geklagten Herrschaft. Sie haben vielfach überhaupt nicht das Bewußtsein, als freie Menschen hier zu reden. Sie suhlen sich auch im Gerichtssaal nicht als gleichberechtigte Zeitgenossen. DaS beeinträchtigt natürlich ihre Wahrhaftigkeit. In sttunpfer Demut machen sie ihre Aussage. Oder es klingt Haß aus ihren Worten, und der ist dann ebenso das Zeichen ihrer Unfreiheit, chrer Abhängigkeit wie ihre untenvürsige Haltung.
Kommen dazu die Bestechungen, die Beeinflussungen. Bei jedem solchen Prozeß jinden sich Leute, die im Trüben fischen wollen. Klüglich!
Mehr alS das Schicksal der Gräfin interessiert uns das Schicksal ihres angeblichen Kindes. Ein Schauspiel wird in Moabit geboten. Delikt man aber des kleinen Grasen, so weitet sich das Schauspiel zur Tragödie.
Berlin, 9. Nov.
Heute wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Gutspächter Schmidt sagt aus, der angeklagte Gras habe ihm einmal gesagt, er fei der letzte Gras Wejierski-Kwilecki, der Majoratsherr aus Wroblewo sei. Dies sei geäußert worden, als der kleine Graf bereits da war. Der Angeklagte bestreitet, daß er derartiges geäußert haben tonne. Er sei eben der letzte Majoratsherr, der sich Wie- serski-Kwilecki nennen dürfe. Jeder Nachfolger, auch sein Sohn, dürfe sich nur Kwilecki nennen. Frau Schmidt bestätigt die Aussage chres Mannes. Die Aeußerung fiel ihr aus. Uebrigens habe sie die Echtheit des kleinen Grasen infolge seiner großen Aehnlichkeit mit der Gräfin rrotzdem nicht bezweifelt.
Ein anderer Zeuge weiß sich einzelner bestimmter Bemerkungen nicht zu erinnern. Er selbst habe dem Grasen einmal gesagt, daß sein Sohn ein sehr schöner Knabe sei; darauf habe der Graf geantwor tet: „Ich, hätte nichts dagegen, wenn der Junge tot wäre." Zeuge meint auf Befragen, daß er dies so aufgefaßt habe, als ob der Graf auf den Knaben neidisch sei, weil die Gräfin mit zärtlichster Liebe diesem zugetan war. Der Vorsitzende hält dem Zeugen vor, daß es doch nicht wahrscheinlich sei, daß der langersehnte Erbe nun durch fein Dasein den Grafen so neidisch gemacht habe, daß dieser den Tod des Sohnes wünschen könnte.
Administrator Studzinski erzählt einen Vorgang, bei welclzem die Gräfin in der Nendantur gewesen fei, um von dem Kassenrendanten Geld zu erhalten. Dieser habe gesagt, daß er lein Geld geben U>nne, und als die Gräfin dann auf den Wald und das Abholzen hingewiesen, habe sie die Antwort erhallen, daß auch dies nicht mehr gehe, da die Agenten schau Einspruch erhoben hätten. Schließlich habe die Gräfin gejagt: „Na, denn muß ich mir ein Kissen vor denLeib binden!" Es sei auch möglich, daß sie hinzugesetzt hatte: „dann bleibt mir nichts anderes übrig." Auf weiteres Befragen erklärt der Zeuge, er habe diese Aeußerung nur als einen Scherz aufgefaßt. Die Frau Gräfin sei als eine zu Späßen und Sckerzen aufgelegte Dame bekannt gewesen, die sich ost in so derber Weise vor den Leuten ausdrückte, daß er ihr mehrfach gejagt habe: „Frau Gräfin dürfen so vor den Leuten nicht reden, das gefährdet die Disziplin!"
Hedwig Andruszewski bekundet, wenn ihre Mutter, die sowohl bei der Gräfin, als in der Wirtschaft tätig war, mehrere Tage abwesend gewesen wäre, hätte das Gesinde dies bemerlen müssen. Die Zeugin Kaczak, die deutsch spricht bekundet, sie empfing in der Küche täglich von der Andruszewska das Mittagbrot zugeteilt, sie erinnere sich trotzdem nicht, daß die Andruszewska am Entbindungstage verreist war. Auf Antrag oer Verteidigung wird aus den Akten festgestellt, daß der Distr ills- kommisfar Leitloff die Kaczak als glaubwürdig bezeichnete.
