Ausgabe 
10.12.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 290

Zweites Blatt.

153. Jahrgang

Donnerstag 10. Dezember 1903

Erschein täglich Ausnahme des Sonntags.

Di>.Giehene. Samilirnblcrller" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »Hessische Landwirt" ericheint monatlich einmal.

Gietzener RkZeigsr

Verantwortlich für den allgemeinen Teilt P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Unwersitätsdruckerer (Pietsch Erben), Ereßen.

Eenerai-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eießen.

Die heutige Vumrner umfaßt 12 Seiten.

Bekanntmachung.

Von dem zur Deckung der Geländeerwerbskosten für den Bahnbau GrünbergLondorf durch den Kreis Gießen im Jahre 1895 aufgenommenem Kapital von 80 000 Mk. sind per 1. März 1904 zur Rückzahlung ausgelost die Obligationen Lit. B. Nr. 15 über 500 Mk., Lit. C. Nr. 16 über 200 Mk. und Lit. D. Nr. 1, 28, 53, 54 und 55 über je 100 Mk.

Gießen, den 7. Dezember 1903.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. B r e i d e r t.

Bekanntmachung.

Durch Beschluß des Kreisausschusses vom 19. September 2903 ist der Ehefrau Maria Opper dahier die Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes als Gesindevermieterin erteilt worden.

'Den Gebührentarif derselben bringen wir nachstehend zur öffentlichen Kenntnis:

a) für Vermittelung eines Dienstboten an eine

Herrschaft in Gießen ....... Mk. 5. b) für Vermittlung eines Dienstboten an eine

Herrschaft nach auswärts ...... Mk. 7. wovon der Dienstbote jeweils Mk. 2. zu entrichten hat.

Gießen, den 9. Dezember 1903.

Großherzoglickws ^olizeiamt Gießen.

Hechler.

MiMstlie Tagesschau.

Zum/ Wehrsteuerprojekt.

Man schreibt uns aus Berlin, 9. Dezember:

Für den Plan einer Wehrsteuer, Antrag des Abg. ^r. Arendt, hat sich in der heutigen Reichstagsfitzung der Zentrumsredner Dr. Schadler ausgesprochen,.allerdings, wie er gleich hinzusügte, zunächst nur für seine Person. Das Zentrum hat also zu dem Vorschlag noch lerne ab­schließende Stellung genommen. Dies ist auch, wie wrr er­fahren, seitens der Regierung noch nicht geschehen. Wer es

Ier ßtat im Reichstag.

i.

Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt vnterm 9. Dezember:

Tas Interesse des ersten Tages gehört dem neuen Herrn im Reichsschatzamt. Frhr. v. Stengel, eine sympathische Erscheinung, hat dem Reichstag gefallen; der erste Eindruck war günstig, und das ist schon etwas wert in dem Parla­ment, das gerade an den Finanzen am meisten und am schärfsten Kritik iibt. Frhr. v. Stengel sprach aber auch den fast vollzählig anwesenden Vertretern der Bundes- staatenaus der Seele" mit seiner warmen und überzeugten Empfehlung, der Finanzreform. Gras Bülow verfehlte nicht, am Schlüsse der Ausführungen zu gratulieren. Ebenso klar war die vom Reichsschatzsekretär gegebene Uebersicht über den Etat. Daß mit erdenklicher Sparsamkeit bei der Aufstellung der Forderungen verfahren worden sei, hob Frhr. v. Stengel besonders hervor.

