Ausgabe 
10.11.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 264

Erschein, täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter otermal in der

Woche betgelegL Aiotation-druct u. Ver­lag der Brühl 'schen Untvers.-Buch- ruStetn- druckeret (Pietsch Erbens

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulftratze 7.

Vdresie für Depeschenr Anzeiger Gießen.

KkrntprkchantchlußNr 51.

Zweites Blatt.

Dienstag 10. November 1903

153. Jahrgang

etzener Anzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

BezngdprerSi monatlich7bP^ viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstelle,' monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die DageSnuminer jU vormMagS 10 Uhr.

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Brraairvortiich für den polil and aflflcm. *£etl; P. totllto. für .Stadt und Üanö* und .GerrchlSsaal^! August Götz, 1üt den An- jeiqentetl: yane veck.

§ie heutige Dummer umsaßt 8 Seiten.

Politische Tagesschau.

Selbstmord eines Ministers.

Der italienische Finanzminister Rosano war am 8. 6. 2)L früh in Neapel angekommen. Er erklärte, er sei gekommen, um seine Familie zu begrüßen und die Leitung der Wohltätigkeitsanstalt uiederzulegen, deren Vorsitzender er war. Nach dem Frühstück hielt sich der Minister mehrere Stunden außerhalb des Hauses auf und kehrte um 6i/2 Uhr abends- zurück. Er Mb darauf an, er wolle nicht nach Rom zurück kehr cm, da er sich infolge einer Erkältung un­wohl fühle. Rosano nahm mit seiner Familie das Diner ein, hatte eine Besprechung mit dem ihm verwandten De­putierten Coldsimo und begab sich frühzeitig zur Zllrhe. Am Montag Morgen 5i/2 Uhr stand er aus und ging in sein Arbeitszimmer, wo er mehrere Briefe schrieb. Darauf tötete sich Nosano durch einen Revolver schuß i n s H e r z. Der Lod ist sofort eingctreten. Als die Kammer­frau um 6 Uhr das Zimmer betrat, um dem Minister Kaffee zu bringen, sand sie ihn auf den Schreibtisch gestützt; da er auf ihr Rusen nicht antwortete, stellte jie den Lod fest und benachrichtigte sofort den Senator Muniechi und den Devutierteu Colosimo, die einen Priester und einen Arzt holen ließen. Der letztere konnte nur den bereits eiuge- tretenen Tod feststellen. Muniechi benachrichtigte die Frau und die Kinder Rosanos. Sobald die Nachricht bekannt wurde, begaben sich die Vertreter der Behörden nach dem Hause des Ministers. Der Zutritt zu dem Hause war jeder­mann streng untersagt. Der Staatsanwalt begab sich nach dem Arbeitszimmer Rosanos, in dem sich Muniechi. und Eokosimo besanden. Eine zahlreiche Menschenmenge sam­melte sich vor dem Hause Rosanos an.

Der Selbstmord des Ministers erfolgte, wie man aus Rom meldet, deshalb, weil der sozialistische Abg. Berga- niischi in einem Briefe an das BlattRoma" die vom Avanti" erhobene Anklage, daß Rosano gegen Ent­gelt von b000 Lire einen Verurteilten aus seinem Zwangsaufenthalt befreien ließ, bestätigte!

Es heißt, die unmittelbare Ursache des Selbstmordes ttmr seine Unterredung mit G-iolitti. ^tofano sollte zeitweilig zurücktreten, um in einer Gerichtsverhandlung sich von den Anklagen desAvanti" zu reinigen, nachher könne er ja wieder ins Ministerium zurücktreten.

Rosairo, der in seiner Jugend aus unglücklicher Liebe schon einmal einen Selbstmordversuch gemacht hatte, hinter­ließ folgenden Bries an seine Frau: Ich bin ein Ehrenmann und sterbe als solcher; aber seit 30 Tagen hat sich über mich eine solcoe Flut von Anklagen ergoßen, daß ich nicht widerstehen kann. Ich verzeihe meinen Söhnen, welche mir viel Kummer bereiteten, meinen Feinden, die mir viel Uebles zufügten. Die Zukunft wird mir Gerechtig­keit werden lassen. Verzeih auch Du. Pietro.