Gerichtsarzt Dr. Störmer äußert zur Frage der Aehnlichkeit: Er sei der Ansicht, daß die Frage, ob eine Aehnlichkeit des kleinen Grafen Josef Kwllecki mit der Gräfin oder mit dem Sohne der Cäcilie Meyer vor- liegt, auf eine sichere Basis gestellt werden müsse. Vom ästhetischen Standpunkte allein sei die Frage nicht zu erledigen. Vielleicht Ernt ne doch die medizin ische Wissenschaft zu Hilf e komnien, da es ja außer Stam- meseigenlümlichkeiten auch gewisse Familienähnlichkeiten tm ganzen Körperbau, in der 9lase, in den Zähnen gebe, die sich durch die medizinische Wissenschaft feststellen lassen, ferner könne ermittelt werden, ob ein dRuttermal vorhanden sei und dergleichen. Er würde deshalb Vorschlägen, eine aus zwei Gerichtsärzten, vielleicht auck» dem Professor Dührssen, der die Cäcilie Meyer entbunden hat, und einem Porträtmaler bestehende Kommission mit der Prüfung der Aehn lich k eits f r a g e zu beauftragen.
Der Erste Staatsanwalt Steinbrecht formuliert diese Airregung zu einem entsprechenden Llntrage. Der Gerichtshof beschließt-—die Gerichtsärzte Dr. Stürmer und Prof. Dr. Straßmanu sowie den Porträtmaler P r o f. V o g e l mit der Prüfung der A e h n- lichkeitsfrage zu betrauen.
Die nochmals vernommene Kaczak erklärt, fie wisse bestimmt, daß die Andruszewska weder am 27. Januar noch einige Tage vorher verreist war. Schneiberineister Perzinski deutet das Gerücht an, das Kind stamme von einer Komtesse, die einmal mit dem Administrator verlobt war.
Hierauf werden die Krakauer Zeugen vernommen. Der Sohn der verstorbenen Hebamme Graczinska, die angeblich die Andruszewska zu der Hebamme Moll brachte, die den Knaben der Cäcilie Meyer für die Gräfin abgegeben haben soll, sagt im wesentlichen dasselbe aus, tuie ^echelski, und bekundet sodann, seine Mutter hatte öfters Sachen mit Hebammen und Ammen. Zwei Zeuginnen bekunden, daß die Cäcllie Meyer im Jahre 1897 ihr eben geborenes Kind für 100 Gulden an eine polnische Gräfin verkaufte. Die Dienerin der Gra- czynska, Demska, war zugegen, als bei der Hebamme Moll ein kleiner Knabe von zwei schwarz gekleideten Tarnen, die das Haar ins Gesicht gekänimt wie Jüdinnen trugen, in Empsang genommen wurde. Tie Zeugin weiß nur von dieseur Fall, daß Graczyuska bei dem Kindeskaus tätig war. Die Zeugin Kos war bei der Uebergabe des Kindes ebenfalls zugegen, weiß aber nicht meljr, wann sich der Vorfall abjpielte und kann ebensowenig wie die Vorzeugin das Alter der beiden Damen schätzen. Die Zeugin Nadwanska bekundet, daß sie zwischen November und Januar 1897 von der Graszynska engagiert wurde, um eine Frau mit einem Kind nach Berlin zu begleiten. Tie Frau trug einen schwarzen Mantel und künstliches Haar wie die galizischen Jüdinnen. In Berlin warteten sie mehrere Stunden, ob auf dem Bahnhof oder in einem Restaurant weiß Zeugin nicht mehr. Nach mehreren Stunden fuhren zwei Damen vor. Ihre Begleiterin fetzte den mitgebrachten Zlorbkosfer in den Wagen und legte das Kind hinein, worauf bei Wagen abfuhr. Auf Befragen erklärt die Zeugin, daß fie nach Berlin einen Henkeltopf mit einer Nachgeburt mitnahm. Von einem schwarzen Koffer, den eine der Damen in der Droschke abgegeoeu habe, loisse sie nichts. Weder ü)r noch ihrer Begleiterin, die sie nacu dreiviertel Stunden Bahnfahrt verließ, wurde etwas übergeben. Hierauf wird die Sitzung auf morgen vertagt.