Ter erste Sprecher des Zentrums, der behäbige, aber eine scharfe Klinge führende Bamberger Domherr Dr. Schädler, pflichtete ihm darin bei. Nur die Marine wollte Tr. Schädler von dem Lob der Sparsamkeit cms- genornmen wissen. K'iautschou, die Kosten der Truppen­unterhaltung, in Ostasien erregen die Bedenken des Zen­trums. Durchaus ablehnend steht die Partei denOst- markenzulagen", demkleinen Mittel" der Polenpolitik, gegenüber. Graf Bülow, der mit sichtlicher Befriedigung vernahm, daß der Redner der Erkrankung, und Genesung des Kaisers in herzlichem Tone gedachte, .wurde herab- gestinrmt durch die später folgende Bemerkung über die Gefahr der Isolierung Deutschlands und die fast zur Regel gewordenenExtratouren" unserer Verbündeten. Desto zu­friedener konnte Frhr. v. Stengel mit seinem Landsmann sein. Der Schatzsekretär wurdeeiner der besten Kenner des Etats" genannt, und, was die Hauptsache war, die Stellungnahme zur Finanzreform berechtigt zur Hoffnung, die Vorlage durchzubringen. Aus dem Entwurf, der seine bedenkliche, aber auch seine gute Seite habe, soll rn der Dudgetkommission derbrauchbare Kern" hcrausgeschalt werden. Lächelnd verkündete dies Tr. Schädler, vergnügten Antlitzes hörte Frhr. v. Stengel die willkommene Botfchaft. Ein breites Eingehen auf den Prozeß Bilse und den RomanAus einer kleinen Garnison" rref den neuen preußischen Kriegsminister v. Einem in dw Nabe des Redners. Nicht minder interessierte begrerfücherwers.- den Kriegsminister das Thema So ld at enm h an d - lunaen. Tr. Schädler forderte u. a. eure Statistik dieser Mißhandlungen und eine Wanderung der Bestimmungen des Beschwerderechts. Schließlich beklagte sich noch der Redner überschlechte Behandlung" des Reichstags durch den Bundesrat ein Hieb gegen die Haltung be§ rats zum Jesuiten antrag des Zentrums, der RerchStags- diäten nicht zu vergessen. Nur zwei Redner sind heute zu Wort gekommen. Tr. Schädler brauchte ungesahr 2i/2 Stunden für seine Tarlegung, dre durch knapperes Zu­sammenfassen des Stoffes an Wirkung gewonrwn Haven würde. So machte sich allmählich einegewisse Ermüdung bei den Hörern geltend. Noch sei erwähnt, daH die Aus­führungen auch den Kwilecki-Prozeß streiften, ^er Staatsanwalt Dr. Müller, der in diesem Prozeß bekanntlich die am

verfahren übte, erhielt dafür und für die Anspielung au, das Beichtgeheimnis eine entschiedene Zurmcrweisung von dem Zentrumsmann. Graf Bülow zog es ange',rch.v de vorgerückten Zeit vor, auf die Rede für heute zu ver- zickten, mit deren Entwurf man ihn im Laufe der Sitzung beschäftigt sah.

scheint nicht, daß das Wehrsteuerprojekt dort viel An­klang findet. Neben Bedenken grundsätzlicher Art werden in Negiernngskreisen Zweifel über den "lohnenden Ertrag einer solchen Steuer gehegt, da diejenigen Personen, die davon getroffen werden sollen, vielfach, in jungen Jahren, über kein eigenes Einkommen verfügen. Abznwarten ist, ob der Antrag Arendt im Reichstag eine Form erhält, die ein besseres praktisches Ergebnis verspricht. Groß ist aber im allgemeinen auch im Reichstag die Neigung nicht, mit Steuerplänen den Anfang zu machen und auf diese Weife gewrssermaßen die Regierung zur Fortsetzung zu ermuntern.

Der Judenverfolgungs-Prozeß in Kischinew.