Kotonialpost.

Berlin, 9. Nov. Nach einer hier eingegangenen Meldung des kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch- Südwestafrika liegt in Windhoek keine B e st ä t i g - ung der a u § englischenQuellen stammenden Nachrichten über die Ereignisse im Süden des Schutzgebietes vor, obwohl, wie ebenfalls gemeldet wird, die heliographisch Verbindung zwischen Windhoek und Keetmanshoop sich nach wie vor ui Betrieb befindet. Letzterer Umstand läßt auch

erwarten, daß demnächst nähere Berichte über das Vocge- sallene eingehen werden. Die Entfernung zwischen Keemans- hoop und dem Schauplatz der Unruhen bei Warmbad be­trägt etwa 260 Kilometer. Der kaiserliche General­konsul in Kapstadt meldet unter dem 9. November, die Bondelzwarts seien in die Kapkolonie einge­fallen. Es habe ein Kampf mit der dortigen Polizei ftattgefunbem*

L o n d o n, 9. Nov. (Reuter.) Die South African Territories Company, welche in regelmäßiger Verbindung mit Warmbad steht empfing Nachrichten, wonach es nicht für wahrscheinlich gilt, daß der gegenwärtige A u f st a n d sich weit a u s b r e i t e. Sie nehme an, daß die durch­gesickerten Nachrichten übertrieben seien. Sie halte für wahrscheinlich, daß den deutschen Truppen andere Stämme zu Hilfe fonunen werden.

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Per Frozeß wegen Kiridcsuttterjchievuug gegen die Krastn KuutecKi.

Vor zwei Wochen wurde der Prozeß Kwilecki in Berlin eröffnet, und noch immer liegen die Vorgänge, über die er Klarheit bringen sollte, in tiefer Dunkelheit. Un­schlüssig schwankt die Wage hin und her. So viel Wahr­scheinlichkeiten sür die Schuld der Gräfin, so viel dagegen. Mag die Wahrheit lauten wie sie will, der Weg zur Wahr­heit führt über eine Menge trügerischer Wahrscheinlich­keiten, über eine Menge falscher Zeugenaussagen. Mag sie lauten, wie sie will, sie wird ihre Opfer fordern.

Tas Leben spielt so gern. Es macht uns Menschen so gern recht herzlich schwer, Lug und Trug zu entlarven. Es gibt in jedem Prozeß Schwierig leiten, die von Menschew- hand herrühren. Das ist natürlich; es liegt int Interesse des Schuldigen, den Tatbestand- zu verschleiern. Schließ­lich ist Menschenlist nicht so unergründlich, daß sie auf die Dauer der Wahrheit trotzen könnte. Von glänzenden Siegen der Justiz in solchen Fällen wäre da zu berichten. Schlimmer steht es um die Hindernisse, die das Leben selbst dem menschlichen Fragen und Suchen entgegentürmt. An ihnen ist in der Wroorewoer Sache kein Mangel.

Das extremste Beispiel: Das Kind, dessen Wohl und Wehe durch die Verhandlung entschieden werden soll, gleicht der Gräfin und gleicht dem Sohne der Bahn- wärterstochter. Tie Aehnlichkeit ist so ausfallend, nach beiden Setten hin so auffallend, daß beide Parteien dar­aus ein beweiskräftiges Argument für sich ableiten zu dürfen glauben. Ein Berliner Zeichner hat den Knaben auf dem Korridor des Gerichts porträtiert und dann erst also nachdem er sich eingehend mit der Physiognomie des Kleinen beschäftigt hatte die Gräfin gesehen. Er war frappiert von der Aehnlichkeit. Tie Verteioigung stellte den Antrag, den Zeichner als Sachverständigen zu laden, die Staatsanwaltschaft antwortete mit dem Gegenantrag aus Ladung eines Beamten, der fick) Über die merkwürdige Aehnlichkeit der beiden Kinder aussprechen sollte.

