., die Dividende 5 pCt. (in den Vorjahren 7 und 9 pCt. Hin­sichtlich der Aussichten wird im Jahresbericht folgendes ausgeführt: Tie gegen Ende des Vorjahres beschlossene Verlängerung des Roh- eisensyndikats, vorläufig bis Ende dieses Jahres, hat die Käufer von Rohe sen aus ihrer Zurückhaltung herausgelockt. Wir könneii heute feststellen, daß recht belangreiche Mengen Roheisen, zunächst vorwiegend für das erste Halbjahr 1903, abgeschlossen worden sind, und wenn, was wahrscheinlich ist, die Abjatzverhältnisse für das zweite Halbjahr ähnliche bleiben, so wird das Syndikat eine be­merkbare Steigerung des Roheisenversmides gegen das Vorjahr zu verzeichnen haben. Diese Annahme ist um so berechtigter, iveil die großen Vorräte, die im vorigen Jahre auf den 'Absatz drückten, allmählich in den Verbrauch übergegangen sind. Unsere Verlause in Roheisen für das Inland und Ausland, die ebenfalls haupt­sächlich das erste Halbjahr 1903 berühren, beziffern sich auf 43193 Tonnen ohne Berücksichtigung des Selbstverbraiichs. Im vorigen Jahre waren 75 000 Tonnen für das ganze Jahr verkauft. Hier­nach dürfen wir annehmen, daß unsere für dieses Jahr vorgesehene Roheisenerzeugung von etma 93 000 Tonnen nach Befriedigung des Eigenverbrauchs vollen Absatz finden wird. Auch im Röhren- geschält darf ein befriedigender Absatz zu angemessenen Preisen an­genommen werden. Das Ergebnis des Grubenbetriebes wird sich gegen das Vorjahr ungünstiger acftalten, well die Erzpreise ge­fallen sind. Tas Zementgeschäft bietet für das laufende Jahr recht u n g ti n ft i g e A usfi ch t e n.

£iuiiiniiFtJdJuTt.

Frankfurt a. M., 10. März. Tic Jahresversamm­lung des Frankfurter landwirtschaftlichen Ver­eins fand unter' großer Beteiligung am. Samstagabend im Hotel Bristol statt. Der Lerernsvorsitzcnde 5JUimm von Schwarzenstein gab einen Rückblick über ba-? abgelaufene Ge­schäftsjahr, das' er als sehr günstig schilderte. Für die turnus^emäß ausscheidcnden zwei Vorstandsmitglieder wurde Herr Direktor Dvory und Ferdinand Haag gewählt. Nach Schluß der Jahresversammlung fand ein Festessen statt, an dem auch die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden teilnahmen.

Hottrsdirnff der israelitischen ßeligwnsgesellschast.

Freitag den 13. März:

Purimfcst.

Donnerstag abend 6.30, Freitag morgen 6J5. Sabbathfeier am 14 März 1903.

Freitagabend 6.00 Uhr. Samstag Vormittag 8.30 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabbathausgang 7.15 Uhr.

Wochengottesdienst: Morgens 7.00 Uhr, abends 6.00 Uhr.

Ilcutllr jltiriuiuuu'ii. Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers.

R. B. Darmstadt, 11. März. (Org.-Tel. d. Gieß. Anz.) Die Zweite Kammer bewilligte heute sämtliche im Etat dis Ministeriums de8 Znncrn und der Just z ver angten Bauten. Lei der ForderungGrundbuch 2 5 0 0 0 0 Mk." entspann sich eine längere D batte, m der befklnders die o b e r- hesstschen Abgeoraneien dagegen sprachen. S^ließlich wurde ein von Leun gestellter Antrag aus Lewiltigmrg von

nur 125 000 Mk. abgelehnt, ebenso ein Dertaguug?amrag Köhlers, und es wurden die 250 000 Mk. bewilligt.

Fran kfürt a. M., 11. März. Tas 28jährige Dienst- mädchcn Lemmermann aus Darmstadt trank heute früh in selbstmörderischer Absicht Salzsäure. Sie starb nach wenigen Stunden im Krankenhause.

Berlin, 11. März. Die riur-Methode des Magneto- p a t h e n Karl Pohl wurde in einer Verhandlung er­örtert, die vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I statt- fand. Ter Angeklagte behauptete, daß ihm eine magnetische Kraft inncwohne, die er durch Handbcwegungen auf die Kranken übertragen könne. Der Erfolg sei der, daß die Krankheiten von den Patienten in seinen eigenen Körper übergingen. Natürlich leide er selbst auch darunter, und deshalb sei es erklärlich, daß er sich für jede Sitzung ein Honorar zahlen lasse, welches sich je nach der Vermögens^ läge des Patienten zwischen 5 und 50 Mk. bewegte. Tic Belastungszeugen bekundeten übereinstimmend, daß sic schweres Geld nutzlos geopfert hätten. Der Gerichtshof ver­urteilte Pohl wegen unlauteren Wettbewerbs zu tausend Mark Geldstrafe.

Dresden, 11. März. Wie dieDr. N. N." aus Lindau melden, ist Prinzessin Luise nach Genf abgereist, wo sie von Lachcnal empfangen wurde. Sie wird in einigen Tagen nach Lindau zuruckt'ehren und auch vor­läufig daselbst bleiben. Später wird die Prinzessin, mit bereits gemeldet, in England Aufenthalt nehmen.

