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11.2.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 35

rl^etet täglich außei SonnlagL.

Vern Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt d»e Lietzener Kamillen» Häher viermal in der Woche beigelegt

RoranonSdruck u. Ver­sag der Brüh l'schen Ünivert^Buch- u. Stein­druckerei (Pretsch Lrden) viedaktion, Lrpeduw» und Druckerei:

Lchnlstraße 7.

Adresse für Deveschen« Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Mittwoch II. Februar 1903

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger y

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Vezn gspret», vwnal!ich7bPs., otert* jährlich Mk. 2-20; durch Abhole- u. Hroetgfteüe# inonarlich 6o Pf.; durch diePosl Alk. 8. viertel» jährt auöscht Beslellg. Annahme von Anzeige» für di« iuyeenuminei biA pormUiagl 10 Uhr, ßetlenpret»; total ISP), auflroärtl 80 Pfg,

Verantwortlich, für den volil. u. aQgern, teil. P. Witiko:» .Stadl und llanb* und .Äenchissaal^ Earl Plato, für den An» jementetl Han« Deck

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Gießen, 10. Februar 1908.

Betr.: Die Militärdienstpflicht der Volksschullehrer.

Die Großh. Kreisschulkommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises.

Wir beauftragen Sie, die Schulverwalter oder Schul­gehilfen Ihrer Gemeinden, welche am 1. April d. Js. ihrer Militärdienstpflicht zu genügen gedenken, zu bedeuten, daß sie unö hiervon umgehend Nachricht zu geben haben.

Dr. B r e i d e r t.

Kckanntmachung.

Die Wallthorstratze zwischen Wetzstein- und HundSgasie wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Donnerstag dem 12. l. Mts. ab bis auf weiteres für den Wagenverkehr, für Radfahrer und Reiter gesperrt.

Gießen, den 10. Februar 1903.

Großherzogliu-eo Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Politische Tagesschau.

Der Kaiser als Hauptaktionär derTimes".

In der NewyorkerSun" lesen wir eine ernsthafte Erörterung eines Gerüchtes, daß Kaiser Wilhelm sich be­mühe, die Majorität der Aktien der LondonerTimes" zu erwerben, um so die Haltung dieses Organs der öffent­lichen Meinung Englands kontrollieren zu können. Das Blatt giebt zwar zu, daß die Meldung vielleicht unwahr sein könne, aber aus der nachfolgenden Besprechung geht doch hervor, daß man trotzdem davon überzeugt ist, daß der Kaiser unter der HandTirnes"-Atiien aufiaufen laßt. DieSun" halt es deshalb für nötig, den Kaiser darauf aufmerksam zu machen, daß europäische Monarchen auch schon vorher versucht haben, auf solche Weise die öffent­liche Meinung in England zu beeinflussen, daß aber Zeit­ungen, die von auswärtigen Souveränen auf solche Weise kontrolliert wurden, sehr bald ihre Leser eingebüßt hätten, und schließlich eingegangen seien. So habe Napoleon III. sich den Einfluß auf den früheren LondonerHerold" ge­sichert, aber das Blatt habe sich, nachdem dies bekannt ge­worden, nicht mehr lange halten können. Dann wird der Fall derSt. James-Gazette" angeführt, welche ein Herr steinkopf im Auftrage des Fürsten Bismarck angekauft habe. Durch die Weigerung des Redakteurs des Blattes namens Greenwood, die Instruktionen des deutschen Aus­wärtigen Amtes zu befolgen, unö dessen darauf folgende Entlassung sei die Angelegenheit vor die Gerichte gekom­men und Bismarcks Plan vereitelt worden.