Je weiter die Verhandlungen fortschreiten, desto be­lastender werden sie für die staatlichen Organe. So wurde der Revierin'spektor Makdoon befragt', was er zur Ver­hütung der Unruhen getan habe. Zeuge:Ich habe den auf der Anklagebank sitzenden Theodor festgenommen, mehr konnte ich nicht tun." Angeklagter Theodor schreit erregt: Ich erkläre, daß ich unschuldig bin, Makdeon hat mir mit eigener Hand eine Eisenstange gegeben und ge­jagt:Geh hin und brich die jüdischen Läden a u f." Ein Polizist zeigte mir die G e f chä f t e, wo ich einbrechen sollte. Ms mich Makdeon dann ver­haftete, sagte er, es geschehe nur zum Schein,ich werde in 14 Tagen frei sein." Von dem durch seine Teil­nahme an den Ausschreitungen vielfach genannten Poli- zeipristaw Solowkin wurde bekannt, daß er während der Ostertage jüdischen Familien für fünf Rubel den Kopf in seinem Bureau Schutz gewährte. Von einer Wöchnerin ver­langte er 10 Rubel, fünf für die Frau, fünf für das Kind; tags daraus verlangte er abermals 10 Rubel, sonst setze er die Frau auf die Straße. Tie Rechtsanwälte verlangen eine Untersucbung behufs Erhebung der wahren Schul­digen. Leo Kulberg, ein Mitglied der freiwilligen Feuer­wehr, hatte an dem kritischen Ostertage seine Uniform an­gelegt und sich in strammer Haltung hingestellt. Tie Plünderer hielten ihn für einen militärischen Funktionär und verschonten diesen Stadtteil, ein Beweis, wie leicht einige Anrtspersonen die Ruhe hätten aufrecht erhalten können.- Er sah auf seinem Platze 15 Bänden von je 15 bis 20 Manu vorbeiziehen, zwei Banden wurden von den Söhnen des Militärspitals-J'nspektors Lwow geführt. Knl- berg hat dies im Laufe der Untersuchung Richter Frevnat mitgeteilt, der es aber nickt ins Protokoll aufnahm. Der Blechhändler Ferdmann, dessen Lokal gleichfalls geplündert wurde, sagt aus, das Militär zerstreute die Juden, die sich den Plünderern in der Nähe seines Lokals entgegenstellen wollten. Inspektor Jablonski wird von einem Vertreter der geschädigten Juden gefragt, warum er nicht interveniert habe, da er doch in der Nähe des Ferdmannschen Ge­schäftes stand. Der Zeuge zögerte mit der Antwort. Ver­teidiger:Hatten Sie nicht bie Erlaubnis, ein zu schreit en?" Zeuge antwortet nicht. Er zeigt aber auf den Angeklagten Weto und sagt als Beweis, daß er seine Pflicht getan habe: Diesen da "habe ich gefaßt, als er mit den geraubten Waren das Lokal verlassen wollte." Bei diesen Worten springt der Angeklagte Weto erregt* auf und ruft mit lauter Stimme:Tas ist eine Lüge, ich stand ruhig da und sah zu, wie das Eigentum der Juden geplündert wurde; da trat Inspektor Jablonski auf mich zu und sagte, es ist doch eine Schande fiir einen christliche Mann, wie Du jo untätig zusehen kannst; Du wirst auch etwas nehmen. Nachdem ich aber seinen Rat befolgt hatte, nahm er mich fest."

Parlamentarisches.

Berlin, 9. Dez. Dem Reichstage ging ein Antrag des Frhrn Heyl zu Herrnsheim zu, der die Negierung ersucht, in Erwägungen darüber einzutreten, inwieweit die Gewinnung einer ausreichenden Zahl von Unteroffizieren für die Armee und die Flotte durch Uebcrbürdung einzelner, infolge ungleichmäßiger Verteilung der dienstlichen Obliegen­heiten und der unzulänglichen Löhnungsoerhältnisse erschwert ist, und tunlichst Verbesserungsvorschläge an den Reichstag gelangen zu lassen. (Dieser Antrag war nach der Frank­furter Rede des Herrn von Heyl zu erwarten. D. Red.) Ferner ging dem Reichstag ein Antrag Paasche zu, be­treffend die Errichtung eines Reichs-Arbeitsamtes.

Berlin, 9. Dez. Dem Reichstage ging eine Inter­pellation der Sozialdemokraten wegen Verbreitung der Wurmkrankheit zu.