Seltsames Spiel der Natur! Die naturwissenschaft­liche Theorie der Schutzanpassung nimmt an, daß der grüne Käser, der im grünen Laube wohnt, seine grüne Farbe nur zu dem Zwecke erhalten habe, sich vor seinen Feinden geschickt verbergen zu können. Ein deutscher Schmetterllug kann seine weißgrauen Flügel so zusammen­rollen, daß er auss Haar dem Stückchen eines Birkenastes gleicht. Der Kopf mit seinem hellgelben Ton scheint die Bruchstelle des Astes zu ni.arfi.eren. Man denke weiter an

das Chamäleon, an Insekten, die wie Rosend-oruen an Pflanzenstengeln sitzen, an Raupen, die wie Früchte von ihnen herabhängen. Auch eines blutroten Schmeti-erlings wird man sich erinnern, der sich in Scharen auf einei grünen Pflanze niederläßt und sie mit einer Blütenprachi ohne gleichen zu über ziehen scheint.

Wer die Gräfin für schuldig hält, könnte der Natur vorwerfen, hier ein ähnliches Spiel getrieben zu haben. Tem ahnungslosen Kinde gab sie einen wunderlichen Schuh mit auf den Weg. .

Tie Hauptbelastungszeugen sind die vielgenannte Hed­wig Andruszewska und der Kntsck)er Wilke. Tie Aussage der Hedwig verdankt ihr Gewicht dem eigenartigen mora­lischen Moment, das dabei mitspielt. Sie beschuldigt mit ihrer Aussage ihre tote Mutter. Der ganze Prozeß bewegt sich ja in wenig erfreulichen Regionen. Die polnische Wirtschaft, die er enthüllt, hat etwas unbeschreiblich Ab­stoßendes für uns, und die meisten der Zeugen, die da gegenwärtig in Moabit auftreten, scheinen nicht gerade über bedeutende sittliche Qualitäten zu verfügen. Aber das Maß der Verworfenheit, das dazu gehörte, die tote Mutter ohne Grund und Sinn mit Schimpf und Schande zu bedecken, traut man doch nicht ohne weiteres dem Menschen zu. Immerhin, über Wej'en und Charakter der Hedwig kann man noch immer nichts Bestimmtes aus­sagen. Etwas Kahenartiges scheint in ihr zu liegen.

Ter zweite Zeuge, der Kutscher ist ehrlich Man glaubt ihm. Aber seine Aussage führt zu einem zunächst unlösbaren Widerspruch Er erzählt, am 26. Januar sei es 18 Grad kalt gewesen. Tie offiziellen Auszeichnungen stimmen damit nicht im entferntesten überein. Wieder ein Stein, den das Leben plötzlich ehrlicher, menschlicher Un­tersuchung entgegenschiebt. Zeuge Wilke scheint fürs erste nun erledigt.

Was ist Wahrheit? Ter Schwur sollte uns eine Ga­rantie für die Wahrheit bilden. In Wroblewo aber ist die Furcht vor dem Meineid keine große. Wahrheit und Un­wahrheit, eins wie das andere wird beschworen. Die Gco- rantie ist also hinfällig. Es ist noch die Frage, wie weit die Meineide man hat in jedem Fcllle mit einer großen Zahl solcher Meineide zu rechnen wissentlich, und wie weit sie unwissentlich abgelegt wurden. Augenscheinlich tritt uns hier ein geistig wenig entwickelter, in mehr als einer Hinsicht minderwertiger Menschenschlag entgegen. Für Suggestion sind solche Menschen außerordentlich leicht empfänglich. Sagt eine dieser Frauen, die alte Andru­szewska sei an dem fraglichen Tage in Wroblewo gewesen, so bildet sich die Nachbarin, zu der sie dies geäußert hat, nach wenigen Tagen ein, dies aus eigener Wissen­schaft bezeugen zu können. denke man überdies, wie weit die Vorgänge zurückliegen; wieviel ehrlicher Irrtum da möglich ist. Bekannt sind die Experimente, die Pro­fessor v. Lißt am Berliner kriminalistischen Seminar ver­anstaltet hat. Verblüffendes Material für die Behauptung der gänzlichen Unzulänglichkeit unseres Gedächtnisses, der täuschenden Kraft unseres Gedächtnisses hat er angehäuft. Unter keinen Umständen erscheint mir ein Ereignis heute so, wie es mir vor Jahren, als es sich begab, erschienen ist und erscheinen mußte. Die Erinnerung ergänzt hier und schleift dort ab; sie korrigiert und ändert mit einer Willkür, die oft erschreckend ist und den Juristen, der die vr attischen Folgen dieser Entdeckung überschlägt, recht nach­denklich machen muß.