TieSun" ist natürlich der Meinung, daß, wie heute die Tinge liegen, nur der Kaiser selbst einen so kühnen Plan fassen kann, dieTimes" anzukaufeu, und sie auch möglichst selbst von Berlin aus zu redigieren, etwa unter Assistenz des Legationsrates Tr. Hammann. Daß der Re­dakteur derTunes^ ähnlich wie Mr. Greenwood, den Plan vereiteln könnte, scheint dieSun" nicht anzunehmen. Wenn Herr Oppert v. Blalvih noch 'lebte, würde er dem Plan allerdings wohl energische Opposition gemacht haben, aber man scheint eben dessen Too abgewartet zu haben, ehe man an die Verwirllichung des Planes ging. Es bleiben aber doch noch Schwierigkeiten genug zu überwinden. So ist es eine schwierige Frage, wie der von Staats- lefretär v. Richthofen vor einiger Zeit auf einer Soiree des Grafen Posadowsky so hart abgekanzelte Berliner Times"-Korrespondent sich zu der Sache stellen wird. Bielleicht ließe er sich aber dadurch, daß er daun doch hoffähig wird, und durch die Verleihung eines Titels, etwa als Geheimer Korrespondenzrat, gewinnen. Wir können übrigens derSun" verraten, daß Kaiser Wilhelm nicht nur versucht, die Kontrolle über die LondonerTi­mes" zu erwerben, sondern daß auch wegen Ankaufes desNewyork Herold", mit Henri Rochefort wegen Er­werbes desL'Jntransigeant" und mit den Erben des Herrn Sigl in München wegen Ankaufes des Bayrischen Vaterland" verhandelt wird.

Die Steuer» und Wirtschaftsreformer.

Im Architektenhause zu Berlin wurde am 10. d. M. die 31. Generalversammlung der Vereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer durch den ersten Vorsitzenden, Freiherrn o. Manteuffel-Crossen, eröffnet. Er führte aus:

Ter Zolltarif ist angenommen, und über das Vergangene zu sprechen und Rekriminationeu an­zustellen, halte ich n i ch t für angezeigt. Aber eines möchte ich hier hervorheben: Lassen wir jetzt alle persönlichen Anfelirdungen und Verdächtigungen fort. Ich würde es nicht für richtig hallen, wollte man den Abgeordneten jetzt noch aus ihrer Abstimmung einen Vorwurf machen. (Beifall.) Standen wir im vorigen Jahre unter dem Zeichen des Zolltarifs, so stehen wir heute unter dem Zeichen der H a n d e l s v e r t r ä g e. Lassen Sie uns nun­mehr alle trennenden Punkte beiseite schieben . und einmütig kämpfen für gute Handelsver- tr ä g e."

Frhr. v. Manteuffel, dem die Versammlung lebhaft zu stimmte, schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, die 'Sundesfürsten und freien Städte. Folgende Resolution isurde angenommen:

1. Zur Förderung des Bar-Depositenwesens ist der Erlaß eines Gesetzes über das Depositen-Bank­wesen im Sinne des Reichstagsbeschlnsses vorn 17. Juni 1896 und zwar zugleich mit Bestimmungen, die das Scheck­wesen regeln, eine dringende Notwendigkeit. In dem Gesetz ist zwischen reinen Depositenbanken und Spekulations­

banken (Emissionen und Gründungen- zu unterscheiden. 2. Die Weiterbildung des Depositenverkehrs durch die Reichsbank und die öffentlichen Geldinstllute (See- bandlung, Zentralgenossenschaftskasse) ist im volkswirt­schaftlichen Interesse geboten. 3. Für den Kleinverkehr sind Sparkassen und Genossenschaften die ge­eignetsten Depositenstellen. Diese haben die Aufnahme der Bar-Depositen durch Einftihrung des Schecksystems möglichst zu heben.

Zum neuen Zolltarif und dem Kämpf um die H a n - delsverträge wurde eine Resolution vorgeschlagen, 1. insbesondere die Zollsätze der Tarifftellen Nr. 89, 102, 103, 105, 107 (Vieh- und Fleischzölle) nicht unter die vom Reichstag beschlossenen Sätze zu ermäßigen, 2. bei den Vertragsverhandlungcn sich des Beir llä landwirt­schaftlichen Sachverständigen des wirtschaftlichen Ausschusses zu bedienen und im Bedarfsfälle die Zahl der letzteren aus der Mitte der Vertretungskörper der deutschen Landwirt­schaft zu ergänzen.