Dem Reichstage ging ein Antrag Rettich und Ge­noffen zu, welcher die verbündeten Regierungen um baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs über das Ausverkaufs- wesen ersucht, wodurch die Anmeldepflicht für alle Ausver­käufe festgesetzt wird und die Veranstaltung von Scheinaus­verkäufen und der Nachschub von Waren zu einem Ausver­käufe unter Strafe gestellt werden.

B erlin, 9. Dez. Der Seniorenkonvent des Reichs­tages machte sich heute über die Geschäfte des Hauses schlüssig. Es sollen vor Eintritt in die Weihnachtsferien, die vom 18. Dezember bis 12. Januar dauern sollen, die erste Lesung des Etats und das Handelsprovisorium mit England zur Beratung gelangen.

Die Vermittlerrolle zwischen Zentrum und Regierung hat wie bei den Zollverhandlungen so auch im neuen Reichstag Reichsgerichtsrat Dr. Spahn wieder übernommen. Auch heute hatte er, wie ein Parla­mentsberichterstatter meldet, vor Beginn der Sitzung eine Unterredung mit dem Ches der Reichskanzlei, Herrn Geheim­rat Conrad.

Keer und Ilotie.

Die Mißhandlungen in der Armee be­schäftigen nachhaltig auck die militärischen Kreise. Jetzt veröffentlicht in den vom Generalmajor Keim herausge­gebenen Jahrbüchern für die deutsche Arnnee und Marme der Oberst Frhr. v. K eslin g, Kommandeur des siebenten

bayerischen Feldartillerieregiments, einen Aust'atz über Maßnahmen zur Hintanhaltung von Mißhandlungen sowie vorschriftswidriger Behandlung überhaupt. Er stellt eine Reihe schöner ©nmbfäf.e für die erzieherische Einwirkung des Kompagniechefs auf die Unteroffiziere und der Unter* offiziere auf die Mannschaft mrf, über die Aufsicht, die Beschwerde, die Tätigkeit des Feldwebels, die Auswahl der Zimmerältesten usw. Tie Ausftihrungen erscheinen zum größten Teil so selbstverständlich,-daß man meinen sollte, nach diesen Grundsätzen werde längst allenthalben verfahren. Oder vielmehr sollte längst verfahren werden. Oberst v. Kesling meint, Mißhandlungen würden zu einer ganz seltenen Ausnahme werden, wenn diese Maßnahmen überall getroffen und ihre Durchführung entsprechend überwacht würde. Ja, wenn!

Gegenüber den in der bayerischen Wgeordneten-» kammer erhobenen Klagen über die Offizierpensio- nierungen betonte im Finanzausschuß des Reichsrats der Referent, Reichsrat Frhr. v. Fries, die Reichsratskammer solle an dem früheren Standfmnkt festhalten, daß über die Beförderung wie Pensionierung von Offizieren deren Qualifikation entscheide, und zwar in der Art, haß, wenn die Besärderungsfähigkeit nicht gegeben ist, die Pensio­nierung eintreten muß. Die Qualifikation erfolge nicht durch einen ein^lnen Vorgesetzten allein, sonoeru durch mehrere, und die Vorgesetzten seien mit ihrer Ehre für die Qualifikation haftbar. Ein für eine höhere Stelle nicht qualifizierter, trotzdem aber in seiner bisherigen Stelle beibebaltener Offizier verliere erfahrungsgemäß an Ansehen und Autorität und sehr bald an Brauchbarkeit auch für diese Stelle: seine Beibehaltung würde notwendig den Wert des bayerischen Offizierkorps herabsetzen, an sich wie int Veroleich zu anderen Kontingenten. Der Kciegsminister be­merkte yierzu, im allgemeinen werde beim Qualifizieren weder zu engherzig noch zu scharf vorgegangen; anderer­seits führten gewisse Klagen gegen die Armee gerade darauf hin, daß in die höheren Stellen nur hervorragend qualifi­zierte Offiziere einrückten, welche Garantie dafür MetenA daß sie alle etwa vorhandenen Mißstände mit allen Kräften hintanhalten.

Kolonialpost.