In unserem speziellen Fall spielt natürlich auch die Stellung der Angeklagten eine bedeutungsvolle Rolle. Die Zeugen sind zum großen Teil die Untergebenen der an-

W>e kann das F>olk zu einer gerechten Ae- urtcitung ärztlicher Leistungen erzogen «erden?

Von einem praktischen Arzte.

(Nachdruck verboten.) in.

Ta die Grundsätze der Behandlung für uns Aerzte ein für allemal feststehende sind, so folgt daraus weiter, daß es am zweckmäßigsten ist, bei seinem Arzt ;i.i 'bleiben und gegebenenfalls einen zweiten Arzt mit Zustimmung des Hausarztes zuzuziehen. Dann kommen solche verhäng­nisvollen Zufälle nicht vor.

Gerade die Empirie, die geringe Zähl der spezifischen Heilmittel, die Kinderschuhe, in welchen gewissermaßen die Therapie noch steht, sind auch die Ursache, weshalb der Weizen der Naturärzte, Kurpsuscher u. dgl. blüht. Wäh­rend kein Arzt nur mit Arzneien eine Krankheit heilen will, während vielmehr stets Umschläge, Eis, Massage, Bäder, Schwitzen, Diät, Ableiten ans den Darm und eine Fülle hygienischer Vorschriften seine Verordnungen als wesentlicher Heilfaktor unterstützen, nimmt der Kurpfuscher nsw. seine Kaltwasserprozeduren oder dergleichen allein, ohne Medikamente zu Hilfe. Selbst wenn der Arzt die Heber* zeugung hat, daß in geeigneten Fällen Medikamente ent­behrlich wären, so kann sich nur ein sehr fest im Sattel sitzender Hausarzt die Extravaganz erlauben, so zu ku­rieren. Das Publikum und zwar besonders der Mittel- unb Arbeiterstand wollenverschrieben" haben, ^n Kassen­patienten möchte ich sehen, welcher mit einem mehrmals wiederholten heißen Fußbad, kalten Abreibungen, An­leitung zur Massage, Sonnenbädern re. zufrieden wäre. Der Arzt, der solches wagen dürste, mühte bei dieser Kasse die Tätigkeit wohl bald einstellen, sein Brod verlieren, denn die Arbeiter wählen ja den Kassenarzt. So kann der Prak­tiker gar nicht darüber hi naus kommen, unter allen Um­ständen etwas zu verschreiben und muß mir zusehen, daß Lieje vielfach die Kassen unnötig belastende Ausgabe nicht

zu hoch wird. Was aber bei der Bewertung des Natur - arztes recht ist, sollte bei der des Arztes billig sein, welcher die Naturheilmethode natürlich auch in wissenschaftlicher Meise aus übt, was dder medizinisch nicht gebildete Laie gar nicht kann.