So der uns vorliegende kurze Bericht. Man sieht, ganz andere Worte als in der Generalversammlung desBundes der Landwirte" sind in dieser Versammlung zu vernehmen. Daß die Mahnung zum Frieden auf die streitbaren Brüder vomBunde der Landwirte" auch nur vorübergehend Wirkung üben wird, ist wohl zu bezweifeln. Der Vertäu der Generalversammlung im Zirkus Busch hat auf dieser Sette den Karnpfesmut und den Groll gegen dieunzu­verlässigen" Verteidiger der landwirtschaftlichen Interessen nur noch gemehrt. Immerhin haben auch die Agrarier der gemäßigten Richtung der Regierung einen langen Wunschzettel überreicht, mit dem Hauptpunkt: Baldigste Kündigung der Handelsverträge. Die Nicht- kündigung der Handelsverttäge am 1. Januar d. I., so führte der konservative Reichstagsabg. Gras Schwerin- Löwitz aus, sei tief bedauerlich. Die Forderung der Han- delsverttagskündigung soll verhüten, daß die deutsche Land­wirtschaft in die Lage versetzt wird, auch die Ernte des Jahres 1904 noch unter der Geltung des alten Vertrags­tarifs auf den Marti zu bringen. Trotzdem ist nicht an­zunehmen, daß die Regierung mit der Kündigung der Ver- ttäge den Sprung ins Dunkle tut, auch wenn sie damit, wie Graf Schwerin verhieß, das rechte .Vertrauen der Landwirt­schaft zuvückgewinnt.

Ich kann betonen, daß das Walstoersahren dadurch erleichtert werden wird, daß mehrere Wahlgänge in einen zu­sammen gezogen werden können, und daß das System der Stichwahlen aus das äußerste veremsacht wird. (Sehr gut! rechts.) Tas wird die Grundlage sein. Es kommen dann noch einzelne kleine formelle Aenderungen hinzu, zunächst z. B., daß es nicht notwendig ist, jeden Wähler persönlich seine Abstlmmung eintragen zu lassen, roenn nur die vollständige Freiheit und Sicher­heit der Wahl gewährleistet bleibt usw. In allen diesen Beziehungen sollen Erleichterungen eintreten, und wie diese Erleichterungen sich dann bei den nächuen Wahlen bewähren, das wird ja wieder ein Moliv sein, in welcher Weise eventuell eine Abänderung des Wahl­gesetzes oder des Gesetzes über die Wähltreise in die Wege geleitet werden wird. Ich glaube aber, daß es notwendig ist, vorher das Ergebnis dieser jetzt von mir in Vorschlag gebrachten und, wie ich hoffe, vom Staats,ninisterium in Kürze angenommenen Abänderung zu erwarten, ehe man definitiv zu einer Aenderung des Gesetzes Stellung nehinen kann.

Die wesentliche Aenderung scheint darin zu bestehen, daß die Abgeordnetenwahlen in den Bezirken mit zwei und drei Abgeordneten in einem einzigen Wahlgang stattsinden sollen, wie ja auch bei den Urwahlen dort, wo ztvei Wahlmänner zu wählen sind, dieselben gleichzeitig gewählt werden. Ver­mutlich sollen dann auch bei der Abgeordnetenwahl die Stich- mablvorschriften die gleichen werden wie bei den Wahl­männerwahlen, bei denen in die Stichwahl doppelt so viel Kandidaten gelangen, als zu wählen sind. Es erfolgt dann bei der ersten Stichwahl die wirkliche Wahl, während bei den Abgeordnetenwahlen bisher im zweiten Wahlgang wieder sämtliche Kandidaten zur Wahl standen, bei den folgenden immer nur derjenige mit der geringsten Stimmenzahl aussiel, bis schließlich auf einen Kandidaten die absolute Majorität fiel. Besondere Schwierigkeiten erwachsen bei der Diskussion aus der Abstimmung über die Giltigkeit der Wahlmanns- Mandate in den Kreisen, in denen mehrere tausend Wahl- männer zur Wahl der Abgeordneten zusammentreten. Noch schlimmer steht es mit den Urwahlen, für die, wie es scheint, nur die Befugnis der einzelnen Wähler in Fortfall kommen soll, ihre Abstimmung selbst in das Protokoll einzutragen.