Universttäts-Uachrichtr«.
— Schlossergeselle, Franziskaner in önch und „D r. j u r i s". Eine eigenartige Doklorpromotion land vor einigen Tagen an der Universität Breslau statt: der einmalige Schlossergeselle und Franzrskanermönch Johann Schlachzinkowski wurde zum Doktor der Rechte promoviert. Schlachzinkoivski ist 1874 zu Schneidemühl als der Sohn eines Eisenbahnarbeiters geboren. Bis zu feinem 14. Lebensjahre besuchte er die Elementarschule und trat dann bei einem Rechtsanwalt in Schneidemühl als Schreiber ein. Bon 1890—1892 erlernte er daraus das Schlosserhandwerk und bestand die Gesellenprüfung mit besonderer Auszeichnung. Bald daraus begab er sich auf die Wanderschaft. Hierbei führte ihn fein Weg nach München, wo er lohnende Beschäitig- ung bei dem Hoffchlogermeister Aloratelli fand. Hier wurde er auch Mitglied des Gefellenvereins, in bem seine Fähigkeiten solches Interesse erweckten, daß man Schlachzinkou^kis Ausnahme bei den Franziskanern in Landshut bewirkte. Hier bereitete er sich auf das Abiturientenexamen vor. Aber nachdem er schon tonsuriert war und sich bereits mit dem Gewand eines Franziskanermönchs bekleidet batte, entzweite er sich mit dem Orden und trat aus dem Kloster aus. Es gelang ihm jedoch, andere Gönner zu finden, und nachdem er ein halbes Jahr die Oberprima eines Gymnasiums in München besucht hatte, wurde er 1899 mit dem Zeugnis der Steife entlassen. Darauf studierte er in Breslau drei Jahre Jurisprudenz tuld wurde Referendar und „Dr. juris".
— Professor Dr. Georg Frerichs von der technischen Hochschule in Braunschweig erhiett einen Ruf an das chemische Institut der Universität Bonn.
— Der Schöpfer der modernen Bakteriologie Geheimrat Robert Koch vollendet am 11. November sein 60. Lebensjahr. Diesen Anlaß wollen feine Schüler und Freunde benutzen, um ihm feine Marmorbüste sowie ein durch freiwillige Sammlung aufgebrachtes Kapital zu einer Robert Koch-Stiftung zu überreichen.
GeriMssnai.
E. B. Darmstadt, 9. Nov. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich heute der frühere Sparkassenrechner Wichelm Eichler U. aus Dreieichenhain wegen Untreue und Unterfchlagung zu verantworten. Er hatte als Rechner des
dortigen Sparkassen- und Leihveretns im Lause mehrerer Jahre Sparkaffeneinlagen im Gesamtbeträge von ca. 7800 Mk. unterschlagen und die Beträge für sich verbraucht. In der Verhandlung wurde festgestellt, das;'von den dazu verpflichteten Vorstandsmitgliedern eine höchst lässige Kontrolle ansgeübl wurde; so begnügte sich ein Kontrolleur damit, einfach die Eintragungen des Rechners aus dessen Kassenbüchern abzuschreiben, überließ ihm auch beliebig die Kasfenschlüssel re. Dieser Umstand uub die Tatsache, daß Eichler aiich eine Reihe von Auszahlungen nicht gebucht unb somit Schaden erlitten hatte, sowie auch sein bisheriger guter Leumund und seine Bemühungen um Schadloshaltung der Kasse wurden vom Gericht als strafmildernd in Betracht gezogen und der Angeklagte nur zu G Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 10 Monate beantragt. , '
te. Frankfurt a. M., 9. Nov. (O b e r k r r e g s g e r i ch t.) Weil er sich besonders energisch gezeigt hatte, war der Unteroffizier Robert Franz Hoffmann von der 5. Batterie des 63. Feldartillerie-Regiments in Mainz von seinem Batteriechef zum Futtermeister gemacht worden. In jugendlichem Uebereifer hatte er sich dann zu zahlreichen Ni i ß h a n d l u n g e n hinreißen lassen, die sich über zwei Jahre erstreckten. Er führte in feinem Stalle ein durchaus strenges Regiment. Es hagelte Püffe, Tritte und Schläge mit der Hand sowohl wie mit allerhand Werkzeugen, wie Peitschen, Waschstöcke, Zügel, Bügelriemen u. f. ro. 693 Fälle solcher Ätißbandlungen, darunter 10 schwere, bei denen zum Teil blutige Wunden entstanden, stellte das Kriegsgericht der 21. Division in seiner Sitzung vom 9. Oktober fest und verurteilte den Angeklagten zri 9 Monaten Gefängnis, sah aber von der Degradation ab. Das Oberkriegsgericht des 18. Armeekorps erkannte auf die Berufung des Gerichtsherrn auf ein Jahr Gefängnis und Degradation. In bcn Urteilsgründen hieß es, em Unteroffizier, der bei deii gerliigsten Verfehen feiner Untergebenen so brutal und roh zugeschlagen und dadurch in fo verwerflicher Weise gegen das Gesetz imd alle ErmahiiUtigen und Verwarnungen ge- häiidelt habe, sei nicht mehr wert, Vorgesetzter zu sein.