Wie häufig findet man nun, daß, wenn ein Arzt dies, der andere jenes verschreibt, daraus vom Publikum auf falsche Behandlung geschlossen wird. Wie häufig wird der Apotheker gefragt, wofür dieses oder jenes Medikament dienen soll. Gibt er feine Auskunft, so geht der gekränkte und wißbegierige Bote das nächste Mai in eine andere Apotbeke. Gibt er aber Auskunft, so kann man wetten, daß dieselbe unter 100 Fällen OOraal falsch ist. Denn wenn es feine Heilmittel für die Krankheit als solche gibt, so kann auch aus dem verordneten Mittel nicht auf die Krankheit geschlossen werden, abgefehen davon, daß die Apo­theker dafür überhaupt nicht ausgebildet sind. Da aber das Publikum in den Apotheken in mittelalterlichem Aber­glauben befangen die Stätten sieht, welche berufen sind, die Wunderkräfte der Natur, die Kräutern, Schnecken, Mücken, Füchien und , frischgeköpft en Verbrechern innewohnenden Säfte für die Zwecke der Heilkunde dienst­bar zu machen, weil es dort für 10 Psg. Mücken-, Dachs- nnd Fuchsfett, als welche Schweineschmalz, Schneckensaft, als welcher Zuckeüvajser, roten Priuzdupat, als welcher rote Quecksilbersalbe (rote Praeeipitatsaibe) verabfolgt wird, anstandslos erhält, so meint es natürlich auch, dort müsse man über Wirksamkeit und Zweck einer Arznei noch besser informiert sein, als in ärztlichen Kreisen. (Ein Irrtum, der ja auch dazu führt, daß vielfach in Alpotheken unter Dar­legung der Krankheitsverhältnisse Mittel verlangt und in Empfang genommen werden.) Gibt nun zufällig der Apo­theker einen Zweck an, für den die Arznei gerade nicht be­stimmt war, so ist man in seinem Urteil fertig, daß der Arzt sich! geirrt, verkehrt behandelt habe; man fragt den Arzt vielleicht darüber, muß ihn aber in Ermangelung irgend welchen Verständnisses für seine Ausführungen, und vor­eingenommen, wie man ist, miß- oder nicht verstehen. Was

nun noch fehlt, besorgt der Klatsch. Man tuschelt hier, man urteilt dort, und je länger der Weg, desto entstellter und ausgebauschter erscheint die Neuigkeit auf der Bildfläche. Und es kann auf diese Weise einem neu zugezogenen Arzt, der vielleicht der tüchtigsten einer ist, die Praxis total verdorben werden.

So kann man z. B. hören, ein' Manu sei mit der Mist­gabel in die Seite gestochen worden, und der Arzt habe ihn auf Rippenfellentzündung behandelt, während sich nachher herausgestellt habe, daß er die Brusthöhle voll Eiter hatte uni) daß eine Rippe entfernt werden mußte. Scheinbar liegen hier große Irrtümer vor. Und doch ist die Ent­wicklung des Prozesses vollkommen folgerichtig. Der Stich hatte eine Rippenfellentzündung und diese wieder die eitrige Ausschwitzung der Rippenfellblätter in den Brusthöhlenraum zur Folge. . Die Rippe mußte, auch wenn sie vielleicht durch den Stich nicht verletzt war, entfernt werden, um dem Eiter genügenden Abfluß verschaffen zu können und so die Wiederentfaltung der durch den Erguß zusammengedrückten Lunge zu ermöglichen.

Solches Atißverständnis kann nur verhütet werden, wenn der Arzt von vornherein wiederholt und eindringlich auf die Möglichkeit solchen Ausgangs hinweist. Dann ist er gedeckt, s elbst auf das Risiko hin, daß der geängstigte Patient oder die Angehörigen einen anderen Arzt nehmen und daß die Komplikation mit Eiterung vielleicht gar nicht eintritt.

Aber erschwert und vielfach vereitelt wird diese Aus­sprache, diese Vorhersage eben auch durch die Schwierigkeit, sich mit dem Laien über ihm gänzlich fremde Vorgänge zu verständigen.

Darum liegt eine große Hauptaufgabe für den Arzr darin, feinen Klienten möglichst in gern ein faßlicher Darstellung die Vorgänge zu schildern, wie sie der jeweils vorliegende Fall in sich schließt. Und das ist eine eminent schwere Aufgabe für den Arzt, einmal, well er nur in Fach­ausdrücken sich zu verständigen gelernt hat und zweitens, weil der Klient sich meist auch in die gemeinverständlichste For^n nicht hineindenken kann, well ihm die Begriffe fe 'M.