Wir loben uns dagegen den neuen hesjischen Wahlgesetz­entwurf, dessen große Vorzüge wir wiederholt dargelegt haben.

Siu Opfer des Zolltarifs.

Ein praktischer Landwitt aus dem Elsaß schreibt der N. Bad. LdSztg.":

Im Unter-Elsaß in der Nähe von Sesenheim, dem klassischen Dorfe, liegt ein kleines, nur einige hundert Seelen zählendes Dorf Stattmatten, das sich, wie viele Ortschaften jener Gegend, neben dem eigentlichen landwirtschaftlichen Be­triebe mit Gänse stopfen befaßt. Da klagte mir nun letzthin em alter kluger Landwitt, von dem mancher Agrarpolittker etwas lernen könnte, in der bittersten Wetse über die An­nahme des Zolltattfs, dessen Zollsätze den Ruin des recht lukrativen Nebenbetriebes der Gänsestopferei bedeute, denn ein Maiszoll von 5 Mk. sei doch unerhött. Auf meine diesbezügliche Frage rechnete mir der mit den Verhältnissen genau vertraute Mann aus, daß seine Gemeinde niedrig ge­rechnet mindestens 1300 Doppelzentner Mais ankaufe. Werde der Zoll von 2 Mk., bezw. 1.60 Mk., den wir jetzt haben, auf ö Mk. erhöht, wie das die klugen Herren in Berlin be­schlossen hätten, so würden die Landwitte seines Dorfes, die jetzt schon 2600 bis 3000 Mk. und mehr an Zoll bezahlten, im Maispreis künftighin 65007000 Mk. bezahlen muffen. Damit sei der blühende Nebenzweig total ruiniert.

Ich mußte dem Manne recht geben, wie denn überhaupt diese wahnsinnige Maiszollerhöhung ein Verbrechen an den Interessen der viehzüchtenden Bauernschaft bedeutet, die doch, wie immer behauptet wird, hauptsächlich im Zolltarif geför- dett werden soll. Auf meine Frage, ob denn der Getretde- zoll etwas nützen könnte, erwidette der Landmann lachend, es werde ja fast gar keins verkauft, dagegen recht tüchtig zu- gekaust. Das sei gar nicht zu berechnen, wie viel gekauft werde, denn jeder verheimliche dies, er sei überzeugt, daß mindestens 300 Doppelzentner angekauft würden, während allerhöchstens 40D.-Ztc. vettauft würden. Die Zahlen seien ungenau, aber sicher zu niedttg gegriffen.

Nach längerem anregendem Zwiegespräche, in dem mir der alte Praktiker wiederholt die Schädlichkeit des Zolltarifs nicht nur für Stattmatten, sondern für die meisten Bauern­dörfer betonte, verließ ich das kleine Dorf in tiefem Nach­denken über die unergründliche Weisheit unserer Staats­regierung und Volksvettretung, und als ich an dem welt­berühmten Gattenhäuschen oorüberging, in dem die Pfarrers­tochter aus Sesenheim wohl oft in stillem Gedanken an unseren größten Dichter gesessen haben mag, da war ich von neuem überzeugt von der Richtigkeit des Wortes:Die Welt will bettogen sein." Unser Bauernstand wird auch in nicht allzu emer Zeit, wenn auch mit weniger zärtlichen Gefühlen wie )ie schöne Friederike, gedenken der großen Geister im Par­ament, Regierung und Kirche, die alle sich in glühenden Liebeserklärungen an den Bauernjiand ergingen, ihm goldene Berge versprachen als Heiratsgut, im Heiratskontrakt, Zoll- tattf genannt, aber ihn und sich betrogen haben.

TaS preußische Wahlrcglemeiit.

Die Ausfüririingen des Miniiiers von Hammerstein be- reffs Aenderung des Wahloerfahrens für die preußischen Landtagswahleii lauten nach dem Stenogramm:

Die neue ttouzeffiou Chinas.