9)1 annh eim, 9. Nov. (2. Böhm-Prozeß.) Nachdem Böh m und Henninger wegen Bankerottvergehens a b g e u r t e i l t wordeii sind, haben sie sich heute vor der hiesigen Strafkammer mögen Betruges bezw. Beihilfe und Untreue zu verantworten. In erster Reihe handelt es sich darum, daß Böhm durch die Vorspiegelung von Gewinnen bei der Aktien- Gesellfchaft für Chemische Industrie eine Anzahl Bankgeschäfte und Privalpersoiien veranlaßte, junge Aktien der Aktien-Gesellschaft für Chemifche Industrie zu hohen Kursen zu kaufen und verschiedene Bankhäuser bestimmte, gegen Verpfändung junger Aktien der Aktien- Gesellschait für Chemische Industrie erhebliche Kredite elnzuräumen. Unter den geschädigten Personen befinden sich viele aus Württemberg, Frankfurt :c.' Henninger wird beschuldigt, daß er es unterlassen habe, den Ailfsichtsrat aiifzuklären, daß die Gesellschaft mit Unterbilanz arbeitete, daß trotzdem unberechtigter Weise G e w i n ii e und Tantiemen ausgezahlt wurden, daß er ferner unter Verschwiegenheit der wahren Sachlage der Aktien- Gesellschaft für Chemische Industrie mit Böhm gemeinsam verschiedene Bankhäuser zur Aiimeldung auf junge Aktien bestimmte. Ein weiterer AnklagepiNikt geht dahm, daß die beiden Angetlagten eine Anzahl Bankhäuser infolge der unwahren Darstellung der Aktien-Gesellschaft für Chemische Industrie bestimmten, Wechsel zu diskontieren und schließlich werden die Angeklagten beschuldigt, durch Ausgabe falscher ungedeckter Akkreditive auf das Bankhaus Heidelbeck, Schellhetmer u. Co. in Newyork 5 Bankhäuser um 10 Millionen Mark bar geschädigt zu haben. Lange Zeit nahm das Verhör des Böhm über die Täuschung und Schädigung mehrerer Bankhäuser durch die Anlage fingierter Akkreditivs in Anspruch. Von dem Vorstände der Aktiell-Gesellschaft für Chemische Industrie wurden, trotzdem man bei dem Newyorker Bankhause infolge Nachlassens des Exports wegen der verschärften arneri- kanifchen Zollgesetze seit 1895 fast kern Warenguthaben mehr hatte, nach wie vor Akkreditivs auf Newyoft ausgegeben. Die Firma Wingenroth Scherr u. Co. hatte zwei Tage vor Ausbruch des Konkurses ein Akkreditiv zurückgewiesen, da sie durch die Häufigkett derselben mißkrauifch geworden war.