Leipzig, 11. März. Tie Staatsanwaltschaft wird im Prozeß Exner gegen das gestrige Urteil Berufung einlegen.

London, 10. März. (Unterhaus.) Guest (kons.) verlangt Herabsetzung des Essektivbestandes des Heeres um 27 000 Mann und kritisiert dann die Heerespolitik der Regierung. Evans Gordon unterstützt diese Forderung. Goest tritt gleichfalls für die Herabmin­derung ein. Bowles sagt, man verteidige den Entwurf im Hinblick auf einen Ein fall Rußlands in Indien. Bal­four" sagt, es scheine, dal; Bowles der Ansicht sei, er habe einen von Seiten Rußlands drohenden sofortigen ^infall in Indien im Sinne gehabt. Das sei die letzte Möglichkeit, an die er zu denlen wünsche. Er habe nur sagen wollen, daß, wie Frankreich die Möglichkeit eines Einfalles von Seiten Deutschlands, ob­wohl er nicht glaube, daß Deutschland i)ie ge­ring )t e Absicht habe, Frankreich anzugreifen und wie Deutschland eine ( o I äi e vonSeiten Rußlands ins Auge fassen muffe, obwohl er auch an eine solche Möglichkeit nicht im geringsten glaube, ebenjo auch England, wie die anoeren Nationen, ade strategischen Möglichteiten berücksichtigen müsse.

Rom, 11. März. Ter König erhielt eilte Depesche K ai ser Wilhelms, in welcher derselbe persönlich fein Eintreffen in Rom für den 2. Mai ankündigt.

Wien, 11. März. Von Seiten des tumoerländischen Hofes werden alle Gerüchte von einem Heirats-Pro­jekt des deutj chen Kronprinzen mit der Prim zessin Alexandra von Cumberland als nicht den Tatjachen entsprechend bezeichnet.

Petersburg, 11. März. Als der Präsident des kaiserlichen Hofgerichts in Abo, der 67jährige Wirkst Staats­rat Strenge, auf dem Bahnhöfe in Helsingfors eintraf, wurde er von einer großen Menschenmenge, die ausschließ­lich den gebildeten Ständen angchörte, mit Zohlen und Pfeifen empfangen und unter aiihalteiipeu Beleidig­ungen durch die Straßen der Stadt verfolgt. Kein Hoiel wollte ihn aufnehmen. Es gelang schließlich Strenge, mit Hilfe der Polizei eine Droschke zu besteigen und ,ich zu Verwandten zu begeben, wo er Unterkunft erhielt. Die nachfolgende Menge wollte das HauS demolieren, begnügte sich aber schließlich damit, an dem Hause ein Schild zu be­festigen mit der Aufschrift: Hier wohntder Verräter Strenge. Die Demonstration ist darauf zurückzusühren, daß Strenge sich im Gegensatz zu den meisten fifinländischen Gerichtsbeamten den neuen russischen Gesetzen fügte.

Newyork, 11. März. Der DampferCaramania' aus Marseille hat unterwegs zwei Mann der Besatzung und vier Passagiere verloren, die an einer unbekannten Krankheit geworben sind. Man befürchtet Cholera. Passagiere und Besatzung, insgesamt 1731 Personen, wurden in Quarantäne gebrachst

^ridlialkn öcr Aeöalilion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

B. in B. Jeder Bäckermeister, auch wenn er fein Meisterstück gemacht hat, kann Lehrlinge halten.

Telephonischer Kursbericht.

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97.50 316 50 194.10 140.90 146.20 160.80

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Hessen Oberhossen

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ilarpener ...... 177.40 Tendenz: Sti l aber fes>.

4% Ungar. Goldrente . 4°/ Italien. Rente . . 47,56 Portugiesen . . °/ Portugiesen. ... 1% C. Turnen . . . Türkenlose.....

4°lo Uneoh. Monopol.-Anl. 41 .% äussere Arirentmer

4 -% Oesterr. öilberrento 100.90

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Derdingung.

Tie bei Bepflanzung der unteren Bahndamm-Böschung der West- und Nordanlage erforderliche Herstellung von rd. 77 qm Gosseirpstaster aus vorhandenem Niaterial soll Mittwoch, d. 18. März d.J.

vormittags 11 Uhr

öffentlich verdungen werden.

Arbeitsbeschreibung und Be­dingungen liegen während der DienftstundenaufiinsererAmts- ftubc zur Einsicht offen. An­gebote auf Vordruck, der bet uns erhältlich, sind bis zum obengenannten Zeitpunkt ver­schlossen und mit entiprechender Aufschrift versehen, emzureichen.

Gießen, 10. März 1903.

Siädt. Tiefbauamt.

Braubach. 2110

Verdingung.

Die für bauliche Herstellungen im Bürgermeisteretgebäude er­forderlichen

Dachdecker-, Spengler-, Zimmer», Schreiner- und

Weitzbindcrarbeiten

sollen

Samstag, den 14. d. Mts« vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werden.

Plan, Arbeitsbeschreibung u. Bedingungen liegen während der 'Amtsstunden auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 3, zur Einsicht offen. Angebote aus Vordruck, der daselbst erhält­lich, sind bis zum genannten Termin bei uns cinzureichen Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen, den 9. Riarz 1903. Städtisches Hochbanarnst

I. V.r Gerbest 2071