Kolonialtierärzte werden vom Auswärtigen Ami für den Veterinärdienst in den Schutzgebieten Deutsch- Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika gesucht. Die Bewerber müssen einige Zeit nach der Staatsprüfung praktisch tätig gewesen fein. Die Verpflichtungsdauer beträgt für Ost­afrika 2, für Südwestafrika 3 Jahre. In den Schutzgebieten werden freie Wohnung und jährlich 7500 Mark, sowie be­sondere Vergütung für die Reisen gewährt. Die Tätigkeit ist vorwiegend eine veterinärpolizeiliche. Zur Vorbereitung bietet sich Gelegenheit, auf amtliche Kosten an einem etwa zwei­monatigen Kursus über Bakteriologie und Tierhygiene teil­zunehmen.

Aus Stad! und Land.

Gießen, den 10. Dezember 1903.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den durch die Dekanaissynoden auf die Dauer von fünf Jahren vollzogenen Wahlen des evangelischen Pfarrers Dr. Karl Naumann zu Gießen zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Gießen, des evangelischen Pfarrers Valentin S ch r i m p f zu Butzbach zum Stellvertreter des Dekans des Deka­nats Friedberg, des evangelischen Pfarrers Wilhelm V o lp zu Laubach znm Stellvertreter des Dekans des Dekanats Schotten und des evangelischen Pfarrers Paul Benemann zu Worms zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Worms die Bestätigung erteilt. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Offenbach Georg Degen. In den Ruhestand versetzt wurde der Weichen­steller in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft Heinrich Schmidt IV. zu Gieß en mit Wirkung vom 1. Januar 1904 an.

** Kreis-Ziegenzucht-Verein. Auf Ver» anlassung des Regierungsrats Dr. Heinrichs, welcher die Versammlung einberufen hatte, verhandelte man gestern nachmittag im Hotel Viktoria wegen der Begründung eines Kreis^iegenzucht-Verems für den Kreis Gießen. In der Versaifirulung waren u. a. anwesend: Provinzialdirekbor Tr. Breidert, als Vertreter der Stadt Beigeordneter Cursch- mann, Oekonomierat Schienke und Oekonomierat Leithiger- Alsfeld; ferner waren erschienen die Vertreter der im Kreise bestehenden vier Ziegenzuckt-Vereine Gießen, Lich, Langs­dorf und Wieseck. Nach einer eingehenden Darlegung des Oekonomierats Leikhiger über die Vorteile eines Zusammen­schlusses der Ziegenhalter im Kreise im Interesse einer einheitlichen Zucht erklärten sich die versammelten Inter­essenten mit der Begründung eines Ziegenzucht-Vereins für unseren Kreis einverstanden. Es handelt sich in der Hauptsache darum, die Soaner Ziege bei uns einzubürgern, allerdings war man sich darüber im allgemeinen ff ar, daß man wohl noch einige Jahre verstreichen lassen müsse, bis das erstrebte Ziel erreicht sein würde; man hoffe aber, daß das gute Beispiel und mit der Zeit auch ein Gnsehen, welche Vorteile die Zucht gerade der Saaner Ziege den Leuten bringt, diese zur Zucht und Haltung dieser vorzüg­lichen Milchgeberin, auch im Kreise Gießen veranlassen würde Nach den dann beratenen Statuten wird der Sitz des Vereins in Gießen sein. Ter Verein verfolgt den Zweck: 1. den im Vereinsbezirk vorhandenen Ziegenschlag ausschließlich durch Original- und reinblütige Saaner Ziegenböcke zu veredeln; 2. mit Saaner Ziegen Neinzucht zu treiben und diese Rasse den hiesigen Verhältnissen an* -upassen und zu akklimatisieren. Es soll dies erreicht wer­den: 1. durch Körung der Böcke und Ziegen, 2. durch eine geordnete Zuchtbuchführung, 3. durch Anlage einer Zucht- station für Ziegen bei Gießen, 4. durch Belebung des Ziegenhandels mittels der Einrichtung von AuskunftK' stellen, Märkte und Versteigerungen, 5. Gründnna von