Newyork, 8. Nov. Der Engländer John Tu m e r. der Vertreter des britisch-nationalen Vereins kaufmännischer Angestellten, welcher kürzlich verhaftet war, sollte auf Grund des neuen Gesetzes über dieAusweisung von Ausländern wegen Aufreizung zum Anarchismus a u s g e w i e s e u werden. Turner erhob gegen den Ausweisungsbefehl Einspruch mit der Begründung, daß der a n a r ch i st i s ch e G l a u b e dem r e l i g i ö s e n G l a u b e n g l e i ch st e h e, und daß daher die Ausweisung ungesetzlich sei. Das Bundesgericht wies die Berufung zurück. Der Richter ließ die Begründung, daß die anarchistische Lehre Religion sei, nicht gelten, und erklärte, daß die Frage der Redefreihett sich mir auf amerikanische Bürger beziehe. Die Bestimmung habe aber mit der Frage nichts zu tun, welchen Personen die amerikanische Regierung den Eintritt in das Land gestatten solle. Turners Ausweisung ist die erste unter dem neuen Ausweisungsgesetz, welches nach der Ermordung Akac Kinleys erlassen wurde.
Unter Kennern gilt „.Kupferberg Gold" ohne wetteres als der beste deutsche Sekt. Seine erstklassigen Eigenschaften, sein vorzüglicher Geschmack, seine leichte Art und seine große Bekömmlichkeit haben ihn zu einem Lieblingsgetränk aller Gesellschaftskreise gemacht. 7987
Daraus ergibt sich^ daß beides angestrebt werden rnuß: Der Arzt muß schon auf der Hochschule, mindestens aber während des praktischen Jahres lernen, in welcher Weise er mit feinen Patienten sich ihrem Begriffsvermögen entsprechend verständigen kann urrd allgemein gleiche Regeln müßten dafiir ausgestellt werben; — und das Publikum muß eben von klein aus seinen Körper zu beobachten und zu verstehen angehalten uub unterwiesen werden.
Dann wird das Verhällnis zwischen Aerzten und Klienten ein ideales werden, dann wird vielleicht auch das Publikum befugt sein, die Fähigkeiten eines Arztes zu beurteilen.
Bis dahin aber ist dies Verhällnis durch zwei Worte gekennzeichnet, von welchen das erste vielfach bestimmend, das zweite aber das allein notwendige für ein Einvernehmen ist: Zufall umb Vertrauen.
— Soeben beginnt unter bem Tllel „Der Pitaval derGegenwart, ein Almanach interessanter Straffälle", herausg> von Pros. Dr. Frank-Tübingen, Polizeidirektor Dr. Roscher-Hamburg und Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt-Mainz, im Verlage von C. L. Hirschfeld in Leipzig zu ersch»einen. Bereits das erste Heft hat einen hochinteressanten Inh all. Oberstaaitsanw'alt Dr. Schmidt- M ainz erzählt von einem „falschen Z i st e r z i e n f e r", der in Mainz im Jahre 1897 im bischöflichen Palais als internationaler Schwindler entlarvt wurde. Er nannte sich Francis de Rohan und behauptete, der Sohn eines Groß- kaufmanns in Quebec zu sein. Man ermittelte, daß er Gorbes hieß und Sohn eines Nachllvächters in einem holländischen Städtchen war. Er war aus Grund gefälschter Papiere irgendwo in Amerika Pfarrer geworden, infolge skandalöser Aufführung aber bald Vertrieben worden und hatte eine lange abenteuerliche Verbrecherlaufbahn hinter sich. — Lberkanbesgerichtsrat Seisarkh in Jena weiß Romanhaftes aus dem Leben des Berliner stud. jur. Malter Fischer aus Eisenach zu erzählen, der als Mörder seiner Geliebten verurteilt wurde. Köstliche ,^im-
melsb riefe' anwalt Walch,
enthäll.