Wie wir bereits meldeten, ist Belgien jetzt in C h i n t» an das Ziel seiner Wünsche gelangt Der belgisch-chinesischen Handelsgesellschaft ist das Recht zur Nieoerlafsung am Peihv-Fluß, gegenüber der deutschen Ansiedelung, erteilt worden. Die belgische Interessensphäre kreuzt das Gebiet der deutschen SchantunZbahn, und es veroient hervor- gehoben zu werden, daß die Bemühungen Belgiens um Er­langung der Konzession durch die deutsche Diplomatie, und zwar durch den deutschen Gesandten in Peking, den jüngsten Frankfurter Frhm. Mumm von Schwarzenstein, persönlich^ erfolgreich unterstützt worden sind. Wenn es auch selostversrändlich ist, daß Deutschland mit diesem Ein­treten für Belgien seinen eigenen Interessen nichts ver­geben hat, so ist die belgische Regierung der deutschen jchon um deswillen zu Dank verpflichtet, als Frankreich berienige Staat ist, dessen Unterstützmig in dieser Sache Belgien zunächst hätte nachsuchen müssen, weil es sich in seiner bisherigen Chinapolitik hauptsächlich an Frank­reich anlehnte und beispielsweise bei den Arbeiten an der Bahnstrecke Peking-Hanlau französische Ingenieure beschäf­tigte. Warum Belgien die Unterstützung durch die deutsche Tiplomatie vorgezogen hat, und wie es um die Vorgeschichte dieser Konzessionsangelegenheit bestellt ist, darüber dürste bei Beratung des Etats für Kiautschou im Reichstag Auf­schluß zu erlangen fein. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß das Freundschaftsverhäirnis Mönig Leo­polds zu Kaiser Wilhelm, das erst unlängst wieder beim Jubiläum des Königs der Belgier als preußischer Regi- mentöchef sich dokumentierte, hier mitgewirkt hat.

Im Hinblick auf die maßgebende politische Stellung der Kaiserin-Witwe von China erscheint wohl zweifellos, daß die Fürsprache des deutschen Gesandten in Peking bei dieser energischen Herrscherin die Entscheidung zu Gunsten Belgiens herbeigeführt hat. Hieraus läßt sich ein erfreu* licher Schluß ziehen in Bezug auf das Ansehen, welches die deutsche Diplomatie am chinesischen Kaiserhofe genießt. Ueber den Zeitpunkt der Erteilung der Konzession besteht Ungewißheit. Es ist also aus dieser Sache nicht zu ent­nehmen, ob das neuerdings auf getauchte Gerücht vom Tode der Kaiserin-Witwe auf Wahrheit beruht. Ta eine amtliche Bestätigung bisher nirgend eingetroffen ist, wird man starke Zweifel hegen dürfen.

Aus der Genehmigung der belgischen Niederlassung zu folgern, daß die Frage der Konzessionserteilung an rembe Negierungen ooer Gesellschaften in China wieder n Fluß kommt, wäre wohl irrig. Ter einzige europäische Staat, der sich mit dem Gedanken an Landerwerb im Reich )er Mitte nachträgt, ist Italien. Immer wieder erinnern die der Regierung nahestehenden Lllitter daran, daß die Abweisung, welche Italien in der Angelegenheit der Pach­tung der San-Mun-Lai erfahren hat, durch erneute und energische Forderung Der Bewilligung einer territorial Konzession wettgemacht weroen muffe. Hält die italienische Regierung den Zeripunkt für gekommen und glaubt sie der Zustimmung des Parlaments sicher zu sein, dann wird 'ie nicht zögern, tn Pellng vorstellig zu werden. Es ent* pricht der Würde Italiens ais Großmacht nicht, hierbei die Unternützung ciner^ anderen E^chnacht nachzujuchen. In der San-Mun-Bai-Frage ist i. . England im Stich gelassen worden, Grund genug, um von einem nochmaligen Appell an die englische Diplomatie ab zu sehen. Italiens Zugehörigkeit zum Dreibunde verpflichtet anderersetts