— Die Neue Musik-Zeitung (Verlag von Karl Grüninger in Stuttgart) hat mit Beginn ihres 25. Jahrgangs ein curdercs Gewand angelegt und ihren textlichen Teil ivejentlich erweitert. Besseres Papier, modernere Ausstattung reichhaltigeren Jllustrationsschmuck weist die Nr. 1 aus, die in einer Stärke von 26 Seiten Text und 4 Seiten Musit'beilage vor uns liegt. Der bekannte Mufitichrift- steller Dr. Richard Batla eröffnet mit einem Aussatz „Die deutsche Gejangsballade" den Steigen, Dr. Rudolf Louis folgt mit einer biographischen Skizze des jungen Münchener Komponisten Ernst Boehe (mit Porträt), dessen symphonische
— Lumpensammler unter den Nagern. I den fleinften Familien der Nagetiere gehören die ViseackM, die in selbstgegrabenen Höhlungen oder natürlichen Klüften in größeren oder kleineren Gesellschaften Hausen. Die Pantpaviscacha bewohnt die Grassteppen von Buenos-Aires bis Patagonien und spiell in diesen spärlich bewachsenen Ebenen die Rolle der Lumpensammler in unseren Großstädten. Die Tiere haben nämlich die sonderbare Gewohnheit, alle möglichen Gegenstände, die sie auf den Pampas finden, vor den Eingängen ihrer Höhlen zufammenzuschlep- pcn, und zwar so eifrig unb gewissenhaft, daß die Gauchos (berlltene Hirten), wenn sie etwas vermissen, sich in erster Linie zu den nächsten Viscachabauten begeben, um dort nachzuschauen. Man findet dort regelmäßig Knochen, weg- geluorfene alle Schuhe usw. augehauft, aber auch verlorene Reitpeitschen und qnbere Dinge, selbst Taschenuhren, wie Prof. Dr. W. Mar'shall in Lieferung 12 seines für alle Gebildeten bestimmten PraMwerkes „Die Tiere der Erde" (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt) mitteilt. Diese Lieferung ist mit einem vorzüglichen Farbendruck, ein Flußpferd darstellend, geschmückt; im ganzen wird das Werk 50 Lieferungen zu je 60 Psg. umfassen. Diese populäre Tierkunde steht in illustrativer Hinsicht einzig da, indem sie über 1000 Abbildungen, die ausnahmslos nach photo- gravhischen Aufnahmen nach dem Leben hergestellt wurden,
Persönliches von Theodor Kirchner (mit Bild) erzählt Dr. Wintzer, Musikdirektor Koch (Stuttgart) leitet eine Tonsatz- lehre ein. Ein Aufsatz des Darmstädter Privatdozeuten xr. Wilibalb Nagel behandelt die Analyse einer Beethoven- Sonate, dem sich Dr. Grunsly mit einem Artikel über die Kompositionen von Joh. Seb. Dach anjchließt. Die Rcusik- beilagen sind nach dem Cesichtspunkte einmal der musikalischen Unterhaltung sowie auch der Belehrung gewählt: Ein melodisches Vortragsstück von N. v. Wilm und die Bearbeitung einer Bourröe des großen ThomasiantorS. Vom belletristischen Teil des Blattes seien zloei Aufsätze: „Aus dem Leben berühmter Primadonnen" und „Schubert in Ungarn" erwähnt. Der Dresdener Urausführung der Blech- Batlaschen Oper: „Alpenlöuig und Nienschenfeind" ist in einem Artikel mit Notenbeispielen gedacht, Abbildungen aller Lauten liefern einen Beitrag zur Justrumenienkunde, und der Briefkasten gibt fachmännische Beurteilungen eilige sand ter Kompositionen. Die „Neue Musik-Zeitung" scheint auf dem rechten Wege zu jein, das Bedürfnis nach einer gediegenen wirtlich populären Zeitschrift zu erfüllen. Das zeigt auch schon der billige Abonnementspreis von nur 1,50 Mk. für das Vierteljahr von 6 Nummern mit regelmäßigen Musilbeilageu und einem Kunstblatt.
— In einigen Wochen wirb unter dem Titel „M ü. n ch's Haus schätz", mie man uns schreibt, ein eigenartiges Sammelwerk erscheinen. Der erste Band führt den Sonder- titel „D em t s ch c D i ch t n ii g. der Neuzeit" unb enthält Gedichte von Felix Dahn, Marie von Gbner-Eschen- bach, Ludwig Fulda, Rudoll von Gottschall, Martin Greif, Paul Heyse, Wilhelm Jordan, Detlev oon Liliencron, Peter Rosegger, Frida Schanz, Johannes Trojan, Adolf Wil- b r ei not, Ernst von Wildenbruch ?c. Der zweite Band nennt sich „Deutsches S k i z z e n b u ch" und bringt Skizzen und Erzähtungeii von inneren ausgezeichnetsten Erzäb'ern
veröffentlich endlich der Erste Staats-1 Dichtung Odysseus in dieser Saison von verschiedenen der bedeutendsten Orchester Deutschlands zur Aufführung ge- Zu! bracht wird. Des Prosper 9)ierimee 100. Geburtstages ist as, in einem Aufsatz (mit Bild^ von Armin Friedmann gebaM,


